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Highlight-Interviews in der Academy: Antje von VAUDE und der “kritische Bahnjurist” Lorenz.

Hallo liebe Flauschis!

DAS war eine sehr ereignisreiche Woche, leider nicht in Sachen einer Verkehrswende, die in Deutschland endlich gestartet ist. Aber lasst uns doch daher mit guten Impulsen beginnen.

Mario schaut in die Kamera, daneben das Cover vom Buch. (Abre numa nova janela)

Noch bis zum 7. September könnt ihr bei Autorenwelt versandkostenfrei signierte Exemplare von “Picknick auf der Autobahn” bestellen. (Abre numa nova janela)

Ein Buch, das mit Mario Sixtus zu schreiben, mir sehr viel Freude gemacht hat. Denn Mario hat großartige Near-Future-Stories für euch geschrieben, die richtig Lust machen, diese wundervolle Welt, die er beschreibt, JETZT zu bauen zu beginnen.

Porträts von Antje von Dewitz und Dr. Lorenz Wachinger. (Abre numa nova janela)

Nachhaltige Mutmacherin: Antje von Dewitz (VAUDE)

Wenn man mit Antje von Dewitz spricht, spürt man sofort: Hier treibt jemand Veränderungen nicht aus Pflicht, sondern aus Überzeugung. Seit 2009 leitet sie VAUDE, den Outdoor-Ausrüster vom Bodensee, und hat das Unternehmen konsequent auf Nachhaltigkeit ausgerichtet – ökologisch, sozial, kulturell.

Der Anfang: vom Projekt zur Haltung

Als sie die Geschäftsführung von ihrem Vater übernahm, gab es bei VAUDE bereits Nachhaltigkeitsprojekte. Doch sie liefen isoliert nebenher. Antje machte daraus die DNA der Marke:

Porträt von Antje, Zitat: 

„Ich bin angetreten mit der Vision, ein durch und durch nachhaltiges, transparentes Unternehmen zu schaffen, in dem es nichts zu verstecken gibt.“

Kulturwandel und Führung

Mit der ökologischen Transformation kam auch ein Kulturwandel: weg von Hierarchie, hin zu geteilter Verantwortung.

„Solange nur ein bestimmter Typ – männlich, extrovertiert – Führungsrollen übernimmt, haben andere Charaktere kaum Chancen. Wir mussten die Kultur ändern, um Vielfalt und Vertrauen zu ermöglichen.“

Nachhaltigkeit systemisch denken

Von EMAS-Zertifizierung über klimaneutralen Standort bis zu Jobrad und Verbot von Inlandsflügen: Antje und ihr Team haben Nachhaltigkeit in alle Bereiche integriert.

„Unsere Haltung ‘Wir sind Teil eines Problems!’ hat dazu geführt, dass wir uns mit der vollen Komplexität auseinandersetzen – und dadurch unglaublich innovationsstark geworden sind.“

Schwerpunkt Mobilität als Wendepunkt

Besonders sichtbar wurde der Wandel beim Thema Mobilität. Statt immer mehr Parkplätze zu bauen, entschied VAUDE 2015, die Flächen in einen grünen Campus zu verwandeln – mit Kletterwand, Terrasse und Begegnungsräumen. Die Botschaft: Lebensqualität statt Blechlawine.

Dazu kam ein ganzer Strauß an Maßnahmen:

  • Fahrradfreundlichkeit mit Jobrad, Leih-E-Bikes, überdachten Stellplätzen, Duschen. Heute nutzen rund 280 Mitarbeitende das Jobrad.

  • Pendler-Innovationen wie ein „Mobilitätslotto“, bei dem nachhaltige Wege zur Arbeit belohnt werden.

  • Knotenpunkte schaffen: gemeinsam mit anderen Unternehmen eine neue Buslinie im Stundentakt zum nächsten Bahnhof initiiert.

  • Neue Kultur: Nicht Führungskräfte bekommen die besten Parkplätze, sondern Fahrgemeinschaften.

  • Reiserichtlinien: Keine Inlandsflüge, „Bahn first“, Firmenwagen werden auf Elektro umgestellt – mit eigener Ladeinfrastruktur aus Solarstrom.

Seit 2012 ist VAUDE am Standort bilanziell klimaneutral – nicht zuletzt, weil auch die Wege der Mitarbeitenden konsequent in die CO₂-Bilanz einbezogen werden.

Menschen mitnehmen

Was nach viel Mühe klingt, hat eine emotionale Seite: Antje beschreibt, wie aus Skepsis Begeisterung wurde.

„Irgendwann war spürbar: Die Mitarbeitenden vertrauen, es macht Sinn, und sie wollen ihren Beitrag leisten – dieser Mantel des Zynismus wurde ausgezogen.“

Der Blick nach vorn

VAUDE gilt heute als Pionier und zeigt, dass nachhaltiges Wirtschaften erfolgreich sein kann – und muss.

„Unternehmen haben keine Zukunftsberechtigung mehr, wenn sie nicht Teil der Lösung sind. Wer weiter nur Probleme schafft, wird irgendwann irrelevant.“

👉 Mein Fazit: Antje von Dewitz zeigt, wie viel Kraft entsteht, wenn Nachhaltigkeit nicht ein Extra ist, sondern die Basis. Ihre Geschichte macht Mut: Wandel ist möglich – auch wenn er mühsam ist. Und er zahlt sich aus, für Unternehmen, Gesellschaft und Klima.

Bahnreform – Gespräch mit Dr. Lorenz Wachinger

Dr. Lorenz Wachinger ist Verkehrsexperte und einer der kenntnisreichsten Kritiker der aktuellen Bahnpolitik. Seit fast 40 Jahren begleitet er die Eisenbahn fachlich und politisch, engagiert sich in Verbänden und publiziert zu Fragen der Finanzierung, des Managements und der Verkehrswende.

Sein Blick ist scharf – und zugleich ernüchternd. Wachinger ordnet die aktuelle Debatte um das Deutschlandticket, die ruinierte Infrastruktur und den Vergleich mit der Schweiz klar ein.

1. Das vergiftete Geschenk: Deutschlandticket

Wachinger sieht das Deutschlandticket kritisch. Für ihn ist es weniger ein Schritt zur Verkehrswende als ein politisches Ablenkungsmanöver:

Porträt von Dr. Lorenz Wachinger. Zitat: „Das Deutschlandticket ist ein populistisches Projekt. Die Kosten von 3 Milliarden entsprechen ungefähr 100 Kilometern Straßenbahn-Ausbau pro Jahr.“

Sein Vorwurf: Geld werde in billigere Tickets gesteckt, statt in den dringend notwendigen Angebotsausbau. Schon vor dem D-Ticket hätten Tarifreformen wichtige Einnahmen entzogen.

2. Finanzierungskrise statt Verkehrswende

Die Folge: Selbst in Großstädten werden Linien zu Schwachlastzeiten gestrichen, weil das Geld fehlt. Der Satz „Verkehrswende abgesagt“ sei vielerorts Realität.

„Wir haben Probleme an so vielen Orten. Da werden selbst in Großstädten bestimmte Verkehre nicht mehr gefahren wegen ein paar 100.000 Euro.“

3. Blick in die Schweiz

Im Vergleich zeigt Wachinger auf, wie ein funktionierendes System aussehen kann:

„Die Schweizer fahren doppelt so oft mit der Bahn wie die Deutschen – und die Ticketpreise sind im Schnitt 50 % höher.“

Sein Fazit: Billig führt nicht automatisch zu besserem ÖPNV. Die Schweiz zeige, dass höhere Preise und hohe Qualität sich nicht ausschließen – im Gegenteil.

4. Management-Fehler und verlorener Eisenbahnerstolz

Ein zweiter Kritikpunkt ist die Führungskultur bei der Bahn:

„Früher repräsentierten Eisenbahner mit Flügelrad und Kappe stolz die Bahn. Diesen Eisenbahnerstolz haben sie kaputt gemacht.“

Statt Fachkompetenz dominiere die Vorstellung, Manager könnten beliebig Branchen wechseln – ein Irrglaube, der dem System Bahn massiv schade.

