Liegen wir alle falsch? Und wie kann uns KĂĽnstliche Intelligenz bei der Antwort helfen?
Religiöse Geisterfahrer
Mir geht dieser alte Witz nicht aus dem Kopf: Ein Fahrer hört im Radio die Warnung vor einem Geisterfahrer auf der Autobahn – und wundert sich, weil ihm doch so viele entgegenkommen.
Und ich frage mich: Was, wenn nicht wir in die richtige Richtung fahren, sondern alle anderen?
Gerade als Mitglied einer kleinen Freikirche liegt dieser Gedanke näher, als man vielleicht zugeben möchte. Meine Tochter war gerade in Mumbai – 24 Millionen Menschen, überwiegend Hinduisten. Dann der bange Blick in den wieder so instabilen Nahen Osten mit seiner muslimischen Prägung. Der zunehmend säkularisierte Westen, in dem ein Glaube ans Universum akzeptabler scheint als ein bibelorientiertes Christentum. Und auf der anderen Seite religiöser Fundamentalismus in den USA.
Ăśberall Ăśberzeugung. Ăśberall Mehrheit. Und wir mittendrin.
Kann es sein, dass wir falsch liegen?
Jesus sagte:
»Geht durch das enge Tor! … Wie schmal ist der Weg, der zum Leben führt, und nur wenige finden ihn.« (Matthäus 7,13–14)
Er selbst hielt es offenbar für realistisch, dass viele einen anderen Weg gehen würden. Und er spricht nicht vom offensichtlich Bösen, nicht von Ninive, sondern vom breiteren, bequemeren, vielleicht sogar naheliegenderen Weg.
Und dann denke ich an KĂĽnstliche Intelligenz. Sie berechnet das Wahrscheinlichste. Das, was in der Summe am meisten Sinn ergibt. Die logischste Antwort.
Aber war es logisch, dass der Messias sterben musste, damit wir leben? War das statistisch naheliegend?
Vielleicht liegt Wahrheit gar nicht in der Mitte. Vielleicht ist sie nicht die wahrscheinlichste Option.
Ist KI das Böse?
Man kann schnell ins Negative kippen. 666. Codes. Systeme. Kontrolle. Maschinen mit Bewusstsein, die irgendwann eigene Entscheidungen treffen.
Solche Gedanken kommen – besonders in einer Welt, die sich zugleich religiös auflädt und politisch verhärtet. Kriege im Namen Gottes. Moralische Fronten. Fakes und Manipulation. Technologische Sprünge, die schneller sind, als wir uns innerlich mitentwickeln können.
Doch ich merke auch: Wenn ich mich zu lange darin verliere, verliere ich Ruhe. Und Zeit.
Lauert das Böse wirklich in der Maschine? Oder projizieren wir es nur dorthin – oder lieber in „die anderen“?
SĂĽnde und Versuchung
Vielleicht liegt die ehrlichere Frage näher.
Es schmerzt, wenn ich wieder in dieselbe alte Falle tappe. Wenn ich merke, wie viel Energie mich mein eigenes Versagen kostet. Gedanken. Rechtfertigungen.
Am Sonntag sah ich auf das Kreuz vor blauem Hintergrund in unserer Gemeinde. Ich war beschämt über eine konkrete Schuld, die mir sehr präsent war. Doch Jesus kannte mich schon damals. Und nahm auch diese Schuld auf sich. Das traf mich tief.
Nicht nur, weil ich mich ertappt fühlte – sondern weil ich merkte, wie viel Zeit ich manchmal damit verbringe, mich um meine eigene Sünde zu drehen. Wie viel Raum ich ihr gebe.
Ich hatte versprochen, Einblicke zu geben in das, was mich beschäftigt. Das sind sie:
Was ist richtig, was ist falsch?
Wie sicher kann ich mir sein mit meinen Ansichten?
Wie nahe stehe ich selbst am Rand des schmalen Weges?
Wo ist dieses Böse, vor dem ich fliehen will?
Und warum fliehe ich manchmal nicht …?
Vielleicht finde ich die Antwort nicht in der Mehrheit derer, die ich frage. Und erst recht nicht in der Maschine. Sondern in der täglichen ehrlichen Umkehr – und im Vertrauen darauf, dass Christus größer ist als meine Unsicherheit.
Mein Weg mit Jesus ist einzigartig – wie auch deiner. Niemand kann ihn berechnen oder vorhersagen, denn unser Leben hat noch niemand vor uns gelebt.
Und nur einer kann dich und mich ans Ziel bringen: Jesus. Er ist uns vorausgegangen, damit wir ihm folgen können.
Das ist fĂĽr mich die Summe des Glaubens.