Antje Tomfohrde, Nathalie Klüver, Vera Zischke und ich diskutierten lebhaft über die anhaltenden Ungleichheiten in der Buchwelt und entwickelten konkrete Lösungsansätze.
Autorinnen stehen in der Buchbranche vor großen Herausforderungen. Ihre Werke landen oft vorschnell in Schubladen wie "Liebesroman" oder "Mutterschaft", selbst wenn sie komplexe politische oder gesellschaftskritische Themen behandeln.
Auch bei Literaturpreisen zeigt sich ein ähnliches Muster: Männliche Autoren erhalten unverhältnismäßig viel Medienaufmerksamkeit, während Preisträgerinnen in den Hintergrund rücken. Ein Beispiel: Bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises wurde die Gewinnerin Martina Hefter (Hey guten Morgen, wie geht es dir?) kaum erwähnt, da die Reaktion des männlichen Konkurrenten Clemens Mayer die Schlagzeilen beherrschte.
Diese strukturelle Ungleichheit setzt sich in der Buchkritik fort, wo Literatur von Frauen anders wahrgenommen und bewertet wird. Selbst erfolgreiche Autorinnen wie J.K. Rowling mussten anfangs unter Initialen oder Pseudonymen veröffentlichen, da ein weiblicher Name auf einem Fantasy-Buch als Verkaufsnachteil galt. Erschreckend ist, dass auch heute noch Aussagen wie "Bücher von Frauen lese ich nicht" zu hören sind – ein Beleg für tief verwurzelte Vorurteile.
Doch wir entwickelten Lösungsansätze:
Stipendien: Mehr Fördermöglichkeiten speziell für Mütter schaffen, da die meisten Residenzstipendien für sie nicht nutzbar sind.
Besetzung in Verlagen: Mehr Frauen in Entscheidungspositionen und diversere Besetzung in Literaturredaktionen.
Marketing: Kritische Überprüfung der Kategorisierung und Bewerbung von Büchern.
Bewusstes Kaufverhalten: Gezielt Bücher von Frauen kaufen und in sozialen Medien unterstützen.
Experiment: Anonymisierte Bewertung von Literatur ohne Kenntnis des Autors oder der Autorin.
Wir planen, die Entwicklung der Buchbranche weiter zu beobachten und vielleicht treffen wir uns in einem Jahr wieder, um Bilanz zu ziehen.
(Abre numa nova janela)Über Vera Zischke:
Vera Zischke (Abre numa nova janela) ist ausgebildete Journalistin und macht mit Leib und Seele Tageszeitung. Nach vielen Jahren als Reporterin war sie sich sicher, dass ihr nichts Menschliches mehr fremd ist. Doch dann bekam sie drei Kinder und realisierte: Der Spaß hat erst begonnen. Mit dem Leben als Mutter kam auch der Wunsch, ihre Gedanken in Romanform auszudrücken. Über ihren Debütroman “Ava liebt noch” (Abre numa nova janela) haben wir mit ihr in Folge XX gesprochen. Auf dem Instagram-Kanal (Abre numa nova janela) gibt sie Schreibtipps und Einblicke in ihre Autorinnenseele.
Der Roman thematisiert die Herausforderungen, die mit der Vereinbarkeit von Muttersein und persönlicher Erfüllung einhergehen, und wirft die Frage auf, ob es möglich ist, sowohl den Erwartungen der Familie gerecht zu werden als auch die eigenen Träume zu verwirklichen. Vera Zischke beleuchtet in ihrem Werk die inneren Konflikte einer Frau, die zwischen familiären Verpflichtungen und dem Wunsch nach Selbstverwirklichung steht. Mit viel Einfühlungsvermögen und Authentizität schildert sie Avas Weg zu sich selbst und regt dabei zum Nachdenken über gesellschaftliche Rollenbilder an.
Über Nathalie Klüver
Nathalie Klüver (Abre numa nova janela)ist Journalistin, Autorin und Expertin für Familienpolitik, Mental Load und Vereinbarkeit. Mit Leidenschaft und klarem Blick schreibt sie über Themen, die Familien bewegen – verständlich, fundiert und nah am Leben. Ihre Texte erscheinen unter anderem im Spiegel, der Süddeutschen Zeitung und der Brigitte. Neben ihrer journalistischen Arbeit hält sie Vorträge und Workshops, lektoriert Fachbücher und ist als Expertin in Radio, Podcasts und TV gefragt. Sie setzt sich für eine familienfreundlichere Gesellschaft ein und bringt komplexe Zusammenhänge auf den Punkt – mit einer Sprache, die fesselt und bewegt.
In ihrem neuesten Buch, „Deutschland, ein kinderfeindliches Land? Worunter Familien leiden und was sich ändern muss“ (Abre numa nova janela), beleuchtet sie die Herausforderungen, denen Familien in Deutschland begegnen, und entwickelt eine Vision für eine kinderfreundlichere, nachhaltige Gesellschaft.
Nathalie Klüver auf Intagram (Abre numa nova janela).
Die erwähnten Bücher
"Deutschland, ein kinderfeindliches Land" von Nathalie Klüver
"Kinder, Minderheit ohne Schutz" von Aladin El-Mafaalani, Sebastian Kurtenbach und Klaus-Peter Strohmeier
"Ava liebt noch" von Vera Zischke
"Die Wut, die bleibt" von Mareike Fallwickel
"Das Licht ist viel heller hier" von Mareike Fallwickel
"Die Vegetarierin" von Han Kang
"Noch wach?" von Benjamin von Stuckrad-Barre
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