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Veronika, der Lenz ist da – Wechseljahre als Chance

Autorin: Kerstin Müllers

Grafik & Empfehlungen: Franziska Kruppa

Wenn Blumen plötzlich anders duften

Ich spaziere durch die Felder. Die Sonne kitzelt in den Augen und auf der Nase. Leise und beschwingt pfeife ich das Lied der Comedian Harmonists, des wunderbaren Berliner Vokalensembles der Jahre 1927 bis 1935: „Veronika, der Lenz ist da".

Die Melodie des Liedes wurde von Walter Jurmann komponiert, der Text stammt von Fritz Rotter und lehnt sich an ein Gedicht von Otto Licht (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) an. Die Comedian Harmonists haben sich immer wieder neu erfunden und verändert und mussten in der Zeit des Nationalsozialismus neu denken, da drei Mitglieder der Gruppe Juden waren. Die Musik trägt und verbindet sie.

So ist es im Leben, glaube ich. Wir wachsen durch Ideen, Begegnungen, eigene Entwicklung und Lebenserfahrung. Ebenfalls verändern wir uns durch Lebensumstände, die ungewohnte Voraussetzungen schaffen oder uns zu neuen Perspektiven einladen und so zur Veränderung herausfordern. Das Leben ist Wandlung in stetigem Fluss.

Ich höre die Musik von Veronika und dem Lenz (Lenz: althochdeutsche Bezeichnung für Frühling). Ich folge der Einladung des Liedes zum Spaziergang und freue mich über diese Blütezeit. Der Rhythmus bewegt meine Füße und trägt mich im Atem. Der Foxtrott im Viervierteltakt begleitet mich: zwei Schritte einatmen – zwei Schritte ausatmen. Aufsaugen den Duft von Blumen, Gräsern, Wind und frischer Gülle – loslassen, was mich bedrängt und einzwängt.

Ich werde fünfzig, habe voraussichtlich den Zenit meines Lebensalters überschritten und denke: Schön ist das Leben.

Ich habe Zeit, meine Gedanken anders zu leben. Es fühlt sich an wie ein wohlgemuter Frühling. Viele alte Glaubens- und Erziehungssätze verändern sich oder fallen weg. Sie sind für mich verbraucht. Neues entsteht: frische Gedanken und Ideen. Es fühlt sich an, als singe Veronika von einem Frühling, der meine Tage neu erblühen lässt. Leichten und gleichsam langsameren Schrittes gehe ich als noch vor vielen Jahren. Ich spüre, dass ich mir nichts beweisen muss. Ich habe gelernt, dass ich vor anderen nicht glänzen muss, denn entweder mögen sie mich so, wie ich bin, oder sie lassen es. Ich vertraue, denn da ist eine, von der ich immer geliebt bin, in jeder Lebenslage und bis in meine tiefste Zelle hinein: Ruach. Gott. Geistkraft.

Es sind die Wechseljahre.

Sujet Körper & Kraft

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