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Der (Ex-)Billionär und seine Fanboys

Im heutigen Artikel nehmen Historiker Jonas Stephan (Abre numa nova janela) und ich Elon Musk auseinander. Ihr erfahrt u.a., wie Elon Musk sich ökonomisch aufplustert und in welcher machtpolitischen Tradition er steht.

Musk-Jünger müssen jetzt ganz, ganz stark sein: Ihr Guru kratzt noch gerade so an der Billionengrenze. Denn dem Mann, der vor wenigen Wochen durch den SpaceX-Börsegang als erster Mensch eintausend Milliarden anhäufte, schmolzen anschließend einige eben jener Milliarden dahin. Sie verbrannten – wie ein Starlink-Satellit am Ende seiner kurzen Lebensdauer. Die SpaceX-Aktie stürzte innerhalb weniger Tag zweistellig ab (Abre numa nova janela) und für Elon Musk, der circa 42 Prozent der Anteile an SpaceX hält, hieß es nun Beten und Bangen. Zeitweise war er einfach wieder nur ein stinknormaler Milliardär. Seitdem stieg die Aktie wieder, bleibt jedoch deutlich unter Ausgabeniveau. Ob Musk Billionär ist oder nicht, bleibt also ähnlich spekulativ wie die Gründe seines Erfolgs. Wo der SpaceX-Kurs auch steht, wenn ihr das lest: Thoughts and prayers! Tschakka, du schaffst es, Elon! 

Das Elon’sche Vermögenswachstum über die Billionengrenze hinweg – im Deutschen, im Englischen ist er the first trillionaire – spaltet die Menschen in zwei. Finanziell natürlich: Ganz oben der Tesla-Chef und weit darunter wir, die Geringverdiener-Variante der Gattung homo sapiens sapiens. Ebenso scheiden sich die Menschen in jene, die Musks raketenhaften Aufstieg in die finanzielle Fantastilliarden-Sphäre bejubeln und in jene, welche solche Vermögenswerte einer Einzelperson nicht nur kritisieren, sondern geradezu grotesk-pervers und moralisch unanständig finden. Symptom einer zukunftsgefährdenden Schieflage unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems. Jonas und Jan, die Autoren dieses Beitrags, outen sich gern: Wir gehören zu letzteren.

Musk-Männer und ihr Idol

Die Idee, einen Text zu schreiben über die sektenhafte Euphorie und Gehässigkeit, mit der manch Gesinnungsmuskianer den reichsten Menschen der Welt abfeiert, kam mir – Jan – nach der Veröffentlichung einiger halbwegs harmloser Beiträge, welche die Musk-Megalomanie kritisierten. Interessant waren die Reaktionen! Anstatt skeptisch zu werden, wenn ein Einzelmensch die Billionengrenze knackt und gleichzeitig Milliarden anderer Menschen unterhalb der Armutsgrenze zurücklässt, stören sich einige weniger am dekadenten Vermögenswachstum, sondern vielmehr an der Kritik daran:

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Die Argumente der Muskianer gingen vor allem in drei Richtungen: Elon Musk habe ganz Großartiges erschaffen. Er habe sein Geld verdient, sei fleißig und vorbildlich. Kritik an seinem perversen Geldberg sei vor allem eines: getrieben von Neid und intellektueller Faulheit. Auch dem Guardian sind die militanten Musk-Männchen bereits aufgefallen. Vor wenigen Tagen erschien ein Artikel: Doubt that Elon Musk ‘earned’ his trillion? Rightwing media says you’re in an ‘impotent envy cult’ (Abre numa nova janela) (Du hast Zweifel, dass Elon Musk seine Billion „verdient“ hat? Die rechten Medien behaupten, du seist Teil eines „kultartigen Neid-Komplexes“).

https://www.theguardian.com/global/commentisfree/2026/jun/30/elon-musk-trillion-rightwing-media (Abre numa nova janela)

Wie kein anderer hat der Tech-Unternehmer es geschafft, eine Armee höriger Tastaturhelden um sich zu versammeln, die bereit sind, jede kleinste seiner Entscheidungen bis aufs Blut gegen Kritik aus der Außenwelt zu verteidigen.

