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    <title>Keine Frauen</title>
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    <description>Feministische Texte für alle Geschlechter.
Kritische Tech-Beobachtung zum Wohle der Demokratie.
Einblicke in die Welt der Wissenschaft.</description>
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      <title>Keine Frauen</title>
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      <title><![CDATA[#28 Tschüss, ich bin mal weg]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Was für ein Zufall! Da trifft der diesjährige Equal Pay Day in Österreich doch glatt auf den heutigen Donnerstag und bietet mir eine Steilvorlage für…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Was für ein Zufall! Da trifft der <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000347166/die-lohnluecke-trifft-frauen-in-jedem-alter-und-beruf-mit-und-ohne-kind">diesjährige Equal Pay Day</a> in Österreich doch glatt auf den heutigen Donnerstag und bietet mir eine Steilvorlage für den Newsletter. Damit sich gleich alle auskennen: Equal Pay Day, das bedeutet, dass wir Frauen ab sofort (5.November) bis Jahresende statistisch gesehen gratis arbeiten gehen. Knapp zwei Monate machen wir unseren Job für lau, wenn man unsere Gehälter mit denen von Männern vergleicht. </p><p>Der Gender Pay Gap, zu Deutsch Lohnlücke, betrifft - entgegen mancher Behauptungen - Frauen quer durch alle Altersgruppen und Branchen. Selbst Vollzeitarbeit schützt nicht wirklich davor: 15,5 Prozent Gehaltsunterschied ist auch bei Vollbeschäftigung noch immer Realität für Frauen in diesem Land. <a href="https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/schwandorf/presse/2026-7-equal-pay-day-2026-lohnlucke-zwischen-frauen-und-mannern-besteht-konstant">In Deutschland</a> sieht es übrigens nicht besser aus. Auch da beträgt die Lohnlücke 16 Prozent bzw. 58 Tage. <a href="https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-11/fuehrungskraefte-deutschland-arbeitsmarkt-gehalt-branche-gxe">Aktuelle Zahlen</a> zeigen zudem, dass selbst in Managementebenen ein eklatantes Missverhältnis besteht. Weibliche Führungskräfte in Deutschland verdienen deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Der Unterschied beträgt im Schnitt 1.600 Euro monatlich.</p><p>Hinzu kommt, dass sich der Pay Gap später in einer <a href="https://www.woman.at/gesellschaft/pensionsluecke-altersarmut-betrifft-vor-allem-frauen">Pensionslücke</a> fortsetzt. Mit dem Resultat, dass Altersarmut weiterhin vor allem Frauen betrifft. Die Kluft zwischen den Geschlechtern ist hier sogar noch um ein Vielfaches größer. Den sogenannten Equal Pension Day haben wir in Österreich nämlich schon am 9. August “gefeiert”. </p><p><strong>Selbst-Check</strong></p><p>Wer also meint, mit Debatten über Gleichstellung und Gendergerechtigkeit werde doch “nur noch übertrieben” und Frauen würden inzwischen “überall bevorzugt”, kann sich doch einfach ganz ruhig mit diesen Zahlen auseinandersetzen. Und sich selbst mal fragen: Ist das fair? Soll das so sein? Kann man von Gerechtigkeit sprechen, wenn Frauen im Gegensatz zu Männern fast zwei Monate unbezahlt arbeiten, obwohl sie einer bezahlten Arbeit nachgehen? Von tatsächlich unbezahlter Care-Arbeit gar nicht zu reden. Ja, nein, vielleicht? </p><p>Die Antwort sollte wirklich jedem und jeder leicht fallen. Und für jene, die meinen, das kann ruhig so bleiben, Frauen müssen nicht mehr verdienen, habe ich einen Vorschlag: Machen wir es doch einfach so, dass ab sofort für das restliche Jahr nur noch jene arbeiten, die auch etwas dafür bekommen. Ganz nach dem Vorbild des legendären <a href="https://www.boeckler.de/de/magazin-mitbestimmung-2744-frauenstreik-auf-island-28994.htm">isländischen Frauenstreiks</a> im Jahr 1975 sagen wir Frauen dann eben: Tschüss, ich bin mal weg und mache vorerst nichts mehr. Wir sehen uns 2027 wieder. Bis dahin lassen wir es uns gut gehen und die Männer können das Ding am Laufen halten. Einverstanden? Achso, doch nicht? Gut, dann sind wir uns ja einig.</p><p><strong>Kein Fantasie-Anliegen</strong></p><p>Die Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit, und zwar realer, nicht nur einer am Papier, ist kein verschwurbeltes Fantasie-Anliegen oder irgendeine “Randproblematik”. Es geht hier um reales Einkommen um die ganz konkrete Lebenssituation der Hälfte der Bevölkerung. Das geht alle Menschen etwas an und kann nicht einfach unter der Rubrik “Frauenthema” abgefrühstückt werden. Wir können das “Frauen” hier gerne einfach streichen: Lohngerechtigkeit ist ein Thema. Und dafür sollten sich entsprechend auch alle interessieren. Und wenn es bedeutet, dass einzelne Männer dafür vielleicht ein paar Privilegien aufgeben müssen, dann ist das auch kein frecher Wunsch, sondern eben vor allem eines: fair. </p><p>Es ist schon klar, dass sich für manche das Verabschieden von jahrzehntelanger, gar jahrhundertelanger Bevorzugung wie ein Schock anfühlen muss. Aber ich möchte dieses Gefühl hier gerne korrigieren: Es handelt sich nicht um Benachteiligung, wenn man nicht mehr bevorteilt wird. Es handelt sich dann eben einfach um Gerechtigkeit. Es wird eine Situation hergestellt, in der alle von der gleichen Linie aus starten. Zu dem Thema, und warum sich manche Männer damit schwer tun, habe ich an anderer Stelle <a href="https://steady.page/de/keine-frauen/posts/9a09df59-2314-4c8c-9a09-757e4b4c2a16">bereits ausführlicher geschrieben</a>. </p><p><strong>Konkrete Maßnahmen</strong></p><p>Arbeitsmarktexpert:innen weisen regelmäßig darauf hin, was helfen würde, um die Lücke bei den Gehältern zu schließen. Und da steht eines ganz oben: Mehr Transparenz. Doch obwohl die EU-Lohntransparenzrichtlinie eigentlich mit Juni hätte umgesetzt werden müssen, warten wir in Österreich noch immer darauf. Hier stellen sich derzeit vor allem Parteien wie ÖVP und NEOS quer.</p><p>Natürlich müsste auch bei Kinderbetreuungsplätzen, vor allem in ländlichen Regionen, dringend mehr Angebot geschaffen werden - eines, das auch eine Vollzeitbeschäftigung ermöglicht und bei dem Kids nicht spätestens um 16 Uhr abgeholt werden müssen. Und ganz besonders müssen sich Männer an der Nase nehmen. Denn die gehen in Österreich einfach so gut wie nicht in Karenz. Selbst im Jahr 2026 liegt die Väterkarenz beim ersten Kind im Schnitt bei nur neun Tagen (!). Bei Frauen sind es hingegen 416 Tage. Das hat massive Auswirkungen auf das Berufsleben und infolge natürlich auch das Einkommen von Frauen. </p><p>Um diese Dinge aufzubrechen, brauchen wir einerseits politische Maßnahmen. Andererseits aber genauso die Bereitschaft für ein gesellschaftliches Umdenken. In der Theorie für Geschlechtergerechtigkeit zu sein, reicht eben nicht. Dazu müssen auch jene, die aktuell strukturell bevorzugt sind, aktiv ihren Beitrag leisten. Und das fängt schon einmal damit an, dass sie überhaupt darüber nachdenken.</p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir machen jetzt Urlaub!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 05 Nov 2026 06:39:57 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#27 Ein verdammt schöner Arsch]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Ich möchte mich herzlich bei Donald Trump bedanken. Denn ohne ihn hätte ich für diese Newsletter-Ausgabe nicht so eine Clickbait-Überschrift gefunden.…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Ich möchte mich herzlich bei Donald Trump bedanken. Denn ohne ihn hätte ich für diese Newsletter-Ausgabe nicht so eine Clickbait-Überschrift gefunden. Der dieswöchige Titel ist nämlich eigentlich ein direktes Zitat des US-Präsidenten. Es handelt sich um einen Kommentar über ein Körperteil der Rapperin Nicki Minaj, den Trump vor wenigen Tagen <a href="https://www.theguardian.com/us-news/2026/oct/25/trump-nicki-minaj-mike-rogers-michigan-rally">während einer Wahlkampfveranstaltung machte</a>. Und damit werden wir in der Sache jetzt ernst. </p><p>In der Gedankenwelt von Trump und seinesgleichen gilt so eine Aussage vor der Weltöffentlichkeit wahrscheinlich tatsächlich als “Kompliment”. Ausnahmsweise lasse ich das so stehen (aber nur kurz). Denn nur wenige Tage zuvor kommentierte der US-Präsident auch das Hinterteil eines Mannes auf ähnliche Weise. Es handelte sich um den Senator Jon Husted. Allerdings, und hier kommen wir der Systematik unserers Lieblingsproblems Patriarchat schon deutlich näher, die Implikationen sind geschlechterbezogen jeweils völlig andere.</p><p>Während Trump - der ohnehin ein eigenes Kapitel in Sachen Meinungsäußerung ist - die Körperbewertung bei Männern in eine Art <a href="https://www.spiegel.de/ausland/donald-trump-und-der-maennerkult-muskeln-hintern-und-homoerotische-schwaermereien-a-a42b8457-a038-4190-a965-df75c77db265">homoerotischen Kult verwandelt</a>, geht es bei den Äußerungen über Frauen doch vor allem immer um eines: Kleinmachen und Macht demonstrieren. Das konnte man auch im Fall Minaj sehen. Die Sängerin, die sich in den vergangenen Jahren zur Trump-Unterstützerin gewandelt hat, wurde regelrecht vorgeführt. Sie solle aufstehen und sich vor der Menge zeigen, forderte Trump auf dem Wahlkampfevent. Ihr Hinterteil sei “ja nur schwer zu übersehen”.</p><p><strong>Unterschiedliche Botschaften</strong></p><p>Wer auf den ersten Blick meint, na da wurden einfach zwei Personen “gleich” behandelt, übersieht ein paar Dinge. Der Kommentar in Richtung des Senators bedient einen Macho-Körperkult. Da geht es um Stärke, Muskeln, Macht. Etwas, das reaktionäre Männer ganz besonders gerne betreiben - derzeit auch bei zahlreichen Techbros gut zu beobachten. </p><p>Der Kommentar gegenüber der Rapperin reproduziert hingegen vor allem patriarchale Stereotype. In anderen Worten: es handelt sich um Sexismus. Noch dazu nutzte Trump den Kommentar gegenüber der Musikerin, um seine Aussage über Husted in ein “besseres Licht” zu rücken. So gesehen wurde Minaj sogar doppelt vorgeführt - und objektifiziert, um dem US-Präsidenten eine Rechtfertigung für die andere verbale Entgleisung zu ermöglichen.