Während sich mein Körper und Kopf jedes Jahr am 1. März auf Frühling umstellen, sagt Schweden: Nein. Jetzt noch nicht. Hier dauert es ungefähr einen Monat länger. Aber gestern hab ich mir schon mal den ersten leichten Sonnenbrand im Gesicht geholt.
Warum schreibe ich auf Steady?
Als ich mich letztes Jahr offiziell in Schweden angemeldet habe, gab es auch andere Veränderungen und der Wunsch danach, alles in Deutschland platt zu machen, stieg spätestens nach der ersten Steuererklärung in zwei Ländern…
Also wird auch meine Website dran glauben müssen und mit ihr der Blog. Obwohl ich den eigentlich gerne behalten möchte, mich aber vor einem Domainumzug scheue.
Lange Rede kurzer Sinn: Ich starte hier einen neuen Blog. Auch, weil ich die KI hier ausschließen kann, bei mir zu lernen.
Es wird jeden Monat einen Rückblick geben, weil ich das als sehr wertvolle Reflexion empfinde und natürlich als interessantes Archiv für später mal. Und ab und zu werde ich auch über andere Themen schreiben. Du bekommst alles in dein Postfach, bis du keinen Bock mehr darauf hast ;–)
Silberschmieden - Traum oder Albtraum?
Anfang März hab ich einen Kurs im Silberschmieden angefangen. Irgendwie wurde ich den Gedanken nicht los, dass ich das jetzt unbedingt mal ausprobieren möchte. Meine eigenen Ringe und Ketten, Armbänder und Ohrringe herstellen. Herrliche Vorstellung.

Die Realität ist jedoch etwas schwieriger: Ich sehe nicht mehr so gut, zumindest in der Nähe 😅 Die Weitsicht funktioniert noch bestens. Meine Brillen sind also nur zum Lesen und arbeiten am Computer geeignet. Und beim Sägen oder Löten seh ich nix. Zumindest nicht alles. Was für eine Tragödie.
Aber es macht Spaß, auch, wenn ich gestern meinen Ring für den Kettenanhänger geschmolzen habe. Auch, wenn meine Libelle keine symmetrischen Flügel hat und auch, wenn ich manchmal Muskelkater habe vom Sägen.
Hier ein Bild von meinem Anhänger. Der Körper muss noch auf die Flügel gelötet werden und dann noch ein bisschen aufgehübscht werden.

