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MCP — Der Literatur-Newsletter #43 im November

Liebe Leser:innen,

bevor wir demnächst hier einen vorfreudigen Blick auf die Frühjahrsprogramme der Verlage genießen, und ich euch im Dezember, Januar und Februar ausgiebig zeige, worauf ich mich 2026 literarisch ganz besonders freue, finden wir hier gleich noch Schätze aus diesem Herbst. Es sind ungewöhnliche und besonders schöne Bücher zu interessanten Themen, perfekt geeignet, um sie bei der nächsten Gelegenheit an liebe Menschen zu verschenken — oder um sie auf eure eigene Wunschliste zu setzen.

Zuvor danke ich dem Suhrkamp Verlag sehr herzlich für den Support dieser Newsletter-Ausgabe, denn ich darf euch präsentieren:

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Wünschen & verschenken

Im Aviva Verlag ist gerade Maro (Abre numa nova janela) von Salome Benidze erschienen. Darin wird das Leben von Maro Makaschwili erzählt, die nach ihrem viel zu frühen Tod 1921 zur Nationalheldin für das unabhängige Georgien wurde — so sehr die sowjetische Besatzung dies auch zu verhindern versucht hat. Der schöne Band wurde illustriert von Tatia Nadareischwili und von Ionuna Guruli übersetzt. Eine wichtiger Einblick in die Geschichte Georgiens und eine literarische und feministische Hommage, die uns mal wieder zeigt, welch hohes Gut die Demokratie ist.

Mit Kate Zambreno denken zu dürfen ist immer eine meiner wärmsten Empfehlungen. Der helle Raum (Abre numa nova janela), grandios übersetzt von Eva Bonné, ist zwar untertitelt, mit Überlegungen zu Kunst und Kinderbetreuung, aber wie immer öffnet die Autorin verbindend ganze Universen, die uns als fühlende Wesen alle beschäftigen. In kurzen Texten folgen wir ihren unendlich klugen Gedanken zu täglicher Sorge und kreativem Schaffen, begleiten sie bei ihren Überlegungen zum Lehren und Lesen, unserem Eingebettetsein in die alltäglichen Banalitäten und die Inspiration der Kunst. Ein wunderbares, tiefes, leichtes, glänzendes Buch, das unseren Blick auf die Welt heller zu machen vermag und die Lust am Staunen und Denken weckt. Mal wieder eine Perle aus dem Programm des Aki Verlages.

Geliebtes Kabul (Abre numa nova janela) ist eines dieser Bücher von denen ich eigentlich hoffte, es müsste sie nie geben. Und bin doch so froh, dass wir sie nun lesen und zumindest auf diese Weise unsere Verbundenheit, unsere Aufmerksamkeit, unsere Empathie schulen können. Es ist das kollektive Tagebuch einer Autorinnengruppe, die eigentlich an einer Anthologie gearbeitet hat — und dann stürzt ihr Leben und die Welt im August 2021 so entsetzlich in den Abgrund der Taliban. Atifa, Batool, Elahe, Fakhta, Farangis, Farishta, Fatima, Freshta, Marie, Maryam, Masoma, Mehrsa, Naeema, Najla, Nilofar, Nora, Parand, Rana, Sadaf, Samira und Zainab, diese 21 Autorinnen bleiben in einer Chatgruppe verbunden — und legen über ein Jahr lang Zeugnis ab für uns alle. Aus dem Englischen übersetzt hat das Buch Nicola T Stuart.

Verschenken & wünschen

Mit Anneke Lubkowitz begeben wir uns auf die Spuren vol elf literarischen Wanderinnen, so der Untertitel von Rebellinnen zu Fuß (Abre numa nova janela). Das Buch ist denen gewidmet, die sich auf den Weg machen und begleitet Sophie von La Roche, Bettina Brentano, Karoline von Günderrode, Mary Shelley, Annette von Droste-Hülshoff, Mathilde Franziska Anneke, Emmy Hennings, Else Lasker-Schüler, Simone de Beauvoir, Annemarie Schwarzenbach und Octavia E. Butler dabei, wie sie sich in die Männerdomäne der Eroberung von Landschaft aufgemacht haben. Ein Buch, das die Natur und die Literaturt feiert, aber vor allem die Frauen, die neue Pfade beschritten haben.

