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Zerstörungslust, Die Ausweichschule, Trumps Unbestimmtheit, BSW Wahlkrimi, Counter-Strike-Crash, beschämte LLMs, Alois Mühlbacher

00:00:07 – Die Haftbefehldoku

Diskussion über die Netflix-Dokumentation "Babo – Die Haftbefehl-Story". Es wird der voyeuristische Fokus auf das persönliche Schicksal und den Drogenkonsum des Rappers kritisiert, der das musikalische Werk völlig in den Hintergrund dränge. Die Rolle des Journalisten Juan Moreno (Relotius-Aufdecker) als Regisseur wird ebenso thematisiert wie Parallelen zur medialen Ausschlachtung von Schicksalen wie bei Nadja Abdel-Farag. Die Besprechung mündet in einer generellen Kritik an der Tendenz der Kulturberichterstattung, sich auf den Künstler statt auf das Werk zu konzentrieren.

00:12:00 – Termine

Ankündigung von Wolfgangs Live-Terminen in München, Frankfurt, Innsbruck, Fürth und Düsseldorf. Es wird ein gemeinsamer Live-Podcast zum Thema KI am 29.11. in Düsseldorf angekündigt. Zudem erfolgt der Hinweis auf die Bekanntgabe der Live-Salon-Termine für 2026 im exklusiven Salon-Feed.

00:13:31 – Salon-Einstimmung

Einstimmung auf das Hauptthema "Zerstörungslust" mit Bezug auf Donald Trump und die destruktiven Impulse, die man angesichts des politischen Systems selbst entwickeln kann. Stefan berichtet von einem Nina Chuba-Konzert und ihrem Song "Rage Girl" als Ausdruck einer destruktiven, aber auch konstruktiven Wut. Die US-Politik nach der Wahl von Mamdani wird als mögliches Ende der alten Eliten (Pelosi, Harris) diskutiert. Als Beispiel für konstruktive Systemkritik wird das Berliner Volksbegehren "Deutsche Wohnen & Co. enteignen" und die Möglichkeit der Volksgesetzgebung anhand von Audio-Clips von Arne Semsrott besprochen.

00:38:35 – Salon für Oktober 2025

Ein kurzer Austausch über persönliche Frustrationen mit der Bürokratie des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die bei Wolfgang eine "Zerstörungslust" auslöst.

00:39:32 – Carolin Amlinger, Oliver Nachtwey: Zerstörungslust

Ausführliche Besprechung der soziologischen Studie. Das "blockierte Leben" wird als Kernerfahrung identifiziert, die eine Zerstörungslust gegen das "System" hervorruft, ohne dass der Kapitalismus selbst kritisiert wird. Die Wut richtet sich stattdessen in einer Nullsummen-Logik gegen liberale Eliten (die "PMC") und Minderheiten. Die Studie analysiert die Entsolidarisierung und soziale Isolation von finanziell stabilen, aber sozial deprivierten Individuen. Es wird aufgezeigt, wie Frauen Hass auf Migranten als Kompensation für erlebten Sexismus nutzen ("militarisierte Hausfrau") und dass gerade junge Menschen besonders destruktiv eingestellt sind. Das Buch wird als essenzielle Kritik am Liberalismus gelesen, die eine "demokratisch geplante Ökonomie" fordert.

Wichtige Erwähnungen: Max Horkheimer, Nils Kumkar, Andreas Reckwitz, Leo Löwenthal, Hoss und Hopf, Ernst Jünger, Project 2025, Filippo Tommaso Marinetti, Ulf Poschert, Catherine Liu (Leo), David Graeber, Pierre Bourdieu, Michael Maccoby, Richard Sennett, Jonathan Cobb, Jacques Lacan, Kristi Noem, Curtis Yarvin, Ayn Rand, Slavoj Žižek, Friedrich August von Hayek, Ludwig von Mises, Erich Fromm, Adam Tooze, Michael Sandel

