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Steht auf gegen die Politik der Angst

Meine Rede bei der NO KINGS / NO TYRANTS Kundgebung in Wien.

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Am Samstag fanden in über 2.600 Städten Demonstrationen gegen das Trump-Regime statt - und auch in hunderten Städten außerhalb der USA. Über sieben Millionen Menschen nahmen teil. Auch in Wien wurde von den “Democrats Abroad” demonstriert. Es ist mir eine große Ehre gewesen, zu einer Rede eingeladen zu sein. Hier die Rede auf deutsch, die englische Version findet Ihr unten:

Es ist mir eine große Ehre und Freude, hier vor Ihnen bei dieser No Tyrannts Kundgebung sprechen zu dürfen. Ich bin kein Amerikaner. Ich bin ein Österreicher, der sich gegen den Aufstieg der extremen Rechten hierzulande stemmt, damit wir Demokratie und Freiheit erhalten. Und der das seit vielen Jahren jetzt leider schon gezwungen ist zu tun, denn Sie wissen, der Aufstieg einer Politik der Spaltung, des Ressentiments hat in diesem Land nicht erst gestern begonnen. Der Kampf, den wir in Österreich führen, ist auch der Kampf, den Sie jetzt in den Vereinigten Staaten führen: Ein Kampf gegen eine autoritäre Politik, gegen eine Politik, die die Freiheit zerstört, eine Politik die das Gift des Hasses, des Ressentiments und des Gegeneinanders in die Herzen und Hirne der Menschen tröpfelt.

Ihr Kampf ist mein Kampf. Wir sind verschieden. Aber wir setzten uns für eine gemeinsame Sache ein, die größer ist als unsere Unterschiede. Was uns verbindet ist mehr als das was uns trennt.

Ich fühle mich hier sehr wohl und aufgenommen. Ich hatte ja unlängst das zweifelhafte Vergnügen, mit dem Chairman der Republicans Abroad Germany zu diskutieren. Oder, wenn man sich an der Sprache von Steven Miller orientieren möchte, mit dem Repräsentanten einer „ausländischen extremistischen Organisation“. Unter ihnen fühle ich mich besser.

Die neuen Autoritären, oder, wie manche auch schon sagen: die neuen Faschisten, sie kommen an die Macht, indem sie Missgunst, das Ressentiment, die Spaltung in der Gesellschaft schüren, und indem sie die Angst anstacheln. Es ist eine Politik der Angst: Ihre Anhänger werden in permanente Angst versetzt, und durch die tägliche, minütliche Propaganda geradezu in eine Paranoia getrieben. Sie zeichnen eine Fake-Reality von Failed States, endemischer Gewalt, brennender Innenstädte. Migranten werden als Invasoren dargesellt, die wie Barbaren unsere Nationen überrennen. Damit wollen sie ihre Anhänger in einen Zustand fabrizierter Panik versetzen.

Es ist eine regelrechte Gehirnwäsche, der sie sie aussetzen.

Zugleich schüren sie aber auch die Lust an der Grausamkeit. Ja, nennen wir die Sache beim Namen: Es ist eine Erziehung zur Grausamkeit.

Es beginnt mit der Sprache der Grausamkeit, dass allerlei grausame Dinge ausgemalt werden, die man den inneren Feinden antun kann. Und es geht weiter mit den grausamen Taten, die nicht einfach vollbracht werden, sondern öffentlich vollzogen werden: Sie stellen die Grausamkeit aus, sie wollen normale, anständige Leute dazu bringen, sich an die Grausamkeit zu gewöhnen und sogar eine Freude an der Grausamkeit zu entwickeln.

Es ist eine Umerziehung, an deren Ende die Anhängerschaft zu Bestien umerzogen ist.

Mit der Politik der Angst verwandeln sie ihre Anhängerschaft. Und mit einer anderen Spielart der Politik der Angst wollen sie die Gegenwehr lähmen und die Opposition einschüchtern. Sie wollen Angst verbreiten, damit die Kritiker die Klappe halten.