Ein schwedisches Geschäftskonto und seine Folgen
In Deutschland hatte ich mein Geschäftskonto bei Kontist, weil ich damit auch gleichzeitig die Buchhaltung machen konnte und die Vorsteuer easy ans Finanzamt schicken. Das Konto konnte ich leider nicht behalten und deshalb habe ich in Schweden etwas ähnliches gesucht.
Dabei bin ich auf Bokio gestoßen, was theoretisch dieselben Vorteile bietet und ich kann damit auch Rechnungen erstellen. Allerdings kann ich damit auch nur in schwedischen Kronen buchen und das nervige Umrechnen, was ich gerne loswerden wollte, bleibt mir also erstmal erhalten.
Jedenfalls hat mich die Bank extrem gelöchert, was ich genau anbiete, wie und wo und warum. Und auf alle beantworteten Fragen folgten neue Fragen. Uff. Anstrengend.
Der Vorteil davon war aber, dass ich mich endlich mal etwas genauer mit meinem Business auseinandersetzen musste. Denn gerne bleibe ich etwas vage und denke: Das wird schon irgendwie …
Ich habe auch auf LinkedIn darüber geschrieben (Abre numa nova janela).
Und jetzt bin ich hier offiziell Künstlerin (auch Schriftstellerin), Grafik Designerin (Websites, Landingpages) und psychologische Beraterin (Kreative Auszeiten zb.)
Ich möchte nichts davon weglassen. Auch, wenn das einigen Coaches ein Dorn im Auge sein wird ;-)
Begravning und Jönköping
Mitte März sind wir zu meinen Schwiegereltern gefahren, um dort an einer Beerdigung (Begravning) teilzunehmen. Ich kannte den Mann nicht so gut, von daher war es ok für mich.
Ich wurde ständig gefragt, ob ich schon mal an einer schwedischen Beerdigung teilgenommen habe (ja, hab ich) und ob ich schon mal Smörgåstårta (Sandwhichtorte vielleicht auf Deutsch?) gegessen habe, die als Trauerbrot serviert wurde. Ja, hab ich. Und wie bei so vielem in Schweden ist da viel zu viel Majonaise drauf. Nicht mein Ding.
Eine Smörgåstårta besteht aus einem Toastbrotboden in mehreren Schichten. Dazwischen Majonaise, Gurke, Salat und Tomaten und oben drauf Schrimps. Mit Majonaise und Salat und Gurken. Und diese Tårta hatte zudem noch süße Früchte im Boden. Also das war schon sehr speziell 😅
Nach der Beerdigung haben wir noch eine kleine Sightsseingtour durch Motala und Skänninge gemacht. Sehr gemütliche kleine Orte in der Nähe vom See Vättern.
Meine Schwägerin hat einen kleinen Landwitchaftsbetrieb und hat uns 5 mal Weißkohl (was ist da eigentlich der Plural von?) und einen Rotkohl mitgegeben. Die Aussage, dass ich eine Woche lang alleine zuhause bin und nicht so viel Kohl essen kann, zählte nicht.
Und so fuhr der Kohl mit mir durch halb Schweden und verbreitete seinen einzigartigen Duft im Auto 🤭
Eigentlich waren wir auf dem Weg nach Norrköping. Mein Freund fährt jedes Jahr eine Woche mit seinen Kumpels in den Skiurlaub und ich bringe ihn zu einem Freund, nehme das Auto mit zurück und hole ihn dann eine Woche später wieder ab.
Von Norrköping ging es dann für mich und den Kohl nach Jönköping, woran ich normalerweise nur vorbeifahre. Aber diesmal hatte ich Konzertkarten gekauft für Chrom, eine Synthpop-Band aus Deutschland.
In meinem sehr bescheidenen Hotel angekommen, das von außen aussah, wie ein Zirkuszelt, wurde ich auch schon von Freunden zum Förfest (Vorglühen) eingeladen. Das ist in Schweden sehr beliebt und oft bei Privatpersonen zuhause. Diesmal war es in einem Pub, in dem lautstark Eishockey lief und uns irgendwie keiner bedienen wollte.

Der Kohl wartete im Auto und duftete vor sich hin.
Das Konzert war großartig. Der Klub hatte ein sehr spezielles Flair. Selbst die Seife auf der Toilette war teuer und roch extrem gut.

Am nächsten Tag habe ich einen Freund mit zurückgenommen und einen kleinen Umweg zur Habo Kyrka gemacht. Eine der in Schweden seltenen Holzkirchen. Leider war sie geschlossen und wir konnten nicht rein.

Ich fragte ihn auch, ob er nicht ein bisschen Kohl mit nach Hause nehmen will, aber er verneinte leider. Jetzt lebt der Kohl in unserem Schuppen. Zum Glück ist es noch nicht so warm 😅
Steuererklärung auf die schwedische Art
Dieses Jahr muss ich in zwei Länder eine Steuererklärung abgeben und das stresst mich ziemlich. Ich hab wenig Ahnung davon, mache irgendwas und warte dann immer auf die Korrekturhinweise vom Finanzamt.
Meine Umsatzsteuererklärung in Deutschland ist schon mal durchgegangen 🥳
Jetzt muss ich die schwedische Erklärung abwarten und die dann in Deutschland einreichen. Das Gute ist, dass man die Steuererklärung hier schon fertig zugeschickt bekommt und sie nur noch bearbeiten muss, wenn nötig, und fertig.
So wäre es doch auch cooler in Deutschland. Finde ich zumindest.
Arkösund und Norrköping igen
Ich will immer ans Meer. Vielleicht liegt es daran, dass ich im Gebirge aufgewachsen bin und das Meer weit weg war.
Norrköping liegt irgendwie auch am Meer, aber ich wollte weiter ran. Also bin ich nach Arkösund gefahren, bevor ich meinen Freund wieder abgeholt habe. Vier Stunden Fahrt von Zuhause aus. Quasi ein Mal von der Westküste zur Ostküste.
Ich liebe es ja, wenn noch keine Touristen da sind. Die meisten Geschäfte und Restaurants sind dann zwar geschlossen - und leider auch die meisten öffentlichen Toiletten - aber ich habe meine Ruhe und überall Platz.

