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Wer schützt die Demokratie? NGOs zwischen Angriff, Verantwortung und politischer Instrumentalisierung.

Folge 5: Beratung gegen Rechts. Die stille Arbeit, die niemand sieht.

von Stefan Hünl

Über die Serie

Demokratie verteidigt sich nicht von selbst. Sie braucht Menschen, Institutionen und zivilgesellschaftliche Strukturen, die sich gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus, Menschenfeindlichkeit und autoritäre Ideologien stellen.

Genau diese Arbeit leisten in Deutschland zahlreiche Vereine, Initiativen und Bildungsprojekte. Sie tun dies oft unter schwierigen Bedingungen, werden häufig angegriffen von rechts und leiden zunehmend unter politischem Druck.

Während die AfD demokratische Institutionen delegitimiert, Teile der Union nach rechts rücken und wirtschaftliche Eliten sozialen Zusammenhalt systematisch untergraben, geraten ausgerechnet jene Organisationen ins Visier, die sich für Demokratie, Aufklärung und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen.

Diese Serie fragt: Wer sind diese NGOs wirklich? Was leisten sie konkret? Wie werden sie finanziert? Welche Kritik ist berechtigt – und welche ist Teil einer rechten Strategie zur Schwächung der Zivilgesellschaft?

Rechtsextremismus ist keine Meinung, sondern eine Gefahr. Wer Demokratie schwächt, stärkt ihre Feinde.

Folge 5

Beratung gegen Rechts. Die stille Arbeit, die niemand sieht.

Kernfrage:
Was machen mobile Beratungsstellen eigentlich konkret?
Kernfrage: Was machen mobile Beratungsstellen eigentlich konkret?

Die unsichtbare Front

Wenn Neonazis durch eine Kleinstadt marschieren, wenn Schulen mit rechtsextremen Parolen beschmiert werden, wenn Kommunen vor der Frage stehen, wie sie mit einer wachsenden rechten Szene umgehen sollen, dann sind sie oft die Ersten vor Ort:

Die mobilen Beratungsstellen gegen Rechtsextremismus.

Doch während ihre Arbeit lebenswichtig ist, bleibt sie meist unsichtbar.

Keine Schlagzeilen.

Keine großen Kampagnen.

Keine viral gehenden Videos.

Stattdessen: Diskretion, Vertrauen, langfristige Begleitung. Denn wer hier hilft, muss oft im Hintergrund bleiben. Zum Schutz der Betroffenen und zum Schutz der eigenen Arbeit.

#Senfkuchen
(Si apre in una nuova finestra)

Demokratie braucht keine Zuschauer, sondern eine Immunabwehr!

Hast Du auch das Gefühl, dass wir in einer Ära der ständigen politischen Diskursverschiebung leben?

In der Kulturkämpfe uns spalten und ein Mangel an legislativer Konsequenz das demokratische Immunsystem zunehmend schwächt?

Lobbyismus, Rechtsextremismus, der Aufstieg der "Erb-Aristokratie" und die omnipräsenten Interessen des Kapital
— Diese Strukturen haben nur einen Zweck: Die gerechte und notwendige Umverteilung von "oben nach unten" zu verhindern!

Macht Euch nichts vor: Die Kaste der asozialen Oligarchen entfesselt eher das "vierte Reich" bevor sie einen Cent Vermögenssteuer zahlt oder ihre Deutungshoheit aufgibt.

Beides ist notwendig!
Beides wird geschehen!
Ihre Angst davor treibt sie an!

Ob AfD, MAGA, Kreml oder (zunehmend auch) die Union — Der #Senfkuchen schaut genau da hin, wo andere wegschauen. Fakten und Analysen gegen Hetze und politische Skrupellosigkeit. Denn Demokratie lebt davon, dass Fehlverhalten sanktioniert wird. Nicht nur durch Institutionen, sondern vor allem durch informierte Bürger*innen wie Dich.

Bleib kritisch. Bleib informiert. Setz ein Zeichen.

Hilfe für Kommunen, Schulen, Vereine: Was Beratungsstellen konkret leisten

Mobile Beratungsstellen sind keine theoretischen Denkfabriken. Sie sind vielmehr Praktiker der Demokratieverteidigung. Ihre Arbeit lässt sich in vier zentrale Bereiche unterteilen:

1. Unterstützung für Kommunen: Wenn die Rechte vor der Haustür stehen

Analyse der lokalen Lage: Beratungsstellen kartieren rechte Strukturen, Netzwerke und Bedrohungsszenarien in Kommunen. Sie identifizieren, wo Neonazis versuchen, Fuß zu fassen, sei es in Vereinen, auf Dorffesten oder in lokalen Politikstrukturen.

Strategieentwicklung: Gemeinsam mit Bürgermeister*innen, Ratsmitgliedern und Bürgerinitiativen erarbeiten sie Handlungspläne. Wie reagiert man auf rechte Aufmärsche? Wie verhindert man, dass rechte Gruppen Räume in kommunalen Einrichtungen mieten? Wie stärkt man demokratische Akteure vor Ort?

Vernetzung: Sie bringen lokale Akteure zusammen. Von Kirchen über Gewerkschaften bis zu Sportvereinen, um eine breite Allianz gegen Rechts zu bilden.

2. Begleitung für Schulen: Prävention, wo es am meisten zählt

Workshops und Fortbildungen: Lehrkräfte, Sozialarbeiter*innen und Schüler*innen erhalten Schulungen zu Themen wie Rassismus, Antisemitismus oder Verschwörungsideologien. Ziel ist es, frühzeitig Radikalisierungstendenzen zu erkennen und gegenzusteuern.

Interventionshilfe: Wenn rechte Vorfälle in Schulen auftreten, sei es durch Schüler*innen, Eltern oder Lehrkräfte, beraten die Teams, wie damit umgegangen werden kann. Das reicht von der Aufklärung über rechtsextreme Symbole bis hin zur Unterstützung bei der Entwicklung von Schulkonzepten gegen Diskriminierung.

Ausstiegshilfe: Für Jugendliche, die sich in rechten Szenen bewegen, bieten Beratungsstellen anonyme Gespräche und Ausstiegsbegleitung an. Oft sind es kleine Schritte, ein erstes Gespräch, eine Alternative zur Szene, eine Perspektive jenseits von Hass und Gewalt.

3. Schutz für Betroffene rechter Gewalt

Krisenintervention: Wenn Menschen Opfer rechter Übergriffe werden, sei es durch Bedrohungen, Sachbeschädigung oder körperliche Angriffe, bieten Beratungsstellen sofortige Unterstützung an. Das umfasst rechtliche Beratung, psychologische Hilfe und die Vermittlung an spezialisierte Opferberatungsstellen.

Sicherheitskonzepte: Für besonders gefährdete Personen oder Einrichtungen (zB. Geflüchtetenunterkünfte, linke Zentren) entwickeln sie individuelle Schutzmaßnahmen, von der Installation von Alarmanlagen bis hin zur Organisation von Begleitdiensten.

Dokumentation: Rechte Gewalt wird systematisch erfasst. Diese Daten fließen in Jahresberichte ein, die für Politik, Medien und Öffentlichkeit eine wichtige Grundlage sind, um das Ausmaß der Bedrohung zu verstehen.

4. Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit: Wissen als Waffe

Vorträge und Diskussionsveranstaltungen: In Gemeinden, die von rechten Umtrieben betroffen sind, organisieren Beratungsstellen Informationsveranstaltungen, um über Strategien der extremen Rechten aufzuklären.

Medienarbeit: Sie unterstützen lokale Journalisten bei der Berichterstattung über rechte Strukturen und helfen, Falschinformationen und rechte Narrative zu entlarven.

Materialien und Handreichungen: Flyer, Broschüren und Online-Ressourcen bieten praktische Hilfestellungen, etwa zum Umgang mit rechten Parolen im Alltag oder zur Organisation von Gegenprotesten.

Warum diese Arbeit selten Schlagzeilen macht

Es gibt einen einfachen Grund, warum die Arbeit der mobilen Beratungsstellen so wenig sichtbar ist: Sie funktioniert am besten, wenn sie unsichtbar bleibt.

