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Warum Steuern unfair sind - und wie es besser geht

Steuern haben ein Imageproblem. Für viele sind sie vor allem eins: zu hoch, zu kompliziert, ungerecht. Aber stimmt das wirklich – oder ist unser Blick auf Steuern verzerrt?

In dieser Folge von „Wind und Wurzeln“ schauen wir uns an, warum Steuern aktuell wirklich unfair sind, wer in Deutschland proportional am meisten zahlt – und wer sich mit legalen Tricks oder politischem Einfluss aus der Verantwortung zieht.

Danke an alle, die uns unterstützen. "Wind und Wurzeln" ist jetzt eine gemeinsame Produktion von hauseins und Perspective Daily (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), dem unabhängigen, community-finanzierten Magazin für konstruktiven Journalismus. Dank Perspective Daily gibt es "Wind und Wurzeln" jetzt ein Mal im Monat. Dank euch können wir unabhängig von Werbung bleiben. Wenn ihr uns dabei unterstützen wollt, könnt ihr das bei steady (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) oder direkt bei hauseins (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)tun. Das automatisch erstellte Transkript gibt es wie immer bei steady (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

Transkript

hauseins:

[0:01] Hauseins und Perspective Daily präsentieren: Wind und Wurzeln.

O-Töne:

[0:05] Ich habe schon seit Jahren Steuerschulden und lebe am Limit. Ist jetzt irgendwie Multimillionär und Steuern am Mitterziehen, ist jetzt in den Ausland gezogen und so, hat sich jetzt irgendwo versteckt. Wenn ich jetzt aus dem Konto schauen würde, aus dem Geschäftskonto, hätte ich, ich glaube, 10 Euro über, wenn die Steuern dann abgezogen wären.

Marina:

[0:21] Im vergangenen Jahr sind einige große InfluencerInnen ins Visier des Finanzamts geraten. Allein in Nordrhein-Westfalen sollen InfluencerInnen 300 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben. Und viele vermutlich nicht, weil sie schlechte Menschen sind, sondern wie die YouTuberin Sashka in einem Video erklärt, ist das Problem vielmehr.

Sashka:

[0:42] Dass die meisten das nicht checken. Die checken das nicht, dass man Geld zur Seite legen muss, die checken nicht, dass man Vorauszahlungen machen muss. Aber das Problem ist, niemand bringt dir eigentlich bei, was du alles beachten musst.

Marina:

[0:54] Aber nicht alle InfluencerInnen, die ihre Einnahmen oder die Geldwertenvorteile nicht ordentlich beim Finanzamt angegeben haben, sind einfach nur naiv oder ein bisschen unerfahren. Saschka und auch das Finanzamt sagen...

Sashka:

[1:07] Wahrscheinlich machen es viele systematisch mit hoher krimineller Energie. Und da reicht es nicht aus, ein paar Dinge nicht anzugeben, sondern vielleicht sogar eine direkte Flucht vor den Steuern. Viele nehmen dann die Beine in die Hand und wandern aus. Ein ganz beliebtes Reiseziel ist Dubai.

Marina:

[1:23] Und damit herzlich willkommen zu Wind und Wurzeln. Unser Thema heute ist Steuern. Ein Thema, das offenbar manche bis nach Dubai treibt. Nehmt euch ganz gemütlich eine Tasse Tee. Wir besprechen heute ganz in Ruhe und übersichtlich das Thema Steuern. Wozu es Steuern eigentlich gibt, warum sie oft einen schlechten Beruf haben. Weil ganz ehrlich, ich kann mir jetzt auch Schöneres vorstellen, als Briefe vom Finanzamt zu bekommen. Und wir schauen uns an, wie toll unsere Gesellschaft sein könnte, wenn wir eine gerechte Steuerpolitik hätten. Denn man kann gar nicht über Steuern sprechen, ohne über Gerechtigkeit zu sprechen. Und ich möchte heute gerne mit den häufigsten Mythen aufräumen, die darüber erzählt werden.

Marina:

[2:34] Nochmal wie immer der kurze Hinweis, dass Wind und Wurzeln werbefrei ist und bleibt. Und das heißt, wir sind auf eure Unterstützung angewiesen. Alle Wege, wie ihr den Podcast unterstützen könnt, findet ihr in den Shownotes. Und danke an Perspective Daily. Dank euch können wir jetzt einmal im Monat erscheinen. Ich meine, bestimmt habt ihr ja mitbekommen. Im Moment gibt es mal wieder einen Streit innerhalb der Bundesregierung. Diesmal wegen der Erbschaftssteuer. Die SPD hat nämlich, und das war offenbar gar nicht mit der Union abgesprochen, Vorschläge für eine Reform der Erbschaftssteuer vorgelegt. Matthias Miersch, der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, sagt, dass es vor allem um mehr Gerechtigkeit geht.

Matthias Miersch:

[3:15] Das, was wir an großen Erbschaften haben, da geht es eben nicht um das Einfamilienhaus, nicht um die Etagenwohnung, sondern große Erbschaften. Die wollen wir angemessener belasten.

Marina:

[3:25] Und jetzt wird hart gestritten. Ganz ähnlich wie bei der Debatte um die Rente. Hier mal ein paar Titel aus den Medien der letzten Woche. Ich lese vor. Streit in der Koalition. CDU-Politiker nennt SPD-Pläne zur Erbschaftssteuer. Mause tot, schreibt der Spiegel. CDU geht hart mit SPD-Plänen ins Gericht. Würde die Reform der Erbschaftssteuer wirklich den Mittelstand ruinieren, fragte der Tagesspiegel. Und meine Erben müssten das Unternehmen verkaufen oder sich verschulden, behauptet Ferdinand Munk, Unternehmer und CSU-Politiker in der FAZ. Ihr merkt schon, der Gegenwind gegen die Reformen der Erbschaftssteuer ist groß. Und woher dieser starke Wind kommt, das schauen wir uns nachher in Ruhe an. Neben der Erbschaftssteuer wird auch immer wieder über die Vermögenssteuer gestritten, wenn es um die Frage geht, wie Steuern gerecht und angemessen gestaltet werden können. Denn aktuell, das sagen ja auch Expertinnen, werden halt die überreichen Menschen in Deutschland viel, viel weniger belastet als Normal- und Geringverdienende.

Julia Jirmann:

[4:33] Weil wir aktuell sehen, dass in den letzten 30 Jahren vor allem hohe Vermögen und Vermögenseinkommen entlastet wurden. Und bei der Mitte, bei der arbeitenden Mitte sind die Belastungen vor allen Dingen durch Sozialabgaben relativ hoch. Und da haben wir also eine Verschiebung in den letzten 30 Jahren gesehen. Und was wir aktuell sehen zum Beispiel in unserer Forschung, dass Milliardäre niedrigere Steuer- und Abgabensätze haben als die Mitte.

Marina:

[4:58] Das ist Julia Jirrmann. Sie ist Referentin für Steuerrecht und Steuerpolitik beim Netzwerk Steuergerechtigkeit und ihre Themen sind Vermögen, Erbschaft und hohe Einkommen. Sie hat Wirtschaftsrecht und Volks- und Betriebswirtschaftslehre studiert und war früher unter anderem bei der KPMG AG im Bereich International Tax und für den Bund der Steuerzahler tätig. Und sie meint.