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Betrachten wir zunächst das Ökonomische. Wie steht’s um Elons angeblichen Mehrwert? Wir wollen an dieser Stelle nicht kleinlich sein und blenden daher vieles aus. Zum Beispiel seine Zeit bei PayPal (Abre numa nova janela), als er der Öffentlichkeit eine Luftnummer nach der anderen ankündigte, statt das Unternehmen aus dem Würgegriff von digitalen Betrügern zu befreien. Oder die Tatsache, dass der E-Autobauer Tesla (den Musk nicht gegründet hat (Abre numa nova janela)) über viele Jahre seine Gewinnmargen schön rechnete durch den Verkauf von CO2-Zertifikaten (Abre numa nova janela) an die Verbrenner-Riesen. Übergehen wollen wir hier auch das gewerkschaftsfeindliche Klima (Abre numa nova janela) in Musks Unternehmen sowie die katastrophale Arbeitsschutzbilanz (Abre numa nova janela)des Rakenbauers SpaceX, dessen Unfallrate mancherorts über dem Sechsfachen des Branchendurchschnitts lag, inklusive hunderter nicht gemeldeter Fälle. Selbst dass viele von Elons scheinbar visionären Ankündigungen und Entscheidungen geradewegs ins Nichts führten, werden wir nicht vertiefen. Was sind schon ein paar unbrauchbare Hyperloop-Tunnel (Abre numa nova janela) unter Freunden. Schwamm drüber.

Alles nur geklaut, eo, eo

Bleibt die Frage nach dem Mehrwert. Die einfache Antwort: Ja, der ist real, nur sollte er nicht dem Mann allein zugeschrieben werden. Wie so häufig drohen Silicon-Valley-Genieästhetik und meritokratischer Selfmade-Mythos (Abre numa nova janela) eine kooperative Gruppenleistung zur Einzeltat eines Visionärs zu verklären. Wie einst bei Louis XIV (l'etat c'est moi – der Staat bin ich) heißt es bei Musk: L'entreprise c'est moi – die Firma bin ich.  

Die Wahrheit sieht anders aus. Es mag zutreffen, dass Musk durchaus ein interessierter Autodidakt ist – jedoch fernab genialer Sphären. Er ist weder ein begnadeter Ingenieur, noch ein übermächtiger Programmierer. Auch erfunden hat er bislang nichts, außer für sich das Label „Erfinder“. Nicht mal seine angeblichen Computerspielrekorde (Abre numa nova janela) hat er selbst produziert, sondern jemanden dafür bezahlt, in seinem Namen auf Weltranglisten-Niveau zu gamen. In Spielen wie Diablo oder Path of Exile gab Musk vor, zu den talentiertesten Spielern weltweit zu gehören, bis er schließlich in Livestreams als nicht annähernd gut genug aufflog. Gamestar (Abre numa nova janela) schreibt: „Schnell wurde den Zuschauern jedoch klar, dass weder sein Können noch sein Wissen dem entspricht, was nötig wäre, um allein einen Charakter in den globalen Top-Listen des Hardcore-Modes zu platzieren.“  

Auch im Hardcore-Mode der freien Wirtschaft liebt Musk Abkürzungen, Tricks und Schummeleien. Wir haben es hier mit einem komplexen Firmennetzwerk zu tun, von dem wenig profitabel ist – und noch viel weniger originär von Musk erschaffen. Musk ist ein Endgegner der Aneignung, der es stets schafft, fremde Gedanken als eigene auszugeben und im Handumdrehen die Ideen Dritter zum eigenen Vorteil kannibalisiert. Nimmt man seine Unternehmerbiografie kritisch unter die Lupe, dann darf man die wirtschaftliche und politische Großwetterlage nicht ausblenden, in der er operiert. 

Die Elektromobilität? Vorangebracht, gewiss. Aber der Umstieg war getrieben von CO2-Regulierung, fallenden Preisen für Batterien und öffentlichen Subventionen (Abre numa nova janela). Besonders solide sind die Autos des Elon Musks übrigens nicht. Sie belegen im Mängel-Report des TÜV regelmäßig den letzten Platz (Abre numa nova janela). Kein Wunder also, dass Tesla heute weniger Stromer verkauft als der chinesische Konkurrent BYD (Abre numa nova janela).

