Vor etwa einem Jahr veröffentlichte ich als zehnten Beitrag von Was mache ich denn da? den Text Newsletter für Anfänger*innen (Abre numa nova janela). Die zehn fühlte sich groß an. Ich schrieb von Scham und Rohfassungen, von einem Schreibwettbewerb, bei dem ich leer ausgegangen bin. Dass dies bei Ausschreibungen die Norm ist, wusste ich, empfand es damals trotzdem nicht als persönliches Schicksal. Möglicherweise ist es noch immer so – und ist es nicht besser, nicht zu wissen, ob etwas letztlich Erfolg haben wird?

Köln, August 2025 © Kristina Klecko
Und was heißt schon Erfolg? Schreiben Menschen für Erfolg? Schreibe ich für Erfolg? Die meisten Menschen, die ich kenne, haben zu schreiben begonnen, lange bevor sie wussten, dass manche Menschen damit (etwas) Geld verdienen, für die es Arbeit ist.
Apropos „Arbeit“. Es gibt Anzeichen dafür, dass Kunst, spezifischer das Schreiben, nicht als Arbeit betrachtet wird:
Wenn gefragt wird, ob man davon leben kann … Die Frage nach dem Einkommen ist eine seltene in unserer Gesellschaft. Manchmal stellen wir sie nicht, weil wir lieber nicht wissen möchten, wie wenig andere verdienen, manchmal weil wir davon ausgehen, dass es zu viel ist, als dass es sich ziemen würde, darüber zu sprechen. Bei Künstler*innen kann potenziell beides zutreffen. Kann sein, dass die Frage aus Höflichkeit falsch betont wird. Eigentlich möchte man wissen, ob man davon leben kann.
Wenn Freund*innen mir verschämt erklären, dass sie meinen Newsletter nicht abonniert haben, weil … Ich frage mich in solchen Fällen, ob ich mich ebenfalls schämen müsste. Ich habe die wenigsten von ihnen je bei der Arbeit besucht, bei einigen weiß ich, wenn ich ehrlich bin, nicht einmal, was sie genau tun. Kunst ist Arbeit. Es braucht kein mitleidig geheucheltes Interesse, höchstens echte Neugier, weil es Menschen gibt, die diese Arbeit zu schätzen wissen, die dafür bezahlen. Man muss sie nur finden. Erfolg ist dabei nicht garantiert (und hängt nicht zuletzt davon ab, wie gut jemand darin ist, sich zu vermarkten), aber gern gesehen.
Wenn es schwer ist, sich selbst ernst zu nehmen.
„Ich bezeichne mich meistens als Autorin, weil es etwas unprätentiöser klingt. Heimlich möchte ich, natürlich, lieber Schriftstellerin sein. Eine Schriftstellerin, denke ich, ist eine Autorin, die es geschafft hat. Allerdings habe ich erst einen einzigen Roman geschrieben. Wie viele Bücher brauche ich, um eine ‚richtige‘ Schriftstellerin zu sein?“ Janna Steenfatt, „Das will ich werden“ in Brotjobs & Literatur, hrsg. v. Iuditha Balint, Julia Dathe, Julia, Kathrin Schadt, Christoph Wenzel.
Etwa zur gleichen Zeit, als ich angefangen habe, die Essays für meinen Essayband zu schreiben, traf ich eine Freundin, die ich lange nicht gesehen hatte. Sie erzählte mir ihre Neuigkeiten und wollte irgendwann meine hören. Ich erzählte. Noch nie habe ich so viele Anführungszeichen in die Luft gesetzt wie während dieses Gesprächs.
„Autorin“
„Essay“
„Schreiben“
„Texte“
In den letzten anderthalb Jahren hat mein Schreiben einen Realitätscheck bekommen. Ich habe gelernt, dass auch Menschen, die „richtige Bücher“ veröffentlicht haben, sich manchmal höchst ungern als Autor*in bezeichnen. Ich habe auch gelernt, dass einen Brotjob zu haben, die Werkseinstellung für Schreibende ist. Früher fühlte ich mich mit Teilzeitstelle und Teilzeitschreiben als Amateurin. Doch als ich plötzlich in den meisten Autor*innenrunden die einzige ohne Nebenverdienst war, fühlte es sich an, als meinte ich es nicht ernst, wenn ich so ohne Anbindung an die Realität vor mich hinschrieb.
Und dann hat sich noch etwas verändert, seitdem ich nicht nur für mich schreibe.
Das Lesen ist kein Hobby mehr. Ich weiß nicht, wann ich etwas einfach nur zum Spaß gelesen habe. Es ist Weiterbildung, es ist Markterkundung. Es ist nicht schlimm. Wie ich in einem anderen Text geschrieben habe:
„Das Lesen ist die Rückseite des Schreibens, das Hintergrundrauschen eines Lebens zwischen Wörtern.“ Kristina Klecko, Lost in Lektüre (Abre numa nova janela)
Auf die nächsten 40 Texte! 🥂
Vielen Dank, dass du mitliest. Bis in zwei Wochen!
Kristina
PS: In der Mitgliedsrubrik Auf der Suche nach einem Roman (Abre numa nova janela) ist am 1. September der zehnte Text erschienen. Alles fließt.
Beischriften sind Gedanken, Zitate, Fotos und Notizen – Nebenschauplätze der Kurzessays, flüchtig und daher exklusiv für Abonnent*innen.💜 Melde dich kostenlos an, um die Kurzessays künftig mit der Beischrift zu erhalten.
Hier schreibt Kristina Klecko, Autorin und Schreibdozentin. In meinem Newsletter Was mache ich denn da? verschicke ich alle zwei Wochen, jeweils am Freitag, kurze Essays über das Lesen, das Schreiben und das Leben drum herum.