Saltar para o conteúdo principal

Der Unterschied zwischen verstehen und begreifen

schwarzer Hintergrund, schematische Darstellung eines Herzens und eines Gehirns, zwischen beiden ein roter Blitz und die Buchstaben VS

Verstehen

Am Samstag, bei knapp 40° nach beinahe 2 Wochen mit ähnlich hohen Temperaturen, habe ich diesen Unterschied verstanden UND begriffen. Es ist ein gravierender Unterschied. Verstehen bedeutet, etwas zu WISSEN, mit dem Verstand erfassen zu können, rational. Diese Art des Verstehens kann schwerfallen, weil man sich manchmal auch dagegen verwehren möchte. Sie führt natürlich zu Reaktionen – zu Wut, zum Entschluss, etwas tun zu wollen. Das rationale Verstehen sorgt dafür, dass man überlegt, was wie zu tun ist, was die Optionen sein könnten usw.

Begreifen

Das Verstehen im Sinne vom wortwörtlichen Begreifen, mit der Hand, mit dem Körper, mit dem Herz ist etwas ganz anderes. Die Tatsache, die es zu verstehen gilt, muss meiner Meinung nach eine ganz extreme sein, um diesen Schritt vom Verstehen zum Begreifen zu machen. Diese Art des Verstehens sorgt dafür, dass Tatsache XY nicht nur im Kopf ankommt, sondern in einem selbst, in jedem Winkel und jeder Faser des Körpers. Diese Art des Verstehens tut weh, sie verursacht körperliche Schmerzen und körperliche Reaktionen, Emotionen, statt rationale Entscheidungen und Überlegungen.

Etwas ist durchgebrannt

Am Samstag also war es dann bei mir so weit, Verstehen ging über in Begreifen. Natürlich geht es um’s Klima, um den Klimakollaps, in diesem Fall nach den letzten beiden Wochen, die einer Traumatisierung gleichkommen, war es die Hitze, die mich diese Grenze hin zum Begreifen hat überschreiten lassen. Hitze kommt niemals allein, sie kommt mit vielen Konsequenzen, die sicht- und spürbar sind. Hitze und ihre Konsequenzen tun weh, im wahrsten Sinne des Wortes, aber auch auf alle anderen erdenklichen Arten, wenn man hinsieht und mitfühlt und wenn Verstehen mit dem Verstand dazu führt, dass man darüber nachdenkt, was das alles bedeutet, welche Kettenreaktionen dranhängen. Dann gibt es den Moment davor (den des Verstehens) und den danach (den des Begreifens) und der Übergang ist nicht schleichend, sondern brutal. Es macht quasi „klick“, ein Schalter wird umgelegt. Ich glaube, in meinem Fall ist am Samstag tatsächlich irgendwas gebrochen, mit einem lauten Knacks.

rot, orange, noch mehr rot, utnerschiedliche Schattierungen von rot, in der Mitte des Wort "Kollaps"

Da wir über Hitze reden, bieten sich natürlich – angesichts der Realität – viele Wortspiele an, die jegliche Ironie und jeglichen Witz verloren haben: meltdown, etwas brennt sich ein, brennende Erkenntnis, das Begreifen hat sich durchgebrannt. Diese Dinge fallen mir jetzt ein, wenn der Verstand dann wieder mitmischt, obwohl er nie wieder allein die Kontrolle in diesem Punkt zurückerlangen wird. Das Begreifen geht nicht wieder weg und überlässt dem Verstehen nicht wieder allein das Feld. Mal sehen, wie die beiden sich arrangieren. Bei der nächsten Hitzewelle wird der Moment, in dem das Begreifen übernimmt, dann vermutlich schneller kommen, vielleicht wird es mit jedem Mal auch etwas weniger schmerzhaft und der persönliche meltdown hält sich zunehmend in Grenzen. Das ist aber kein Grund zur Freude, denn Klimakollaps und Co. bieten noch unzählige solcher Momente, weil es unzählige Katastrophen gibt, die sich aneinanderreihen.