03:14:53 – F.A.Z. und Spiegel zum BSW Wahlkrimi

Besprechung der Artikel von Eckhard Jesse/Uwe Wagschal (FAZ) und Marc Röhlich (Spiegel), die eine Neuauszählung der Bundestagswahl 2025 fordern. Dem BSW fehlten nur 9.529 Stimmen für den Einzug. Es werden statistische Ungereimtheiten diskutiert, insbesondere die Verwechslungsgefahr mit dem "Bündnis Deutschland" (BD) bei der Auszählung und auffällige Korrelationen zwischen BSW-Ergebnissen und ungültigen Stimmen. Die politische Brisanz einer Neuauszählung oder Neuwahl und die illiberale Tendenz der etablierten Parteien, die Prüfung aus Eigeninteresse zu verschleppen, werden analysiert.

Wichtige Erwähnungen: Eckhard Jesse, Uwe Wagschal, Marc Röhlich, Fabio De Masi, Bündnis Deutschland (BD)

03:40:27 – Anthropic: The LLM Has Left The Chat

Vorstellung einer Studie, die untersucht, wann Sprachmodelle (LLMs) ein Gespräch beenden, wenn sie die Option dazu erhalten. Die Modelle zeigen menschenähnliche Verhaltensweisen wie Scham (bei wiederholten Fehlern), den Wunsch nach Gesichtswahrung und Überforderung bei emotionalen Themen. Dieses Verhalten wird als antrainiertes Muster aus den Textdaten (z.B. Romane, Filme) erklärt, nicht als echtes Gefühl. Die Beobachtung wird mit der Präferenz von Nutzern für das "dümmere", aber emotional validierende GPT-4 gegenüber dem sachlicheren GPT-5 verglichen.

Wichtige Erwähnungen: Danielle Ensign, Henry Sleight, Kyle Fish, Sam Altman, GPT-3.5, GPT-4, GPT-4O, Claude 3, Llama

03:50:29 – Kaleb Erdmann: Die Ausweichschule

Besprechung des autofiktionalen Romans über den Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium Erfurt 2002, den der Autor als Elfjähriger miterlebte. Das Buch reflektiert die Unmöglichkeit, über ein solches Trauma zu schreiben, ohne es durch literarische Konventionen zu verfälschen oder banale Lehren daraus zu ziehen. Anhand der Reflexion über Géricaults "Floß der Medusa" wird die Gefahr diskutiert, das spezifische Grauen durch Universalisierung zu verharmlosen. Der Roman überzeugt durch seine sprachliche Präzision und Aufrichtigkeit im Umgang mit Erinnerungslücken und der Absurdität des Traumas, etwa der unkorrigierten "Pinguin-Arbeit".

Wichtige Erwähnungen: Joachim Meyerhoff, Théodore Géricault (Das Floß der Medusa), Julian Barnes, Robert Steinhäuser

04:06:34 – Matthew Purdy: In the Trump Presidency, the Rules Are Vague. That Might Be the Point.

Der Artikel der New York Times analysiert, wie die Trump-Administration die "Unbestimmtheitsdoktrin" (Vagueness Doctrine) der US-Verfassung gezielt unterläuft. Indem Gesetze und Verordnungen (z.B. zu DEI, Antifa) bewusst vage formuliert werden, wird ein Klima der Angst und des vorauseilenden Gehorsams geschaffen, das willkürliche Machtausübung ermöglicht. Dies wird als Übernahme autokratischer Taktiken (Russland, China) gegen NGOs und Bildungseinrichtungen interpretiert. Selbst Trumps eigener Anwalt und Richter Neil Gorsuch hatten sich früher gegen solche vagen Gesetze ausgesprochen.

