FILM-KRITIK (Abre numa nova janela)
Manchmal entwickelt sich das Leben in eine Richtung, die mensch nicht geplant hatte – und zwar zum Schlechten. Wer beispielsweise ein Verbrechen beobachtet, wird zum Risiko für den oder die Täter*in – und gerät dadurch selbst in Gefahr. Gut, wenn es dann jemanden gibt, der oder die das Problem lösen kann, denn Zeugenschutz ist nicht immer eine Option.

So ein Jemand ist der lange namenlose Ash (Riz Ahmed), der im Film The Negotiator von David Mackenzie (Regie und Drehbuch) sowie Justin Piasecki (Drehbuch) einen solchen Intermediär verkörpert. Für Mr. Hofmann (Matthew Maher) organisiert er die Übergabe brisanter Dokumente an seine alte Firma und seine neue Klientin Sarah Grant (Lily James) soll er einen ähnlichen Job erledigen.

Ihre alte Firma aus der Biotech-Branche hält Studienergebnisse unter Verschluss, die die Gefahren und Nebeneffekte eines neues Saatgut-Produkts (Abre numa nova janela) belegen sollen. Sarah hat es geschafft, eine Kopie des Reports vor ihrer Entlassung aus dem Büro zu schmuggeln, möchte nun, da sie von den Schergen des alten Arbeitgebers stetig verfolgt und terrorisiert wird, diese zurückgeben – und ihr altes Leben zurück. Ash soll das für sie organisieren.
Das scheint zu klappen, denn obwohl die beiden sich nicht begegnen – Ash nutzt die nationale Infrastruktur von Post bis zur Hotline für Menschen mit Hör- und Sprachbeeinträchtigung für seine Zwecke – läuft der Job gut. Bis allerdings zwei Komplikationen auftreten, eine davon: Ash und Sarah scheinen trotz der Distanz gewisse Sympathien füreinander zu entwickeln.
The Negotiator (im Original passender RELAY betitelt) ist ein äußerst spannender Thriller, der das Licht auf die Menschen wirft, die viele Geschäfte möglich machen, aber im Verborgenen bleiben. Wir können von Katar halten, was wir wollen, aber es ist mittlerweile bekannt, dass sie viele Deals im Hintergrund verhandeln. Auch Ash tritt hier vollkommen überzeugend und abgeklärt auf, findet für jedes noch so vertrackte Problem eine Lösung und schafft es, seine Klientin weitgehend zu schützen und gleichzeitig die aggressiven Kontrahenten um Steven Dawes (Sam Worthington) in Schach zu halten.

Schauspielerisch ist an diesem Thriller nichts auszusetzen, ganz im Gegenteil. Wirklich jeder und jede schlüpft nahezu perfekt in die ihm oder ihr zugewiesene Rolle. Und auch Drehbuch, Montage und Musikauswahl (Tony Doogan) sind exzellent. Wo andere vielleicht den einen oder anderen Haken zu viel schlagen, bleibt das bei The Negotiator aus – selbst wenn das Drama durchaus an ein oder zwei Stellen etwas früher enden könnte, aber dann eben mit einem ganz anderen Ausgang. David Mackenzie und sein Team schaffen es, die Zugaben stringent zu halten und halten die Spannung bis zum Ende hoch. Selbst der – reale – Verfolgungswahn, der die Klient*innen von Ash nachvollziehbarerweise zu beschäftigen scheint, bleibt bis in die letzte Sequenz erhalten.
https://www.youtube.com/watch?v=uSyDybsVKII (Abre numa nova janela)Ein guter Vermittler zeichnet sich am Ende aber dadurch aus, dass er oder sie sich mit keiner Seite verbündet. Ash droht an dieser so unscheinbaren Klientin zu zerbrechen, denn gerade wo er seine Parteilosigkeit aufgibt, gerät er selbst in Gefahr. Das ist die wohl wichtige Lektion, die wir aus diesen mit Hochspannung aufgeladenen knapp zwei Stunden mitnehmen.
HMS
PS: Die deutsche Synchronisation ist sehr gut.
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The Negotiator ist seit dem 25. September 2025 im Kino zu sehen; Laufzeit ca.: 112 Minuten; FSK: 12