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    <title>Psychologie + Demokratie</title>
    <link>https://steady.page/josef-merk</link>
    <description>Werde Teil deiner inneren Demokratie. Handle demokratisch in der Welt.</description>
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      <title><![CDATA[Demokratie der Lebewesen]]></title>
      <description><![CDATA[Der Wald „waldet“, der Baum „baumt“ und der Hügel „hügelt“. Was diese Formulierungen mit Demokratie zu tun haben, das zeigt dieser Newsletter.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><em>Lesezeit: 7 Minuten</em></p><p>Der Wald „waldet“, der Hügel „hügelt“ und das Meer „meert“. Was es mit diesen Formulierungen auf sich hat, und was sie mit Demokratie und Handlungsfähigkeit zu tun haben, darum geht es in dieser Ausgabe.</p><p>Seit einiger Zeit beschäftigen mich zwei Fragen: Was kann ich angesichts von Kriegen, anhaltender Umweltzerstörung und wachsender Ungleichheit tun? Wie gelingt es mir, das Wohl von Mensch, Tier und Planet mehr in meinen Fokus zu rücken?</p><p>Eine inspirierende Antwort habe ich in einem kleinen Buch gefunden, das mir vor einigen Wochen in die Hände fiel. Ich stelle es hier vor und mache die Kernidee, wie gewohnt, mit einer Inner Work spürbar.</p><h2>Eine Sprache des Lebendigen</h2><p>Das Buch heißt <a href="https://www.penguin.co.uk/books/443658/the-democracy-of-species-by-kimmerer-robin-wall/9780141997049"><em>The Democracy of Species</em></a>, geschrieben<em> </em>von Robin Wall Kimmerer<em>, </em>einer US-amerikanischen Botanikerin, Professorin der State University of New York, Direktorin des <em>Center for Native Peoples and the Environment</em> und Angehörige der Potawatomi Nation, einer indigenen Bevölkerungsgruppe im Gebiet der <em>Great Lakes</em>. Es hat nur 88 Seiten, aber meine Weltsicht grundlegend verändert. Wall Kimmerer beschreibt darin, wie sie mühsam die Sprache ihrer Volksgruppe lernt. Sie spricht kein Potawatomi, weil es der Generation ihres Großvaters verboten war, es zu sprechen.</p><a href="https://www.penguin.co.uk/books/443658/the-democracy-of-species-by-kimmerer-robin-wall/9780141997049"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/707cedf4-994c-43b7-90d8-4288a91c0c1b/uploads/images/a3lcssffkb/Democracy_of_Species.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Cover des Buchs: The Democracy of Species von Robin Wall Kimmerer"/></a><p>Beim Lernen begegnet Wall Kimmerer einer Schwierigkeit dieser indigenen Sprache, die heute weltweit von nur noch neun Menschen muttersprachlich gesprochen wird: Etwa 70 % der Wörter sind Verben. Im Vergleich dazu hat Englisch laut Wall Kimmerer nur ca. 30 % Verben, dafür aber 70 % Substantive, Adjektive und anderen nicht-verbale Wortarten. Im Deutschen ist das auch so. Für viele der Verben, die es in Potawatomi gibt, lassen sich weder auf Englisch noch auf Deutsch Übersetzungen finden. Diese Worte existieren einfach nicht.</p><p>Das liegt daran, dass Englisch und Deutsch einer Objekt-Logik folgen: „Dort steht ein Baum.“ Der Baum ist das Objekt. Er ist ein Gegenstand. Aus der Grammatik geht nicht hervor, dass er lebendig ist. Natürlich wissen wir, dass ein Baum lebt, im Herbst verliert er Blätter und im Frühling beginnt er zu blühen. Doch im Satz „Dort steht ein Baum“ ist der Baum einfach nur ein lebloses Ding, das irgendwo steht, genauso wie ein Auto, ein Windrad oder ein Strommast.</p><p>Der große Unterschied in der Potawatomi-Sprache, wie in vielen indigenen Sprachen, liegt darin, dass der Baum bereits sprachlich als lebendiger Prozess erscheint: Der Baum „baumt“. Er ist lebendig. Er macht lebendige Dinge, nimmt Wasser durch die Wurzeln auf, betreibt Photosynthese in den Blättern und tauscht Botenstoffe mit anderen Bäumen aus. Er ist ein Lebewesen und das ist den Potawatomi (wie vielen anderen indigenen Völkern) jederzeit bewusst, weil es ihre Sprache so ausdrückt.</p><p>Und weil er ein Lebewesen ist, begegnen ihm die Potawatomi mit Respekt. Dieser Respekt zeigt sich auch darin, dass die Potawatomi den Wald nicht als Ressource verstehen, aus der man sich jederzeit bedienen kann, und auch nicht als Objekt, das man erhalten will. Der Wald ist für sie ein Lebewesen, bei dem sie sich fragen, was es braucht, so wie wir uns um das Wohlergehen eines Menschen sorgen, der uns wichtig ist. Statt als Objekt zu gelten, dem wir überlegen sind, wird der Wald als gleichwertiges Lebewesen auf diesem Planeten gesehen. „Was können wir dem Wald geben?&quot; und „Was können wir für den Wald tun?&quot; sind daraus resultierende Fragen.</p><h2>Der Wald „waldet“</h2><p>So wie der Wald „waldet“, „hügelt“ der Hügel und „buchtet“<em> </em>die Bucht. Wall Kimmerer übersetzt diese Verben ins Englische als <em>to be a forest</em>, <em>to be a hill</em> und <em>to be a bay</em> (ein Wald sein, ein Hügel sein und eine Bucht sein). Da Menschen imaginationsbegabte Wesen sind, können wir uns auch das „Bucht-Sein“ vorstellen. Eine Bucht zu sein hieße zum Beispiel, der Behälter für Wellen zu sein, Fische zu beherbergen, im Sonnenlicht zu schimmern und nachts das Licht des Mondscheins zu spiegeln.</p><p>Und „ein Wald zu sein“ bedeutet, im Herbst die Farben der eigenen Blätter zu verändern, im Winter ganz karg zu werden, im Frühling Knospen zu bilden und im Sommer die saftigen Blätter im Wind wehen zu lassen.</p><p>Wer so spricht wie die Potawatomi, begreift die Welt also nicht als Ansammlung von Gegenständen, aus der man sich nach Gutdünken bedienen kann. In einer Welt voller Lebewesen sind wir nur eines von vielen.</p><h2>Eine Welt voller Beziehungen</h2><p>Die Welt ist damit anders, als wir sie mit unserer deutschen Sprache üblicherweise verstehen. Sie ist lebendig, vergänglich und relational. Wer auch nicht-menschliche Lebewesen als gleichwertig betrachtet, lebt in einer <em>Demokratie der Arten</em>, wie Wall Kimmerer schreibt.</p><p>Die Potawatomi-Perspektive lädt dazu ein, unsere eigene Sicht zu erweitern. Ich bin überzeugt, dass eine so verstandene, demokratische Welt anders aussähe. Wer einen Wald als Lebewesen begreift, trifft vermutlich nachhaltigere Entscheidungen als jemand, der ihn als Holzlager betrachtet. Das gilt für den Umgang mit Tieren genauso wie für Böden, Gewässer und ganze Ökosysteme. Die Verbundenheitsforschung legt nahe: Menschen, die sich als Teil der Natur erleben, verhalten sich weniger aggressiv und treffen kooperativere Entscheidungen.</p><p>Damit will ich die indigenen Lebensweisen nicht verklären. Auch in indigenen Gemeinschaften gab und gibt es Gewalt. Aber die Vielfalt von Sichtweisen bereichert allgemein und kann eine neue Handlungsmöglichkeit eröffnen. Darauf ist die Demokratie angewiesen und auch für unser mentales Wohlergehen ist es förderlich, gelegentlich eine neue Perspektive einzunehmen.</p><p>Für diesen Zweck habe ich die folgende Inner Work entwickelt. Die Inspiration stammt aus Robin Wall Kimmerers Buch, die Methodik aus der Prozessorientierten Psychologie nach Arnold Mindell. Du brauchst einen ruhigen Ort und Stift und Papier.</p><h2>„Being Nature“ Inner Work</h2><p>1. Was ist eine Herausforderung, vor der du gerade in deiner Arbeit stehst? Was ist daran die Schwierigkeit? Mach dir eine Notiz dazu. Lege sie dann beiseite. Wir kommen später darauf zurück.</p><p>2. Welcher Teil der Natur, den unsere Sprache als Objekt behandelt, ist durch die extraktive Lebensweise unserer Gesellschaft gefährdet? Zum Beispiel Wildtiere, Wälder, Meere, Böden… Wähle einen „Gegenstand&quot; aus. Stell dir vor, was mit ihm gemacht wird: Wälder werden abgeholzt, Bäume gefällt, Plastikflaschen ins Wasser geworfen, dreckiges Abwasser ins Meer gekippt, Tiere getötet, Böden versiegelt und zubetoniert.</p><p>3. Mach eine Handbewegung, die diese negative Tätigkeit widerspiegelt. Beobachte, wie du diese Bewegung machst und lass dir ein Wort einfallen, das sie beschreibt. Das ist Bewegung 1.</p><p>4. In diesem Schritt wechseln wir die Perspektive. Statt als Ding stellen wir uns diesen Teil der Natur als Lebewesen vor: der Wald waldet, das Meer meert, der Hügel hügelt, etc.. Stell dir das vor, versetze dich hinein und mach auch hier eine Bewegung, ganz intuitiv, die widerspielt, wie du dich dabei fühlst, wenn du dieser Teil der Natur bist. Welche Qualität hat das? Damit haben wir Bewegung 2. Finde auch hier ein Eigenschaftswort zur Beschreibung.</p><p>5. Entspanne dich etwas mehr. Reise innerlich ins Weltall und blicke auf die Erde, wie die Mondmission von Artemis II das auch kürzlich fotografisch gezeigt hat. Blicke auf die Erde von außen, diesen wunderschönen und wundervollen Planeten.</p><p>6. Jetzt verbinden wir Bewegung 1 und Bewegung 2. Das geht so: Mach zuerst die erste Bewegung und dann die zweite. Mach wieder die erste für einige Sekunden, dann wieder die zweite. Wechsle hin und her, bis eine neue dritte Bewegung entsteht. Das ist nicht kopfgesteuert, sondern intuitiv und körperbasiert.</p><p>7. Während du diese dritte Bewegung machst, beobachte dich: Was machst du gerade? Wie fühlst du dich? Wie fühlt sich dein Körper an? Lass ein Eigenschaftswort auftauchen, das die Qualität dieser Bewegung und dieses Zustands beschreibt. Mach dir dazu eine kurze Notiz.</p><p>8. Nun erinnere dich an die Herausforderung von Schritt 1. Stell dir vor, dir gegenüber sitzt du selbst, vor dieser Herausforderung. Aktiviere nun den neuen, dritten Zustand aus Schritt 7 und interagiere mit dir selbst. Was sagst du dir, wenn du mit diesem dritten Zustand auf dich selbst blickst? Was fällt dir ein, wenn du mit diesem neuen Zustand verbunden bist? Welche Botschaft oder Aufforderung hast du für dich?</p><p>Anmerkungen zur Inner Work:</p><p>Mit dem neuen, dritten Zustand erreichst du temporär einen innerlich demokratischeren Zustand. Denn er bringt eine neue Perspektive, erweitert deine Sicht auf die Herausforderung und erhöht deine innere Vielfalt.</p><p>Diese Art von Inner Work ist eine Antwort auf die eingangs formulierten Fragen nach dem Umgang mit Kriegen, Umweltzerstörung und wachsender Ungleichheit. Sich auf die Welt zu beziehen und sie als Demokratie der Lebewesen zu erfahren, das lässt uns Verbundenheit spüren und wirkt zugleich entspannend und stärkend auf unsere mentale Befinden. Und sie verschiebt unseren Wahrnehmungsfokus auf das Lebendige, statt uns von den täglich schlechten Nachrichten ablenken zu lassen.</p><p>Ich bedanke mich bei dir, dass du bis hierher gelesen hast und hoffe, dass du die Inner Work als bereichernd erlebt hast. Die folgenden Veranstaltungen bieten weitere Möglichkeiten, sich als mehr mit der Welt in Beziehung zu erleben. Ich würde mich freuen, dich bei einer der Veranstaltungen persönlich zu begrüßen.</p><h2></h2><p></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 24 Apr 2026 08:31:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Wie Angst die Demokratie belebt]]></title>
      <description><![CDATA[Die Aufgabe der Demokratie ist, Gefühle in Lösungen zu verwandeln. Der Newsletter beschreibt, wie wir politische Angst integrieren und dadurch die Demokratie beleben.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><em>Lesezeit: 5 Minuten</em></p><p>Von Dr. Christopher Gohl, MdB a. D. und Geschäftsführer des Weltethos-Instituts, habe ich kürzlich folgenden <a href="https://www.linkedin.com/pulse/ist-die-dna-der-pluralistischen-demokratie-laut-vo%C3%9Fkuhle-gohl-oke9f/">Satz über die Aufgabe der Demokratie gelesen</a>, der mich begeistert hat:</p><blockquote><p><strong><em>„Demokratie nimmt Gefühle ernst und verwandelt sie in Lösungen.“</em></strong></p></blockquote><p>Der Satz hat mich die letzten Tage begleitet. Meine These dazu ist, dass es der Demokratie aktuell nicht besonders gut gelingt, Gefühle ernst zu nehmen. Im Gegenteil, ich sehe viel Raum für Verbesserung, wenn es um die Umwandlung von Gefühlen in Lösungen geht. Um diese These zu entwickeln, gehe ich zunächst auf mein Verständnis von Gefühlen ein, beschreibe, warum es so schwierig sein kann, sie zu fühlen und skizziere, wie die Politik und Gesellschaft besser darin werden kann, Gefühle zu verarbeiten.</p><h2><strong>Unechte Gefühle</strong></h2><p>Gefühle entstehen meist als Reaktion auf Ereignisse. Wir freuen uns, wenn wir einen liebgewonnenen Menschen nach langer Zeit wiedersehen. Wir bekommen Angst bei Bedrohung, werden wütend bei Grenzüberschreitungen und traurig, wenn wir etwas verlieren, das uns wichtig war. Jedes Gefühl hat eine Funktion und wer gut darin ist, Gefühle wahrzunehmen und zu erkennen, besitzt hohe emotionale Intelligenz.</p><p>Ich bin sicher, fast jeder Mensch kommt mit der Anlage für einen hohen emotionalen Intelligenzquotienten zur Welt. Leider wachsen wir in Umgebungen auf, die uns abtrainieren, bestimmte Gefühle zu fühlen. In jeder Kultur, in Familien, Organisationen oder auch Nationen, gibt es bevorzugte und unerwünschte Gefühle. In manchen Familienkulturen darf man beispielsweise nicht wütend sein, in anderen nicht traurig oder ängstlich.</p><p>Beispiel: Ein Junge hat Angst vor einem bellenden Hund. Sagen die Eltern dann: „Du brauchst dich nicht fürchten. Der tut dir nichts. Sei ein großer Junge!“, dann lernt der Junge, dass seine Gefühlsreaktion falsch ist. Die Angst verschwindet aber nicht, sie wird nur überschrieben. Der Junge ist auf seine Eltern angewiesen und passt sich deshalb an. Er lächelt leicht gequält und will zeigen, dass er es „richtig“ macht. Gleichzeitig entsteht dabei ein Glaubenssatz, z. B. „Ich muss stark sein“, oder: „Wenn ich dazugehören will, darf ich keine Angst zeigen.“</p><p>Doch Angst wäre eigentlich die angemessene Reaktion. Sie signalisiert Gefahr und das Bedürfnis, sich zu schützen. Der Junge bräuchte, dass sein Gefühl bestätigt und er beruhigt wird. Dann kann er vielleicht lernen, dass es schön sein kann, einen Hund zu streicheln.</p><p>Das Zeigen von Stärke ist an dieser Stelle ein „Ersatzgefühl“. Es passt nicht zum auslösenden Ereignis, aber sichert die Zugehörigkeit zur Familie. Dieses Muster bleibt dann bis ins Erwachsenenalter bestehen und als Erwachsener wird es für diesen Jungen schwierig, Angst zu fühlen. Neuronal sind bei ihm ängstigende Ereignisse mit „selbstbewussten“ Reaktionen verknüpft und die authentischen Angstreaktionen verdrängt.</p><h2><strong>Politik im Modus der Verdrängung</strong></h2><p>Solche Muster verdrängter und bevorzugter Gefühle sind auch Teil unserer politischen Kultur. In einer in weiten Teilen patriarchal geprägten Gesellschaft wie in Deutschland, gehören zu den erlaubten Gefühlen Wut, Stärke und Triumph. Unerwünscht sind vor allem Angst und Freude. Das hat Auswirkungen auf die Politik, was ich im Folgenden etwas überspitzt darstelle:</p><p>Wer eine Wahl gewinnt, darf sich freuen, schmeißt eine Wahlparty und jubelt. Wer die Wahl verliert, bleibt stoisch, geht vielleicht in Klausur, um dann stärker wiederzukommen und bei der nächsten Wahl zu triumphieren. Während der Wahlperiode wird von Politikern erwartet, dass sie Lösung kennen und Kontrolle haben, sie müssen Stärke und Souveränität ausstrahlen. An der Wahlurne wird belohnt, wer im Wahlkampf Dominanz zeigt und die Deutungshoheit hat. Wähler:innen projizieren vermutlich ihr eigenes Bedürfnis nach Stärke und Kontrolle auf souveräne Führungspersönlichkeiten, um so die eigenen Unsicherheiten nicht fühlen zu müssen.</p><p>Gelegentlich gibt es Momente der Andacht oder Fürsorge, zum Beispiel bei einer Katastrophe oder einem Terroranschlag. Aber auch dann müssen Politiker stark sein, sich kümmern und für die Menschen da sein. Ein Politiker darf öffentlich kaum Gefühle zeigen, denn das wird schnell als Schwäche ausgelegt. Angela Merkel hat in der ARD-Doku <a href="https://www.ardmediathek.de/serie/angela-merkel-schicksalsjahre-einer-kanzlerin/staffel-1/Y3JpZDovL3JiYi1vbmxpbmUuZGUvbWVya2VsLXNjaGlja3NhbHNqYWhyZS1laW5lci1rYW56bGVyaW4/1">Schicksalsjahre einer Kanzlerin</a> gesagt, dass ihr einerseits vorgeworfen wurde, sie sei nüchtern und berechnend. Doch das eine Mal, als sie sich aber emotional zeigte, zu Beginn der Corona-Pandemie ihre Angst verbalisierte, wurde sie dafür kritisiert und ihr dieser emotionale Ausdruck als Schwäche interpretiert.