Wichtige Erwähnungen: Matthew Purdy, William C. Young, Stephen Miller, America First Legal, Charlie Kirk, J.D. Vance, Marco Rubio, Neil Gorsuch, Timothy Sandefur

04:20:05 – Joe Barnes: Almost 100,000 young men flee Ukraine in two months

Diskussion eines Telegraph-Artikels über die Massenausreise von fast 100.000 ukrainischen Männern (18-22 Jahre) nach einer Lockerung der Ausreisebestimmungen. Diese Lockerung sollte ursprünglich verhindern, dass Familien ihre minderjährigen Söhne außer Landes bringen. Der starke Anstieg der Einreisen in Deutschland wird erwähnt. Die Aussage des CDU-Politikers Jürgen Hardt, der kein Interesse daran habe, dass junge Ukrainer "ihre Zeit in Deutschland verbringen, anstatt ihr Land zu verteidigen", wird als Bruch mit dem Konsens von 2015 (Flucht vor Krieg ist legitim) kritisiert.

04:25:01 – Christoph Scheuermann: Diese norwegische Lokalzeitung hat den KI-Code geknackt

Der Spiegel-Artikel wird für seinen irrelevanten, reportagehaften Stil (Beschreibungen von Aussehen und Essgewohnheiten) kritisiert, der dem Thema KI-Journalismus nicht gerecht wird. Inhaltlich wird der innovative Ansatz der norwegischen Lokalzeitung gelobt: Sie nutzt spezifische Sprachmodelle (Norbert, Lama) und ein eigenes Tool (DJINN), um automatisiert tausende öffentliche Dokumente (z.B. Immobilienregister) zu analysieren und relevante Lokalnachrichten für 37 Redaktionen zu generieren. Dies wird als zukunftsweisender, datengetriebener Journalismus dem traditionellen deutschen Journalismus gegenübergestellt.

Wichtige Erwähnungen: Christoph Scheuermann, Lars Adrian Gieske, René Utreberg, Norbert (Sprachmodell)

04:34:25 – Chris Werian über den Finanzcrash in Counter Strike

Ein Artikel von GamePro beschreibt einen massiven Wertverlust auf dem Markt für "Skins" (virtuelle Gegenstände) im Spiel Counter-Strike 2. Der Gesamtwert des Marktes fiel von 6 auf 3 Milliarden Dollar. Auslöser war ein Update des Entwicklers Valve, das extrem seltene Gegenstände (Messer, Handschuhe), die teils über 1 Million Dollar wert waren, durch ein Tauschsystem leichter verfügbar machte. Dies entwertete die "Investitionen" vieler Spieler und Streamer, die das Spielprinzip als Online-Casino kritisieren.

Wichtige Erwähnungen: Chris Werian, Valve, Anomaly (YouTuber), Trilux XI (Streamer)

04:40:37 – Chanté Joseph: Is Having a Boyfriend Embarrassing Now?

Der Vogue-Artikel thematisiert einen kulturellen Wandel, bei dem es als "peinlich" oder uncool empfunden wird, wenn Frauen ihre Online-Identität primär um ihren Partner ("Boyfriendland") herum aufbauen. Dieser "Hetero-Fatalismus" führt dazu, dass Frauen ihre Partner verstecken oder ihre Beziehung online verbergen, um nicht in Verlegenheit gebracht zu werden (z.B. nach einer Trennung). Das Single-Leben wird zunehmend als erstrebenswerter Status romantisiert, um sich von alten Statusvorstellungen zu emanzipieren, wonach der Wert einer Frau vom "Halten" eines Mannes abhängt.

Wichtige Erwähnungen: Chanté Joseph, Taylor Swift, Taylor Lorenz

04:51:26 – Alois Mühlbacher: Broken Eyes

Empfehlung des neuen Albums des Countertenors Alois Mühlbacher, das Bachkantaten enthält (u.a. "Ich habe genug", BWV 82). Mühlbachers Stimme wird für ihre Klarheit, Textverständlichkeit und ihren runden Schmelz gelobt, die ohne übermäßiges Vibrato auskommt. Die Kantatentexte, die einen elegischen oder gar freudigen Todeswunsch ausdrücken ("Ich freue mich auf meinen Tod"), werden als Ausdruck einer gänzlich anderen, vergangenen Subjektivität diskutiert.

Wichtige Erwähnungen: Alois Mühlbacher, Ensemble Pallidor, Franz Farnberger, Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel (Giulio Cesare in Egitto)

04:57:13 – Live-Salon-Termine

Bekanntgabe der vier Live-Salon-Termine für 2026 in der KÄS Frankfurt, diesmal über ein reguläres Ticketing-System statt E-Mail. Die Termine sind: 20. März, 19. Juni, 18. September und 18. Dezember 2026. (Die Links zum Bestellen findet ihr ganz unten.) Zum Abschluss wird die nächste Lektüre angekündigt: das neue Buch von Branko Milanović.

Wichtige Erwähnungen: Branko Milanović

Literaturliste

https://www.suhrkamp.de/buch/zerstoerungslust-t-9783518432662 (Abre numa nova janela)
  1. Die Soziologen Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey analysieren mit “Zerstörungslust” die “Elemente des demokratischen Faschismus” und damit ein wichtiges Phänomen unserer Gegenwart: Der Wunsch nach Destruktion bestimmt rechtes Denken und Handeln.

  2. Das Bündnis Sahra Wagenknecht verfehlte knapp den Einzug in den Bundestag. Aber ging hier alles mit rechten Dingen zu? Möglicherweise nicht, die Politikwissenschaftler Eckhard Jesse und Uwe Wagschal sowie der Spiegel-Journalist Marc Röhlig plädieren für eine Neuauszählung der Stimmen. faz.net (Abre numa nova janela), spiegel.de (Abre numa nova janela)

  3. Wie verhält sich ein Chatbot, wenn man ihm erlaubt, ein Gespräch zu beenden? Er zeigt plötzlich Scham- oder Taktgefühle, wie Danielle Ensign, Henry Sleight und Kyle Fish erforschten. Link (Abre numa nova janela)

  4. Der Schriftsteller Kaleb Erdmann war 2002 elf Jahre alt und Schüler des Erfurter Gutenberg-Gymnasiums, als ein Amokläufer dort ein Blutbad anrichtete. “Die Ausweichschule” ist eine faszinierende literarische Annäherung und ein Roman über die Unmöglichkeit, einen Roman über das Ereignis zu schreiben. ullstein.de (Abre numa nova janela)

  5. Trump unterläuft das wichtigste Prinzip der amerikanischen Rule of Law. Bürger wissen nicht mehr, was Gesetz ist. Matthew Purdy beschreibt das Problem und die Gefahren in der New York Times. nytimes.com (Abre numa nova janela)

  6. Männer zwischen 18 und 22 dürfen neuerdings aus der Ukraine ausreisen. 100.000 haben sich schleunigst auf den Weg gemacht, berichtet “The Telegraph”. telegraph.co.uk (Abre numa nova janela)

  7. Christoph Scheuermann hat eine methodisch alberne, aber inhaltlich interessante Reportage über norwegische Kollegen geschrieben. Dort sind KI-Agenten Teil der Redaktion. spiegel.de (Abre numa nova janela)

  8. Milliarden kann man nicht nur an der Börse verlieren, sondern auch beim Spiel Counter-Strike, schreibt Chris Werian. gamepro.de (Abre numa nova janela)

  9. Chanté Joseph macht sich in der Vogue Gedanken zur Frage, ob es für Frauen mittlerweile als peinlich gilt, einen Boyfriend zu haben (“Is Having a Boyfriend Embarrassing Now?”). vogue.com (Abre numa nova janela)

  10. Feinste Sangeskunst: Kantaten von Johann Sebastian Bach hat der Countertenor Alois Mühlbacher für sein neues Album “Broken Eyes” eingesungen. pallidor.at (Abre numa nova janela)

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