🎧💛 Exklusiver Ausschnitt aus dem letzten Impulsvortrag zum Thema ADHS & Haushalt/Care-Arbeit als Bonus am Ende des Newsletters 💛🎧
Hej,
ich sitze gerade im Garten und um mich herum färben sich langsam die Blätter an den Bäumen ganz bunt. Ich liebe das so sehr 🥰
Gleichzeitig weiß ich auch, dass diese Zeit nicht für alle einfach ist. Es ist oft trüb und trist und grau, man kann nicht mehr so lange abends draußen sein (oder es ist dabei a****-kalt 😉) und spät hell wird es auch.
Auf der anderen Seite heißt das gemütliches Einkuscheln bei Tee oder Kakao, Lichterketten und Kerzen und vielleicht den einen oder anderen geselligen Spieleabend bei Freund*innen.
Ein bisschen so wie mit diesen zwei Seiten vom Herbst kann es auch in einer Beziehung Menschen mit ADHS sein. Unaufmerksamkeit als eins der Leitsymptome mit Ausdrucksformen wie Desorganisation, Vergesslichkeit oder Trödeln/Aufgaben nicht anfangen können oder auch Impulsivität in verschiedenen Formen können eine Beziehung durchaus herausfordern.
Auf der anderen Seite stehen tolle Eigenschaften wie Begeisterungsfähigkeit, Kreativität, Ausdauer (Hallo, Hyperfokus!), Gerechtigkeitssinn, Empathie oder Energie und Schwung, die eine Beziehung unheimlich bereichern können.
Diese positive Seite zu beleuchten und zu stärken, kann einen richtig großen Einfluss auf eure Beziehungsqualität nehmen, wenn eine*r von euch (oder auch beide) ADHS haben. Darüber haben auch Rosalie und ich letzte Woche im Impulstalk September “Liebe und Neurodivergenz” gesprochen.
(Abre numa nova janela)Unter anderem ging es um eine Aussage von Melanie Klefeldt (@adhs_training_melakle (Abre numa nova janela)), die immer mal wieder eine Studie zitiert, aus der hervorgeht, dass Menschen mit ADHS bis zu ihrem 12. Lebensjahr bis zu 20.000 negative Kommentare mehr gehört haben als Gleichaltrige ohne ADHS. Wie krass ist das bitte?!
Dazu kommt oft bei ADHS das Thema RSD (Rejection sensitive dysphoria), also eine intensive Reaktion des Nervensystems auf wahrgenommene oder tatsächliche Ablehnung. Zum Einen hören Menschen mit ADHS also viel, viel häufiger negative Kommentare zu ihrer Person, zum Anderen gibt es häufig eine intensive Reaktion des Nervensystems auf das Gefühl von Kritik oder eben Ablehnung.
Es macht also ganz viel Sinn, bei Menschen mit ADHS besonders viel Augenmerk darauf zu legen, das Selbstwertgefühl zu stärken. Gerade in einer Paarbeziehung, wo man miteinander durch ganz unterschiedliche Zeiten geht, entsteht oft über die Zeit ein negativ geprägter Blick auf die Symptome, die ADHS mitbringt.
Ja, manches läuft vielleicht chaotischer, bleibt liegen oder wurde zusammen mit 27 anderen Dingen angefangen. Kann das belastend sein, insbesondere, wenn der eigene mental load hoch und die Erschöpfung groß ist? Auf jeden Fall!
Bringt es was, darüber immer und immer wieder zu streiten und zu meckern? Eher nicht 🙈

Die Frage ist also: was tun? Mein Take dazu ist folgender: auf der einen Seite ist es ganz, ganz wichtig (und potenziell erfüllend 💛), das Selbstwertgefühl von Menschen mit ADHS zu stärken. Erinnert euch an die tollen, wilden, verrückten, geselligen oder superspontanen Momente, die ihr schon gemeinsam erlebt habt, eben weil ihr oder eure Partnerperson nicht in den klassischen Schubladen denkt, plant und fühlt.
Schwelgt in diesen Erinnerungen, teilt die schönsten “weißt du noch, damals?”-Momente und sagt eurer Partnerperson mit ADHS ganz explizit, was ihr an ihr schätzt, wo sie euch bereichert und wo in eurem gemeinsamen Leben ihr tolle Dinge erlebt habt, die ihr ohne sie nicht erlebt hättet.
Auf der anderen Seite darf es euch zu viel/zu wenig sein, euch frustrieren oder euch an den Rand der Verzweiflung bringen— und das sind valide Gefühle, die ihr äußern dürft. Der Kniff ist, das auf eine Art zu tun, die den anderen nicht verletzt. Bleibt dafür bei euch, bei den Auswirkungen, die das auf euch hat und dabei, was das (emotional) für euch bedeutet. Und wichtig: verbindet das, auch sprachlich, mit der Klarheit, dass ihr wisst, dass eure Partnerperson das nicht mit Absicht macht.
Sie hat - rein neurologisch - nicht die selben Voraussetzungen wie ihr (vorausgesetzt, ihr seid neurotypisch. Seid ihr auch neurodivergent, gilt das nochmal doppelt für euch beide). ADHS oder auch Autismus in einer Welt, die für und von neurotypischen Menschen gemacht ist, ist wie ein Videospiel im hard mode, ohne die Möglichkeit, das Spiel leichter zu stellen.
Eure Belastungen und Gefühle auf diese Weise rüberzubringen, wird Übung brauchen: jemand, der so oft und so viel in seinem Leben negative Rückmeldungen bekommen hat, nimmt fast automatisch kritisches Feedback oder geäußerte aufgewühlte Emotionalität als Angriff auf die eigene Person und den eigenen Wert. Bleibt klar in der Sache und verbunden im Gefühl. Und ausdauernd. 🫶
Ihr habt ein Recht auf eure Empfindungen und Befindlichkeiten und darauf, von eurer Partnerperson damit gehört zu werden. Ihr könnt das unterstützen, indem ihr ganz klar macht, immer wieder, dass es um die Sache geht - und nie um den Wert eurer Partnerperson.
Und weil auch wahr ist, dass eine Welt, die sensibler mit den Bedürfnissen neurodivergenter Menschen umgehen würde, eine bessere Welt wäre, gilt dieser Rat auch für alle von euch, unabhängig von der Funktionsweise eurer Gehirns.
🎧 Audio-Snippet exklusiv im Newsletter
Wenn ihr mal hören mögt, was Rosalie und ich zum Thema ADHS und Unstimmigkeiten rund um Haushalt/Care-Arbeit gesagt haben, habe ich euch exklusiv einen Ausschnitt aus dem Impulsabend mitgebracht - hört unbedingt mal rein! 😊
Vielleicht erkennst du dich oder deine Partnerperson wieder und es kann euch helfen, im Alltag nochmal anders miteinander umzugehen. Das würde mich sehr freuen!
Und wenn ihr den ganzen Abend nachhören möchtet, könnt ihr mit einem Klick Mitglied werden und erhaltet sofortigen Zugriff auf diesen und alle bisherigen Impulsabende! 🥰
So oder so, es ist toll, dass ihr da seid :)

Ich sende euch die herzlichsten Grüße und freue mich auf und über jeden Austausch mit euch!
Nadine