
Zur Barrierefreiheit und Transparenz hier ein Posting, das ich soeben auf der Facebook Fanpage (Si apre in una nuova finestra) und X (Si apre in una nuova finestra) veröffentlicht habe.
Eine kurzer Rundumschlag zum Sudan.
Auffällig, wie viele derzeit auf den Sudan-Zug aufspringen. Sowohl Propagandisten, die versuchen nun etwas „Antimuslimisches“ zu finden. Als auch jene, die erklären wollen. Was häufig nicht über das Elend der Zivilbevölkerung hinausgeht.
Selbst große Medien berichten plötzlich.
Mir kann es nur recht sein, ich versuche nun seit Jahren auf das Thema aufmerksam zu machen.
Ein paar Stichpunkte:
Im Sudan ist akut nichts passiert, was nicht schon länger laufen würde.
Man schätzt, dass insgesamt 12 Millionen Menschen auf der Flucht sind. Vor allem im Sudan, aber auch nach Ägypten.
Hunderttausende sind akut von Hunger bedroht, es gibt fortlaufend Massaker.Der Krieg im Sudan ist nicht religiös motiviert. Es geht vor allem um Macht. Auf beiden Seiten sind Gruppen aktiv, die auch islamistische Ziele vertreten.
Ich gehe davon aus, daher geht die „anti-westliche“ Propaganda derzeit steil. Denn das ist ein inner-islamischer Macht-Konflikt, man kann niemanden externen anschwärzen.
Stattdessen wird versucht, externe („westliche“) Kräfte zumindest mit Waffenlieferungen in Verbindung zu bringen. Das klappt aber höchstens um zwei bis drei Ecken, wenn überhaupt.
Häufig werden beispielsweise Bilder verwendet, auf denen Schwarzafrikaner mit G3 Sturmgewehren zu sehen sind. Dazu muss man aber wissen, dass das G3 nach der Kalaschnikow (Russland) und dem AR-15/M-16 (USA) zu den am weitesten verbreiteten Gewehren gehört. Sie wurden/werden u.a. auch in der Türkei und in Mexiko in Lizenz gefertigt und im Iran und Pakistan nachgebaut.
Die allermeisten Waffen, die auf Bildern zu sehen sind, sind aus sowjetischen Quellen.Der Sudan ist tief mit Ägypten verflochten. Schwarze Pharaonen aus dem Sudan haben sogar zeitweise Ägypten regiert, es gab keine Landesgrenze im heutigen Sinne. Das Land hieß einfach nur Kush („Land der Schwarzen“).
Auf beiden Seiten des Konflikts ist auch die Muslimbruderschaft aktiv, aus der wiederum auch die Hamas hervorgegangen ist. (Ausführlicher Beitrag dazu hier… (Si apre in una nuova finestra))
Die Flagge des Sudans ist leicht mit der palästinensischen Flagge zu verwechseln. Es sind die arabischen Revolutionsfarben. Auch das ist kein Zufall.
Obwohl die dort lebenden Menschen sehr deutlich keine Araber sind. Sie sind kolonialisiert und arabisiert.Araber blicken nach wie vor auf Schwarze herab. Es gab über Jahrhunderte einen arabischen Sklavenhandel, der dem transatlantischen in nichts nachstand.
Saudi-Arabien hat die Sklaverei erst 1962 abgeschafft, der Nordjemen ebenfalls 1962, Südjemen 1967, Oman 1970.
In Gaza gibt es bis heute ein Viertel, das „Abid“ (engl. Transskript „Abeed“) genannt wird. Das bedeutet aber eigentlich „Sklave“ oder „Diener“.Die Mechanismen sind die gleichen, wie auch im Nahen Osten. Durch Kolonialmächte (Araber, Osmanen, Briten-Ägyter) und nachfolgende Diktatoren wurde die Macht gebündelt. Nun versuchen kleinere Gruppen in ein Machtvakuum zu dringen.
Die Dschandschawid Milizen sind beispielsweise berittene Beduinen. Das macht es für Europäer schwer, zu verstehen, was dort vor sich geht. Und für die Propaganda Narrative zu entwickeln. Deshalb wurde und wird dieser Konflikt ignoriert.
Ich werde dazu sicherlich noch – endlich – in einem längeren Beitrag erklären. Derzeit habe ich aber den Schreibtisch noch voll und arbeite an einem großen Beitrag zu einem anderen Thema.