Die Frachtkosten für Orbitalflüge? Die hat SpaceX dank seiner Recycling-Raketen tatsächlich massiv gesenkt (Abre numa nova janela). Aber auch hier hätte Elon ohne Staatskohle (Abre numa nova janela)und massive Unterstützung der NASA (Abre numa nova janela) nie etwas erreicht. Anstatt diese staatliche Unterstützung zu würdigen, wird sie von Musk und seinen Fanboys totgeschwiegen:

https://www.threads.com/@janskudlarek/post/DZsl6v_CkHu?xmt=AQG0ZgNjogdblZzQrzKUjlUSaqQcQi65sZJRIxpJxnu79mgWPLtvti7jU5x81om7kPFLETg&slof=1 (Abre numa nova janela)

Und die Starlink-Satelliten? Haben den Zugang zum Internet definitiv revolutioniert. Darüber hinaus sind sie einer der wenigen profitablen Zweige in Musks Portfolio. Starlink bringt Geld in das Musk-Imperium: Die Satelliten-Internetsparte generierte 2025 einen Umsatz von 11,4 Milliarden US-Dollar, was zu einem operativen Gewinn von 4,4 Milliarden US-Dollar führte. Ein satter Ertrag also, der jedoch schnell in den defizitären Sparten des Musk-Empires versickert. Und darüber hinaus sind die Folgen der „Megakonstellationen“ im Orbit noch völlig ungeklärt. Die mittlerweile über 10.000 Satelliten haben eine extrem kurze Lebensdauer von fünf Jahren. Damit die Umlaufbahnen nicht dauerhaft vermüllen, werden alle sechs Monate hunderte der Sputnik-Enkel zu Weltraumschrott degradiert und in der Erdatmosphäre entsorgt (Abre numa nova janela). Tonnen über Tonnen Altmetall in der Luft zu verbrennen, könnte der Umwelt schaden, warnen Experten. Doch die zuständige US-Behörde hat zuletzt beschlossen, Satellitenbetreiber von allen Umweltauflagen freizustellen (Abre numa nova janela). Dass Elon Musk enge Beziehungen zu US-Präsident Trump und zum Chef der besagten Behörde unterhält, hat diese Entscheidung natürlich nicht beeinflusst. Sagen jedenfalls die Beteiligten.

Wem das zu hypothetisch ist, oder wer sagt, was geht mich die Atmosphäre an, dem möchten wir zum Abschluss dieses ersten Teils noch einen letzten Gedanken mit auf den Weg geben. Denn mit Starlink  liegt eine kritische Infrastruktur in einer einzigen, niemandem rechenschaftspflichtigen privaten Hand. Das Prinzip ist historisch nicht neu. Der Augsburger Kaufmann Jakob Fugger, der reichste Europäer seiner Zeit, finanzierte den Habsburgern 1519 die römisch-deutsche Königswahl. Die englische East India Trading Company beherrschte im 18. Jahrhundert große Teile Indiens und hatte eine eigene Armee. Cecil Rhodes und König Leopold von Belgien errichteten um 1900 riesige Privatkolonien in Afrika. Die schwarze Bevölkerung mehrte fortan den Reichtum der Eigentümer und wurde zum Dank brutal unterdrückt. Musk steht also in einer gewissen machtpolitischen Tradition. 

Was neu ist an Starlink, das ist die geopolitische Dimension. Noch nie kontrollierte eine Einzelperson ein buchstäblich weltumspannendes Netz militärischer Ressourcen. Sowohl Russland (Abre numa nova janela) als auch die Ukraine (Abre numa nova janela) bekamen bereits die Konsequenzen dieser Machtasymmetrie zu spüren.


Wie Musk-Fans das Blut an Elons Händen bewusst ignorieren und mit welchen Strategien der Milliardär sich selbst jeglicher politischer Verantwortung entziehen will das erfahrt ihr nächste Woche in Teil 2 dieses Artikels.


Falls ihr den Autoren dieses Artikels beim Nachdenken über Vergangenheit und Gegenwart lauschen wollt: Wir haben letztes Jahr eine Podcastfolge aufgenommen, die den 8. Mai als Ausgangspunkt nimmt, um über Früher und Heute nachzudenken:

https://steady.page/de/janskudlarek/posts/2323e6cf-9bee-491a-9239-9fae136897d6 (Abre numa nova janela)


Jonas’ Linkliste:

https://linktr.ee/deutschland33_45pod (Abre numa nova janela)

Für geschichtlich Interessierte bietet sich Jonas’ Podcast zum 3. Reich an:

https://open.spotify.com/show/5ZWRTjEhPofmksu4pk0g23?si=067286f7164b4931 (Abre numa nova janela)


Jans Linkliste:

https://wonderl.ink/@janskudlarek (Abre numa nova janela)

www.janskudlarek.de (Abre numa nova janela) 


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Viele Grüße,

Jonas & Jan

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