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Ausgabe #52 — Ein Fahrstuhlgespräch

Die Tage meiner Festanstellung sind gezählt. Genau genommen sind es noch sieben Arbeitstage, die ich im Media Quarter Marx verbringen werde. Danach widme ich mich voll und ganz dem Wiener Flâneur. Es fühlt sich nach einem guten Zeitpunkt an. Es wird sich viel verändern und darauf freue ich mich schon. Allein in dieser Woche sind knapp 100 neue Leserinnen und Leser zu diesem Newsletter dazugekommen. Die gesamte Community zählt somit schon fast 4.500 Flâneurinnen und Flâneure: Hier, auf Social Media und die nächste Printausgabe ist in Vorbereitung.

Über die nächsten Schritte der Redaktion berichte ich bald mehr, aber kommen wir schnell zum Thema dieser Woche.

Bild: Wiener Flâneur AF

Ich stehe also im Fahrstuhl im Media Quarter Marx. Eine Kollegin steigt ein. Wir reden übers Wetter. Das macht man so in Bürogebäuden. Wir plaudern darüber, dass sich gerade ganz Wien über diese ersten warmen Tage freut.

Über das Herumlungern auf den Plätzen. Daydrinking am Freitag. Die Sonne im Gesicht, die nach dem trüben Winter plötzlich wieder richtig Kraft hat. Fast schon zu viel Kraft. So viel Kraft, dass es schon fast heiß wird.

Und plötzlich fällt uns wieder ein, worauf das Ganze hinausläuft, und wir landen beim eigentlichen Thema: Sudern. Über die Hitze, die uns diesen Sommer wieder erwartet.

Wir alle wissen ja, was da kommt: Schlaflose Nächte im Juli. Wohnungen, die sich über den Tag aufheizen und nachts kaum mehr abkühlen. Ventilatoren, die viel Lärm machen und wenig bringen.

So weit, so normal für Wien, oder?

Frühjahrsputz mit Ideen

Gleichzeitig passiert im Frühling jedes Jahr noch etwas.

Diese typische Aufbruchsstimmung kommt auf. Wir putzen unsere Fenster, damit die Sonnenstrahlen wieder in die Wohnungen fallen. Balkone werden geschrubbt. Innenhöfe werden aufgeräumt. Und irgendwann denkt man sich vielleicht:

Vielleicht könnte man hier auch etwas begrünen? Gab es da nicht ein paar Förderungen?

Ein Parklet vor der Haustür.
Eine begrünte Fassade.
Ein paar Pflanzen im Innenhof.
Oder ein Gründach. Die Lust dazu wäre jedenfalls da.

Ich hätte dir gerne - wie letztes Jahr - eine neue Liste mit Förderanträgen geliefert, aber ich muss dich an dieser Stelle leider aus dem Frühlings-Dreamland der Förderungen reißen. Es scheint vorbei. Denn wenn man sich derzeit durch die Förderseiten der Stadt Wien klickt, taucht immer wieder derselbe Satz auf:

„Eine Einreichung ist derzeit leider nicht möglich, da die verfügbaren Fördermittel ausgeschöpft sind.“

Das betrifft ausgerechnet jene Programme, die für eine klimafitte Stadt besonders wichtig wären: Dachbegrünung, Fassadenbegrünung oder Entsiegelung von Flächen.

Mitten im Frühling.

Dabei wären genau solche Maßnahmen dringend nötig: In natürlichen Landschaften verdunsten etwa 75 % des Niederschlags. Dieser Prozess sorgt für Kühlung. In Städten hingegen verdunsten oft nur rund 5 %, weil Wasser über versiegelte Flächen schnell abfließt. Das Ergebnis ist einfache Physik: Verdunstung kühlt die Stadt.

Mit dem Thema Schwammstadt hat sich unsere Praktikantin, Ylvie Viramo, beschäftigt. Das Ergebnis ihrer Recherche haben wir in unserem Dossier veröffentlicht.

https://wienerflaneur.com/dossier/begruenung-entsiegelung/wenn-die-stadt-zum-schwamm-wird/ (Si apre in una nuova finestra)

Ganz aussichtslos ist es trotzdem nicht

Wir wären nicht beim Wiener Flâneur, wenn wir auch in dieser misslichen Lage nicht doch noch ein paar gute Aussichten parat hätten. Auch wenn einige Förderprogramme derzeit pausieren, gibt es noch Möglichkeiten, aktiv zu werden.