</p><h2><strong>Räume der Gefühlsumwandlung</strong></h2><p>Gefühle zu fühlen, ist nicht nur in der Öffentlichkeit schwierig, sondern allgemein nicht einfach. Deshalb nehmen immer mehr Menschen Therapie und Coaching in Anspruch. Das halte ich für sehr sinnvoll und würde selbst nicht mehr darauf verzichten wollen, in geschützten Räumen mit professioneller Unterstützung zu verstehen, was ich fühle. Denn aus dem Erkennen der eigenen Gefühle entstehen immer neue Handlungsmöglichkeiten, die mir mehr entsprechen und mich authentisch und sinnhaft handeln lassen. Doch ich bin der Meinung: Psychologische Arbeit sollte keine rein individuelle Verantwortung sein, sondern auch in demokratischen Räumen stattfinden.</p><p>Wie könnte das aussehen? Nehmen wir den Ukraine-Krieg als Beispiel. Der produziert Angst. Ich stelle mir einen Raum vor, in dem eine Gruppe von Menschen zusammensitzt und mit professioneller Facilitation über diese Ängste spricht. Die Angst, dass Russland die Ukraine einnimmt und dann nicht an der polnischen und deutschen Grenze Halt macht. Die Angst, dass Atombomben geworfen werden. Die Angst vor Kriegsverbrechen und davor, dass Menschen ermordet werden.</p><p>Das sind reale Ängste. Aber es gibt wenige Räume, in denen sie in Gemeinschaft gefühlt und verarbeitet werden können. Verarbeiten heißt: Die Gefühle werden ausgesprochen, gehört und bezeugt. Dann können sie sich verwandeln und neue Lösungsideen aufkommen, die tiefgehender und nachhaltiger sind, als wenn die Gefühle unterdrückt werden. Wer Gefühle ins Unterbewusstsein verdrängt hat, kann meist nur in einem Kampf- oder Verteidungsmodus reagieren. Durch das Fühlen erweitert sich der Lösungsraum.</p><p>Doch Gefühle kollektiv zu fühlen, ist eine hohe Kunst. Es braucht dafür bewertungsfreies Zuhören und Empathie. Wenn sie gefühlt werden, dann werden die Informationen, die in diesen Gefühlen enthalten sind, frei. Ich habe das beim Thema Angst vor Krieg schon erlebt: Durch das Bezeugen der Ängste entstand Lebendigkeit und Freude an der Verbindung mit anderen Menschen. Das war das Ergebnis. Auf dem Weg dorthin kamen andere Gefühle auf: Wut auf Putin und die Welt insgesamt. Verzweiflung, Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit ob der Aggressivität, die die Weltpolitik manchmal beherrscht. Eigentlich alles Gefühle, die „negativ“ sind, die man nicht fühlen möchte, sagt die Kultur. Doch es ist erfüllend und bereichernd, wenn sie gefühlt werden.</p><p>Ich stelle mir vor, dass Politiker:innen verschiedener Parteien das machen. Was würde passieren? Ich glaube, die Parteizugehörigkeiten würden in den Hintergrund treten. Und die Entscheidung von Aufrüstung oder Diplomatie würde nicht mehr aus einem reaktiven Fight-or-Flight-Reflex fallen. Wer seine eigene Angst fühlt und integriert, muss sie nicht durch vermeintliche Stärke kompensieren. Aufrüstung wäre dann keine Folge verdrängter Panik, sondern eine bewusste Entscheidung. Und gleichzeitig wäre es nur mehr eine von verschiedenen Möglichkeiten der Reaktion auf die Aggression. Ich habe es schon mehrfach auf Panels und in Diskussionen beobachtet: Wer fordert, die Rüstungsausgaben zu erhöhen, hat im gleichen Statement <em>nie </em>über Angst gesprochen. Wer Angst zulässt, dem erscheinen auch andere Politikmaßnahmen möglich. Vielleicht gibt es doch einen diplomatischen Weg. Und ich habe erlebt, wie Menschen durch das Fühlen von Angst mehr damit in Kontakt kommen, was ihnen wirklich wichtig ist. Das Fühlen der Angst verschiebt den Fokus: weg von der Gefahr, hin zur Lebendigkeit.</p><h2><strong>Kann Empathie institutionalisiert werden?</strong></h2><p>Wie könnte dieses Fühlen von Gefühlen institutionalisiert werden? Eine Plenarsitzung dazu zu verwenden, mutet utopisch an, weil der Respekt zwischen machen Fraktionen so gering scheint und die häufigen Zwischenrufe den Raum unsicher machen. In Ausschusssitzungen vielleicht schon eher, sie sind geschützter. Aber ich fürchte, dass die formalen Vorgaben, die Geschäftsordnungen, noch sehr stark wirken und es viel Überzeugungsarbeit braucht, um dem Fühlen mehr Bedeutung beizumessen.</p><p>Meine Hoffnung ist: Wenn immer mehr Menschen individuell, privat und in kleinen Gruppen die Erfahrung machen, wie wertvoll es ist, gemeinschaftlich zu fühlen, findet das irgendwann auch Eingang in die Politik und die Demokratie schafft institutionelle Räume dafür. In Bürgerräten habe ich es teilweise schon erlebt und in Dialogveranstaltungen auf jeden Fall. Immer wenn Politiker:innen an solchen Formaten teilgenommen haben, dann kam es vor, dass manche den Kampf- und Stärke-Modus verlassen haben und in einen empathischen, kooperativen und demokraticheren Modus gewechselt sind. Sie waren beeindruckt vom Engagement der Bürger:innen und schienen mir mehr mit dem großen Ganzen verbunden.</p><p>Als Möglichkeit, die eigenen politische Gefühle besser zu verstehen, habe ich die folgende Inner Work entwickelt. Sie hilft dir dabei, politische Sorgen nicht wegzudrücken, sondern sie so zu integrieren, dass daraus neue Souveränität erwächst.</p><hr aria-hidden="true"/><h3><strong>Inner Work: Politische Gefühle integrieren</strong></h3><p><em>Diese Übung hilft dir dabei, gelernte Reaktionsmuster auf schwierige Ereignisse zu umgehen und aus einer klaren Haltung heraus darauf zu reagieren.</em></p><ol><li><p>Wähle ein politisches Ereignis, das dir Sorgen bereitet. Was ist passiert, und falls du dich erinnerst: Was hast du gemacht, als du davon erfahren hast?</p></li><li><p>Schreibe auf, wie du dich gefühlt hast oder was du darüber denkst. Welches Gefühl oder welcher Gedanke ist im Vordergrund, also am stärksten? Diesen Gedanken oder dieses Gefühl nennen wir einen „Teil“ von dir. Schreib das auf einen Zettel und gib diesem Teil nun intuitiv einen Platz in dem Raum, in dem du dich befindest. Stell den Gedanken oder das Gefühl quasi irgendwo hin und leg den Zettel dort als Markierung auf den Boden.</p></li><li><p>Wenn du jetzt diesen Teil „anschaust“ (vielleicht bekommst du ein Bild, wie er aussieht), was empfindest du dabei oder was denkst du darüber? Das, was dir jetzt kommt, ist ein zweiter Teil. Schreib das auf einen Zettel und gib auch diesem zweiten Teil einen Platz irgendwo in dem Raum.</p></li><li><p>Wiederhole den vorherigen Schritt so oft, bis du ruhiger, entspannter oder gelassener geworden bist und mit einer relativen Offenheit, Neugierde, mit Mitgefühl oder mit irgendeiner anderen angenehmen Empfindung auf die Anteile im Raum schauen kannst. Dann erst gehe zu Schritt 5.</p></li><li><p>Nimm wahr, wie sich dein Körper anfühlt, wie deine Gedanken gerade sind und vielleicht, wie du die Atmosphäre im Raum wahrnimmst. Mach dir bewusst, wie es sich anfühlt, wenn du dich von akuten Gedanken frei gemacht hast und mehr in deiner Mitte bist.</p></li><li><p>Nun bleibe nahe an diesem Zustand und frage dich: Was ist dir wichtig angesichts der Sorge, die du am Anfang der Inner Work formuliert hast. Wie möchtest du dich diesbezüglich verhalten? Mach dir eine Notiz dazu.</p></li></ol><p>Was denkst du, wie der Wert des Fühlens mehr Anerkennung in der Demokratie finden kann?</p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 16 Jan 2026 11:08:20 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Du bist mächtiger, als du denkst: Vom Empowerment in der Demokratie]]></title>
      <description><![CDATA[Es gibt eine positive Sicht auf Macht: Empowerment. Erfahre, warum Ermächtigung für die Demokratie so essenziell ist und wie sie mit Inner Work gelingen kann.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Du bist mächtiger, als du denkst: Wie Empowerment-Erfahrungen die Demokratie beleben</h1><p><em>Lesezeit: 4 Minuten</em></p><p>Macht. Was passiert bei dir, wenn du dieses Wort liest? Viele Menschen haben negative Assoziationen, und das ist verständlich. Gerade in Deutschland ist der Begriff mit dem Nationalsozialismus verbunden, mit Worten wie „Machtergreifung“ oder „Ermächtigungsgesetz“. Letzteres war 1933 das Gesetz, das das demokratische Parlament entmachtete und die nationalsozialistische Diktatur etablierte.</p><p>Doch es gibt eine andere, positivere Sicht auf Macht. Sie zeigt sich im neudeutschen Empowerment. Darin steckt das Wort „Power“, also Macht. Direkt übersetzt „Ermächtigung“ oder „Befähigung“. Empowerment ist also der Vorgang, Macht zu erlangen. Warum Ermächtigung, im psychologischen Sinne, für die Demokratie so essenziell ist und wie Selbstermächtigung mit einer Inner Work gelingen kann, darüber geht diese Ausgabe.</p><h2>Zwei Gesichter der Macht</h2><p>Häufig wird Macht mit Zwang gleichgesetzt. Max Weber, der einflussreiche Soziologe, definierte Macht als die Fähigkeit, den eigenen Willen auch gegen Widerstand durchzusetzen. Mir gefällt diese Definition nicht. Nach meinem heutigen Verständnis wäre es Gewalt, eine Person dazu zu bringen, etwas zu tun, obwohl sie das nicht möchte. Es wäre eine Form psychischer oder emotionaler Gewalt. Doch diese Konzepte existierten am Anfang des 20. Jahrhunderts vermutlich noch nicht.</p><p>Mich spricht viel mehr die Arbeit von Hannah Arendt an, einer prägenden jüdischen deutsch-US-amerikanischen politischen Theoretikerin. Arendt sagt: Macht ist ein kollektives Phänomen. Sie ist die Fähigkeit einer Gruppe, gemeinsam zu handeln. Macht ist also nichts, was ein Individuum besitzen kann, sondern existiert immer nur temporär in Beziehung mit anderen. Macht beruht auf Zustimmung, nicht auf Befehl und Gehorsam.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1c4ba568-a084-4a67-900c-38590891b379/uploads/images/veuqvqqhcj/Weber-und-Ahrendt.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Zwei Portrait-Bilder von Max Weber und Hannah Arendt"/><figcaption>Max Weber und Hannah Arendt</figcaption></figure><p>Mit dieser Definition im Kopf halte ich die Übersetzung von Demokratie als „Volksherrschaft“ für extrem unglücklich. Demokratie ist das Gegenteil von Herrschaft. Im Ideal der Demokratie befiehlt niemand und niemand gehorcht. Demokratie bedeutet, dass Menschen zu einer gemeinsamen Entscheidung finden und gemeinsam handeln. Der Althistoriker Josiah Ober, Professor an der Stanford-Universität, hat einen spannenden <a href="https://doi.org/10.1111/j.1467-8675.2008.00471.x">Artikel</a> zur wörtlichen Bedeutung des altgriechischen Worts Demokratie<em> </em>verfasst und legt dar, warum Demokratie nicht Herrschaft einer Mehrheit, sondern die Fähigkeit zum gemeinsamen Handeln bedeutet.</p><p>Wenn Macht also kollektiv und relational ist, wenn sie eine Beschaffenheit einer Gruppe beschreibt und nur so lange existiert, wie die Gruppe zusammenhält, dann ist Macht eher so etwas wie Energie oder schöpferische Kraft. Eine Kraft, die entsteht, wenn sich Menschen zusammentun, und die diese Menschen dann gemeinsam handeln lässt.</p><h2>So fühlt sich Macht an</h2><p>An dieser Stelle möchte ich dich einladen, zu reflektieren: Mit welchen Gruppen handelst du gemeinsam? Welches Ziel oder welche Ziele verfolgt ihr? Wie fühlt sich die kollektive Macht für dich an?</p><p>Ich erlebe diese Form von Macht in meiner Arbeit mit unterschiedlichen Gruppen: Bei Mehr Demokratie e. V. entsteht sie, wenn wir an der <a href="https://www.mehr-demokratie.de/mehr-wissen/demokratische-kultur">Weiterentwicklung der demokratischen Kultur</a> arbeiten, Veranstaltungen konzipieren, gemeinsam reflektieren oder eine Strategie erarbeiten. Bei der <a href="https://www.critical-friends.org/akademie">CRITICAL FRIENDS Changemaker Akademie</a> leite ich in Workshops immer wieder Teilnehmende an, eine individuelle Stärke zu erfahren. Obwohl ich in meiner Rolle die Agenda setze, entsteht die eigentliche transformative Kraft erst im Miteinander. Macht können wir nur gemeinsam erleben, wenn wir alle in diesen vitalisierenden Zustand des Empowerments kommen und uns individuell und kollektiv handlungsfähig fühlen.</p><p>Es ist auch genau dieses Verständnis von Macht, das wir brauchen, um die Demokratie zu erhalten und sie zu stärken.</p><h2>Demokratie unter Druck</h2><p>Denn die Demokratie ist in Gefahr. Es gibt Kräfte, die ihre Institutionen aushöhlen und den Diskurs vergiften wollen. Diese Kräfte haben ein Verständnis von Macht, in dessen Zentrum Dominanz steht. Der Stärkere setzt sich durch, zur Not mit Gewalt.</p><p>Wenn wir die Demokratie im Sinne der Demokratie stärken wollen, dann brauchen wir, die wir uns für die Demokratie einsetzen, mehr Macht. Und damit meine ich natürlich Macht, wie Hannah Arendt sie beschreibt. Angenommen, es gelingt uns, uns zu empowern, wie können wir diese Macht einsetzen? Ich glaube, zwei Fragen werden dann besonders relevant. Die eine ist: Wofür wollen wir unsere Energie nutzen bzw. wofür lohnt sich unser Engagement?</p><p>Das andere ist die Frage, wie wir mit den Feinden der Demokratie umgehen? Eine verkürzte Antwort darauf ist: Wir sollten uns nicht von ihren Provokationen triggern und nicht von ihren Themen beherrschen lassen. Sondern wir sollten den Fokus konsequent auf das richten, was uns wichtig ist. Das erfordert innere Arbeit und die Fähigkeit, klare Grenzen zu setzen. Es bedeutet, Nein zu sagen zu Provokationen und stattdessen das zu tun, was uns Energie gibt. Abgrenzung und die Fokussierung auf eigenen Anliegen verstärken sich gegenseitig, und genau dafür habe ich die folgende Inner Work entwickelt.</p><h2>Inner Work zum Empowerment</h2><ol><li><p>Entspanne dich. Schließe deine Augen und nimm einige Atemzüge bewusst wahr. Nimm wahr, wie sich dein Körper anfühlt.</p></li><li><p>Wann hast du das letzte Mal etwas gemeinsam mit anderen gemacht, das irgendwie positiv oder bedeutsam war. Es kann beispielsweise sein, dass du Freude dabei hattest, oder motiviert und konzentriert warst. Oft ist das Erste, was einem in den Sinn kommt, eine gute Wahl. Was hast du gemacht? Mach eine kurze Notiz dazu.</p></li><li><p>Wenn du dich an diese Situation erinnerst, wie fühlt sich das <em>jetzt</em> an? Nimm dir einen Moment Zeit, um das zu spüren.</p></li><li><p>Dann mache intuitiv eine Geste, die dieses Gefühl irgendwie widerspiegelt. Mache die Geste und erforsche sie, indem du sie langsamer und schneller machst, und größer und kleiner. Finde heraus, wie sich diese Geste am besten anfühlt. Dann leg diese Geste für einen Moment beiseite. Wir kommen später darauf zurück.</p></li><li><p>Erinnere dich jetzt an einen anderen Moment, in dem du unzufrieden warst, oder dich geärgert hast, irgendwie getriggert warst. Ein Moment, in dem du dich irgendwie eingeschränkt oder blockiert erlebt hast. Was ist passiert? Beschreibe diese Trigger-Situation mit wenigen Worten und mach das so, als würdest du die Situation wie in einem Film beobachten. Was hat der Hauptdarsteller / die Hauptdarstellerin (du) in dieser Szene gemacht? Wie hat diese Person (du) sich dabei gefühlt? Schreibe nicht aus der Ich-Perspektive, sondern über sie oder ihn.</p></li><li><p>Für diesen nächsten Schritt kann es wichtig sein, dass du weiterhin von außen auf die Trigger-Situation schaust. Hole die Geste von vorhin aus der positiven Situation wieder hervor. Reise nun gedanklich mit dieser Geste in die Vergangenheit, in die Trigger-Situation. Wenn du diese Geste nun in der Trigger-Situation machst, was verändert sich? Welche neue Handlungsmöglichkeit entsteht? Wie fühlst du dich dabei? Empfindest du mehr Handlungsmacht? Mach dir auch hierzu eine Notiz.</p></li></ol><h2>Glaube an die (innere) Demokratie</h2><p>Wenn die Inner Work für dich funktioniert hat, dann war es ein Moment von Empowerment. Durch die Anleitung haben wir, auf eine Art, gemeinsam etwas getan. Und wenn man das Empowerment auf die innere Demokratie überträgt, dann hast du durch die Arbeit mit der Geste einen Anteil von dir empowert, einen Anteil aus der Vergangenheit. So kann man sich das auch vorstellen.</p><p>Meine Erfahrung ist folgende: Wenn Menschen solche Empowerment-Erfahrungen machen, in denen sie ihre innere Vielfalt erfahren, dann handeln sie anschließend immer im Sinne eines größeren Ganzen, letztlich gemeinschaftlich und prosozial. Für mich stärken diese Erfahrungen den Glauben an die Menschheit enorm. Diese Erfahrungen sind es auch, die mich an die Demokratie glauben lassen.</p><p>Wie erging es dir mit der Inner Work und was lässt dich an die Demokratie glauben?</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 10 Sep 2025 07:16:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Embodiment als demokratische Praxis]]></title>
