Mit dem Lektorat zu “A Darkadian Tale - Tango und Tod” bin ich nun endlich durch, das Korrektorat startet in Kürze. Was ist das? Nun, das ist der Durchgang, bei dem es um Rechtschreibung und Grammatik geht.
Mein Endgegner sind Kommata 🙈, aber es kommt zum Beispiel durch häufige Satz-Umstellungen auch immer mal wieder dazu, dass Präpositionen oder Pronomen aus dem ursprünglichen Satz bleiben und dann nicht mehr passen. Als Autorin sehe ich das leider wirklich nicht mehr, weil ich, wenn ich meinen eigenen Text lese, meist 10+ Versionen dieses Satzes im Kopf habe. Wenn du selbst schreibst, weißt du, was ich meine.
Für das Korrektorat ist Daniel zuständig, und ich danke ihm sehr, dass er es macht ❤️. Von Beruf ist Daniel Deutschlehrer; außerdem hat er sehr viel Erfahrung im Lektorieren und Korrigieren von allen möglichen Büchern und Doktorarbeiten UND er ist ein begnadeter Koch. Wir stehen uns nahe, und ich bin unendlich dankbar für seinen Support, der nun schon über dreißig Jahre währt. Gemeinsam mit seiner Frau (meiner Tante) sind die beiden so ne Art zweites Paar Eltern für mich, und ich freue mich, dass wir uns in letzter Zeit wieder häufiger sehen - sie sind nämlich auch meine Zuflucht, wenn ich zwecks Buchmesse ins schöne Stuttgart reise.
Soviel zum Status des Manuskriptes: Es befindet sich im Endspurt! (Einen kleinen Recap zum Lektorat habe ich übrigens auf meinem Blog verfasst (Abre numa nova janela).) 🤘
A Darkadian Tale - Tango und Tod
Falls du neu hier bist - darum geht es in meinem Buch, das am 27.9.2026 erscheinen soll:
1961. Anwalt und Druide Tamás Bethlen versteckt sich unter falscher Identität im spanischen Cala Dorada, als er mit der Erbschaft einer vermögenden Witwe betraut wird – ein Fall, der seine wahre Identität enthüllen könnte. Als er aus der Stadt verschwinden will, wird er von Werwölfen verfolgt und verliebt sich in die Hauptverdächtige eines Mordfalls - die Wahrsagerin Sophia, die ebenfalls ein Geheimnis hütet.
Kapitel 1 habe ich letzten Monat veröffentlicht. Hier kannst du es lesen (Abre numa nova janela). Das Buchcover (Abre numa nova janela) gibt es für Fantasy-Mäzene hier zu sehen.
Hier geht es nun mit Kapitel 2 weiter. Den Anfang gibt es for free, der Rest ist exklusiv für Fantasy-Mäzene. Wenn du weitere Posts und Updates (kostenlos!) verfolgen möchtest, trag dich gern in den Newsletter ein - es gibt auch eine Gratis-Kurzgeschichte :). Danke!
Kapitel 2: “Der Halbdarkadier”
Tamás blickte der Staubwolke hinterher, die der Fremde hinter sich herzog. Cala Dorada war ein kleines Städtchen, und obwohl er noch nicht lang hier lebte, kannte er die meisten Einwohner vom Sehen. Diesem Mann war er noch nie begegnet. War er ein Verbündeter von Byron Blackwood?
Tamás setzte sich auf seine Lieblingsbank im Park, um seine Gedanken zu sortieren. Er riskierte seine Tarnung, wenn er in Cala Dorada blieb. Die Cayetana-Brüder würden ihn erkennen, wenn sie jemals seinem Vater oder Bruder begegnet waren, zum Beispiel auf einer Konferenz der Druidenclans. Gábor und er sahen sich so ähnlich, dass ihre Mutter sie regelmäßig verwechselte. Wenn er nicht auffliegen wollte, musste er die Stadt umgehend verlassen. Doch zuvor musste er die Frau aufsuchen, von der ihm eine alte Wahrsagerin erzählt hatte. Er seufzte. Die ganze Zeit über war ihm sein Plan so klar erschienen. Doch jetzt, wo sich seine Umsetzung näherte, erfüllte ihn Unruhe.
