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Neues Erinnern: 81 Jahre Befreiung Buchenwald

Liebe Leser:innen,

der 11. April vor genau 81 Jahren, in aller Frühe: US-amerikanische Panzer donnern von Gotha über Erfurt Richtung Buchenwald. Kurz vor 10 Uhr schrillen Sirenen: Feindalarm. Die Häftlinge Hans Eiden und Franz Eichhorn werden als Lagerälteste, 43 und 40 Jahre alt, von KZ-Kommandant Pister zum Lagertor des Konzentrationslagers Buchenwald bestellt. Die SS werde das Lager räumen, lässt man sie wissen. 

10.30 Uhr: Eiden und Eichhorn organisieren Widerstand, verteilen Waffen unter den 21.000 Inhaftierten, SS-Männer der Kommandantur fliehen, manche werden von Widerständler:innen gefangen genommen. 12 Panzer umfahren das Konzentrationslager. Heftige Gefechte. Die Wachmänner in den Türmen setzen sich ab. 

15 Uhr, Hans Eiden heißt die weiße Flagge – das KZ Buchenwald ist befreit. Eine Viertelmillion Menschen wurden seit 1937 hierhin verschleppt, mehr als 56.000 von ihnen ermordet.  

81 Jahre später: Rechtsextreme Schmierereien in der Gedenkstätte Buchenwald, seit einigen Jahren schon; Hitler-Gruß wird in manchen Besucher:innengruppen zum Fun-Faktor; Kontroversen über die geplante Gedenkveranstaltung, Demos. Wie angemessen gedenken? Wer soll sprechen? 

Ich dachte, ich als Schweizerin mit südafrikanischen Wurzeln sollte diesen Text über die Befreiung des KZ Buchenwald besser nicht schreiben, zu unfundiert mein Wissen, zu unbetroffen meine persönliche Geschichte. Ich war außerdem noch nie in einer KZ-Gedenkstätte. (Unsere Praktikantin hat das auch als Leerstelle empfunden und es gewagt, lest hier (Abre numa nova janela).)

Aber ich? Ich wurde als weiße Person in die südafrikanische Apartheid geboren. Meine Großeltern? Was haben sie gemacht in dieser Zeit? Befragen kann ich sie nicht mehr.

Umso wichtiger, dass wir das Erinnern in die nächste Generation tragen. Und hier kommen die guten Nachrichten: Die Bethe Stiftung pusht das Programm „Jugend erinnert” des Bundesbildungsministeriums mit einer sogenannten Verdoppelungsspende auf 3,5 Millionen Euro im Jahr – damit künftig doppelt so viele junge Menschen eine Gedenkstätte besuchen können. 

Aber die beste gute Nachricht ist: Wir, die wir heute diesen Text lesen, können dank einer Meisterleistung der ZEIT in der gerade neu aufbereiteten NSDAP-Mitglieder-Datenbank (Abre numa nova janela) erstmals selbst online auf die Suche gehen in der Vergangenheit unserer Großeltern, Ur-Großeltern, Eltern, Familien, zumindest wenn wir ZEIT-Abonnent:innen sind (sonst für 1 Euro im Probeabo). Ich jedenfalls habe meinen Familiennamen dort gefunden. Und der ist selten hierzulande.

Bianca

Aus dem Magazin
(Abre numa nova janela)

Ortsbesuch in Wyhl, der Wiege der deutschen Umweltbewegung

Im April vor 40 Jahren demonstrierten Tausende im bayerischen Wackersdorf gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage. Niedergeknüppelt von der Polizei, attackiert mit Tränengas, und doch erfolgreich. Der Protest in der tiefen Oberpfalz, getragen von Menschen aller Schichten und Berufen, Familien und Alteingesessenen, Vereinen, Hippies, Studierenden, steht bis heute für eine neue Protestkultur der Zivilgesellschaft und die erstarkende Umweltbewegung. 

Doch der wahre Gründungsmoment war anderswo: in Wyhl, Baden, wo zehn Jahre zuvor ein Kernkraftwerk gebaut werden sollte. Unser Autor Joshua Kocher hat einen Mann besucht, der mittendrin war.

