Erster Newsletter im Februar

Der Januar ist rum. Wie ist es euch ergangen?
Für mich war es der arbeitsintensivste Januar, seit ich denken kann.
Es ist erst ein Monat vom Jahr verstrichen, und ich habe schon vier Auftragsarbeiten zu Ende gebracht. Da kam mir das Wetter gerade recht. Hier in Berlin konnte man vor lauter Glatteis eh keinen Fuß vor die Tür setzen. Der Hund wollte partout nicht auf dem Eis laufen. Recht hat er. Also sind wir eher drin geblieben, bis auf einige wenige Ausnahmen. So habe ich aber auch keine Fotos für euch von meinen Streifzügen durch die Berliner und Branden-burger Natur. Dafür muss ein Aquarell einer Winterlandschaft herhalten.

So sind die letzten Arbeiten an Insektenhabitaten für Naturparks in Luxemburg ziemlich schnell fertig geworden. Ich habe auch eine Zusage für ein Großprojekt bekommen, das Ende dieses Jahres startet. Davon darf ich noch nicht so viel erzählen, aber ich werde euch ausführlich berichten, wenn es spruchreif ist.

Nun ist das Eis fast geschmolzen, und der Februar mit seinen grauen Tagen hält uns ganz fest umschlungen. Geht es euch auch so? Ihr sehnt euch nach Natur und Draußensein, nach Licht und Grün, nach Blumen und Blüten? Es ist eine vergleichsweise kurze Zeit im Jahr, aber sie kommt uns so lang vor. Ich mache in dieser Zeit immer einen Reset, räume auf und kümmere mich um meine Gesundheit. Wollt ihr wissen, was ich im Februar mache, um mich besser zu fühlen und den Lichtmangel auszugleichen?

Vielleicht ist diese dunkle Jahreszeit wie ein Garten im Winter.
Auf den ersten Blick scheint alles stillzustehen. Grau. Kahl. Leblos. Aber unter der Oberfläche passiert unglaublich viel. Wurzeln sammeln Kraft. Der Boden regeneriert sich. Es ist eine Phase der Vorbereitung, nicht des Mangels.
Genau so versuche ich, den Februar zu sehen.
Der Verzicht auf Zucker ist für mich wie das Entfernen von Ballast. Zucker lässt den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen und ebenso schnell wieder fallen. Gerade in der dunklen Jahreszeit verstärken diese Schwankungen das Gefühl von Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Ohne Zucker bleibt meine Energie gleichmäßiger. Mein Kopf klarer. Meine Stimmung stabiler.
Auch Alkohol lasse ich bewusst weg. Er wirkt kurzfristig entspannend, stört aber den Schlaf und belastet den Körper. Und gerade jetzt brauche ich beides: gute Regeneration und ein starkes Immunsystem. Seit ich im Winter darauf verzichte, schlafe ich tiefer und wache erholter auf.
Der grüne Tee begleitet mich durch diese Wochen. Er macht wach aber sanft. Keine Spitzen, keine Abstürze. Eine ruhige, konzentrierte Energie.
Es fühlt sich weniger nach Verzicht an als nach Fürsorge.
Wie eine Entscheidung für Kraft und Klarheit.

Heute habe ich meiner Freundin Niina Lehtonen Braun (Abre numa nova janela)
dabei geholfen, ihre Arbeiten zu scannen, weil sie eine Einzelausstellung vorbereitet. (Schaut mal bei ihr vorbei, sie beschäftigt sich in ihrer Kunst mit dem Thema Frauen in unserer Gesellschaft.) Wir haben sechs Stunden konzentriert gearbeitet und dabei trotzdem viel über unsere jeweiligen Familiengeschichten gesprochen.
Dabei wurde uns wieder bewusst, wie viel Care-Arbeit Frauen über Generationen hinweg ganz selbstverständlich getragen haben, oft unsichtbar und ohne große Anerkennung. Gerade in der Zeit zwischen 1950 und 1970 lag die Verantwortung für Haushalt, Kindererziehung und den emotionalen Zusammenhalt der Familie fast vollständig bei ihnen. Dazu kamen körperliche Arbeit, organisatorisches Geschick und ein enormes Durchhaltevermögen. Ich kann aus der DDR Vergangenheit berichten.
Und auch wenn sich Rollenbilder verändert haben, tragen Frauen diese Verantwortung bis heute, häufig neben Beruf, eigenen Projekten und dem Anspruch, allem gerecht zu werden.
Später haben wir uns Fotos von meiner Oma angeschaut.
Ich habe sehr viele schöne Bilder von ihr.
In meinem Newsletter für Mitglieder werde ich deshalb ausführlicher über meine wirklich interessante Familiengeschichte berichten. Besonders über meine Oma werde ich schreiben.
Hier schon einmal ein kleiner Vorgeschmack, der Newsletter für Mitglieder folgt morgen und wird euch in das Berlin der frühen 30ziger Jahre entführen zu meiner Oma und ihren Eltern, meinen Urgroßeltern.