</p><p><strong>Sexismus lässt sich nicht umdrehen</strong></p><p>Auch wenn manche es glauben, sei an dieser Stelle deutlich gesagt: Sexismus <a href="https://www.freitag.de/autoren/ash-kay/sexismus-laesst-sich-nicht-umdrehen">funktioniert nicht in zwei Richtungen</a>. Genauso wenig, wie Rassismus oder Homophobie. Denn bei Sexismus handelt es sich eben nicht um eine individuelle Beleidigung oder Benachteiligung, die natürlich auch Männer erfahren können. Es handelt sich um ein strukturelles Machtgefälle - und das lässt sich nicht einfach umdrehen. Der Kontext und die über Jahrhunderte gewachsene, grundlegend schiefe Machtverteilung spielen hier die wesentliche Rolle. Darüber ist man sich sowohl in der Soziologie als auch in der Feminismustheorie ziemlich einig.</p><p>Trump kann also den Senator anhand seines “Arsch-Kommentars” in eine persönlich unangenehme Situation und uns zum Kopfschütteln darüber bringen. Man kann den Kommentar als unpassend bewerten. Man kann ihn auch als dummen Witz betrachten. Was man aber nicht kann, ist ihn als sexistische Diskriminierung zu bezeichnen. Das schließt unser herrschendes Gesellschaftssystem schlichtweg aus. </p><p>Es ist wichtig, die unterschiedlichen Ebenen auseinanderzuhalten und sie richitg zu benennen. Individuelles Verhalten kann niemals mit strukturellen, systematischen Ungleichheiten auf dieselbe Stufe gestellt und daher auch nicht nach gleichen Parametern eingeordnet werden. Ein gutes Beispiel dafür ist die leidige “Not all men”-Diskussion. Denn sie übersieht eben oft genau das: Es geht nicht (nur) darum, ob sich ein einzelner Mann gut oder schlecht verhält, sondern es geht um ein gesamtes System an Machtgefälle und Diskriminierung, an Gewalt und Missbrauch.</p><p><strong>Nicht dumm stellen</strong></p><p>Es passiert natürlich häufig, dass sich Männer zu Wort melden und erklären, wie sie hier und da und dort auch schlecht behandelt werden. Das ist total richtig. Männer werden auch schlecht behandelt. Frauen behandeln Männer schlecht. Ja, es ist wahr! Und Menschen können sich auf verschiedensten Beziehunsgebenen gegenseitig Unfassbares antun, einander verletzen und beleidigen. Eine sexistische Diskriminierung ist davon aber zu unterscheiden. Weiße, heterosexuelle Männer sind als Gruppe nicht strukturell, institutionell oder historisch aufgrund ihres Geschlechts unterdrückt worden. Daher kann es auch keinen „umgekehrten Sexismus“ in gleicher Tragweite geben. Und daher wird die Aussage von Trump, obwohl er sie zweimal ähnlich gemacht hat, nie zweimal gleich zu werten sein.</p><p>Menschen sollten sich in solchen Debatten nicht dumm stellen. Der Kontext, die Implikationen und die Machtverhältnisse geben nun einmal die Richtung vor. Das wird leicht verständlich, wenn man so ein “Kompliment” in unterschiedlichen Szenarien zuende denkt.</p><p>Wenn mein Partner, in einer konsensualen Beziehungssituation meinen Arsch als “verdammt schön” bezeichnet, dann kann man das positiv werten. Wenn, sagen wir, mein Chef mich auf einer öffentlichen Veranstaltung vor Tausenden Menschen auf der Bühne vorführt und die gleiche Aussage macht - wohl eher nicht. Und wenn dieser Chef, quasi gleichzeitig, die protzigen Muskeln eines anderen, männlichen Kollegen bewundert, wird der Unterschied in der Bewertung noch deutlicher. Es ist eigentlich nicht schwer zu verstehen. Man(n) muss es nur wollen.</p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir trainieren unser Gehirn!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><br/><br/></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 29 Oct 2026 06:37:33 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[#26 Wie wir altern wollen]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Manche werden vielleicht denken, ich lebe unter einem Stein. Aber, es ist wahr: Erst kürzlich bin ich zum ersten Mal über den “Beauty-Trend” des…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Manche werden vielleicht denken, ich lebe unter einem Stein. Aber, es ist wahr: Erst kürzlich bin ich zum ersten Mal über den “Beauty-Trend” des Bauchnabel-Liftings gestolpert. Ich hatte ja keine Ahnung! Die Schönheitsindustrie nutzt wirklich jede (kleine) Gelegenheit zum Geld scheffeln. Und sei es, sich den Bauchnabel versetzen, straffen oder seine Größe ändern zu lassen (was übrigens mit recht großen gesundheitlichen Risiken einhergeht). Auf diese Idee wäre ich bisher einfach nicht gekommen. Aber das stimmt wohl auch für andere Dinge, die (vor allem) Frauen nur deshalb an sich vornehmen lassen, weil es ihnen von einer milliardenschweren Industrie eingeredet wird. Und natürlich, weil Frauen laut unserem patriarchalen Gesellschaftssystem niemals “richtig” sind. Schon gar nicht, wenn ihre Körper älter werden. </p><p>Sehr gut lässt sich das daran beobachten, wie mit Schauspielerinnen oder Moderatorinnen umgegangen wird, sobald sie die magische Marke der “40” überschreiten. Unterschiedliche <a href="https://www.zeit.de/kultur/film/2023-02/sichtbarkeit-aelterer-schauspielerinnen-film-fernsehen-diskriminierung">Studien zeigen</a>, dass über zwei Drittel der Hauptfiguren in Film und Fernsehen über 50 Jahren männlich sind. Während Frauen ab etwa 47 bis 50 Jahren oft aus dem klassischen Beuteschema „jung und sexualisiert“ herausfallen und dann gleich gar nicht mehr interessant sind. Was übrig bleibt, sind oft Rollen, die extrem klischeehaft sind - “die Oma”, “die böse Stiefmutter”. </p><p>Auch der ORF war in den vergangenen Jahren immer wieder in der Kritik, weil zahlreiche Moderatorinnen vom Sender verabschiedet oder aufs <a href="https://www.falter.at/zeitung/20251118/als-aeltere-frau-nicht-mehr-erwuenscht">“Abstellgleis” geschoben wurden</a>, sobald sie sich dem 50er näherten. Zwar dementierte das Unternehmen, dass es sich um Diskriminierung gehandelt habe, bei den (Ex-)Mitarbeiterinnen blieb aber genau dieser Eindruck zurück. Gleichaltrige männliche Pendants in diversen Sendungen, wurden nämlich nicht “ausgetauscht”.</p><p><strong>Mühsame Veränderung</strong></p><p>Positiv ist, dass sich über die vergangenen Jahre immer mehr Widerstand gegen dieses regelrechte Unsichtbarmachen von “älteren” Frauen formiert hat. Viele, die in besonders betroffenen Branchen tätig sind, wollen sich das nicht mehr länger gefallen lassen. Doch der Veränderungsprozess ist mühsam. Die Machtstrukturen noch immer zu ungunsten von Frauen verteilt. Der tonangebende, “alte weiße Mann” ist - so sehr das manchen auf die Nerven gehen mag - leider nicht nur Klischee, sondern immer noch Realität. </p><p>Hinzu kommt auch, wie wir alle dank Patriarchat zum Bewerten und Abwerten von Frauenkörpern erzogen sind. Als gesamte Gesellschaft, und auch gegenseitig unter Frauen. Es bedarf langer und teils unangenehmer Selbstreflexion, sich dessen überhaupt einmal bewusst zu werden. Ich nehme mich nicht davon aus, dass ich bis heute oft automatisch Gedanken in mir trage, die auf Vergleich und Bewertung beruhen. Ich bin jedoch froh darüber, dass es mir - mit dem Älterwerden! - auch klarer geworden ist. Dass ich angefangen habe, meine eigenen angelernten Denkmuster zu hinterfragen. </p><p>Und es ist wundervoll zu sehen, wie sich Frauen zunehmend untereinander solidarisieren. Obwohl, oder gerade weil, das ständige Vergleichen und Bewerten, das jede einzelne von uns kennt und jede einzelne von uns belastet, so alltäglich ist, tauschen sich auch immer mehr Frauen darüber aus. Sie teilen ihre Erfahrungen, schreiben Bücher oder diskutieren auf Social Media. All das macht Mut und Hoffnung, dass wir aus dem Strudel doch irgendwann herauskommen können.</p><p><strong>Nein sagen</strong></p><p>Der Schönheitsdruck, der auf Frauen lastet ist immens. Er hat sich trotz “Body Positivity” und ähnlicher Bewegungen unterm Strich nicht verringert. Gerade deshalb sind Solidarität und Reflexion so wichtig. Und es ist wichtig, dass wir uns trauen, Nein zu sagen. Nein zu den Rollenklischees und oberflächlichen Vorstellungen, in die wir gedrängt werden - oder uns selbst drängen.</p><p>Denn natürlich möchten wir alle lange leben, wir möchten fit und gesund bleiben und wir möchten Bestätigung. Das ist nur menschlich. Aber wir können uns auch dafür entscheiden, bei manchen Dingen einfach nicht mehr mitzumachen. Das soll nicht heißen, dass man es Menschen - egal welchen Geschlechts - vorwerfen sollte, wenn sie sich einer Schönheits-OP unterziehen. Es soll bitte jede:r die Freiheit haben, so auszusehen, wie sie oder er das möchte. </p><p><strong>Älterwerden kann toll sein</strong></p><p>Wenn wir aber bemerken, dass zu viel Druck auf uns lastet, wenn wir uns unwohl fühlen mit Körperteilen, die uns als defizitär eingeredet werden, obwohl sie ganz “normal” sind, dann ist eine Stopptaste zu drücken. Das Tolle am Älterwerden ist ja -  gerade als Frau - dass man mehr Gelassenheit erlangt. Dass man, entgegen dem inneren und äußeren Bewertungssystem, lernt, sich selbst besser anzunehmen. Dass man begreift, dass Männer nicht in allem und in jeder Hinsicht der Mittelpunkt des Universums sind. Und dass man nicht bis zum Ende aller Tage ihrem Blick (Stichwort Male Gaze) nachhecheln und sich immer danach richten muss. </p><p>Wir alle werden älter - und zwar jeden Tag. Manche wollen es nicht wahrhaben, aber die Wissenschaft ist eindeutig: Unsere Körper sind nicht darauf ausgelegt ewig zu leben. Das maximale biologische Alter, das Menschen unter optimalsten Bedingungen erreichen können, liegt bei 120 bis 125 Jahren. Bislang gibt es keine belastbare Forschung, die etwas anderes sagt. </p><p>Das Klügste wäre also, dass wir uns selbst und unseren Mitmenschen erlauben, älter zu werden, ohne sich dabei ständig selbst zu bekämpfen. Dass wir nicht in Panik verfallen, weil wir mit 50 nicht mehr aussehen wie mit 20. Wir könnten uns doch stattdessen darüber freuen, dass wir über mehr Erfahrung verfügen. Dass sich Blickwinkel verändern und erweitern können. Daraus lässt sich etwas Positives machen und letzten Endes auch nachfolgenden Generationen mitgeben. Wir müssen nur wollen. </p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir streicheln unsere Fältchen!