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Wann platzt die KI-Blase?

Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!

To Thiel or not to Thiel … mit dieser Frage haben sich die Wiener Festwochen am Wochenende beschäftigt. Bei einer eigens angesetzten Diskussionsveranstaltung („Cancel-Prozedere“) mit dem Intendanten Milo Rau, der Chefdramaturgin Sara Abbasi und dem Thiel-vertrauten Theologen Wolfgang Palaver am Freitag wurde intensiv und mit dem Publikum gemeinsam über die umstrittene Einladung des rechtsextremen und libertär-konservativen Tech-Milliardärs zu dem Kulturfestival diskutiert. 

Trotz Einigkeit, dass eine Einladung und Diskussion mit Thiel inklusive „Entzauberung“ richtig wäre, haben die Festwochen gestern den Auftritt abgesagt. Der Schaden für die gesamten Festwochen sei durch einige Absagen von Festival-Beteiligten und Künstler*innen aufgrund von Thiels Teilnahme zu groß. Rau verteidigt im Standard (Si apre in una nuova finestra)-Interview gestern sowohl die ursprüngliche Einladung als auch die jetzt erfolgte Absage. Ob Rau den Milliardär also wirklich „entzaubert“ hätte, werden wir nie erfahren. Die Debatte „Hilft oder schadet es der demokratischen Gesellschaft, wenn wir mit Rechten reden und versuchen, ihnen diskursiv etwas entgegenzustellen?“ ist aber um ein Kapitel reicher.

Außerdem geht es heute um den Prozess gegen einen mutmaßlichen syrischen Foltergeneral, Gesetzesänderungen im Juni und die Ausweitung der israelischen Bodenoffensive im Libanon. 

Prozess gegen mutmaßlichen syrischen Folter-General startet in Wien

Vor dem Straflandesgericht in Wien muss sich ab heute ein hochrangiger Beamter des syrischen Assad-Regimes für mutmaßliche Folter verantworten. Ein weiterer syrischer Polizeibeamter ist ebenfalls angeklagt – weitere Anklagepunkte umfassen schwere und geschlechtliche Nötigung sowie mehrfache schwere Körperverletzung. Beide bestreiten die Taten, sie seien aus Angst vor dem eigenen Regime nach Europa desertiert. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Wie der Standard (Si apre in una nuova finestra) berichtet, handelt es sich bei dem Strafverfahren um ein besonderes: „Das sogenannte Weltrechtsprinzip ermöglicht Strafverfahren zu Verbrechen gegen die internationale Gemeinschaft – zum Beispiel Folter – selbst dann, wenn die Taten im Ausland stattfanden, lange zurückliegen und weder Täter noch Opfer die österreichische Staatsangehörigkeit besitzen.“ Bisher gab es in Österreich erst wenige solche Verfahren, zu einer Verurteilung kam es noch nie.

Es handelt sich außerdem um das erste Verfahren dieser Art seit dem Sturz des Assad-Terrorregimes 2024. 13 Verhandlungstage sind angesetzt, mehrere Zeug*innen werden aus ganz Europa und Syrien eingeflogen, es gelten strenge Sicherheitsvorkehrungen. 

Besonders brisant: Der österreichische Verfassungsschutz (BVT) hatte im Zuge eines Abkommens mit dem israelischen Geheimdienst Mossad selbst dafür gesorgt, dass der General im Mai 2015 nach Österreich kommen und sich hier niederlassen konnte. Er sitzt seit Ende 2024 wegen Fluchtgefahr in U-Haft. Hauptverantwortlich für diese gemeinsame Operation mit dem Mossad war laut ORF (Si apre in una nuova finestra) der ehemalige BVT-Abteilungsleiter Martin Weiss, der inzwischen in Dubai untergetaucht ist. Der ORF schreibt: „Nach Weiss wird mit internationalem Haftbefehl gefahndet, weil er die überstürzte Flucht des Ex-Wirecard-Managers Jan Marsalek vom Flughafen Bad Vöslau Richtung Russland mitorganisiert haben soll.“

Was sich im Juni ändert

Alles neu macht der Juni. Naja, nicht alles, aber ein paar Dinge ändern sich. So dürfen ab heute neben Zigaretten und Tabak mit Geschmack auch sogenannte erhitzbare Tabaksticks wie zum Beispiel Heets nicht mehr in aromatisierter Form in Österreich verkauft werden. Auch die Gefahrenkennzeichnung auf diesen Produkten muss in Zukunft größer und sichtbarer abgebildet werden.  

