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Eine lebenslange Leidenschaft: Eiskunstlauf für alle beim ISU Adult

Eiskunstlauf fasziniert mit der einzigartigen Kombination aus Sport und Kunst Menschen aus aller Welt und es steckt mehr dahinter als der glamouröse Hochleistungssport. Bei der 19. Auflage des ISU Adult in Oberstdorf kamen Anfang Juli rund 500 Eislaufbegeisterte aus mehr als 30 Ländern zusammen, um ihre Liebe zum Kufensport gemeinsam zu feiern. Alle waren in „Obi“, so der liebevolle Spitzname der Nordamerikaner für den Allgäuort, dabei – Menschen, die als junge Erwachsene oder erst in der Mitte des Lebens aufs Eis fanden ebenso wie frühere Leistungssportler. Sie traten in verschiedenen Alters- und Leistungsklassen an, von ziemlichen Anfängern bis zu den Mastern, sie zeigten Küren und bunte Artistikprogramme. „Obi - Jedes Gleiten erzählt eine Geschichte“ stand auf einem T-Shirt gedruckt und das fasst es ziemlich gut zusammen. Wir stellen einige dieser Geschichten und ihre Heldinnen und Helden vor.

Eiskunstläuferin Jana Pribylova jr beim ISU Adult
Jana Pribylova (jr) beim ISU Adult

Ein indonesischer Arzt auf Schlittschuhen

Eric Kasmara aus Indonesien kam ganz zufällig zum Eislaufen. Er war in seinen 20ern, als er auf einer Eisbahn in einem Einkaufszentrum eine Eisläuferin bei einer Pirouette beobachtete. „Da habe ich mich gefragt, ob einem dabei schwindelig wird und wollte es ausprobieren. Als ich das erste Mal auf dem Eis war, mochte ich sofort dieses Gefühl von Gleiten.“

Eiskunstläufer Eric Kasmara beim ISU Adult
Eric Kasmara beeindruckte mit seiner Flexibilität

Kasmara trainierte drei Jahre lang regelmäßig, aber dann wurde der Arzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in einen kleinen Ort auf einer anderen Insel versetzt, wo es keine Eishalle gab. Als er zurückkam, war er im Beruf so beschäftigt, dass für den Sport keine Zeit mehr blieb. „18 bis 20 Jahre lang war ich weg vom Eis“, erzählt Kasmara, der übrigens sogar Deutsch spricht, weil er im Goethe- Institut Kurse belegt hat. Doch dann kam er zurück aufs Eis und lebt seitdem seine Passion aus. In „Obi“ war er das erste Mal dabei und hellauf begeistert. Das Publikum beeindruckte der Indonesier mit seiner Beweglichkeit – er kann sogar Spagat. „Ich habe früher Taekwondo gemacht, das kommt daher“, verrät er. 

Keiffer Hubbell zurück in Oberstdorf

Der Name Hubbell ist im Eistanz ein Begriff, schließlich gewann die US-Amerikanerin Madison Hubbell mit Zachary Donohue mehrere WM-Medaillen und Bronze bei den Olympischen Spielen 2022. Nicht jeder erinnert sich, dass sie vorher mit ihrem Bruder Keiffer lief und bei der Junioren-WM 2007 mit ihm in Oberstdorf Sechste wurde. 2011 trennten sich die Geschwister, Keiffer Hubbell tanzte 2012/13 eine Saison mit einer anderen Partnerin, bevor er seine Karriere beendete und Trainer wurde. Er hatte eine Adult-Partnerin im Paarlauf, mit der er in den USA startete, aber nun war er mit Jodi Beggs erstmals als Eistänzer bei einem internationalen Adult-Wettkampf dabei.

