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Wenn Russland angreift – Teil 2: Angriffspunkte, die baltische Situation und die NATO

Im ersten Teil (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) habe ich die Grundlagen erklärt, wie ein Angriff der Sowjetunion abgelaufen wäre und wie sich das entwickelt hat. (Es macht Sinn, das zuerst zu lesen.)
In diesem Teil werde ich für Laien erklären, was strategisch daraus folgend heute zu erwarten ist. Und warum.
Im dritten Teil werde ich darauf eingehen, was das konkret für Deutschland bedeuten würde.

https://steady.page/de/u-m/posts/0966e446-63a6-45a4-963f-778762df550d (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Um das entgegen jeder Dramaturgie gleich aufzulösen: Russland wird Deutschland nicht in einer Bodenoffensive angreifen. Denn das geht nun nicht mehr. Dazwischen liegt ja - wie ausführlich erklärt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) - inzwischen der NATO-Partner Polen.

Stilisierte Karte der NATO Staaten und Russlands.

Darum geht es nicht. Und darum geht es auch nicht, wenn Militärs und Sicherheitspolitiker von einer Bedrohungslage, „Wehrtüchtigkeit“ oder einem Angriff sprechen. Darum ging es nie.

Das sind Strohmannargumente.

  • „Wenn Russland doch nicht einmal in der Ukraine weiterkommt, wie soll es dann die NATO angreifen?“

  • „Ich lasse mich nicht von Politikern in einen Krieg schicken.“

  • „Würden die USA oder die NATO sich zurückziehen, müsste Russland sich nicht verteidigen.“

Sie verfangen bei denen, die eben keine Ahnung von Militär, Strategie, Geschichte oder Krieg haben.

Ich hoffe im vorherigen Teil konnte ich deutlich machen, dass man strategisch denken muss. Think big.
Dass es darum geht, dass Russland - bzw. das russische Regime - wieder eine Weltmacht sein will. Und deshalb Europa wieder wenigstens halbwegs unter Kontrolle bringen will.

Und das beginnt klein.
Spoiler: Es geht um den Suwalki-Korridor.

Die möglichen Angriffspunkte

Damit Russland wieder mehr Kontrolle über Europa bekommt, militärisch oder einfach nur strategisch und diplomatisch, gibt es drei mögliche Hebelpunkte.
Eigentlich vier. Schließen wir den vierten direkt aus, dann haben wir das aus den Füßen.

Ein kleines Memo: 1979 marschierte die Sowjetunion in Afghanistan ein. Um seinen Einfluss nach Zentralasien auszubauen und China umschließen zu können. In dem Krieg wurden die Widerstandskämpfer zu Mudschaheddin, die auch von der CIA unterstützt wurden.
Als die Sowjets sich aber nach 10-jähriger Besatzung zurückzogen, entstanden daraus die Taliban und später auch Teile des IS. Das wird in der Propaganda gerne so gedreht, dass die USA diese Gruppen gefördert hätten. Der Auslöser war aber tatsächlich die Besetzung durch die Sowjetunion. Es gab vorher für die USA dort niemanden zu unterstützen, es gab keinen Grund.

Kasachstan

Stilisierte Karte von Kasachstan

Der vierte Punkt wäre Kasachstan. Das liegt nicht in Europa, sollte aber erwähnt werden.
Die größte Schwäche Kasachstans ist auch seine größte Stärke: Es ist absurd riesig.

In Kasachstan leben etwa so viele Menschen wie in Nordrheinwestfalen. Es ist aber fünf Mal so groß wie Frankreich.
Deutschland hat 233 Einwohner pro km², Honkong 6890, Kasachstan hat 7.

Es ist militärisch absolut unmöglich, Kasachstan zu besetzen.
Man könnte versuchen, es zu kontrollieren und die Regierung zu übernehmen. Aber es wäre immer ein Problemkind. Weil man es eben nicht militärisch kontrollieren kann.
Deshalb versucht auch niemand Kanada einzunehmen. Und die Russen haben sehr eigene Erfahrungen mit Finnland gemacht. (Das nun ja auch noch zur NATO gehört und die NATO-Russland-Grenze mal eben verdoppelt hat.)

Klar, Kasachstan hat viele Bodenschätze. Aber das sind ausgerechnet die, die Russland selber hat. Und die es nur problematisch verkauft bekommt. Zudem ist Kasachstan sehr pragmatisch und Russland nicht abgeneigt. Und vermutlich mehrheitlich muslimisch. „Vermutlich“ nur, weil Kasachstan es selber nicht zählt, sondern nach Ethnien schätzt.

