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Hallo!
Es sind Bilder, die Seltenheitswert haben: Ein hochrangiges Mitglied einer Königsfamilie wird festgenommen. Auslöser sind neue Enthüllungen rund um die sogenannten Epstein-Files. Seit ihrer Veröffentlichung geraten bekannte Personen unter Druck – nicht nur in den USA, sondern auch diesseits des Atlantiks.
Virginia Giuffre kann die Verhaftung nicht mehr erleben. Sie war eine Angestellte von Epstein und ein Opfer von ihm und seinen Freunden. In ihren Memoiren „Nobody’s Girls“ beschreibt sie drei angebliche sexuelle Begegnungen mit Andrew, bei denen sie zum Teil noch minderjährig war. Der Prinz habe sich verhalten, als glaube er, „Sex mit mir zu haben, sei sein Geburtsrecht“, ist darin zu lesen. Giuffre nahm sich im April 2025 im Alter von 41 Jahren das Leben.
Andrew weist die Anschuldigungen bis heute zurück. In einem Interview mit der BBC im Jahr 2019 erklärte er, er könne sich nicht daran erinnern, ihr jemals begegnet zu sein. Doch andere Aussagen aus dem Gespräch sind inzwischen brüchig. Damals hatte Andrew beteuert, er habe 2010 letztmals Kontakt zu seinem Freund Jeffrey Epstein gehabt, der zu diesem Zeitpunkt bereits als Sexualstraftäter verurteilt war. Nun veröffentlichte E-Mails zeichnen ein anderes Bild: 2011 schrieb Andrew an Epstein, man werde „bald wieder miteinander spielen“.

Sonst geht es heute um einen Todesfall am Großglockner und neue Bedingungen für Budgetdaten der Bundesländer.

Andrew Mountbatten-Windsor festgenommen
Am Morgen seines 66. Geburtstags endet die private Idylle abrupt. Auf dem Gelände von Sandringham House rollen mehrere Polizeiwagen vor. Ziel: das Anwesen von Andrew Mountbatten-Windsor. Der Mann, der einst als Prinz Andrew zum innersten Zirkel der britischen Monarchie zählte, wird festgenommen.
Übereinstimmenden Berichten britischer Medien zufolge erschienen am 19. Februar sechs Fahrzeuge auf dem royalen Areal. Acht Personen in Zivil hätten die Maßnahme durchgeführt, zitiert die „Daily Mail (Si apre in una nuova finestra)“ Augenzeug*innen – Beamte, „offensichtlich Polizisten“, aber ohne Uniform. Kurz darauf steht fest: Andrew ist in Gewahrsam.
Wie die BBC (Si apre in una nuova finestra)meldet, wird gegen den Bruder von Charles III. wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch ermittelt. Die Festnahme steht demnach im Zusammenhang mit neuen Enthüllungen in der Affäre um Jeffrey Epstein. In den vergangenen Tagen waren Details publik geworden, wonach Andrew in seiner früheren Funktion als hochrangiges Mitglied der Königsfamilie sensible Informationen weitergegeben haben soll.
Die zuständige Polizeibehörde bestätigt die Maßnahme. Ein Sprecher erklärt gegenüber der BBC, man habe „im Rahmen laufender Ermittlungen“ einen Mann in den Sechzigern aus Norfolk festgenommen. Zugleich würden Objekte in Berkshire und Norfolk durchsucht. Der Beschuldigte befinde sich derzeit in Polizeigewahrsam.
Man sei sich des „erheblichen öffentlichen Interesses“ bewusst, heißt es weiter. Weitere Informationen wolle man „zu gegebener Zeit“ mitteilen. Für das britische Königshaus ist es ein weiterer Tag, an dem die Vergangenheit mit Macht in die Gegenwart drängt.

