Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Gestern ging ZARA ( Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit), ein Verein, der wichtige Arbeit im Kampf gegen Rassismus und Hass im Netz macht, mit der Information an die Öffentlichkeit, dass Bundesministerin Claudia Bauer (ÖVP) 330.000€ an Förderungen für den Verein gestrichen habe. Es drohe die Betriebseinstellung, 18 Angestellten wurde bereits gekündigt, sagt ZARA.
Inzwischen haben über 40.000 Menschen die Petition zur Rettung des Vereins (Si apre in una nuova finestra)unterschrieben. Am Horizont gibt es eine sanften Hoffnungsschimmer. „Hass im Netz nimmt zu. ZARA leistet als Beratungsstelle einen wesentlichen Beitrag im Kampf gegen digitale Gewalt. Auf ZARA zu verzichten, können wir uns nicht leisten – eine Absicherung des Beratungsangebots ist wesentlich“, sagte Vizekanzler Andreas Babler. Vizekanzler Babler wolle gemeinsam mit Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (beide SPÖ) “alle Möglichkeiten” prüfen, damit ZARA weitermachen kann.
Derweil wird über die Gründe des Bauer’schen Förderstopps spekuliert: Macht sie hier die Drecksarbeit der FPÖ, die seit Jahren gegen NGOs kampagnisiert? Will sie die Arbeit der Dreierkoalition untergraben? Denn es ist offensichtlich, dass weder SPÖ noch NEOS diesem symbolkräftigen Zug gutheißen können. Oder geht es schlicht um einen budgetären Kniff: Bauer könnte - wohl richtigerweise - vermutet haben, dass ein anderes Ministerium die Rechnung schon übernehmen werde. Auffallend still ist dazu jedenfalls ÖVP-Parteiobmann und Bundeskanzler Christian Stocker. Möglich ist auch, dass Bauer hier - im Stil ihres einstigen Förderers Sebastian Kurz - versucht, an dem Ast zu sägen, auf dem Stocker sitzt. Time will tell.

Außerdem im Newsletter: Dickpics des Ex-ORF-Chefs, Kampfroboter und die angezapfte Erdölreserve.

Falter veröffentlicht Auszüge aus Weißmann-Chats
Nachdem die ORF-Compliance-Abteilung ihren Ex-Chef vom Vorwurf der sexuellen Belästigung (im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes) reingewaschen hatte, ging Roland Weißmann zuletzt in die Offensive und kündigte Klagen gegen ORF und die Mitarbeiterin an, die die Vorwürfen gegen ihn erhoben hatte. Im Krone (Si apre in una nuova finestra)-Interview stellte er sich unter Tränen als Opfer dar und behauptete: “Es gibt keine kompromittierenden Fotos, die ich bereue.”
Als Reaktion veröffentlichte gestern der Falter (Si apre in una nuova finestra) online Ausschnitte aus den zugespielten Chats zwischen Weißmann und der Mitarbeiterin, die zeigen, dass “Weißmann über dreieinhalb Jahre hinweg eine ORF-Angestellte drangsalierte, um an Sex zu kommen.” Anders als von Weißmann dargestellt, zeigen die Chatausschnitte, dass die Beziehung weder einvernehmlich noch wechselseitig war. Bildlich beschreibt die Falter-Journalistin Barbara Toth drei Vorfälle, in den Weißmann ungefragt Dickpics an die Frau geschickt hatte. Das ungfragte Versenden von solchen Penisbildern ist inzwischen strafbar.
Der Falter ist das erste Medium, das den Schritt der Veröffentlichung der Chats wagt und damit eine Grauzone des Medienrechts auslotet. Denn auf der einen Seite steht ein öffentliches Interesse an Roland Weissmann, auf der andere Seite der berechtigte Schutz des höchstpersönlichen Lebensbereichs. Falter-Chefredakteur Florian Klenk begründet den Schritt auf Instagram (Si apre in una nuova finestra): “Wir wissen, dass das ein Grenzgang ist, aber wir sind der Meinung, dass das öffentliche Interesse an der Kenntnis dieser Chats überwiegt. Es geht um die Frage, ob ein mächtiger Medienmanager seine Position ausgenützt hat, um an eine sexuelle Beziehung mit einer Mitarbeiterin zu kommen. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der höchstpersönliche Lebensbereich hier nur vorgeschützt wird, um eine kritische Berichterstattung zu verhindern.” Ob die Berichterstattung rechtlich erlaubt war, wird wohl gerichtlich geklärt werden.
Gestern ging auch die Mitarbeiterin selbst an die Öffentlichkeit und äußerte sich in Interviews mit Krone (Si apre in una nuova finestra) und Zeit im Bild (Si apre in una nuova finestra)und bezichtigt Weißmann der Lüge.