Julia Jirmann:

[5:22] Wir müssen da ein bisschen rumschieben sozusagen, also ein bisschen die Belastung verschieben von den niedrigen Einkommen, mittleren Einkommen hin zu sehr, sehr hohen Einkommen, die jetzt aktuell eben aufgrund verschiedener Steuerlücken auch aus Gerechtigkeitsperspektive einfach viel zu niedrig besteuert werden im Vergleich zu dem Rest.

Marina:

[5:40] So, ich weiß ja nicht, wie viele Steuern ihr zahlt. Aber ich kenne einige Leute, die haben am Ende von ihrem Gehalt, wenn die ganzen Steuern und auch Sozialabgaben weg sind, nicht mal die Hälfte übrig. Und so geht es vielen in Deutschland. Also durchschnittlich 52,9 Prozent haben laut dem Bund der Steuerzahler die Deutschen im letzten Jahr an Steuern und Sozialabgaben von ihrem Gehalt bezahlt. Was wir dazu kurz einordnen sollten. Der Bund der Steuerzahler ist eine der ältesten Lobbyorganisationen der Bundesrepublik. Und sein Hauptthema ist laut Julia Jirrmann.

Julia Jirmann:

[6:17] Der Bund der Steuerzahler, der hat vor allem, sage ich jetzt mal, die Interessen im Blick, dass die Steuern möglichst niedrig sein sollen. Also dass es möglichst viel Freiheit am Markt gibt und bei den Unternehmen.

Marina:

[6:29] Besonders bekannt ist das sogenannte Schwarzbuch, das die Lobbyorganisation jedes Jahr rausgibt. Der Vorwurf ist dann immer der gleiche, dass die öffentliche Hand jährlich viele Milliarden Euro zu viel ausgebe, verschwende. Das Schwarzbuch dient vielen als jährliche Steilvorlage für den immer wieder bemühten Mythos, dass der Staat schlechter mit Geld umgehen könne als die Privatwirtschaft.

Julia Jirmann:

[6:52] Wir, das Netzwerk, wir gucken vor allem einfach auf die Einnahmenseite. Also diese Ausgabenseite ist überhaupt nicht unser Fokus. Aber natürlich interessiert uns auch als Wissenschaftler und auch wie sieht es denn auf der anderen Seite aus? Ist denn da was dran? Und da finden wir zumindest in dem Rahmen, in dem wir uns das angucken, eben zumindest nicht viel Beweise dafür, dass es die Privatwirtschaft jetzt viel besser kann. Ganz im Gegenteil sehen wir zum Beispiel ja bei den Wohnungsunternehmen, dass die öffentlichen Wohnungsunternehmen sehr, sehr viel besser für ihre Mieter wirtschaften und arbeiten, als es eben die privaten Unternehmen tun.

Marina:

[7:22] Der Bund der Steuerzahler ist also eine Lobbyorganisation, die auf jeden Fall ihren Beitrag zum schlechten Ruf von Steuern leistet. Dass die BürgerInnen im letzten Jahr fast 53 Prozent Steuern und Sozialabgaben im Schnitt geleistet haben, diese Zahl dürfte stimmen. Wie gesagt, dass etwa die Hälfte vom Gehalt weg ist, diese Erfahrung machen sehr viele Menschen. Aber nicht alle.

Julia Jirmann:

[7:44] Nee, da finden wir in unseren Analysen, es gibt keine offiziellen Daten, das muss man sagen, in Deutschland. In anderen Ländern, wo sich die Steuersysteme ähnlich entwickelt haben wie das Deutsche in den letzten 30 Jahren, gibt es Daten, da wissen wir das. Und wir beim Netzwerk haben uns gesagt, naja, nur weil es keine öffentlichen Daten gibt, dann können wir uns ja nicht damit zufriedengeben. Dann haben wir Fallanalysen gemacht und Bilanzanalysen von konkreten Milliardenvermögen und finden da... Dass die Steuersätze da so zwischen 25 und 30 Prozent liegen auf die Milliardeneinkommen am Ende des Tages. Beiträge zur Sozialversicherung zahlen natürlich Milliardäre nicht. Also die wirken sich effektiv 0 Prozent auf die Belastung aus, weil die natürlich so hohe Einkommen haben, dass da ein paar Euro Sozialbeiträge nichts ausmachen. Das trägt vor allem die Mitte. Und deswegen kann man sagen, dass Superreiche ungefähr die Hälfte zahlen von dem, was die Mitte zahlt.

Marina:

[8:34] Dabei heißt es doch immer, die Reichen tragen die größte Steuerlast.

Julia Jirmann:

[8:37] Das ist einer der beliebtesten Argumente. Wenn wir das hören und sich damit wirklich auch ein bisschen jemand beschäftigt hat, dann meint er in der Regel die Einkommenssteuer. Und dann guckt er sich die Einkommenssteuer an und sieht, die oberen 10% tragen irgendwie 40, 50% der Einkommenssteuern. Und das stimmt auch. Die erhalten aber auch einen erheblichen Teil des Einkommens. Also ich würde, denke zum Beispiel immer, ich würde sehr gerne den gleichen Steuersatz zahlen, weil das eben heißt, dass ich auch viel Geld verdiene. Aber da wird nur auf die Einkommenssteuer geguckt.

Marina:

[9:08] Und die Einkommenssteuer, das ist ein bisschen irreführend, wenn man nur da drauf schaut.

Julia Jirmann:

[9:13] Denn wenn wir uns da die Manager angucken und die Vorstände von großen Konzernen, dann zahlen die erheblich mehr Steuern, weil die ein ganz großes Arbeitseinkommen haben. Aber was da fehlt, sind alle anderen Steuern, also die Umsatzsteuer, die belastet nämlich vor allem die Mitte und niedrige Einkommen. Und vor allem fehlen da die Personen, die ganz hohe Vermögenseinkommen haben. Die sind in der Statistik dann einfach nicht mit dabei. Und da sinkt eben der Anteil wieder, weil die zahlen keine Einkommenssteuer. Also immer wenn wir über Steuergerechtigkeit reden, landen wir ganz oft beim Einkommenssteuertarif. Das ist nicht unwichtig, weil die meisten Menschen zahlen eben genau diesen Steuertarif, diesen klassischen Einkommenssteuer. Aber Superreiche sind da raus, weil die zahlen keine Einkommenssteuer, weil die haben kein Arbeitseinkommen. Entweder zahlen sie Unternehmenssteuern in den Unternehmen, die sie besitzen und diese Steuer hat sich in den letzten 20, 30 Jahren halbiert oder, Zusätzlich zahlen sie Kapitalertragssteuern und die können sie aber weitestgehend umgehen.