Sie nützen schreckliche Verbrechen um die Errichtung einer autoritären Herrschaft voran zu bringen. Sie missbrauchen Verbrechen, um die Freiheit zu zerstören.

Es ist das Playbook der Autoritären, das Handbuch zur Errichtung einer Tyrannei.

No Tyrannts ist Ihre Antwort! Es ist die ganz richtige Antwort!

Lassen Sie uns aber auch präzise sein und nicht in falschen Alarmismus verfallen. Ja, Ihr Land ist ein einem gefährlichen Punkt in seiner Geschichte. Aber es ist noch lange keine vollständige Tyrannei.

Oder besser: Das Tyrannische kennt in der Geschichte verschiedene Formen: den vollständige faschistische Terrorherrschaft, etwa von Mussolini und anderen. Ja, wir hören in den Reden von Donald Trump und anderen das Echo Mussolinis, aber ihr Land ist dennoch noch keine faschistische Terrorherrschaft. Andere Ausprägungen sind: der Caesarismus, Autoritarismus gepaart mit Populismus, oder die innere Aushöhlung der liberalen Demokratien durch halb-Diktaturen, wie etwa Victor Orbans Herrschaft in Ungarn oder der Autoritarismus von Recep Tayep Erdogan.

Man verteidigt die Demokratie am besten, solange sie noch existiert. Man verteidigt die Freiheit am besten, solange sie noch nicht völlig niedergewalzt ist.

Ja, die Bürger sind durch die Politik der Angst verführbar, sie können manipuliert werden. Aber die Bürger lieben auch die Freiheit, sie wollen nicht autoritär beherrscht werden und sie sehnen sich auch nach einer Botschaft der Hoffnung.

Antwortet auf die Politik der Angst mit einer Botschaft der Hoffnung.

Lasst Euch nicht einschüchtern. Steht auf, haltet dagegen, verteidigt jeden Milimeter der Freiheit.

Und konzentriert Euch nicht auf das, was Euch trennt, sondern auf das, was Euch verbindet. Wenn wir einig sind, sind wir unbesiegbar. Hier in Wien sind wir heute eine kleine Gruppe, aber wir sind Teil von etwas sehr viel größeren, von Protesten überall in der Welt und in allen großen Städten und kleinen Städten in den USA. Es stehen heute auf: Arbeiter und Zugfahrer, LKW-Lenker und Universitätsprofessoren, Männer und Frauen und alle anderen auch, IT-Techniker, Ingenieure und Farmer, Menschen aus der arbeitenden Klasse und der Service-Klasse, Teenager und Rentner, Hipsters und Hillibillies, People of Colour, Weiße... Sie alle und wir hier auch wir sind alle ein Tropfen in diesem Ozean der Demokraten und derer, die zusammenhalten, für eine Zukunft die ein Versprechen ist, dafür, dass die Hoffnung am Ende siegt.

Baut an dieser breiten Allianz, an dieser großen Einigkeit der Unterschiedlichen. Ihr, gerade die amerikanische politische Kultur, ihr habt die Sprache dafür: We, the People.

We the People, wir stehen heute hier um der Angst die Hoffnung entgegenzustellen und dem Hass die Liebe.

Denn eines ist auch eine Lehre der Geschichte: Gelegentlich stürzen Nationen in Tyrannei ab – aber am Ende gewinnt die Freiheit.

Wie es in dem berühmten Lied des Dichters Bertolt Brecht hieß, der, von den Nazis vertrieben, 1944 im US-Exil schrieb:

Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.

English Version:

It is a great honor and pleasure for me to speak here in front of you at this No Tyrants rally. I am not an American. I am an Austrian who is fighting against the rise of the far right in this country – in my country – so that we can safeguard democracy and freedom.

And unfortunately, I have been forced to do so for many years now, because, as you know, the rise of divisive politics and resentment did not begin yesterday in this country. The battle we are fighting in Austria is also the battle you are now fighting in the United States: a fight against authoritarian politics, against politics that are destroying freedom, politics that are dripping the poison of hatred, resentment, and division into people's hearts and minds.