Und da waren sie wieder da: meine Frühlingsgefühle. Trotz Wintermantel, Mütze und Handschuhen. Aber ein bisschen Sonne, Möwen und Meer ❤️
Das Projekt „Kreative Auszeiten“
Seit ich selbständig bin und dadurch oft in Schweden rumhing, wollte ich sowas wie Retreats in Schweden anbieten. Und das habe ich auch. Nur ohne Erfolg.
Erst waren sie an der Westküste geplant. Da kostet eine große Unterkunft aber entsprechend viel Geld und dadurch konnte ich keine Dumpingpreise anbieten. Ich habe viele Zuschriften erhalten, dass das ja super wäre, aber leider zu teuer.
Ok. Projekt erstmal abgeblasen.
Jetzt hat es sich ergeben, dass mein Freund Besitzer des Familien-Sommerhaues in Blåvik ist und ich das vermieten darf. Ich will aber keine schnöde Vermietung, sondern immer noch die Auszeiten anbieten.
Also musste ein neuer Plan her.
Zuerst dachte ich an Workations. Dann muss ich nicht so viel vorbereiten. In Zusammenarbeit mit der Kreativmentorin Tanja Bernsau haben sich dann die Kreativen Auszeiten (Abre numa nova janela) entwickelt. Eine Mischung aus Urlaub und kreativer Beschäftigung in Form von Workshops, aber auch in Eigenregie möglich.
Da ich auch zertifizierte psychologische Beraterin bin, dachte ich, es wäre eine gute Idee, das dann auch noch mit einzubinden und Frauen in Umbruchphasen zu begleiten.
Dann kamen gesundheitliche Probleme dazwischen und aus dem geplanten Start Ende Mai wird vermutlich nix. Das Gute ist allerdings, da das Haus uns gehört (na mir ja eigentlich nicht 😉), gibt es keinen Druck, keine Ausfallgebühr und wenn niemand kommt, dann kommt niemand.
Ich peile jetzt also Ende August, Anfang September an und dann ist Winterpause.
Und ich probiere noch eine andere Form der kreativen Auszeiten. Dabei kombiniere ich Schreiben, Spaß und leckeres Essen. Mehr dazu beim nächsten Rückblick.
Was gibt es noch zu erwähnen?
Ich hab dieses Jahr Zuckerfasten gemacht und fast gar nicht gelitten. Vielleicht mach ich damit weiter. Hab auch zweimal zuckerfrei gebacken und Datteln statt Zucker verwendet. Das Ergebnis - ein Beerenschneckenkuchen - war ganz ok, aber die Beeren schmeckten extrem sauer.

Vielleicht hat ja jemand einen Tipp, wie ich die süßen kann? Mit Datteln hat es nur semi funktioniert.
Außerdem war ich noch auf ein paar mehr Konzerten. Und dabei ist mir aufgefallen, dass ich ja doch Freunde in Schweden habe 😍
Und ich habe mir eine neue Routine angewöhnt: Ich setze mir jeden Freitag 3 Ziele für die kommende Woche und notiere mir 3 Maßnahmen, wie ich sie erreichen will. Am nächsten Freitag schaue dann, was ich umgesetzt habe, was nicht und warum nicht.
Sehr oft klappt es nicht… Bin ja auch nur ein Mensch 😉
Der Newsletter ist jetzt ganz schön lang geworden. Also höre ich einfach abrupt auf 🤷🏼♀️
Grüße aus dem kalten Schweden und bis bald,
Simone