
Bild: Ikki Matsuda, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0 (S'ouvre dans une nouvelle fenĂŞtre)>, via Wikimedia Commons
đź‘‹ Hallo ihr Lieben,
der Mai war völlig vollgeballert mit Terminen, Arbeit, Arbeit und nochmal Arbeit. Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht und letzte Woche ist mir meine Podcastgästin für die Folge im Juli abgesprungen und ich musste schnellstens umdisponieren. Und obwohl ich jeden Monat dann doch irgendwie eine neue Folge hinkriege, macht sich so eine Unsicherheit bei mir breit. Ist die Folge gut geworden? Trifft das einen Nerv? Ist das Thema noch aktuell?
Dann hab ich ne großartige Einladung vom BITCH-FEST (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)bekommen, die ich leider ablehnen musste, weil ich keine Zeit habe und weil ich außerdem auch gar kein Live-Programm kurzfristig auf Tasche hab. Irgendwie muss ich da mal was auf die Beine stellen. Hast du Ideen oder Wünsche, wie so ein Verbittertes Live Porgramm aussehen könnte?
📢 Schreib mir unbedingt an verbittert-mail@web.de (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Ich hab gerad ne kleine Krise und frage mich, wie es weitergehen soll…
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Hier sind meine FLINTA-Highlights des Monats:

Ganz ehrlich: Bei vielen Dokus über Feminismus oder Mutterschaft bin ich inzwischen echt gelangweilt, weil sie sich sehr basal den Themen nähern. Aber diese Doku – Mama. Madonna. Rabenmütter (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) – hat mich geschockt und zum lachen gebracht.
Stereotype Mutterbilder werden mit Darstellungen von Mutterschaft in der Kunst zusammengebracht – und dazu einige Künstler:innen porträtiert, deren Auseinandersetzung mit Mutterschaft sich natürlich fundamental von traditionell männlich-patriarchalen Mutterbildern unterscheidet.
Es ist wirklich krass, wie stark das Mutterbild von männlichen (Ideal-)Darstellungen dominiert ist. Zum einen sind FLINTA im Kunstbetrieb ohnehin unterrepräsentiert. (🎙️ Dazu empfehle ich euch auch die Podcastfolge Mutterschaft & Kunstbetrieb – unvereinbar? (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre))
Und zum anderen werden Themen wie Geburt und Mutterschaft als Sujets in der Kunst gerne als „Frauenkram“ abgetan – wenn sie von FLINTA bearbeitet werden, versteht sich.
Ähnlich wie im Literaturbetrieb: Ein Liebesroman eines männlichen Autors ist immer universell. Ein Liebesroman, von einer Frau geschrieben, ist „Frauenliteratur“. (📕 dazu empfehle ich das großartige Sachbuch von Nicole Seifert (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre))
Fortwährend versuchen Feminist:innen, diese abwertende Logik zu outcallen, zu kritisieren, Widerspruch zu leisten. Daher ist es einfach nur erfrischend, das die Künstlerin Sophia Süßmilch, die in der Doku mit ihren provokanten Fotografien und Performances vorgestellt wird, diese Abwertung so herrlich schnörkellos auf den Punkt mit:
„Ihr blöden Pimmelnasen!“
👉 Hier gehts zur Website von Sophia Süßmilch. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)


Eine Nebenerscheinung, wenn man aufhört, männliche Autoren zu lesen, ist, dass sich manche Genres scheinbar schließen. Krimis sind nicht nur ein extrem männlich dominierter Markt – sie folgen auch allzu oft einer frauenfeindlichen Logik: Frauen und Queers werden aus Gewässern gefischt, aus Kellern befreit oder von Axtmördern entführt. Sie werden gern als Opfer inszeniert – schön, unschuldig, passiv.
Strukturelle Gewalt, toxische Männlichkeit und Misogynie werden in der Regel als Tatmotive völlig außer Acht gelassen – und durch Himpathy [Emphatievorschuss für Männer] ersetzt. (🎙️ Himpathy erkläre ich in der Folge über Pretty Woman (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre))
Mit Susanne Kaisers feministischen Krimi 📕 „Riot Girl“ habe ich nun endlich wieder einen Einstieg in die Unterhaltungsliteratur gefunden. Nicht nur, dass die Ermittlerin Obalski Gender Studies studiert hat, unterscheidet diesen Krimi vom herkömmlichen Männerkram – es geht im Plot auch um strukturelle männliche Gewalt und um eine feministische Terrorgruppe.
📢 Kennst du noch andere feministische Krimis? Her mit den Empfehlungen – bin hooked.
đź«° Und drĂĽck mir die Daumen, dass Susanne nochmal in meinen Podcast kommt.

Es ist eigentlich keine Überraschung, dass Frauenkörper auch am Filmset Übergriffe erleben – dass sie ausgebeutet und missbraucht werden.
Was mich an dieser Doku (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)überrascht hat, ist zum einen die Gegenüberstellung zwischen der Freizügigkeit Hollywoods in den 90er- und 00er-Jahren – wir erinnern uns an die goldenen Jahre der Erotikthriller wie „Verführung“ oder „Basic Instinct“ – und den inzwischen immer prüder werdenden Blockbustern, die kaum mehr einen Kuss zeigen.
Zum anderen zeigt die Doku, das tiefe Unverständnis patriarchaler Produktionen in Bezug darauf, was sexuelle Übergriffigkeit überhaupt bedeutet.
Sogar eine weibliche Regisseurin erzählt im Interview, dass ihre Vision, ihre Ansagen und ihre Methoden am Set nicht verhandelbar seien, denn nur so könne das bestmögliche Ergebnis erzielt werden. Ja, auch Frauen können patriarchale Muster reproduzieren – und am Filmset vermischen sich das Ego des Filmemachers mit den Prinzipien von Konkurrenz und Hierarchie.
Seit #MeToo gibt es in Hollywood sogenannte Intimitätskoordinator:innen, die für eine sichere Umgebung am Set sorgen sollen, aber auch Menschen anleiten, ihre eigenen Grenzen und die Grenzen anderer wahrzunehmen – und so damit umzugehen, dass intime Szenen im gegenseitigen Einverständnis und ohne Scham stattfinden können.
Am Ende werden solche Liebesszenen dadurch vielleicht sogar fĂĽr das Publikum anziehender oder intensiver.
Und dann komme ich auch schon wieder zu der Frage:
Was für eine Art von Erotik habe ich mir die letzten Jahrzehnte eigentlich reingezogen, wenn es nicht darum ging, sich wohl und sicher zu fühlen, sich fallen lassen zu können – und die gegenseitigen Grenzen zu respektieren?

Ich will hier eigentlich keine Bücher empfehlen, die ich nicht selbst gelesen habe, aber ich habe diese Woche im Fempire Podcast (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) eine Buchbesprechung von Naomi Kleins „Doppelgänger“ gehört, die mich nicht mehr loslässt.
Naomi Klein denkt über die Gleichzeitigkeit von Neofaschismus, Klimakrise und Kriege nach und entwickelt die These vom Desaster-Kapitalismus, in dem Trump, Musk & Co die Welt bereits aufgegeben haben und ihre Macht nur noch durch ihren Beitrag an der Zerstörung ausleben können.
Werde mir das Buch besorgen!!!!
Bleibt unbequem. Eure Susi!
🎧 Die nächste Folge von VERBITTERT TALENTLOS erscheint am Do 12.06.25 | 48. Beweis’ mir das Patriarchat, Bitch! – mit Rebekka Endler (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)