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Alles nur Inszenierung?

Aus gegebenem Anlass eine Stellungnahme aus der folker-Redaktion

Foto: Thomas Steinborn

In seinem aktuellen Buch Der Liebe zuliebe (siehe Rezension auf S. 91 in folker #04.25 (Abre numa nova janela)) und seinem diesjährigen Tourprogramm präsentiert sich Konstantin Wecker gerne als geläutert. Sein Leben sei eine Hinwendung von Depressionen und Sucht zu mehr Friedfertigkeit und Spiritualität, erklärt er selbst. Angesichts neuer Erkenntnisse stellt sich jedoch die Frage, in welchem Ausmaß dies nur eine Inszenierung sein könnte. Denn so leicht scheint der Liedermacher seine Vergangenheit nicht abzuschütteln. Zum einen leidet er darunter, dass sein Lebenswandel dazu beigetragen hat, dass er nicht mehr Klavier spielen kann. Mehr wird ihm aber vermutlich das Bekanntwerden einer Affäre mit einer 15-jährigen Schülerin zusetzen. Denn darüber verliert Wecker in seinem Buch kein Wort. Seine damalige Alkoholabhängigkeit kann dafür keine Entschuldigung sein. Denn wie die Süddeutsche Zeitung belegt, scheint der Liedermacher seine öffentliche Stellung manipulativ für seine Sexgier eingesetzt zu haben. Gerade er, der sich nicht scheut, Personen der Politik und Wirtschaft der Gier zu bezichtigen. Auch Weckers Reaktion auf die Veröffentlichung scheint sich vor allem um ihn selbst zu drehen. So ließ er durch seinen Anwalt verlauten, dass er davon ausgehe, nicht gegen das Gesetz verstoßen zu haben, und entschuldigt sich öffentlich für sein „gänzlich unangemessenes“ Verhalten. Aber was ist mit der betroffenen jungen Frau, die bis heute durch die Ereignisse traumatisiert ist? Auf jeden Fall droht das Ganze seine Karriere zu überschatten. Denn einer Minderjährigen den Kontakt und sexuelle Handlungen aufzuzwingen, ist absolut inakzeptabel. Mehr denn je für jemanden, der sich gerne als Feminist und Anarcho sieht, von seiner Frau aber als „Macho“ bezeichnet wird. Wecker hat damit seine Glaubwürdigkeit verloren. Und so wird er sein bekanntestes Protestlied „Willi“ vielleicht nicht nur wegen seiner neurologischen Probleme nicht mehr spielen können, sondern auch weil kaum noch jemand seine Konzerte besucht.

Ein Kommentar von Erik Prochnow, Mitglied der folker-Redaktion

Eine ausführlichere Auseinandersetzung mit der Problematik von Machtmissbrauch in der Musikbranche folgt in einer folker-Ausgabe 2026.

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