      <description><![CDATA[Embodiment bedeutet, dass Körper und Gehirn verbunden sind. In dieser Ausgabe geht es darum, wie diese Verbindung das Fundament einer lebendigen Demokratie ist.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><em>Lesezeit: 6 Minuten</em></p><p>In der letzten Ausgabe schrieb ich über Körperlosigkeit in unserer Gesellschaft. Auch diese Ausgabe dreht sich um den Körper. Aber dieses Mal mit dem Fokus auf Verkörperung, also dem Vorgang, die Verbindung zwischen Körper und Gehirn zu stärken oder wiederherzustellen. Ich werde ausführen, warum ein verkörperter Zustand – engl. Embodiment – nicht nur für das individuelle Wohlbefinden, sondern auch für das Funktionieren unserer Demokratie wichtig ist, und wie wir ihn gezielt herbeiführen können.</p><h2>Was ist Embodiment?</h2><p>Im Kern bedeutet Embodiment, dass Gehirn und Körper verbunden sind und über das Nervensystem miteinander kommunizieren. Es ist ein Zustand von Handlungsfähigkeit und Souveränität, in dem Körper und Geist abgestimmt sind und als Einheit agieren.</p><p>Wie fühlt sich das an? Es ist ein Gefühl von Entspannung bei gleichzeitiger Präsenz. Der Kopf ist klar, die Gefühle ruhig, man fühlt sich geerdet und mit der eigenen Mitte verbunden. Erkennungsmerkmale sind beispielsweise:</p><ul><li><p>Du fühlst dich gelassen und aufmerksam, bist jederzeit bereit, zu handeln.</p></li><li><p>Du spürst deine Bedürfnisse deutlich, z. B. Hunger, Durst, nach Ruhe oder Bewegung, nach Nähe oder Distanz, etc.</p></li><li><p>Andere Menschen nehmen dich wahr und reagieren (meist) positiv auf dich</p></li><li><p>In Diskussionen kannst du widersprechen und eine andere Meinung gelten lassen, ohne Dinge persönlich zu nehmen.</p></li></ul><p>Wenn Verkörpertsein so positiv ist, dann müssten wir doch eigentlich versuchen, immer in diesem Zustand zu sein? Warum setzen wir nicht alles daran, dass wir jederzeit verkörpert sind? Die Antwort auf diese Frage liegt im Stammhirn. Das ist der menschheitsgeschichtlich älteste Teil unseres Gehirns, der rein instinktiv und komplett unbewusst arbeitet.</p><p>Das Stammhirn übernimmt bei Stress die Kontrolle. Es entscheidet darüber, ob wir sicher oder in Gefahr sind. Und wenn es die Umgebung als gefährlich einstuft, dann behält es Informationen aus dem Nervensystem bei sich, um schneller darauf reagieren zu können. Wir sind dann in einem Modus von Fight or Flight – Kampf oder Flucht – und im schlimmsten Fall erstarrt oder dissoziiert. Die anderen Teile des Gehirns, nämlich die <em>bewusst</em> denkenden und fühlenden Teile, sind von vielen Körperinformationen abgeschnitten.</p><p>Das bedeutet, wir kriegen es nicht bewusst mit, wenn wir weniger verkörpert sind. Noch mal, weil die Tragweite dieser Erkenntnis aus der Gehirnforschung so groß ist: WIR BEMERKEN NICHT, wenn unsere Gehirnkapazitäten eingeschränkt sind. Wir können weniger gut denken, aber wissen es nicht. Es entzieht sich unserem Bewusstsein.</p><h2>Warum Demokratie Embodiment braucht</h2><p>Eine funktionierende Demokratie ist auf verkörperte Bürgerinnen und Bürger, genauso wie auf verkörperte Politikerinnen und Politiker angewiesen.</p><ul><li><p>Der Kern unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist die Idee der Selbstbestimmung des Volks. Selbstbestimmt leben kann nur, wer sich ermächtigt fühlt und handlungsfähig ist – in anderen Worten, wer verkörpert ist. Embodiment ist eine physiologische Grundlage der Souveränität des Volks.</p></li><li><p>Konkret: Wenn wir mit unserem Nervensystem verbunden sind, wissen wir besser, was wir brauchen und wollen. Bürger:innen müssen fähig sein, ihre Bedürfnisse zu spüren, sie zu artikulieren, sich zu organisieren und sich Gehör zu verschaffen – in Gesprächen, Petitionen oder bei Beteiligungsprozessen.</p></li><li><p>Eine handlungsfähige Politik, gerade im Angesicht komplexer Krisen, lebt von der Fähigkeit zur Perspektivübernahme, zur Kreativität und zu konstruktiven Kompromissen. Diese Fähigkeiten sind jedoch an einen physiologischen Zustand von Sicherheit und Offenheit geknüpft. Ein chronisch übererregtes Nervensystem hingegen engt den Denk- und Fühlraum ein, gute Zusammenarbeit erschwert und Konfrontation wahrscheinlicher macht.</p></li></ul><h2>Top-Down-Staat oder Bottom-Up-Demokratie</h2><p>Aus der Traumaforschung wissen wir, dass es zwei Wege gibt, die Verbindung von Körper und Geist wiederherzustellen:</p><ol><li><p>Top-Down: Das ist der Versuch, über das Denken und Reden eine Veränderung zu bewirken. Dieser Ansatz hat Grenzen, da er das Stammhirn, den instinktiven Teil des Gehirns, kaum erreicht.</p></li><li><p>Bottom-Up: Körperbasierte Übungen, die dem Gehirn vom Körper aus  signalisieren: „Du bist sicher.“ Das hilft deutlich besser als Top-Down, wenn wir uns in einem getriggerten Zustand befinden.</p></li></ol><p>Besonders wirksam ist die Kombination aus beidem. In der Praxis sehe ich jedoch oft ein Ungleichgewicht. Top-Down wird bevorzugt, die Körperwahrnehmung vernachlässigt. Darüber habe ich auch in der vorherigen Newsletterausgabe geschrieben.</p><p>Die praktisch gelebte Politik scheint mir auch fast nur der Top-Down-Logik zu folgen: Einfach gesagt: Der „Vater Staat“ soll es richten. „Starke“ Politiker entscheiden, weil sie wissen, was für alle das Beste ist. Gleichzeitig befindet sich die öffentliche Debatte in einem offensichtlich getriggerten Zustand. Die Merkmale sind deutlich: Polarisierung, reaktive Empörung, die Abwesenheit von Zusammenarbeit zwischen (manchen) Parteien und medialer Dauer-Alarmismus. Das sind Zeichen von fehlender Verkörperung.</p><p>Demgegenüber steht die Idee von Demokratie, die im Kern dem Bottom-Up-Prinzip folgt. Denn Demokratie lebt vom Engagement jeder und jedes Einzelnen. Vor Ort, in der Kommune setzen sich Menschen für ihre Mitmenschen ein, unterstützen sich und organisieren das gemeinschaftliche Leben. Sie können sich zusammenschließen und ihre Anliegen „nach oben“ tragen. Und auch das in Deutschland für Politik geltende Subsidiaritätsprinzip – die Idee, dass Probleme immer auf der niedrigstmöglichen Ebene gelöst werden sollten – entspricht dem Bottom-Up-Prinzip.</p><hr aria-hidden="true"/><p><mark style="background-color: rgb(236, 236, 236); color: inherit">Weckt dieser Text dein Interesse?<br/>Dann lade ich dich ein, diese Themen mit mir weiterzuverfolgen. In diesem kostenlosen monatlichen Newsletter erforsche ich, wie Psychologie und Demokratie einander stärken können.</mark></p><p><a href="https://steady.page/de/josef-merk/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><hr aria-hidden="true"/><h2>Praktiken der Verkörperung</h2><p>Mir gefällt die Parallele, dass sowohl das Individuum, als auch die Demokratie Bottom-Up-Interventionen braucht, um gut zu funktionieren. Nimmt man den Stand der neurophysiologischen Forschung ernst, ergibt sich daraus ein provokantes Gedankenexperiment: Was würde sich verändern, wenn politische Sitzungen mit Körperübungen zum Embodiment beginnen würden? Ich erlebe es jedenfalls immer wieder: Wenn Menschen individuell verkörpert sind, funktioniert auch der politische Austausch besser.</p><p>Auch der Dialog, die Verlangsamung, das achtsame Sprechen von der eigenen Erfahrung ist in meiner Erfahrung ein geeignetes Mittel, um die Körper-Geist-Verbindung zu stärken. Dafür ist das Gehörtwerden wesentlich, weil es ein Bottom-Up-Signal für das Stammhirn ist, um die Verbundenheit mit dem Körper zu stärken und dadurch auch die innere Souveränität zu erhöhen. Dieser Vorgang der Ko-Regulation durch Dialog ist so fundamental, dass er eine eigene Betrachtung wert ist – vielleicht in einem der nächsten Newsletter.</p><p>Eigentlich müsste es ein metapolitisches Ziel sein, die Bürgerinnen und Bürger eines Landes darin zu unterstützen, ihre Nervensysteme besser zu regulieren. Denn die positiven Auswirkungen davon würden nicht nur dazu beitragen, dass Demokratie besser funktioniert, sondern vermutlich würden alle Politikfelder davon profitieren: Gesundheitspolitik, Wirtschaftspolitik, Sozialpolitik und Klimapolitik, um nur ein paar Felder zu nennen. Natürlich lösen regulierte Nervensysteme alleine keine strukturellen Machtfragen. Aber es schafft eine Grundlage dafür, diese Konflikte mit größerer Klarheit und weniger destruktiver Energie auszutragen.</p><p>Stell dir vor, vor jeder demokratischen Praxis würden die Teilnehmenden kurz innehalten und ihre eigene Körper-Geist-Verbindung prüfen. Und wenn sie merken, dass sie gerade nicht ganz bei sich sind, macht die gesamte Gruppe für 5–10 Minuten eine einfache Körperübung. Ich bin überzeugt, das Miteinander – und auch das konstruktive Gegeneinander – wäre grundlegend anders: eingestimmter, lösungsorientierter und wohlwollender.</p><h2>Übungen zum individuellen Embodiment</h2><p>Hier sind zwei kraftvolle Übungen, die ich gerne selbst und auch mit Gruppen zur Verkörperung anwende. Übung 1 von <a href="https://processworkonline.com/2024wanguinervoussystemseminar/">Wangũi wa Kamonji</a> und Übung 2 von <a href="https://www.polarity.ch/de/dozierende-person?id=11">Peter A. Levine</a>. Du brauchst dafür idealerweise einen Raum, in dem du ungestört bist und Laute machen kannst.</p><h3>Vorbereitung: Skalenabfrage</h3><p>Bewerte auf einer Skala von 0 (gar nicht verbunden, angespannt) bis 10 (vollständig verbunden, entspannt), wie sehr du dich gerade mit deinem Körper verbunden fühlst.</p><h3>Übung 1: Stein wegschieben</h3><ol><li><p>Nimm deine Hände vor deinen Oberkörper. Die Handinnenflächen zeigen nach vorne. Nun stell dir vor, du schiebst einen schweren Stein langsam von dir weg. Du benötigst dafür all deine Kraft. Mache dies langsam und bewusst.</p></li><li><p>Wenn deine Hände ausgestreckt sind, der Stein weggeschoben ist, lege deine Arme kurz ab und atme einmal durch.</p></li><li><p>Dann mach die Bewegung ein, zwei oder drei weitere Male.</p></li></ol><h3>Übung 2: Der Wuu-Ton</h3><ol><li><p>Nimm einen leichten tiefen Atemzug und töne beim Ausatmen ein langes, tiefes, vibrierendes „Wwwwwwuuuuuuuuuuuuu“. Lass den Ton so lange klingen, wie dein Atem reicht.</p></li><li><p>Warte, bis der Einatemimpuls von ganz alleine wiederkommt.</p></li><li><p>Wiederhole das „Wuu“ zwei weitere Male, wenn du möchtest auch häufiger. Dann nimm dir einen Moment Zeit und spüre nach, wie sich dein Körper und Geist anfühlen.</p></li></ol><p><a href="https://youtu.be/n1bPdbBF1Ck?si=mNFp3QpTqS4XQpp4&amp;t=212">Hier im Video</a>, ist ab Minute 3:32 zu sehen, wie Peter Levine die Übung selbst vormacht:</p><a href="https://youtu.be/n1bPdbBF1Ck?si=mNFp3QpTqS4XQpp4&amp;t=212">https://youtu.be/n1bPdbBF1Ck?si=mNFp3QpTqS4XQpp4&amp;t=212</a><h3>Abschluss: Erneute Skalenabfrage</h3><p>Bewerte dein Verkörperungsgefühl erneut auf der Skala von 0 (gar nicht verbunden, angespannt) bis 10 (vollständig verbunden, entspannt) und nimm wahr, was sich verändert hat.</p><p>Wie fühlt es sich für dich an, wenn du gut verkörpert bist? Und was hilft dir, diesen Zustand zu finden oder zu stärken? Fühlst du dich dadurch ermächtigt?</p><p><mark style="background-color: rgb(236, 236, 236); color: inherit">Hat dir dieser Artikel gefallen?</mark></p><p><mark style="background-color: rgb(236, 236, 236); color: inherit">Ein kostenloses Abo meines Newsletters ist die beste Form der Unterstützung für diese Arbeit und der direkteste Weg, um auch in Zukunft tiefgehende Analysen und praktische Übungen direkt in dein Postfach zu bekommen.</mark></p><p><a href="https://steady.page/de/josef-merk/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Herzliche Grüße</p><p>Josef</p><p>PS: Über diese und andere Formen der inneren Arbeit spreche ich mit Su Schöb im <a href="https://shows.acast.com/critical-friends/episodes/9-innerwork-mit-dr-josef-merk">CRITICAL FRIENDS Podcast</a>:</p><a href="https://shows.acast.com/critical-friends/episodes/9-innerwork-mit-dr-josef-merk">https://shows.acast.com/critical-friends/episodes/9-innerwork-mit-dr-josef-merk</a>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 08 Aug 2025 08:36:03 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Körperlose Demokratie: Warum unsere Demokratie mehr Körperwahrnehmung…]]></title>
      <description><![CDATA[„Wir sind eine körperlose Gesellschaft“, sagte Prof. Dr. Ruth Lanius, eine renommierte Gehirn- und Traumaforscherin. Dieser Satz hat mich beeindruckt.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Körperlose Demokratie: Warum unsere Demokratie mehr Körperwahrnehmung braucht</h1><p><em>Lesezeit: 5 Minuten</em></p><h2>Die körperlose Gesellschaft und ihre Bedeutung für die Demokratie.</h2><p>„Wir sind eine körperlose Gesellschaft“, sagte <a href="https://www.schulich.uwo.ca/psychiatry/divisions_programs/general_adult_psychiatry/general_psychiatry_faculty/ruth_lanius_md_phd_frcpc.html">Prof. Dr. Ruth Lanius</a>, eine renommierte Gehirn- und Traumaforscherin, kürzlich auf den 15. Zürcher Traumatagen. Dieser Satz hat mich beeindruckt. Ich glaube, auch unsere Demokratie leidet unter einer Form von Körperlosigkeit. Damit meine ich, dass viele demokratische Praktiken ohne Bewusstsein für den Körper stattfinden – und ohne das Wissen, dass unser Körper – teilweise mehr als unser Verstand – zu einem sehr großen Anteil darüber entscheidet, ob eine Zusammenarbeit erfolgreich ist oder nicht.</p><p>Denn der menschliche Körper sendet permanent Signale an das Gehirn, auf dessen Basis sich entscheidet, ob wir uns sicher fühlen oder nicht und damit auch, ob wir bereit sind für Kooperation oder nicht. Doch das passiert völlig unbewusst. Denn es ist das Stammhirn, der entwicklungsgeschichtlich älteste Teil unseres Gehirns, der diese Entscheidung fällt.</p><h2>Unser Gehirn im Überlebensmodus</h2><p>Das Stammhirn – auch Reptilien- oder Überlebensgehirn genannt – ist wie ein Wächter, der ständig die Umgebung scannt. Dafür werden stetig Sinnesreize aus dem Körper über das Nervensystem und das Rückenmark zu ihm, dem Stammhirn, transportiert. Wird nun eine Situation als unsicher eingestuft, dann bleibt das Stammhirn in Kontrolle. Sein Ziel: es hält uns bereit, schnelle und instinktiv reagieren zu können – Flucht, Kampf oder Erstarrung. Das ist sinnvoll und rettet oft Leben, zum Beispiel wenn wir bei einem Fahrradunfall reflexartig die Arme schützend vor den Kopf reißen.</p><p>Doch diese Überlebensfunktion hat einen Preis: Der Kortex, der Teil des Gehirns, der u. a. für rationales Denken, Empathie und Emotionsregulierung zuständig ist, wird mit weniger Energie versorgt. Er arbeitet quasi auf Sparflamme, während gleichzeitig das Nervensystem unter erhöhter Spannung steht. In Alarmbereitschaft ist unser Denken dann eingeschränkt. Doch verblüffend ist dabei, dass wir uns dessen oft nicht bewusst sind. Wir haben eine reduzierte Wahrnehmung und sind auf eine bestimmte Art „körperlos“, denn die Sinnesinformationen aus dem Körper gelangen nur noch stark gefiltert in den Kortex, wo unser bewusstes Denken ihren Sitz hat.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/37affe1d-7a4c-4033-bca4-59bc0b642b5a/uploads/images/rt7hpgj34g/Bildschirmfoto_2025-07-17_um_16.02.25.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Bild des Kortex und seiner Funktionen."