Herzlich Willkommen bei Ol’ Dirty Basketball. Zurück wie Finals-Basketball im MSG, die Larry O’B-Tropy auf dem Parkett, Steven Spielberg und Heuschnupfen! Gehen wir es an.
Wir sind hier. Endlich. Die Finals starten kommende Nacht, das Matchup gibt einiges her. Was genau (unter anderem), darüber habe ich hier bereits gesprochen …
https://www.youtube.com/watch?v=Zro5ghNbjos (Abre numa nova janela)… und hier geschrieben:
https://ran.joyn.de/sports/basketball/nba/finals-vorschau2026-die-schluesselfaktoren-in-einem-ungleichen-duell-ein-matchup-fuer-die-ewigkeit-133625 (Abre numa nova janela)Natürlich ist das aber noch nicht alles, und eine weitere Personalie drängt sich für mich noch auf, weshalb sie nun hier noch einmal Erwähnung finden soll.
Es ist erst gut zwei Monate her, dass ich für undrafted ein Feature über die Rookie-Saison von Dylan Harper geschrieben habe, analysierend, wo seine Reise hingehen könnte, wie gut er bereits ist, gerade auch im Vergleich mit anderen Guards, die zu Beginn ihrer Karriere nicht direkt die ganze Ball-Verantwortung beziehungsweise einen Platz in der Starting Five bekommen haben. Eine Schlussfolgerung darin: “Harper ist weiter als sowohl Harden als auch Shai Gilgeous-Alexander, als diese in der NBA begannen, obwohl beide ältere Rookies waren.” Das ließ sich (unter anderem) mit Zahlen belegen, siehe:

(alles genormt auf 100 Ballbesitze, Stand 31. März 2026)
Außerdem habe ich ihn als “Superstar in der Warteschleife” bezeichnet. Wahrscheinlich habe ich ihn damit noch nicht weit genug in den Himmel gelobt. Es ist Zeit für ein kleines Update.
24 Punkte waren der Saisonhöchstwert von Harper in der Regular Season. In seinem dritten Playoff-Spiel hat er diesen Wert bereits getoppt (27 plus 10 Rebounds gegen Portland), zwei weitere Spiele mit 24 folgen lassen. Sein Auftritt in Game 1 gegen OKC (24 Punkte, 11 Rebounds, 6 Assists, 7 Steals und 1 Turnover) war einer der besten, die ich von einem Rookie in den Playoffs jemals gesehen habe.
Grundsätzlich ist Harper - wenn gesund, was gegen OKC leider nicht immer der Fall war - einer der besten Playoff-Rookies, an die ich mich erinnern kann. Weil er so gar nicht Rookie-haft wirkt, von einigen Ausreißern mal abgesehen. Mehr als einmal hat er Spiele an sich gerissen, zum Teil dominiert, unabhängig vom Matchup. Er ist der Typ, der beim Drive den fleischgewordenen Hydranten Lu Dort aus dem Weg tackled, der defensiv den zweimaligen MVP beim Ballvortrag stören, ihn von dessen präferierten Spots auf dem Court wegbugsieren kann.
Es hilft, dass Harpers Jumper in den Playoffs besser fällt als in der Regular Season - er trifft aktuell 45% seiner Non-Corner-Threes, das ist noch zu gut, um wahr beziehungsweise lange haltbar zu sein. Aber das ist auch nicht der Part seines Spiels, der ihn besonders macht.
Es sind die Drives. Harper ist ein Bully mit der Fußarbeit von Baryshnikov und der Chuzpe von, nun, Manu Ginobili? Und einem Touch, der dem von Jalen Brunson nicht unähnlich ist, aber eben in einem deutlich größeren Körper … eine Auswahl:
https://youtu.be/Y1Q4PGRmF3c (Abre numa nova janela)Harpers Drive-Finishing-Fähigkeiten sind eine Superkraft, kurz gesagt. Er hatte es in diesen Playoffs bisher mit Verteidigern wie Dort zu tun, Cason Wallace, Jaden McDaniels, Alex Caruso … alles keine Laufkundschaft. Er nimmt in den Playoffs trotzdem 56% seiner Abschlüsse am Ring, 100. Perzentil für seine Position, noch deutlich mehr als in der Regular Season (49%). Niemand kann ihn dauerhaft aus der Zone raushalten. Er trifft 66% am Ring, was angesichts des hohen Schwierigkeitsgrades seiner Abschlüsse ebenfalls ein richtig guter Wert ist. Zumal Harper regelmäßig auch solche Dinger versucht, die in diesem Fall vielleicht gescheitert sind, ihn meinem Herzen aber noch näher bringen:
https://youtu.be/z_44WVkTnIo (Abre numa nova janela)Ganz nebenbei ist Harper ein guter Passer, der selten den Überblick verliert und Turnover weitestgehend im Griff hat. Ein starker Rebounder, auch in Traffic, auch am offensiven Brett. Und oft eben auch richtig gut als Verteidiger - Shai bekam das zu spüren: databallr zufolge war Harper über die Conference Finals bei 53 Possessions sein primärer Verteidiger, in diesen produzierte er eine Effective Field Goal Percentage von 32% und bloß 15,5 Punkte pro 75 Ballbesitzen.
Eine kleine Stichprobe, klar, aber die Zahlen passen zum Eindruck. Auch Brunson wird mit Sicherheit nicht wenige Possessions gegen ihn absolvieren müssen, was einen gewissen Kontrast zu den Versuchen darstellen sollte, die James Harden in der Serie zuvor gegen ihn unternahm:

Kurzum kann ich mir gut vorstellen, dass Harper ein Schlüsselspieler in dieser Serie sein kann, vielleicht muss. Er hat die Fähigkeiten, um Towns oder Brunson defensiv vor Probleme zu stellen. Er kommt vielleicht an ein Limit, wenn ihm OG Anunoby als primärer Verteidiger gegenübersteht (wobei manch einer das bei Dort auch dachte), das würde aber ja immerhin dafür sorgen, dass der beste Knicks-Verteidiger nicht anderswo eingesetzt werden könnte.
Er ist das Ass im Ärmel der Spurs - nach Wemby der Spieler mit dem größten On/Off-Swing in den Playoffs (+11,6), und das nicht aus Zufall. Es ist für mich kein kontroverses Statement, dass er die nächste Saison bereits als zweitbester Spieler des Teams beenden wird. Ist er in dieser Serie schon konstant da, wird San Antonio wahrscheinlich zum sechsten Mal Meister - und er zum vielleicht größten Playoff-Impact-Rookie seit weiland Magic Johnson. No Pressure, aber das scheint ihn ja ohnehin nicht groß zu jucken.
Achja: Spurs in 6 ist der Tipp, auch wenn ich die Knicks in dieser Serie mitnichten chancenlos sehe. Kann nur gut werden!
THE PLUG
Natürlich gibt’s zu jedem Spiel der Finals eine Korbjäger-Folge. Ab zu Patreon (Abre numa nova janela), die erste Woche ist kostenlos, der Zeitpunkt für das Probeabo könnte schlechter sein.
SOUNDTRACK
Apropos of nothing, morgen Blu & Exile in Hamburg. Solide Woche, das.
https://www.youtube.com/watch?v=9Lw92FvKJGw (Abre numa nova janela)Bis zum nächsten Mal!