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 22 Oct 2026 05:35:40 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#25 Der Unterschied zwischen einsam und allein]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Vor ein paar Tagen hörte ich in der U-Bahn zufällig ein Gespräch zwischen zwei jungen Männern mit. Sie klagten einander ihr Leid: Frauen. Was für…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Vor ein paar Tagen hörte ich in der U-Bahn zufällig ein Gespräch zwischen zwei jungen Männern mit. Sie klagten einander ihr Leid: Frauen. Was für “Bitches” die nicht wären, denn sie wollten einfach alles. Man könne es ihnen nicht recht machen. Einerseits wollten sie “wie eine Prinzessin behandelt werden” und andererseits forderten sie ständig ihre Freiräume, beschwerte sich der eine. Ja, “unmöglich, oida” und “so anstrengend” pflichtete der andere bei und erklärte, wie viel “Kohle” er nicht schon “investiert hätte”. Jetzt sei er trotzdem Single. Im Laufe des Gesprächs ereiferten sich die beiden immer mehr und gingen schließlich zu sexistischen Witzen über, die ich hier nicht wiedergeben werde. </p><p>Als ich schließlich ausstieg, musste ich fast lachen (wenn es nicht so traurig wäre). Denn die Unterhaltung passte perfekt zu der derzeit viel strapazierten “Male Loneliness Epidemic”. Männer bejammern und wundern sich darüber, dass sie keine Partnerinnen finden, verhalten sich gleichzeitig aber regelmäßig so, dass Frauen keine Lust mehr auf sie haben. Womit wir bei der parallel dazu verlaufenden Strömung des “Decentering Men” wären: Also dem Trend unter Frauen (cis-hetero) Männer aus ihrem Fokus zu schieben. </p><p>Das Patriarchat hat uns Jahrhunderte lang beigebracht, dass eine Frau erst “vollkommen” ist, wenn sie sich in einer Partnerschaft mit einem Mann befindet. Durch den Mann in ihrer Existenz erst legitimiert wird. Und diese Prägung ist auch heute noch weit verbreitet und wird auch heute noch in kleine Mädchen eingeimpft. Die Welt wird durch den sogenannten Male Gaze (den männlichen Blick) betrachtet und erzählt. Der Mann ist der Mensch. Die Frau leitet sich von ihm ab. Das beschrieb schon die Philosophin Simone de Beauvoir in ihrem feministischen Meisterwerk “Das andere Geschlecht”. Ihre Grundaussagen haben bis in die Gegenwart (leider) nicht sehr viel an Bedeutung verloren. </p><p><strong>Genug ist genug</strong></p><p>Was sich allerdings verändert, ist, dass immer mehr Frauen es so nicht mehr hinnehmen und sich nichts mehr gefallen lassen. Dass sie sich nicht mehr mit Brotkrümeln zufrieden geben. Und dass sie sich nicht mehr dafür entschuldigen, wenn sie ein Minimum an Respekt, Wertschätzung und Aufmerksamkeit in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen einfordern. </p><p>Wenn eine Frau also “wie eine Prinzessin” - in anderen Worten gut und liebevoll - behandelt werden will und sich nicht als Eigentum eines Mannes betrachten lässt, dann ist das weder schwierig noch anstrengend noch unverschämt. Es ist wirklich einfach das Mindeste. Jene Männer, die die emotionale Intelligenz dafür nicht aufbringen können, sollten sich nicht wundern, dass sie einsam sind. </p><p>Es ist kein Defekt an Frauen, etwas zu erwarten. Es ist vielmehr das Versagen von Männern, für selbstverständliche Dinge nicht bereit zu sein. Keine Verantwortung zu übernehmen oder keine Initiative zu zeigen. Dass das aber auch 2026 oft so ist, belegen unterschiedlichste Statistiken. Care-Arbeit und Mental Load - zwei ebenfalls viel benutzte Begriffe unserer Zeit - belasten <a href="https://www.statistik.at/fileadmin/announcement/2023/12/20231218ZVE20212022.pdf">mehrheitlich Frauen</a>. Das ist ein nicht wegzudiskutierendes Faktum. Kein persönliches Gefühl, keine inhaltsleere Behauptung: Nein, es ist so. Und selbst in progressiven Bevölkerungsschichten noch oft anzutreffen. Es ist schön (und natürlich richtig), dass es männliche Ausnahmen gibt. Dass sich selbstverständlich nicht alle ihren Verpflichtungen entziehen und manche inzwischen sogar bereit sind, sich mit ihrer eigenen psychischen Verfasstheit oder ihrem Verhalten auseinanderzusetzen. </p><p>Wir müssen uns als Frauen aber nicht unentwegt dafür bedanken oder den Umstand, dass einzelne es inzwischen ja “begriffen” haben, besonders hervorkehren. Denn letzten Endes ist es eben nur: das Bare Minimum. Das, was Frauen seit Jahrhunderten leisten, ohne dass es überhaupt der Rede wert wäre. Ein Mann, der sein Kind von der Schule abholt, gilt für viele immer noch als regelrechter Superstar. Für Frauen ist es der Normalzustand. </p><p><strong>Frauen trennen sich häufiger</strong></p><p>So kommt es auch, dass sich Frauen heute statistisch gesehen häufiger trennen als Männer. Dass immer mehr das Zentrum ihrer Aufmerksamkeit auf sich selbst, auf Freundinnenschaft, auf ihren Beruf legen. Weg vom Fokus Mann. Weg davon, dass man angeblich eine romantische Paarbeziehung braucht, um glücklich zu sein.</p><p>Weil Beziehungen für Frauen nämlich gar nicht so viele Vorteile bringen. Auch das belegen Zahlen: <a href="https://www.sueddeutsche.de/leben/partnerschaftspsychologie-analyse-fuer-maenner-sind-romantische-beziehungen-wichtiger-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-250108-930-337842">Männer profitieren</a> aus (heterosexuellen) Partnerschaften deutlich mehr. Und sind auch <a href="https://www.srf.ch/news/gesellschaft/geschlechterunterschiede-emotionale-stuetze-maenner-sind-mehr-auf-partnerin-angewiesen">stärker darauf angewiesen</a>. Trotzdem wollen viele nur ungern in diese Beziehungen investieren. Trotzdem respektieren sie häufig das, was andere Männer sagen oder tun, mehr, als alles, was von einer Frau kommt. </p><p><strong>Ungesund für alle</strong></p><p>Vieles davon ist keine bewusste Entscheidung, sondern eine über viele Generationen fortgeschriebene Idee von Macht und Mächtigen. Ich bin so fair, das anzuerkennen. Denn so wie uns das Patriarchat als Frauen Fesseln anlegt und behindert, so hinterlässt es natürlich auch seine negativen Spuren für (die meisten) Männer. Auch sie leiden unter Klischees und Erwartungen. Auch auf ihre (mentale) Gesundheit wirkt sich unser Gesellschaftssystem entsprechend aus. Dennoch sind Männer gleichzeitig mit Grundprivilegien ausgestattet. Alleine das zu begreifen und zu reflektieren, würde uns in der Entwicklung zu einer gleichberechtigten Gesellschaft sehr viel weiterhelfen. Und es würde jenen Männern möglicherweise die Augen öffnen, die sich einerseits darüber beschweren, keine Frau zu finden, und gleichzeitig heulen, wenn ein Einsatz von ihnen verlangt wird. </p><p>Frauen können heute gut allein klarkommen, ohne einen Mann als fixen Partner. Das heißt nicht, dass sie sich nicht mehr in Männer verlieben (sollen), oder nicht mehr mit ihnen leben (wollen). Es bedeutet aber, dass die Zeit der Unterwürfigkeit vorbei ist. Dass es nicht mehr genügt einfach “Mann zu sein”, um alles zu bekommen und alles zu “besitzen”. Männer werden lernen müssen, mehr zu geben und weniger zu nehmen. Sonst werden sie wirklich irgendwann sehr einsam sein. Das macht den Unterschied.</p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir fokussieren auf uns selbst!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 15 Oct 2026 05:36:05 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Podcast-Spezial #3 - Die unaufhaltbare Energiewende]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Es wieder zweiter Donnerstag! Und das bedeutet: Podcast. Also auf die Ohren und rein ins Gespräch. Bei mir zu Gast war diesmal die erfolgreiche…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Es ist wieder zweiter Donnerstag! Und das bedeutet: Keine Frauen kommt als <a href="https://keine-frauen.simplecast.com/">Podcast</a>. Also auf die Ohren und rein ins Gespräch.</p><p>Bei mir zu Gast war diesmal die erfolgreiche Unternehmerin und Investorin <strong>Eveline Steinberger</strong>. Manchen wird sie vielleicht auch als Jurorin der TV-Show “2 Minuten, 2 Millionen” bekannt sein.</p><p>Wir haben über die Energiewende gesprochen, über Techbros, KI und was Europa tun muss, um der Übermacht aus den USA etwas entgegenzusetzen. Außerdem gibt Eveline Steinberger ein paar Tipps mit, wie man sich gut durch eine männerdominierte Branche navigieren kann.</p><a href="https://keine-frauen.simplecast.com/episodes/3-die-unaufhaltbare-energiewende-mit-eveline-steinberger">https://keine-frauen.simplecast.com/episodes/3-die-unaufhaltbare-energiewende-mit-eveline-steinberger</a><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Viel Vergnügen beim Zuhören!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>*<em>Wer den Podcast direkt abonnieren möchte, </em><a href="https://keine-frauen.simplecast.com/"><em>kann das hier</em></a><em>.</em></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 08 Oct 2026 05:30:22 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#24 Wenn es vor Frauenverachtung trieft]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Gewalt ist ein Männerproblem. Das predige ich hier regelmäßig - und zwar nicht, weil ich mir das so einbilde, sondern weil absolut alle Studien und…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Gewalt ist ein Männerproblem. Das predige ich hier regelmäßig - und zwar nicht, weil ich mir das so einbilde, sondern weil absolut alle Studien und sämtliche Datenlagen das untermauern. Nicht anders sieht das bei sexualisierter digitaler Gewalt aus. Auch hier sind <a href="https://www.bmfwf.gv.at/frauen-und-gleichstellung/gewalt-gegen-frauen/gewaltformen/gewalt-im-netz.html">Frauen deutlich stärker betroffen</a> und Männer häufiger die Täter. Eine ganz besonders “beliebte” Form von Online-Gewalt sind Deepfakes. Laut einer <a href="https://www.vox.com/2019/10/7/20902215/deepfakes-usage-youtube-2019-deeptrace-research-report">US-Studie</a> macht pornografischer Content 96 Prozent aller Deepfakes aus. Davon wiederum handelt es sich zu 99 Prozent um nicht-konsensuale Darstellungen von Frauen. </p><p>Diese Zahlen stammen bereits aus dem Herbst 2019, also einige Jahre, bevor Künstliche Intelligenz in heutiger Form überhaupt der breiten Masse zur Verfügung stand. Seit dem Hype um KI hat sich das Problem noch weiter verschärft, weil es schlichtweg kinderleicht geworden ist, Deepfake-Pornografie von Frauen zu erstellen.</p><p>Die Autorin Laura Bates beschreibt in ihrem Buch “The New Age Of Sexism” sehr gut, wie die sogenannte AI-Revolution eine ganz neue Dimension von Misogynie geschaffen hat. Mittlerweile gibt es zahlreiche Apps, mit denen man KI-Deepfakes erstellen kann, die ausschließlich mit weiblich gelesenem Foto- oder Videomaterial funktionieren. Vor einigen Tagen wurde eine EU-weite Studie <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000341593/sexualisierte-ki-deepfakes-von-138-politikerinnen-gefunden-auch-lena-schilling-betroffen">veröffentlicht</a>, die zeigt, dass auch viele Politikerinnen von dieser Form der digitalen Gewalt betroffen sind. Konkret wurden im Rahmen der Erhebung sexualisierte Darstellungen von 138 Betroffenen entdeckt. Eine davon die österreichische EU-Abgeordnete Lena Schilling.