/><figcaption>Bild aus einer Präsentation von Dr. Peter A. Levine auf den 15. Zürcher Traumatagen über die Funktionen des Kortex.</figcaption></figure><h2>Relevanz für die Demokratie</h2><p>In der neurowissenschaftlichen Forschung wird diese „Körperlosigkeit“ auch Body-Mind-Disconnect genannt. Wenn das rationale und das emotionale Denken eingeschränkt sind, dann können wir schlechter kooperieren, uns weniger auf andere einstellen und fühlen uns schneller bedroht. Wir verengen unseren Blick und sind weniger offen. Für die Demokratie, die auf Kooperation und Vertrauen angewiesen ist, ist das fatal. Denn die Demokratie braucht solche Kompetenzen: Rationale Analyse, emotionale Intelligenz, Empathie und die Fähigkeit, bei komplexen Problemen abzuwägen und auszuhalten, wenn keine unmittelbare Lösung zu erkennen ist.</p><p>Gerade in den Kernarenen der Demokratie sehe ich großes Potenzial für diese körperbasierten Fähigkeiten:</p><ul><li><p>In öffentlichen Debatten und Talkshows, wo oft mehr gekämpft als zugehört wird.</p></li><li><p>Wenn Politiker:innen mit Bürger:innen in Kontakt treten und für ihre Positionen werben.</p></li><li><p>In Ausschüssen und Verwaltungen, wo komplexe Probleme bewegt werden und tragfähige Kompromisse gefunden werden müssen.</p></li><li><p>Wenn Gesetze gemacht werden und sich die Frage stellt, wie diejenigen einbezogen werden, die direkt davon betroffen sind.</p></li><li><p>Immer dann, wenn Menschen mit unterschiedlichen Meinungen aufeinandertreffen und gemeinsam eine Entscheidung treffen sollen.</p></li></ul><p>Wenn Body und Mind – Körper und Geist, oder Nervensystem und Gehirn – getrennt sind, weichen wir auf einfachere Muster aus: Schwarz-Weiss-Denken, Misstrauen und Abwehrhaltung. Wir brauchen das Gefühl von Kontrolle und verlieren die Fähigkeit, uns wirklich auf Menschen mit anderen Meinungen einzulassen, weil unser Überlebensgehirn sie unbewusst als potenzielle Bedrohung einstuft.</p><p>Mit diesem Wissen ist es offensichtlich: Demokratische Prozesse brauchen sichere Umgebungen, in denen unser Stammhirn merkt, dass wir vertrauen können. Denn dann nutzen wir automatisch unsere gesamten Gehirnkapazitäten und können besser konstruktiv zusammenarbeiten.</p><h2>Den eigenen Zustand erkennen</h2><p>Der Body-Mind-Disconnect ist nicht an oder aus, sondern wie ein Kontinuum. Auch ein klein wenig „Gefahr“ hat schon Auswirkungen auf unser Denken und Fühlen, die wir aber oft nicht bemerken. Das geht tatsächlich nur indirekt. Folgende Erkennungsmerkmale können auf eine eingeschränkte Kommunikation zwischen Nervensystem und Gehirn hinweisen:</p><ul><li><p>Du spürst deine Haut weniger gut, wenn du sie berührst.</p></li><li><p>Du fühlst dich leicht wackelig auf den Beinen oder dein Gleichgewichtssinn ist etwas gestört.</p></li><li><p>Du spürst Hunger (oder Durst) nicht, obwohl du eigentlich lange nichts gegessen hast und hungrig sein müsstest.</p></li><li><p>Emotionen fühlen sich zu groß an und du vermeidest sie.</p></li><li><p>Es fällt dir schwer, auf andere zuzugehen und Kontakt aufzunehmen, z. B. wenn du auf einer Veranstaltung nicht wirklich Anschluss findest oder nicht richtig „in einen Flow“ kommst.</p></li><li><p>Du verhältst dich auf eine Weise, die du dir später selbst nicht erklären kannst.</p></li></ul><h2>Die Verbindung wiederherstellen – Body und Mind connecten</h2><p>Da das Stammhirn vorsprachlich arbeitet, erreichen wir es oft nicht gut über Worte allein. Was aber gut funktioniert, sind Körperübungen. Damit können wir das Nervensystem so stimulieren, dass es dem Stammhirn quasi sagt, dass wir in einer sicheren Umgebung sind. Oft bemerken wir den Body-Mind-Disconnect dann erst rückwirkend, wenn die Anspannung nachgelassen hat.</p><p>Die folgenden drei Übungen, die ich auf den <a href="https://www.polarity.ch/de/veranstaltung?cmscid=5561">15. Zürcher Traumatagen</a> (Übung 1 und 2) sowie in einem <a href="https://processworkonline.com/2024wanguinervoussystemseminar/">Kurs mit Wangũi wa Kamonji</a> (Übung 3) kennengelernt habe, können dir helfen, die Verbindung zwischen Körper und Geist zu stärken – jederzeit und an jedem Ort. Ich lade dich ein, diese kurzen Übungen auch dann zu machen, wenn du eigentlich denkst, dass du gar nicht gestresst bist. Oft sind wir es mehr als uns bewusst ist.</p><p><strong>Vorbereitung</strong></p><p>Auf einer Skala von 0 (tiefenentspannt) bis 10 (voll gestresst), wie entspannt oder gestresst fühlst du dich jetzt gerade? Schreib dir diese Zahl auf und lege den Zettel dann beiseite.</p><p><strong>Übung 1: Orientierung im Raum</strong></p><ol><li><p>Schau dich langsam im Raum um, in dem du gerade bist. Was siehst du?</p></li><li><p>Nimm einfach nur wahr, ohne zu bewerten. Welche Farben, Formen oder Gegenstände fallen dir auf?</p></li><li><p>Gibt es etwas, das deine Augen als angenehm empfinden? Verweile dort mit deinem Blick für einen Moment.</p></li><li><p>Spüre dann, mit offenen oder geschlossenen Augen, deine Position im Raum: Wo bist du gerade im Verhältnis zur Decke, zum Boden, zu den Wänden? Wo ist die Türe und wo sind Fenster (falls du welche hast)?</p></li></ol><p>Die bewusste Wahrnehmung dieser sensorischen Informationen signalisiert deinem Stammhirn, dass du gerade in Sicherheit bist. Falls du einen automatischen, tieferen Atemzug gemacht hast, ist das ein gutes Zeichen. Das bedeutet, dass du nun schon einen Tick entspannter bist.</p><p><strong>Übung 2: Automatische Balance</strong></p><ol><li><p>Stell dich hin und spüre deine Füße auf dem Boden.</p></li><li><p>Achte darauf, wie dein Körper von allein das Gleichgewicht hält. Es gibt immer ein feines Balancieren.</p></li><li><p>Nimm einfach wahr, wie dein Gleichgewichtssystem von ganz allein arbeitet. Das ist alles. Mach das für 1–3 Minuten.</p></li></ol><p>Auch die Wahrnehmung dieser sensorischen Information zeigt deinem Stammhirn, dass die Umgebung sicher ist.</p><p><strong>Übung 3: Arme ausstreichen</strong></p><ol><li><p>Lege deine rechte Hand auf deine linke Schulter. Streiche langsam und mit sanftem Druck deinen Arm von der Schulter bis zu den Fingerspitzen aus. Wiederhole das drei- bis viermal.</p></li><li><p>Wechsle die Seite: Lege die linke Hand auf die rechte Schulter und streiche ebenfalls drei- bis viermal den Arm hinunter.</p></li><li><p>Dann nimm wider die rechte Hand auf die linke Schulter und knete zuerst die Schulter und dann den gesamten Arm durch – zwei bis drei Mal.</p></li><li><p>Dann wechsle wieder die Seite und knete mit deiner linken Hand die rechte Schulter und den rechten Arm.</p></li></ol><p>Auch diese Übung sendet durch das parasympathische Nervensystem ein Signal von Sicherheit ans Stammhirn.</p><h2>Zum Abschluss</h2><p>Zum Abschluss, bitte prüfe erneut auf der Skala von 0 (tiefenentspannt) bis 10 (voll gestresst), wie entspannt oder gestresst du dich jetzt gerade fühlst. Hat es funktioniert? Fühlt sich dein Körper nun entspannter an? Hatten alle drei Übungen einen Effekt? Oder hat eine der Übungen besser funktioniert als die anderen?</p><p>Im Idealfall hast du tiefer geatmet, vielleicht sogar gegähnt, spürst deinen Körper jetzt mehr und hast einen klareren, ruhigen Geist. In meinem Verständnis ist diese Art von Körperübung ein Akt der Selbstfürsorge. Und gleichzeitig eine Kompetenz, die demokratisches Handeln fördert. Das ist ein Gedanke, den schon die antiken Griechen kannten: Die Sorge um sich selbst ist die Grundlage für die Sorge um die Gemeinschaft.</p><p>Mit entspannten Grüßen</p><p>Josef</p><p>PS: Eine andere Methode der Selbstsorge ist der demokratische Dialog. Diesen praktizieren wir bei Mehr Demokratie regelmäßig, zum Beispiel online, immer am ersten Mittwoch im Monat im Format <a href="https://www.mehr-demokratie.de/mehr-wissen/demokratische-kultur/sprechen-zuhoeren">Sprechen &amp; Zuhören</a>. Darüber, und wie das die Demokratie vollständiger macht, habe ich im <a href="https://siebenlinden.org/de/folge-127-gemeinschaft-als-demokratie-labor-mit-dr-josef-merk-von-mehr-demokratie-e-v/">Ökodorf-Podcast aus Sieben Linden mit den Steffen Emrich und Simone Britsch</a> beim Netzwerktreffen des Global Ecovillage Network gesprochen.</p><p><a href="https://siebenlinden.org/de/folge-127-gemeinschaft-als-demokratie-labor-mit-dr-josef-merk-von-mehr-demokratie-e-v/">Podcast-folge hören</a></p><p></p><p></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 17 Jul 2025 17:33:35 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Demokratie ist auch ein innerer Zustand]]></title>
      <description><![CDATA[Demokratie ist die Staatsform, die ihren Bürgerinnen und Bürgern eine bessere Zukunft verspricht. Doch wenn ich jemanden frage, was Demokratie ist, …]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><em>Lesezeit: 5 Minuten</em></p><p>Demokratie ist die Staatsform, die ihren Bürgerinnen und Bürgern eine bessere Zukunft verspricht. Doch wenn ich jemanden frage, was Demokratie ist, dann nennen die meisten zuerst: freie Wahlen, das Parlament, die Parteien und einzelne Politiker. Sie denken an Meinungsfreiheit und Pressefreiheit, an die Würde des Menschen und Rechtsstaatlichkeit. Viele erwähnen das Grundgesetz und sie denken rechtsextreme Bewegungen, die die Demokratie gefährden.</p><p>Doch diese Gedanken sind eher abstrakt und wenig fühlbar, schon gar nicht als positive Zukunftsvision, die Hoffnung und Zuversicht macht. Deshalb stelle ich mir Demokratie nicht nur als Staatsform vor, sondern auch als psychologischen Zustand – einen Bewusstseinszustand, den ich in einem bestimmten Moment haben kann und in einem anderen nicht.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f940b4f2-bcfa-465e-a238-0f625dad541b/uploads/images/7kmimu362s/Demokratie---Autokratie.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Stell dir vor: Der gestrichelte Kreis hier steht für Demokratie. Wenn ich dort stehe, bin ich in einem demokratischen Zustand. Was heißt das? Hier gibt es Vielfalt und Freiheit, aber auch Gleichheit und den Sinn für das große Ganze. Denn Demokratie hat immer zum Ziel, Entscheidungen zu treffen, die für alle am besten sind. An diesem Ort habe ich die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, in der es mir und allen anderen besser geht.</p><p>Was passiert, wenn ich weiter vom Punkt Demokratie weggehe, in Richtung Autokratie, der Alleinherrschaft? Dann wird mir eng in der Brust. In einem autokratischen Zustand fühle ich mich bedroht – bedroht von anderen Meinungen. Andersdenkende sind eine Gefahr. „Was Sie sagen, das ist falsch. Nur ich habe recht.“ Solche Haltungen habe ich bei Nationalkonservativen erlebt, aber auch bei radikalen Linken: „ICH weiß, was richtig und was falsch ist, und was die andere Person sagt, das geht gar nicht.“</p><p>Es erinnert mich an Momente, in denen ich getriggert bin. Dann habe ich wenige Handlungsmöglichkeiten, bin innerlich unfrei: Ich habe ein Problem, sehe aber nur eine Lösung, und diese kann ich nicht erreichen. Also ist jemand anderes Schuld. Zum Beispiel, einen Arbeitskollegen, mit dem ich immer wieder Meinungsverschiedenheiten habe, aber nie gibt er mir recht. Wenn ich innerlich unfrei bin, dann habe ich nur eine Handlungsmöglichkeit: die Konfrontation.</p><p>Wenn ich aber zum Punkt Demokratie zurückgehe, erkenne ich: Auch in meiner eigenen Psychologie habe ich verschiedene Zustände, eine innere Vielfalt: verschiedene Anteile, verschiedene Perspektiven, verschiedene Meinungen – eine Art innere Meinungsvielfalt. Plötzlich ergeben sich neue Handlungsmöglichkeiten: Ich kann den Kollegen persönlich ansprechen und nach dem Muster suchen, das unsere Konflikte prägt. Woran liegt es, dass wir immer wieder aneinandergeraten? Nimmt er das überhaupt so wahr? Vielleicht kann ich auch unabhängiger von seinen Bemerkungen werden, wenn ich mehr Ruhe in mir finde.</p><p>Diese innere Vielfalt an Handlungsmöglichkeiten, das ist für mich Demokratie als Zustand. Und dieser Zustand ist auch in der Gesellschaft hilfreich: Denn Verständigung in einer pluralen Gesellschaft funktioniert besser, wenn die Menschen innerlich beweglich sind und ihre innere Vielfalt leben.</p><p>Doch öffentliche Debatten scheinen mir eher nicht so zu funktionieren. Ein Talkshow-Gast steht für eine Meinung und die muss er oder sie vertreten. Innere Vielfalt und Beweglichkeit ist dabei nicht vorgesehen. Genauso wenig wie in Bundestagsdebatten.</p><p>Warum ist das so? Ein Grund könnte sein, dass wir uns wenig darin üben, uns innerlich demokratisch zu fühlen. Dafür habe ich folgende kurze Inner Work entworfen:</p><h2>Inner Work zur inneren Demokratie</h2><p>1. Wähle einen Konflikt, eine Meinungsverschiedenheit, die du gerade hast oder kürzlich hattest.</p><p>2. Markiere einen Punkt auf dem Boden, der Demokratie repräsentiert, und einen anderen Punkt, der für Autokratie steht.</p><p>3. Stelle dich zuerst auf den Punkt Demokratie. Unabhängig von dem Konflikt, wie fühlt es sich dort an? Welche innere Vielfalt kannst du erkennen? Wie fühlt sich dieser Ort in deinem Körper an? An welchen Moment erinnert dich dieser Zustand?</p><p>4. Gehe nun in Richtung oder bis zum Punkt Autokratie. Formuliere deine Meinung. Die einzige Wahrheit, die es gibt. Du hast recht und niemand sonst. Spüre, wie sich dein Körper anfühlt.</p><p>5. Gehe wieder zum Demokratie-Punkt. Spüre zuerst deinen Körper. Entspanne dich etwas. Erinnere dich an den demokratischen Moment aus Schritt 2. Welche anderen Meinungen hast du zu dem Konflikt? Kannst du für einen Moment die Perspektive des anderen einnehmen? Wie sieht die Sache aus seiner/ihrer Warte aus?</p><p>6. Zum Abschluss: Welche neue Handlungsmöglichkeit ergibt sich, wenn du vom Ort der Demokratie aus – unter Berücksichtigung verschiedener Perspektiven – auf deinen Konflikt blickst?</p><p>Ich bin überzeugt: Jeder Mensch hat eine innere Vielfalt. Und wenn diese erlebt wird, dann ist dieser Zustand eine Kraftquelle. Für die Probleme unserer Zeit brauchen wir Menschen, die immer wieder ihre inneren demokratischen Zustände aktivieren können – in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.</p><p>Herzlich grüßt</p><p>Josef</p><p>P.S. Für kürzere Updates zu meiner Arbeit folge mir gerne bei <a href="https://www.linkedin.com/in/josefmerk/">LinkedIn</a>.</p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 31 May 2025 18:42:10 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Warum Gefühle Politik machen]]></title>
