Wie Eckart von Hirschhausen endlich meine große Liebe für Pinguine erklärt und was sonst so passiert. Und: Können wir endlich aufhören, unsere Pausen zu rechtfertigen?
Letzten Sonntag habe ich mir heimlich, still und leise eine Pause gegönnt und keinen Newsletter geschrieben. Ist es dir aufgefallen? Hast du ihn vermisst? Vielleicht freust du dich ja nach längerem Warten über diese Ausgabe besonders oder denkst dir: „Mal wieder etwas spät dran.“ Für einen Moment habe ich darüber nachgedacht, dir wenigstens über Instagram Bescheid zu geben, dass der Newsletter ausfällt. Dann hätte ich mich verpflichtet gefühlt, eine Erklärung abzugeben, mich zu rechtfertigen und am Ende doch irgendwas zu schreiben, nur damit ich ihn nicht ausfallen lasse. Das erschien mir jedoch nicht unbedingt als ideale Lösung, also tat ich das, was mein Inneres mir riet: einfach den Pausenknopf drücken, ohne schlechtes Gewissen, auf mich hören und jetzt wieder wirklich gehaltvolle Zeilen schreiben können.
Wovon brauchte ich eigentlich eine Pause, nachdem ich den ganzen September am Meer verbracht habe? Das ist eine gute Frage und sie ist schnell beantwortet: Nur weil man räumlich Urlaub macht, heißt das nicht, dass das Innere auch einfach stehenbleibt. Meine Gedanken liefen auf Hochtouren und wurden durch die äußeren Eindrücke in völlig neue Bahnen gelenkt. Das ist wunderschön und sehr anstrengend. Zurück in Berlin war ich erst einmal unglaublich müde, glücklich, zufrieden, ungeduldig, wissend, dass meine Energie nach einer kleinen Übergangspause stärker sein wird als je zuvor. Hui, das klingt etwas dramatisch. Ist aber so.

Worum drehen sich diese Gedanken denn? Unter anderem darum: In einem der letzten Newsletter habe ich dir bereits eine Lesung angekündigt – jetzt ist die Sache in trockenen Tüchern 😍 Ich darf im Dezember im Kunstatelier Warnemünde aus meinem Buch „Unsichtbar behindert (Abre numa nova janela)“ lesen! Und ich freue mich riesig drauf. Wie du vielleicht gemerkt hast, ist der beschauliche Ort an der Ostsee eine Art zweites Zuhause für mich geworden und ich komme immer wieder mit erfülltem Herzen zurück nach Berlin. Wenn du Zeit hast und vielleicht in der Nähe wohnst, freue ich mich sehr, dich dort zu treffen. Dieses Buch bzw. die Geschichte rund um meine Behinderung wird auch in Zukunft noch eine größere Rolle einnehmen. Wie genau, das werden wir sehen. Ein bisschen was ist schon geplant und einiges wird sich unterwegs noch finden. Es bleibt aufregend.

Im Vordergrund steht bei mir allerdings weiterhin die Selbstständigkeit, die sich in eine andere Richtung entwickelt, als ich mir das noch vor wenigen Monaten vorgestellt hatte. Das hat auch ein bisschen was mit meiner persönlichen Geschichte zu tun. Und ich liebe es. Wirklich. Alles wird größer als gedacht und so viel mehr eins mit mir. Alles ist noch im Entstehen und die Ideen, die Schritte werden immer detaillierter und konkreter. Ab und zu muss ich einfach mal stehenbleiben und mir anschauen, was da gerade los ist, damit ich es mir selbst glaube. Die Tendenz geht jedenfalls weg von der Arbeit als freie Redakteurin und hin zu Achtsamkeit und Kreativität. Das heißt für mich aktuell viel Planung, Weiterbildung und Ausprobieren, Scheitern, neue Wege gehen. Die größte Herausforderung dabei sind jedoch nicht die Inhalte, sondern die Vermarktung. Ist es dir auch so unangenehm, dich selbst zu verkaufen? Jeder Post auf Instagram ist irgendwie unangenehm und doch weiß ich, dass es ohne nicht geht. Wird sowas irgendwann leichter?
Beim Sortieren meiner Gedanken hilft viel Austausch mit den unterschiedlichsten Menschen, hauptsächlich mit jenen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Aber auch Yogastunden, Sport, Meditation, Schreiben und Bücher. Das ein oder andere funktioniert in Kombination mit Räucherstäbchen besonders gut und so verbrachte ich diesen Sonntagvormittag mit Eckart von Hirschhausens „Der Pinguin, der fliegen lernte“, Palo Santo und Kaffee. Meine Begeisterung für die Vögel, die anatomisch gesehen ebenso wenig fliegen sollten wie Hummeln, ist nun noch größer. Eckart hat mich mit diesem Werk komplett abgeholt: Spannende Sidefacts über Pinguine, sein humorvoller und unaufgeregter Blick auf das Leben in all seinen Facetten und sein Aufruf, es doch mal mit Journaling zu versuchen. ✍️ Ganz unspirituell und nüchtern, erklärt er uns den Sinn hinter dem Ganzen und ich freue mich einfach darüber, dass der Herr Doktor das Schreiben empfiehlt. Ich verlinke euch hier (Abre numa nova janela) mal das Buch (Hörbuch auf Spotify kann man auch sehr gut anhören, er ist für meinen Geschmack ein sehr angenehmer Erzähler) und lade euch dazu ein, mal in einem meiner Workshops (Abre numa nova janela) oder beim dienstagabendlichen Live-Journaling (Abre numa nova janela) auf Zoom vorbeizuschauen. ☺️
Übrigens: Auch wenn die Existenzgründung hier im Moment im Vordergrund steht, hat das Schreiben für mich auch abseits des Journalings seinen festen Platz. Es verschmilzt stellenweise miteinander, aber passiert auch völlig unabhängig voneinander. Ich arbeite weiterhin am „Schreibmut“-Buch (Abre numa nova janela) und entwickle, teste und formuliere viele verschiedene Schreibimpulse, mit denen wir unserem ganz eigenen Schreiben näherkommen können. Ein wenig Geduld brauchen wir dafür noch, doch es nimmt langsam eine Form an, mit der ich sehr glücklich bin. Und du hoffentlich auch bald 😉
Bis nächste Woche! (Wirklich.)
Alles Liebe
deine Sarah