Marina:

[10:12] Die Krux ist also, dass wir in den letzten Jahrzehnten unsere Steuerpolitik genau so gestaltet haben, dass besonders die sehr, sehr Reichen und die Überreichen davon profitieren. Von den vielen Steuerarten haben wir eben ein bisschen genauer auf die Einkommenssteuer geschaut. Die belastet ja vor allem die mittleren Einkommen stark. Julia Jirrmann hat schon gesagt, die Umsatzsteuer, oft auch Mehrwertsteuer genannt, ist eine weitere Steuer, die vor allem die Mitte und niedrige Einkommen belastet. Denn die müssen ja Dinge kaufen. Das heißt, wenn wir über Steuern und Gerechtigkeit sprechen, dann müssen wir uns alle möglichen Steuerarten anschauen und wie sehr sie genau wen belasten.

Chris Vielhaus:

[10:58] Die eben schon angesprochene Mehrwertsteuer ist ja eine Steuer, die wir alle immer bezahlen müssen. Und das ist zum Beispiel eine Steuer, wo wir nicht so viel drüber nachdenken meistens, aber die man zum Beispiel kritisch betrachten könnte, weil die sorgt für sehr viele Einnahmen für den Staat und alle müssen die natürlich bezahlen. Nur was man dabei bedenken muss, jetzt wieder aus einer Gerechtigkeitsperspektive ist, je weniger Geld jemand im Monat zur Verfügung hat im Geldbeutel, umso doller haut für den sozusagen die Mehrwertsteuer ins Kontor.

Marina:

[11:27] Das sagt Chris Vielhaus. Ihr kennt ihn schon aus der letzten Folge. Er ist Autor bei Perspective Daily und in seinen Artikeln beschäftigt er sich immer wieder mit Steuerthemen. Denn die spielen bei seinem Steckenpferd, dem Thema soziale Gerechtigkeit, einfach eine wichtige Rolle. Chris sieht genau die Steuer, über die wir am wenigsten nachdenken, sehr kritisch.

Chris Vielhaus:

[11:46] Also wenn ich jetzt, sage ich mal, nur 800 Euro im Monat frei habe oder im schlimmsten Fall noch weniger, dann muss ich dieses ganze Geld ja in der Regel aufwenden, um mir Essen zu kaufen, wirklich das ganz Nötigste, vielleicht mal ein paar Klamotten. Und diese Person, die so wenig Geld hat, muss genauso viel Mehrwertsteuer bezahlen wie eine Person, die überreich ist und im Monat theoretisch, weiß ich nicht, eine Million Euro theoretisch auf den Kopf kloppen könnte. Und deswegen ist die Mehrwertsteuer, Das ist schon ein bisschen problematisch und da könnte man halt zum Beispiel, wenn man jetzt mal wirklich eine konstruktive Steuerdiskussion führen würde, mal drüber nachdenken und wird es ja immer mal wieder, dass man zum Beispiel auf Grundnahrungsmittel die Mehrwertsteuer senken würde. Da gibt es zum Teil schon verringerte Steuersätze, aber man könnte ja jetzt zum Beispiel hingehen und sagen, Obst, Gemüse, gesunde Lebensmittel, vielleicht könnte man da gar keine Mehrwertsteuer mehr drauf bezahlen, weil das brauchen wir alle und das ist gut für uns alle, wenn wir uns das leisten können.

Marina:

[12:39] Keine Mehrwertsteuer auf das, was man unbedingt zum Leben braucht, wie Obst und Gemüse, das ist eine Idee. Eine andere könnte es jetzt sein, Luxusgüter wie Yachten oder Privatjets höher zu besteuern. Auf jeden Fall ist bei der Mehrwertsteuer viel mehr Gerechtigkeit möglich als bisher. In der politischen und medialen Diskussion spielt sie aber aktuell so gut wie gar keine Rolle. Eine andere Steuerart, die fast schon ein bisschen in Vergessenheit geraten ist, ist die Vermögenssteuer. Die hat eine spannende Geschichte, denn was viele nicht wissen, sie ist sogar in unserem Grundgesetz verankert.

Chris Vielhaus:

[13:21] Und zwar war es tatsächlich so, dass schon 1923 in der Weimarer Republik eine Vermögenssteuer eingeführt wurde von einem Prozent. Und das fanden die sehr, sehr reich damals natürlich schon nicht lustig, aber das war dann eben so. Und die wurde dann auch über Jahrzehnte erhoben, weil viele Menschen, die gegen eine Vermögenssteuer sind, heute gerne den Eindruck erwecken, als wäre das was ganz Absurdes, Vermögen zu besteuern und das könnte man ja nicht machen, das wäre ja eine ganz wilde linke Träumerei. Und das ist aber faktisch absoluter Unsinn, weil halt über viele Jahrzehnte bis 1995 eine Vermögensteuer in der Bundesrepublik und auch in den Perioden davor erhoben wurde. Und das war gemeinhin akzeptiert und das ist sogar im Grundgesetz verankert, dass so eine Steuer erhoben wird.

Marina:

[14:06] Und dann gab es 1995 ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts.

Chris Vielhaus:

[14:10] Das war dann relativ einschneidend. Da wurde sehr vereinfacht gesagt, die Vermögen der Reichen, vor allen Dingen ist da um Immobilien, die Werte davon, die wir dafür annehmen und besteuern, die sind nicht mehr zeitgemäß, weil wir wissen alle, wie das mit Immobilien ist. Die Werte steigen meistens, nicht immer. Und es gab halt viel zu alte Werte. Deswegen hat das Bundesverfassungsgericht gesagt und jetzt wird es wichtig, die Vermögenssteuer in der aktuellen Form ist verfassungswidrig. Weil Leute, die Kapitalerträge haben und so weiter, die mussten die volle Vermögenssteuer bezahlen. Leute, die ganz viele Immobilien, Willen, was weiß ich haben, mussten den gleichen Steuersatz bezahlen, aber eine Wertannahme von vor 30 Jahren. Also ungerecht, deswegen abgeschafft. Bis heute ist es immer wieder so und ich lese das auch in etablierten großen Medien leider immer wieder, wo ich halt einfach Stehhare kriege, ist das Bundesverfassungsgericht hätte gesagt, die Vermögensteuer wäre verfassungswidrig. Und das ist, muss man halt geradeaus sagen, eine klare Lüge.

Marina:

[15:10] Okay, ich schreibe nochmal mit. Das Bundesverfassungsgericht hat nicht gesagt, dass die Vermögenssteuer an sich verfassungswidrig sei. Das wäre ja auch irgendwie schräg, denn sie steht ja in der Verfassung. Das Gericht hat nur gesagt, in der jetzigen Form, also in der Form von 1995, sei es nicht gerecht. Denn auch das steht in unserer Verfassung. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Der sogenannte Gleichbehandlungsgrundsatz, Artikel 3.

