Im Mittelpunkt stehen sechs Jugendliche der Berliner Drogenszene Ende der 1970er-Jahre, die um ihre Träume vom Glück und der Befreiung aus ihren zerrütteten oder spießigen Elternhäusern kämpfen. Zur Clique gehören Christiane, Stella, Axel, Benno, Babsi und Michi.
Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller und Uli Edels Film Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (1981), ist die achtteilige Fernsehserie nach einer Idee von Annette Hess eine moderne Adaption der Erlebnisse von Christiane Felscherinow. Wir Kinder vom Bahnhof Zoo aus dem Jahr 2021 hat mit Jana McKinnon als Christiane, Lea Drinda als Babsi, Michelangelo Fortuzzi als Benno, Lena Urzendowsky als Stella, Bruno Alexander als Michi und Jeremias Meyer als Axel eine ganze Reihe von Deutschlands besten Jungschauspielern zu bieten. In weiteren Rollen sehen wir Angelina Häntsch, Sebastian Urzendowsky, Bernd Hölscher und Alexander Scheer als David Bowie (wer sollte den Künstler sonst spielen?). Michael Kadelbach und Robot Koch verleihen der Serie mit ihrer genialen Filmmusik einen coolen und zugleich melancholischen Touch.
Was an dieser ungewöhnlichen Serie zunächst auffällt, ist der anachronistische Look. Der Alltag der Protagonisten ist Ende der 1970er-Jahre angesiedelt - auch wenn die durchgestylten Kostüme der sechs Jugendlichen eher so wirken, wie sich ein heutiger Modedesigner die 70er-Jahre vorstellt. Wann immer jedoch die Jugendlichen in der berüchtigten Diskothek "Sound" feiern gehen, begeben sie sich auf eine stilistische Zeitreise in die Gegenwart: Musik, Tanzstil, Gebaren und Beleuchtung sind dann zeitgenössisch zu nennen. Dieser anachronistische Kniff soll wohl eine Brücke in die Gegenwart schlagen und verdeutlichen, dass Christianes Geschichte zu jeder Zeit spielen könnte. Und so zeigt die Serie eindrucksvoll, dass die Themen Erwachsenwerden, Drogen und Gewalt in der Familie tatsächlich universell sind. Die poetischen und teils surrealistischen Bilder sowie die gelungene musikalische Untermalung verpacken diese Message äußerst ästhetisch.
Ich weiß nicht, ob man die Serie unbedingt mit dem Film Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo vergleichen muss, aber ich möchte es kurz tun. Wo Uli Edels realistische und dreckige Buchverfilmung mit Christianes fatalistisch-coolen Kommentaren filmisch überzeugte und entsprechend schockierend war, da kommt Annette Hess´ Serie mehr wie die poetische und durchgestylte "High-Class-Art-Version" von Christiane Felscherinows Buch daher. Weniger realistisch und schockierend, dafür künstlerischer, aber nicht weniger ergreifend und traurig. Das Produktionsdesign der Serie stammt von Künstlern und Modeleuten, das des Films schufen die Straßen Berlins.
Wir Kinder vom Bahnhof Zoo ist eine Serie auf internationalem Produktionsniveau, die ein überzeugendes ästhetisches Gesamtkonzept aufweist und einen ganz fantastischen Cast zu bieten hat - allen voran die Jungschauspielerinnen Jana McKinnon, Lea Drinda und Lena Urzendowsky.
https://www.imdb.com/de/title/tt13138972/ (Abre numa nova janela)