Eistanzpaar Beggs/Hubbell beim ISU Adult
Ex-Eistänzer Keiffer Hubbell kehrte mit Partnerin Jodi Beggs nach 18 Jahren nach Oberstdorf zurück

„Als ich den Hügel zur Halle hinauflief, dachte ich zuerst, ich erinnere mich nicht an viel, aber dann kamen die Erinnerungen wieder“, sagt er. „Es ist alles sehr vertraut und Oberstdorf ist wundervoll fürs Eislaufen. Ich glaube, es gibt nicht besseres, als die Berge durch die Glaswand zu sehen, wenn man auf dem Eis ist.“ Partnerin Beggs war Einzelläuferin in ihrer Jugend, hörte aber wegen einer Verletzung auf. „Ich konnte kaum gehen“, erzählt sie. Seit vier Jahren macht sie Eistanz, betreibt hohen Aufwand. Sie kommt aus Boston und fliegt jede Woche für vier Tage nach Detroit, um dort mit Hubbell zu trainieren. „Als Kind hatte ich nie die Chance, Eistanz auszuprobieren, aber als Erwachsene setzen wir unsere eigenen Prioritäten. Ich bin sehr froh, einen so guten Partner zu haben.“ Beggs/Hubbell absolvierten mit Pflichttänzen, Rhythmustanz und Kür das Maximalprogramm. Viele sind beim Adult als Mehrfachstarter dabei, denn es soll sich ja lohnen.

Neue Herausforderungen gesucht

Vor einem Jahr haben Evgenia Frerichs/Thomas Klingenberg die Silber-Pflichttänze gewonnen und sie lief dazu Einzel in der Bronzekategorie. Nun suchten sich die Berliner neue Herausforderungen: Sie starteten nicht nur in der Gold-Kategorie bei den Pflichttänzen, sondern liefen erstmals in der Kür plus sie stieg im Einzel zu Silber auf. Die Hobbyläuferinnen und –läufer sind oft ehrgeizig, wollen sich ständig weiterentwickeln. Frerichs und Klingenberg gewannen auf Anhieb mit ihrem Tango die Kür, in den Pflichttänzen wurden sie Vierte. „Wir haben an der Kür überwiegend mit unserem Trainer René Lose gearbeitet,“ sagt Frerichs. „René hat die Kür choreografiert und er hat das ganz toll gemacht. Wir haben sehr lange nach der Musik gesucht und im Endeffekt nach einer kollektiven Abstimmung ist es „Mrs. und Mr. Smith“ geworden. Es macht so viel Spaß, die Kür zu laufen, weil man so viel Freiheit hat, sich die ganze Zeit tänzerisch auszudrücken und nicht nur am Anfang und Ende wie bei den Pflichttänzen.“

Eistanzpaar Frerichs/Klingenberg beim ISU Adult
Evgenia Frerichs/Thomas Klingenberg bei ihrer Kür-Premiere

Klingenberg sieht das genauso: „Wir haben die meiste Zeit in dieser Wintersaison in die Kür gesteckt, weil wir da ganz von Null angefangen haben. Wir machen auf jeden Fall mit der Kür weiter, denn wir haben noch unendlich viel zu lernen. Die Pflichttänze erfordern relativ viel Zeitaufwand für ein mittleres Ergebnis an Spaß. Die Kür erfordert sehr viel Zeit für ein sehr viel größeres Ergebnis an Spaß.“ Die Pflichttänze für die kommende Saison, Westminster Walzer und Samba, findet Frerichs schwierig, „an der Grenze unseres technischen Könnens“, aber ausprobieren möchte sie sie. Neue Herausforderungen eben. Immer wieder nimmt das Duo Unterricht bei Martin Skotnicky in Oberstdorf und schwört auf seine Schule. Besonders gefreut hat sich Frerichs, als Eistanz-Kollegin Sonja Göller „willkommen in Gold“ zu ihnen sagte. „Das war ein schöner Moment und außerdem ein Ausdruck des Adult-Sports und der Gemeinschaft, in der sich jeder sich für jeden freut. Weil wir wissen, wie viel Arbeit und Mühe dahintersteckt. Hinter jedem Schritt. Weil wir wissen, wie lange es dauert, bis man in der Lage ist, zusammenzulaufen und in der Qualität. Insofern ist es uns eine Ehre, in Gold mitlaufen zu dürfen.“ 

Eiskunstläuferin Evgenia Frerichs vor dem Start beim ISU Adult
Konzentration vor dem Start: Evgenia Frerichs trat auch im Einzel an

Die „Lebenslänglichen“

Wen das Eislauf-Virus gepackt hat, den lässt es oft nie wieder los. Magdalena Huber Kredl aus der Schweiz und der Brite Leigh Yip und seiner Schwester Su-Wan Lewis sind solche „Lebenslängliche“. Als Kinder waren sie Leistungssportler, beendeten ihre aktive Karriere früh, aber blieben dem Eis stets verbunden.

Eiskunstläuferin Magdalena Huber-Kredl beim ISU Adult
Magdalena Huber-Kredl ist immer mit viel Freude beim ISU Adult dabei

Huber Kredl war Juniorenmeisterin in der Schweiz und ist Zahnärztin geworden. „Für mich ist das Eislaufen der ideale Ausgleich zum Beruf“, sagt sie. Ihr Sohn Tim nahm noch bis 2019 an internationalen Wettbewerben teil, die Tochter hörte mit 16 nach einer Verletzung auf. Huber Kredl trainiert drei- bis viermal in der Woche. „Eislaufen ist meine Passion, ohne das kann ich gar nicht sein. Ich fühle mich so frei auf dem Eis, ich liebe Sprünge und schon immer Pirouetten“, kommentiert die Zürcherin. Ihre Konkurrentin in der Gruppe Masters Elite IV ist die Tschechin Jana Pribylova, die nach ihrer aktiven Karriere Showläuferin wurde und heute mit ihrer gleichnamigen Mutter am Adult teilnimmt. Jana Pribylova senior ist mit fast 80 Jahren die älteste Teilnehmerin und sehr ernsthaft bei der Sache.

Eiskunstläuferin Jana Pribylova sen. beim ISU Adult
Jana Pribylova sen war die älteste Teilnehmerin

Yip und Lewis waren Mitte der 80er Jahre sogar bei Junioren-WMs dabei, er im Einzel, sie im Eistanz. Yip, der später Preisrichter war und jetzt als Coach in Hongkong arbeitet, unterhielt das Publikum in Oberstdorf im Einzel und mit seiner Schwester im Eistanz. Außerdem brachte er mehrere Hobbyläufer aus seinem Club mit.

Eistanzpaar Lewis/Yip beim ISU Adult
Su-Wan Lewis/Leigh Yip glänzten in Pflichttanz

„Als mein Bruder in einem Sommer zu Hause war, schlug ich vor, dass wir mal Eislaufen gehen sollten, und so hat es angefangen“, erzählt Lewis. Während Yip vor der Corona-Zwangspause mehrmals als Einzelläufer startete, debütierte er mit Lewis als Eistanzpaar in diesem Jahr. Viel gemeinsame Trainingszeit hatten sie nicht, aber man merkt, dass sie ehemalige Profis sind. „Als ich 13 war, hatte ich eine Rückenverletzung und man sagte mir, ich sollte mit dem Eislaufen aufhören. Ich lief zwei Jahre nicht und deswegen merkte ich, wie sehr ich es liebe“, berichtet Yip. „Ich bin dazu entschlossen, so viel aus Eislaufen rauszuholen, wie ich kann, und deswegen laufe ich heute immer noch.“

Eiskunstläufer Leigh Yip beim ISU Adult
Leigh Yip hat bis heute viel Freude am Eislaufen

Die Spätberufenen

Es ist nie zu spät, etwas Neues zu beginnen und einen lang gehegten Traum zu verwirklichen. Das gilt zum Beispiel für Ma Asuncion Balderas Mireles aus Mexico oder für Eric Bilardi aus Kalifornien. Die Mexikanerin fing erst mit Mitte 50 an. „Als meine Mutter starb, fiel ich in ein tiefes Loch. Aber ich wollte schon immer mal Eislaufen ausprobieren und dann habe ich es einfach gemacht. Jetzt bin ich 62.“

Eiskunstläuferin Ma Asuncion Balderas Mireles beim ISU Adult
Ma Asuncion Balderas Mireles aus Mexico fing erst mit 58 Jahren mit dem Eislaufen an

Bilardi ist ein ehemaliger Pilot, für ihn ist das eine Erklärung für seine Leidenschaft. „Ich liebe es, ein Flugzeug zu fliegen und es ist wirklich dasselbe, nur, dass du auf einer Kufe stehst. Ich mag es, wenn es still ist und ich einfach dahingleite. Das Gefühl von Eislaufen ist für mich mit nichts zu vergleichen, besonders, wenn du einen neuen Sprung stehst oder wunderschöne Choreographie machst und es sich mühelos anfühlt.“

Eiskunstläufer Eric Baldari beim ISU Adult
Eric Baldari überzeugte in seinen Programmen

Mit 26 Jahren ging Bilardi das erste Mal aufs Eis, lief vier Jahre lang, bis er sich am Rücken verletzte. „Danach war ich 15 Jahre lang vom Eis weg. Ich dachte nie, dass ich wieder Eis laufen werde. Ich habe lange Yoga gemacht, aber dann mit 45 Jahren kam ich zurück“, erzählt der Kalifornier. „Ich habe einen Axel gelernt, einen doppelten Toeloop und Salchow und jetzt vor kurzem habe ich einen doppelten Rittberger gelernt. Mein Plan ist, den doppelten Lutz und Flip zu lernen und dann meinen Junioren-Kürtest im Alter von 58 Jahren zu machen.“ Der Amerikaner war das erste Mal in Oberstdorf dabei, gewann in der Master-Kategorie in der Kür und dem Artistikprogramm und er will unbedingt im nächsten Jahr wiederkommen. Begleitet hat ihn sein Trainer Derrick Delmore, der früher als Läufer und später immer wieder als Coach nach Oberstdorf kam.

Der Preisrichter

Eiskunstläufer Felix Warnholtz beim ISU Adult
Felix Warnholtz lebt seine Liebe zum Eiskunstlauf auch als Preisrichter aus

Felix Warnholtz aus Berlin interessierte sich schon als Kind für Eiskunstlauf, verfolgte begeistert internationale Meisterschaften, aber selbst wagte er sich erst als Erwachsener aufs Eis. „Ich war Mitte, Ende 20. Adult Skating ist eine schöne Gemeinschaft, das mag ich gerne. Aber reizt mich auch, dass ich mich selbst immer wieder herausfordere. Man läuft gegen sich selbst, ist ganz alleine auf der Eisfläche.“ Weil er weit weg von der Eishalle wohnt und voll berufstätig ist, kann Warnholtz nur ein bis maximal zweimal in der Woche trainieren. „Ich bleibe dran, ich kann mein Level so halten, aber eine große Steigerung ist nicht drin“, erklärt der Silber-Läufer. „Ich finde es toll, mit Mitte 50 eine Kür einzustudieren, mit Kostüm und Musik zu laufen.“ Warnholtz lebt seine Leidenschaft auch als Preisrichter aus. Er hat einige Kürklassen abgelegt und Preisrichterprüfungen. „So kann ich hoffentlich in Zukunft weiter dem Sport treu bleiben. Als Preisrichter bewerte ich überwiegend die Kleinen und bis zum Nachwuchs. Das mache ich, um den Sport zu unterstützen und ich glaube, das tue ich, bis ich tot umfalle. Da ich nie auf dem ISU-Level international angetreten bin, werde ich da wohl nie werten können, aber mir macht es auch auf Landesniveau Spaß.“

Eine Eislauffamilie aus Dresden

Eiskunstlauf ist schon lange ein Bestandteil in Manuela Lehmanns Leben. Der Vater der Dresdnerin war ein eifriger Fan, verfolgte alles stets im Fernsehen, nahm die Übertragungen auf Tonband auf und schrieb Ergebnisse mit. Das Interesse übertrug sich auf die Tochter. Sie sammelte Zeitungsausschnitte, die DDR-Stars wie Katarina Witt und Jan Hoffmann waren Gesprächsthema in der Familie. Als Kind, sagte sie, hätte sie keine Chance gehabt, Eiskunstlauf zu machen, sie wäre gleich als zu unsportlich aussortiert worden.