Chris Vielhaus:

[15:39] Der Gleichbehandlungsgrundsatz besagt halt eben, dass die Leute, die Kapitalerträge haben durch Aktien oder sowas, halt nicht benachteiligt werden dürfen gegenüber Immobilienbesitzern und die gleich behandelt werden müssen. Das war der Hintergrund. Daraus wurde gestrickt, die Vermögensteuer ist allgemein verfassungswidrig, was nicht stimmt. Das Gegenteil ist der Fall. Und was ist dann passiert? Das Verfassungsgericht hat die Bundesregierung, die damalige Regierung Kohl, die schwarz-gelbe, FDP war auch mit dabei, beauftragt halt diese Vermögenswerte anzupassen und das zu überarbeiten. Und jetzt ein bisschen provokativ gesagt, hatten die aber gar nicht so viel Lust drauf, weil natürlich man sagen muss, dass vor allem eine FDP, aber natürlich auch eine Union schon immer eher die Interessen von Leuten im Blick hat, die schon relativ viel haben. Und dadurch ist dieses Gesetz nicht mehr in Kraft. Deswegen sagen auch manche Leute zur Vermögenssteuer, dass die Zombie-Steuer, also quasi der lebende Tote unter den Steuer setzen, weil eigentlich müsste die wieder erhoben werden.

Marina:

[16:40] Seit 1995, seit über 30 Jahren, lassen wir deswegen Vermögende nicht mehr, wie es all die Jahrzehnte davor ganz selbstverständlich war, ihren gerechten Beitrag zahlen.

Chris Vielhaus:

[16:52] So und dann hatte man natürlich ein Problem, generell war das ja so in den 90ern und 2000ern, da gab es ja diese Geschichte von Deutschland ist der kranke Mann Europas, da gab es wirtschaftliche Probleme aus unterschiedlichsten Gründen und dementsprechend hatte der Staat halt weniger Einnahmen. Und dadurch, dass die Vermögenssteuer nicht mehr da war, hatte er natürlich noch weniger Einnahmen. Und was macht man dann? Ja gut, man könnte natürlich, wie dann oft so das Mantra ist, sparen, sparen, sparen, aber es geht natürlich nicht bis zum Gettno. Und irgendwann ist ihnen dann schon aufgefallen, okay, wir müssten die Einnahmeseite erhöhen, aber sie haben jetzt halt nicht, sind halt nicht auf die Idee gekommen, okay, wie ist es denn jetzt mit der Vermögenssteuer, sollten wir die dann jetzt vielleicht mal reaktivieren, sollten wir vielleicht mal auf die Erbschaftssteuer gucken, wie viel kommt da denn rum, dafür, dass wir eins der reichsten Länder der Welt sind, wie viel kommt dann dabei raus, wenn jedes Jahr dreistellige Milliardenbeträge vererbt werden und genau das haben sie halt nicht gemacht und was sie stattdessen gemacht haben ist, sie haben die Mehrwertsteuer erhöht für uns alle und, Noch schlimmer, nicht nur, dass wir das alle bezahlen, die ist sogar eine der unfairen Steuern, die halt die Leute mit wenig Geld mehr trifft, als die mit viel Geld.

Marina:

[17:56] Spannend. Ich möchte das nochmal unterstreichen. Erwachsene Menschen, die Verantwortung für alle in diesem Land übernommen haben, als sie in die Regierung kamen, haben immer und immer wieder die aktive Entscheidung getroffen, lieber alle Leute mehr zu belasten. Und dieses alle belasten ist immer viel schlimmer für alle, die besonders wenig haben. Und man hat sich dafür entschieden, weil man die, die besonders viel Geld haben, nicht zur Kasse bitten wollte. Seit über 30 Jahren haben Regierung über Regierung Politik für die Reichen und gegen die mittleren und unteren Einkommen in diesem Land gemacht. Und wisst ihr, was ich daran besonders frech finde? dass die Parteien, die am vehementesten gegen Vermögenssteuern sind, die Unionsparteien und die FDP, die machen Wahlkampf mit Slogans wie Arbeit muss sich wieder lohnen oder Leistung muss sich wieder lohnen. Unser jetziger Bundeskanzler Friedrich Merz hat kurz vor der letzten Bundestagswahl in einer Rede im Bundestag Folgendes gesagt.

Friedrich Merz:

[18:57] Diejenigen, die heute anständig arbeiten, stellen sich die Frage, warum eigentlich diese SPD-Bundestagsfraktion immer noch dafür sorgt, dass nicht Arbeit besser bezahlt wird als Arbeit in Deutschland. Das ist doch die Frage, die Sie beantworten müssen.

Marina:

[19:11] Eine Frage, die Friedrich Merz bisher meines Wissens noch nicht beantwortet hat, ist, warum werden eigentlich Leute, die nicht arbeiten müssen, weil sie sehr, sehr reich sind und sich ihr Vermögen quasi von allein immer weiter vermehrt, weniger besteuert als Leute, die arbeiten? Mehrwertsteuer, Einkommenssteuer, Vermögenssteuer. Fehlt noch die Erbschaftssteuer, über die ich anfangs kurz gesprochen habe. Weil die ist ja gerade der große Zankapfel in der Bundesregierung. Die SPD würde die Steuer gerne reformieren. Aber ihr Koalitionspartner, die CDU-CSU, ist dagegen. Sie und die Lobby der Reichen und Überreichen spielt deswegen mit den Ängsten der Bevölkerung.

Chris Vielhaus:

[19:56] Die wollen euch euer Geld wegnehmen. Und dieses Narrativ ist halt super stark. Und da wird dann halt oft auch mit so vereinfachten Bildern gearbeitet. Da werden so Angstszenarien aufgemacht und befeuert, wie wenn du das Haus von deiner Oma erbst und die hat da ihr ganzes Leben für gearbeitet, dann wird der Staat dir das über eine Erbschaftssteuer wegnehmen. Ist Unsinn. Das sind Lügen. Es gibt Freibeträge, man kann diese Steuern ja immer politisch gestalten, da wird dann immer so getan, als würde es nur ein Modell geben, was so ganz raffzahnmäßig ist, wenn man jetzt diese Erbschaftssteuer reformiert und nur dieses Modell gibt es. Das ist natürlich einerseits albern. Und andererseits natürlich so eindimensional simplifizieren. Dafür gibt es ja Politik, dass man dann sagen kann, wir können das gestalten, wenn wir jetzt die Erbschaftssteuer neu machen mit diesen sogenannten Freibeträgen. Es geht im Kern ja darum, Stand jetzt ist es so, was absolut absurd ist, je mehr du erbst und gerade wenn es so in so einen Bereich geht von zwei, dreistelligen Millionenbeträgen oder sowas, umso mehr du erbst, umso weniger Erbschaftssteuer bezahlst du. Wie kann das sein?

Marina:

[21:01] Konkret ist die Formel der SPD relativ simpel. Jeder Mensch soll einen Lebensfreibetrag haben und insgesamt eine Million Euro vererben können, ohne dass darauf eine Erbschaftssteuer gezahlt werden muss.