👉 In diesem Artikel erfährst du:

  • Wie sich Handwerker:innen, Winzer:innen, Professor:innen und Landfrauen gegen den Bau eines Atomkraftwerks in der Provinz nahe Freiburg zusammenschlossen.

  • Wie ein junger Kernkraftoptimist zu einem Anti-AKW-Aktivisten wurde und wie man das richtige  Momentum aufspürt.

  • Was Aktivist:innen heute aus den Erfahrungen von einst lernen können – und was nicht.

Sponsor

»In den mathematischen Gleichgewichtsmodellen der Ökonomie zählt allein der Markt, der alle Probleme regelt, indem er die Geld- und Warenströme reguliert. Alles übrige taucht allenfalls als Störfaktor auf.« – Oliver Schlaudt, Bure oder die Philosophie der Verzweiflung.

Im Debüt seiner Ökonomiekolumne begibt sich Oliver Schlaudt ins französische Bure, wo ein Atommüllendlager geplant wird. Ein Essay über Kernenergie, Demokratie und die stille Kapitulation der Moderne.

Jetzt lesen im MERKUR (Abre numa nova janela)

Wochenrückblick

Sieben Tage, sieben Good News

Hier sind unsere Nachrichten für realistische Optimist:innen: Die sieben besten Good News der Woche aus unserer Redaktion:

  • 🚅​ EU verschenkt Travel-Pässe an 40.000 junge Menschen Die EU startet eine weitere Runde der Initiative „DiscoverEU“. Mit dem kostenlosen Travel-Pass können mehr als 40.000 junge Menschen einen Monat lang kostenlos mit dem Zug durch Europa reisen. 18-jährige Europäer:innen können sich noch bis zum 22. April bei der EU-Kommission bewerben. Quelle: DIE ZEIT (Abre numa nova janela)

  • ​💌​ Schottische Post testet erstmals E-Flugzeug

    In Schottland testet die Royal Mail erstmals ein vollelektrisches Flugzeug auf echten Postrouten. Das Pilotprojekt soll zeigen, ob klimafreundlichere Flüge auch im Alltag funktionieren. Zunächst fliegt das E-Flugzeug auf kurzen Strecken und mit begrenzter Nutzlast. Quelle: UTOPIA (Abre numa nova janela)

  • ⚖️ Urteil gegen KI-Deepfakes von Grok

    Ein Gericht in den Niederlanden untersagt der KI Grok, sexualisierte Bilder von Personen ohne Einwilligung zu erstellen. Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu 100.000 Euro pro Tag. Es ist eines der ersten Urteile dieser Art gegen KI-generierte Deepfakes. Quelle: SPIEGEL ONLINE (Abre numa nova janela)

  • 💧Neuer Test erkennt verschmutztes Wasser in Sekunden

    Forschende haben einen Schnelltest entwickelt, der mikrobiell belastetes Wasser in unter einer Minute erkennt. Ein Tropfen genügt: Ein Teststreifen leuchtet – und die Smartphone-Kamera wertet das Ergebnis aus. Der portable Test könnte vor allem in Regionen ohne Labore die Wasserqualität deutlich schneller überprüfbar machen. Quelle: WDR COSMO (Abre numa nova janela)

  • ​​🦔​ Städtetag fordert Nachtfahrverbot für Mähroboter

    Der Deutsche Städtetag fordert ein Nachtfahrverbot für Mähroboter, um Igel und andere Kleintiere zu schützen. Gerade nachts sind viele Tiere aktiv – und die Geräte erkennen sie oft nicht. Bisher gibt es nur vereinzelte lokale Regeln, ein bundesweites Verbot fehlt. Quelle: SPIEGEL ONLINE (Abre numa nova janela)

  • ​​​🐠​ Griechenland: Echtzeit-Karte gegen illegale Fischerei

    Um die Meere besser zu schützen: In Griechenland gibt es eine neue interaktive Karte, die in Echtzeit anzeigt, welche Gebiete für die Fischerei gesperrt sind. Das soll sowohl Berufsfischer:innen als auch Bürger:innen helfen, sich schneller über lokale Verbote und Sperrungen zu informieren. Quelle: EURONEWS (Abre numa nova janela)