Seufzend stand er auf und folgte dem Weg entlang des Kakteengartens, bis er den Ausgang erreichte, wo ihn ein weiteres Zirkusplakat empfing. Es zeigte wieder die 1001-Nacht-Schönheit, Sophia Mendoza. Das Bild wirkte mit jeder Sekunde, die er darauf starrte, lebendiger. Er trat so nahe an das Plakat heran, dass seine Nase es fast berührte. Sie war nicht die, die er suchte, doch sie faszinierte ihn. War er ihr schon einmal begegnet?
Er nahm den Rückweg nicht durch den Park, sondern lief außen herum, damit er an der Bank vorbeikam, wo er ein Schließfach besaß, in dem er für den Fall einer überstürzten Flucht Geld und Papiere verwahrte. Dann fehlte ihm noch die Aktentasche, die im Büro lag, um vorbereitet zu sein und schnell verschwinden zu können.
Er überquerte die Straße und steuerte das Bankgebäude an, vor dem ein staubiges Motorrad im Halteverbot halb auf dem Bürgersteig parkte – das des Fremden. Tamás ging stirnrunzelnd daran vorbei. Wo war der Mann? Er war nirgends zu sehen. Nachdenklich betrat Tamás die Filiale der »Gestión Bancaria Cayetana«.
Schweiß legte sich über seinen Nacken und floss ihm in einzelnen Tröpfchen den Rücken hinunter. Wo war der Halbdarkadier? Was plante er hier? Tamás ließ seinen Blick über die Anwesenden schweifen. In zwei Schlangen warteten Leute an den Bankschaltern. Der Halbdarkadier war nicht dabei. Tamás stellte sich an und sah sich unauffällig nach dem Fremden um, ohne ihn zu entdecken.
Würde der Typ eine Bank überfallen? Tamás traute es ihm zu. Vielleicht war er ein Komplize von Blackwood? Das würde passen, immerhin fuhr er Motorrad. Er hatte außerdem eine Verletzung. Das konnte mit dem Überfall zusammenhängen. Tamás schaute sich erneut um, aber er entdeckte den Mann nicht.
»Señor?«
Tamás sah nach vorn. Er war an der Reihe.
»Ich möchte mein Schließfach auflösen«, sagte er.
Im Augenwinkel nahm er eine Bewegung wahr und sah über die Schulter in die Richtung. Der Fremde kam breitbeinig aus der Herrentoilette und schloss dabei seinen Hosenstall. Hinter ihm rauschte die Klospülung. Er verließ das Bankgebäude, ohne Tamás zu bemerken.
»Welches Schließfach, Señor?«
»Entschuldigung. Vergessen Sie es«, sagte er und lief, einer Eingebung folgend, hinter dem Biker her.
Draußen war der Mann in eine Diskussion verwickelt. Zwei Polizisten – Tamás kannte sie flüchtig – hatten sich vor dem Motorrad aufgebaut. Der eine schrieb einen Strafzettel, der andere lieferte sich mit dem Mann in Schwarz ein Wortgefecht. Eine ältere Dame mit einem Gehstock stand daneben und befeuerte die Diskussion mit wüsten Beschimpfungen.
Der Halbdarkadier diskutierte erfolglos über die Rechtmäßigkeit seines Parkens. Er überragte die Polizisten um zwei Köpfe und sah aus, als würde er sie im nächsten Moment wie Kegel zur Seite stoßen.
Tamás fielen die verletzten Wachmänner des Raubüberfalls ein. Wenn dieser Mann Teil des Trios war, bedeutete das höchste Gefahr. Vielleicht war er gekommen, um Byron Blackwood aus dem Gefängnis zu befreien? In dem Fall war er sicherlich bewaffnet. Was auch immer er hier wollte, Tamás fühlte sich berufen, eine Eskalation zu vermeiden. Er räusperte sich laut. Die Herrschaften hielten inne und musterten ihn. Einer der Polizisten erkannte ihn und nickte ihm zu.
»Señor Capulet«, sagte er.
»Gibt es ein Problem?«, fragte er in einem sachlichen Tonfall.
»Der Mann parkt falsch. Ich wäre fast gestürzt!«, rief die alte Dame und zeigte mit ihrem Stock auf den Halbdarkadier, dessen Gesicht vor Zorn rot anschwoll. Er sah aus, als würde er die alte Dame schlagen wollen.
