Hallo,
das ist der Media-Rewilding-Newsletter mit meinen Learnings dazu, wie Journalismus durch Live-Events und Dritte Orte zukunftsfähig wird.
Nachdem wir letzte Woche gemeinsam das Format Dossier Live (Abre numa nova janela) aus Wien auf uns wirken lassen haben, geht es diesmal nach Berlin. Dort sehen wir ein bekanntes Format in neuer Interpretation und denken darüber nach, was wir daraus lernen können.
Der Anlass: Ich habe mir vergangene Woche den Media Innovation Slam angesehen.
(Abre numa nova janela)Worum es geht
Vor zehn Jahren startete der Journalist Jochen Markett den Reporter Slam, der in Anlehnung an das Prinzips der Poetry Slams mehrere Journalist:innen auf die Bühne bringt und möglichst mitreißende Geschichten rund um ihre Recherchen erzählen lässt. Es gibt musikalische Begleitung. Und am Ende wählt das Publikum einen „Slampion“.
Der Reporter Slam ist ein Format des von Jochen Markett, Christine Liehr und Christoph Herms gegründeten gemeinnützigen Unternehmens Headliner, das auch die Bühnenshow Jive entwickelt hat. Jährlich finden mehrere solcher Slams in verschiedenen Städten statt, Tendenz steigend. Das niederschwellig einsetzbare und somit in der Frequenz skalierbare Format ist im Moment der Schwerpunkt bei Headliner.
Der als Live-TV-Event bei Alex Berlin aufgeführte Media Innovation Slam ist eine erstmals inszenierte Variante des Formats. Ich weiß nicht, ob man es einen externen Auftrag nennen kann oder besser eine Kooperation. Zumindest sind die Förderorganisationen MIZ Babelsberg, Landesanstalt für Medien NRW und Media Lab Bayern an Bord und befüllen die Inhalte. In jeweils zehnminütigen Slots stellten drei Slammerinnen Lösungen aus den jeweiligen Förderprogrammen dieser Kooperationspartner vor.
Was ich gelernt habe
Du hast ein funktionierendes Format? Dann denke nicht in zu engem Rahmen, was du mit ihm machen kannst. Der Media Innovation Slam zeigt, dass man mit einer eigentlich für Journalismus konzipierten Show auch Innovationsideen transportieren kann. Bei einem Slam, der bereits eine Adaption aus einem anderen Kulturbereich war, ist das natürlich naheliegend. Auch Science Slams sind ja sehr erfolgreich.
Aber auch andere Formate können diese variable Möglichkeit bieten und so nach einer grundlegenden Entwicklung in verschiedene Richtungen eingesetzt werden. Das kann Medienorganisationen mit solchen fertig entwickelten Formaten auch zusätzliche Geschäftsmodelle ermöglichen, die der Querfinanzierung der davon getrennten journalistischen Formatnutzung dient.
Medieninnovation muss nicht immer als Business-Case gepitcht werden. Es darf auch ruhig mal etwas Spaß machen. Die 60 Minuten waren wirklich kurzweilig.
Das Slam-Grundformat funktioniert einfach sehr gut. Kein Wunder also, dass auch andere Organisationen sich davon inspirieren lassen. So erlebte ich 2025 in München die Verleihung des Peter-Binderer-Medienpreis, der als „Reportage Slam” inszeniert wurde. Und die Zeit veranstaltete dieses Jahr zum 80-jährigen Bestehen kurzerhand einen „Reportagen-Slam der ZEIT“.
Ein paar Einblicke





Und falls du dir für einen tieferen Eindruck die TV-Aufzeichnung ansehen willst, hier noch das Video bei Alex Berlin:
https://www.alex-berlin.de/videos/2190444-media-innovation-slam-2026 (Abre numa nova janela)Christian Meier kennst du vielleicht als einen der wichtigen Medienjournalist:innen in Deutschland. Er arbeitet unter anderm bei Kress, war Chefredakteur von Meedia und zuletzt über elf Jahre lang bei der Welt. Inzwischen arbeitet er als selbstständiger Medienexperte. Und zum Glück betreibt er auch in dieser Funktion seinen großartigen Podcast Die Medien-Woche weiter. Vergangene Woche durfte ich dort für Folge 339 zu Gast sein und lange mit ihm über die Medienlandschaft sprechen. Es ging um KI, Julia Klöckner, Krautreporter und Media Rewilding. Wer sich von dieser Kombi nicht abschrecken lässt, kann den Podcast zum Beispiel hier anhören:
https://open.spotify.com/episode/5PIi5hh0wjqffLG6ccqApy?si=8drCWqbfTgCm0Sttp_1BlA (Abre numa nova janela)Kommende Woche blicken wir gemeinsam in unsere Terminkalender und sehen nach, wann und wo wir Journalismus live erleben können.
Bis dann,
💚 Alexander
Im Media-Rewilding-Report findest du ein paar Einblicke und Gedanken zu meiner bisherigen Spurensuche. Er umfasst nicht alle Punkte, die ich gesehen und gelernt habe, aber er zeichnet eine erste Landkarte einer Welt, in der bereits einige Projekte daran arbeiten, den Journalismus in der Gesellschaft zu renaturieren. Lade dir das PDF als Mitglied der Media-Rewilding-Community gerne herunter. Und gib es bei Bedarf auch an andere Menschen weiter, die sich dafür interessieren könnten.
(Abre numa nova janela)Mein Name ist Alexander von Streit. Ich bin Journalist und beschäftige mich seit über 20 Jahren mit dem Spannungsfeld, das die Digitalisierung in der Gesellschaft erzeugt. Mein 2025 gestartetes Projekt MEDIA REWILDING dreht sich um die Frage, wie Journalismus durch Live-Events und Dritte Orte zukunftsfähig wird. Konkret versuche ich herauszufinden, wie wir journalistische Recherche aus dem überfüllten digitalen Raum in analoge oder hybride Formate überführen können. Also wie wir systematisch Orte oder Veranstaltungen schaffen oder nutzen, an denen Menschen Recherchen erleben, mitgestalten, diskutieren und dadurch direkten Zugang zu hochwertigem Journalismus erhalten können. Und was das mit Vertrauen und Markenbeziehung zu tun hat. Und natürlich wie sich das alles finanzieren lässt.
Hier ist die Website von Media Rewilding: media-rewilding.de (Abre numa nova janela)
Hier ist meine Website: von-streit.de (Abre numa nova janela)
Hier ist mein LinkedIn-Profil: linkedin.com/in/vonstreit (Abre numa nova janela)