  • ​​​🦯​ Vibrations-Gürtel hilft blinden Menschen bei der Orientierung

    Ein Navigationsgürtel hilft blinden Menschen, sich mithilfe von Vibrationen zu orientieren. Die Idee dazu entstand während eines Projekts der Universität Osnabrück. Drei Studierende schlossen sich zusammen und gründeten ein Start-up. Heute ist der Gürtel ein anerkanntes Hilfsmittel, das etwa 500 Personen nutzen. Quelle: NDR (Abre numa nova janela)

👉 Mehr Good News entdecken: Jeden Tag suchen wir die sechs besten Nachrichten für euch in unserer Good News App (Abre numa nova janela) und im Newsletter (Abre numa nova janela).

Mitglieder-Update

Warum wir jetzt jedes Mitglied brauchen

Liebe Leser:innen,

heute möchte ich einen ganz ehrlichen Blick in unsere Statistik mit euch teilen: Unsere aktiven Mitgliedszahlen sind im März wieder gestiegen: 67 von euch haben sich neu für eine Good Membership entschieden. Herzlich willkommen und großes Dankeschön!

Gleichzeitig erleben wir aber wieder eine Entwicklung, die viele unabhängige Medien gerade mal wieder teilen: Bestehende Mitgliedschaften laufen aus oder werden pausiert. Der Grund liegt auf der Hand: Der eigene Geldbeutel. Wir verstehen das absolut. Die sich anbahnende Inflation und die allgemeine Unsicherheit gehen an niemandem spurlos vorbei. Wir haben das schon 2022 beim Ausbruch des Ukraine-Krieges erlebt, als unsere Print-Abos über Nacht plötzlich einbrachen.

Die kommenden Monate werden für uns deshalb wieder zu einer echten Herausforderung. Doch gerade jetzt, wo die Welt oft so düster wirkt, braucht es Good Impact und Good News, mehr denn je. Deshalb mein persönlicher Appell: Wenn es euer Budget zulässt, bleibt uns treu oder werdet heute Teil unserer Community. Wir arbeiten parallel mit Hochdruck daran, die Membership für euch noch lebendiger und wertvoller zu gestalten. Das alles ist aber nur möglich, wenn wir eine stabile Basis haben. Lasst uns gemeinsam die Fahne für das Gute hochhalten!

Entwicklung Good Membership (Abre numa nova janela)

Darum seid ihr im März Mitglied geworden:

Ich habe jahrelang das "enorm"-Magazin abonniert und war schon immer vom Aufbau begeistert. Die Welt könnte eine bessere sein, wenn die positiven Beispiele von vielen gelebt würden.

Euer Angebot ist übersichtlich. Ich finde schnell, was mich gerade anspricht. Und in alten Magazinen online zu wühlen ist auch gut, wenn mich eine Sache aktuell interessiert, die Ihr schon vor Jahren gebracht habt.

„Ich habe gemerkt, wie gut mir der tägliche Positiv-Fokus tut als Gegengewicht zu den sonst so weit verbreiteten negativen Nachrichten. Diese Arbeit wollte ich unterstützen.

„Die Paywall bei Artikeln, weil ich die Inhalte gerne lesen möchte

„Verfolge Good News schon länger und habe auch schon gespendet. Nun wollte ich einen Artikel unbedingt lesen 😉

Toll, dass gute Nachrichten gesucht und gefunden werden. Weil es gibt neben den ganzen Katastrophen auch positive Entwicklungen. Diese sichtbar zu machen finde ich super. Vielen Dank.

Wenn auch du unsere Arbeit nachhaltig ermöglichen möchtest, dann werde Mitglied und erhalte als Dankeschön:

Fragen und Feedback?

Hast du Ideen, Anregungen oder Kritik für diesen Newsletter oder unser Heft? Schreib uns gern unter redaktion@goodimpact.eu (Abre numa nova janela).

👋Bis nächste Woche

Wir wünschen dir ein schönen Start ins Wochenende. Bleibt optimistisch!

Dein Good Impact Team,

Anja, Bianca, Sophie, Selina, Simon & Juliane

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