Kampfroboter sind gekommen, um zu bleiben
Im Film Terminator 2 ist die durch Kampfroboter ausgelöste Apokalypse auf 2029 datiert. In der Realität zeigt sich, dass 2026 der Durchbruch von Kampfrobotern sein wird. Die New York Times (Si apre in una nuova finestra) berichtet von ferngesteuerte Kamikaze-Robotern, die bestückt mit 30 Kilogramm Sprengstoff, unter Assistenz von bombenwerfenden Drohnen russische Stellungen in der Ukraine angreifen. “Menschenleben sind kostbar, Roboter bluten nicht”, bringt Junior Lieutnant Mykoly Zinkevych die Vorteile auf den Punkt. Noch sind menschliche Soldat*innen der entscheidende Faktor im Krieg, aber der Einsatz von unbemannten Kampfsystem zu Lande, zu Wasser und in der Luft schreitet rapide voran. Laut Ukrainischen Verteidigungsministerium kamen im letzten Monat 9.000 Mal Kampfroboter zum Einsatz. Im Gegensatz zu Drohnen sind diese zwar langsamer und schneller erkennbar, aber können ein größeres Gewicht transportieren und bieten ein stabile Plattform - etwa zum Abfeuern eines Maschinengewehrs.
Auf der anderen Seite der Welt in China hat ein humanoider Roboter gerade den menschlichen Halbmarathonsweltrekord im Laufen deutlich unterboten. Eine neue Studie zeigt, dass sich chinesische Polizei und Streitkräfte mit dem Einsatz solcher Roboter im Umgang mit politischen Aufständen beschäftigen. Der Standard (Si apre in una nuova finestra) berichtet, dass in einer Studie die Niederschlagung einer Rebellion gänzlich durch Drohnen, Roboter und KI erfolgen könnte.

OMV greift auf Notstandsreserve zu
Österreichs führender Mineralölkonzern hat 56.000 Tonnen Rohöl aus der österreichischen Notstandsreserve gekauft (Si apre in una nuova finestra). Die Versorgungslage mit Erdöl sei derzeit gesichert, versichert das Wirtschaftsministerium. Doch dass diese Selbstverständlichkeit betont werden muss, zeigt die Verunsicherung. In Folge des Irakkrieges ist die wichtige Handelsverbindung der Meerenge von Hormus gesperrt, wodurch weniger Öl auf dem Weltmarkt verfügbar ist.
Insgesamt verfügt Österreich über eine Reserve von 2, 47 Millionen Tonnen Rohöl, Benzin, Diesel und Kerosin, die in Linz, Wien, Lannach und Triest gelagert sind. Die Freigabe der Reserve erfolgt auf Basis einer Verordnung des Wirtschaftsministeriums und steht ausschließlich dem österreichischen Markt zur Verfügung.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Digitale Allianz gegründet
In Österreich hat sich ein neuer Medienverband gegründet, der die Interesse großteils jüngerer, überwiegend digitaler Medien vertreten soll. Die Digitale Allianz darf als Gegenstück zum dominanten Lobbyverband VÖZ (Verband Österreichischer Zeitungen) verstanden werden, der erfolgreich die printbasierten Legacy-Medien vertritt. Im Hinblick auf die gerade laufende Debatte zur Neugestaltung der Medienförderung kann diese Interessensvertretung schnell zu einem politisch relevanten Player aufsteigen.
Zu den vertretenen Medien gehören unter anderem andererseits, Jetzt, Zwischenbrücken, Erklär mir die Welt und Kobuk. Das Team besteht im Kern aus den Persönlichkeiten Gerlinde Holzleitner (ehem. derstandard.at (Si apre in una nuova finestra)), Stefan Apfl (Hashtag Media), Stefan Lassnig (Missing Link) sowie Tatjana Lukás (Happy Media House). Es bleibt abzuwarten, wie sehr sich der Verband als Vertretung journalistischer Unternehmung positioniert, da die Unternehmen der Gründer*innen zu einem großen Teil Umsätze im Bereich der Unternehmenskommunikation generieren.
https://www.digitale-allianz.at/ (Si apre in una nuova finestra)
“Unsere Zukunft wird im Altenheim entschieden“
Das sagt mein 9-jähriger Sohn. Warum gibt es für viele Berufe mit hoher Verantwortung eine Altersgrenze – aber nicht für Politiker:innen?
https://krautreporter.de/politik-und-macht/6350-unsere-zukunft-wird-im-altenheim-entschieden#lesen (Si apre in una nuova finestra)
In dieser Kirche beten sie für den Wal. Und weinen
Ganz Deutschland ist Im Bann des gestrandeten Wals, aber nirgendwo spürt man das so stark wie in der Kirche im Strandort Poel. Dort kommen Menschen hin, um für die Rettung von Wal Timmy zu beten. “Für Wal Timi den ihr leiden lässt. Was ist Poel für eine Gemeinde? Schämt euch alle, es ist ein Gotteswesen!”
, schreibt jemand ins Gedenkbuch der Kirche. Sylvie Gühmann hat im Spiegel ein schaurig-komisch Reportage über die obskure Gemeinschaft der Walretter*innen geschrieben.
https://www.spiegel.de/panorama/rettungsaktion-buckelwal-in-der-ostsee-warum-beten-d[%E2%80%A6]4-1b6c72beeb74?giftToken=91d420ef-725f-41d5-9bcf-7af2f60d20a7 (Si apre in una nuova finestra)Hat auch schon unterschrieben,
Dominik
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