Außerdem startet heute die neue Facharztausbildung für Allgemein- und Familienmedizin. Sie dauert zukünftig fünf Jahre lang und soll die Primärversorgung verbessern. Sie löst die bisherige Ausbildung zur Allgemeinmediziner*in ab und soll deren Tätigkeit aufwerten. Ein Vorteil liege laut Ärztekammer vor allem in der längeren Praxiserfahrung im niedergelassenen Bereich. 

Für Autofahrer*innen ist auch relevant, wie es mit der Spritpreisbremse weitergeht. Sie wird grundsätzlich verlängert. Aber die Begrenzung der Margen fällt weg. Lediglich die Senkung der Mineralölsteuer um 1,7 Cent pro Liter gilt auch noch im Juni und wird bis Ende August monatlich überprüft. Ebenfalls bis mindestens Ende August müssen Tankstellenbetreiber*innen niedrigere Großhandelspreise unverzüglich an die Konsument*innen weitergeben. 

Ab 8. Juni können Arbeitnehmer*innen Anträge für die neue Weiterbildungsbeihilfe stellen. Sie löst die Bildungskarenz als Unterstützungsleistung ab und es gelten strengere Kriterien. Die Voraussetzungen sind unter anderem: 

  • Man muss zwölf Monate beim Arbeitgeber beschäftigt sein.

  • Wer einen Master- oder Doktortitel hat, muss dazu eine vierjährige Arbeitserfahrung vorweisen.

  • Die Weiterbildungsmaßnahme muss mindestens 20 Wochenstunden umfassen.

  • Nach einer Elternkarenz müssen mindestens 6 Monate vergehen, um Weiterbildungsbeihilfe beziehen zu können. 

Am 12. Juni tritt zudem der Gemeinsame Asyl- und Migrationspakt der EU in Kraft.

Israel weitet Bodenoffensive im Libanon aus

Während die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran nicht vorankommen (Si apre in una nuova finestra), setzt Israel seine Bodenoffensive im Libanon fort. Seit dem 2. März wurden dort mehr als 3370 Menschen getötet, zitiert ntv (Si apre in una nuova finestra) die libanesische Regierung; mehr als 1,2 Millionen Libanes*innen und Zehntausende Israelis wurden aus dem Grenzgebiet vertrieben. Am Wochenende nahmen israelische Soldaten die rund 900 Jahre alte und strategisch wichtige Festung Beaufort ein – so weit sind israelische Streitkräfte seit 26 Jahren nicht mehr in das Nachbarland vorgerückt, berichtet die Tagesschau (Si apre in una nuova finestra).

Im Mai 2000 waren sie dort überstürzt nach einer 18-jährigen Besatzung abgezogen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach nun von einer „entscheidenden Wendung“ und kündigte die Kontrolle über weitere Gebiete an. Von Frankreich gab es dafür scharfe Kritik – Außenminister Jean-Noël Barrot forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates, heißt es beim Tagesspiegel (Si apre in una nuova finestra). „Nichts kann die Fortsetzung der israelischen Militäroperationen im Libanon und eine immer tiefere Besetzung libanesischen Territoriums rechtfertigen“, sagte Barrot demnach dem Sender BFMTV. Der Standard berichtet im Liveticker (Si apre in una nuova finestra). (Luzia Geier)

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Warum Tauben besser sind als ihr Ruf

Die Chefredaktion war zu Besuch bei der Wiener Haustaube Mango und ihrem Besitzer Fabian.  

https://www.instagram.com/reel/DY2jDvguK4O/?utm_source=ig_web_button_share_sheet&igsh=MzRlODBiNWFlZA== (Si apre in una nuova finestra)

Ich habe meine Kriegsdienstverweigerung widerrufen

Ich erlebte als Kind rassistische Gewalt und war Zivi. Mehr als 20 Jahre später habe ich mich trotzdem zur Reserve bei der Bundeswehr gemeldet. Was ist passiert?

https://krautreporter.de/politik-und-macht/6416-ich-habe-meine-kriegsdienstverweigerung-widerrufen#lesen (Si apre in una nuova finestra)

Wann platzt die KI-Blase?

Je mehr Geld in ein Geschäftsfeld investiert wird, das keinen Profit abwirft, desto kritischer wird es. Bei künstlicher Intelligenz vermuten viele, dass die Blase bald platzen könnte. Unser heutiges Fundstück zeigt anschaulich, um welche Summen es bei KI-Unternehmen geht. Und ob KI schon profitabel ist … ;-)

https://isaiprofitable.com/ (Si apre in una nuova finestra)

Wünscht einen guten Wochenstart in die kurze Woche:

Emil

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