
Liebe Leser*innen,
die TITANIC-Wochenrückblick-Redaktion hofft, dass Sie bei dieser Hitze genug trinken. Wenn Sie jetzt (Stand 11 Uhr) noch nicht mindestens vier Liter »intus« (Fachbegriff) haben, begeben Sie sich bitte direkt in die nächstgelegene Notaufnahme. Und während Sie da zwischen all den anderen Dehydrierten sitzen, können Sie mal darüber sinnieren, warum Sie nicht häufiger auf den Präsidenten der USA hören:

(Abre numa nova janela)Damit Ihnen so was nicht noch mal passiert, hier ein Tipp: Sie müssen nicht unbedingt Wasser konsumieren, sondern können Ihren Trinkbedarf auch durch andere Flüssigkeiten decken, wie unser Bundeskanzler:

Im äußersten Notfall können Sie Ihre trockene Kehle auch mit etwas Alkohol befeuchten, das erweitert nicht nur die Blutgefäße, sondern auch den Horizont. So sagten Millionen deutscher Onkel vor dem ersten WM-Spiel der BRD: »Zur Feier des Tages trinke ich mal den Likör zum Land«, bevor ihre Überlegenheitsgefühle ihnen die Sprache verschlugen:

7:1! So schön feiert Deutschland den Sieg über einen Inselstaat mit der Einwohnerzahl von Paderborn:
Nach dem Kantersieg kam es zu Hupkonzerten in deutschen Innenstädten. Curaçao sah wirklich alt aus gegen den vierfachen Weltmeister.
Funfact: Im Gegensatz zu Deutschland hat Curaçao auch kein einziges Mal Gold bei den olympischen Winterspielen geholt. Deutschland hat auch ein viel höheres BIP und exportiert mehr Autos.
Paderborn ist übrigens viel besser als sein Ruf und hat einen sehr hübschen Dom. Gibt es so etwas auf Curaçao? (ernst gemeinte Frage)
Auch peinlich: Der Trainer von Curaçao heißt Dick Advocaat. Haben Sie das mal bei Google Translate eingegeben? Lassen Sie es lieber!
Die alles entscheidende Frage lautet nun: Ist Deutschland, nachdem es den Fußball-Zwerg Curaçao überrollt hat, der neue Topfavorit auf den WM-Titel?
Ja.
Nicht nur beim Fußball ist es wichtig, genug zu trinken, auch in anderen Bereichen sollte man auf das Hydrationslevel achten, will man nicht alles falsch machen wie der letzte Idiot:

(Abre numa nova janela)Ihre Wartezeit in der Notaufnahme neigt sich hoffentlich gemeinsam mit diesem Newsletter dem Ende zu. Damit Sie nie wieder vergessen, genug zu trinken, halten Sie sich doch in Zukunft an unseren Kolumnisten und rufen Sie fröhlich und häufig: »Zweite Tasse, bitte!«

Heute: Von Timmy zu Tiny Tim
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch träumte mir, dass das absonderliche Sechzigerjahre-One-Hit-Wonder Tiny Tim ein Comeback erlebt. Nach dem Aufwachen recherchierte ich, ob das in der Realität möglich wäre: Nein, denn Herbert Butros Khaury, wie Tiny Tim mit bürgerlichem Namen hieß, ist bereits 1996 gestorben, und zwar auf der Bühne, nachdem er seinen Falsett-Gimmick-Song »Tiptoe Through the Tulips« geträllert hatte.
Aus irgendeinem Grund schaute ich mir im Traum sämtliche Auftritte an, die Tiny Tim in den großen deutschen Samstagabend-Variety-Shows hinlegte. (Gibt es solche Sendungen überhaupt noch?) Bei jedem dieser Auftritte sang er – richtig geraten! – »Tiptoe Through the Tulips«, wobei mir auffiel, dass keine Performance der anderen glich! Jedes Mal variierte der Künstler exakt eine Note, sang an dieser oder jener Stelle kaum registrierbar einen halben Ton höher oder tiefer. (Mein Traum-Ego besitzt offenbar das absolute Gehör.) Ich glaubte, einer sensationellen Verschwörung auf die Schliche gekommen zu sein: Würde man die jeweils modifizierten Noten korrekt aneinanderreihen, ergäbe sich eine aufrüttelnde Botschaft oder eine die Menschheit für immer verändernde Melodie oder etwas ähnlich Mystisches, wie man es seit Jahrhunderten in den Sonaten J. S. Bachs zu finden hofft.
Nachdem ich aufwachte, ohne den »Tulip Code«, wie ich ihn medienwirksam hätte taufen können, geknackt zu haben, erinnerte ich mich eines anderen, in der echten Welt verhafteten musikalischen Rätsels, das mich letztes Jahr kurzzeitig beschäftigte. Im Buch eines britischen Autors hatte ich gelesen, dass Berlioz’ »Symphonie fantastique« in der Orchesterszene – analog zu »The Scottish Play« (Macbeth) – »The French Piece« genannt werde, weil die Aufführung ähnlich unheilvolle Umstände umgeben sollen. Im Internet fand ich aber rein gar nichts zu diesem angeblichen Aberglauben. Ich bat auf Bluesky um Hilfe, erhielt aber lediglich eine Antwort: »Ich bin studierte Orchestermusikerin und habe nie davon gehört, ich glaube in der DACH-Region ist das kein Ding. Aus dem europäischen Ausland habe ich auch noch nie was in der Richtung gehört […] ich habe zwar regelmäßig mit Leuten aus dem UK zu tun, aber ich bin musikalisch mittlerweile auf einer anderen Schiene unterwegs, würde das also nicht zwangsläufig mitkriegen. Aber ich glaube es nicht.« Liebe Newsletter-Lesende: Wissen Sie mehr?
Verabschiedet sich und wünscht ein gut informiertes Wochenende:
Ihre TITANIC-Redaktion
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