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Joker (2019)

Mit dem psychisch kranken und psychiatrieerfahrenen Möchtegern-Comedian Arthur Fleck geht es im Gotham City der 80er-Jahre in allen Bereichen des Lebens bergab. Er verliert seinen Brotjob als Clown, seine Psychotherapie sowie sein Zugang zu Medikamenten werden wegrationalisiert, sein Vater Thomas Wayne will nichts mit ihm zu tun haben und seine kranke Mutter, die er pflegt, hat ein grausames Geheimnis in Bezug auf seine Kindheit. Als er dann von einigen Männern in der U-Bahn angegriffen wird, sich wehrt und die drei Yuppies dabei erschießt, beginnt aus ihm ein anderer zu werden. Ein Auftritt in einer beliebten Late-Night-Show transformiert ihn endgültig in den Joker.

Man kann Filme auf ganz unterschiedliche Arten lesen. Für die einen ist Joker aus dem Jahr 2019 ein ikonischer Film für die Incel-Kultur, für andere die Geschichte eines Klassenkampfs zwischen der in Armut lebenden Bevölkerung Gotham Citys und dem faschistoiden Kapitalismus der Wayne-Familie. Für mich ist Joker vor allem ein empowerndes Plädoyer für einen menschlicheren Umgang mit psychisch kranken Personen und gegen das desolate Gesundheitssystem der USA. Ich möchte das anhand von zwei Zitaten aus dem Film genauer erklären:

"Das Schlimmste an einer psychischen Erkrankung ist, dass die Leute erwarten, dass du dich so verhältst, als hättest du keine." Die abilitierte Dominanzgesellschaft tendiert dazu, psychisch kranke Menschen zu marginalisieren, und erwartet gleichzeitig von ihnen, dass sie ihre Symptome verstecken. Das Gesundheitssystem in den USA ist bekanntermaßen extrem inhuman, gerade vulnerable Personen, wie psychisch Erkrankte, fallen dabei leicht durchs Netz der Versorgung.

"Was bekommt man, wenn man einen psychisch kranken Einzelgänger mit einer Gesellschaft konfrontiert, die ihn im Stich lässt und wie Müll behandelt?" Jeder Mensch ist auch ein Produkt seiner Umgebung, aber vor allem sind Serienmörder wie der Joker immer Opfer der kleinsten Einheit der Gesellschaft: der Familie. Arthur Fleck klagt hier über sein Gemachtsein und benennt den Grund für seine Taten: die Gesellschaft.

Inszeniert wurde Joker von Todd Phillips, der bisher nicht gerade für tiefsinnige Filme bekannt ist. Er drehte Komödien wie Road Trip (2000) und Hangover (2009). Joaquin Phoenix als Arthur Fleck spielt für mich die Rolle seines Lebens, einen besseren Joker hat es nie gegeben. Zusammen mit seinem grandiosen Soundtrack von Hildur Guðnadóttir, die dafür vollkommen zurecht den Oscar erhielt, ist Joker für mich der Film des Jahres 2019.

https://www.imdb.com/title/tt7286456/ (Abre numa nova janela)
Tópico Film