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/606fb40f-4954-47a1-bf1a-20437dfb2664/uploads/images/cayhadxh72/Bildschirmfoto_2026-09-28_um_19.11.26.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Standard-Posting über Lena Schilling"/><figcaption>Posting über Lena Schilling</figcaption></figure><p><strong>Gewalt ist kein schlechter Witz</strong></p><p>Was mich nach dem Lesen des Berichts, der im Standard veröffentlicht wurde, mindestens so entsetzte wie die blanken Zahlen, waren die vielen geschmacklosen Reaktionen seitens der Forums-User (gendern hier nicht nötig). Was da an abwertenden, ekelhaften Kommentaren in Bezug auf die betroffene Schilling geschrieben wurde, sprengte alle Grenzen. Viele “rechtfertigten” ihre Verachtung damit, dass die Politikerin in der Vergangenheit ja selbst für einen Skandal gesorgt habe (ich führe das an dieser Stelle nicht aus, wer nicht Bescheid weiß, kann das googlen oder auf Wikipedia nachlesen). Somit verdiene es Schilling gewissermaßen, nun mit diesen Deepfakes konfrontiert zu sein. Gespickt wurden die Kommentare zusätzlich mit zahlreichen Bewertungen über Schillings Aussehen. Oder das Problem wurde gleich als Ganzes lächerlich gemacht.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/606fb40f-4954-47a1-bf1a-20437dfb2664/uploads/images/fi43zgbiqq/Bildschirmfoto_2026-09-28_um_19.11.17.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Posting aus dem Standard-Forum"/><figcaption>Posting über Lena Schilling</figcaption></figure><p>Das ist nichts anderes als pure Frauenverachtung. Keine Frau, kein Mensch “verdient” eine solche Abwertung, niemand muss es hinnehmen, dass sexualisierte Darstellungen gegen den Willen und ohne das Wissen einer Person gebastelt und verbreitet werden. Hinzu kommt, dass sich Schilling in dieser Thematik als Politikerin seit Jahren verdient gemacht und Deepfakes immer wieder angeprangert und politische Maßnahmen dagegen eingefordert hat. Niemand muss Fan einer Politikerin sein, aber sie derart niveaulos herabzusetzen, das dürfen wir nicht einfach akzeptieren. </p><p>Gewalt - und dazu zählen eben auch die digitalen Formen - ist kein schlechter Witz, sie ist leidvolle Lebensrealität vieler Menschen und vor allem von Frauen. Wie kommt irgendeine von uns dazu, sich das bieten zu lassen? Wie kommt irgendeine von uns dazu, mit so etwas überhaupt konfrontiert zu sein? Und wie kommt irgendeine von uns dazu, als Betroffene auch noch lächerlich gemacht zu werden?</p><p>Ich kann all jenen, die das gutheißen, herunterspielen oder eben sogar aktiv betreiben, nur ganz klar ausrichten, dass sie bemitleidenswerte Würste sind. An dieser Stelle bedarf es wirklich keiner Freundlichkeiten mehr. Und ich möchte einfordern, dass wir uns gesamtgesellschaftlich dagegen zur Wehr setzen, dass solche Dinge normalisiert oder einfach darüber hinweggegangen wird. Nur weil es die allergrößte Mehrheit der Männer wieder einmal nicht betrifft. Die meisten sich demnach auch einmal mehr nicht damit auseinandersetzen wollen. Oder eben auch noch blöde Witze darüber reißen.</p><p><strong>Sensationslust</strong></p><p>Anstatt Empörung und Entsetzen über die aufgetauchten Inhalte lösten die Berichte zur Deepfake-Studie in den vergangenen Tagen bei vielen eine Art Sensationsgier aus. Das Resultat war nämlich, dass die Google-Suchanfragen zu den KI-generierten Darstellungen in die Höhe schnellten. Schilling etwa postete die Zahlen zu ihrer Person auf <a href="https://bsky.app/profile/lenaats.bsky.social/post/3mwnuzyyhbc2o">Bluesky</a>. Aber auch in den Zeitungsforen konnte man lesen, dass sich zahlreiche männliche User auf “Spurensuche” begaben oder begeben wollten. </p><p>Deepfakes sind übrigens bei weitem nicht die einzige Form digitaler Gewalt, der Frauen ausgesetzt sind. Hass im Netz betrifft Frauen grundsätzlich besonders stark, vor allem in sexualisierter Form. Wenn wir daran etwas ändern wollen, müssen wir Männer stärker in die Pflicht nehmen - und sie sich gegenseitig. Ich habe dazu <a href="https://steady.page/de/keine-frauen/posts/81c0f00f-39e5-4313-80f7-8d182dbd9df0">gerade erst etwas geschrieben</a>, als es um körperliche Übergriffe ging. Doch die Verantwortungsübernahme gilt bei Online-Gewalt ganz genauso.</p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir lassen uns nichts mehr gefallen!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><br/><br/><br/><br/></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 01 Oct 2026 05:38:42 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#23 Männer in die Pflicht]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Am Dienstag war ich zu Gast in der Puls4-Diskussionssendung Pro+Contra. Das Thema war der Missbrauchsfall Gunkl - wie medial damit umgegangen wird,…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Am Dienstag war ich zu Gast in der <a href="https://www.joyn.at/play/serien/pro-und-contra-dp4dvq64s9pf/2026-265-der-fall-gunkl-streit-um-haertere-strafen-und-sensationsgier">Puls4-Diskussionssendung Pro+Contra</a>. Das Thema war der Missbrauchsfall Gunkl - wie medial damit umgegangen wird, wie man so etwas verhindern kann und wie man den Blick weg von den Tätern hin zu den Betroffenen bekommt. Die Runde war spannend und gut zusammengesetzt, wir hatten uns auch nach der Sendung noch untereinander ausgetauscht. Mit nach Hause nahm ich davon einmal mehr den Gedanken, dass uns allen noch stärker bewusst sein muss: wir haben es bei Missbrauchstätern und Gewalt gegen Frauen nicht einfach mit einzelnen isolierten “Monstern” zu tun. Sondern mit einem breitflächig in unsere Gesellschaft eingewobenem Problem.</p><p>Und, auch wenn das manche wieder nicht hören möchten, es ist ein Männerproblem. Die Zahlen dazu sind eindeutig. Geht es etwa um sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen sind rund 90 Prozent der Täter Männer. Bei Gewalt gegen Frauen (und auch gegen Männer) sieht es ähnlich aus. Trotzdem beschäftigen sich Frauen grundsätzlich viel stärker mit diesen Themen, wissen besser Bescheid und müssen sich oft gezwungenermaßen viel mehr mit den Folgen solcher Taten auseinandersetzen. </p><p>Bei vielen Männern hat man den Eindruck, sie lebten in der Überzeugung, dass sie das alles ohnehin nichts angehe. Denn, so das Credo: not all men - und wenn jemand selbst nicht zugeschlagen hat, wozu sich weiter damit befassen? “Ich habe ja nichts getan.” Nichts tun ist aber nicht genug, im Gegenteil: nichts tun ist sogar Teil des Problems. Wenn Männer nichts tun, wenn ihre Kumpels dumme Sprüche klopfen, wenn der Chef der Kollegin zu nahe tritt oder man “eh weiß”, dass der Huber Seppi manchmal seine Ehefrau “ein bisserl härter anfasst”, dann ist all das genau Teil des gewalttätigen und missbräuchlichen Systems. </p><p><strong>Verantwortung übernehmen</strong></p><p>Es vergeht kein einziger Tag, an dem man nicht von Gewalt gegen Frauen, sexuellen Übergriffen, Vergewaltigungen, Missbrauch oder Bedrohung in den Medien liest. Und diese öffentlich bekannten Fälle sind nur ein Bruchteil des tatsächlichen Ausmaßes. Laut Dunkelfeldstudien werden beispielsweise nur fünf Prozent der Partnerschaftsgewalt angezeigt. Daher darf man sich schon wundern, wieso derart viele Männer nach wie vor keine Bereitschaft zeigen, sich selbstständig mit diesen Dingen zu beschäftigen. </p><p>Es ist nicht die unendliche und alleinige Aufgabe von Frauen Aufklärungsarbeit zu leisten, Kritik zu üben und Maßnahmen einzufordern - mit dem Resultat, dass ihnen oft gleichzeitig vorgeworfen wird, lästig zu sein. Männer müssen grundsätzlich stärker in die Pflicht genommen werden und sie müssen endlich mehr Verantwortung übernehmen. Sie müssen lernen, sich mit ihren Kumpels über mehr als Fußball zu unterhalten. Und es ist nicht zu viel verlangt, dass sie ein eigenes Interesse daran entwickeln, sich zu informieren.</p><p>Es passiert mir nicht selten, dass ich in Diskussionen - online wie offline - zu hören bekomme, ich solle für dieses und jenes doch Belege liefern. Ich solle irgendetwas beweisen. Quellen für die Zahlen, die ich ins Treffen führe, werden angezweifelt oder als “nicht genug” abgestempelt. Abgesehen davon, dass ich regelmäßig Statistiken und Studien mitliefere, verstehe ich nicht, wieso Männer, wenn es um Gewalt geht, plötzlich keine Suchmaschinen mehr bedienen können. Oder nicht mehr lesen. Oder manchmal nicht mal mehr zuhören. </p><p>In Social-Media-Debatten kann man auch sehr gut beobachten: geschieht ein Femizid oder andere Gewalttat, dann sind es immer die gleichen Frauen (und wenigen Männer), die dazu etwas sagen. Die versuchen, aufzuklären oder Konsequenzen fordern. Der große (männliche) Rest neigt zum Schweigen und Ignorieren. </p><p>Umso ärgerlicher ist es, wenn einzlene, die sich der Problematik normalerweise komplett verweigern, dann um die Ecke biegen, sobald es etwas zu skandalisieren gibt. Auch das kann man aktuell rund um den Missbrauchsfall Gunkl wieder gut beobachten. Da werden belehrende oder empörte Instragram-Videos produziert, oder - noch schlimmer - alle Grenzen überschreitende, geifernde Zeitungsartikel verfasst. </p><p><strong>Schluss mit der Ignoranz</strong></p><p>Ich kläre gerne auf - was einer der Hauptgründe war, diesen wöchentlichen Newsletter überhaupt ins Leben zu rufen. Ich freue mich auch darüber, dass ihn viele Männer abonniert haben und ich regelmäßig Rückmeldungen von ihnen bekomme. Es wäre also schön, wenn sich mehr ihrer Geschlechtsgenossen dazu durchringen könnten, sich eigenständig auf Informationssuche zu begeben, sich einzulesen und darüber zu reden. </p><p>Selbst mit den härtesten Gesetzen und besten Hilfsangeboten können wir die Gewaltspiralen nicht durchbrechen, wenn in jener Gruppe, von der die allermeisten Taten ausgehen, Ignoranz vorherrscht. Es gibt die viel zitierte Aussage, dass jede Frau Betroffene kennt, aber kein Mann einen Täter. Sich dieser Schieflage bewusst zu werden - das wäre für alle ein erster Schritt.