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Wie es im Iran weitergehen könnte

Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!

Wie geht es im Iran nun weiter? Fast vier Jahrzehnte prägte Ali Chamenei die Politik des Iran. Nun ist der Oberste Führer bei Angriffen Israels und der USA in Teheran getötet worden. Was folgt, ist offen – und das Land steht vor ungewissen Wochen. 

Während in der Hauptstadt Tausende gegen die Angriffe protestierten, feierten andere seinen Tod – auch in Wien (Si apre in una nuova finestra).  Viele hoffen auf einen politischen Neuanfang nach Jahrzehnten der Repression. Washington und Jerusalem sehen Irans Militär geschwächt, doch ein destabilisiertes Land könnte zugleich unberechenbarer werden.

Übergangsweise soll ein neu eingesetzter Sicherheitsrat unter Führung des einflussreichen Politikers Ali Laridschani die Regierungsgeschäfte übernehmen. Wie stabil diese Konstruktion ist, lässt sich derzeit kaum abschätzen. Der Iran ist ein Vielvölkerstaat mit mehr als 90 Millionen Einwohnern – und politische Umbrüche verlaufen selten geradlinig. 

Möglich ist ein demokratischer Aufbruch durch neue Proteste. Ebenso denkbar ist jedoch, dass Hardliner oder die Revolutionsgarden die Macht festigen – mit womöglich noch härteren Folgen für die Bevölkerung. 

Mehr kann momentan wohl nicht gesagt werden bzw. traue ich mich auch nicht.

Wir liefern einen Überblick über die aktuelle Lage. Außerdem steigt die Arbeitslosigkeit in Österreich und Lehrer*innen sollen das Kopftuchverbot kontrollieren.

Überblick: die aktuelle Lage in Nahost

Die militärische Konfrontation zwischen den USA, Israel und Iran weitet sich aus. Während Washington und Jerusalem ihre Angriffe auf iranische Ziele fortsetzen, reagiert Teheran mit Gegenschlägen, die inzwischen weit über die eigenen Landesgrenzen hinausreichen.

Die iranischen Angriffe richteten sich zuletzt nicht nur gegen Ziele in Israel, sondern auch gegen Bahrain, Katar, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate. In allen vier Staaten befinden sich strategisch wichtige Militärstützpunkte der USA. In Kuwait sind US-Kampfjets abgestürzt. Die Ursachen sind noch unklar, die Crews haben offenbar überlebt. 

Derzeit halten sich rund 17.000 registrierte Österreicher*innen im Krisengebiet auf. Das Außenministerium in Wien beobachtet die Lage nach eigenen Angaben kontinuierlich. Betroffene werden aufgefordert, sich über reiseregistrierung.at (Si apre in una nuova finestra) zu melden, die Berichterstattung zu verfolgen und behördliche Anweisungen strikt einzuhalten.

Zugleich warnt das Ministerium: „Eine Ausreise auf dem Landweg ist derzeit möglich, erfolgt jedoch auf eigene Verantwortung.“

In der Nacht zum Montag weitete sich die militärische Auseinandersetzung weiter aus: Die proiranische Hisbollah-Miliz griff von Libanon aus israelische Ziele an und eröffnete damit eine neue Front. Das israelische Militär reagierte umgehend mit umfangreichen Gegenschlägen im gesamten Libanon. 

US-Präsident Donald Trump äußerte sich unterdessen ungewöhnlich offen zum weiteren Vorgehen. In einem Interview erklärte er, man gehe derzeit davon aus, dass die militärische Operation gegen Iran etwa vier Wochen dauern werde. Die Aussage deutet darauf hin, dass Washington eine längerfristige Kampagne vorbereitet – trotz wachsender internationaler Sorgen vor einem großflächigen Krieg im Nahen Osten.

Diplomatische Initiativen bleiben bislang aus. Stattdessen bestimmen Raketenangriffe, Vergeltungsschläge und militärische Drohgebärden das Bild einer Region. 

Angesichts der Eskalation warnt IAEA-Chef Rafael Grossi vor einem möglichen Atomunfall. Ein Strahlungsaustritt könne Gebiete betreffen, „so groß wie oder größer als Großstädte“. Bislang seien iranische Atomanlagen nach den Angriffen der USA und Israels jedoch unversehrt geblieben.

Arbeitslosigkeit steigt

Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt angespannt, der Anstieg der Arbeitslosenzahlen fällt aber moderater aus. Ende Februar waren 436.160 Menschen arbeitslos oder in Schulung – 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote stieg auf 8,3 Prozent, wie das Arbeitsmarktservice (AMS) mitteilte.

