
Liebe Leser*innen,
er gilt als der Problemfall seiner Branche und machte bereits in seiner frühesten Jugend einschneidende Drogenerfahrungen (Starkbier): Alexander Dobrindt wird für seine Sprachgewalt von Millionen gefeiert (»Klima-RAF«, »Anti-Abschiebe-Industrie«) und tritt jetzt an die Öffentlichkeit, um mutig vom Kampf mit seinen inneren Dämonen zu berichten:
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Das neue Heft: ab Samstag in den Streaming-Charts, jetzt schon im Onlineshop (Print (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) oder PDF (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) oder in der App (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)) – oder am besten: im Abo (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)!
Während Hassbefehl damit beschäftigt ist, Afghan*innen Geld anzubieten, damit sie nicht in die Bundesrepublik reisen, fordert Merz explizit dazu auf, mal nach Deutschland zu reisen und dessen Schönheit zu genießen:

Merz möchte nach einem Besuch in der Mescheder Innenstadt mit Lula bei einem schönen Teller Potthucke seinen jüngsten diplomatischen Erfolg feiern:

Diese Idee hat Merz sich bei seinen Urahnen abgeschaut: Früher wurden die Alten einer sauerländischen Gemeinde in Schmalzlappen eingewickelt und im Arnsberger Wald ausgesetzt. So war es Brauch bis in die Siebziger. Weitere Informationen über die Lebensweise unserer Altvorderen lesen Sie nun:

Kleidung
Entgegen populärhistorischer Darstellungen waren die Germanen nicht schlammfarben gekleidet, sondern experimentierten mit eleganten Neonfarben, die sie aus Beeren und Schmetterlingen pressten. Außerdem entwickelten sie die erste atmungsaktive Tunika mit einer eingenähten Schicht aus perforierten Katzendärmen, ein Vorgänger der Funktionsjacke.
Zeitrechnung
Als einziges Volk auf dem europäischen Kontinent lebten die Germanen nach dem Schweinekalender. Aus unbekannten Gründen betrachteten sie Schweine als Gestirne und richteten ihr Leben nach deren Konstellation aus: wann die Äcker bestellt wurden, wann geerntet wurde, wann die Gestirne geschlachtet wurden.
Religion
Traurig, aber wahr: Weil den Germanen wenig Faszinierendes in der heimischen Natur begegnete, begannen sie, die Pfützen anzubeten, deren Erscheinen und Verschwinden ihnen unerklärlich vorkam. Besonders mächtige und Ehrfurcht gebietende Pfützen wurden zum Schutz mit Steinen ummauert.
Sprache
Deutsche Ausdrücke wie »Schadenfreude«, »Waldeinsamkeit«, »Fingerspitzengefühl« und »Zeitgeist« haben internationalen Kultstatus erreicht. Interessant: Ziemlich genau diese Gruppe von Wörtern bildete neuen Erkenntnissen zufolge den Wortschatz der germanischen Stämme, und zwar den gesamten. Eine Verständigung über die einfachsten Dinge war dadurch unmöglich.
Familie
Hier gab es keine großen Besonderheiten im Vergleich zu heute. Es gab das gleiche fragwürdige Geflecht aus Großeltern, Tanten und Cousins und Cousinen, die man, so gut es geht, meidet. Wer wen heiratete, das bestimmten die Pfützen und Schweine.
Kultur
Die Germanen verfügten über einen überaus feinsinnigen Humor, der spielerisch über historische Grenzen hinweg schillerte. Das belegt eine Reihe von Steintafeln, auf denen Stammesmitglieder geistreich über ihre Vorfahren in der Antike fantasieren und spötteln – Chapeau!
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Des Weiteren hat die Wissenschaft festgestellt, dass schon die Germanen Wahlen zum Tier des Jahres veranstalteten. Gewinner war immer entweder ein Schwein oder eine Pfützentier. Diesen Brauch haben sich die Deutschen über die Jahrhunderte hinweg beibehalten und gerade wieder einen neuen Lurchkönig gekrönt:

Und was machen die Deutschen noch so? In Fonds investieren und die neue Kolumne von Finanzexperte Gaitzsch lesen:

Heute: Kopfüber in die Entnahmephase
Seit ungefähr einem Vierteljahr finden sich in den Wirtschafts- und Finanzteilen sämtlicher deutscher Zeitungen und Wochenmagazine gehäuft Artikel, die in eine von zwei Kategorien fallen: 1. Geldvermehrungsstrategieratgeber à la »So verdoppeln Sie 50.000 Euro ohne Risiko«, »Wie Sie es mit 175 Euro pro Monat zum Millionär schaffen« oder »Rente mit 60? Dazu brauchen Sie dieses Portfolio«; 2. Aufschwungsfreudendämpfer à la »Steht die KI-Blase kurz vorm Platzen?«, »Wie lukrativ sind meine ETF wirklich?« oder »Was, wenn der Nvidia-Kurssturz kommt? Warum Sie nie alles auf eine Karte setzen sollten«.
Können wir aus diesem Journalismustrend etwas ablesen? Ich halte mich generell zurück damit, die Medien zu Erfüllungsgehilfen politischer Agenden zu erklären, aber als Wetterstationen im gegenwärtigen Klima taugen sie durchaus. Und die Karotte, die uns der Sommerverkünder Merz und die Hälfte seines Ärmelhochkrempel-Kabinetts seit einer Weile vor die Nase halten, verheißt nun mal den Geschmack des Aufstiegs. The Mittelschicht is back! Jede und jeder kann es schaffen, sich ein kleines Vermögen aufzubauen. Wohlstand für alle! Aber eben auch: Greift nicht allzu übermütig nach den Sternen! Vorsicht ist die Mutter der Porzellankasse. Glück und Glas, wie leicht bricht das. Das alles kann ganz schnell zusammenbrechen, und dann ist das Geheule groß – soll niemand sagen, wir hätten euch nicht gewarnt!
So windet man sich geschickt aus der Verantwortung, wie es ja überhaupt schweinchenschlau ist, dem Volk die Börse als die einzig wahre Form finanzieller Absicherung zu verkaufen. Ruhegeld von Vater Staat? Pah, das hier ist die Zukunft, Freundchen! Ungnade der späten Geburt. Freilich, das Gesäusel von Kapitalmarktkultur, von Eigeninitiative und von Entlastung der gesetzlichen Rentenversicherung (»Ich sag es, wie es ist: Das #Altersvorsorgedepot wird der Gamechanger der privaten Altersvorsorge«, Chr. Lindner im September 2024 auf X), das ist noch ein Echo der Rufe jener Ampelpartei, deren Namen wir nicht mehr nennen wollen. Das jedoch von Schwarz-Rot nur zu gern verstärkt wird. Wie Kollege Oettle in seiner letzten Kontext-Kolumne schrieb: »Mit Gestalten wie Friedrich Merz, Katherina Reiche, Lars Klingbeil und dem Rest des Berliner Pandämoniums sitzt die neoliberale FDP-Denke respektive das FDP-Mindset, wie wir Highperformer sagen, nach wie vor an den langen Hebeln.«
»So viel würden Sie verdienen, wenn Sie Beamter wären«, neckt mich derweil die Zeit. Was soll das nun wieder?
Verabschiedet sich und wünscht ein gut informiertes Wochenende:
Ihre TITANIC-Redaktion
TITANIC empfiehlt: Der neue Bestseller von TITANIC-Bestseller-Autor Simon Borowiak
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)An Juris 10. Geburtstag nimmt sein Leben eine dramatische Wendung:
Seine Eltern erklären ihn für volljährig. Sie haben ihm eine Wohnung gemietet, drücken ihm eine EC-Karte für ein Kinder-Konto in die Hand und machen sich aus dem Staub. Doch Juri bleibt nicht lang allein. Denn da sind ein sprechender, sehr selbstbewusster Rabe mit Höhenangst, zwei hilfreiche Nachbarn mit Wasserschaden, die ausgesprochen fiese Familie Tankwart und der freundliche Kommissar Kalle. Gemeinsam gehen sie auf Gangsterjagd im beschaulichen Bad Bims.
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