Russland würde sich mit Kasachstan neben seinem - aus seiner Sicht - pubertierenden und verzogenen Problemkind Europa auch noch ein enorm fettes ADHS-Kind zur Tagespflege einladen, dessen Kumpels auch schon mal eine City Hall zusammenschießen: Die IS-Abteilung ISKP.

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Kaukasus

Stilisierte Karte des Kaukasus.

Der dritte Hebelpunkt ist der Kaukasus.
Man kann es diplomatisch ausdrücken, militärisch ist es leichter:
Das Schwarze Meer ist die linke Arschbacke, das Kaspische Meer die rechte Arschbacke, und der Kaukasus ist die Ritze dazwischen.

Georgien wird häufig zu Europa gezählt, was eher kulturell bedingt ist. Allerdings herrschten in den 90ern die Mafia, Clanstrukturen und Blutrache. Georgien befreit sich daraus. So gut es kann. Selbst in amerikanischen Serien ist die georgische Mafia angekommen.
Südossetien will sich von Georgien lossagen, mit gerade einmal so vielen Einwohnern wie eine europäische Kleinstadt.
Zwischen Armenien und Azerbaijan gibt es ständigen Streit und Gefechte, bekannt ist vielleicht der Begriff „Bergkarabach-Konflikt“.
Und dann gibt es da noch Tschetschenien. Eine autonome Republik der russischen Föderation, die zwei brutale Kriege mit Russland in den 90ern und 2000ern durchhat. Im Kontext des Ukrainekrieges vor allem bekannt geworden durch die Teilnahme der Söldner, die der Diktator Kadyrow geschickt hatte. Von denen man derzeit aber auch nichts mehr hört.

Immer, wenn Reiche zerfallen, sieht man Verteilungskämpfe. Das sah man nach dem Römischen Imperium in England, mehrfach in China, nach dem Zerfall der Sowjetunion in Jugoslawien und das sieht man bis heute auf dem Kaukasus.

Dort ist Russland sehr aktiv, es versucht diesen Zipfel unter seiner Kontrolle zu behalten.
Da es keine „echte“ Kaspische-Meer-Flotte hat, ist der Kaukasus die Landbrücke nach Zentralasien. Dort könnte Russland bis an den Iran heranreichen und die Türkei durch die Hintertür umschließen.
Doch dort kommt es seit den 90ern auch nicht weiter. Die Situation ist zu zerfahren.

Transnistrien

Moldau ist eingeklemmt zwischen Rumänien im Westen und der Ukraine im Osten. In der ganzen Republik leben so viele Menschen wie im Raum München.
Moldau ist das Armenhaus Europas. Es ist weit ärmer als beispielsweise Bulgarien oder sogar Albanien.

Im Osten Moldaus gibt es entlang der Grenze zur Ukraine einen Streifen, der aus irgendeinem Grund nach dem Zerfall der Sowjetunion bei Russland bleiben wollte: Transnistrien. Vermutlich aus den gleichen Gründen, aus denen die AfD heute in Ostdeutschland mit Abstand am stärksten ist. Anfang der 1990er gab es eine Art kleinen Bürgerkrieg, der aber seitdem auf dem Status quo eingefroren ist.

Transnistrien wird weltweit einzig von Russland als eigenständiger Staat anerkannt. Weder hat Transnistrien die militärische, wirtschaftliche oder diplomatische Kraft, sich von Moldau zu lösen. Noch hat Moldau die Kraft, es wieder unter Kontrolle zu bringen.

Russland hat in Transnistrien etwa 1200 Soldaten stationiert. Darüber hinaus geht man von einer knapp fünfstelligen, pro-russischen Miliz aus.
Für Russland wäre es optimal gewesen, von Transnistrien aus die Ukraine auch im Westen anzugreifen. Das hat es jedoch niemals getan und auch nicht versucht. Deshalb ist das wohl auch nicht der primäre Angriffspunkt Russlands auf Europa. Es ist eher ein Zeichen der tatsächlichen russischen Schwäche.

Deutschland, NATO und Kaliningrad

Damit kommen wir also langsam zur Nummer Eins der möglichen Angriffspunkte.