Heike Faller hat uns (mal wieder) ein unfassbar schönes Buch für Menschen jeden Alters beschert. Mit dem Illustrator Valerio Vidali hat sie nun (nach den ebenso tollen Schätzen Hundert und Freunde in denen ich mich auch immer wieder gerührt und begeistert verliere und die ich schon an alle zwischen neun Monaten und neunzig Jahren verschenkt habe) Wir alle (Abre numa nova janela) veröffentlicht. Eine Reise zurück zu unseren Anfängen ist eben genau das: Vom kleinen und persönlichen Woher-komme-ich reisen wir in der Zeit um Generationen und Jahrmillionen zurück und lernen das Staunen ganz neu.

1969 hat Josephine Johnson die Natur in ihrem Jahreslauf beschrieben. Das ist als Topos vielleicht nichts allzu Außergewöhnliches, aber wenn wir uns jetzt erinnern, wie grandios ich ihren Pulitzer-Preis gekrönten Roman November-Schwestern fand, wundert es nicht, dass ich hier ganz nachdrücklich auch auf dieses literarische Kleinod aufmerksam machen möchte. Ein Jahr in der Natur (Abre numa nova janela) ist nun schön gestaltet bei Die Andere Bibliothek erschienen (im Schuber oder auch als günstigerer Extradruck) und zeigt uns mit der Sprache der Dichterin Monat um Monat die Natur, die zu allen Zeiten Wunder bereithält. Fein übersetzt von Bettina Abarbanell und zauberhaft illustriert von Andrea Wan.

Das hat uns gerade noch gefehlt: ZoraLit

Hoffentlich kennt ihr alle schon zoraLit (Abre numa nova janela), die von Zoë Martin, Katharina Holzmann, Sabina Everts, Laura Weber und Alyssa Fenner gegründete Genossenschaft für den Literaturbetrieb. So gute Dinge passieren hier, werden wirklich mal neu gedacht und anders umgesetzt. Ein Leuchten das seit diesem Jahr über die Branche strahlt.

Ich freue mich jeden Monat auf das zoraGram, den monatlichen Newsletter der zoraLit eG. Er wird jeden dritten Mittwoch im Monat verschickt und informiert sowohl über Termine und News aus der Genossenschaft zoraLit als auch über branchenübergreifende Themen. Abonnieren kann man ihn hier (Abre numa nova janela) und ich empfehle es euch wärmstens, denn er ist die perfekte Mischung aus wichtigen Informationen, klugen Interviews und inspirierenden Texten, die mir jeden Monat deutlich zeigen, dass es eben nicht irgendwas ist, womit wir hier alle tagtäglich zu tun haben, sondern Literatur. Also am 19. November sollte die nächste Ausgabe auch in eurem Postfach landen. Hier gehts lang: https://zoralit.de/newsletter/ (Abre numa nova janela) 

Was Wasser kann

Was uns dieses Jahr auch neu gebracht hat, ist Wasser Publishing (Abre numa nova janela). Raum für sanften Widerstand beschreibt Verlegerin Stefanie Jaksch (die den Verlag mit Ursula Rinderer und Julia Wagner an Board steuert) das Konzept und ich zitiere die Selbstbeschreibung dieses Verlags mit großer Dankbarkeit dafür, dass es ihn nun gibt:

WASSER glaubt an die verbindende Wirkung des Buchs, an das Potenzial der Gemeinschaft und an die Stärke von Ehrlichkeit, Sorgfalt und Offenheit. Gemeinsam suchen wir Wege, um anders zu publizieren: weg von der Gatekeeper-Funktion der Programmabteilungen, hin zu Austausch und Miteinander.