Marina:

[21:15] 900.000 können innerhalb der Familie und weitere 100.000 an Dritte vererbt werden. Alles steuerfrei. Das ist mehr als bisher. Wer zum Beispiel einen Ehepartner beerbt, muss momentan ab 500.000 Euro Steuern zahlen. Für Kinder, die von ihren Eltern erben, ab 400.000 Euro. Wer sein Elternhaus erbt, egal wie viel es wert ist, und mindestens 10 Jahre selbst nutzt, der muss keine Steuern zahlen. Das soll laut SPD auch so bleiben. Was ist aber mit dem Unternehmer Ferdinand Munk? Der hat Angst, dass seine Töchter das Unternehmen verkaufen oder sich verschulden müssen, wenn er es ihnen vererbt. Ginge es nach der SPD, würde zukünftig für Unternehmen ein Freibetrag von 5 Millionen Euro gelten. Wenn Herrn Munchs Unternehmen weniger als 5 Millionen wert ist, müssten seine Töchter also nichts versteuern. Wenn es mehr wert ist, dann sieht die SPD für die Erben vor, dass sie die Steuer über 20 Jahre lang abbezahlen können, wenn sie dafür Arbeitsplätze erhalten. Denn klar, wir wollen mehr Gerechtigkeit. Das heißt, wem einfach so ein Vermögen in den Schoß fällt, ohne dass er oder sie viel dafür getan hat, der sollte davon etwas abgeben. Aber natürlich hat der Staat überhaupt kein Interesse daran, dass Unternehmen pleite gehen und Arbeitsplätze verloren.

Chris Vielhaus:

[22:35] Also auch Leute, die jetzt eine Reform der Erbschaftssteuer planen, die denken sich ja jetzt nicht, ja geil, dann besteuern wir die jetzt mal ganz doll, dass deren Betriebe kaputt gehen, das ist ja toll. Also das denkt sich ja keiner. Aber dieses Narrativ wird halt immer so aufgemacht und wenn dann da was vererbt wird, kann man das natürlich steuern. Wenn man da jetzt ein Modell erarbeitet politisch, das diskutiert, da auch mal einen Kompromiss macht und sagt, okay, da machen wir die Grenze dann vielleicht ein bisschen höher oder niedriger, dann kann man das vergestalten. Alles andere ist Propaganda.

Marina:

[23:06] Diese Bilder, die in dieser Kampagne immer wieder beschworen werden, das Haus von der Oma und der kleine Familienbetrieb, der pleite geht oder sich verschuldet, die beziehen sich ganz bewusst auf die Lebensrealität, die Menschen aus dem Mittelstand kennen, um ihnen Angst zu machen. Dass die Erbschaftssteuer aber vor allem auf die Überreichen zählt, die auch danach noch immer überreich wären, das wird halt gerne verschwiegen. Generell wissen wir viel zu wenig darüber, wie viel Vermögen die Überreichen eigentlich haben. Und nur ganz, ganz selten kommt das mal an die Oberfläche.

Chris Vielhaus:

[23:40] Im vergangenen Jahr 2025 ist ja auch was ganz Bezauberndes passiert. Und zwar war es da ja so, dass es einen Fall gab, wo eine sehr reiche Familie, eine Milliardärsfamilie, aus Versehen eine Erbschaftssteuer gezahlt hat. Und das ist sehr groß durch die Presse gegangen. Und diesen Fall muss man sich einfach mal anschauen und auf der Zunge zergehen lassen. Da gab es die Familie Hiestile. Die haben halt ein Multimilliardenvermögen. Kann man sich ja immer schwer vorstellen. Und das normale Muster ist dann ja, sage ich mal, Wenn sehr viel vererbt wird, bezahlen die meistens am wenigsten Erbschaftssteuer. Warum? Die haben Konstruktionen dann, dass sie frühzeitig dann sagen, wir verschieben dieses Vermögen, was wir haben, in eine Stiftung oder lassen das sozusagen irgendwie anders, maskieren das so ein bisschen und man kann das nachlesen alles.

Marina:

[24:29] Wir verlinken euch da einen Text beim Surplus-Magazin in den Shownotes. Tatsächlich ist der Fall ein bisschen lustig. Die Familie Thiele, also die Erben des 21 gestorbenen Unternehmers Heinz Thiele, hat sich jahrelang um das Erbe gestritten, soll ja in den besten Familien vorkommen. Und weil sie es einfach nicht geschafft haben, sich innerhalb der Fristen, die das Finanzamt gesetzt hat, zu einigen, musste dann eben die Rekordsumme von 4 Milliarden Euro an den Staat gezahlt werden. Ein Surblas schreibt dazu, dass eine derart hohe Summe als Erbschaftssteuer abfließt, ist eine Ausnahme von der Regel. Viel häufiger werden Milliardenvermögen geschenkt und vererbt, ohne dass der Fiskus viel davon hat. Denn es gibt zu viele Ausnahmen, die Superreiche nutzen können, um sich einen schlanken Fuß zu machen. Julia Jirrmann hat analysiert, dass im Jahr 2023 bei kleinen Erbschaften und Schenkungen mehr als doppelt so hohe Steuern gezahlt wurden wie auf größere. Wer unter 200.000 Euro vererbt bekommen hat, der zahlte im Schnitt 12,1 Prozent Steuern. Wer hingegen über 20 Millionen Euro vererbt bekommen hat, der hat durchschnittlich nur 4,7 Prozent Steuern gezahlt. Also zehnmal größerer Betrag, ein Drittel der Steuern.

Marina:

[25:51] Berechnungen des Netzwerks Steuergerechtigkeit zufolge waren es im Zeitraum 2011 bis 2020 sogar durchschnittlich nur 2,8 Prozent auf Vermögen von über 20 Millionen Euro und 9 Prozent auf Vermögen darunter.

Chris Vielhaus:

[26:05] Und das hat eigentlich sehr gut gezeigt, wo wir halt sein könnten, weil das war nur eine Familie und das zeigt halt perfekt, dass wir ganz anders dastehen würden und viele Milliarden mehr einfach von diesen riesen Erbschaften sozusagen für unser Gemeinwesen beanspruchen könnten. Und die Leute wären danach immer noch superreich, die dann da besteuert werden würden und der Staat hätte aber mehr und wenn man dann überlegt nochmal dagegen, diese ganze unsägliche Diskussion und die Drangsalierung von Bürgergeldempfängern, diese ganze Diskussion über 10.000 Totalverweigerer, wo wir im Endeffekt jetzt, dadurch, dass wir diese Menschen noch weiter drangsalieren zum Existenzminimum, ein paar Millionen, jeder kann mal gucken, wie viele Millionen passen in eine Milliarde rein und da jetzt ein paar Millionen sparen, und im Vergleich dazu von einer Familie bei der Erbschaftssteuer 4 Milliarden einnehmen könnten, dann sieht man halt einfach, wie realitätsfern und verschoben und ideologisiert diese ganze Debatte um gerechte Steuern in Deutschland ist.

Marina:

[27:09] Gerechte Steuern? Das klingt ja gut und schön. Aber was machen wir, wenn dann alle InfluencerInnen und MilliardärInnen einfach nach Dubai abhauen oder in ein anderes sogenanntes Steuerparadies? Nun, dass die dann alle abhauen, Auch so ein Mythos, wie Julia Jirrmann erklärt.

