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Eine Woche voller Ereignisse

Logo »TITANIC-Wochenrückblick. Der endgültige Newsletter«

Liebe Leser*innen,

es war eine Woche voller Ereignisse. Zum Beispiel haben sich Israel und die USA entschieden, den Iran anzugreifen. Diese Handlung wird von Expert*innen unterschiedlich bewertet, aber in einem Punkt herrscht Konsens: Die Anleger*innen leiden am meisten darunter. Deshalb gilt das gesamte Mitgefühl der TITANIC-Wochenrückblick-Redaktion Ayatollah Ali Chamenei. Nicht nur hatte er das Pech, vor einigen Tagen zu sterben. Kurz darauf verlor er auch noch Millionen, die er in die iranische Fluggesellschaft Tehairan investiert hatte, welche nun alle Flüge streichen musste. Ein Nachruf auf einen polarisierenden Prominenten:

Ali Chamenei war ein streitbarer Mann. Für seine Israelkritik wurde er gefeiert, doch seine Haltung zur Atomkraft sahen viele kritisch. Er hatte einen langen weißen Bart, wie zahlreiche Fotos belegen. Seine Hobbys waren Lesen und Fernsehen. »Serien sind die neuen Romane«, das soll er mal gesagt haben. Chamenei war praktizierender Buddhist, hielt das aber aus Angst vor der Sittenpolizei bis zuletzt geheim. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Ajatollah, wie schon sein Vater und dessen Vater und dessen Sohn. Politisch galt er als wertkonservativ, erteilte dem woken Zeitgeist bereits eine klare Absage, als es dafür noch keine Zeit-Kolumne gab. Bei der Revolution von 1979 blieb Chamenei zu Hause und rief das Ordnungsamt wegen Ruhestörung. Privat soll er richtig nett gewesen sein, aber auch unausstehlich und grausam. Nun ist er am Wochenende friedlich im Kreise seiner Familie bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen.

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Trauer hat viele Gesichter: Einige Deutsche beweinen den Verlust ihres wichtigen Handelspartners im Stillen, anderen tut es gut, mit ihrem Schmerz an die Öffentlichkeit zu gehen:

Fotomontage: Manuel Hagel hält eine Rede, daneben ein Schwarz-Weiß-Foto von Ayatollah Chamenei, dazu der Text: "Erneuter Patzer von Manuel Hagel: 'Vermisse seine rehbraunen Augen!'"

Auch die deutsche Regierung trauert: Gerade erst hat man sich auf eine Reform des Heizungsgesetzes geeinigt, da blockiert Teheran direkt die Straße von Hormus, und der Heizölpreis steigt. Jetzt gibt es nur eine Hoffnung:

Fotomontage: Luftaufnahme der Demonstrierenden in Iran, daneben ein Stockfoto eines verzweifelten Autofahrers, dazu der Text: "Deutschland in Sorge: Wann geht das iranische Volk für einen stabilen Ölpreis auf die Straße?"
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Das politische Berlin rätselt, ob das Mullah-Regime samt und sonders Mitglied bei den Grünen ist, und hofft, dass die Iraner*innen diese Ökodiktatur nicht weiter hinnehmen. Deutschland ist durch das neue Heizungsgesetz der Nachhaltigkeitstyrannei gerade noch mal so entkommen. Ihre Zustimmung hat die SPD nur unter knallharten Konditionen gegeben:

  • Mieterhöhungen sind zukünftig nur noch im gesetzlich vorgegebenen Rahmen legal

  • Das Büro für Technikfolgenabschätzung des Bundestags wird vorsorglich geschlossen

  • Es bleibt beim Nein zu ölbeheizten Toilettensitzen im Freien – hier gibt es keine Kompromisse

  • Robert Habeck wird die alleinige Schuld am Scheitern des Heizungsgesetzes zugewiesen

  • Sozialer Kälte wird klimaneutral mit geschmackvollen Nacktbildern von Lars Klingbeil entgegengewirkt