Vertraulichkeit: Viele Betroffene rechter Gewalt oder Bedrohungen wollen nicht, dass ihr Name in der Zeitung steht. Die Beratung findet oft im geschützten Raum statt, hinter verschlossenen Türen, in anonymen Gesprächen, in vertraulichen E-Mails.

Prävention statt Eskalation: Der größte Erfolg der Beratungsstellen ist oft das, was nicht passiert. Die Radikalisierung, die verhindert wurde. Der Aufmarsch, der abgesagt werden musste. Die Gemeinde, die sich rechtsextremen Strukturen widersetzte, bevor sie Fuß fassen konnten.

Kein Spektakel: Während rechte Gruppen mit lauten Aufmärschen und provokanten Aktionen Aufmerksamkeit erregen, arbeitet die Beratung gegen Rechts leise, aber nachhaltig. Es geht nicht um kurzfristige Effekte, sondern um langfristige Veränderungen.

Doch gerade diese Unsichtbarkeit macht die Arbeit anfällig für Angriffe. Wer nicht sieht, was Beratungsstellen leisten, kann leicht glauben, sie würden "nichts tun" oder schlimmer: sie würden "Geld für nichts" ausgeben.

RAA Leipzig (Si apre in una nuova finestra)
Im Bild: RAA Leipzig

Wer steht hinter den Beratungsstellen?

Mobile Beratungsstellen sind keine staatlichen Behörden, sondern zivilgesellschaftliche Akteure. Sie werden jedoch oft aus öffentlichen Mitteln finanziert, etwa über Programme wie »Demokratie leben! (Si apre in una nuova finestra)« oder Landesförderungen. Zu den wichtigsten Trägern gehören:

Bundesverband Mobile Beratung (Si apre in una nuova finestra) (BMB): Der Dachverband vernetzt rund 50 mobile Beratungsteams in ganz Deutschland und setzt sich für ihre Interessen ein.

Opferperspektive (Si apre in una nuova finestra): Eine der ältesten Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

• RAA-Netzwerke (Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie): In vielen Bundesländern gibt es RAA-Stellen, die Beratung, Bildung und Prävention anbieten. Beispiele: RAA Berlin (Si apre in una nuova finestra), RAA Brandenburg (Si apre in una nuova finestra), RAA Sachsen (Si apre in una nuova finestra)

Die Teams bestehen aus Sozialarbeiter*innen, Pädagog*innen, Politikwissenschaftler*innen und Jurist*innen. Menschen, die oft seit Jahren in der extremismuspräventiven Arbeit tätig sind und ein tiefes Verständnis für die lokalen Dynamiken haben.

Im Bild: Projekt "Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage." (Jörg-Immendorf-Schule Bleckede) (Si apre in una nuova finestra)
Im Bild: Projekt "Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage." (Jörg-Immendorf-Schule Bleckede)

Kritik und Gegenrede: Was an Vorwürfen dran ist und was nicht.

Natürlich gibt es auch gegen mobile Beratungsstellen Kritik. Einige Vorwürfe sind legitim, andere sind Teil einer gezielten Delegitimierungskampagne.

Legitime Fragen:

Transparenz: Wie werden die Mittel eingesetzt? Welche Kriterien gelten für die Förderung von Projekten?

Antwort: Die meisten Beratungsstellen legen Jahresberichte vor und unterliegen regelmäßigen Evaluierungen. Fördergelder werden nach klaren Richtlinien vergeben, und die Arbeit wird dokumentiert.

Neutralität: Darf Beratung gegen Rechts "parteinehmend" sein?

Antwort: Beratungsstellen arbeiten grundgesetzorientiert. Das bedeutet: Sie setzen sich für Demokratie, Menschenrechte und gegen Extremismus ein. Und das ist kein "Parteinehmen", sondern eine verfassungsmäßige Pflicht.

Wirksamkeit: Lässt sich der Erfolg der Arbeit messen?

Antwort: Prävention ist schwer quantifizierbar. Aber Studien (zB. des Deutschen Jugendinstituts (Si apre in una nuova finestra)) zeigen, dass Beratungsstellen dazu beitragen, dass rechte Strukturen schwächer werden und Betroffene besser geschützt sind.