      <description><![CDATA[In dieser Ausgabe gehe ich auf die Rolle von Emotionen in der Politik ein und zeige, warum es für die Zukunft der Demokratie von fundamentaler Wichtigkeit ist, einen ...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><em>Lesezeit: ca. 8 Minuten</em></p><p>In der vorherigen Ausgabe habe ich die „Flooding the zone with Shit&quot;-Strategie analysiert – die gezielte Überschwemmung des öffentlichen Raums mit emotionalisierenden Inhalten, die uns kollektiv davon abhält, uns den tatsächlichen Herausforderungen unserer Zeit zu widmen. Mit der „Bad News Inner Work“ habe ich exemplarisch gezeigt, wie bewusste Emotionsarbeit auf individueller Ebene einen Ausweg aus dieser Negativspirale bieten kann.</p><p>In dieser Ausgabe vertiefe ich den Blick auf die Arbeit mit Emotionen: Gefühle sind nicht nur für die Entwicklung von positiven Zukunftsvisionen wichtig, sondern wirken real jeden Tag in der Politik. Ich bin überzeugt, die Zukunft der Demokratie hängt maßgeblich davon ab, ob wir es schaffen, einen besseren Umgang mit Emotionen zu lernen.</p><h2><strong>Der blinde Fleck: Unsere unbewussten Emotionen</strong></h2><p>Menschen haben von Geburt an Gefühle. Doch wie bewusst wir uns dieser Gefühle sind und wie gut wir sie regulieren können, hängt maßgeblich von unseren frühen Beziehungserfahrungen ab. Fehlt beispielsweise die emotionale Einstimmung durch Bezugspersonen, entwickeln wir nur begrenzte Fähigkeiten, unsere eigenen Gefühle zu erkennen und zu benennen.</p><p>Diese eingeschränkte emotionale Selbstwahrnehmung betrifft die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung – und damit unweigerlich auch Politiker:innen und andere Menschen in Führungs- und Entscheidungspositionen. Die ACE-Studien (Adverse Childhood Experiences, <em>dt.</em> Belastende Kindheitserfahrungen) belegen eindrücklich: Über 50% der Menschen in Deutschland haben traumatisierende Kindheitserfahrungen gemacht, die ihre emotionale Entwicklung nachhaltig prägen.<sup><a>1</a></sup> Und das sind nur die schwerwiegenden Fälle.</p><p>In der Realität ist die Fähigkeit zur emotionalen Selbstwahrnehmung bei fast allen Menschen zeitweise eingeschränkt. Selbst emotional kompetente Personen erleben regelmäßig Momente, in denen ihnen ihre eigenen Gefühle nicht bewusst zugänglich sind. Dies ist kein pathologischer Zustand, sondern einfach menschlich. Eine gute Nachricht: Emotionale Intelligenz lässt sich ein Leben lang entwickeln. Mit gezielter Praxis können Erwachsene ihre Fähigkeit, Gefühle zu erkennen und zu regulieren, erheblich verbessern – auch bei vorhergehender Traumatisierung.</p><h2><strong>Die Beziehungsintelligenz der Gefühle</strong></h2><p>Warum ist emotionale Intelligenz relevant für Politik? Weil Gefühle unsere Beziehungs-Navigationssysteme sind. Sie signalisieren uns, wie wir uns zu anderen verhalten und positionieren möchten:</p><p><strong>Beispiel 1:</strong> Angenommen, jemand bedroht mich. Angst ist dann ein adäquates Gefühl. Sie aktiviert die Schutzreflexe – wir verteidigen uns oder ziehen uns zurück. Es ist in einer solchen Situation eine ganz natürliche und überlebenswichtige Reaktion, Angst zu empfinden.</p><p><strong>Beispiel 2:</strong> Angenommen, ich soll mit jemandem zusammenarbeiten, dem ich nicht traue. Was passiert dann? Misstrauen gegenüber Kooperationspartnern führt zu innerlicher Distanz. Wichtige Informationen werden oft nicht geteilt, und diese fehlen dann bei der Entscheidungsfindung.</p><p>In der Demokratie geht es letztlich immer darum, Entscheidungen gemeinsam zu treffen, oder Entscheidungen zu treffen, die viele Menschen betreffen. Demokratie ist deshalb im Kern auch eine Beziehungsaufgabe. Sie erfordert Vertrauen, Empathie und die Fähigkeit, verschiedene Perspektiven einzubeziehen. All dies sind emotional gesteuerte Prozesse. Deshalb ist es aus psychologischer Sicht eigentlich sogar absurd, dass Gefühle im politischen Diskurs kaum explizit Beachtung finden.</p><h2><strong>Rationalität und Emotion sind kein Widerspruch – im Gegenteil</strong></h2><p>In unserer politischen Kultur herrscht das Primat der Rationalität, vermutlich geprägt von den Idealen der Aufklärung. Doch dieses Ideal des rein rationalen Denkens führt in die Irre, denn: Echte Rationalität integriert Gefühle – und blendet sie nicht aus – denn Gefühle enthalten eben essenzielle Informationen über die Beziehungen zu den verschiedenen betroffenen Menschen.</p><p>Emotionen und Rationalität stehen nicht im Widerspruch zueinander. Es sind nur die unbewussten Gefühle, die das rationale Denken stören bzw. es schlechter machen, weil sie sich dem rationalen Denken entziehen. Erst dann werden Gefühle zum Problem: Wenn sie als verdrängte und unbewusste Emotionen quasi im Hintergrund unsere Entscheidungen lenken.</p><figure><a href="https://ccnull.de/index.php/foto/das-ende-der-ampel-koalition-in-berlin/1107138"><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fimg.ccnull.de%2F1105000%2Fpreview%2F1107138_15054016b86ca3a7668ef23472089220.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=7b1133aee5e8196271f95c7388d0359c" alt="Das Ende der Ampel-Koalition in Berlin. Symbolbild."/></a><figcaption>CC-BY 2.0 Marco Verch</figcaption></figure><h2><strong>Ein Fallbeispiel: Die Dynamik am Ende der Ampel-Koalition</strong></h2><p>FDP-Verkehrsminister Volker Wissing beschrieb kürzlich im Podcast <a href="https://meine-schwerste-entscheidung.blogs.audiorella.com/13-volker-wissing"><em>Meine schwerste Entscheidung</em></a>, wie er das Ende der Ampel-Regierung erlebt hat. In der „traurigen Geschichte“ kamen seine Vorschläge, konstruktive Politik zu machen statt öffentlich zu streiten, in seiner Partei nicht an. Er sagt: „Die Fraktion war total begeistert davon: Wir kritisieren die Grünen.“ und „Man galt als Grünen-Versteher oder Freund der SPD, wenn man gesagt hat: Lass uns einen Kompromiss aushandeln und lass uns den positiv vertreten.“</p><p>Wissing spricht einige Gefühle direkt an. Dass bei diesen Ereignissen noch weitere Emotionen unbewusst gewirkt haben, schließe ich aus seinen Aussagen und seinem Tonfall. Ich finde, er klingt teils entsetzt und etwas ratlos, wenn er die Geschehnisse beschreibt.</p><p>Was genau auf der emotionalen Ebene geschah, das kann ich von außen nur vermuten, aber ich möchte es trotzdem hypothetisch machen, um zu zeigen, was Emotionsarbeit bewirken könnte. Ich mache das auf keinen Fall, um Wissing oder jemanden bei der FDP bloß zu stellen. Wie schon oben gesagt, es ist normal, Gefühle nicht zu erkennen. Ich stelle diese Vermutung an, weil ich damit beispielhaft zeigen möchte, wie bewusste Arbeit mit Emotionen auch auf oberster Ebene aussehen könnte.</p><p>Wissing spricht davon, dass Lindner davor Angst hatte, die FDP werde nicht mehr mit einem ausreichend eigenständigen Profil in der Koalition wahrgenommen. Angst zeigt auch hier an, dass eine Gefahr besteht. Damit geht in meiner Erfahrung ein Bedürfnis nach Schutz einher. In diesem Fall war die Gefahr vermutlich: Weiter sinkende Umfragewerte aufgrund der fehlenden Unterscheidbarkeit zu den anderen Koalitionsparteien. Der Schutz wurde letztlich durch die „koalitionssprengenden“ Handlungen hergestellt.</p><p>Weil die Emotionen in dieser Dynamik vermutlich nicht bewusst bearbeitet wurden, blieb es bei dieser Lösung erster Ordnung: der Abgrenzung und dem „Sprengen“ der Koalition, um wieder Unterscheidbarkeit herzustellen. Jetzt ist FDP in der außerparlamentarischen Opposition.</p><p>Angenommen, die Emotionen wären tiefer bearbeitet worden, so wie ich es schon häufig in Prozessbegleitungen erlebt habe. Dann hätte eine Lösung zweiter Ordnung wie folgt aussehen können: Nach dem Fühlen der Angst und dem damit verbundenen Bedürfnis, wäre vermutlich ein weiteres, tieferes Gefühl zum Vorschein gekommen, das zuvor von der Angst überdeckt wurde. Ich vermute ein Gefühl von Bedeutungslosigkeit oder drohendem Bedeutungsverlust. Wissing hat so etwas angedeutet. Dieses Gefühl gehört vermutlich zu den schlimmsten Gefühlen für einen Politiker, der etwas erreichen will.</p><p>Nun stellen wir uns weiter vor, auch dieses Gefühl zu fühlen und damit zu verarbeiten. Was macht es mit einem, drohende Bedeutungslosigkeit zu fühlen? Es ist sicherlich zunächst sehr unangenehm. Dennoch erahne ich, dass nach dem Fühlen dieses Gefühls, so etwas aufkommt, wie: das sich Berufen auf eine höhere Macht. Denn am Ende bleibt in so einer schwierigen Situation oft wenig anderes, weil man sich eingestehen muss, dass es nur bedingt in der eigenen Macht steht, wie erfolgreich zum Beispiel die eigene Partei ist. Es gibt weltpolitische Ereignisse, die beeinflussen. Es gibt akute lokale Ereignisse. Es gibt einen Zeitgeist. Es gibt persönliche Sympathien und Antipathien. Jeder hat eine eigene Biografie. Es gibt noch unzählige weitere Faktoren, die Politik auf Bundesebene beeinflussen. Der Einfluss einer einzelnen Person, und sei es auch ein Parteivorsitzender, ist dabei doch relativ gering.</p><p>Und dann, da bin ich sicher: Wenn es gelingt, dass Menschen ein solch schwieriges Gefühl gemeinsam halten und aushalten, dann kann eine starke Transformation passieren. In meiner Erfahrung entdecken Menschen dann plötzlich, dass sie etwas gemeinsam haben: Neben dem schweren Gefühl auch eine gemeinsame Motivation – hier: der Wille, das Land zu gestalten. Mit diesem verbindenden Gefühl können dann plötzlich auch Differenzen überwunden werden. Oft tun sich ganz neue Möglichkeiten auf und zuvor undenkbare Handlungsoptionen erscheinen in einem neuen Licht.</p><p>Den starken Gestaltungsanspruch habe ich schon oft bei Politiker:innen erlebt. Die allermeisten wollen wirklich etwas für das Land zum Positiven verändern, auch wenn es manchmal nicht so aussieht und auch wenn sie ganz unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was das Positive ist. Es würde mich nicht wundern, wenn im Beispiel des Streits der Ampel-Parteien der Gestaltungswille als Gemeinsamkeit von dem drohenden Bedeutungsverlust und der Angst davor verdrängt gewesen wäre.</p><h2><strong>Eine emotional intelligente Demokratie</strong></h2><p>Wie kann diese emotionale Dimension mehr Eingang in demokratische Prozesse finden? Der Weg dorthin ist anspruchsvoll, aber gangbar. Ich glaube, es braucht dafür vor allem drei Dinge:</p><ol><li><p>Regelmäßige Praktiken innerer Arbeit auf individueller Ebene</p></li><li><p>Prozessbegleitung durch emotional kompetente Moderator:innen</p></li><li><p>Dialogräume, in denen auch Gefühle ihren legitimen Platz haben</p></li></ol><p>Ein spannendes und hilfreiches Konzept hierfür ist <em>Deep Democracy</em> nach Arnold Mindell.<sup><a>2</a></sup> Deep Democracy besagt, dass in der Demokratie nicht nur das zählt und wichtig ist, was die Daten und Fakten sind, sondern dass auch Gefühle und Stimmungen, Träume und Wünsche und auch ganz tiefe Emotionen Teil der Demokratie sind und gehört werden müssen, um zu gesamtgesellschaftlich tragfähigen und nachhaltigen Entscheidungen zu kommen.</p><p>Bedeutet dieser Fokus auf Emotionen, dass wir den Anspruch, sachlich und rational zu debattieren aufgeben sollten? Keineswegs. Es geht nicht um ein „Entweder-oder&quot;, sondern um ein „Sowohl-als-auch&quot;.</p><p>Die Grenzen emotionaler Arbeit in der Politik liegen dort, wo sie</p><ul><li><p>als alleinige Lösung komplexer Sachfragen missverstanden wird</p></li><li><p>als Ersatz für fundierte Expertise betrachtet wird</p></li><li><p>in einen unprofessionellen „Gefühlszirkel&quot; ohne klare Zielsetzung abgleitet</p></li></ul><p>Mein Argument ist: Emotionsarbeit ist kein Selbstzweck, sondern ein unverzichtbares Werkzeug, das die sachbezogene politische Arbeit effektiver, nachhaltiger und menschlicher macht. Sie schafft die Voraussetzungen für konstruktive Konfliktlösung und echte Kompromissfähigkeit.</p><h2><strong>Eine Hoffnung für die Demokratie: Emotionsarbeit im Politikbetrieb</strong></h2><p>In meiner Arbeit mit Politiker:innen und Parteien erlebe ich immer wieder bemerkenswerte Transformationen, wenn Emotionen einen legitimen Raum bekommen. Politiker:innen sind sogar prädestiniert für diese Arbeit, denn sie bringen eine wichtige Kompetenz dafür mit. Sie sind meist rhetorisch gewandt und trauen sich, auch unbequeme Dinge direkt anzusprechen. Diese Kommunikationsstärke ist ein starkes Fundament für tiefere emotionale Arbeit.</p><p>Wo emotionale Spannungen bewusst gemacht und bearbeitet werden, entsteht eine neue Qualität des Miteinanders. Ich habe erlebt, dass durch nur einen Workshop plötzlich Geschlossenheit in der Fraktion entstanden ist und die Diskussionskultur spürbar konstruktiver wurde. Dann können sich die Beteiligten besser auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren, anstatt durch zwischenmenschliche Konflikte ausgebremst zu werden.</p><p>Diese Erfahrungen bestärken meine Überzeugung: Eine bewusstere demokratische Kultur, die Emotionen als natürlichen Bestandteil politischer Prozesse anerkennt, ist nicht nur möglich – sie ist dringend notwendig für die Zukunftsfähigkeit der Demokratie.</p><h2><strong>Praktische Erfahrung selbst erleben</strong></h2><p>Für alle, die diese Arbeit mit Emotionen und Demokratie selbst erleben möchten: Am zweiten Mai-Wochenende kommt der international renommierte Konflikttrainer und Workshopleiter Gary Reiss nach Berlin. Im Workshop <em>Visions for a Future for Everyone: From Trauma to Freedom</em> widmen wir uns genau der Frage, wie wir mit schwierigen Emotionen umgehen und Traumata transformieren können, um zukunftsfähige gemeinschaftliche Visionen zu entwickeln.</p><p>Meine Hoffnung für diesen Workshop ist, dass wir gemeinsam eine Vision davon entwickeln, wie diese tiefgreifende Arbeit noch viel stärker Eingang in den politischen Raum finden kann. Es gibt noch wenige freie Plätze.</p><p><a href="https://www.tickettailor.com/events/visionsforafutureforeveryone/1595613">Mehr Informationen</a></p><p>Herzliche Grüße</p><p>Josef<br/></p><p>P.S.: Für kürzere Updates zu meiner Arbeit folge mir gerne bei <a href="https://www.linkedin.com/in/josefmerk/">LinkedIn</a>.</p><p>Fußnoten:</p><ol><li data-id="c662d236-b718-4b31-8e4e-54b814c17c7d"><p>Witt, A., Sachser, C., Plener, P. L., Brähler, E., &amp; Fegert, J. M. (2019). The prevalence and consequences of adverse childhood experiences in the German population. <em>Deutsches Ärzteblatt International, 116</em>(38), 635-642. <a href="https://doi.org/10.3238/arztebl.2019.0635">https://doi.org/10.3238/arztebl.2019.0635</a></p></li><li data-id="840445e2-f676-4baa-892f-a74de8860764"><p>Das Buch von Arnold Mindell zum Konzept heißt: <a href="https://www.goodreads.com/book/show/1531363.The_Deep_Democracy_of_Open_Forums">The Deep Democracy of Open Forums: Practical Steps to Conflict Prevention and Resolution for the Family, Workplace, and World</a></p></li></ol>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 22 Apr 2025 11:00:18 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Demokratie braucht Träume: Visionen einer Zukunft für alle]]></title>
      <description><![CDATA[„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“ – dieses bekannte Zitat wird oft Helmut Schmidt zugeschrieben. Sein rationaler und nüchterner Stil einer…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><em>Lesezeit: 10 Minuten</em></p><p>„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“ – dieses bekannte Zitat wird oft Helmut Schmidt zugeschrieben. Sein rationaler und nüchterner Stil einer pragmatischen Politik entsprach vermutlich dem Zeitgeist und war den 1970er und 80er Jahren angemessen. Doch heute funktioniert dieser Ansatz kaum noch. Viele öffentliche Debatten sind oft vermeintlich sachlich, aber tatsächlich hoch emotional. Der Umgang von Politiker:innen verschiedener Parteien miteinander und die mediale Berichterstattung darüber sind meiner Auffassung nach nur vordergründig rational, weil sie versuchen, Emotionen auszuschließen. Tatsächlich gibt es aber „im Hintergrund“ immer Gefühle. Diese Auszublenden ist schon alleine deshalb nicht rational, weil damit auch (emotionale) Visionen einer besseren Zukunft ausgeschlossen werden. Doch diese Visionen und Träume brauchen wir in einer Demokratie, wie ich im Verlauf des Textes begründen werde.</p><h3>Die Krise der Imagination</h3><p>In dieser Ausgabe meines Newsletters gehe ich auf ein zentrales Problem unserer demokratischen Gesellschaft ein: die Abwesenheit von gemeinsamen und positiven Zukunftsbildern. Geoff Mulgan, Professor für kollektive Intelligenz, bezeichnet das treffend als <a href="https://demoshelsinki.fi/wp-content/uploads/2020/04/the-imaginary-crisis-web.pdf">Krise der Imagination</a>, in der pessimistische Aussichten den Diskurs dominieren, anstatt dass wir positive alternative Zukünftsvisionen entwickeln.</p><p>Ich bin überzeugt: Positive Zukunftsbilder sind nicht nur deshalb wichtig, weil sie Menschen verbinden und motivieren können, sondern auch, weil sie ein Gegenentwurf zur Strategie der Ultrarechten sind – dieser Strategie, die Steve Bannon „Flood the zone with shit&quot; nennt (auf Deutsch etwa: „Überflute die Zone mit Müll/Unsinn“), in der der öffentliche Raum absichtlich mit Skandalen und Desinformationen überflutet wird.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/617fdb5a-1e89-47b2-bfca-3833ae534ce5/uploads/images/hs3yosnp6a/Bildschirmfoto_2025-03-31_um_12.44.02.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Ein fotorealistisches KI-Bild eines Dammes, der Wassermassen entlässt und überflutet."