5. Gesellschaftliche Verantwortung

Schließlich erinnert Wachinger daran, dass die Krise der Bahn auch ein Spiegel gesellschaftlicher Gleichgültigkeit ist:

Porträt von Dr. Lorenz Wachinger: „Das, was wir jetzt haben, ist ein Spiegel der Gesellschaft. Diese Gesellschaft hat der Bahn über Jahrzehnte die Unterstützung verweigert.“

Wachinger plädiert für Ehrlichkeit: weniger hehre Wachstumsziele, mehr Stabilität und Verlässlichkeit. „Alles am Anschlag“ – so beschreibt er die Lage. Sein Vorschlag: lieber 5 % weniger Angebot, dafür planbar und robust.

Meine Gedanken:

Das Gespräch mit Dr. Lorenz Wachinger zeigt mir einmal mehr: Wir reden viel über „große Würfe“, aber zu wenig über das Fundament.
Die Bahn kann keine Verkehrswende leisten, wenn sie systematisch kaputtgespart wurde – und gleichzeitig noch mit immer neuen politischen Show-Projekten überfrachtet wird.

Wir brauchen drei Dinge:

  1. Ehrlichkeit bei den Zielen – nicht alles ist sofort machbar.

  2. Mut zur Finanzierung – ohne Geld fährt kein Zug.

  3. Gesellschaftliches Engagement – die Bahn ist nicht „die da oben“. Sie ist Teil unseres Alltags.

Wenn wir wollen, dass sie zuverlässig, sicher und klimagerecht fährt, dann müssen wir auch als Gesellschaft dafür einstehen.

Das negative Highlight der Woche.

Berlin schafft sich ab. Irgendwann leben dort nur noch Autos. (Abre numa nova janela) Tourist*innen bleiben fern, weil sie in anderen Städten höhere Lebensqualität finden. Ein Gedankenspiel. Grundannahme: 720 Mio. € = 720.000.000 € für 3,2 km Stadtautobahn (A100) → Kosten pro Kilometer: 225 Mio. €

Oben siehst du die Autobahn, unten Männer, die ein Band in den Farben der Deutschlandfahne halten.

Was hätte dafür gebaut werden können? Was finanziert? Merke: In Berlin fährt nur 1/3 der Bevölkerung überhaupt Auto. Das Bundesverkehrsministerium schrieb mir schon, dass "Pendler und Betriebe" sich auf diese Strecke sehr freuen. DAS stimmt sicher. Denn Anwohnende haben bald Mehrverkehr.

Radwege
Baukosten Radweg in Deutschland: ca. 0,5–1 Million pro Kilometer.

 Das ist ein Radwegenetz durch ganz Berlin.

4/x Begonnen wurde mit der sechsspurigen A100 in den 50er Jahren. Am jetzigen Abschnitt wurde Jahrzehnte "gebaut" - anstatt es einfach zu lassen, zieht Mann durch. 100.000 Autos täglich sollen hier nun fahren. 314 Kleingärten, 450 Bäume, 89 Wohnungen mussten weichen. 100.000 m2 wurden versiegelt.

Kitas
Neubau einer Kita mit 80 Plätzen: Drei Millionen Euro.

240 Kitas → Platz für 19.000 Kinder.

Es wird seltsamerweise auch nicht gefeiert. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Estrel-Hotel findet ein "Festakt" statt. Erst in der Nacht wird ein Pressetermin vor Ort angekündigt, Bundesverkehrsministers Patrick Schnieder und Bürgermeister Kai Wegner kündigen sich an.

Pflegekräfte

Durchschnittsbrutto Pflegefachkraft: 42.000 €/Jahr.
 17.000 Pflegekräfte für ein Jahr. Oder 1.700 Pflegekräfte 10 Jahre lang.

Die Menschen aus den Außenbezirken von Berlin stimmten für eine Autopolitik gestimmt, die die Menschen IN Berlin belastet. Ich bin mir sicher: Der Protest gegen den nächsten (17.) Abschnitt zeigen, dass Autobahnen road to nowhere sind. Der von der Zivilgesellschaft unerwünscht ist.

Sozial-wohnungen

Baukosten pro Wohnung: 200.000 €.
 3.600 neue Wohnungen.

Die A100 beweist: Das Geld ist da. Uns wird vorgegaukelt, dem sei nicht so. Doch das ist eine Lüge. Es wird nur in Projekte gedrückt, die nicht zukunftsfreundlich sind. Personal, Geld und Ressourcen, die NICHT in Autobahnen fließen, sind ein Gewinn für alle.