Meine Oma hieß Eva. Eva Christel Emilie, genauer gesagt. Den Namen Christel sollte sie laut ihrem Vater bekommen, weil sie eigentlich an Heiligabend geboren werden sollte. Es wurde dann der 20. Dezember 1930. Als Kind konnte ich mir ihr Alter immer gut merken. Sie war so alt wie das jeweilige Jahr. Im Jahr 2021 starb sie, kurz bevor sie 91 Jahre alt geworden wäre.

Meine Oma war mir immer ein Vorbild. Ich habe sie bewundert. Sie hat das Leben angepackt und sich durchgeschlagen, obwohl es für sie wohl nie ganz leicht war. Sie war siebenmal schwanger, sechs Kinder hat sie großgezogen. Mein Vater war eines davon.
Er war das zweite Kind und später der große Bruder für vier weitere Geschwister. Ihr erstes Kind bekam sie 1950, ein Jahr nach ihrer Hochzeit, mit 20 Jahren. Das letzte viele Jahre später, mit über 40.
Sie war kreativ. Sie hat genäht und gestrickt, denn sie wurde Schneiderin wie ihr Vater. Und sie hatte sehr viel Geschick mit Pflanzen und ein riesiges Herz für Tiere.

So viele Lebensgeschichten von Frauen sind nie aufgeschrieben worden. Sie wurden gelebt, getragen, durchgehalten und organisiert, aber selten dokumentiert.
Im geteilten Deutschland spielte sich die Geschichte meiner Familie in der DDR ab. In diesem politischen und gesellschaftlichen Rahmen lebte auch meine Oma. Wie so viele Frauen ihrer Generation trug sie Verantwortung für Familie, Arbeit und Alltag. Sie arbeiteten, versorgten Kinder, hielten Beziehungen zusammen und meisterten einen Alltag, der politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich vieles von ihnen verlangte. Vieles davon geschah selbstverständlich und ohne große Anerkennung.
Ich möchte das sichtbar machen. Für meine Oma. Für meine Familie. Und auch für mich selbst. Denn ich glaube, wir verstehen uns besser, wenn wir wissen, woher wir kommen. Wie sehr uns Entscheidungen, Prägungen und Lebensumstände früherer Generationen bis heute beeinflussen.
Natürlich werde ich auch weiterhin über meine künstlerische Arbeit berichten, denn sie ist untrennbar mit dieser Geschichte verbunden. Meine Kreativität ist kein Zufall. Sie ist gewachsen aus dem Leben, in dem ich groß geworden bin, aus den Erfahrungen, die vor mir gemacht wurden, und aus der Kraft der Frauen, die mich geprägt haben.
Im Mitgliederbereich erzähle ich die Geschichte meiner Oma in voller Länge. Eure Unterstützung gibt mir den Raum, diese Erinnerungen sorgfältig aufzuschreiben, Zusammenhänge zu recherchieren und ihnen die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdienen.
Wenn euch das berührt, dann freue ich mich, wenn ihr Teil dieses Weges werdet.
Bis vielleicht bald im Mitglieder-Newsletter. Schon für 5,50 im Monat seid ihr dabei. Jederzeit kündbar.
Und von Herzen danke, an alle die meine Arbeit jetzt schon unterstützen und als Unterstützer-, Atelier- oder Premium-Hörnchen dabei seid.
Herzlichst
Janine