Eine neue Studie liefert alarmierende Einblicke.
Wer den Algorithmus von X nutzt, teilt dann eher rechte Positionen. Das ist die Kurzfassung einer Studie europäischer Universitäten. Auf der Plattform von Elon Musk kann man entweder Postings in chronologischer Reihung sehen – oder man kann den Feed vom Algorithmus ansehen. Wer das tut, kriegt mehr rechte Inhalte eingeblendet. Und das hat anscheinend Konsequenzen.
Die Forschenden sahen, “der Algorithmus fördert politische Inhalte und priorisiert innerhalb dieser Kategorie konservative Inhalte”.
Und sie beobachteten: “Ein siebenwöchiger Konsum solcher Inhalte im Jahr 2023 verschob die politischen Überzeugungen der Nutzer:innen in eine konservativere Richtung”.
Zum Beispiel fanden diese Testpersonen Ermittlungen gegen Donald Trump eher inakzeptabel. Sie hatten ein etwas negativeres Bild des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Sie zeigten auch eine etwas höhere Wahrscheinlichkeit, rechten Kanälen zu folgen.
Diese Studie (Abre numa nova janela) von Germain Gauthier, Roland Hodler, Philine Widmer, Ekaterina Zhuravskaya ist bemerkenswert. Die Forschenden testeten auch, wie sich das auswirkt, wenn Menschen den Algorithmus nicht mehr nutzen. Also: Wenn sie zur chronologischen Reihung zurückkehren (das heißt, die neuesten Postings der abonnierten Kanäle werden angezeigt). Doch hier blieb ein deutlicher Wandel aus. Zitat: “Der Effekt ist asymmetrisch: Das Einschalten des Algorithmus beeinflusste die politischen Ansichten, aber das Ausschalten machte die Perspektiven der Nutzer auf politische Prioritäten oder aktuelle politische Themen nicht rückgängig.“ Das kann daran liegen, dass diese Personen in der Zwischenzeit (wo sie den Algorithmus nutzten) bereits rechte Accounts abonnierten – und diese dann eben auch weiterhin sehen.
Die Forschenden haben diese Untersuchung nicht in Kooperation mit X durchgeführt. Und derzeit sind es gerade Studien, die nicht in Kooperation mit großen Plattformen stattfinden, die beunruhigende algorithmische Effekte berichten. Eine weitere solche Untersuchung besprach ich auch im Standard (Abre numa nova janela). In meinen Augen deutet das auf folgendes hin: Es ist wichtig, dass wir auch Studien haben, die keine Kooperation mit großen Plattformen darstellen – also wo zum Beispiel nicht ein Unternehmen wie X oder Meta zuerst überlegen kann, mit welchen Forschenden es kooperieren will oder für welches Forschungs-Design es seine Daten teilt.
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So viel dieses Mal – weil ich derzeit in Terminen untergehe, ein kurzer Newsletter. Wer Interesse hat an einem Austausch, bei diesen Events bin ich in den kommenden zwei Wochen:
16.3., Buchhandlung Faktory, Wien, ab 18 Uhr, Präsentation und Diskussion zu meinem neuen Buch “Feindbild Frau”
21.3., Leipziger Buchmesse, Österreich Kaffeehaus, Gespräch zum Buch ab 13.30 Uhr
26.3., Dussmann, das KulturKaufhaus, Berlin, ab 19 Uhr, Gespräch mit Veronika Kracher und Isabella Caldart
Danke fürs Lesen - ich melde mich wieder in zwei Wochen!
Schönen Gruß
Ingrid Brodnig
Credit des Bildes in der Webversion: Studie “The political effects of X’s feed algorithm” (Abre numa nova janela)