Eiskunstläuferi Manuela Lehmann beim ISU Adult
Manuela Lehmann hat ihre ganze Familie aufs Eis gebracht

Mit 20 Jahren fing Lehmann im Verein an, zusammen mit Kindern, die halb so alt waren wie sie. „Das war wirklich so wie in dem Film ‚Die Anfängerin‘, erinnert sich Lehmann. „Wer weiß, was die gedacht haben, wie lange ich dabei bin, aber ich bin immer noch da.“ Zum 16. Mal nahm die Dresdnerin am Adult in Oberstdorf teil, seit der zweiten Ausgabe konnten sie nur zwei Babypausen und Corona stoppen. „Für mich ist das immer das Saisonziel“, meint die Bronze-Läuferin. Kaum verheiratet, brachte sie ihren Mann Frank mit aufs Eis, machte mit ihm sogar einige Zeit Paarlauf. Die zwei Söhne Julian und Fabian sind natürlich ebenfalls aktive Hobby-Eisläufer und beim Dresdner Eismärchen dabei. Die ganze Familie ist begeistert vom Eis und das ist ein entscheidender Punkt. Die „Adults“ geben dem Sport viel zurück, oft engagieren sie sich in den Vereinen, bringen ihre Kinder zum Eislaufen, kommen als Fans oder Freiwillige zu Wettbewerben, nicht zuletzt sind sie ein wirtschaftlicher Faktor, wenn sie ihre Trainer und für Eiszeiten bezahlen. „Man gibt es weiter“, weiß Lehmann. „Die Schulklasse sagt, ‚wenn der Fabian auf dem Eis ist, dann wollen wir zum Eismärchen kommen‘. So zieht man die Leute da rein.“

Eisläuferin Manuela Lehmann an der Bande beim Adult in Oberstdorf
Manuela Lehmann war schon 16 Mal beim ISU Adult dabei

Kat Miles und Der Skate Club

Katharina Rybkowski war mit Rico Rex Paarläuferin auf internationalem Niveau, aber als sie vor 25 Jahren ihre Karriere beendete, hatte sie genug vom Sport. „Am Ende war ich gebrochen und brauchte Abstand“, sagt sie. Erst 2018 tastete sie sich wieder an den Eiskunstlauf heran, als sie an der Show „Dancing on Ice“ teilnahm, in der Profi-Sportler mit Prominenten kleine Nummern einstudierten.

Kat Miles und Kollegen zeigen eine Hebefigur bei der Abschluss-Show
Kat Miles und Kollegen zeigen eine Hebefigur bei der Abschluss-Show

2019 gründete die Ex-Läuferin, die heute mit Nachnamen Miles heißt und ihren Vornamen zu Kat abgekürzt hat, den „Skate Club“ – ein Unternehmen, das gezielt Trainingscamps für Adult Skaters anbietet. Sie stieß in eine Lücke, denn Vereine können und wollen oft den Erwachsenen keine Angebote machen. „Der Bedarf ist riesig, es gibt Wartelisten“, betont Miles. Sie arbeitet heute mit Trainern wie Ruben Blommaert, René Lohse und Kati Winkler zusammen. Über die Hobbyläufer entdeckte Miles ihre Liebe zum Sport wieder. „Es gibt einen positiven Trend, es kommen mehr Leute und das ist ganz wichtig für den Sport als Ganzes. Wir brauchen den Breitensport, um eine Grundlage für den Leistungssport zu schaffen. Wir bringen Geld ins System, unterstützen die Vereine, machen den Sport populär.“ Mit ihrer Assistentin Jessie Etheber war Miles in Oberstdorf erstmals mit einem eigenen Stand für ihren Skate Club präsent. Neben den Camps bietet das Unternehmen eigens für Erwachsenensportler entwickelte Produkte an wie eine größere und stabile Drehscheibe, um Rotation zu üben. Mit ihren Trainern studierte Miles eine kleine Show zum Beginn der Abschlussparty auf dem Eis ein, dabei traten Kati Winkler und René Lohse, die WM-Dritten von 2004 im Eistanz, das erste Mal nach 19 Jahren wieder gemeinsam auf und bewiesen, dass sie nach wie vor ein schönes Paar auf dem Eis sind.