</p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir bleiben dran!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 24 Sep 2026 05:42:24 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#22 Leistung ist eine Ausrede]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Ich beginne heute mit einer Buchempfehlung: “Beklaute Frauen” von Leonie Schöler. Die Historikerin und Journalistin beschreibt darin, wie Denkerinnen,…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Ich beginne heute mit einer Buchempfehlung: “Beklaute Frauen” von Leonie Schöler. Die Historikerin und Journalistin beschreibt darin, wie Denkerinnen, Forscherinnen, Künstlerinnen, ja Pionierinnen jeglicher Form, im Laufe der Geschichte ihrer Leistungen beraubt und unsichtbar gemacht wurden. Von Männern. Und nicht nur von irgendwelchen Männern. Sondern zum Teil von sehr berühmten Männern, die ihre Prominenz und ihre Erfolge in dieser Form nie erreicht hätten ohne Frauen, die ihnen halfen, deren Wissen sie ausnutzten und deren Ideen sie sich zu eigen machten. Die Geschichtsschreibung hat den Männern ewiges Leben geschenkt, die Frauen wurden vergessen oder nie beachtet.</p><p>Das ist eine Form von “Leistung”, die wir bis heute in unserer Gesellschaft vorfinden. Sie beruht in vielen Fällen eben nicht auf tatsächlichem Können, sie beruht auf Netzwerken, Machtstrukturen und der Ausbeutung jener, die nicht privilegiert genug sind, an den Schalthebeln zu sitzen. “Du kannst alles werden, was du willst” wird kleinen Mädchen heute erzählt. Aber es stimmt noch immer nicht. Nicht wirklich. Richtiger wäre zu sagen: “Du kannst zwar mehr werden als früher, aber du wirst immer noch massiv benachteiligt, weil du eine Frau bist”. </p><p>In der Harvard Business Review (HBR) wurde in diesem Sommer <a href="https://hbr.org/2026/07/what-60-years-of-data-reveals-about-how-men-and-women-experience-leadership">eine Studie</a> veröffentlicht, die zeigt, dass der Weg an die Spitze nach wie vor stark vom Geschlecht beeinflusst wird. Mehr noch: In mancherlei Hinsicht bewegen wir uns nicht nach vorne, sondern zurück. So werden etwa die Vorurteile gegenüber Frauen in Führungspositionen eher mehr als weniger - und zwar auf einen langen Beobachtungszeitraum bemessen. Die wiederkehrende HBR-Studie wird nämlich seit den 1960er-Jahren in 20-Jahres-Abständen durchgeführt. </p><p>Vor allem der sogenannte Judgement Gap wird immer größer. Das bedeutet, dass Männer und Frauen die Chancen und Gegebenheiten für weibliche Führungskräfte ganz unterschiedlich bewerten. Während Frauen von zunehmender Benachteiligung berichten und sogar mehr Schwierigkeiten sehen als vor 20 Jahren, nimmt die Sensibilisierung dafür bei den Männern ab. </p><p><strong>Höchstleistung versus Mittelmaß</strong></p><p>Es ist ein alter Hut, beinahe ein Klischee, und doch stimmt es leider immer noch: Um dieselbe Position, Anerkennung oder Bezahlung zu erreichen wie ein mittelmäßiger Mann, muss eine Frau Höchstleistungen erbringen. Egal, was sie anfasst, sie muss das X-fache dafür investieren, um zum Erfolg zu kommen. Das empfinden übrigens auch fast alle Frauen so. 83 Prozent der weiblichen Führungskräfte sind laut HBR davon überzeugt, dass sie mehr leisten müssen, um ans selbe Ziel zu kommen wie Männer. Diese wiederum teilen die Wahrnehmung kaum: nur 28 Prozent bewerten die Situation ebenfalls so.</p><p>Interessantes Detail in der US-Studie: Vor allem in jenen Betrieben, die nach meritokratischem Prinzip agieren, sieht es für Frauen am düstersten aus. Dort gibt es eine stärkere Tendenz Männer - bei gleicher Leistung - zu bevorzugen. Erklärt wird das unter anderem damit, dass es in solchen Arbeitsumfeldern einen überdurchschnittlichen Mangel an Selbstreflexion gibt. Weil dem “Leistungsprinzip” sozusagen blind vertraut wird. Die Folge: Männer bevorzugen und unterstützen weiterhin Männer, wenn es um Beförderungen und Spitzenpositionen geht. </p><p><strong>Vielfach belegt</strong></p><p>Wer einwenden möchte, dass in der HBR-Untersuchung viel nach “Wahrnehmungen” gefragt wurde, kann sich zusätzlich gerne auch andere Statistiken und Zahlen zu Gemüte führen. Sie alle untermauern, dass Frauen trotz Qualifikation und Leistung benachteiligt werden. Der Merit-Report aus dem Frühjahr 2026, den ich <a href="https://steady.page/de/keine-frauen/posts/4e895d6f-d72d-4d82-8401-cfeb9cf1a0c9">hier schon einmal aufgearbeitet habe</a>, zeichnet genau das gleiche Bild. Und führt drastisch vor Augen, wie groß die Lücke zwischen Frauen und Männern in Top-Positionen nach wie vor ist. Auch diese Studie kam zum Schluss, dass das vor allem an festgefahrenen Strukturen, Vorurteilen, kurz gesagt, unserem Lieblingsproblem dem Patriarchat liegt. </p><p>Dass wir uns momentan eher im Modus “Ein Schritt vor, zwei zurück” bewegen, liegt natürlich auch an der allgemeinen Backlash-Stimmung. Insbesondere seit der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump hat sich vieles in Sachen Gleichstellung ausgehend von den Vereinigten Staaten wieder verschlechtert. Beispielsweise durch das Einstampfen von Diversity-Programmen in großen Konzernen und der allgemein polarisiernden politischen Stimmung.</p><p><strong>Quote wirkt</strong></p><p>Einer von unterschiedlichen Auswegen aus dem Karrieredilemma für Frauen, der bewährt und bewiesen ist, sind Quoten. Jedenfalls so lange, bis wir es zu echter Gleichstellung geschafft haben. Das belegt erneut <a href="https://www.forba.at/forba_projekt/frauen-im-aufsichtsrat/">eine Studie im Auftrag des österreichischen Frauenministeriums</a> zur Besetzung in Aufsichtsräten. Auch diese Untersuchung zeigt, dass informelle Männernetzwerke bei der Postenvergabe immer noch mehr zählen als Kompetenz.</p><p>Bei Männern sind Quoten bekanntermaßen unbeliebt. Da kommt dann schnell der Verweis darauf, es dürfe nicht um das Geschlecht gehen, was zähle, sei einzig das Können. Der Haken an der Geschichte ist eben nur: Die Leistung gibt nicht den Ausschlag, die Leistung ist nur eine Ausrede - dafür, dass man Macht, Geld und Einfluss nicht mit Frauen teilen muss. Dafür, dass man ein System aufrecht erhält, das ein paar wenige massiv bevorzugt und in dem der große Rest (dazu zählen übrigens auch Männer) durch die Finger schaut. </p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 17 Sep 2026 05:43:18 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Podcast-Spezial #2 - Die vergessenen Kriegerinnen]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Wir haben wieder den zweiten Donnerstag im Monat! Und das bedeutet: Es gibt was auf die Ohren. Die zweite Podcast-Folge von Keine Frauen ist da und es…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Wir haben wieder den zweiten Donnerstag im Monat! Und das bedeutet: Es gibt was auf die Ohren. Die zweite Podcast-Folge von <a href="https://keine-frauen.simplecast.com/">Keine Frauen</a>* ist da und es wird diesmal wieder wirklich spannend.</p><p>Bei mir zu Gast war die Archäologin Barbara Horejs. Wir haben über Forschungsmethoden, Ausgrabungen, Karrierehürden für Frauen und wissenschaftliche Irrtümer gesprochen.</p><p>Wie sieht der Alltag einer Archäologin aus? Wie stellt man das Alter von Skeletten und anderen Funden fest? Und wie kann es sein, dass sich viele vermeintlich männliche Krieger inzwischen als Frauen herausgestellt haben? Horejs, die unter anderem auch <a href="https://www.oeaw.ac.at/oeai/institut/team/person/barbara-horejs">wissenschaftliche Direktorin des Archäologischen Instituts an der ÖAW</a>, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ist, hat die Antworten auf diese Fragen.</p><a href="https://keine-frauen.simplecast.com/episodes/die-vergessenen-kriegerinnen-mit-barbara-horejs">https://keine-frauen.simplecast.com/episodes/die-vergessenen-kriegerinnen-mit-barbara-horejs</a><p></p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Viel Vergnügen beim Zuhören!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>*<em>Wer den Podcast direkt abonnieren möchte, </em><a href="https://keine-frauen.simplecast.com/"><em>kann das hier</em></a><em>.</em></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 10 Sep 2026 05:29:25 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#21 Zu Selbstzweifeln erzogen]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Wir machen einen kurzen Rückblick. Die Geschichte spielte sich irgendwann vor zehn, zwölf Jahren ab, ich weiß es nicht mehr so genau. Ich war auf ein…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Wir machen einen kurzen Rückblick. Die Geschichte spielte sich irgendwann vor zehn, zwölf Jahren ab, ich weiß es nicht mehr so genau. Ich war auf ein Diskussionspanel im Rahmen eines Medienevents eingeladen. Thema: Start-ups. Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits einige Jahre Erfahrung mit der Berichterstattung zu Tech und Unternehmertum, aber meine “Bühnenkarriere” befand sich noch in den Kinderschuhen. Soll heißen, auf Podien hatte ich erst vereinzelt gesessen. Entsprechend aufgeregt war ich, nachdem ich die Teilnehmer:innen-Liste gesehen hatte: Mit mir geladen waren noch drei Männer, allesamt galten damals als durchaus gewichtige Vertreter der heimischen Start-up-Szene. </p><p>Ich fühlte mich extrem unwohl und dachte nur: Wie soll ich mit diesen Männern auf Augenhöhe kommen, werde ich mich blamieren? Werde ich überhaupt verstehen, wovon sie reden? Im ersten Impuls wäre ich am liebsten davongelaufen und hätte mich daheim unter der Decke versteckt.</p><p>Doch natürlich blieb ich und setzte mich auf diese Bühne. Und dann geschah etwas Erstaunliches (dachte ich damals, heute weiß ich, dass es maximal banal ist): Ich bemerkte schnell, dass ich mit sämtlichen Argumentationen locker mithalten konnte. Dass ich mich in vielen faktischen Fragen deutlich besser auskannte als meine Mitdiskutanten. Und dass vieles, was sie sagten, nichts anderes als die sprichwörtliche heiße Luft war - sogar mein Superpowerföhn wäre da neidisch geworden. </p><p>In dem Moment beschloss ich - und zwar ganz bewusst, weshalb mir dieses Erlebnis auch jetzt noch in Erinnerung ist - mich nie wieder vor einer Diskussion zu fürchten. Schon gar nicht vor einer mit Männern. Ich beschloss auch, jede Anfrage zuzusagen, wenn ich nur irgendwie das Gefühl habe, etwas beitragen zu können. Denn eines war mir ab dem Zeitpunkt klar: “So schlau wie die, bin ich schon lange.”