Tod auf dem Großglockner
Am Landesgericht Innsbruck beginnt am Donnerstag ein Prozess, der die Grenzen zwischen Alpinrisiko und strafrechtlicher Verantwortung auslotet. Ein 37-jähriger Bergsteiger muss sich wegen grob fahrlässiger Tötung verantworten. Seine 33-jährige Lebensgefährtin war im Jänner 2025 am Großglockner erfroren – rund 50 Meter unter dem Gipfel. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Im Fall einer Verurteilung drohen bis zu drei Jahre Haft.
Die Staatsanwaltschaft zeichnet das Bild einer riskanten Tour. Das Paar war am 18. Jänner von Kals in Osttirol über den Stüdlgrat aufgebrochen. Geplant war der Aufstieg auf 3.798 Meter und der Abstieg über Kleinglockner und Adlersruhe. Doch der Start erfolgte laut Anklage rund zwei Stunden zu spät, die Ausrüstung sei unzureichend gewesen. Die Frau trug demnach Softboots und war mit einem Splitboard unterwegs. Spätestens am sogenannten „Frühstücksplatzl“ hätte man umkehren müssen – erreicht wurde es erst gegen 13.30 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt herrschten Windgeschwindigkeiten bis zu 74 km/h, die gefühlte Temperatur lag bei minus 20 Grad.
Als sich die Lage zuspitzte, soll der Mann keinen Notruf abgesetzt haben, obwohl das Duo kaum noch vorankam. Andere Alpinisten hatten die beiden bereits gemeldet, ein Polizeihubschrauber suchte das Gebiet ab. Notsignale wurden nicht gegeben. Gegen 3.30 Uhr alarmierte der 37-Jährige schließlich die Rettung – nachdem er seine Partnerin, laut Anklage „schutzlos, entkräftet, unterkühlt und desorientiert“, zurückgelassen hatte, um Hilfe zu holen. Bergretter fanden die Frau am Vormittag tot.
15 Zeug*innen und zwei Sachverständige sind geladen. Ein alpintechnisches sowie ein gerichtsmedizinisches Gutachten sollen klären, ob Fehlentscheidungen oder eine tragische Verkettung von Umständen zum Tod führten.
Die Mutter der Verstorbenen weist Schuldzuweisungen zurück. Ihre Tochter sei erfahren und trainiert gewesen, Entscheidungen habe das Paar gemeinsam getroffen. Von einer „Hexenjagd“ gegen den Angeklagten spricht sie. Nun liegt es am Gericht, zwischen persönlicher Tragödie und strafbarer Fahrlässigkeit zu unterscheiden.

Neue Verordnung: Länder sollen Budgetdaten monatlich offenlegen
Überraschungen aus den Bundesländern bei der Budgetlage könnten bald Geschichte sein. Dafür soll eine Verordnung von Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) sorgen.
Kern der Regelung: Künftig müssen alle Länder ihre Budgetdaten monatlich an die Statistik Austria melden. Die Behörde veröffentlicht die Zahlen länderweise. Grundlage ist eine Nebenvereinbarung zum Stabilitätspakt.
Marterbauer verspricht sich davon eine verlässlichere Gesamtplanung der Staatsfinanzen. Bund, Länder und Gemeinden müssten gemeinsam handeln, um die öffentlichen Haushalte zu stabilisieren. Transparenz und Datenqualität würden „deutlich verbessert“, heißt es laut APA aus seinem Ministerium.
Hintergrund ist ein Dauerärgernis: Der Bund erhielt bislang nur aggregierte Daten. Zwar melden die Länder ihre Zahlen an die Statistik Austria, diese durfte sie jedoch nur gebündelt an das Finanzministerium weitergeben. Zudem musste Wien als Gemeinde seine Daten bisher lediglich quartalsweise liefern.
Das soll sich ändern. Auch Wien wird verpflichtet, monatlich Budgetdaten auf Kassenbasis – also tatsächliche Ein- und Auszahlungen – zu melden. Die Statistik Austria soll die Ergebnisse künftig getrennt nach Ländern veröffentlichen.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Wenn Gehälter kein Geheimnis mehr sind
Mit der EU-Lohntransparenz-Richtlinie können Beschäftigte bald ihre Löhne vergleichen. Doch was passiert, wenn man weiß, ob man (un-)fair verdient? Und bringt Transparenz wirklich mehr Gerechtigkeit zwischen Frauen und Männern?
https://www.wienerzeitung.at/a/wenn-gehaelter-kein-geheimnis-mehr-sind (Si apre in una nuova finestra)
Aus dem Archiv: Dieses Buch hat mir gezeigt, wie wenig wir über Menstruation wissen
Die Autorin Jen Gunter fordert, sie endlich als das zu sehen, was sie ist: eine Superkraft.
https://krautreporter.de/geschlecht-und-gerechtigkeit/5337-dieses-buch-hat-mir-gezeigt-wie-wenig-wir-uber-menstruation-wissen#lesen (Si apre in una nuova finestra)
Kurz nach seinem Comeback sorgt Xavier Naidoo erneut für Empörung. Bei einer Demonstration vor dem Bundeskanzleramt in Berlin gegen sexuelle Gewalt an Kindern sprach der 54-Jährige mit Blick auf die sogenannten Epstein-Akten von „Menschenfressern“. Wörtlich sagte er: „Die fressen unsere Babys.“
Der Antisemitismusbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, Michael Blume, wertet die Wortwahl als radikalisierend, schreibt die Welt (Si apre in una nuova finestra). Naidoo habe in der Vergangenheit mit Anspielungen wie „Tothschild“ antisemitische Deutungsmuster bedient und dies nicht glaubwürdig aufgearbeitet. Begriffe wie „Kinderfresser“ oder „Menschenfresser“ könnten von Teilen seiner Anhängerschaft als antijüdische Verschwörungsmythen verstanden werden – „sehr gefährlich“, so Blume. Xavier Naidoo verbreitete auch eine Verschwörungs- und Lügenerzählung, die sich vor fünf Jahren rasch verbreitete: jene über QAnon. Mimikama hat den Schwindel nachgezeichnet.
https://www.mimikama.org/qanon-die-chronik-eines-schwindels/ (Si apre in una nuova finestra)Schaut aus dem Fenster und bemerkt, dass es schon wieder schneit:
Markus