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Es ist Donnerstag. Du liest #72 ”Post aus Dachau”, den wöchentlichen Kultur-Newsletter von Stadtführung mit Matthias (Abre numa nova janela) in Dachau & München. Als Gästeführer weiß ich was in der Stadt los ist. Und was sich lohnt.
(Abre numa nova janela)Willst Du auch?
Diese Woche: Stadtgeschichte im Citybus, Podcast live mit Micky Beisenherz & ein Blick aufs Stadtbild – zwischen Kultur, Kritik und Kaffee. ☕️🚌🎙️
Servus,
als das Schlagwort „Stadtbild“ vergangene Woche die Runde machte, dachte ich zunächst an eine neue Debatte über Benko-Immobilien-Gräber wie das ehemalige Hertie-Kaufhaus am Münchner Hauptbahnhof, über städtische Leerstände wie den Zieglerbräu in Dachau oder über Dauerbaustellen à la 2. Stammstrecke und das Dachauer Hallenbad, die auch in unserer Region tatsächlich das Stadtbild beeinträchtigen.
Doch wie sich rasch herausstellte, ging es nicht um städtebauliche Missstände, sondern erneut um eine umstrittene Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz. Der CDU-Politiker wurde damit einmal mehr zum Brandbeschleuniger einer ohnehin aufgeheizten gesellschaftlichen Diskussion – wie schon zuvor mit Formulierungen über „kleine Paschas“ an Schulen oder die Behauptung, abgelehnte Asylbewerber würden sich „die Zähne neu machen lassen“, während deutsche Bürger keinen Arzttermin bekämen.
Was hat das mit dem Schicksal der vor drei Jahren nach Nigeria abgeschobenen Familie Esiovwa aus unserem Landkreis zutun?
Am 12. Juli 2022 wurde die fünfköpfige Familie Esiovwa aus Karlsfeld mitten in der Nacht nach Nigeria abgeschoben. Vater Nicholas, Mutter Faith und ihre drei Kinder – darunter die in Deutschland geborene Claudia – wurden von der Polizei aus dem Schlaf gerissen und zum Flughafen gebracht. Die Familie galt als gut integriert: Die Kinder besuchten die Schule, der Vater arbeitete, die jüngste Tochter kannte kein anderes Zuhause als Deutschland.

Chronologie und Umstände der Abschiebung
Die Abschiebung erfolgte gegen 2 Uhr morgens. Die Ausländerbehörde Dachau unter CSU-Landrat Stefan Löwl hatte die Maßnahme als rechtlich korrekt verteidigt. Kritik kam von SPD, Grünen, Helferkreisen und der Seebrücke Dachau. Die Familie war gesundheitlich stark belastet: Nicholas leidet an rheumatoider Arthritis, Faith an einem nicht operierten Tumor. Sohn Gabriel ist therapiebedürftig, Tochter Stefanie schrieb ihrer ehemaligen Betreuerin, der Psychologin Julie Richardson: „Ich möchte gerne Ärztin werden, um anderen zu helfen, die krank sind.“
Richardson kommentierte: „Da haben wir einen tollen Menschen abgeschoben, den wir hier gut brauchen könnten.“
Die Familie lebt heute in Nigeria unter prekären Bedingungen. Die medizinische Versorgung ist unzureichend, die Eltern sparen an der eigenen Versorgung, um den kostenpflichtigen Schulbesuch der Kinder zu ermöglichen – der steht permanent auf der Kippe. Ende Juli 2025 fehlten der Familie noch rund 500 Euro für die jährliche Miete ihrer Wohnung.
Politische Reaktionen und juristische Folgen
Die Familie hat Klage auf Akteneinsicht eingereicht, um die Rechtmäßigkeit der Abschiebung prüfen zu lassen. Die Ausländerbehörde verweigert bislang die Herausgabe zentraler Dokumente. Die SPD fordert die Aufhebung der Wiedereinreisesperre und kritisiert die CSU für eine formalistische und inhumane Auslegung des Aufenthaltsrechts.
Friedrich Merz und sein «Stadtbild»
Diese Woche sorgte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit einer fragwürdigen Aussage wieder einmal für Aufsehen: „Wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem.“, sagte er im Zusammenhang mit Migration und Rückführungen. Auf Nachfrage eines Journalisten, was er meine, sagte er: „Fragen Sie mal Ihre Töchter, was ich damit gemeint haben könnte.“ Diese rhetorische Volte – die eigene Aussage durch die vermeintliche Angst von Töchtern zu legitimieren – wurde von Aktivistinnen wie Luisa Neubauer scharf kritisiert: „Wir haben kein Interesse, als Vorwand für diskriminierende Aussagen missbraucht zu werden.“
Merz’ Aussage reiht sich ein in eine Rhetorik, die Migration als Problem darstellt und Rückführungen als Lösung. Damit bedient er Narrative, die bislang die als gesichert rechtsextremistisch geltende AfD bedient. Die Union betont ihre Abgrenzung zur AfD, vermeidet aber den Begriff „Brandmauer“.