/><p>Dieses „Überfluten“ bindet kognitive und emotionale Ressourcen, die wir sonst für konstruktive Visionsarbeit nutzen könnten. Wer sich mit der neusten skandalösen Äußerung von Trump oder wem auch immer beschäftigt, denkt in dieser Zeit <em>nicht</em> daran, was ihm oder ihr wirklich wichtig ist. Die „Flooding”-Strategie versetzt uns in eine Art Starre und macht uns kollektiv handlungsunfähiger. Doch wie kann es gelingen, dass wir trotz der globalen Ereignisse in einen Modus kommen, in dem wir mit Zuversicht über die Zukunft nachdenken?</p><h3>Gemeinsam fühlen, um zu handeln</h3><p>Ein Schlüssel liegt darin, der Negativspirale aus Angst und Empörung zu widerstehen und stattdessen Räume zu schaffen, in denen wir uns einander in unserer ganzen Menschlichkeit zuwenden können. Denn in solchen geschützten Begegnungsräumen wird es möglich:</p><ul><li><p>Angst vor einem Krieg in Zentral-Europa zu fühlen,</p></li><li><p>Sorgen über die wirtschaftliche Lage und die Sicherheit des eigenen Jobs zu fühlen,</p></li><li><p>Empörung und Ekel über die manipulativen Mitteln der Autokraten zu fühlen,</p></li><li><p>Traurigkeit über die Klimakrise und die nötigen Klimaanpassungen zu fühlen,</p></li><li><p>Wut über die Gewinnmaximierung multinationaler Konzerne auf Kosten des Planeten und der prekären Arbeiterklasse zu fühlen,</p></li><li><p>Ohnmacht angesichts weltweiter Entwicklungen zu fühlen.</p></li><li><p>…</p></li></ul><p>Meine Erfahrung zeigt: Wenn sich die Teilnehmenden darauf einlassen, geschieht in diesen Räumen fast immer eine Transformation der Stimmungen und Befindlichkeiten. Wenn negative Emotionen bewusst wahrgenommen, „gehalten“ und gemeinsam verarbeitet werden, kommt ein Wendepunkt. Die Menschen merken, dass sie mit den eigenen Gefühlen nicht alleine sind. Das tut gut und öffnet den Raum für neue und positivere Zustände. Letztlich habe ich in solchen Räumen, wie dem <a href="https://www.mehr-demokratie.de/mehr-wissen/demokratische-kultur/sprechen-zuhoeren">monatlichen „Sprechen &amp; Zuhören“ (online) von Mehr Demokratie</a>, oft erlebt, wie sich Einsamkeit in Verbundenheit, Angst in Mut und Pessimismus in Zuversicht verwandeln können. Menschen erleben sich darin als Teil einer Gemeinschaft, fühlen sich gestärkt, entdecken Handlungsmöglichkeiten und beginnen, konstruktive Pläne zu entwerfen.</p><p>Für mich passiert in solchen emotionsverarbeitenden Räumen das, was Leonard Cohen in <em>Anthem</em> besingt: „There is a crack in everything. That&#39;s how the light gets in.“ (<em>Deutsch: </em>In allem gibt es einen Riss, so dringt das Licht herein). In einem Auftritt 2008 sagte er Worte, die heute aktueller denn je klingen: „We are so privileged to gather in moments like this, when so much of the world is plunged in darkness and chaos. So, ring the bells that still can ring, forget your perfect offering, there is a crack in everything, that&#39;s how the light gets in.“ (<em>Deutsch</em>: „Es ist ein Privileg, in Zeiten wie diesen zusammenzukommen, während große Teile der Welt in Finsternis und Chaos versinken. Läutet also die Glocken, die noch läuten können, gebt die Suche nach dem Perfekten auf – in allem ist ein Riss, so dringt das Licht herein.“</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=c8-BT6y_wYg">https://www.youtube.com/watch?v=c8-BT6y_wYg</a><h3>Von „where the light gets in“ zu lebendigen Zukunftsvisionen</h3><p>Aus psychologischer Sicht entsteht der „Lichteinfall“, wenn Menschen in Gemeinschaft ihre authentischen Gefühle erfahren können. Das Fühlen selbst schafft Ordnung und Freiheit im Inneren – ein Phänomen, das ich sowohl in meiner Coaching-Praxis, wie auch in Dialogen immer wieder erlebe. Gefühle ebben natürlicherweise ab, sobald sie vollständig gefühlt wurden, und machen Platz für neue Zustände – diese sind meist positiv: Entspannung, Zuversicht, Verbundenheit, Hoffnung und Mut, gefolgt von Leichtigkeit, Freude und neuem Humor.</p><p>Hier liegt auch ein wesentlicher Hebel für das Entwickeln von Zukunftsvisionen und das Träumen von einer besseren Welt. In einem von negativen Nachrichten „überfluteten Zustand“ – der neurophysiologisch einer Traumareaktion ähnelt – blockiert unser Nervensystem die Fähigkeit, kreative Zukunftsentwürfe zu gestalten. Werden Gefühle verdrängt oder sind wir in einer Stressreaktion „eingefroren“, verkommen Zukunftsvisionen zu leeren Worthülsen ohne emotionale Tiefe. Sie bleiben dann abstrakte Gedankenkonstrukte, die weder uns selbst noch andere Menschen wirklich berühren oder mobilisieren können. Eine Vision entfaltet ihre transformative Kraft erst dann, wenn sie emotional verkörpert ist und unser ganzes Sein anspricht. Ich habe eine Inner Work entwickelt, um einen solchen Zustand auch ohne Gruppe zu erreichen.</p><h3>Bad News Inner Work</h3><p>Ziel dieser Inner Work ist zu es, einen durch Weltereignisse ausgelösten negativen Zustand emotional zu verarbeiten und an einen Punkt zu gelangen, an dem es sich wieder über eine bessere Zukunft träumen lässt. Dauer ca. 5 Minuten.</p><ol><li><p><strong>Ausgangspunkt:</strong> Denke an eine schlechte Nachricht, eine Meldung, die dich irritiert hat, dich gestört hat, dir Angst gemacht, dich empört oder wütend gemacht hat.</p></li><li><p><strong>Exploration und Amplifikation:</strong> Wie äußert sich das Störgefühl, die Wut oder Angst? Wovor hast du Angst, aber wichtiger, wie spürst du die Angst oder das Störgefühl? Probier aus, eine Mimik mit deinem Gesicht zu machen, die das Stör-, Angst- oder Wutgefühl zum Ausdruck bringt. Mach eine Geste, frei assoziiert, zu diesem Gefühl. Vielleicht gibt es auch einen passenden Laut dazu, ein Geräusch, das du machen kannst. Falls dir intuitiv etwas einfällt, mache das, experimentiere mit dem Zustand und amplifiziere ihn, d. h. vergrößere ihn und übertreibe ihn. Mach das so lange, bis du gut verstanden hat, was die Essenz dieses Zustands ist.</p></li><li><p><strong>Verkörperung:</strong> Wenn du diesen Zustand so ausagierst, wie fühlt sich dein Körper dabei an? Gibt es eine Spannung? Falls ja, in welchen Körperteil? Oder eine Erschlaffung? Falls ja, wo?</p></li><li><p><strong>Personifizierung:</strong> Wenn du diesen Zustand weiter verkörperst: Welche Person, welches Wesen, welches Tier, Comic-Figur oder Filmfigur verhält sich so oder so ähnlich? Fällt dir irgendwer oder irgendwas intuitiv ein, das du mit diesem Zustand verbindest? Falls ja, stell dir diese Figur vor. Wie sieht sie aus? Was macht diese Figur? Folge deiner Fantasie, lass eine Filmsequenz in deiner Vorstellung entstehen. Wenn du magst, kannst du auch eine gekritzelte Skizze dieser Szene machen.</p></li><li><p><strong>Rollenwechsel:</strong> Nun stell dir vor, dass du diese Figur bist. Wie fühlt sich das an? Verändert sich etwas in deinem Körperempfinden? Welche Qualität hat dein Empfinden jetzt? Ist das Störgefühl vom Anfang der Inner Work bereits transformiert? Falls nicht, folge dem Bild weiter, bis zu zu einem neuen Zustand oder Empfinden kommst.</p></li><li><p><strong>Titelfindung:</strong> Benenne die Qualität dieses Zustands und denke dir eine Überschrift für die Szene oder den Zustand aus, in dem du jetzt bist.</p></li><li><p><strong>Zukunftsvision: </strong>Nun stell dir dein Leben vor, in dem du viel mehr von dieser Qualität hast. Was ist dann anders? Wie fühlst du dich? Wie sieht dein Alltag aus? Bemerke dabei, ob und wenn ja, wie sich dein Körpergefühl verändert, wenn du dich in deine Zukunftsvision imaginierst.</p></li><li><p><strong>Transfer: </strong>Zum Abschluss, denke an die Gesellschaft, die Menschen um dich herum. Benenne eine (oder mehrere) Verhaltensweisen, die dann anders sind, wenn es insgesamt mehr von dieser Qualität gibt? Wie gehen die dann Menschen miteinander um?</p></li></ol><p>Ich lade dich ein, deine Erfahrungen mit dieser Übung in den Kommentaren zu teilen:</p><ul><li><p>Hat die Inner Work für dich funktioniert?</p></li><li><p>Bei welcher Qualität und Zukunftsvision bist du herausgekommen?</p></li><li><p>Welche zentrale Eigenschaft prägt deine persönliche Zukunftsvision?</p></li></ul><p>Ich selbst habe diese Inner Work zwei Mal im Prozess des Schreibens gemacht. Beim ersten mal war die Qualität: Selbstsorge. Beim zweiten Mal war es: Mut, Dinge direkt anzusprechen – beides wesentliche Elemente einer lebendigen demokratischen Kultur.</p><h3>Was hat diese Inner Work mit Demokratie zu tun?</h3><p>Tatsächlich berühren wir hier den Wesenskern demokratischer Gesellschaften. Demokratie ist jene Staatsform, die fundamental darauf angewiesen ist, dass Bürger:innen sich immer wieder mit ihren Wünschen und Visionen für ihre Zukünfte verbinden können. Das Träumen einer besseren Zukunft ist nicht bloß ein emotionaler Luxus, sondern demokratische Notwendigkeit – ohne diese Fähigkeit erodiert das Vertrauen in demokratische Institutionen. Denn die Demokratie lebt von dem Versprechen einer besseren Zukunft. So war das von Beginn an bei der ältesten noch bestehenden Demokratie und so war es auch im Nachkriegsdeutschland. Artikel 2 des Grundgesetzes spiegelt das mit dem Recht auf die freien Entfaltung der Persönlichkeit wider. Demokratie gedeiht dort, wo Menschen ihre individuellen und kollektiven Träume artikulieren und verfolgen können. Doch genau diese Träume müssen wir erst ergründen und verkörpert wahrnehmen, bevor sie ihre transformative Kraft entfalten.</p><h3><strong>Vision einer Politik der Selbstsorge</strong></h3><p>Wenn ich eine Qualität aus meiner Inner Work, die Selbstsorge, auf die Gesellschaft übertrage, entsteht in mir das Bild einer politischen Kultur, in der Politiker:innen systematisch Zeit und Raum erhalten, ihre Emotionen zu verarbeiten und persönlich zu wachsen. In den Parlamenten und Behörden existieren sogar institutionalisierte Räume für angeleitete Inner Work. Und es gibt wöchentliche Termine für vertiefte Dialoge über Parteigrenzen hinweg, die bewusst nicht primär der Sacharbeit dienen, sondern dem Verabreiten von Konflikten und der Kultivierung von Vertrauen.</p><p>In einer solchen politischen Kultur werden politische Gegner nicht abgewertet, sondern anerkannt, in dem Wissen, dass alle eine legitime Position vertreten. Gerade weil die Fähigkeit zur Beziehungsarbeit gepflegt wird, können inhaltliche Konflikte direkter, in der Sache härter, aber insgesamt konstruktiver ausgetragen werden – die gefestigte zwischenmenschliche Basis macht tiefgreifende sachliche Auseinandersetzungen wesentlich besser.</p><p>In dieser demokratischen Zukunftsvision verändert sich auch die Beziehung zwischen Politik und Bürger:innen fundamental. Anstelle des reduktionistischen Modells, in dem Bürger:innen gefühlt primär als Stimmreservoir im Wahlkampf betrachtet werden, entsteht ein kontinuierlicher Dialog. Bevölkerungsgruppen, die im politischen System strukturell unterrepräsentiert sind, werden systematisch in die parlamentarischen Prozesse einbezogen.</p><p>Konkret bedeutet dies die Institutionalisierung von Bürgerräten und dialogischen Formaten, die bewusst marginalisierte Stimmen ins Zentrum rücken: Menschen mit Migrationsgeschichte, Menschen mit Behinderungen, Angehörige der Arbeiterklasse, ländliche Bevölkerung, junge wie alte Menschen, Klimaaktivist:innen, die LGBTQI+ Community, Wohnungslose und Menschen ohne Wahlrecht. Diese Diversität der Perspektiven bereichert den demokratischen Prozess und macht Entscheidungen in Wortsinne demokratischer, weil dabei das <em>demos</em> – das Volk – in seiner Vielfalt besser beteiligt und abgebildet wird.</p><p>Auch die Medien haben einen neuen Fokus. Sie begleiten diese Treffen und berichten konstruktiv und lösungsorientiert. Das Verhältnis von negativen zu positiven und zukunftsweisenden Meldungen kehrt sich um. Die Qualität des öffentlichen Diskurses wandelt sich grundlegend: Politiker:innen sprechen authentisch von eigenen Erfahrungen und Transformationsprozessen, statt sich in der ritualisierten Gegenüberstellung von „falschen“ und „richtigen“ Politikansätzen zu erschöpfen.</p><h3>Von der Vision zur gelebten Praxis</h3><p>Was ich gerade beschreibe, ist für mich keine abstrakte Utopie, sondern eine spürbare, verkörperte Vision. Ich fühle sie in diesem Moment konkret – eine direkte Wirkung der zuvor durchgeführten Inner Work. Diese Verkörperung macht den entscheidenden Unterschied: Die Vision motiviert mich, selbst wenn sie unter den gegenwärtigen Bedingungen nur schwer realisierbar erscheint. Ich sage nicht, dass diese Vision realistisch ist, aber mir zu erlauben zu imaginieren, wie eine lebenswertere Gesellschaft aussehen könnte, beflügelt mich. Und ich merke, dass ich in meinem eigenen Wirkungskreis bereits Aspekte dieser Vision lebe: In der Zusammenarbeit mit Kolleg:innen, mit meinen Klient:innen und auch in meinen Freundschaften.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.josefmerk.de%2Fimages%2Fworkshop-visions-wide.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=ac5bde4e9a2b9d49d222c1d8f336de21" alt=""/><h3><strong>Workshop „Visions for a Future for Everyone“</strong></h3><p>Genau aus diesem Grund veranstalte ich vom 9.-11. Mai einen Workshop zum Thema: <a href="https://www.josefmerk.de/workshops/visions-for-a-future-for-everyone"><strong>Visions for a Future for Everyone</strong></a><strong>.</strong> In diesem Workshop widmen wir uns den Visionen einer Zukunft, in der alle Menschen ihren Platz haben, in Würde leben und sich an der Gestaltung ihrer Lebenswelt beteiligen können.</p><p>Für diesen Workshop konnte ich <a href="https://www.garyreiss.com/">Gary Reiss</a> gewinnen, einen der erfahrensten Gruppen-Facilitatoren weltweit, Traumatherapeut und lizenzierter Social Worker, der seit über vier Jahrzehnten mit stark polarisierten Gruppen arbeitet. Seine Expertise in der Transformation gesellschaftlicher Konflikte ist international anerkannt. Nach seinem Stop in Berlin wird er weiter bis nach Israel reisen, um dort mit israelischen und palästinensischen Gruppen zu arbeiten.</p><p>Im Zentrum unseres Workshops steht neben unseren Visionen auch die praktische Frage: Wie können wir Räume gestalten, die echte demokratische Transformation durch unsere Zukunftsvisionen ermöglichen? Gemeinsam mit und durch Gary erkunden wir mit einer diversen Gruppe von ca. 30 Menschen, Tools und Methoden, um uns mit unseren Visionen zu verbinden. Wir lernen, wie wir belastende Emotionen gemeinsam verarbeiten können, ohne in ihnen stecken zu bleiben. Und wie wir uns gegenseitig in emotionalen Transformationsprozessen unterstützen, um schließlich in einen Zustand zu gelangen, in dem wir individuell und gemeinschaftlich Träumen. Das ist jener kreative Raum, in dem neue gesellschaftliche Möglichkeiten entstehen können.</p><p>Ich würde mich sehr freuen, dich bei diesem Workshop zu begrüßen und habe echte Neugier, mehr über deine ganz eigene Zukunftsvision zu erfahren.</p><p><a href="https://www.josefmerk.de/workshops/visions-for-a-future-for-everyone">Infos und Tickets</a></p><p>Herzlich grüßt</p><p>Josef</p><p>P.S. Für kürzere Updates zu meiner Arbeit folge mir gerne bei <a href="https://www.linkedin.com/in/josefmerk/">LinkedIn</a>.</p><p></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 31 Mar 2025 12:44:35 +0000</pubDate>
