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Der Fluch der Buschzulage

Unter Wessis sprach sich 1990 schnell herum, dass im Osten jeder Depp Beamter werden konnte – außer Einheimische. Die Kosten für Integration und Teilhabe dieser schwer vermittelbaren Flachkräfte tauchen jedoch nie in den Bilanzen zur Deutschen Einheit auf.

Die sogenannten neuen Länder ächzen unter alten Beamten. In den nächsten Jahren, so erschrak das Erfurter Finanzministerium kürzlich, würden sich die Thüringer Ausgaben für Pensionen verdreifachen. In Brandenburg oder Sachsen-Anhalt sieht es kaum besser aus. Künftig soll deshalb bei, nun ja, aktiven Staatsdienern gespart werden. Und zwangsläufig musste ich an ein altes Schmähgedicht aus der wilden Zeit der Buschzulagen denken:

„Gehst du in den Osten, kriegst du einen Posten. Gehst du wieder heim, wird niemand traurig sein.“ (Abre numa nova janela)

Leider hinkt die Pointe etwas: Denn sie gehen eben nicht oder nehmen ihre Pension einfach mit. Jedenfalls sind es selten indigene Thüringer oder Sachsen, die nach mehr als 30 Jahren höherem Dienst auch besonders hohe Ruhegelder erwarten. Die meisten kamen nach 1990 als Entwicklungshelfer in die Kolonien.

Professoren, Richter, Verwaltungsgelichter. Es ist inzwischen kein Geheimnis mehr, dass man damals nicht nur die Jahrgangsbesten delegierte. Die Not war groß. Der Westen schickte, wen immer er gerade so entbehren konnte. Laufbahnleichen im Beamtenstau, Planstellen-Phantome, Berufsanfänger. Wer das Wort Rechtsstaat halbwegs fehlerfrei aussprechen konnte, machte im Osten schnell Karriere. Aus Platzmangel sei hier nur an diesen „Thüringer“ Verfassungsschutzpräsidenten erinnert, der gern mit Pickelhaube auftrat und über die Flure seines Amtes radelte, während sich draußen mit dem Geld seiner V-Leute der NSU-Terror formierte.

Nun kann man offenbar selbst solchen Fachkräften nicht einfach die Pension streichen. Vielleicht aber darf man Transferleistungen dieser Art gelegentlich abziehen, wenn wieder mal Einheitsbilanz gezogen wird. Die Aufwendungen ostdeutscher Länder für solche Versorgungsfälle dienten immerhin auch der Schadenbegrenzung im Westen. Der sogenannte „Aufbau Ost“ war nicht zuletzt ein innerdeutsches Inklusionsprojekt: Wo sonst sollten diese Leute einen halbwegs geschützten Arbeitsplatz finden?

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