Julia Jirmann:

[27:26] Das ist eben ein Teil der Erzählung, die wir in den letzten 30 Jahren auch hatten. Also wir müssen die Steuern quasi senken, weil es andere Länder tun. Wir sind im Wettbewerb. Wenn wir die Steuern senken, dann investieren die Unternehmen hier. Und wenn wir die Steuern erhöhen, dann tun sie das nicht mehr und die Vermögenden gehen weg. Und als Ökonomin kann man auch sagen, muss man auch sagen, es ist natürlich ein Stück weit was dran, dass ein Unternehmen nicht mehr investiert, wenn die Eigentümer einen Steuersatz von 100 Prozent hätten und alles abgeben müssten. Es geht also immer darum, einen gewissen Sweep-Spot, sage ich jetzt mal, zu finden.

Julia Jirmann:

[27:59] Und was wir aber sehen in Deutschland ist, dass wenn man auch die Unternehmen befragt, warum investiert ihr denn jetzt nicht in Deutschland gerade oder warum investiert ihr zu wenig, dann ist nicht die zentrale Antwort zu hohe Steuern. Also es sind viele Gründe, aber die Steuern sind eben sehr weit unten. Ganz im Gegenteil, brauchen Unternehmen Infrastruktur, Digitalisierung. Und da muss nachgebessert werden, dazu brauche ich nur Steuereinnahmen. Und dann haben wir noch den Punkt, also die Milliardäre würden jetzt ihre Koffer packen und gehen, wenn es hier eine Vermögenssteuer gibt. Es gibt dann immer pressewirksam, auch in allen Ländern, wo Vermögenssteuern angehoben werden, gibt es einen Vermögenden, der das Land verlässt. Aber in der Regel geht das nur bei ganz wenigen Vermögenden, die sehr mobil sind, die eben keine Unternehmen in dem Sinne in Deutschland haben, weil wir eben eine gute Wegzugssteuer haben. Also wir haben einen Schutz davor, dass Menschen, die hier in Deutschland reich geworden sind, hier Unternehmen aufgebaut haben, das alles steuerfrei mit ins Ausland nehmen können, weil wir wissen, das wurde hier mit der Infrastruktur, mit dem Bildungssystem erwirtschaftet. Und deswegen haben wir eine Wegzugssteuer, eine Exitex und sind mit verschiedenen Regelungen dagegen geschützt, dass jemand das einfach steuerfrei mit ins Ausland nehmen kann. Also rein aus steuerlichen Gründen, dass jetzt ein Milliardär, Deutschland verlässt. Das wäre steuerlich auf jeden Fall in der Regel nicht klug.

Marina:

[29:14] Natürlich gibt es dann Leute, die das vielleicht lautstark auf TikTok oder Instagram angekündigt haben.

Dieter Bohlen:

[29:19] Wenn jetzt irgendwie wirklich Vermögensteuer kommt und so, habe ich ja schon mal gesagt vor ein paar Wochen, dann bin ich in sechs Stunden weg.

Marina:

[29:25] Und die dann ein bisschen blöd dastehen würden, wenn sie doch bleiben. Aber ganz ehrlich, sollen sie doch gehen. Ich meine, wir können doch nicht unsere gesamte Politik an den geizigsten, merkantilsten Leuten orientieren, deren oberstes Ziel es eh ist, dem Staat nichts von ihrem Geld abzugeben. Was haben wir von denen? Attraktiv müssen wir für die sein, die sich tatsächlich einbringen. Und das sind viele, denn wie gesagt, dieses Weggehen ist ein Mythos. Die meisten Milliardäre würden nicht gehen.

Julia Jirmann:

[30:00] Die meisten Milliardäre wollen auch nicht Deutschland verlassen. Die wissen auch, dass sie hier ein gutes Gesundheitssystem haben, ein ganz gutes Leben haben. Die haben auch Freunde, die haben auch Familie. Also es ist auch nicht so, dass denen alles völlig egal ist. Wir hören da lauter die Interessenverbände als die Vermögenden allgemein. Ja und da reicht es ja, wenn zwei Vermögende sagen, ja wenn, dann verlassen wir das Land und von den anderen 250 Milliardären hören wir ja gar nicht zum Zweifel, die vielleicht sogar das Gegenteil sagen würden. Das haben wir auch in Norwegen gesehen, Norwegen als Beispiel, weil die haben eine Vermögenssteuer und haben die vor zweieinhalb Jahren angehoben. Und da konnte man ganz gut sehen, also auch nennenswert angehoben, dass das Steueraufkommen danach nicht eingebrochen ist im Sinne von, da sind die Unternehmen weggegangen und haben da jetzt nicht mehr investiert oder die Vermögende haben alle das Land verlassen, sondern man sieht am Steueraufkommen ganz gut, die Steuereinnahmen sind entsprechend gestiegen, wie eben die Vermögenssteuer angehoben wurde. Und trotzdem gab es pressewirksam ein paar Milliardäre, die irgendwie in die Schweiz gegangen sind, weil sie da einen Steuerdeal bekommen haben. Aber das sind Einzelfälle...

Marina:

[31:12] Das ist ja das Ding. Untersuchungen zeigen, dass es reichen Leuten geistig schlechter geht, wenn es den Menschen um sie herum schlechter geht. Man möchte in schönen Städten mit glücklichen Menschen leben und nicht in einem einsamen Elfenbeinturm unter Elend. Darum leben reiche Menschen gern in Ländern, die einfach funktionieren. Und dann könnten wir vielleicht mal unseren Blickwinkel ändern und sagen, also eigentlich geht es uns ja hier schon relativ gut. Und wenn ich will, dass es uns noch besser geht, was ich will, dann fallen mir viele, viele Dinge ein, die der Staat besser machen kann, wie die Schulen, die öffentliche Infrastruktur, soziale Teilhabe oder Investitionen in die Transformation. Wenn ich das alles will, dann muss ich mit dem Rest der Gesellschaft darüber nachdenken, wie ich diese Ziele erreichen kann. Und da gehört es eben auch dazu zu fragen, wie kann der Staat an das nötige Geld kommen, um unsere Gesellschaft besser zu machen?

Chris Vielhaus:

[32:12] Also am Ende des Tages ist es ja wahrscheinlich so, dass Steuern ein Imageproblem haben. Und das sehr vereinfacht, dann man natürlich immer das Gefühl hat, Steuern sind was Blödes. Und wenn wir jetzt überlegen, dass natürlich wir eine schöne öffentliche Infrastruktur haben wollen, dass wir ja jetzt zum Beispiel auch zuletzt dieses Sondervermögen aufgelegt haben, wo ja jetzt hoffentlich unsere Bahnstrecken, unsere Brücken, unsere Straßen und so weiter in einen besseren Zustand kommen, dann kann man sich natürlich immer überlegen, wofür bezahle ich das?

Marina:

[32:45] Manchmal kann es schon helfen, ein neues Wort zu erfinden. Eins, das besser klingt als Steuern. Zum Beispiel Fair Share. Fairer Beitrag. So hat der Bundesstaat Massachusetts seine Millionärssteuer genannt, die er im Jahr 2023 eingeführt hat.