Markus Söder (CSU) sagte: „So etwas haben Bürgerliche schon einmal gemacht. Das darf nie wieder passieren.“
Ein Satz, der in unserer Region – Dachau und München – besonders schwer wiegt. Hier hatte die menschenverachtende Ideologie der Nationalsozialisten ihren Ausgangspunkt. Hier muss Erinnerungskultur politische Verantwortung bedeuten - für alle Menschen unserer Gesellschaft. Dieser wird die Union allerdings wieder einmal nicht gerecht, vor allem wenn der bayerische Ministerpräsident kurz darauf, die berechtigte Kritik an Merz’ jüngster verbaler Entgleisung als “Wortglauberei” und -wieder einmal- als Teil einer “linken Kampagne” diffamiert.
Die Realität ist widersprüchlich: CDU und CSU stimmten im Bundestag einem Antrag zur Verschärfung der Asylpolitik zu – mit den Stimmen der AfD. Die Brandmauer wackelt, auch wenn sie rhetorisch (noch) verteidigt wird. Frühere Unionspolitiker fordern gar eine Lockerung der Abgrenzung. Der Unions-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn meinte vor kurzem, man müsse mit den Rechtsextremisten gar umgehen, wie mit jeder anderen Oppositionspartei. Seitdem haben diese in manchen Umfragen, die Konservativen längst hinter sich gelassen.
Migration als Realität – nicht als Problem
In Dachau und München hat rund jede*r Dritte einen Migrationshintergrund. Der überwiegende Teil sind deutsche Staatsbürger*innen oder gelten als gut bis sehr gut integriert. Merz’ Stadtbild-Aussage stigmatisiert diese Menschen kollektiv und opfert sie einer weiteren Scheindebatte (nach den Bürgergeldempfänger*innen), die nur der AfD nutzt – und das ausgerechnet vom Kanzler, der diese Partei als Gefahr für Demokratie, Freiheit und die wirtschaftliche Basis unseres Landes bezeichnet.
„Ich möchte in einem Land leben, bei dem nicht das Aussehen darüber entscheidet, ob man ins Stadtbild passt oder nicht.“ - Lars Klingbeil (SPD), Vizekanzler
Sowohl München als auch Dachau profitieren stark von Zuwanderung, die maßgeblich zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und zur kulturellen Vielfalt der Region beiträgt.
Was hat das miteinander zutun und was sagt es über die Union?
Die Abschiebung der Familie Esiovwa ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck einer migrationspolitischen Haltung, die sich zunehmend an Abschottung und Rückführung orientiert – auch wenn Integration längst stattgefunden hat. Die Geschichte ist ein Mahnmal für eine Politik, die Menschenrechte dem Populismus opfert. Sie zeigt, wie gefährlich es ist, wenn politische Verantwortung durch rhetorische Nebelkerzen ersetzt wird.
Die Frage, die bleibt: Was sehen wir wirklich im Stadtbild? Eine Familie, die Teil unserer Gesellschaft war und nun in einem fremden Land um ihr Überleben kämpft? Oder ein politisches Kalkül, das Angst instrumentalisiert, um Stimmen zu gewinnen?
Vielleicht sollten wir nicht nur unsere Töchter fragen wo wir in dieser Frage stehen, sondern auch unsere Nachbar*innen (mit und ohne Migrationshintergrund) – und uns selbst.
Schön, dass Du auch diese Woche wieder mit dabei bist – und bleibst.
PS: Wie jedes Jahr unterstütze ich auch 2025 wieder ausgewählte (stadt-)gesellschaftliche, soziale oder karitative Initiativen mit einer Spende in Höhe von 10% meines Netto-Gewinns aus allen Gäste-, Stadt- und Themenführen in Dachau und München diesen Jahres sowie einem Teil der Mitgliedsbeiträge aus der “Stadtführung mit Matthias”-Community.
Dieses Jahr geht auf jeden Fall ein Teil an den Spendenaufruf des Bayerischen Flüchtlingsrats auf betterplace.org (Abre numa nova janela) der die Familie Esiovwa in Nigeria unterstützt.
