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Türchen No 7 | Resilienz-Adventskalender für belastende Zeiten

Liebe Leserinnen und Leser,

heute ist schon Tag Nummer 7 beim Resilienz-Adventskalender für belastende Zeiten. Meine kleine 24-Tage-Challenge soll ein wenig dabei unterstützen, die eigene Resilienz nicht aus dem Blick zu verlieren.

Heute beschäftigen wir uns mit Solidarität.

Mach Solidarität zur Praxis

Gemeinsam bewältigen sich schwere Zeiten besser als alleine. Solidarität ist deswegen eine wichtige Größe in Krisenzeiten. In akuten Katastrophen ist prosoziales Verhalten deutlich weiter verbreitet als man vielleicht denkt: Menschen helfen einander und sind für einander da. Das bestätigt auch die Forschung immer wieder. Wenn es darauf ankommt, sind Menschen als nicht egoistisch und nur auf ihren Vorteil bedacht.

Die US-amerikanische Katastrophenforschung, die sozialwissenschaftlich geprägt ist, untersucht Verhaltensphänomene seit den 1950er Jahren. Die Wissenschaftler dieser Tradition haben immer wieder gezeigt, dass das Prosoziale in Katastrophen überwiegt. Viele Studien und Beispiele stützen diese Thesen: Die Evakuierung des World-Trade-Centers 2001 verlief ausgesprochen geordnet und ruhig; viele Besucher des Konzerts im Bataclan retteten ihre Freunde anstatt einfach vor den Maschinengewehrsalven zu fliehen; die Bewohner des Dorfes Seyne-les-Alpes unterstützten die Bergungsmaßnahmen nach dem Absturz der Germanwings-Maschine.

Prof. Dr. Henning G. Goersch (Abre numa nova janela)

Anders sieht es bei längeren Krisen aus. Während zu Beginn der Coronapandemie es an vielen Stellen Solidarität gab und beispielsweise Nachbarschaftshilfen gegründet wurden, beginn die gegenseitige Unterstützung mit der Zeit immer mehr zu bröckeln. Ohne Solidarität entstehen Fragmentierung, Konflikte und Vertrauensverlust.

Das Schöne ist allerdings: Der Verlust von Solidarität ist kein Automatismus. Wenn wir uns kooperativ verhalten, erhöht das auch die Wahrscheinlichkeit, dass andere ebenfalls prosozial handeln. Wenn mehrere Personen solidarisches Verhalten zeigen, kann das eine Gruppennorm (Abre numa nova janela) erzeugen. Und Normen haben nachweislich starken Einfluss auf unser Verhalten.

🦖 Deine Übung für Heute

Nimm Dir einen Moment Zeit, komme zur Ruhe. Mach Dir vielleicht eine Tasse Tee oder dein Lieblingssnack - und beantworte für dich die Frage:

🖊️ Wo war heute ein kleiner Moment von Solidarität – den ich entweder erlebt oder selbst gezeigt habe?

Es darf winzig sein: Jemand ließ dich im Bus vor, du hast jemandem kurz etwas erklärt, eine Person hat dir eine hilfreiche Info geschickt.

Formuliere einen einzigen Satz, der diesen Moment beschreibt:

Solidarität war heute…

Ich freue mich, wenn Du mir erzählst, was Du dir überlegt hast.

Mehr zum Thema

Die Hilfsorganisation CADUS, die u.a. humanitäre Hilfe in Gaza und der Ukraine leistet, hatte im Sommer einen ganzen Kongress zum Thema “Soliprepping – Krisen solidarisch begegnen (Abre numa nova janela)” organisiert.

Ich wünsche Dir viel Spaß mit dem Kalender,

Deine

Pia Lamberty

Hintergrundinfos
Hintergrund: Was ist ein Resilienz-Adventskalender für belastende Zeiten?

