Eine Studie aus Basel stellt in Frage, dass sich manche von uns aktuell erschöpfter als sonst im Jahr fühlen. Doch die Untersuchung hat methodische Schwächen.

Kennst du das auch an manchen Tagen im Frühling? Obwohl die Sonne lacht und die Vögel emsig durch den Garten hüpfen, fühlt man sich vormittags schon schlapp und sehnt bereits am Nachmittag Sofa oder Bett herbei. Körperliche Aktivitäten wie Radfahren oder etwas Gartenarbeit erschöpfen einige dann mehr als sonst, besonders an Tagen, an denen die Temperaturen auf einmal besonders hoch klettern.
Bisher hatte ich das kurzzeitige Phänomen unter der Überschrift „Frühjahrsmüdigkeit“ einsortiert. Nun lese ich in verschiedenen Medien: „Frühjahrsmüdigkeit ist ein Mythos“ (Pharmazeutische Zeitung (Abre numa nova janela)), „Frühjahrsmüdigkeit – bilden wir uns das nur ein?“ (MDR (Abre numa nova janela)) Und „Frühjahrsmüdigkeit nicht wissenschaftlich belegt“ (Tagesschau (Abre numa nova janela)).
Nanu?
Anlass für diese Meldungen ist zum einen: der Frühling. Zeitungen und Onlinemedien bedienen die Lesenden ja mit Themen, von denen sie annehmen, dass sie jetzt gerade besonders interessieren würden. Die Grundlage der Nachricht ist zum anderen eine Studie von Forschenden der Universität Basel. Die Chronobiologin Christine Blume und der Neurologe Albrecht Vorster haben sie (ebenfalls passend zur Jahreszeit) im März im Fachmagazin (Abre numa nova janela) Journal of Sleep Research veröffentlicht.
Das Fazit dieser Studie: Eine Online-Befragung von rund 400 Erwachsenen liefert keine Hinweise dafür, dass es so etwas wie eine Frühjahrsmüdigkeit überhaupt gibt. Vielmehr sei das Ganze ein eher kulturell geprägtes Phänomen als ein saisonales Syndrom, heißt es in einer Pressemitteilung (Abre numa nova janela) der Universität Basel: „Weil es einen etablierten Begriff dafür gibt, achten viele Menschen im Frühling stärker darauf, wie müde sie sich fühlen, und deuten Erschöpfungssymptome entsprechend. So bestätigt sich das Phänomen immer wieder selbst.“
Was haben die Forschenden aus Basel gemacht und hält das Design der Studie und die Ergebnisse tatsächlich einer kritischen Prüfung stand?