Überraschend vielen Europäern ist nicht bewusst, dass Russland eine Enklave zwischen den Baltischen Staaten und Polen unterhält: Den Oblast Kaliningrad, das ehemals preußische Königsberg. Das ist keine irgendwie fragile Provinz, sondern ganz offizieller Teil Russlands.

Russland hat vier Flotten: Die Pazifik-Flotte, die Schwarzmeer-Flotte und die größte Flotte ist die Nordmeer-Flotte. Zu der gehören die strategischen U-Boote und dazu sollten auch die Kusnezow und die Kirow gehören. Als die Sowjetunion noch das Geld dafür hatte.

Der russische Flugzeugträger Admiral Kuznetzow auf Reede, nur noch auf dem Papier existent.

Die vierte Flotte ist die Baltische Flotte, mein alter Spielplatz. Und die ist in Baltijsk, zu Deutsch „Pillau“, im Oblast Kaliningrad stationiert.

Von dort aus streckt Russland seine strategischen Flügel über die ganze Ostsee aus: Polen, Schweden, Finnland und die Baltischen Staaten. Und auch Dänemark und Deutschland. Denn wir sind die westlichen Wächter von Kattegat und Skagerrak, des Zufahrtsweges von der Nordsee in die Ostsee.

Stilisierte Karte von Kattegat und Skagerak
Primäre Aufgabe der deutschen und dänischen Marine: Torwächter für Skagerrak und Kattegat. Deshalb hat die Marine auch keine weitreichenden Raketen gegen Landziele. Es wurde nicht benötigt und danach von der Politik verpasst umzudenken.

Deutschland konnte (und kann) vor allem zwei Dinge richtig gut. Die sich mit dieser Perspektive vielleicht erschließen. Panzer und Kampfpanzer, für einen Panzerangriff auf der norddeutschen Tiefebene (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Und U-Boote und Korvetten, für Kattegat und Skagerrak.

Und nur nebenbei: Die Deutschen sind ziemlich gut im Nachrichtendienst. Das ist durch verschiedene Mechanismen der Öffentlichkeit nicht so ganz klar. Aber unterschätzt zu werden ist für einen Nachrichtendienst immer willkommen. Auch das würde hier allerdings den Rahmen sprengen.

Deutschland baut die besten kommerziellen U-Jäger, die es überall hin exportiert. Und sehr gute Korvetten für diese entsprechenden Zwecke. (Griechenland, Türkei, Südkorea, Indien, Portugal, Chile…) Weshalb die in Dollar gemessenen Rüstungsexporte dann hoch gehen. Und alle meinen, dass Deutschland ja so viel Waffen exportiere. Und pro-palästinensische Terroristen in deutsche Rüstungsfirmen einbrechen, weil sie glauben, deutsche Waffen würden im Gazastreifen eingesetzt.

(Tatsächlich besteht die israelische Marine hauptsächlich aus deutschen Booten und Schiffen.)

Netanjahu bei einer Feierlichkeit zum Eintreffen der Tanin in Tel Aviv, gebaut bei HDW Kiel. Im Hintergrund eine Korvette der Saʿar-6-Klasse, gebaut von ThyssenKrupp. 23.09.2014

Ich hoffe, dem geneigten Leser erschließt sich nun, warum der wahrscheinlichste Angriffspunkt Russlands genau dort liegt.
Und um das deutlich zu sagen: Das bedeutet (noch) nicht, dass Russland das vorhat. Dazu kommen wir. Es bedeutet, dass dort das strategisch sinnvollste Ziel ist.

Die Suwalki-Situation

Zwischen Belarus und Polen gibt es eine schmale Stelle. Diesen Korridor nennt man nach einer benachbarten polnischen Stadt die Suwalki-Lücke (milit. Engl.: Suwalki Gap) oder im Deutschen auch den Suwalki-Korridor.
Hier schließt sich der Kreis zum Fulda-Gap aus dem ersten Teil dieses Artikels (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

Stilisierte Karte des Korridors.

Um ein Gebiet zu erobern, benötigt man eine Überlegenheit von 2 oder 3 zu 1. Um befestigtes Gebiet oder in einer „Verzögerung“ zu erobern, eine Überlegenheit von 5 zu 1. Im Häuserkampf, wie derzeit im Gazastreifen oder im Libanon, von 9 oder 10 zu 1.

Würde Russland dort einmarschieren, würde es schnell die Lücke zwischen Kaliningrad und Belarus schließen. Weniger als 100 Kilometer, das wäre mit einem geplanten Vormarsch ohne Gegenwehr an zwei Tagen zu schaffen.