Eistanzpaar Kati Winkler und René Lohse bei der Abschluss-Show des ISU Adult
Nach 19 Jahren traten Kati Winkler und René Lohse das erste Mal wieder gemeinsam auf

Anerkennung und Respekt

Beim Adult werden alle respektiert und die individuelle Leistung anerkannt. Im Mittelpunkt steht die Freude am Eislaufen, obwohl einige viel Ehrgeiz entwickeln. Fantasiereiche Kostüme, liebevoll choreographierte Programme, Pirouetten und einfache oder sogar doppelte Sprünge oder schwierige Hebungen unterhalten das Publikum. ISU Vorstandsmitglied Maria Teresa Samaranch kam zum wiederholten Male und nahm Siegerehrungen vor. Bei den Siegerehrungen übrigens bekommen nicht nur die ersten drei einen kleinen Pokal, sondern alle, die dabei waren, werden aufs Eis gerufen und erhalten eine Medaille als Zeichen der Anerkennung. Samaranchs Anwesenheit zeigt, dass der Weltverband die Adult-Gemeinde ernst nimmt. „Wir wissen, dass das sehr wichtig ist“, kommentiert Samaranch. „Natürlich ist das keine ISU-Meisterschaft oder ein ISU-Wettbewerb, aber wir wissen, dass alle diese Leute hier den Eiskunstlauf lieben. Wir nennen das ‚Eislaufen fürs Leben‘. Wir in der ISU sind sehr auf die Weltmeisterschaften, Europa- und Vier-Kontinente-Meisterschaften, den Grand Prix fokussiert, aber so viel mehr Menschen laufen Eis und lieben es. Es ist wichtig, dass wir als ISU ihnen vermitteln, dass wir für sie da sind.“

ISU Vorstandsmitglied Maria Teresa Samaranch und DEU-Präsident Andreas mit den Siegerpokalen
ISU Vorstandsmitglied Maria Teresa Samaranch und DEU-Präsident Andreas nahmen Siegerehrungen vor

Der Vorsitzende der ISU-Arbeitsgruppe für Adult Skating, John Fisher, war hochzufrieden mit der Veranstaltung. „Es war eine wunderbare Woche. Wir haben wirklich gutes Eislaufen gesehen, so viel Enthusiasmus und Leidenschaft von allen Läufern. Die Offiziellen hatten Spaß, sie kommen so gerne hierher.“ Beim Adult können Preisrichter, die die Altersgrenze von 70 überschritten haben, werten, so lange sie das auf nationaler Ebene noch dürfen. Das nächste Projekt der Arbeitsgruppe ist ein großer Adult-Wettbewerb in den USA und dann hofft Fisher, auch im asiatisch-pazifischen Raum eine Veranstaltung zu etablieren. Gleichzeitig freut er sich auf das Jubiläum in „Obi“ im kommenden Jahr, wenn vom 17.-22. Mai die 20. Auflage des Wettbewerbs stattfindet. „Wir haben einige Pläne, das zu feiern.“

Die Entwicklung im Hobbysport sieht Fisher sehr positiv. Immer mehr Leute wollen mitmachen und das Niveau steigt. Das weiß auch der Schweizer Emmanuel Perrin, selbst ein Adult-Skater. Er hat ein Jahrbuch mit den Daten der Saison 2023/24 herausgebracht, für das er die drei großen von der ISU sanktionierten Adult-Wettbewerbe in den USA (IAFSC North America), Bormio (Winter World Master Games) und in Oberstdorf analysiert hat. Zunächst hat er nur den Einzellauf erfasst, in Zukunft sollen weitere Daten aus den anderen Disziplinen mit einfließen. Demzufolge nahmen 799 Einzel-Läuferinnen und -Läufer an mindestens einem der drei Wettbewerbe teil, davon waren 86 Prozent Frauen. 