Wo sich Türen schließen, öffnen sich neue

Dass Schwammstadt-Projekte bereits funktionieren können zeigt sich im 18. Bezirk gleich an der Grenze zu Hernals: Der Johann-Nepomuk-Vogl-Markt wurde erst kürzlich umgestaltet.

Johan Nepumuk Vogl Platz im Juni 2025. © Wiener Flâneur AF

Wer den Platz kennt, weiß, dass es dort vor dem Umbau in den Sommermonaten kaum möglich war, länger als ein paar Minuten zu verbringen. Der Umbau hat funktioniert und der Platz ist wie ausgewechselt. Wie das Prinzip der Schwammstadt genau funktioniert, kannst du dieser Grafik entnehmen.

Schwammstadt Johann-Nepomuk-Vogl-Markt © Karl Grimm, Müller-Schinwald

Grätzlmarie im 17.

In Hernals läuft derzeit die Förderung „Grätzlmarie“. Dort können Bewohnerinnen und Bewohner Projekte für klimafitte Innenhöfe, Begrünung oder kleine Nachbarschaftsinitiativen einreichen – meist zwischen 500 und 8.000 Euro Förderung. Die nächste Einreichfrist ist der 15. Mai. Mehr Informationen findest du hier. (Si apre in una nuova finestra)

Für Urban-Street-Gardener

Und wer ganz unkompliziert anfangen möchte, kann sogar eine Baumscheiben-Patenschaft übernehmen. Dabei kümmert man sich um den kleinen Erdstreifen rund um einen Straßenbaum – pflanzt Blumen, gießt im Sommer oder sorgt einfach dafür, dass der Boden nicht austrocknet. Hier geht es direkt zum Antrag. (Si apre in una nuova finestra)

KULTURTIPPS

Flussfluchten: Vernissage Anna Meyer

Donnerstag, den 19. März 2026
Beginn: 18 Uhr

Ausstellungsdauer: 20.03. - 23.04.2026
Galerie Krobath (Si apre in una nuova finestra) in der Eschenbachgasse 9, 1010 Wien

Wir gehören dem Fluss, nicht der Fluss uns. In der Glasvitrine weint der Vogel Seelensalz, die Menschen müssen fliegen, im Rad der Zeit mutieren die Panzerkäfer wehrhaft, die goldenen Eier der Angstgänse kriegen die Diebe und fallen in den Abgrund, die Ausbeutung der Ressourcen entfacht Kriege. Kriegen, das Geschäft mit der Angst, sind die goldenen Eier des Populismus. Kriegen um zu Kriegen.

Angel Bat Dawid, RP Boo & XT – LO AND BEHOLD

Freitag, den 20. März 2026
Beginn: 21:00
im Tanzquartier Wien, Museumsplatz 1 in 1070 Wien

Experimenteller Sound trifft auf Performance: Im Tanzquartier Wien feiert die Chicagoer Jazz-Ikone Angel Bat Dawid ihr Wien-Debüt mit einem neuen Stück, das Klarinette, Stimme, Improvisation und historische Kompositionstechniken verbindet. Gemeinsam mit Footwork-Pionier RP Boo und dem Londoner Duo XT entsteht ein intensiver Dialog zwischen Jazz, Chicago House und afroamerikanischen Musiktraditionen – ein seltener Live-Moment für alle, die neugierig auf musikalische Grenzgänge sind.

Live: Garth. (US)

Samstag, den 21. März 2026
Beginn: 20:00
im The Loft, Lerchenfelder Gürtel 37 in 1160 Wien

Soul, R&B und Pop mit Brooklyn-Vibe: Der Singer-Songwriter Garth. bringt seine kraftvolle Stimme und sein neues Material auf die Bühne des Loft. Inspiriert von Größen wie Prince oder Earth, Wind & Fire verbindet er klassischen Soul mit modernen Sounds – Support kommt vom Wiener Neo-Soul-Act Suluka.

https://open.spotify.com/intl-de/artist/7aEP0AzwgG0Bs0Bw7I2sqI?si=IeMfy0wgQ1-I21F1ypEvVw (Si apre in una nuova finestra)

Bis zum nächsten Newsletter wünsche ich dir eine gute Zeit!

Liebe Grüße,
Alexandra Folwarski,
Herausgeberin Wiener Flâneur

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