Die Welt ist im Wandel – und das in einer Geschwindigkeit, die viele Menschen überfordert. Gewohnte Sicherheiten brechen weg, die psychischen Belastungen nehmen zu. Verschiedene Studien zeigen, dass globale Krisen erhebliche psychische Auswirkungen haben und viele an ihre Belastungsgrenze bringen.

Viele Menschen fühlen sich aufgrund der Krisenpermanenz und zunehmenden Bedrohungslage machtlos – doch sie sind es nicht. Menschen können die Welt verändern und haben mehr Einflussmöglichkeiten als ihnen bewusst wird. Um sich zu engagieren, benötigt es aber mentale Kapazitäten und Skills, um mit Stress umzugehen. Denn: Wer keine Ressourcen übrig hat, wird sich wahrscheinlich weniger einbringen können.

Anleitung: Wie funktioniert der Adventskalender?

Dieser Adventskalender hat 24 kleine Übungen, damit Du deine Resilienz jeden Tag ein bisschen stärken kannst. Jeden Tag geht es um ein anderes Thema, um besser durch turbulente Zeiten zu navigieren.

Du kannst die Ergebnisse deiner Übungen gerne aufschreiben und immer wieder mal anschauen. Das funktioniert in der Notizen-App in deinem Handy. Oder du bastelst dir ein kleines Resilienz-Tagebuch. Jede Übung dauert nicht mehr als 15 Minuten.

Es ist auch nicht schlimm, wenn Du nicht alles schaffst oder Du Übungen nicht magst. Das Ganze soll dich stärken und kein weiterer Stresspunkt werden.

Wenn Du aktuell in Psychotherapie bist, besprich vorher mit deinem bzw. deiner Therapeut*in, ob Du aktuell solche Übungen machen solltest.

Ist Resilienz nicht nur so ein komischer Internet-Trend?

Jein. Der Begriff wird gerade auf Social Media oder bei manchen Feel-Good-Seiten ganz schön überstrapaziert und oft sehr individualistisch betrachtet. Trotzdem beschreibt er eine reale Fähigkeit: gut mit Belastungen umgehen zu können. Und diese Kompetenz brauchen wir leider gerade recht häufig. Resilienz hat natürlich auch seine Grenzen. Es ist keine Superkraft, die plötzlich alles gut macht. Dennoch ist es wichtig, um belastende Phasen besser zu überstehen.

Falls Du mich noch nicht kennst:

Ich bin Dr. Pia Lamberty und Psychologin. Mein Studium der Psychologie habe ich an der FernUniversität Hagen und der Universität Köln (Schwerpunkt Social Cognition und Medienpsychologie) absolviert. An verschiedenen Universitäten – in Köln, Mainz, Brüssel und Beer Sheva – habe ich mich intensiv mit Verschwörungsglauben beschäftigt. Darüber hinaus habe ich auch zu Erinnerungskultur, Antisemitismus und allgemeinen Vorurteilen geforscht. Wer sich für meine Forschung interessiert, kann gerne bei Google Scholar (Abre numa nova janela) vorbei schauen.

Im Jahr 2020 habe ich gemeinsam mit Katharina Nocun mein erstes Buch veröffentlich - “Fake Facts - Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen” -, das in der Coronapandemie zum Bestellter wurde. Ein Jahr später, 2021, erschien dann “True Facts - Was gegen Verschwörungserzählungen wirklich hilft” und 2023 der nächste Besteller: “Gefährlicher Glaube - Die radikale Welt der Esoterik”. Im Jahr 2021 habe ich mit anderen dann CeMAS (Abre numa nova janela)- Center für Monitoring, Analayse und Strategie gegründet und war dort bis Oktober 2025 aktiv.

Promoviert habe ich an der Sozial- und Rechtspsychologie der Universität Mainz - zur Rolle von Verschwörungserzählungen im Kontext von Gesundheitsthemen. Daneben habe ich mich durch die Deutsche Psychologenakademie zur Notfallpsychologin (Abre numa nova janela)weiterbilden lassen.

Mehr über mich findest Du auf meiner neuen Homepage.

Tópico ResilienzAdventskalender

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