Du liest Wie du nicht den Verstand verlierst. Woche für Woche finde ich heraus, was wirklich hilft gegen mentalen Dauerlärm. Heute: noch mehr gute Nachrichten für Gehirne ab 40.

Hi!
Als ich 40 wurde, sagte eine kluge Frau zu mir: Noch zehn Jahre, dann wird es richtig gut. Daran denke ich seither an jedem meiner Geburtstage. Ich glaube, sie hat recht. Auch wenn nicht alles am Älterwerden toll ist, will ich kein Jahr zurückgehen. Nichts schlägt das Gefühl, mich Jahr für Jahr besser zu kennen. Zu wissen, was und wer zu mir passt – und was nicht. Und nicht mehr höflich zuzuhören, wenn irgendein Dude mir ungefragt die Welt erklärt.
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Denn auch die Forschung zeigt, dass es gute Gründe gibt, sich auf das Älterwerden zu freuen. Manche mentalen Fähigkeiten erreichen in der Lebensmitte ihren Höhepunkt. Teilweise wachsen sie noch weit darüber hinaus. Mehr noch: Ausgerechnet in einer Lebensphase, in der gerade Frauen chronisch unterschätzt werden – der Menopause – sind sie zu bestimmten geistigen Höchstleistungen fähig.
Einen Teil dieser Forschung habe ich in einer früheren Ausgabe (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)dieses Newsletters beschrieben. Hier die Kurzfassung:
Eine Studie (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)von 2024 widerspricht dem üblichen Bild vom geistigen Niedergang. Unser Gehirn wird nicht stetig schlechter – es bekommt in der Lebensmitte sogar einen eigenen Höhenflug.
Die Forschenden befragten Menschen verschiedenen Alters dazu, wie gut sie unerwartete Änderungen im Alltag verkraften. Ergebnis: Die mentale Flexibilität beschreibt eine U-Kurve. Ihren Sweet Spot in der Lebensmitte, grob zwischen 45 und 50. In diesem Alter fällt es uns am leichtesten, Pläne umzuwerfen, Routinen zu sprengen und die Perspektive zu wechseln. Mit 25 gerät man eher in Panik, wenn etwas kippt; mit 75 hält man sich lieber an bewährte Abläufe. Mit 50 weiß man, woran man festhält – und was man getrost loslässt (die lange Version kannst du hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)lesen).
Vor Schreck sofort ein Hexenschuss
Es gibt aber noch mehr gute Nachrichten aus der Forschung. Eine weitere kürzlich veröffentliche Studie (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) zeigt, dass für viele Menschen die geistige Gesamtleistung zwischen 55 und 60 Jahren ihren Höhepunkt erreicht.
Ich will natürlich nicht behaupten, dass alles mit dem Älterwerden besser wird. Unseren körperlichen Peak erreichen wir meist in den späten Zwanzigern bis frühen Dreißigern. Mein Mann ist 41 und hat neulich für meine kleinen Neffen das Spiel „Schnecken-Fangen“ erfunden. Das ist wie normales Fangenspielen, nur darf man dabei nicht rennen. Irgendwie muss man ja mit diesen kleinen Energiepaketen mithalten.
Unbequem reisen kann ich heute auch nicht mehr so gut wie früher. Mit 25 habe ich mal zusammengerollt auf einem kleinen Tisch am Flughafen von Bukarest übernachtet. Wenn ich das meinem Rücken heute vorschlagen würde, bekäme er vor Schreck sofort einen Hexenschuss.
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Und ja: Einige geistige Fähigkeiten nehmen wirklich mit dem Älterwerden ab, darunter die reine Verarbeitungsgeschwindigkeit. Viele Studien zeigen, dass wir schon ab Mitte 20 schlechter darin werden, Informationen schnell zu verarbeiten. Aber: das ist nur ein Teil des großen Bildes.
Wenn man sich das ansieht, wird klar, dass viele Menschen noch viele Jahrzehnte später zu großen Denkleistungen fähig sind. Und manche dann erst recht. Dabei ist es aber wichtig, eine Sache zu beachten.
Was jenseits der Denkschnelligkeit zählt
Das zeigt die zweite aktuelle Studie (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Sie betrachtet nicht nur das Denktempo, sondern ganze 16 psychologische Bereiche – alles, was uns im Alltag handlungsfähig macht. Also Dinge wie: komme ich in Stresssituationen klar? Treffe ich gute Entscheidungen? Behalte ich den Überblick, wenn mehrere Dinge gleichzeitig passieren? Die Forschenden schauten auf Fähigkeiten wie logisches Denken, kurzzeitig vieles im Kopf behalten (Gedächtnisspanne), gesammeltes Wissen und emotionale Intelligenz. Außerdem nahmen sie die sogenannten „Big Five“ der Persönlichkeitsmerkmale hinzu: Extraversion, emotionale Stabilität, Gewissenhaftigkeit, Offenheit und Verträglichkeit.
Die Forschenden bündelten große Studien zu diesen 16 Bereichen, brachten sie auf eine gemeinsame Skala und machten die Ergebnisse direkt vergleichbar. So lässt sich erkennen, wie sich jedes Merkmal im Lauf des Lebens entwickelt.
Dabei fanden sie ein ziemlich interessantes Muster:
Die geistige Gesamtleistung erreicht zwischen 55 und 60 Jahren ihren Höhepunkt.
Erst ab 65 nimmt sie langsam ab.
Nach 75 wird der Rückgang deutlicher