Kühlung in klimatisierten Kinos +++ Liebe und Horror in Curry Barkers »Obsession« +++ Veraltete Aliens in Steven Spielbergs »Disclosure Day«
Keine Ahnung, wie man Berlin hassen kann, ist doch total geil hier, sagt Cleo, als wir vor dem Kino in der Schlange stehen und uns über den zyklisch trendenden Berlin-Hass unterhalten, der von immer neuen Generationen in die Jahre gekommener Besserverdiener:innen gestreut wird. Ein Phänomen, das vermutlich so alt ist wie die Großstadt selbst: Leute, die in ihren Zwanzigern wegen Party, Lebenshunger und Sex in die Stadt gekommen sind, werden mittelalt und beginnen plötzlich—als wäre es was genetisches—all die Dinge zu beklagen, wegen derer sie überhaupt irgendwann mal hergekommen sind.
Es ist so dreckig, jammern sie, es ist so unfreundlich, es ist so laut, die Luft ist so schlecht, es ist so viel Graffitti! Sie behaupten, dass das früher nicht so schlimm war (oh, doch, war es) und dass früher die U8 noch nicht so gruselig war (oh doch, das war sie) und in der Regel kommen die Klagen ausschließlich von denen, die in genau den Gegenden wohnen, die von ganz genau so Leuten wie ihnen schon seit Jahrzehnten so hart durchgentrifiziert wurden, dass sie aussehen und sich anfühlen wie München.
(Mein leiser Verdacht ist immer, dass sie in Wirklichkeit einfach in einer ökonomischen Klasse angekommen sind, in der man ungern daran erinnert wird, dass es Leute gibt, die nicht so wohlhabend sind wie sie selbst.)
Ich wäre begeistert, wenn diese Leute endlich ihren Worten Taten folgen ließen, in die Kleinstädte zurück ziehen, in die sie offensichtlich gehören, und die Stadt uns überlassen: den Leuten, die sie zu schätzen wissen. Denn omg, hier kann man wirklich gut leben, wenn man weiß, wies geht: