Über die Klischees binärer Scheixx-Türen
Der Newsletter aus der Wort & Klang Küche von Almut Schnerring & Sascha Verlan
Ausgabe 8/2026
Achtung: RANT!
Ich will.
Einfach.
Nur.
Pissen.
Und was kommt mir dabei in die Quere? ZWEI TÜREN:
Rechts: Rosa. Lippenstift. Fee. Handtasche. 38 Sprechblasen mit „BLA BLA BLA“. Links: Blau. Fußball. Drache. Hantel. Eine einzige, schüchterne „Bla“-Blase. Wer denkt sich sowas aus, hängt es an Türen und nennt es „Orientierungshilfe“?

Wer zur Hölle glaubt eigentlich, dass das hilfreich ist? Wer denkt: „Moment, bevor wir hier ein Klo beschriften, müssen wir erst mal klären, WIE MÄNNER SIND und WAS FRAUEN SO MÖGEN“?
Ich meine, wir reden hier von Klos! Öffentlichen Toiletten! Keine Marketingkampagne, kein Fantasy-Rollenspiel, einfach nur Orte. Stille. Stattdessen ein Gruselkabinett, in dem einen die Klischees ANSCHREIEN.
Männer: laut. simpel. Sport. Schlüssel. Feuer. Kampf.
Frauen: hübsch. still. Beauty. Handtasche. Glitzer. Gefühl.
Die Türen waren vermutlich früher mal Schubladen: „Du gehörst hierhin, du dorthin, sonst passt du nicht ins Raster.“ Und wir nicken still, weil ja… weil wir MÜSSEN! Und wer will schon auf der falschen Toilette landen, wenn’s brennt?

Und es ist ja nicht nur EIN Klischee. Es ist im Lauf der Jahre, nach einigen Raststättenbesuchen, Hotelübernachtungen, Kneipen-Klogängen und Firmen-Toiletten eine ÜBLE, DREISTE, UNERSCHÖPFLICHE SAMMLUNG davon. Wie ein schlecht kuratiertes Museum der 50er-Jahre, nur dass man erst gucken und sich labeln lassen muss, bevor man pinkeln darf.
Mit was für einer Selbstverständlichkeit! Als wäre es naturgegeben.
Als wäre irgendwo schon vor Geburt entschieden worden:
„Ah, Penis – hier, nimm Fußball, Coolness UND DRACHEN. Ach, und einmal pro Tag jemanden verprügeln! Bloß kein Weichei werden, DASS DAS KLAR IST?!!” - “Und hier, okay, Vulva – bitte Lippenstift, Fee, Glitzer, da, nimm den Putzeimer und hab unbedingt einen Gefühlsausbruch pro Tag, sonst verwirrst du all die zornigen Männer.“

ICH KANN DAS NICHT MEHR!
Diese Türen tun so, als wäre Geschlecht eine Personality-Playlist mit zwei Optionen. Und wenn du dich da nicht wiederfindest – TJA. DANN BIST DU HALT KOMISCH.
Wisst ihr, was diese Türen NICHT zeigen?
Menschen.
Komplexität.
Widersprüche.
Oder die simple Wahrheit, dass ALLE einfach nur aufs Klo müssen.
Es ist 2026.
Wir haben selbstfahrende Autos, KI-Kühlschränke, wir sammeln freiwillig und von Hand Hundekacke ein in kleinen Plastiktütchen, aber wir halten es für unausweichlich-unveränderbar, dass uns KLOTÜREN heute erklären, Frauen würden reden wie Wasserfälle und ein Mann ein Wort. Also, liebe Designer, Stadtplaner und binär Verbohrte: Lasst die Türen einfach neutral. Schwarz, weiß, grau, bunt, whatever. Aber lasst die sexistischen Klischees weg!
Lasst es einfach.
Lasst die rosa-blaue Einteilung.
Lasst die Symbole.
Lasst den Quatsch.
Schreibt einfach:
„TOILETTE.“
“Toilette zum Sitzen” - “Toilette zum Stehen”. Waschbecken dazu, Tür mit Schloss dran, Fertig!
“Für die, die mal müssen.”
Und dann lasst mich in Ruhe.
SONST REISS ICH EUCH DIE TÜR AB!
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Montag, 18. Mai, 20-22h: Wege aus der Rosa-Hellblau-Falle. Offener Abend mit Gleichgesinnten rund ums Schubladendenken im (Familien-)Alltag und wie wir dem entkommen. Online-Veranstaltung (Abre numa nova janela) zur genderreflektierten Bildung
Freitag, 22. Mai - Almut und Sascha kommen nach Hamburg, 1. Hamburger Rosa-Hellblau-Falle-Salon: Raum für Austausch und kritisches Nachdenken zu Geschlechterrollen, Normen & Demokratie - mehr erfahren / anmelden … (Abre numa nova janela)
Mittwoch, 17. Juni, 20 Uhr - Wege aus der Rosa-Hellblau-Falle - Austausch über klischeefreie Bilderbücher. Details und Anmeldung (Abre numa nova janela).
weitere Termine & Online-Fortbildungen in 2026 - hier (Abre numa nova janela)-
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