Saltar para o conteúdo principal

Digital Detox

von Mika

Seit ziemlich genau einer Woche beschäftige ich mich – mal wieder – mit meinem Medienkonsum. Oder besser gesagt: Seit einer Woche habe ich meine Bildschirmzeit radikal eingeschränkt. Ich habe abends kein Fernsehen und keine Serien geschaut, war nicht auf Instagram (meinen persönlichen Account habe ich deaktiviert), ich habe E-Mails und den Browser von meinem privaten Handy gelöscht, ich nutze mein Diensthandy nur auf Schwarz-Weiß und lasse es in meinem Arbeitszimmer liegen. Das einzige, was ich noch zum Rumdaddeln habe, ist die New York Times App – Denn auf Wordle zu verzichten, wäre einfach nur masochistisch. Der Grund: Ich bin voll mit Content, aber weder erfüllt noch inspiriert. Ich hab das Gefühl, immer busy zu sein, aber zu nichts zu kommen. Ich habe seit Monaten keinen originellen Gedanken gehabt. Und ich will das so nicht.

Ich werde bestimmt noch ausführlicher darüber schreiben, wie sich meine Handysucht bei mir zeigt, welche Folgen sie für mein Leben hat und wie verdammt müde ich bin, über Bildschirmnutzung nachzudenken. Aber für den Anfang habe ich einfach mal eine Liste mit Sachen geschrieben, die ich in dieser Woche (abseits von Arbeit) gemacht habe. Nichts davon lässt sich ausschließlich darauf zurückführen, dass ich mein Telefon seltener in der Hand hatte. Und doch beschleicht mich so ein Gefühl, dass die Erfahrung entweder dadurch gewonnen hat oder überhaupt erst stattfinden konnte.

Die Liste: Woche 1

  • Ich habe endlich das neue Album von Big Thief »Double Infinity« von vorne bis hinten durchgehört, dabei gemalt und zwischendurch den Wolken zugeguckt.

  • Ich hab eine neue Bildserie angefangen und dafür …

  • eine große Leinwand (120 × 150 cm) abgezogen, alle Tackernadeln rausgeprockelt, neu bezogen und bemalt.

  • Ich habe die vielen dreckigen Tassen mit den Kaffeeresten, die mein Studio bevölkern, abgewaschen.

  • Ich habe eine Freundin zum Abendessen getroffen und dabei nicht mein Handy gecheckt.

  • Ich habe mich gefragt, was ich eigentlich versuche, mit meinem Handykonsum zu verdrängen.

  • Ich war im Museum.

  • Ich habe plötzlich angefangen zu weinen, weil mein Vater aufgehört hat, sich bei mir zu melden, und dieser brutale Rückzug aus meinem Leben in mir auf eine kindliche Angst trifft, dass ich, so wie ich bin, nicht ausreiche, dass ich nie gereicht habe und dass ich, egal wie sehr ich mich anstrenge, niemals reichen werde.

  • Ich habe einem Baum zugewunken.

  • Ich habe Morgenseiten geschrieben.

  • Ich habe mir abends eine Pizza bestellt und ein halbes Buch gelesen (»The Midnight Library« von Matt Haig).

  • Ich habe einen großen Stapel mit Büchern gemacht, die ich ins Sozialkaufhaus bringen will und alle anderen nach Farbe sortiert.

  • Ich habe ein technisches Problem von MS Teams gelöst, das mich seit über einem halben Jahr nervt.

  • Ich habe meinen Fernseher weggestellt und mein Wohnzimmer umgeräumt (Umräumen ist immer gut, wenn man was verändern möchte).

  • Ich saß einfach rum, während meine Begleitung im Café aufs Klo gegangen ist, und habe nicht auf mein Handy geguckt, sondern saß einfach nur so da und hab in die Luft geguckt, obwohl mir plötzlich ganz viele Dinge eingefallen sind, die ich unbedingt hätte nachgucken müssen – was aber nicht ging, weil ich keinen Browser mehr habe – und als meine Begleitung zurückkam, habe ich mit Überraschung festgestellt, dass ich noch lebe.

Und ich habe ganz viele Fragen gestellt – mir und anderen. Wie es kommt, dass das Leben ohne Screen plötzlich langsamer wirkt, zum Beispiel. Oder ob ich überhaupt jemanden kenne, der mit seiner Handynutzung zufrieden ist. Oder wie wir eigentlich kollektiv in diese Sache reingeraten sind, dass wir millionenfach unsere Zeit und unsere Kreativität in Netzwerken verschleudern, die Faschisten gehören. Und ob das jetzt wieder nur so eine Phase bei mir ist. Und was es für mein berufliches Leben bedeuten würde, kein Social Media mehr zu nutzen. Und ob ich jetzt stattdessen mit Substack anfange oder ob das nur wieder derselbe Mist ist. Und ob die Erzählung, dass wir das alles brauchen, um ein gutes Leben zu führen, genau dieselben Lügen sind, die uns über Alkohol erzählt werden. Und ob ich darauf jemals befriedigende Antworten finden werde. Falls ja, sag ich euch auf jeden Fall Bescheid.

Tópico Bi-Weekly

2 comentários

Gostaria de ver os comentários?
Torne-se membro de SodaKlub para participar no debate.
Torne-se membro