ISU Vorstandsmitglied Maria Teresa Samaranch gratuliert Teilnehmerinnen des ISU Adult
ISU Vorstandsmitglied Maria Teresa Samaranch gratuliert Teilnehmerinnen des ISU Adult

Die Offiziellen und die Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt kommen immer wieder gerne nach Oberstdorf und zwar so viele, dass das Teilnahmekontingent in diesem Jahr bereits nach anderthalb Wochen ausgebucht war, wie DEU-Präsident Andreas Wagner berichtet. Dabei hatte er Sorge, dass wegen des späten Termins in diesem Jahr das Interesse geringer ausfällt. „Ich hatte große Bedenken“, gibt er zu. „Zum einen habe ich mir nicht vorstellen können, dass viele Menschen sechs Wochen später als sonst kommen, um hier noch den Wettbewerb zu machen, und zum anderen war ich nicht sicher, ob wir um diese Jahreszeit Preisrichter kriegen. Aber alle sind total begeistert von dem Wettbewerb. Diese ganze Skating Family ist beeindruckend.“ Eislaufen ist eben mehr als der Hochleistungssport, das sieht auch Wagner so. „Ich finde ich es einfach toll, wenn man Menschen aufs Eis bringt, die jenseits des Leistungssports unterwegs sind. Wir versuchen das auch an anderer Stelle. Wir haben jetzt gerade die Vereinsmeisterschaft neu aufgestellt und werden dazu eine Kategorie Young-Adult machen, also praktisch von 19 bis 27, weil das eine Altersgruppe ist, für die es bisher eigentlich kaum ein Angebot gibt, wenn man keinen Leistungssport machen möchte. Und natürlich hat es einen Multiplikatoren-Effekt. Die Kinder von Menschen, die sich hier aufs Eis trauen, bekommen vielleicht auch Lust. Für uns ist es wichtig, dass wir uns breiter aufstellen, sich mehr Vereine gründen und noch mehr Leute aufs Eis gehen“, betont der DEU-Präsident und hebt hervor, dass sich gerade die Hobbyläufer oft für den Sport engagieren. „Es ist wichtig, dass wir noch mehr Leute finden, die Fans dieses Sports sind und die das weitertragen und die sich für diesen Sport begeistern.“

Bis auf den Abstecher nach Lausanne zum Sonderkongress der ISU war Wagner vor Ort und seine Frau, die Technische Spezialistin Monika Wagner-Kutinova, war ständig im Einsatz, ebenso wie Maylin Wende, die Juroren Prisca Binz-Moser, Christian Baumann, Data- und Video-Operator Michael Waldvogel sowie die unermüdliche Julia Degenhardt, die für die Ergebnisermittlung zuständig war, um nur einige zu nennen. Bekannte internationale Offizielle waren unter anderem Christopher Buchanan (Großbritannien), Irina Medvedeva (Ukraine), Vera Tauchmanova (Tchechien), Anna Sierocka (Polen) und Leena Laaksonen (Finnland).

Mit Paarlauf-Olympiasiegerin Aljona Savchenko und dem zweimaligen Europameister Norbert Schramm war zeitweise deutsche Eislauf-Prominenz im Publikum vertreten. Savchenko, die aktuell ihre Zeit zwischen dem Allgäu und Turin aufteilt, kam mit ihrer fünf Jahre alten Tochter Amilia zum Training nach Oberstdorf. Adult-Läufer und Fans in der Halle erkannten Savchenko und baten um Fotos und Autogramme. Auf den Vorschlag, doch im nächsten Jahr zur 20. Jubiläumsausgabe des Adult selbst mitzumachen, schüttelte die Olympiasiegerin lachend den Kopf. Aber wer weiß, vielleicht schafft DEU- Präsident Andreas Wagner es noch, sie zu überreden. 

Olympiasiegerin Aljona Savchenko als Zuschauerin beim ISU Adult
Olympiasiegerin Aljona Savchenko schaute beim ISU Adult zu

Denn 2026 soll es in „Obi“ zum 20. Geburtstag wieder rund gehen, wenn Menschen aus aller Welt ihre Begeisterung und ihre Leidenschaft für den Eiskunstlauf leben.

Text & Photos: Tatjana Flade, Reinhold Ehrlinger (Aljona Savchenko)

Alle Ergebnisse gibt es auf der DEU-Website hier (Si apre in una nuova finestra).

Jana Pribylova sr und jr mit Teamkameraden in der Tränenecke beim ISU Adult
Jana Pribylova sr und jr mit Teamkameraden in der Tränenecke beim ISU Adult

 

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