Reiten die Russen in einem „Blitzkrieg“ durch den dünn besiedelten Korridor, gibt es mehr als ein Problem. Damit wären die Baltischen Staaten nur noch über den Seeweg zu versorgen, sowohl militärisch mit Nachschub als auch zivil mit Klopapier und Dosenbohnen.

Russland müsste gar nicht ganz Litauen einnehmen. Im Gegenteil: hätte es diese Lücke überwunden, könnte es sich dort Zeit lassen und erobertes Gelände befestigen und sichern. Ganz ähnlich wie es nach den ersten Vorstößen 2022 sein Territorium im Süden und Südosten durch kilometerlange Panzersperren, den so genannten „Drachenzähnen“ gesichert hat. (Was inzwischen auch die Ukraine ihrerseits getan hat.)

Die „Drachenzähne“, die von Russland gebauten Panzersperren. Hier in der Region Charkiw, 08.11.2024

Es könnte dann Estland und Lettland angreifen. Und zwar direkt von Russland aus, nicht mehr über Belarus.
Von der russischen Grenze aus sind es bis zur lettischen Hauptstadt Riga nur etwas über 200 km. Und zur estnischen Hauptstadt Tallinn sogar noch weniger.

Stilisierte Karte eines möglichen Angriffs

Und das, meine Damen und Herren, ist das Problem.

  • Das ist der Grund, warum die Baltischen Staaten solche Angst vor Russland haben.

  • Das ist der Grund, warum Polen seine Rüstung enorm hochfährt und bald Deutschland übersteigen könnte.

  • Das ist der Grund, warum Deutschland eine Brigade in Litauen stationiert hat.

Darüber sprechen wir.
Doch das ist kein Grund zum Durchatmen. Tut mir leid.
Denn gemäß der erklärten Doktrin Russlands müssten wir in Europa, und hier vor allem in Polen und Deutschland, mit massiven Luftangriffen rechnen. Vor allem durch Drohnen. In genau der gleichen Art und Weise, wie Russland in Syrien angegriffen hat und bis heute auch Kiew und Odessa angreift. Auch und vor allem zivile Infrastruktur.
Die Drohnen iransicher Bauart kämen auch zu uns.

Gleichen wir das für einen Augenblick ab mit dem Argument der gerade Mode gewordenen Neo-Pazifisten, die nicht „in“ den Krieg wollen. Das meine ich damit, wenn ich lakonisch antworte, dann käme der Krieg halt zu ihnen.
Es geht für Europa nicht ums Erobern. Es geht ums Verteidigen.

Worum es wirklich geht

Ich hoffe an dieser Stelle bei dem ein oder anderen Leser auf ein von einem „Aha“ begleitetes Groschenfallen.

Es geht nicht darum, dass Russland Deutschland direkt angreift. Es geht nicht darum, dass tausende russische Panzer am Horizont auf eine deutsche Kleinstadt zurollen. Es geht nicht darum, dass Atombomben auf Europa regnen.

Es geht darum, dass Russland mit einem schnellen, gezielten Vorstoß drei kleine Staaten okkupiert. Und damit einen enormen Machtzuwachs in Europa und Prestige bei sehr vielen Mitspielern auf dem strategischen Spielbrett gewinnen würde: China, Iran, Nordkorea, Südafrika, usw.
Und von da aus eine völlig andere Ausgangslage mit Blick auf Polen und Deutschland hätte. Nicht heute, nicht morgen, aber irgendwann. Und das meinen die Fachleute, wenn sie von 2027 oder 2029 sprechen.

Und deshalb ist die häufig formulierte Wehrfähigkeit so wichtig. Nur die meisten verstehen darunter wohl etwas völlig anderes. Aber darauf wird im nächsten Teil noch einzugehen sein.

Genau deshalb versucht Russland mit allen Mitteln, die europäische Wehrfähigkeit herabzusetzen. Den Zusammenhalt, den Verteidigungswillen, die Einigkeit. Durch immer massivere, asymmetrische Angriffe. Hacking, Drohnen an Flughäfen und -plätzen, Bundeswehr-Fahrzeuge abbrennen, Menschen töten… und durch Propaganda auf Social Media.

https://steady.page/de/u-m/posts/2f4e9f77-f930-4bd5-93a0-e3bf4082818f (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Denn das ist die strategische Befürchtung Russlands. Dass die europäischen Staaten – nicht die NATO – zusammenhalten. Denn gegen die, auch ohne die USA, hat Russland in einem konventionellen Krieg auch jetzt keine Chance.