</p><p><strong>Impostor Syndrom</strong></p><p>Was ich damals erlebte, was ich fühlte, hat möglicherweise ein bisschen mit meiner Persönlichkeit, aber deutlich mehr mit etwas anderem zu tun: Mit dem Patriarchat. Frauen werden in unserem Gesellschaftssystem nämlich dazu erzogen, sich in Selbstzweifeln zu verlieren. Von klein auf werden Mädchen zu “Bescheidenheit” und “Anpassung” animiert. Kompetenzen in bestimmten Bereichen werden ihnen kategorisch abgesprochen. Leise und lieb sollen sie sein, zurückhaltend und unaufdringlich. </p><p>All das legt den Grundstein dafür, was man später als Impostor Syndrom bezeichnet. Es beschreibt das Gefühl, sich selbst nicht gut genug zu finden, eigene Erfolge und Fähigkeiten kleinzureden. Sich eben wie eine Schwindlerin zu fühlen, weil man denkt, dass man nur “durch Glück” in eine Position oder Funktion gekommen ist. Und die Angst, dass alles irgendwann “auffliegen” wird und alle bemerken, wie inkompetent man eigentlich ist. </p><p>Ganz besonders zum Tragen kommt das Impostor Syndrom bei Frauen in Bereichen, die stark männlich dominiert sind, <a href="https://digital-campus.hs-mittweida.de/2024/09/impostor-syndrom-warum-frauen-an-ihren-erfolgen-zweifeln/">beispielsweise in MINT-Berufen</a>. Da wird ihnen auch heute noch oft von außen vermittelt, sie hätten keine Ahnung von naturwissenschaftlichen Themen. Umso unangenehmer wird es für sie dann in solchen Umfeldern zu arbeiten - es entsteht ein Teufelskreis. </p><p><strong>Unterschiedliche Bewertung</strong></p><p>Natürlich können auch Männer unter Selbstzweifeln leiden. Aber auf struktureller Ebene erzeugt die patriarchale Erziehung eben Unterschiede. Vor allem, was den Umgang mit den Selbstzweifeln betrifft. Während Frauen diese eher äußern und eingestehen und sich zurückziehen, verbergen Männer ihre Unsicherheiten. Sie überspielen sie und werden dadurch oft extra laut und angeberisch. Denn Männern wird von klein auf beigebracht, Raum einnehmend zu sein. Sie werden darin bestärkt, sich so zu verhalten, weil dem Klischee nach Unsicherheit bei Männern als “Schwäche” gilt. Auch das ist kein wünschenswerter Zustand. </p><p>Wir haben die Zuschreibungen, wie Frauen und Männer “zu sein haben” so verinnerlicht, dass wir gleiches Verhalten völlig unterschiedlich bewerten. Tritt ein Mann selbstbewusst und von sich überzeugt auf, macht das bei den meisten “Eindruck”. Er wird als positiv, stark und kompetent bewertet. Spricht er Dinge klar aus oder stellt Forderungen, wird er als “Macher” betitelt, einer, der sich auskennt. Ein Leader, ein Vorbild.</p><p>Verhält sich eine Frau genau so, löst das bei vielen schnell Unbehagen aus. Sie gilt dann als arrogant, unfreundlich und unsympathisch. Was erlaubt sie sich? Wieso ist sie so anstrengend und fordert so viel? Das ist doch unverschämt und eine Zumutung. Trifft sie klare (harte) Entscheidungen, wird ihr auch das negativ, sogar als schwach ausgelegt. (Ich habe einen konkreten Fall vor nicht allzu langer Zeit <a href="https://steady.page/de/keine-frauen/posts/f3159b13-66cc-4f37-a044-5a74a93a17c2">hier thematisiert</a>.)</p><p><strong>Ein Affront</strong></p><p>Ein gutes Beispiel liefert auch die deutsche Autorin Caroline Wahl. Sie tritt selbstbewusst auf, fordert Dinge ein, geht mit Kritik ironisch um. Dieses Verhalten beschert ihr regelmäßig Shitstorms, medial wird sie hauptsächlich als “polarisierend” beschrieben. Man kann das aktuell wieder gut beobachten, wenn man die Besprechungen zu ihrem neuen Buch liest. Nun darf natürlich jede:r von Wahl halten, was er oder sie will. Aber entlang der anhaltenden Diskussionen um ihre Person kann man gut jene Bruchlinien zwischen den Geschlechtern nachzeichnen, die uns das Patriarchat so vehement einimpft. Eine Autorin, die sich selbst ohne Scheu und ohne Umschweife vermarktet (was bei Männern als Standard eingestuft wird), das ist doch ein veritabler Affront! </p><p>In Wahls Roman <a href="https://www.rowohlt.de/buch/caroline-wahl-1999-meter-ueber-dem-meer-9783498007713?srsltid=AfmBOooFiBVGdth6tOFAgSVHIUYZBIgwrJ8ydlButHjFvfePx4l-RKU1">“1999 Meter über dem Meer”</a> geht es übrigens um eine Frau, die sich aktiv dazu entscheidet, eine Hochstaplerin zu sein. Vielleicht ist das ja auch eine Möglichkeit, dem Impostor Syndrom zu entkommen.</p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir glauben an uns!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><br/><br/></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 03 Sep 2026 06:04:09 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#20 Ein Macholand als feministisches Vorbild]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Ich beginne heute mit einer Lobeshymne: Viva España! Ja, genau. Das sage ich nicht, weil gerade noch Urlaubszeit ist und viele Rioja und Tapas…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Ich beginne heute mit einer Lobeshymne: Viva España! Ja, genau. Das sage ich nicht, weil gerade noch Urlaubszeit ist und viele Rioja und Tapas fröhnen. Mein Grund ist ein bisschen ernster, aber umso gewichtiger. Spanien ist nämlich nicht nur kulinarisch ein Vorzeigeland, sondern - und das ist durchaus bemerkenswert - auch beim Gewaltschutz von Frauen. Der einst klischeehaft als “Macholand” betitelte Staat hat in den vergangenen 20 Jahren umfassende Maßnahmen gesetzt, feministische Anliegen ernstgenommen und kann entsprechende Erfolge vorweisen.</p><p>Worüber bei uns oft noch diskutiert wird, ist in Spanien längst umgesetzt. Bereits vor mehr als 15 Jahren wurde die elektronische Fußfessel zur Überwachung von Risikotätern eingeführt. Das System funktioniert so: Es verbindet die Fußfessel des potenziellen Angreifers mit einem mobilen GPS-Warnsignal, das die bedrohte Person bei sich trägt. Unterschreitet der Täter eine bestimmte Distanzzone, schlägt das System Alarm bei der Leitstelle und es ergeht eine Warnung an die bedrohte Frau. Die Maßnahme wirkt: Seit ihrer Einführung gab es zigtausende Risikoüberwachungsfälle und <a href="https://frauenrechte.de/aktuelles/detail/keinen-schritt-naeher-aber-einen-schritt-weiter-in-richtung-frauenrechte">in keinem einzigen</a> kam es zu einem dokumentierten Femizid. Die Erfolgsquote beläuft sich in diesem Punkt auf 100 Prozent. </p><p>In Deutschland wurde die Fußfessel für Hochrisikotäter im Mai dieses Jahres nun endlich auch beschlossen. In Österreich ist sie bislang vor allem ein Vorschlag seitens der amtierenden Frauenministerin und wird nach wie vor debattiert. Gleichzeitig weist unser Alpenland eine überdurchschnittlich hohe Femizidrate im europäischen Vergleich auf - und das seit vielen Jahren.</p><p><strong>Mehr Frauen als Männer werden getötet</strong></p><p>Erst diese Woche wurden <a href="https://orf.at/stories/3440177/">neue Auswertungen</a> zu Tötungsdelikten in Österreich veröffentlicht. Dabei zeigt sich, dass die Mordraten seit 1970 zwar insgesamt kontinuierlich zurückgingen, aber auch: dass hierzulande mehr Frauen als Männer umgebracht werden. Zusätzlich alarmierend ist eine weitere Statistik: Zwei Drittel der weiblichen Opfer kommen im eigenen Zuhause ums Leben. Damit bestätigt sich ein weiteres Mal die traurige Gewissheit, dass kein Ort für Frauen so gefährlich ist, wie jener, an dem sie sich eigentlich am geborgensten fühlen sollten. </p><p>Auffällig ist auch die hohe Zahl an älteren Frauen (über 75 Jahre), die getötet werden. Ein Thema das nach wie vor kaum Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erfährt. Es wäre also dringend notwendig, den Gewaltschutz zu verbessern. Und auch gesellschaftlich muss ein Umdenken stattfinden. Wenn es zum Beispiel zu sogenannten erweiterten Suiziden kommt (meist töten Männer zuerst die Frau und dann sich selbst), wird oft so getan, als seien diese Taten mit Alter oder Krankheit zu rechtfertigen. Sind sie nicht. </p><p><strong>Viele Baustellen</strong></p><p>Aber zurück zu Spanien: Im Zuge der umfassenden Gesetzesreform von 2004 wurden viele Grundsteine für einen besseren Schutz von Frauen gelegt. So gibt es auf der iberischen Halbinsel zum Beispiel spezielle Gerichte mit auf Gewaltschutz geschultem Personal. Mit dem System “VioGén” wurde eine algorithmusbasierte, landesweit vernetze Datenbank geschaffen, die anhand verschiedener Parameter Risikoeinschätzungen bei (potenziellen) Gewalttätern vornimmt. Aber auch in Prävention und Ausbildung - von der Aufklärung in Schulen bis hin zur Schulung medizinischen Personals - wurden Maßnahmen gesetzt.</p><p>Seit 2022 gilt in Spanien das <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/europa/spanien-sexualstrafrecht-103.html">vielfach propagierte “Nur Ja heißt Ja”</a>. Sex ohne ausdrückliche Zustimmung wird dadurch als Vergewaltigung eingestuft. Über eine solche Gesetzesverschärfung wurde in Österreich bisher nur diskutiert. Zumindest gibt es aber erstmals auch positive Signale dafür <a href="https://orf.at//stories/3440163/">aus konservativer Ecke</a>. Die Hoffnung lebt, dass das Gesetz endlich realisiert wird. Doch die Mühlen mahlen langsam. </p><p>Ähnlich sieht es mit einem Verbot sogenannter Gehsteigbelästigung vor Abtreibungskliniken aus. Radikale Abtreibungsgegner:innen bedrängen regelmäßig Frauen, die zu Schwangerschaftsabbrüchen gehen, vor den Einrichtungen und versuchen sie unter Druck zu setzen. Oft wird auch das medizinische Personal belästigt. In Spanien ist auch das seit 2022 verboten und wird teils sogar mit Haft bestraft. Bei uns sind einheitliche Schutzzonen nach wie vor nur eine Forderung aus politisch linksliberalen Kreisen. Wenn es um Schwangerschaft und das Recht der Frau am eigenen Körper geht, leisten christliche und reaktionäre politische Kräfte besonders starken Widerstand. </p><p><strong>Gesellschaftliche Anstrengung</strong></p><p>Natürlich läuft auch in España längst nicht alles perfekt. Männergewalt gibt es nach wie vor und nicht jede Gesetzesreform funktionierte von Anfang an reibungslos. So gab es vor allem bei der Umsetzung des “Nur Ja heißt Ja”-Paragrafen zunächst einige Probleme, weil es dadurch paradoxerweise an anderer Stelle zu Strafmilderungen kam. Mittlerweile wurde eine Reform dieser Reform vorgenommen. </p><p>Was jedoch auffällt und mitentscheidend ist: In Spanien fanden die Anti-Gewalt-Maßnahmen einen breiten Konsens über die allermeisten Parteigrenzen hinweg. Und auch gesamtgesellschaftlich wurde das Thema immer dringlicher. </p><p>Nicht in allen Fragen herrscht heute Einigkeit. Aber es herrscht eine allgemein starke Aufmerksamkeit für diese Themen. Feministische Bewegungen sind sehr aktiv und sichtbar. Und was man in Spanien auch beobachten kann: Die Einsicht, dass das Private eben auch politisch ist, die setzt sich mittlerweile immer stärker durch.