Your fight is my fight. We are different. But we are committed to a common cause that is greater than our differences and wie share a Common citizenship in the Nation of Democracy.

What unites us is more than what divides us.

I feel very comfortable and welcome here. I recently had the dubious pleasure of discussing in a TV Talkshow with the chairman of Republicans Abroad Germany. Or, if you want to use Steven Miller's language, with the Speaker of a “foreign extremist organization.”

Frankly, Folks! I feel much more at home among you!

The new authoritarians, or, as some are already saying, the new fascists, are coming to power by fueling resentment, division in society, and by inciting fear. It is a politics of fear: their supporters are kept in a state of constant fear and driven to paranoia by daily, minute-by-minute propaganda.

They paint a fake reality of failed states, endemic violence, and burning city centers. Migrants are portrayed as invaders who are overrunning our nations like barbarians.

In this way, they want to put their supporters into a state of manufactured panic.

It is outright brainwashing to which they are subjected.

At the same time, however, they also stir up a desire for cruelty.

Yes, let's call it what it is: it is an education in cruelty.

It begins with the language of cruelty, fantazizing all kinds of cruel things that can be done to „inner enemies“.

And it continues with cruel acts that are not simply carried out, but are carried out publicly: they display cruelty, they want to get normal, decent people to get used to cruelty and even to develop a pleasure in cruelty. It has Not only to happen, it has to happen publicly.

It is a re-education process that ultimately wants to transform their followers into beasts.

They transform their followers with the politics of fear. And with another variation of the politics of fear, they want to paralyze resistance and intimidate the opposition.

They want to spread fear so that critics and dissidents keep their mouths shut.

They use terrible crimes to advance the establishment of authoritarian rule. They misuse crimes to destroy freedom.

Its the playbook of the authoritarians, the manual for establishing a tyranny.

No Tyrants is your answer! Its the right answer!

But let us also be precise and not fall into false alarmism. Yes, your country is at a dangerous point in its history. But it is still far away from complete tyranny.

Or rather: tyranny has taken various forms throughout history: complete fascist terror, as under Mussolini and others. Yes, we hear echoes of Mussolini in the speeches of Donald Trump and others, but your country is still not a totalitarian fascist terror regime.

Other varieties include Caesarism, authoritarianism combined with populism, or the internal erosion of liberal democracies by semi-dictatorships, such as Victor Orban's rule in Hungary or the authoritarianism of Mr. Erdogan in Turkey.

The best way to defend democracy is while it still exists. The best way to defend freedom is while it has not yet been completely crushed.

Yes, citizens can be seduced by the politics of fear; they can be manipulated. But citizens also love freedom, they do not want to be ruled by authoritarianism, and they also long for a message of hope.

Respond to the politics of fear with a message of hope.

Don't be intimidated. Stand up, resist, defend every inch of freedom.

And don't focus on what divides you, but on what unites you. We all know: When we are united, we are invincible.

Here in Vienna today, we are a small group, but we are part of something much bigger, of protests all over the world and in all the big cities and small towns in the US. Standing up today are workers and train drivers, truck drivers and university professors, men and women and everyone else, IT technicians, engineers and farmers, people from the working class and the service class, teenagers and pensioners, hipsters and hillbillies, people of color, white people...

Can we End this Nightmare? To quote a famous good guy all of you know very well: Yes we can.

This big diverse multitude, and us here too, we are all a drop in this ocean of Democrats and those who stand together for a future that is a promise, for hope to prevail in the end.

Build on this broad alliance, on this great unity of diverse people. You, especially the American political culture, have the language for it.

As it is writen, remember the famous words of your consitution: We, the People.

We the People, we stand here today to counter fear with hope and to counter hatred with love.

We never must forget the lesson of history: occasionally, nations fall into tyranny – but in the end, freedom prevails.

As the famous song says by the poet Bertolt Brecht, who was driven out by the Nazis and wrote in exile in the US in 1944:

Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.

The night has twelve hours, and then comes the day.

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