Der Samstag in meinem Fall war jedenfalls eine Katastrophe und ich habe für eine ganze Weile nur auf der Couch sitzen können, heulend wie der sprichwörtliche Schlosshund. Ich konnte nichts tun, wirklich nichts, abgesehen vom Heulen und sich vor Schmerzen auf der Couch zusammenrollen. Warten – nicht darauf, dass es vorbei ist, sondern darauf, dass sich der Körper irgendwie damit arrangiert und den Verstand wieder einschalten kann. Das hat eine ganze Weile gedauert, ganz vorbei ist das mit dem Heulen noch immer nicht und mein Begreifen tritt dem rationalen Verstehen immer wieder kräftig in den Hintern, wenn mein Hirn mich ermahnt, doch in mal in Ruhe zu überlegen, was man jetzt am sinnvollsten tun könnte, sollte, müsste…Das mit der Ruhe wird nix mehr. Da brennt das Feuer aus Wut und auch Verzweiflung stetig und zu stark und vielleicht ist das auch gut so. Vielleicht ist das auch der Grund, warum es einen Unterschied zwischen Verstehen und Begreifen gibt und warum dieser Unterschied in Emotionen und (auch) in tatsächlichen Schmerzen liegt. Dieser Unterschied ist es eventuell, der dafür sorgt, dass man tatsächlich in die Gänge kommt und das mit einer anderen Entschlossenheit als vorher, dass man bereit ist, mehr zu tun, höhere Risiken in Kauf zu nehmen, radikalere Dinge zuzulassen, entschlossener zu handeln. Ob das „klug“ oder „richtig“ ist, ist dabei eine andere Frage, aber angesichts dessen, was unsere neue Realität ist, sollten klug und richtig vielleicht auch neu definiert werden abseits vom Maßstab und der Definition, die da bisher angelegt wurden…Klug und richtig ist meiner Meinung nach das, was die realistischen Möglichkeiten zu tatsächlichen Veränderungen (im Großen, aber auch im Kleinen) birgt und die braucht es – inzwischen um jeden Preis. Wer mir widersprechen will und wen ein Blick auf eure verdammten Thermometer nicht davon abhält, kann das gerne tun. Ich höre aber nicht mehr zu, weil ich etwas begriffen habe, unter Schmerzen.

That’s it

Ich habe begriffen, dass es das war. Es ist vorbei. Wir haben es versucht. Wir sind gescheitert und es ist jetzt vorbei. Es ist jetzt zu spät, um etwas wieder hinzukriegen. Es ist vorbei. Es wird nicht wieder gut. Die Optionen, die wir – meiner Meinung nach bezogen auf unsere Mittel – aber auch bezogen auf unsere (erreichbaren!) Ziele haben, sind völlig andere, als die Mittel, die wir vorher bereit waren anzuwenden, um unsere bisherigen Ziele zu erreichen. Dazu muss man aber vom Verstehen zum Begreifen kommen und das mit der Verdrängung hinter sich lassen.

Klimaschutz oder gar -gerechtigkeit mit Demos, angekündigten Massenaktionen, Petitionen, Argumenten… erreichen – nice try, aber vorbei.

Hitzehilfe [irgendwas anderes, was uns der Klimakollaps noch zeigen wird] mit [irgendeiner radikalen Aktionsform erzwingen] & durch DIY mit solidarischem Preppen ermöglichen, ist das, was jetzt real ist.

Menschen, die etwas nur verstehen, leben in einer völlig anderen Realität als die, die etwas begreifen. Mit dem „sich betroffen fühlen“ und dem „betroffen sein“ verhält es sich genauso. Das ist mir mit Blick auf Selbstverteidigung und Gewalt zum Schutz von sich selbst und anderen Betroffenen klar geworden. Der Unterschied ist auch in diesem Beispiel ein ganz entscheidender. Dieser Unterschied hat immer Konsequenzen. So lange der EINE Schritt von Punkt A zu Punkt B nicht gemacht wurde, sind alle Überzeugungsversuche zum Scheitern verurteilt. Auch das habe ich schmerzhaft begriffen 😉 Von mir gibt es keine Überzeugungsversuche mehr, kein Ringen um Verständnis und kein Betteln, meine Argumente nachzuvollziehen. Es bringt nichts und ich kann niemandem den Schritt vom Verstehen hin zum Begreifen abnehmen, den müsst ihr selbst machen. See you on the other side, hier gibt’s viel zu tun – Anderes und anders, aber auf jeden Fall viel davon.

 

0 comentários

Gostaria de ser o primeiro a escrever um comentário?
Torne-se membro de disrupt! e comece a conversa.
Torne-se membro