</p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir gönnen uns eine Siesta!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><br/><br/><br/><br/></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 27 Aug 2026 05:55:42 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#19 Männer können nicht mit Technik umgehen]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Es gibt bestimmte Sätze, die mir durch den Kopf schießen, wenn ich etwas Ärgerliches lese oder höre. In Bezug auf männliches Verhalten hat sich bei…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Es gibt bestimmte Sätze, die mir durch den Kopf schießen, wenn ich etwas Ärgerliches lese oder höre. In Bezug auf männliches Verhalten hat sich bei mir eine Art Dauerbrenner festgesetzt. Er lautet: Was ist eigentlich falsch mit euch? Zugegeben, diese Frage ermöglicht sehr viel Anwendungsspielraum. Im Folgenden möchte ich sie aber auf ein konkretes Thema beschränken: Männer und Technik.</p><p>Männer können einfach nicht mit Technik umgehen. Man muss das einmal so klar und deutlich aussprechen. Sobald sie ein neues Gerät, eine neue Software oder irgendeine andere technologische Weiterentwicklung zwischen die Finger bekommen, folgt eines wie das Amen im Gebet: Die Technik wird missbraucht. Und zwar dafür, Frauen in irgendeiner Weise herabzusetzen, auszubeuten oder - im schlimmsten Fall - ihnen Gewalt anzutun. Jüngstes Beispiel: Metas Smart Glasses.</p><p>Die Brillen können Fotos, Videos und Audio aufnehmen. Sie sehen aus wie normale Sonnenbrillen, ein Modell entstand in Kooperation mit Ray Ban und ist von herkömmlichen Brillen kaum unterscheidbar. Kurz nachdem sie auf den Markt gekommen waren, machten die Smart Glasses auch schon negative Schlagzeilen. Und zwar deshalb, weil reihenweise Männer sie dazu benutzen, Frauen ohne deren Wissen aufzunehmen, auszuspionieren und online zu stellen. Oft erfolgt das aus bewusst sexualisierten Perspektiven, in intimen Momenten oder wird zumindest so inszeniert. <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000335422/kultur-der-belaestigung-studie-zeigt-wie-meta-brillen-gegen-frauen-eingesetzt-werden">Social Media ist mittlerweile voll</a> von Influencer-Content, der mit diesen Gadgets erstellt wird. </p><p>Der missbräuchliche “Trend” hat so schnell und stark um sich gegriffen, dass die Kamerabrillen von vielen nur noch als <a href="https://www.theguardian.com/technology/2026/aug/09/i-kept-catching-people-giving-me-dirty-looks-the-backlash-against-meta-smart-glasses">“Pervert Glasses” (Perverslingbrillen)</a> bezeichnet werden. Teilweise wird sogar schon über Verbote der Geräte diskutiert. Für Meta und sein Image auch nicht gerade zuträglich, aber das ist eine andere Geschichte. </p><p><strong>Sexismus überall</strong></p><p>Die Brillen sind kein Einzelfall. Sehen wir uns an, was den Männern (not all! not all!) noch so einfällt: Upskirting zum Beispiel. Dabei wird Frauen mit Mini- oder Smartphonekameras heimlich unter den Rock gefilmt. Dominique Pelicot etwa wurde überhaupt erst dadurch polizeibekannt. Deepfake-Pornografie, ebenfalls sehr beliebt. Da wird KI dafür eingesetzt, das Gesicht einer Frau in sexualisierte Fotos oder Videos einzubauen. Wir erinnern uns an den Fall von Collien Fernandes. Und der war nur die Spitze eines riesigen Eisbergs. Technologisch unterstütztes Stalking. Ein gern genutztes Mittel von Männern, um Ex-Partnerinnen beispielsweise via AirTags oder Standorteinstellungen zu verfolgen. </p><p>Künstliche Intelligenz bietet generell ein ganz neues Spielfeld für Missbrauch und Gewalt. Sehr beliebt sind mittlerweile auch eigens programmierte Apps zur kinderleichten Erstellung von pornografischen Deepfakes. Viele davon funktionieren überhaupt nur mit weiblich gelesenem Foto- oder Videomaterial. Sexismus by design sozusagen. </p><p>Manche Männer verwenden KI auch dafür, ihre Partnerinnen im eigenen Zuhause zu überwachen und zu kontrollieren. So werden beispielsweise Smart Home-Systeme dazu benutzt, nachzuverfolgen, wo sich die Frauen befinden, wann sie nach Hause kommen oder ihren Standort wechseln. In solchen Fällen stehen am Ende oft auch körperliche Übergriffe. </p><p><strong>Bots und Netzwerke</strong></p><p>Digitale Gewalt ist inzwischen so umfangreich und alltäglich, dass sie fast schon zur Normalität zählt. Es gibt riesige Vergewaltigernetzwerke im Internet, teilweise mit zigtausenden Usern. Wie umfangreich diese Plattformen und Aktivitäten sind, wurde eigentlich auch erst durch den Fall Pelicot einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Inzwischen kamen Vorkommnisse aus vielen verschiedenen Ländern ans Licht, die zeigen: es handelt sich nicht um ein paar wenige Einzelfälle. Nein, wir haben es hier mit breitflächigen Problemen zu tun. </p><p>Bots werden programmiert, um Frauen online zu belästigen und zu beschimpfen. Über sogenannte Sextortion werden Frauen anhand intimer Bilder oder gefakter intimer Bilder unter Druck gesetzt und erpresst. Und das Versenden von Dickpics zählt in manchen männlichen Kreisen offenbar ohnehin zum “guten Ton”. Ich erspare hier allen das jüngste Beispiel aus der österreichischen Medienszene. </p><p><strong>Von Männern gemacht</strong></p><p>Letzten Endes muss man natürlich auch hinterfragen, wie Technik überhaupt entsteht. Denn dieses Feld ist nach wie vor stark männlich besetzt. Leichte Anflüge von Diversity-Programmen in den großen Tech-Konzernen wurden in jüngerer Vergangenheit im Fahrwasser von Trump und Co wieder zurückgenommen. Genderbias ist ein allgegenwärtiges Thema bei der Entwicklung von Software und KI. Zu großen Teilen wird also leider auch im Jahr 2026 Technik von Männern für Männer gemacht. Und so erklärt sich schon allein aus der Art der Entstehung zumindest ein Teil der späteren missbräuchlichen Verwendung.</p><p>Es wäre dringend notwendig, Frauen, aber auch queeren Menschen, Personen mit Behinderungen und Minderheiten in der Bevölkerung mehr Gewicht bei der Entwicklung von neuen Technologien zu geben. Fortschritt ist kein Fortschritt, wenn er nur auf einzelne (weiß männliche) Personengruppen abzielt. Technologie bringt uns nur dann weiter, wenn auch ihre sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen mitbedacht und sie entsprechend um- und eingesetzt wird.</p><p>Und eine grundsätzliche Frage steht über all dem: Wieso machen diese Dinge eigentlich (zum überwältigend größten Teil) nur Männer? Wieso geht all dieser Missbrauch, diese Abwertung von Männern aus? Frauen kommen erst gar nicht auf solche Ideen. Ich hätte da natürlich auch ein paar Antworten. Aber, wenn ich mir etwas wünschen kann: Bitte, männliche Mitmenschen, denkt darüber doch einmal selbstständig nach. Über euch, aber auch über das Verhalten eurer Geschlechtsgenossen.</p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir entwickeln uns weiter!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><em>One more thing: Den Keine Frauen-Podcast, der kürzlich als Co-Projekt dieses Newsletters gestartet ist, könnt ihr </em><a href="https://keine-frauen.simplecast.com/"><em>hier abonnieren</em></a><em>.</em><br/><br/><br/><br/></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 20 Aug 2026 05:46:03 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Podcast-Spezial #1 - Die Intelligenz der Tiere]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Heute gibt es eine Premiere! Für alle, die auf den klassischen Keine Frauen-Newsletter gewartet haben, enthüllt sich nun eine kleine Überraschung.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Heute feiern wir hier eine Premiere! Keine Frauen gibt es ab sofort auch zum Hören als Podcast. Und zwar jeweils<strong> am zweiten Donnerstag im Monat</strong>. </p><p>Im <strong>Keine Frauen-Podcast</strong> spreche ich mit spannenden Wissenschaftlerinnen, Gründerinnen und Vertreterinnen der Techszene über ihre Berufe, ihre Forschung und natürlich auch über Feminismus. Er soll eine Bühne sein für all jene Frauen, die oftmals untergehen, weil sie in Bereichen tätig sind, von denen es bis heute heißt: “Da gibt es keine Frauen.”</p><p>Dieser ewige Satz und die ewige Entschuldigung, wenn wieder einmal ein All-Male-Panel veranstaltet, die immer gleichen männlichen Experten ins Fernsehen eingeladen oder als Koryphäen präsentiert werden - damit ist nun Schluss. Denn natürlich gibt es Frauen, man muss sich nur für sie und ihre Leistungen interessieren. </p><p>Deshalb hoffe ich sehr, dass meine treuen Leser:innen hier auch zu treuen Hörer:innen werden. In Zukunft gibt es drei Mal den bekannten Newsletter wie bisher und ein Mal ein Podcast-Spezial pro Monat.</p><p>Gehört werden kann der <strong>Keine Frauen-Podcast</strong> direkt hier, auf seiner Homebase <a href="https://keine-frauen.simplecast.com/">bei Simplecast</a>, oder gerne auch auf allen anderen gängigen Plattformen (Von Spotify bis Apple). Wie immer freue ich mich über Weiterempfehlungen und weil es diesmal ein “erstes Mal” ist, möchte ich mich auch bei meinen Produktionspartnern von Missing Link* bedanken. In Zukunft fasse ich mich in den Podcast-Spezials in der Einleitung dann kürzer und man kann direkt loshören. </p><p>Und jetzt kommen wir hier endlich zur ersten Folge.</p><p><strong>#1 Die Intelligenz der Tiere - mit Alice Auersperg </strong></p><p>Alice Auersperg ist Kognitionsbiologin und Gründerin sowie Leiterin des Goffin-Labs am Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Sie hat sich auf die Forschung zur Intelligenz von Vögeln spezialisiert und war zuletzt im medialen Scheinweferlicht rund um den Fall der <a href="https://science.orf.at/stories/3233808/">klugen Kärntner Kuh Veronika</a>, die sich selbst beigebracht hat, sich mit einem Besen zu kratzen.