Einer der beiden Polizisten wedelte mit dem Strafzettel. Der Halbdarkadier ließ ein tiefes, kehliges Grollen verlauten, das die Polizisten zurückweichen ließ. Tamás nahm den Strafzettel an sich und las ihn aufmerksam durch, die Polizisten starrten ihn mit offenen Mündern an. Tamás räusperte sich und begegnete ihnen mit einem Blick über den oberen Rand seiner Brille hinweg.
»Meine Herren, mein Mandant bedauert den Vorfall und entschuldigt sich für das Falschparken. Er hatte es sehr eilig. Wichtige Geschäfte«, er warf einen Seitenblick in das zornesrote Gesicht des Halbdarkadiers, »erforderten, dass er in größter Eile sein Zweirad hier parkte.«
»Das ist Ihr Mandant, Señor Capulet?«
»Äh, ja. Nein. Genau genommen arbeitet der Señor für mich, nicht wahr?«
Der Halbdarkadier hob eine Augenbraue in Tamás Richtung, ehe er sich an die Polizisten wandte und mit einem finsteren Gesichtsausdruck nickte. Seine Augen hatte er zu schmalen Schlitzen zusammengezogen. Er beäugte Tamás von der Seite.
»Name?«, krähte der eine Polizist.
»McKay«, erklärte er mit tiefer Stimme. Er sprach mit Akzent. Schottisch? »George McKay.«
Tamás beugte sich vor. »Vielleicht können wir diese Angelegenheit auf sich beruhen lassen, meine Herren? Und Sie, Señora, wollen sich vielleicht von dem Schock erholen?« Er griff in seine Hosentasche und drückte jedem von ihnen einen Schein in die Hand. »Señor McKay wird das Vehikel umgehend entfernen.«
Die Polizisten wechselten einen Blick, dann nickten sie und zogen ab. Der eine zerriss den Strafzettel. Die alte Dame wackelte schimpfend in die Bank. Tamás wartete, bis alle verschwunden waren, ehe er sich dem Halbdarkadier zuwandte und ihm die Hand entgegenstreckte. McKays Händedruck kam zögernd und war fest, wie Tamás erwartet hatte.
»István Capulet, zu Ihren Diensten«, stellte er sich vor.
McKay grunzte zur Antwort und zog seine Hand zurück. Er musterte Tamás.
»Darf ich fragen, was Sie nach Cala Dorada führt?«, fragte Tamás, bei dem der Blick des Mannes Unbehagen auslöste.
McKay stieg auf sein Motorrad, anstatt zu antworten. Er ächzte leise bei der Bewegung und fasste sich an die linke Seite. »Sie scheinen ein guter Kerl zu sein, Capulet. Passen Sie auf sich auf.«
Er startete den Motor und fuhr davon. Tamás sah ihm stirnrunzelnd hinterher. Anschließend kehrte er in die Kanzlei zurück, fest entschlossen, nur seine Aktentasche zu holen, um seine Abreise vorzubereiten. Die Begegnung mit McKay deutete er als weiteres Zeichen, dass es besser war, bald zu verschwinden.
Er beschloss, sein Schließfach erst am Nachmittag zu leeren. Das Auftauchen McKays war kein Zufall. Vielleicht war es doch besser, sich näher mit der Blackwood-Sache zu beschäftigen. Sein Vater hatte ihn gelehrt, alle Facetten eines Falles zu beleuchten, um sich einen Überblick zu verschaffen, damit man keine Verbindungen und Abhängigkeiten übersah. Das konnte er sich in seiner Lage nicht leisten. Später würde er sein Auto zur Werkstatt bringen. Irgendetwas stimmte damit nicht, der Wagen sprang schlecht an.
Vollkommen in Gedanken verloren betrat er die Kanzlei. Elena winkte ihm zur Begrüßung zu. »Das Präsidium hat angerufen. Sie sollen direkt kommen, um mit Señor Blackwood zu sprechen.«
Tamás nickte. Umso besser, es schnell hinter sich zu bringen.
»Ich begleite Sie, ich muss ein paar Akten zurückbringen«, erklärte sie und sprang bereits auf.
Tamás unterdrückte ein Seufzen und produzierte ein höfliches Lächeln. »Wunderbar«, hörte er sich sagen.
Vielen Dank für’s Lesen! Ich kann es kaum erwarten, dass das Buch erscheint. Bald kommt Kapitel 3, die erste Charakterillustration und natürlich weitere Infos rund um dieses Buch :).
Liebe Grüße,
Sonja