Und meiner persönlichen Meinung nach fabulieren viel zu viele Menschen nach wie vor über die NATO, anstatt sich mit dem Hier und Jetzt und Europa zu beschäftigen.

Die NATO und die USA

Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis, das über den Atlantischen Ozean reicht. Sie wurde auch vor dem Hintergrund eines möglichen atomaren Krieges begründet.
Durch das politische, eigennützige Ränkespiel der Trump-Regierung, die Besinnung auf die Monroe-Doktrin und die Ausrichtung auf den Pazifik und China steht diese NATO scheinbar vor einer Zerreißprobe.

https://steady.page/de/u-m/posts/6a5ce391-28e0-4f14-af34-51590c0c32a5 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Scheinbar. Denn Trump hat niemals irgendetwas zu einer atomaren Auseinandersetzung gesagt. In allen Debatten der letzten Jahre geht es immer um die konventionelle Kriegsführung. Und immer um Europa.
Ich hatte es zwar schon mehrfach erklärt, möchte es hier aber nochmal kurz anreißen:

Die USA können überall auf der Welt Krieg führen. Kein anderer Staat kann das. Genau dafür stecken sie sehr viel Geld in ihr Militär. Und deshalb haben sie die mit Abstand größte Marine der Welt.
Dabei geht es vor allem um Verlegefähigkeiten. Also Mensch und Material an einen anderen Punkt bringen zu können. Beispielsweise gehören 75% aller militärischen Tankflugzeuge den USA.
Diese Fähigkeiten braucht die NATO. Und im geringeren Maße auch Europa.

US-amerikanische Tanker am israelischen Flughafen Ben Gurion kurz vor dem Angriff auf den Iran. 27.02.2026

Zum zweiten hat die NATO gegenüber dem europäischen Verteidigungsbündnis, das vor allem auf der EU und bilateralen Verträgen beruht, eine Kommandostruktur.
Die NATO ist vor allem eine abstrakte Organisation auf dem Papier und in der Planung, die Strukturen und von den Mitglieder zugeteilte Kontingente hat. Sowohl personell als auch an materiell. Das europäische Verteidigungsbündnis hat das nicht. Es ist jedes Mal ein neues Verhandeln und Feilschen.

Und genau daran wird gerade gearbeitet. Sinngemäß, nicht stringent zu verstehen, an einer europäischen Streitkraft. Bevor wir über Drohnen und Drohnenabwehr sprechen, sollten wir genau darüber nachdenken. Sich zeitgemäße Technologien draufzuschaffen ist dagegen nämlich ein Klacks.
Auch das läuft bereits und was in der Ukraine passiert, wird sehr genau beobachtet. Dort wird gerade nämlich eine Zeitenwende der Taktik eingeläutet. Die auch überall so erkannt wird. Doch hier geht es (noch) um Strategie.

Es dient nur den Russen, wenn wir nun den Trauermarsch für die NATO singen. Zur NATO gehört nach wie vor auch Kanada, das weit enger mit Großbritannien als mit den USA verknüpft ist. Das kanadische Militär hat Dudelsäcke und Kilts. Wenn irgendetwas etwas über kulturelle Verbundenheit sagt, dann sind das Soldaten in Röcken und Todeströten.

Marschierende Soldaten in Kilts mit Dudelsäcken hinter einer kanadischen Flagge.
Parade in Calgary. 15.08.2021

Insgesamt machen die USA inzwischen weniger als die Hälfte der der Kapazitäten aus. Es geht bei den Sorgen der europäischen Militärs um die Art der Kapazitäten, nicht die Menge. Das europäische Verteidigungsbündnis wird immer wieder unterschätzt. Es fällt auch in den Medien und bei Analysten immer wieder hinten über. Doch es gibt schon seit Jahrzehnten Verbünde, gemeinsame Einheiten (deutsch-niederländische Brigade, deutsch-französische Brigade, usw.), Pläne und Übungen. Ich selber war in solchen Einheiten, die ständig im Verbund gearbeitet und trainiert haben und im ständigen Austausch standen.

Und um das Ganze abzuschließen, kommen wir im nächsten Teil nun endlich darauf zu sprechen, was tatsächlich in Deutschland und Europa praktisch passieren würde, wenn Russland angreift.

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Sujet Krieg

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