Und in Berlin regieren ja schwarz und rot und meeeehhhh. Während in Berlin nun endlich NOCH besser im Stau gestanden werden kann (das neue Teilstück der A100 wurde zeitweise sogar deswegen gesperrt) bevorzugt die SPD Niedersachsen ebenfalls in der Klimakatastrophe Autobahn- statt dringend notwendiger ICE-Steckenbauten.

Hier mein Blogartikel dazu:

https://katja-diehl.de/spd-entwickelt-sich-zur-nimby-partei-nach-berlin-folgt-nun-hannover/ (Abre numa nova janela)

Und damit zu den Links der Woche!

Gendergap beim Pkw-Besitz Diese Autos sind bei Frauen am beliebtesten. Und diese bei Männern

Fast zwei Drittel der Privat-Pkw sind auf männliche Besitzer zugelassen. Das geht aus der Auswertung eines Vergleichsportals hervor. Noch krasser sind die Geschlechtsunterschiede bei der Größe der Automodelle.

https://www.spiegel.de/auto/kfz-versicherung-frauen-fahren-kleinwagen-maenner-bevorzugen-grosse-autos-a-8f8ba472-0fee-4dbd-953d-bb0cd8a43c1c (Abre numa nova janela)

Alle paar Jahre den Job wechseln, unbequem sein und mehr Fragen stellen als alle anderen. So schaffte es Topmanagerin Bettina Volkens in den Bahn- und Lufthansa-Vorstand. Ihre fünf wichtigsten Karrierelektionen und die größten Stolperfallen.

https://www.manager-magazin.de/hbm/fuehrung/karriere-topmanagerin-bettina-volkens-ueber-ihre-fuenf-wichtigsten-karrierelektionen-a-e1dbfba6-c576-49f2-af67-513775025909 (Abre numa nova janela)

Treibstoffmangel in Russland führt zu kilometerlangen Staus

Autofahren wird für viele russische Fahrer aktuell zum Geduldsspiel. Vor den Tankstellen müssen sie in einigen Regionen stundenlang warten und können dann mancherorts nicht einmal volltanken. Unter anderem sorgen ukrainische Drohnenangriffe für einen massiven Treibstoffmangel.

https://www.n-tv.de/mediathek/videos/panorama/Treibstoffmangel-in-Russland-fuehrt-zu-kilometerlangen-Staus-article25989835.html (Abre numa nova janela)

Living without a car is the best individual action for the climate

It is often said that stopping the plane or becoming a vegetarian is the best individual action for the climate. Well, the action that would have the greatest impact would be to live without a car.

https://bonpote.com/vivre-sans-voiture-est-la-meilleure-action-individuelle-pour-le-climat/ (Abre numa nova janela)

Google ist seit Jahren Teil des Problems.

Laut einer Untersuchung der NGO Center for Countering Digital Hate werden Nutzer*innen, die in einigen US-Bundesstaaten nach Abtreibungskliniken in der Umgebung suchen, häufig zu Fake-Kliniken geführt, sogenannten „Crisis Pregnancy Centers“, die von radikalen Ab­trei­bungs­geg­ne­r*in­nen betrieben werden. Der NGO zufolge soll Google mit diesen fälschlichen Hinweisen 10 Millionen US-Dollar an Werbeeinnahmen erzielt haben.

https://taz.de/Tricksereien-in-der-Navigationssoftware/!6106480/ (Abre numa nova janela)

Paris said au revoir to cars. Air pollution maps reveal a dramatic change.

Air pollution fell substantially as the city restricted car traffic and made way for parks and bike lanes.

https://www.washingtonpost.com/climate-solutions/2025/04/12/air-pollution-paris-health-cars/ (Abre numa nova janela)

Spannende Studie:

Dominant approaches to mobility transitions appear unable to address persistent problems of unsustainability and injustice. However, where regime actors fail, we expect to see alternative movements developing. This paper investigates the transformative potential of one such alternative – Dutch mobility cooperatives.

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2210422425000784 (Abre numa nova janela)

Bleibt gesund und zuversichtlich!

Eure

Katja

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