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Extrarunde
Wenn Du das erste Mal von dieser Stadtführung hörst, denkst Du vielleicht: Citybus und Geschichte? Klingt nach einem ziemlich ungewöhnlichen Duo. Aber genau das macht den Reiz aus! Statt wie üblich zu Fuß durch die Altstadt zu schlendern, geht’s bei dieser Tour auf Rädern durch Dachaus Vergangenheit – und das mit überraschend viel Tiefgang.

Ich nehme Dich mit auf eine rund zweistündige Reise, die am Bahnhof beginnt – dort, wo einst das „schnaufende Ungeheuer“ der Eisenbahn für Aufsehen sorgte. Von dort geht’s mit dem Citybus 719 zu Orten, die Geschichte geschrieben haben. Und nein, das ist keine trockene Geschichtsstunde, sondern eine lebendige Mischung aus Anekdoten, historischen Fun Facts und echten Dachauer Originalen.
Du erfährst zum Beispiel, warum das Moorbad einst Gäste aus aller Welt anzog, was es mit dem Max-Mannheimer-Platz auf sich hat, und warum die Koschade-Klinik für über 15.000 Dachauer Babys der erste Ort ihres Lebens war. Und dann wäre da noch der Hörhammerbräu – ein Ort, an dem König, Pabst und Künstler gleichermaßen einkehrten. Kein Witz!
Natürlich darf auch das legendäre „Bockerl“ nicht fehlen – die gemütliche Lokalbahn, die einst durchs Dachauer Moos tuckerte – und das „Spatznschlössl“, das Atelier des Künstlers Hermann Stockmann, das fast schon märchenhafte Züge trägt.
Was diese Führung besonders macht? Sie verbindet Orte, die du kennst, mit Geschichten, die du vielleicht noch nie gehört hast. Und durch den größeren Radius gegenüber klassischen Stadtführungen zu Fuß bekommst du einen ganz neuen Blick auf Dachau – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn am Ende wartet ein Panorama über das Moos bis zu den Alpen, das nicht nur geologisch beeindruckt, sondern auch symbolisch für die Höhen und Tiefen der Stadtgeschichte steht.
📅 Nächster Termin:
Freitag, 31. Oktober 2025 um 14:15 Uhr
Letztes Mal war die Tour ruckzuck ausgebucht – also schnell anmelden!
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☕️ ApoFika
Wenn du morgens gerne mit einem Augenzwinkern in die Schlagzeilen des Tages eintauchst, kennst du ihn wahrscheinlich schon: Micky Beisenherz, der Mann hinter dem Podcast Apokalypse & Filterkaffee. In seinem täglichen News-Omelett serviert er dir die wichtigsten Aufmacher, Leitartikel und Tweets – gewürzt mit Ironie, Witz und einer Prise Gesellschaftskritik. Und das Ganze ist so beliebt, dass der Podcast regelmäßig in den Top 5 der deutschen Charts landet.
(Abre numa nova janela)Jetzt kommt das Erfolgsformat live auf die Bühne – und zwar mit allem, was dazugehört: Late-Night-Vibes, prominente Gäste und natürlich Micky selbst, der gemeinsam mit Podcast-Kollege Andreas Loff durch den Abend führt. Mit dabei sind unter anderem Yasmine M’Barek und Markus Feldenkirchen, die du vielleicht schon als feste Stimmen aus dem Podcast kennst. Aber auch Überraschungsgäste wie Fidi Oetker und andere bekannte Gesichter aus dem „Apokalypse“-Universum sind angekündigt.
Das Ganze wird präsentiert von Studio Bummens und CONTRA CREATE – und macht am Montag, den 27. Oktober 2025 Halt in München, genauer gesagt im Backstage. Wenn du also Lust hast, den Podcast mal nicht nur auf die Ohren, sondern auch live und in Farbe zu erleben, solltest du dir den Termin fett im Kalender markieren.
📌 Fakten für deinen Kalender:
🎙️ Was? Live-Podcast Apokalypse & Filterkaffee
👤 Wer? Micky Beisenherz, Andreas Loff & Gäste
📍 Wo? Backstage, Reitknechtstraße 6, 80639 München
🕗 Wann? Montag, 27. Oktober 2025, 20:00 Uhr
🎟️ Warum? Weil Schlagzeilen mit Humor einfach besser schmecken ☕
Offene Touren 2025

(KI-generiert)
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Die nächste «Post aus Dachau» erscheint am 30. Oktober 2025 - wir sehen uns, in Dachau und München 👋
Freundliche Grüße aus dem ❤️ von Dachau,
Dein Matthias
Matthias Schüßler
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