Chris Vielhaus:

[33:02] Da ist es dann ja spannend zu sehen, dass es manchmal in Ländern gute Beispiele gibt, wo man das gar nicht vermutet, wie zum Beispiel in den USA, wo wir zur Zeit eigentlich immer nur Schlechtes hören. Aber selbst da gibt es in einigen Bundesstaaten, wurden zuletzt Steuern auf hohe Einkommen und Vermögen, wo dann vorher schon geungt wurde, oh, dann hauen hier alle Millionäre und so weiter ab und dann haben wir hier niemanden mehr, der was bezahlt.

Marina:

[33:23] Ende 2022 hatte die Bevölkerung von Massachusetts in einer Art Volksabstimmung für die Einführung einer zusätzlichen Abgabe, die alle bezahlen müssen, die mehr als eine Million Dollar verdienen. Betroffen davon sind weniger als ein Prozent der Haushalte in Massachusetts.

Chris Vielhaus:

[33:40] Und die Mehreinnahmen, die da jetzt erzählt werden, also Spoiler erstmal, das gibt es jetzt schon seit zwei Jahren, da diese erhöhten Steuern, da sind nicht viele Leute, was sie bisher messen konnten, weggezogen. Die Einnahmen sind auch nicht eingebrochen oder dann sehr klein gewesen, sondern sind ganz stattlich. Und es wurde halt von vornherein gesagt, Leute, wir machen das jetzt und wir machen das dafür, dass wir zum Beispiel kostenloses Essen, gesundes in der Schule anbieten können.

Marina:

[34:02] Das Geld, das über diesen Fair Share eingenommen wird, muss für Dinge ausgegeben werden, die allen zugutekommen. Es ist zweckgebunden. Es fließt in die Bildung und in die Infrastruktur.

Chris Vielhaus:

[34:13] Weil das ist natürlich wichtig und das sehe ich auch immer ein, wenn man jetzt sowas macht. Es ist immer gut, wenn es eine Zweckbindung gibt und das Geld nicht irgendwo dann zum Löcherstopfen benutzt wird. Und da war das eben der Fall, dass dadurch jetzt Kinder ein gesundes Schulessen haben können, kostenfrei, unabhängig davon halt, wie der Geldbeutel von den Eltern ist. Und das kommt da total gut an. Und man sieht das ja auch regelmäßig bezeichnenderweise ja natürlich in Umfragen und Studien auch, wie viele Menschen sich das halt eigentlich wünschen. Also zwei Drittel der Menschen in Deutschland sind meine letzten Zahlen, die ich gefunden habe, sind auf jeden Fall für eine höhere Besteuerung von Vermögenden. Um halt das Allgemeinwesen besser auszustatten?

Marina:

[34:53] Zwei Drittel. Das sind echt viele. Zwei Drittel, das ist die Mehrheit, die es im Bundestag braucht, um die Verfassung zu ändern. Wenn zwei Drittel in Deutschland sich sowas wünschen, zum Beispiel damit ihre Infrastruktur und Bildungseinrichtungen besser ausgestattet werden, warum weigert sich dann die Politik eigentlich so hartnäckig, das wieder einzuführen? Eine mögliche Antwort gibt Gilda Sahibi in einem Beitrag für Deutschlandfunk Kultur.

Gilda Sahebi:

[35:21] Vermögende und einflussreiche Menschen haben faktisch völlig andere Zugänge zum politischen Raum als Menschen mit weniger Geld oder Einfluss. Bei privaten und öffentlichen Treffen, bei Abendessen, bei Veranstaltungen. Dazu kommt der strukturelle Lobbyismus. Die Finanzindustrie allein gibt jedes Jahr 40 Millionen Euro für Lobbyarbeit im Bundestag aus, meldete die Bürgerbewegung Finanzwende Anfang Januar. Der Einfluss von vermögenden Menschen und Institutionen auf die Spitzenpolitik ist in Deutschland allgegenwärtig. Besonders hervorzuheben ist dabei die Stiftung Familienunternehmen. Sie gehört zu den einflussreichsten Lobbyverbänden der Republik. Es geht der Stiftung vor allem darum, Steuern für Vermögende zu verhindern. Mit Märchen wie dem, dass bei Veränderung der Erbschaftssteuer auch das berühmte Häuschen von Oma betroffen wäre. Gelingt es der Stiftung seit Jahren, Verbesserungen zu verhindern.

Marina:

[36:15] Da sind sie wieder, die sogenannten Familienunternehmen. Und auch andere Lobbyorganisationen wie die sogenannte Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft oder auch der Bund der Steuerzahler sorgen mit ihren millionenschweren Kampagnen dafür, dass erstens die Politik untätig bleibt und zweitens Leute Angst kriegen, weil sie selbst am Ende weniger haben könnten, wenn Vermögens- und Erbschaftssteuer für die Überreichen kämen. Was natürlich Quatsch ist. Aber weil dieser Quatsch wieder und wieder von seriös aussehenden Menschen in Anzügen wiederholt wird und manchmal leider auch ohne Faktencheck und Kontext von den Medien wiederholt wird, verfängt er eben. Es gibt jetzt aber auch Menschen, die sind reich, die erben Millionen, aber die machen bei der Kampagne gegen Steuern einfach nicht mit. Im Gegenteil. Die sagen, bitte besteuert mich, ich zahle gerne Steuern.

Ruth von Heusinger:

[37:11] Ja, das tue ich tatsächlich gerne. Ich habe ja geerbt und ich bin dann aber auch in so Kreise gekommen, wo mir gesagt wurde, da kann man ja noch viel optimieren. Und ich habe mich bewusst dagegen entschieden, weil ich wirklich gerne Steuern zahle, weil das ja auch kein verschwendetes Geld ist oder so.

Marina:

[37:28] Das sagt Ruth von Heusinger. Sie ist Diplomphysikerin, Gründerin und Impact-Investorin. Und im Gespräch mit Sebastian Klein von TaxMeNow, einer Initiative von Erben und Reichen, die gern ihren Fair Share an den Staat zahlen würden, sagt sie.

Ruth von Heusinger:

[37:42] Es geht ja nur darum, wenn ich meine Steuern optimiere, dass ich mehr Geld habe und der Staat weniger Geld. Und das will ich eigentlich nicht. Ich bin total froh, hier in Deutschland in einem Land zu leben, wo auf die Schwächsten geachtet wird. Es gibt noch ganz viel, was man hier verbessern kann, aber ganz vieles läuft auch schon recht gut. Das sind alles für mich Privilegien und die möchte ich gerne erhalten und dafür ist es wichtig, Steuern zu zahlen.

Marina:

[38:09] Es geht also darum, die Debatte wirklich vom Kopf auf die Füße zu stellen. Denn ja, Briefe vom Finanzamt sind nervig und ja, es ist nicht toll, mehr als die Hälfte vom Gehalt für Steuern und Sozialabgaben abzugeben. Aber das ist nur nervig und nicht toll, solange wir komplett ignorieren, wozu das alles gut ist. Wenn wir den Blick darauf richten würden, was wir als Gesellschaft mit diesem Geld gemeinsam auf die Beine stellen, was wir alles wuppen könnten, wenn wirklich jeder seinen Fair Share beitragen würde, dann würde es sich sogar auf einmal gut anfühlen, das zu zahlen.

