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Sie leben (1988)

Der obdachlose Tagelöhner John Nada findet an der amerikanischen Westküste einen neuen Arbeitsplatz auf einer Großbaustelle. Dort trifft er auf Frank, der ihn zu einem Camp mitnimmt, das sich um eine Kirche gebildet hat. Dort finden Tagelöhner, Arbeiter und obdachlose Menschen eine Heimstatt und etwas zu Essen. Als John herausfindet, dass in dieser Kirche nicht gebetet wird, sondern eine Art von Revolution in Planung ist, wird er in eine Sache hineingezogen, die er niemals für möglich gehalten hätte. Er findet eine Sonnenbrille, die, aufgesetzt, ihn die Wahrheit sehen lässt: Die Erde ist Opfer einer Invasion von Außerirdischen geworden, die gemeinsam mit der menschlichen Machtelite die Erdbevölkerung manipulieren und unterdrücken. Doch John ist nun aufgewacht und wird alles dafür tun, die Aliens zu bekämpfen. Die wiederum machen sogleich Jagd auf ihn.

Im Kultklassiker Sie leben führte John Carpenter nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch, das auf der 1963 entstandenen Kurzgeschichte "Punkt acht Uhr morgens" von Ray Nelson basiert, und komponierte die geniale Filmmusik. In den Hauptrollen sehen wir den damals sehr berühmten kanadischen Wrestling-Star Roddy Piper als John Nada, Keith David als Frank und Meg Foster als Holly Thompson.

John Carpenters Alien-Invasions-Thriller könnte man als Gottvater aller Verschwörungsfilme bezeichnen und ist eine prominente Quelle der zeitgenössischen Verschwörungsmythologie. Hier findet man alles wieder, was wir heute aus dem Repertoire der Querdenker, Esoteriker, Reichsbürger und einiger Friedensbewegter kennen: technologische Bewusstseinskontrolle, diabolische Eliten, manipulierende Medien und natürlich Aliens, die die Menschheit unterwandert haben, um die Erde und ihre Bewohner auszubeuten. Damit ist John Carpenters düsterer Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1988 heute extrem aktuell. Fast möchte man meinen, dass die "Gedankenmanipulation" der Eliten heute Wirkung zeigt, denn kapitalistische Politik wird nun von so gut wie allen Parteien des Spektrums vertreten. Ende der 1980er-Jahre waren die ersten negativen Auswirkungen neoliberaler Politik auch in den reichen Nationen zu spüren, Sie leben setzt genau da an und erzählt nicht nur eine originelle Geschichte, sondern wartet auch mit bissiger Kapitalismuskritik auf, die sogar schon die Klimawandelproblematik thematisiert.

Sicher ist der Streifen mit dem vielen Geballer und der dümmlichem Klopperei ein Werk seiner Zeit, aber die Message ist großartig und herrlich subversiv. Dagegen wirken viele heutige Filme ideologisch extrem gleichgeschaltet. Viele Probleme westlicher Gesellschaften bringt John Carpenter mit den Slogans auf den Punkt, die die Aliens benutzen, um die Menschen zu kontrollieren: "Gehorche", "Heirate und vermehre dich", "Sieh fern", "Konsumiere", "Kaufe" und "Schlaf weiter". Bis heute wird in der Popkultur häufig auf den Film Bezug genommen. Vor allem das mantraartige "Obey" ("Gehorche") erlangte weltweite Bekanntheit durch die künstlerische Interpretation des amerikanischen Street-Art-Künstlers Shepard Fairey. John Carpenters Sie leben ist ein unterhaltsamer 80er-Kultfilm, der inhaltlich viel zu denken gibt.

https://www.imdb.com/de/title/tt0096256/ (Abre numa nova janela)
Tópico Film