Wasser veröffentlicht Essays in den Reihen Untiefen, Gletscher und Stromschnellen und die ersten drei Bücher sind bereits erschienen —und alle innen und außen wunderschön geworden:

Sterben lernen auf Japanisch (Abre numa nova janela) von Milena Michiko Flašar

alles fühlen (Abre numa nova janela)von Clara Porák

und Zuckerbutterbrottage. Ein Zuruf (Abre numa nova janela) von Norbert Trawöger.

blauschwarzberlin-Literaturpodcast

In unserer Oktoberfolge aus der Stabi hat Ludwig Lohmann auch schon über einen Wasser-Titel gesprochen. Ihr könnt nun auch Folge 77 überall hören, wo ihr gern Podcasts hört:

https://www.youtube.com/watch?v=TYlyM6CbZpQ (Abre numa nova janela)

Termine bis Mitte November

Am 5.11. um 19 Uhr moderiere ich in der Berliner Pablo-Neruda-Bibliothek (Abre numa nova janela) die Lesung von Anne Sauer aus ihrem Roman Im Leben nebenan.

Am 7.11. um 20 Uhr treffe ich im Instagram-Livestream Florian Illies zu einem Gespräch über Wenn die Sonne untergeht.

Am 11.11. unterhalte ich mich ebenfalls im Instagram-Livestream mit Henrik Szántó über seinen Roman Treppe aus Papier.

Termine ab Mitte November

Am 13.11. um 19 Uhr moderiere ich in der Berliner Bibliothek am Luisenbad (Abre numa nova janela)die Lesung von Dmitrij Kapitelman aus Russische Spezialitäten.

Am 20.11. um 19 Uhr moderiere ich im Minsk Museum (Abre numa nova janela) in Potsdam die Lesung von Hendrik Bolz aus Nullerjahre.

Und am 3.12. um 19 Uhr spreche ich in der Pablo Neruda Bibliothek (Abre numa nova janela)mit Elisabeth Pape über ihren Roman Halbe Portion.

Ich freue mich sehr, euch online oder analog hier oder dort zu sehen und kündige zudem vorfreuig an: Am 19. Dezember gibt es auf Instagram die nächste Freitagsstunde. Wir bleiben da ab sofort übrigens beim vierteljährlichen Rhythmus.

Und ebenfalls auf Instagram: Gerade sind wir mit @mariaslesekreis (Abre numa nova janela) gemeinsam in die 34. Leserunde gestartet, schaut gern rein, lest mit, kommentiert, tauscht euch aus. Diese Titel standen zur Auswahl:

Auf Steady gab es seit dem letzten Newsletter folgende Texte:

9.10. In der Rubrik Gründerinnenkantine (Abre numa nova janela) habe ich mal ein paar Erfahrungen nach rund 86 Moderationen aufgeschrieben und überlegt, was alles dazu gehört, damit für Autor:innen, Publikum und ggf. auch Veranstaltenden alles rund läuft.

15.10. Bei Drei zur Monatsmitte (Abre numa nova janela) ging es diesmal um Schauer Schatten, Widerstand — passend zur Jahreszeit meine drei liebsten feministischen Düsterbücher aller Zeiten. Ich lasse den Beitrag mal noch bis morgen vor der Paywall.

23.10. Im Experimentierkasten (Abre numa nova janela) ging es sehr persönlich um den Erwartungsdruck von innen und außen. Davon, den Wert der eigenen Zeit gut zu bemessen. Ein Text über das Zweifeln, auch am eigenen Bauchgefühl.

Der nächste Newsletter erreicht euch am 7. Dezember.

Habt bis dahin eine gute, gute Zeit.

Und ein gutes Lesen

Eure Maria

Mein Adventskalender der anderen Art hat ja längst begonnen:

In den letzten Wochen habe ich täglich ein Instalive-Literaturgespräch auf YouTube hochgeladen und bin ganz schön begeistert, wie viele schöne Stunden tiefer Gespräche über großartige Bücher dort schon zusammengekommen sind.

Ich bin gerade noch im Archiv des Jahres 2024, aber 35 Gespräche mit Autor:innen, Übersetzer:innen und Lektor:innen sind bereits online und jeden tag kommt eins dazu, bis wir in der Gegenwart angelangt sind. Danach hab ich große Lust, dort auch Neues zu probieren. Ich freu mich sehr, wenn ihr auch dort bei mir seid.

https://www.youtube.com/@MariaChristinaPiwowarski (Abre numa nova janela)

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