  • Für jede neu verbaute Gas- oder Ölheizung darf sich die Parteiführung freiwillig zu einer Stunde Bauchschmerzen verpflichten (nicht verpflichtend)

  • Das war wirklich das allerallerletzte Zugeständnis an die Union – ab jetzt steht die SPD für konsequenten Klimaschutz

Es gibt natürlich auch noch andere Möglichkeiten als Ölheizungen, um sich ordentlich aufzuwärmen, wenn Sie verstehen (Sex):

Von Leo Riegel gezeichneter Cartoon: Ein nacktes Paar im Bett, er schaut ihr tief in die Augen und sagt: "Du bist schöner als Tübingen." Darunter steht: "Das mit den Komplimenten würde er schon noch lernen."

Warum »superreich« ebenfalls kein gutes Kompliment ist, erklärt Ihnen Sprachphilosoph Torsten Gaitzsch:

Torsten Gaitzsch trinkt eine Tasse Kaffee und schaut in die Kamera

Heute: Über Reiche

Immer häufiger werden unerhört wohlhabende Menschen statt als »Superreiche« als »Überreiche« bezeichnet. Mag sein, dass Vorantreiberinnen dieses Sprachwandels wie die Ungleichheitsforscherin Martyna Linartas oder die Kult-Erbin Marlene Engelhorn ihre Motivation für die Verwendung des Wortes schon in Interviews erklärt haben, ich reime sie mir aber lieber selber laienpsychologisch zusammen. Die Vorsilbe super- ist im Gegensatz zum als »neutraler« wahrgenommenen über- fast immer positiv konnotiert. Supergut, superschlau, supermodern – solche Zustände sind erfreulich und erstrebenswert. Superreich = reich ist super. Dabei kann super- auch schlicht auf »das Überschreiten einer Norm«, auf einen »besonders hohen Steigerungsgrad« verweisen oder markiert gar »kritisch-ironisch oder ablehnend« etwas »Übertriebenes«, »über das akzeptierte Maß« Hinausgehendes, wie das Duden-Bedeutungswörterbuch anerkennt. Die letztere Lesart dürfte seit je mitgeschwungen haben, wenn von »Superreichen« die Rede war (außer es ging um Superreiche wie das Alte Persien).

Bei »Überreichtum« hingegen sollen wir denken: Hier hat jemand zu viel Vermögen, hier wird über-trieben, das geht über alles Vertretbare hinaus. Gänzlich neutral, wie ich oben schrieb, bleibt über- damit nicht, dem Präfix haftet etwas Negatives an. Die Empfehlung, nicht länger von Über-, sondern von »Mehrgewichtigen« zu sprechen, mag damit zu tun haben. An dieser Stelle könnte man freilich noch über Nietzsches Übermenschen (Superman!) oder den Zuckerrübensirup »Über-Rübe« nachdenken.

Sollte man Multihundertmillionäre alternativ »Mehrreiche« nennen? Nein, denn dann müssten wir ständig unschöne Holper-Schlagzeilen wie »Immer mehr Mehrreiche« lesen. Außerdem klingt »Mehrreiche« wie »Meereiche«, und das ist laut Duden eine »(in Prielen oder zwischen Klippen wachsende) Braunalge, deren vielfach gefiederter Pflanzenkörper schotenförmige, mit einem Gas gefüllte Schwimmblasen aufweist«. Ich schlage den Ausdruck »Unreiche« vor, wobei un- hier keine Negation kennzeichnet, sondern augmentativ wirkt, also wie in »Unmengen«, »Unkosten« etc. zu einer »Steigerung des eigentlichen Wortinhalts« (Wikipedia) führt.

Aus am Existenzminimum lebenden Menschen »Unterreiche«, »Überarme« oder gar »Unarme« zu machen, hielte ich hingegen für zynisch. Gut vorstellbar also, dass die Merz-Regierung demnächst von selbst darauf kommt.

Verabschiedet sich und wünscht ein gut informiertes Wochenende:

Ihre TITANIC-Redaktion

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