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      <description><![CDATA[Was, wenn die Gräben unserer politischen Landschaft nicht nur ideologisch, sondern auch psychologisch bedingt sind? In dieser Ausgabe wage ich eine…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Psychologische Barrieren für überparteiliche Zusammenarbeit: Körper, Gefühle und oppositionelles Handeln</h1><p><em>Lesezeit: 11 Minuten</em></p><p>Was, wenn die Gräben unserer politischen Landschaft nicht nur ideologisch, sondern auch psychologisch bedingt sind? In dieser Ausgabe wage ich eine These: Oppositionelles Handeln hat ihre Ursachen nicht nur in anderen politischen Überzeugungen, sondern auch in individuellen Traumata.</p><p>Natürlich ist nicht jedes oppositionelles Handeln auf unverarbeitete Verletzungen zurückzuführen. Dennoch glaube ich, dass eine traumainformierte Perspektive helfen kann, die Kultur des Miteinanders zu verändern. Meine Überlegungen sind daher eine Einladung, den politischen Betrieb anders zu denken, als er heute in den meisten Fällen funktioniert.</p><h2><strong>Warum Politik mehr psychologisches Verständnis braucht</strong></h2><p>Der Mensch ist ein emotionales Wesen. Gefühle und Gedanken – oder fachsprachlich: Affekte und Kognitionen – existieren immer gleichzeitig, unabhängig davon, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Eine ausschließlich rational-sachliche Debatte gibt es deshalb nicht, auch wenn der Ruf danach immer wieder zu hören ist. Er übersieht, dass Fakten immer auch mit Affekten verbunden sind. Es sind erst die Gefühle, die den Fakten ihre Valenz, also ihren empfundenen Wert verleihen. So entsteht ein scheinbares Paradox: Eine Debatte wird gerade dann sachlicher, wenn sie Emotionen zulässt. Denn wenn Gefühle ausgesprochen werden dürfen, wird die Bedeutung der Argumente sichtbarer und spürbarer.</p><p>In Politik und Medien wird jedoch oft versucht, Emotionen auszuklammern oder sie zu ignorieren. Dadurch wird meist genau das Gegenteil erreicht: Gerade weil viele Emotionen nicht offen angesprochen werden dürfen, brechen sie sich in destruktiver Form Bahn. Statt echter Auseinandersetzung in gegenseitigem Respekt entstehen Empörung, Vorwürfe und Schuldzuweisungen. Die Bundestagsdebatte zum Zustrombegrenzungsgesetz hat das beispielhaft gezeigt. Statt über Sorgen und Ängste, über Vertrauensverlust und Ärger, Schuldgefühle und Ratlosigkeit zu sprechen, bedienten die meisten Beiträge Empörung, Beschuldigung, oder zeugten vermeintliche Stärke und Entschlossenheit im Gegeneinander. Letztlich ist das zum Vorteil derer, die Ausgrenzung auf ihrer politischen Agenda ganz oben haben.</p><p>Doch warum werden Emotionen so stark vermieden? Einen übergeordneten Grund sehe ich darin, dass insgesamt wenig bekannt ist, <em>wie</em> stark Emotionen auch unbewusst unser Empfinden und Verhalten prägen. Nämlich: <em>extrem stark!</em> Wir wissen aus der psychologischen Forschung und Praxis: Verdrängte Gefühle, unbewusste Motivationen und abgespaltene emotionale Verletzungen aus Kränkungen und Abwertungen, können sich drastisch darauf auswirken, wie wir uns fühlen und handeln. Aus der Traumaforschung ist bekannt, dass sogar Ereignisse aus Vorgenerationen epigenetisch weitergegeben werden. Das bedeutet, Traumatisierungen von Vorfahren durch Kriege, Katastrophen oder Unglücke können unser heutiges Empfinden und Verhalten unbewusst beeinflussen. Auch prä- und perinatale Ereignisse, also Erlebnisse während der Schwangerschaft und rund um die Geburt, können extrem prägend sein, obwohl wir uns nicht bewusst daran erinnern. Denn unser Körper erinnert sich. Die Traumatisierungen bleiben unentdeckt in Erinnerung – im impliziten Gedächtnis. In der Traumaforschung gibt es diese Befunde tatsächlich seit Jahrzehnten.</p><p>Für alle, die mehr über diese Zusammenhänge erfahren möchten, habe ich als Buchempfehlung <a href="https://www.buch7.de/produkt/sprache-ohne-worte-peter-a-levine/1014097616?ean=9783466309184"><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">„Sprache ohne Worte“ von Peter A. Levine</mark></a><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit"> sowie eine Hörempfehlung auf English: </mark><a href="https://www.nytimes.com/2021/08/24/podcasts/transcript-ezra-klein-interviews-bessel-van-der-kolk.html"><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Ezra Klein im Gespräch mit Bessel van der Kolk über seinen Bestseller „The Body Keeps The Score”</mark></a><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">.</mark></p><p>Besonders wichtig zu wissen ist: Wenn Menschen getriggert sind, ist ihre Fähigkeit, Emotionen differenziert wahrzunehmen und auszudrücken, mitunter stark eingeschränkt. Doch dieses Wissen über den Einfluss des Unbewussten führt in Politik und Medien noch ein Nischendasein. Für mich ist das nicht verwunderlich, denn der Weg zu diesem Verständnis ist lange. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es viele Jahre intensiver innerer und therapeutischer Arbeit brauchte, um diese Zusammenhänge zu verinnerlichen.</p><h2>Wie vergangene Ereignisse in der Gegenwart wirken</h2><p>Um zu verstehen, wie solche unbewussten Dynamiken wirken, möchte ich zunächst mit einem konkreten Beispiel beginnen. Es zeigt, wie vergangene Ereignisse noch Jahre später auf das Verhalten von Erwachsenen wirken können – und wird uns später helfen, ähnliche Muster in der Politik zu erkennen: Ein 7-jähriger Junge wird dabei gefilmt, wie er auf einem Familienfest mit anderen Kindern Fußball spielt. Er ist engagiert, motiviert zu gewinnen und den Ball in eines der improvisierten Tore zu schießen. Er gibt alles, aber sein Team verliert. Er ärgert sich, grummelt vor sich hin, ist frustriert. So weit, relativ normal. Doch dann wird er für seine Reaktion auf das Verlieren von Erwachsenen ausgelacht. Einmal direkt nach dem Fußballspiel und dann noch einmal beim gemeinsamen Anschauen des Videos. Für den Jungen ist das beschämend. Als Kind, den Erwachsenen unterlegen, kann er sich nicht wehren. Er ‚schluckt’ die Scham hinunter, tut so, als würde es ihm nichts ausmachen. Doch innerlich ist er erstarrt.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/bc828f99-0bfd-4197-88f1-8cb051c8861b/uploads/images/uco75l2xfb/amin-zabardast-A1dLnomL_Hc-unsplash.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Foto von Amin Zabardast auf Unsplash: Bild von einem kleinen Jungen, der mit einem Fußball spielt."/><p>Was in seinem Körper passiert, ist eine typische Traumareaktion, die vereinfacht dargestellt, wie folgt abläuft: Ein Teil seines Nervensystems, das sympathische Nervensystem, erhöht die Spannung im Körper und stellt Energie bereit, eigentlich um sich zu wehren, zu protestieren oder zu fliehen. Doch weil das nicht möglich ist, führt die gleichzeitige Aktivierung eines anderen Teils des Nervensystems, des parasympathischen Nervensystems, dazu, dass der Körper des Jungen als Schutzmechanismus ‚herunterfährt’, sich gewissermaßen tot stellt. Dieser Zustand der gleichzeitigen Aktivierung beider Systeme nennt sich tonische Immobilität: Trotz hoher Energieaktivierung ist der Körper erstarrt. Traumatisierend ist das Ereignis, weil der Junge die natürlichen Impulse seines Körpers – sich zu wehren oder zu fliehen – nicht zu Ende ausführen kann.</p><p>Dieser Junge war ich. Und heute ist von diesem Ereignis immer noch etwas in meinem Körper gespeichert. Für lange Zeit bin ich innerlich sofort erstarrt (tonische Immobilität), sobald ich bemerkte, dass eine Kamera auf mich gerichtet war. Der Trigger – zu bemerken, dass ich gefilmt werde – löste im Erwachsenenalter dieselbe körperliche Reaktion aus wie damals bei dem kleinen Jungen. Dieses Trauma konnte ich mittlerweile gut verarbeiten, sodass ich heute vor Kameras stehen kann. Obwohl es mir immer noch gelegentlich passiert, dass ich mich vor laufender Kamera nicht wohlfühle.</p><p>Ich teile diese persönliche Erfahrung, weil sie etwas Grundlegendes zeigt: Wie der Körper manchmal völlig gegen den eigenen bewussten Willen reagiert. Ob eine Kamera auf mich gerichtet ist oder ich anderweitig „im Spotlight&quot; stehe, in solchen Momenten kann die Körperreaktion des „kleinen Jungen&quot; die Oberhand gewinnen. Der Verstand hat dann das Nachsehen, denn Denken allein kann einen nicht aus der tonischen Immobilität befreien.</p><p>Besonders erstaunlich finde ich dabei, wie schnell und unmerklich solche Trigger wirken können. In der Öffentlichkeit genügte oft schon eine Frage oder Bemerkung, um bei mir eine körperliche Erstarrung auszulösen. Zwar bleibe ich dann handlungsfähig, weil ich als Erwachsener gelernt habe, mit solchen Situationen umzugehen, aber irgendwie bin ich nicht mehr ganz authentisch. Doch das ist für andere spürbar. Auch erstaunlich finde ich, dass mir dieser Zusammenhang über Jahrzehnte nicht bewusst war – ich dachte, ich sei einfach nicht gerne vor Kameras. Das ist typisch für Trigger-Zustände: Bei ihnen ist die Kommunikation zwischen Körper und Gehirn eingeschränkt. Wer getriggert ist, spürt seinen Körper weniger und hat dadurch auch weniger Zugang zu seinen Empfindungen und Gefühlen. Er ist sich nicht bewusst, dass der Körper in einer Traumareaktion ist.</p><p>Meine Vermutung ist: Das Ausmaß, in dem Menschen getriggert sind, die in der Öffentlichkeit stehen, wird völlig unterschätzt. Ich kann mir sogar vorstellen, dass manche Menschen nahezu dauer-getriggert sind, dass es für sie sozusagen zum Normalzustand geworden ist. Dabei ist wichtig zu verstehen: Das Getriggert-sein ist nichts Pathologisches, sondern eine Schutzreaktion des Körpers, die das Überleben sichert oder es in der Vergangenheit gesichert hat. Dieser Überlebensmodus, in dem ich mich als Junge wiedergefunden habe, zeigt sich meiner Hypothese nach auch häufig bei Politikerinnen und Politikern während Debatten – vor allem dann, wenn sie die Rolle der Opposition haben.</p><h2>Ein traumainformierter Blick auf Opposition</h2><p>In der Opposition zu sein bedeutet, in der Unterzahl und damit unterlegen zu sein. Im Bundestag wird das besonders deutlich, denn die Fraktionsdisziplin der Regierungsfraktionen ist in fast allen Fällen so groß, dass Gesetze, die von der Opposition eingebracht werden, nicht verabschiedet werden. Eine <a href="https://www.mehr-demokratie.de/fileadmin/pdf/2024/Publikationen/241220_Gesetzgebungsreform_final.pdf">Studie von Mehr Demokratie e. V.</a> hat die Gesetzgebung diesbezüglich analysiert. In der Legislatur von 2017 bis 2021 brachten Oppositionsparteien 214 Gesetzesvorlagen ein. Davon wurde keine einzige (!) angenommen. Demgegenüber stehen 443 verabschiedete Gesetze von der Bundesregierung und 91 von den Regierungsfraktionen. Nur bei fünf Gesetzen haben Oppositionsparteien Gesetzesvorlagen gemeinsam mit den Regierungsfraktionen eingebracht.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/bc828f99-0bfd-4197-88f1-8cb051c8861b/uploads/images/qw6cg46qj5/hoch3fotografie-tccpANvOY_4-unsplash.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Bild von Hoch3fotografie des Deutschen Bundestags. Im Hintergrund ist ein wolkenbehangener Himmel zu sehen."/><p>Als Teil der Opposition hat man also kaum direkten Einfluss auf die Gesetzgebung. Das ist übrigens wahr, unabhängig davon, welche Parteien die Regierung stellen und welche in der Opposition sitzen. In Ausschüssen und auch auf Landes- und kommunaler Ebenen ist die Dynamik zwar weniger extrem, dennoch gilt: Die Gesetzgebung in Deutschland ist einseitig von der Regierungsmehrheit dominiert.</p><p>Warum ist das so? Warum stimmen Regierungsparteien und Opposition nicht wenigstens gelegentlich zusammen? Haben Menschen dadurch, dass sie in den Oppositionsparteien sind nur noch schlechte Ideen? Oder sind sie plötzlich nicht mehr in der Lage, intelligente Argumente vorzubringen? Sicher nicht. Die Gründe müssen auch auf einer anderen Ebene liegen. Meine Hypothese: Das systematische Gegeneinander hat psychologisch-emotionale Ursachen.</p><p>Nehmen wir an, dass bestimmte Trigger mit der Oppositionsrolle verbunden sind – ähnlich wie bei dem Jungen die Spotlight-Situationen triggernd sind. Welche Erlebnisse könnten Menschen in ihrer Kindheit oder Jugend geprägt haben, in denen sie in einer Art Opposition waren, weniger machtvoll und unterlegen? Situationen, die für sie emotional überwältigend waren und die sie nicht verarbeiten konnten? Ich denke sofort an eine typische Klassenzimmer-Situation: Ein Lehrer sitzt am Pult und ruft einen Schüler nach vorne, um ihn abzufragen. Dieser hat seine Hausaufgaben nicht gemacht, vielleicht aus nachvollziehbaren Gründen. Doch das interessiert nicht. Er versucht zu protestieren, sich zu rechtfertigen. Aber der Autorität, dem Lehrer, ist das egal: Setzen, 6. Der Schüler fühlt sich unfair behandelt. Er durfte nicht mal seine Gründe für das Unvorbereitetsein darlegen. Es gibt kein Verständnis für ihn. Stattdessen empfindet er: Scham, Versagertum, Angst vor der Reaktion der Eltern. Wie verhält er sich? Er setzt sich auf seinen Platz und ‚stellt sich instinktiv tot’. Er versucht, die Situation auszusitzen und wartet, bis sie vorbei ist. Doch die Traumatisierung ist passiert, die tonische Immobilität bleibt im Körper gespeichert – und wird später in einer vergleichbaren Situation wieder aktiviert.</p><p>Ich bin sicher, fast jeder Mensch hat solche Situationen als Kind oder Jugendlicher erlebt. Sei es in der Schule, im Elternhaus oder in Sportvereinen. Das ist ziemlich normal. Und damit sind auch Traumatisierungen normal und allgegenwärtig. Hier möchte ich einem häufigen Missverständnis vorbeugen: Der Begriff Trauma wird nicht inflationär verwendet. Denn ein Trauma kann, wie eine körperliche Verletzung auch, unterschiedlich schwer sein – von der kleinen seelischen Schramme bis zur tiefen Wunde. Eine solche, wie eben beschriebene Situation ist vielleicht keine große seelische Wunde, aber auch als Schramme behält sie später ihre Wirkung.</p><p>Kann es sein, dass solche alten, aber im Körper gespeicherten Empfindungen und Verhaltensweisen häufig bei Menschen getriggert werden, wenn sie in einer Oppositionsrolle sind? Ich glaube schon – auch wenn sich die Menschen dessen nicht bewusst sind. Denn anders als Kinder können Erwachsene Strategien entwickelt, um mit den Traumareaktionen umzugehen: Zum Beispiel erheben sie ihre Stimme, empören sich oder protestieren. Sie setzen andere herab, stellen sich als Opfer dar oder beschuldigen die Gegner. Das sind zwar unbewusste, aber relativ normale Verhaltensweisen, die als psychologische Barrieren dienen, um eine ursprünglich unangenehme Erfahrung der tonischen Immobilität nicht spüren zu müssen.</p><p>Vielleicht mag diese Hypothese manchen zu weitgehend erscheinen. Doch auch wenn die Realität komplexer ist und ich hier nur einen Ausschnitt untersuchen kann: Meine praktische Erfahrung in der Arbeit mit Menschen aus der Politik und Zivilgesellschaft bestätigt diese Dynamiken immer wieder. Die unbewussten Muster sind real – auch wenn sie uns meist nicht bewusst sind.</p><h2>Bilder einer traumasensitiven Demokratie</h2><p>Ich arbeite seit sechs Jahren im politischen Feld und mache darin ermutigende Erfahrungen mit psychologischer Arbeit – mit Politiker:innen, mit ganzen Fraktionen und zivilgesellschaftlichen Akteur:innen. Meine Erkenntnis dabei ist: Wer emotionale Konflikte löst (die oft auf Traumatisierungen basieren), wird in der Gegenwart handlungs- und beziehungsfähiger, und für die Zukunft zuversichtlicher, auch andere Konflikte konstruktiv lösen zu können. Dafür müssen die aus der Vergangenheit stammenden Traumatisierungen oft weder direkt erkannt noch als solche benannt werden. In vielen Fällen reicht es, die aktuellen Körperempfindungen und emotionalen Reaktionen in Trigger-Situationen wahrzunehmen, zuzulassen und dadurch den Körper die tonische Immobilität auflösen zu lassen. Das passiert von ganz alleine. Wenn es Raum für die emotionalen Reaktionen gibt, sie validiert und verstanden werden, dann findet der Körper zu einer gesunden Spannung zurück, und fast automatisch steigen Kreativität, Motivation und die Bereitschaft zur Kooperation.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/bc828f99-0bfd-4197-88f1-8cb051c8861b/uploads/images/35lgbygwac/workshop-wide-hertie.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Bild von Josef Merk, wie er moderiert."