Foto: Getty Images/Christian Horz
Foto: Getty Images/Christian Horz

Unhaltbare Vorwürfe:

"Das sind linke Aktivisten, die den Staat unterwandern."

Realität: Die Arbeit der Beratungsstellen ist gesetzlich legitimiert und wird von allen demokratischen Parteien unterstützt. Sie handeln im Auftrag der Gesellschaft, nicht einer politischen Richtung.

"Die Beratungsstellen hetzen gegen Bürger."

Realität: Beratungsstellen arbeiten auf Einladung, sei es von Kommunen, Schulen oder Betroffenen. Sie greifen nicht in lokale Konflikte ein, sondern bieten Hilfe zur Selbsthilfe an.

"Das ist Geldverschwendung."

Realität: Die Kosten für mobile Beratung sind gering im Vergleich zu den Folgen rechter Gewalt. Ein einziger rechtsextremer Anschlag (wie in Hanau oder Halle) verursacht nicht nur menschliches Leid, sondern auch hohe volkswirtschaftliche Kosten. Prävention ist günstiger als Repression.

Die eigentliche Bedrohung: Wenn die Beratung wegfällt

Was passiert, wenn mobile Beratungsstellen ihre Arbeit einstellen müssen? Die Antwort ist einfach:

Die Rechten gewinnen.

Kommunen bleiben allein: Ohne Beratung fehlen Gemeinden das Wissen und die Strategien, um sich gegen rechte Umtriebe zu wehren. Neonazis können ungestört Strukturen aufbauen.

Schulen werden zum Spielball: Ohne Präventionsarbeit haben rechtsextreme Ideologien leichteres Spiel, sich unter Jugendlichen zu verbreiten.

Betroffene bleiben ohne Schutz: Opfer rechter Gewalt haben keine Anlaufstelle mehr. Täter*innen fühlen sich bestärkt, weil sie keine Konsequenzen fürchten müssen.

Die Demokratie verliert an Resilienz: Ohne zivilgesellschaftliche Gegenwehr können autoritäre Kräfte leichter Boden gewinnen.

Beispiel Thüringen: In einigen Regionen, in denen Beratungsstellen aufgrund von Kürzungen ihre Arbeit reduzieren mussten, berichten lokale Akteure von einer Zunahme rechter Aktivitäten.

Das ist kein Zufall.

Es ist die logische Folge einer geschwächten Zivilgesellschaft.

Fazit-Katzen

Die stille Arbeit, die unsere Demokratie am Leben hält.

Mobile Beratungsstellen gegen Rechts sind keine Luxusprojekte. Sie sind ein notwendiger Bestandteil der demokratischen Immunabwehr.

Ihre Arbeit ist unsichtbar, weil sie oft im Verborgenen stattfindet. Aber sie ist unverzichtbar, weil sie dort ansetzt, wo der Staat allein nicht weiterkommt. Im lokalen Raum, im direkten Kontakt mit Betroffenen, in der langfristigen Prävention.

Wer diese Arbeit diffamiert, wer ihre Finanzierung kürzt, wer ihre Legitimität infrage stellt, handelt nicht aus Sparsamkeit oder Kritikfähigkeit.

Er handelt im Sinne derer, die unsere Demokratie zerstören wollen.

Denn eines ist klar:

Wenn die Beratung gegen Rechts verschwindet, bleibt nicht Stille. Sondern Lärm. Der Lärm derer, die dann ungestört ihr Unwesen treiben können.

Bisherige Folgen
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Quellenangaben

Bundesverband Mobile Beratung, Opferperspektive, RAA Berlin, RAA Brandenburg, RAA Leipzig, RAA Sachsen, Deutsches Jugendinstitut (DJI): Evaluationen zur Präventionsarbeit, Bundesprogramm »Demokratie leben!«, Bundesinnenministerium: Berichte zur politisch motivierten Kriminalität

(Si apre in una nuova finestra)#Senfkuchen (Si apre in una nuova finestra)
Ende