AMS-Chef Johannes Kopf sieht erste Entspannungssignale: „In Oberösterreich und Kärnten sinkt die Arbeitslosigkeit, gleichzeitig nehmen offene Stellen wieder zu.“ Besorgt blickt er jedoch auf den Nahen Osten: „Der Konflikt könnte unsere wirtschaftliche Erholung belasten.“

Die Eskalation im Nahen Osten könnte Österreich wirtschaftlich spürbar treffen. Fiskalratspräsident Christoph Badelt rechnet infolge der Angriffe Israels und der USA auf den Iran kurzfristig mit steigenden Energiepreisen – und wachsender Unsicherheit für Wirtschaft und Investitionen.

In der ORF-„Pressestunde“ (Si apre in una nuova finestra) erklärte Badelt am Sonntag, der Weltmarkt reagiere bereits auf den Ausfall iranischer Öllieferungen. Besonders schwer wiege die Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Handelsrouten für (fossile) Energie weltweit. Diese betreffe nicht nur Öltransporte, sondern auch zahlreiche andere Güter und damit globale Lieferketten. Wie stark die wirtschaftlichen Folgen ausfallen, hänge maßgeblich von Dauer und Intensität des Konflikts ab.

Für Österreich ergibt sich laut Badelt eine besondere Abhängigkeit: Durch die Blockade der Meerenge zwischen Iran und Oman könne derzeit kein Flüssiggas aus Katar geliefert werden. „Die entscheidende Frage ist, wie schnell Ersatz gefunden werden kann“, sagte er. Die Unsicherheit auf den Energiemärkten treibe die Preise bereits nach oben. Die große Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verschärft die Lage.

Eine unmittelbare Gefährdung der wirtschaftlichen Entwicklung sieht der Fiskalratschef dennoch nicht. Allerdings dürften die bereits gestiegenen Treibstoffpreise rasch in der nächsten Inflationsrate sichtbar werden.

Lehrer*innen sollen Kopftuchverbot kontrollieren

Die geplante Umsetzung des Kopftuchverbots für Schülerinnen unter 14 Jahren stößt bei Lehrervertreter*innen auf deutliche Kritik. Das Bildungsministerium schreibt vor, dass ein Verstoß „unverzüglich“ gemeldet werden muss – sonst drohe eine Dienstpflichtverletzung. Lehrkräfte hätten kein Ermessen, heißt es in einem Rundschreiben.

Paul Kimberger, oberster Lehrergewerkschafter, nannte die Vorgaben im „Falter (Si apre in una nuova finestra)“ „absolut überschießend“. Ab dem Schuljahr 2026/27 sind Kopfbedeckungen, die „das Haupt nach islamischen Traditionen verhüllen“, verboten; Verstöße können mit Geldstrafen bis 800 Euro geahndet werden.

Das Ministerium weist die Kritik zurück und betont, die Vorgaben sollen Lehrkräfte „in ihrer Rolle stärken“ und die bestehende Rechtslage verdeutlichen.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Was tut sich beim Prozess gegen Egisto Ott?

Das Profil hat dazu eine neue Podcast-Folge veröffentlicht. Dabei geht es darum, welche Rolle der frühere Verfassungsschützer Egisto Ott und sein Umfeld in der BVT-Affäre gespielt haben sollen, wie eng seine Kontakte zur FPÖ während des BVT-Untersuchungsausschusses tatsächlich waren – und warum der Ex-Beamte nun juristisch gegen Kritiker*innen vorgeht: Der Fall wirft erneut Fragen über politische Netzwerke, Loyalitäten und den Umgang mit Aufklärung in Österreichs Geheimdienstaffäre auf.

https://www.profil.at/podcasts/im-gerichtssaal-egisto-ott-folge-7/403135856 (Si apre in una nuova finestra)

Interview: Israel beherrscht jetzt den Nahen Osten – ohne erkennbaren Plan

Das sagt der Islamwissenschaftler Reinhard Schulze. Und fügt hinzu: Wir erleben gerade einen fundamentalen Paradigmenwechsel.

https://krautreporter.de/politik-und-macht/5920-israel-beherrscht-jetzt-den-nahen-osten-ohne-erkennbaren-plan (Si apre in una nuova finestra)

Der weibliche Körper ist ein Schlachtfeld

Eva Sager hat in der WZ einen lesenswerten Essay verfasst.  Ob im Iran, der Ukraine oder privaten Karibikinseln: Frauen- und Mädchenkörper bleiben die am stärksten unterdrückten Territorien der Welt. 

https://www.wienerzeitung.at/a/essay-schlachtfeld-frauenkoerper (Si apre in una nuova finestra)

Gibt sich dem Doom-Scrolling hin:

Markus

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