Julia Jirmann:

[38:47] Niemand will Steuern zahlen, die er nicht zahlen muss. Und muss sie auch nicht, soll sie auch nicht zahlen. Und niemand sollte irgendwie viel mehr zahlen als der Nachbar, dem es genauso geht. Also niemand sollte zu viel zahlen. Aber gleichzeitig brauchen wir vielleicht ganz grundsätzlich so ein Stück weit, bei sehr Wohlhabenden zumindest, könnte es ja auch so eine Art irgendwie Stolz auf Steuern, also Steuerstolz irgendwie geben, dass man sich eher rühmt damit, dass man einen guten Beitrag leistet und nicht damit rühmt, dass man irgendwie zu viel zahlt und irgendwie die Bayern traurig sind, dass sie die Berliner subventionieren, sondern dass es irgendwie ein ganz anderes Framing davon gibt, dass man stolz ist darauf, dass es einem sehr gut geht in diesem Land und dass man davon noch was abgeben kann. Und ich bin mir aber selber unsicher, wie weit das tatsächlich möglich ist in unserem System, wo doch dann alle ein Stück weit immer stärker an sich denken oder, ja, dass man ja immer das eigene Einkommen ja auch maximieren will, aber so in die Richtung, dass wir in der Wissenschaft, im Journalismus, Dann geht es bei kleinen Sachen los, dass wir eben nicht die ganze Zeit von Steuerlast schreiben und sprechen, sondern eben vom Steuerbeitrag. Und da gibt es schon so kleine Sachen im Wording.

Marina:

[40:05] Erinnert ihr euch noch an diese Geiz ist geil Kampagne eines größeren Elektronikfachmarkts? Ist Geiz wirklich so geil oder ist es nicht vielmehr wirklich toll gemeinsam großzügig zu sein, vor allem wenn man sehr sehr viel hat? Aus meiner verdammten Toilette kommt Trinkwasser, ich habe Strom, ich werde kostenlos behandelt. Verglichen mit der gesamten Menschheitsgeschichte ist es verdammt toll, was mit Steuergeldern möglich gemacht wird. Und nochmal, zwei Drittel der Deutschen sind ohnehin dafür. Wie übrigens auch eine von der Robert-Bosch-Stiftung geförderte Bürgerdebatte zum Thema gerechte Steuern und Finanzen gezeigt hat. Da wurde wie bei einem klassischen Bürgerrat 100 Personen zufällig ausgewählt. Acht Tage lang haben die sich dann intensiv über das Thema Braten drüber gebrütet. Und das Ergebnis war, die zufällig ausgewählten BürgerInnen wünschten sich vor allem, Vermögen und Erbschaften sollen gerechter besteuert werden, die Steuergelder sollen eingesetzt werden, um die regionale Entwicklung zu verbessern und dabei sollen BürgerInnen stärker eingebunden werden, wenn entschieden wird, wofür Steuergelder verwendet werden. Also da, wo es um lokales Kommunales geht. Und auch ganz wichtig, Steuerbetrug soll besser verfolgt werden. Denn letzten Endes ist das Diebstahl an unserer Gesellschaft und an uns allen.

Marina:

[41:33] Es geht also auch darum, dass die Gelder wirklich da ankommen, wo sie gebraucht werden. Vor Ort, bei den Kommunen, da wo wir Infrastruktur und kaputte Straßen und kaputte Schultoiletten sehen, ist das ja wie unser Staat zu uns steht. Und an diesen Merkmalen messen wir so ein bisschen die Leistung der Regierung. In Schweden zum Beispiel zahlt man die Kommunalskarte, eine Steuer auf Gehalt und andere Einkommen, direkt an die Kommune. Obwohl auch in Schweden die Abgaben auf Einkommen sehr hoch und auf Konsum noch viel größer sind, haben die Menschen dort das Gefühl, dass die Gelder sinnvoll und in ihrem Sinne investiert werden. Steuern fühlen sich also direkt besser an, wenn man spürt, dass sie unser aller Leben besser machen. Genau diese Gesellschaft will ich ehrlich gesagt gerne haben.

Marina:

[42:27] Was wir mitnehmen können. So wie sie im Moment gestaltet sind, sind Steuern nicht gerecht. Sie treffen die niedrigsten und mittleren Einkommen viel härter als die Reichen und Überreichen der Gesellschaft. Und das liegt vor allem an der Mehrwertsteuer und daran, dass Arbeit stärker besteuert wird als Vermögen. Die Vermögenssteuer ist sogar in unserem Grundgesetz verankert. Dass wir sie seit über 30 Jahren nicht erheben, liegt an mangelndem politischen Willen und daran, dass bei uns die Reichen und Überreichen einfach sehr großen Einfluss auf die Politik nehmen. Und auch bei der Erbschaftssteuer geht es jetzt darum, sie gerechter zu gestalten. Dabei sind viele Mythen im Umlauf, die Angst machen sollen, sich aber bei genauerer Betrachtung in Luft auflösen. Und Framing und Wording spielen eine wichtige Rolle. Steuern positiver zu erzählen, aber eben auch die Art und Weise, wie wir die sinnvolle Verwendung der Steuergelder in unserem Alltag spüren, ist wichtig. Unterm Strich sind das alles Dinge, auf die sich zwei Drittel der BürgerInnen vermutlich recht schnell einigen könnten. Also schreibt doch mal euren Abgeordneten. Vielleicht ist denen das einfach gar nicht so bewusst bei den ganzen Lobbyanstrengungen. Wie wir schon mal festgestellt haben, Briefe an Abgeordnete funktionieren.

Marina:

[43:44] So, das war die achte Folge von Wind und Wurzeln, die es ohne euch nicht gäbe. Danke, dass ihr uns helft, diesen Podcast auf die Beine zu stellen und in komplizierten Themen mit Leuten zu reden, die das einfach mal so ein bisschen mit kühlem Kopf einordnen. Und wenn ihr uns auch demnächst unterstützen wollt, dann findet ihr in den Shownotes alle Infos dazu. Und danke auch an Perspective Daily, die es uns ermöglichen, einmal im Monat eine Sendung zu recherchieren und zu produzieren. Alle Texte von Chris Vielhaus, die er zu Steuern und sozialer Gerechtigkeit geschrieben hat, findet ihr auch in unseren Shownotes. Mit unseren Links könnt ihr sie ohne Paywall lesen. Und wenn euch Wind und Wurzeln gefällt, dann teilt diese Folge oder den ganzen Podcast mit euren Freunden, Bekannten, Newslettern und auf den sozialen Medien und gebt eine positive Bewertung, wo auch immer ihr uns hört. Das hilft, dem Algorithmus zu lernen. und ich danke euch ganz, ganz herzlich. Ich liebe euch.

Marina:

[45:07] Wind und Wurzeln ist eine Produktion von Haus 1 in Kooperation mit Perspective Daily. Redaktion Katrin Rönicke und Marina Weisband Schnitt- und Sounddesign Oliver Kraus Am Mikrofon war Marina Weisband Eine.

hauseins:

[45:20] Produktion von Hauseins in Kooperation mit Perspective Daily.

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