/><figcaption>© Gemeinnützige Hertie-Stiftung</figcaption></figure><p>Wie bei meiner eigenen Geschichte zeigt sich auch in der Arbeit mit Parteien und zivilgesellschaftlichen Akteuren: Diese psychologisch-emotionale Arbeit kann unmittelbar Früchte tragen. Traumasensitive Moderation unterstützt Politiker:innen dabei, einen konstruktiveren und für alle besseren Umgang zu finden, innerhalb der eigenen Fraktion und auch mit Politiker:innen anderer Parteien. Das gilt im Übrigen auch für jeden anderen Kontext, sei es in Wirtschaft, Verwaltung oder Zivilgesellschaft. Diese Arbeit zu machen hat bei mir dazu geführt, dass mein Vertrauen in Politik stetig steigt. Denn ich erlebe immer wieder, dass Politiker:innen wirklich aufrichtig nach den besten Lösungen für alle streben.</p><p>Wie könnten Politikbetrieb und öffentliche Debatte aussehen, wenn das Wissen über die unbewussten Vorgänge weit verbreitet, vielleicht sogar Allgemeinwissen wäre? Mir persönlich hilft es beispielsweise sehr, wenn die Person hinter der Kamera von meiner diesbezüglichen Geschichte weiß. Es entspannt mich und unterstützt mich dabei, authentisch zu sein. Wenn ich das auf den Politikbetrieb übertrage, dann bekomme ich ein Gefühl dafür, dass Politik ganz anders gemacht würde. Wie genau das aussieht, das können wir jetzt erst erahnen. Und ich glaube auch, dass der Weg zu einer traumainformierten und traumasensitiven Politik ein langer ist. Aber es lohnt sich, ihn weiterzugehen. Denn ich sehe heute schon viele Indizien, dass die Gesellschaft bereits auf diesem Weg sind, auch wenn es vielleicht manchmal nicht so scheint: Coaching und Therapie werden gesellschaftlich immer akzeptierter, Psychologie-Bücher und Podcasts sind hochgradig gefragt. Vor allem finden auch zunehmend Praktiken für kollektive innere Arbeit Verbreitung. Also Vorgehensweisen, die zumindest implizit oder explizit berücksichtigen, dass Menschen komplexe Wesen sind, die stark von der Vergangenheit geprägt sind und Raum dafür brauchen, ihre Emotionen zu verarbeiten. Konkrete Beispiele hierfür sind die <a href="https://www.mehr-demokratie.de/mehr-wissen/demokratische-kultur/gespraeche-von-mensch-zu-mensch-weil-wir-hier-leben">kommunalen Dialoge von Mehr Demokratie e. V.</a>, Workshops mit Deep Democracy, Aufstellungsarbeit im politischen Feld, Wir-Prozesse, Kreisgespräche und Methoden wie Gewaltfreie Kommunikation und Dynamic Facilitation. Und natürlich auch Bürgerräte, die sich seit Jahren wachsender Beliebtheit erfreuen und bei denen der moderierte Dialog im Mittelpunkt steht.</p><p>Wenn ich 50 Jahre in die Zukunft blicke, dann stelle ich mir einen Politikbetrieb vor, in dem Prozess- und Ergebnisverantwortung getrennt sind. Emotional hochkompetente Moderator:innen und Prozessbegleiter:innen sind dann selbstverständlicher Teil der demokratischen Prozesse. Sie moderieren und begleiten Deliberations-, Meinungs- und Willenbildungsprozesse, genauso wie Diskussionen, Aussprachen und Konflikte. Ich sehe Moderator:innen, die nicht Expert:innen in einzelnen Politikfeldern wie Klima-, Energie-, Außen- oder Verkehrspolitik sind, sondern deren größte Motivation und Kompetenz es ist, Entscheidungs- und Gesetzgebungsprozesse so zu begleiten, dass andere Menschen mit und ohne Expertise und aus ganz unterschiedlichen Milieus und Parteien dabei konstruktiv mitwirken können. Ich sehe eine ergebnisoffene Vorgehensweise, deren Qualität an einem Gefühl von Kohärenz beurteilt wird. Der Maßstab für den Erfolg einer Gesetzesabstimmung wird nicht mehr sein, dass eine Mehrheit dafür stimmt, sondern dass der Gesetzesentwurf stimmig für alle Beteiligten ist und auch die Interessen von Unbeteiligten berücksichtigt. Ich denke hierbei vor allem an Natur und Tierwelt.</p><p>Ich bin also hoffnungsvoll und gespannt auf eure Resonanzen und Reaktionen zu den Ausführungen dieser Newsletterausgabe. Wer hat ähnliche Beobachtungen oder Überlegungen angestellt? Welche Beispiele psychologisch informierter oder traumasensitiver Politik existieren bereits heute? Wer hat Erfahrungen gemacht, die die Hoffnung auf eine neue demokratische Kultur stärken? Ich freue mich auf Kommentare oder Nachrichten dazu.</p><p>Danke fürs Lesen. Ich hoffe, wir sehen uns bald in Person.</p><p>Herzliche Grüße</p><p>Josef</p><p>P.S. Für kürzere Updates zu meiner Arbeit folge mir gerne bei <a href="https://www.linkedin.com/in/josefmerk/">LinkedIn</a>.</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 21 Feb 2025 17:42:05 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Psychologie + Demokratie: Demokratie beginnt im Inneren]]></title>
      <description><![CDATA[Was passiert, wenn wir Demokratie nicht nur als politisches System verstehen, sondern auch als psychologischen Zustand? Diese Frage fasziniert mich seit Jahren. Sie ...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><em>Lesezeit: ca. 6 Minuten</em></p><p>Liebe Interessierte an meiner (Forschungs-)Arbeit,</p><p>was passiert, wenn wir Demokratie nicht nur als politisches System verstehen, sondern auch als psychologischen Zustand? Diese Frage fasziniert mich seit Jahren. Sie wird der rote Faden dieses Newsletters sein: Ich werde über Wechselwirkungen von Psychologie und Demokratie schreiben. Oder anders gesagt, ich werde aus einer psychologischen Brille auf demokratische Prozesse schauen oder demokratische Konzepte auf Psychologie übertragen.</p><p>Ich möchte mit diesem Newsletter auch zeigen und erkunden, wie demokratische Prinzipen ganz konkret dabei helfen können, uns selbst besser zu verstehen. Denn wenn wir uns selbst besser verstehen, hat das auch Vorteile für das demokratische Miteinander. Und wenn Demokratie zu etwas wird, das wir alltäglich bewusst erleben, dann stärkt das die Demokratie als Ganzes.</p><p>Vielleicht wird der Zusammenhang zu Demokratie nicht immer gleich offensichtlich. Dann ist wichtig zu wissen, dass ich ein erweitertes Demokratieverständnis habe. Demokratie ist nicht nur Parlament, Politik und Wahlen, oder Bürgerrechte, Demonstration und Meinungsfreiheit. Demokratie ist auch ein Prinzip, das auf kurze Momente im Alltag angewendet werden kann, und sogar auf unsere individuelle Psychologie.</p><p>Mit der Anwendung auf die individuelle Psychologie beginne ich auch diese, erste Ausgabe des Newsletters. Die folgende <em>Inner Work</em>, eine angeleitete kurze Übung, kann dich für einen Moment innerlich ein Stück demokratischer fühlen lassen. Im zweiten Teil folgen Hinweise auf Seminare und Workshops, die ich in den nächsten Monaten anbieten oder bei denen ich mitwirken werde.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fimages.unsplash.com%2Fphoto-1692721258401-f2afbefee031%3Ffm%3Djpg%26q%3D60%26w%3D3000%26ixlib%3Drb-4.0.3%26ixid%3DM3wxMjA3fDB8MHxwaG90by1wYWdlfHx8fGVufDB8fHx8fA%253D%253D?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=567c96cb99e0a5f5aad60adcb1cbe00e" alt="Ein großes offenes Feld unter einem bewölkten Himmel"/><h2>Inner Work: Die innere Wetterlage</h2><p><em>Dauer: 5-10 Minuten</em></p><p><strong>1. Vorbereitung</strong></p><p>Denke an ein Problem, eine unbeantwortete Frage oder an eine zu treffende Entscheidung aus deinem Leben. Es kann ein kleines, oder auch ein großes Thema sein. Das geht beides. Mach dir dazu eine kurze Notiz und wenn möglich auch, wie du dich diesbezüglich fühlst.</p><p><strong>2. Inner Work</strong></p><p>Setze dich entspannt hin, lehne dich zurück und nimm einige Atemzüge aufmerksam wahr.</p><p>Spüre deinen Körper, deine Knie, Beine, Füße. Deinen Bauch, Brustraum und den ganzen Oberkörper. Kopf, Arme und Hände. Vielleicht fällt dir eine Körperstelle besonders auf, vielleicht auch nicht. Falls du Gähnen musst, ist das ein Zeichen von Entspannung.</p><p><em>Nach</em> dem Lesen <em>dieses</em> Absatzes, schließe deine Augen, nimm weiter deinen Körper wahr und lass vor deinem inneren Auge ganz intuitiv eine Wetterlage entstehen, die dein momentanes Körpergefühl oder das Gefühl an einer beliebigen Körperstelle widerspiegelt. Verfolge dieses innere Wetter und lass es sich entfalten und weiter entwickeln. Stell dir vor, du bist mitten drin in diesem Wetter. Beobachte es genau und vielleicht gelingt es dir, sogar selbst zu diesem Wetter zu werden. Das heißt du kannst dir vorstellen, zum Wind, Regen oder Sonnenschein zu werden, wie auch immer deine Wetterlage ist. Behalte gleichzeitig die Wahrnehmung für deinen Körper. Mach dies für einige Minuten und dann öffne wieder deine Augen.</p><p>Wenn du jetzt deine Augen wieder geöffnet hast, gib dem Zustand der Wetterlage einen Namen, oder eine kurze Beschreibung. Zum Beispiel: Sanftes Lüftchen, graues Einerlei, oder Wirbelwinde. Es gibt hier kein richtig oder falsch.</p><p><strong>3. Rückbezug zum Anfang</strong></p><p>Nun schaue aus Sicht der Wetterlage auf deine eingangs formulierte Frage, die zu treffende Entscheidung oder das Problem. Welche Idee oder neue Handlungsmöglichkeit ergibt sich aus Sicht des Wetters oder mit der Information des Wetters? Was folgt daraus, wenn die Wetterlage eine Antwort auf die Frage, das Problem oder die zu treffende Entscheidung ist?</p><p><strong>4. Nachtrag</strong></p><p>Für den Fall, dass du dich jetzt fragst, was das mit Demokratie oder innerer Demokratie zu tun hat: In unserem gewöhnlichen Denken haben wir oft nur eine Stimme - dein üblicher Blickwinkel auf die Situation. Doch durch die <em>Inner Work</em> bist du idealerweise mit einem psychischen Zustand in Kontakt gekommen, der dich hat anders fühlen lassen, als du dich <em>normalerweise</em> fühlst, wenn du an dieses Problem, Frage oder Entscheidung denkst.</p><p>Dadurch hast du jetzt eine zweite Perspektive bekommen, nämlich die Stimme mit den Informationen aus deiner inneren Wetterlage. Damit hast du zwei und nicht nur eine Perspektive. Zwei innere Anteile bringen Informationen. Aus diesem Mehr an Perspektiven können sich Ideen oder neue Handlungsmöglichkeiten ergeben. Demokratisch ist daran, dass du Vielfalt (innere Vielfalt, dein normaler Zustand und dein Wetterlagen-Zustand) erlebt hast und die Stimmen aus diesen beiden Perspektiven wie in einem Dialog zusammenwirken, um eine bessere Antwort, Handlungsmöglichkeit oder Entscheidung zu finden.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/45632748-f971-4e52-938f-9910c3dde788/uploads/images/evamml5ab7/CRITICAL-FRIENDS-Kohorte-September-Tag-1-19.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Szene eines Workshops bei der Critical Friends Changemaker Akademie."/><h2>Veranstaltungshinweise</h2><p>Die folgenden Veranstaltungshinweise bieten Möglichkeiten, die Verbindung von Demokratie und Psychologie zu erfahren.</p><h3>30. Januar 2025: Mindshift Constellation Inner Work, Berlin</h3><p>Bei diesem Eintages-Workshop erkunden <a href="https://www.uni-bremen.de/nm/professur/team/professor-dr-georg-mueller-christ/">Prof. Dr. Georg Müller-Christ</a> (Universität Bremen) und ich wieder gemeinsam mit den Teilnehmenden das Potenzial von Inner Work für die nachhaltige Transformation der Arbeit. Es gibt noch wenige freie Plätze. Anmeldung per E-Mail an: <a href="mailto:info@mc-managementaufstellungen.de">info@mc-managementaufstellungen.de</a></p><p><a href="https://www.josefmerk.de/downloads/MC_Mindshift_Seminar_Jan2025.pdf">Mehr Informationen</a></p><h3>18. Februar 2025: Forum Gesellschaftspolitik #02, Berlin, 17:30 - 20 Uhr</h3><p>Im zweiten Forum Gesellschaftspolitik widmen wir uns den gesellschaftlichen Emotionen bei dem Thema „Merkel vs. Musk: Welche Vorbilder braucht unsere Gesellschaft?“ Unter dem Dach des Forum Gesellschaftspolitik veranstalte ich mit meinem Kollegen <a href="https://linktr.ee/jacchlo">Jacques Chlopczyk</a> interaktive Abendveranstaltungen, in denen wir mit den Teilnehmenden die Affektlogiken von Debatten erkunden und transformiert daraus hervorgehen.</p><p><a href="https://www.tickettailor.com/events/fgp/1502267?">Mehr Infos und Tickets</a></p><h3>27. - 30. März 2025: Fortbildung Gesellschaftspolitische Aufstellungen, Jena</h3><p>Mit meiner erfahrenen Aufstellungskollegin <a href="https://www.christa-renoldner.at/">Christa Renoldner</a> veranstalte ich eine Fortbildung zur Aufstellungsarbeit bei gesellschaftspolitischen Themen. Es ist eine Kooperation der Deutschen Gesellschaft für Systemaufstellungen und Mehr Demokratie e. V. Die Fortbildung ist sowohl für Aufstellungsleiter:innen geeignet, als auch für politisch interessierte Bürgerinnen und Bürger.</p><p><a href="https://systemaufstellung.com/events/alle-regionen/fortbildung-gesellschaftspolitische-aufstellungen">Mehr Informationen</a></p><h3>16. März - 14. Mai 2025: Men Evolving Now, zweiter Durchgang, online und in englischer Sprache</h3><p>Together with my colleague <a href="https://www.padraigcotter.com/">Dr. Pádraig Cotter</a>, we offer a series of online workshops for men. Our intention is to open a space where men can become more their authentic selves, in community with other men. This is for you, if you are interested in developing yourself, free of the stereotypical expectations that men often encounter: to perform, to portray succees and with pressure to deliver. Check it out on our website and if you are a women, I&#39;d be happy if you would forward the programme to other men.</p><p><a href="https://www.men-evolving-now.org/">More information</a></p><h3>April - August 2025: Critical Friends Changemaker Akademie, online und München</h3><p>Du bist unter 35 und möchtest die nachhaltige Transformation der Wirtschaft von innen, also von innerhalb deines Unternehmens vorantreiben? Dann ist die 4-monatige Ausbildung zum Changemaker bei den Critical Friends genau das richtige für dich. In meinen Modulen der Changemaker Akademie entwickelst du deine persönliche Changemaker Identität. Leite den Link gerne an unter 35-jährige weiter, die sich für die sozial-ökologische Transformation einsetzen.</p><p><a href="https://www.critical-friends.org/akademie">Mehr Informationen</a></p><p></p><h3><strong>SAVE THE DATE</strong>: 9. - 11. Mai 2025: Process Work Workshop mit Dr. Gary Reiss in Berlin.</h3><p><a href="https://garyreiss.com/">Gary Reiss</a> ist ein LCSW (Licenced Clinical Social Worker), PhD in Integrative Studies mit Spezialisierung in Process Oriented Psychology und Conflict Resolution. Gary arbeitet seit 40 Jahren in eigener Praxis und mit den weltweit schwierigsten Konflikten, in Israel und Palästina, in Kenya, Polen, Hawaii und vielen anderen Ländern. Vom 9. - 11. Mai hole ich ihn für einen Workshop nach Berlin. Das Thema des Workshops wird sein: <em>Visions for a Livable Future for Everyone</em>. Wir werden Zeit haben für Gruppenprozesse, für Arbeit in Kleingruppen und Dyaden, wie auch für angeleitete Inner Work Übungen. Gary ist für mich der beeindruckendste Group Process Facilitator, den ich je erlebt habe. Ich freue mich deshalb riesig, dass er nach Berlin kommt. In Kürze werde ich auf LinkedIn mehr dazu posten. Wenn ich dich direkt und per E-Mail informieren soll, schreib mir bitte eine kurze Antwort.</p><h3>Workshops auf Konferenzen</h3><p>22.-25. Mai 2025: Auf dem diesjährigen Heiligenfeld Kongress werde ich mit meiner Kollegin Judith Strasser einen Workshop mit dem Titel „Demokratie als erfahrbare Ressource“ anbieten. Wir werden dabei mit demokratischen Systemaufstellungen arbeiten.</p><p><a href="https://www.kongress-heiligenfeld.de/">Alle Infos zum Kongress</a></p><p>05.-06. Juni 2025: Auf der diesjährigen KOON25, der co-creativen Konferenz für Kooperation werde ich gemeinsam mit meiner Kollegin Susanne Socher einen Workshop zu folgenden Fragen geben: Wie machen wir den Politikbetrieb bereit für Facilitation? Wie machen wir die Facilitator:innen bereit für Politik? Alle Infos zur KOON25 gibt es hier:</p><p><a href="https://qundg.de/koon25/">Alle Infos zur KOON25</a></p><p></p><p>Danke fürs Lesen. Ich hoffe, wir sehen uns bald in Person und wünsche dir einen guten Start ins neue Jahr.</p><p>Herzliche Grüße</p><p>Josef</p><p>P.S. Für kürzere Updates zu meiner Arbeit folge mir gerne bei <a href="https://www.linkedin.com/in/josefmerk/">LinkedIn</a>.</p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 08 Jan 2025 08:56:24 +0000</pubDate>
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