</p><a href="https://keine-frauen.simplecast.com/episodes/1-die-intelligenz-der-tiere-mit-alice-auersperg-lvUqVdwn">https://keine-frauen.simplecast.com/episodes/1-die-intelligenz-der-tiere-mit-alice-auersperg-lvUqVdwn</a><p>Im Podcast-Gespräch erzählt die Verhaltensforscherin, wie sie ihre Leidenschaft für Kakadus entdeckte und was diese Vogelart so besonders macht. Wir lernen Fridolin kennen, der sich mit einer außergewöhnlichen Fähigkeit einen Namen gemacht hat und gehen der Frage nach, wie und ob man Intelligenz überhaupt definieren kann. Dabei stößt man nämlich auf Erstaunliches: Manche Tiere sind in ihrem Erfindergeist &quot;besser&quot; als Kinder bis zu acht Jahren - woran das liegen kann, auch dazu hat Auersperg spannende Thesen zu berichten. </p><p>Die Forscherin, die auch ein Buch über die Intelligenz von Tieren geschrieben hat, gibt außerdem Einblicke in ihr Wissenschaftsgebiet und mit welchen Herausforderungen Frauen dort konfrontiert sind. Spoiler vorweg: Vieles habe sich bereits gebessert. Was sie trotzdem jungen Berufseinsteigerinnen mit auf den Weg geben will, auch darüber spricht Alice Auersperg in dieser ersten Episode von Keine Frauen. Wer das Buch von Alice Auersperg lesen möchte, <a href="https://www.brandstaetterverlag.com/buch/der-erfindergeist-der-tiere/">findet es hier</a>. </p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Viel Vergnügen beim Zuhören!</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p></p><p>*<em>Alle weiteren spannenden Podcasts aus dem Hause Missing Link </em><a href="https://missing-link.media/podcaster/"><em>findet man hier</em></a><em>.</em></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 13 Aug 2026 05:43:29 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#18 Alte Männer und problematisches Datingverhalten]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Ich habe eine Frage: Als wie “gesund” kann man es einstufen, wenn ein 58-jähriger Musiker mit einer 16-jährigen Frau (eigentlich Mädchen) liiert ist?…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Ich habe eine Frage: Als wie “gesund” kann man es einstufen, wenn ein 58-jähriger Musiker mit einer 16-jährigen Frau (eigentlich Mädchen) liiert ist? Ich würde sagen: nicht besonders. Auch wenn sich dieses Szenario gerade noch so an der Legalitätsgrenze bewegt, darf man hier guten Gewissens Einwände äußern. Mir kam genau ein solcher Fall vor einigen Tagen im Zuge einer Austropop-Debatte unter, er liegt eigentlich schon ein paar Jahre zurück. Ich war ein bisschen angewidert, als ich davon erfuhr. Überrascht war ich allerdings nicht.</p><p>Es ist ein weit verbreitetes Phänomen, dass sich Männer fortgeschrittenen Alters deutlich jüngere Partnerinnen suchen. Und mit deutlich jünger meine ich kaum volljährig, oft eben noch im Teenageralter. Man denke etwa an die Kontroverse rund um Konstantin Wecker, der mit über 60 Jahren eine <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000297228/konstantin-wecker-nicht-ueberraschend-die-richtigen-worte-fehlen-trotzdem">Beziehung mit einer damals 15-Jährigen</a> einging. Da kann man noch so viel von “einvernehmlich” sprechen, solche Partnerschaften sind niemals in Ordnung. Sie fußen vor allem auf einem extremen Machtgefälle. </p><p><strong>Nicht romantisch</strong></p><p>Besonders beliebt sind solche ungleichen Beziehungen bei prominenten Männern - Musikern, Künstlern, Schauspielern. Sie profitieren von ihrem Bekanntheitsgrad und nutzen offenbar gerne die Gelegenheit, sich unter sehr jungen weiblichen Fans umzuschauen, wenn es um die Partnerinnenwahl geht. Das Machtgefälle besteht also gleich auf mehreren Ebenen: Der öffentlich bekannte, in der Regel finanzkräftige, ältere Mann auf der einen Seite, das Fan-Mädchen, bestenfalls Berufseinsteigerin und sehr jung auf der anderen Seite. </p><p>So eine “Beziehung” kann niemals auf Augenhöhe stattfinden, selbst wenn beide Seiten betonen, alles sei freiwillig und Friede, Freude, Eierkuchen. Die Verantwortung tragen hier ganz klar die älteren Männer, die ihren Status (und ihr Geld) ausnutzen. Und in manchen Fällen stößt man tatsächlich auf Missbrauch, werden auch die legalen Grenzen über- bzw. unterschritten. </p><p>Immer wenn solche problematischen Partnerschaften dann öffentlich bekannt werden und kritische Debatten entstehen, hört man blumige Rechtfertigungen der Männer: Es handle sich doch um “die große Liebe”, um eine “tiefe Verbindung”, ja gar um eine “Seelenverwandtschaft”. Sie romantisieren ihr eigenes toxisches Verhalten und das Ausnutzen von Privilegien. Meistens schlägt sich das auch in ihrer Arbeit nieder. Musik, Literatur und Film sind voll von unterlegenen Frauenfiguren und romantisch verklärtem Machtmissbrauch - immer dargestellt durch den männlichen Blick. Das Werk vom Künstler trennen? Die Erfahrung lehrt: In den meisten Fällen kann man sich diese Mühe gerne sparen.</p><p><strong>Stolz drauf</strong></p><p>Dass an dem Verhalten, als 50-plus-jähriger Mann eine unter 20-Jährige anzuflirten, etwas nicht ganz in Ordnung sein könnte, darauf kommen die meisten dieser Promis gar nicht. Schauspieler Leonardo DiCaprio zum Beispiel fand nichts dabei, jahrelang nur Frauen bis maximal 25 Jahre zu daten. Eine ganze Reihe seiner Beziehungen endete, sobald die Partnerinnen diese “magische Schwelle” erreichten. Mittlerweile akzeptiert er offenbar sogar eine 28-Jährige. Da muss man direkt froh sein. </p><p>Eine öffentliche Kontroverse gab es auch rund um den <a href="https://www.theguardian.com/music/2022/aug/28/arcade-fire-frontman-win-butler-accused-of-sexual-misconduct">Arcade-Fire-Frontman Win Butler</a>. Vor ein paar Jahren gingen mehrere junge Frauen (Fans) damit an die Öffentlichkeit, dass er sie über längere Zeiträume sexuell belästigt haben und missbräuchliche Beziehungen eingegangen sein soll. Butler nutzte ebenfalls seinen Status als Prominenter aus. Einge der Kontakte knüpfte er Berichten zufolge über den offiziellen Instagram-Account der Band. </p><p>Unsere Gesellschaft neigt nach wie vor dazu, das problematische Verhalten, oft auch das  - juristisch definiert - missbräuchliche Verhalten solcher Männer zu entschuldigen oder bereitwillig zu vergessen. Aber wir sollten es nicht als Lapalie abtun, wie hier Machtpositionen ausgenutzt werden. Die betroffenen (jungen) Frauen leiden oft noch Jahre später, nachdem sie diese ungleichen Beziehungen verlassen haben, unter den Folgen. Viele wagen sich gar nicht oder erst spät damit an die Öffentlichkeit, wenn Übergriffe geschehen. </p><p><strong>Partnerschaftlichkeit </strong></p><p>Es ist grundsätzlich nichts gegen (größere) Altersunterschiede einzuwenden. Menschen sollen frei darin sein, ihre Beziehungen zu gestalten und zu wählen, wie sie möchten. Partnerschaftlichkeit erfordert jedoch ein gewisses Maß an fairen Verhältnissen, an gleichberechtigten Voraussetzungen. Als 60-Jähriger ein Teenager-Mädchen anzugraben, zählt da definitiv nicht dazu. Auch nicht, wenn man als Prominenter seinen Status, Geld und Bekanntheit dazu benutzt, extrem junge Frauen zu solchen Verhältnissen zu ermutigen.</p><p>Wir dürfen uns auch fragen, was mit diesem Datingverhalten eigentlich kompensiert werden soll. Sind diese Männer nicht fähig, sich auf eine Partnerschaft mit einer Frau einzulassen, die ihnen auf Augenhöhe begegnet? Geht es wirklich um Liebe, oder vielleicht doch darum, Macht auszuüben, zu dominieren und sich mit Jugendlichkeit zu schmücken, die man selbst längst verloren hat? </p><p>Ich überlasse die Antworten darauf gerne den Überlegungen meiner Leser:innen. Eines gebe ich aber noch mit: Die Fälle, in denen Frauen jenseits der 50 Teenager-Jungen daten und derlei vielleicht auch noch öffentlich zelebrieren, sind eher rar. </p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir begegnen uns auf Augenhöhe!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><br/></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 06 Aug 2026 05:54:48 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[#17 Wer hat Angst vor Feminismus?]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen,  Ich muss ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern.* Denn ich möchte von einem sonderbaren Phänomen berichten, das mir im Laufe meines Lebens, speziell…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen, </p><p>Ich muss ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern.* Denn ich möchte von einem sonderbaren Phänomen berichten, das mir im Laufe meines Lebens, beruflich und privat, immer wieder begegnet ist und weiterhin begegnet. </p><p>Das Phänomen läuft so: Ich spreche mit jemandem über Gleichstellung, Gewalt, Missbrauch, Diversität, Fairness, diesdas. Viele Menschen pflichten mir in der Regel bei - jaja, da hätte ich schon recht, das wäre ganz schlimm, jenes ein Unding und weiteres müsse sich unbedingt ändern. Im zweiten Schritt geht es dann oft darum, was konkret zu tun wäre, wo man laut sein muss, was man thematisieren und wo man sich klar positionieren sollte. Genau da beginnt es zu bröckeln: OK, heißt es, aber zu offensiv dürfe man das nicht fordern. Negatives will auch niemand hören, und bitte um Himmels willen, pass auf, dass du gewisse Leute (Männer) nicht verschreckst. Vor allem aber: Sag bloß nicht Feminismus dazu!</p><p>Auch auf dem Weg zu diesem Newsletter-Format habe ich mitunter solche Unterhaltungen durchlebt. Wenn man zum Beispiel in der Medienbranche mit einer feministischen Idee ein paar Runden zieht, wird zuerst immer liebevoll genickt. Wirklich veröffentlichen wollen die meisten eine solche Stimme dann aber doch nicht. Da werden Ressourcen für etwas anderes plötzlich dringender gebraucht, da kommen Bedenken auf, man könnte zu “radikal” rüberkommen. Oder es wird erklärt, das Thema sei zu “nischig”. </p><p><strong>Radikal? </strong></p><p>Ich wundere mich schon ein wenig, was von wem als akzeptabel und sagbar eingestuft wird und wo man sich schnell wieder abwendet. Die Linien, die da verlaufen, scheinen mir etwas verschoben. Während wir in deutschen öffentlich-rechtlichen TV-Sendern Schenkelklopfer-Pointen zu Femiziden präsentiert bekommen, aufmerksamkeitsbedürftige Medien-Manager Wohlfühl-Interviews mit Autokraten führen und die allgemeine mediale Fläche in Bereichen wie Politik und Wirtschaft zu <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000329688/frauen-in-medien-sichtbar-als-model-unsichtbar-in-machtpositionen">80 Prozent plus männlich dominiert</a> ist, werden beim Thema Feminismus plötzlich alle ganz zögerlich. </p><p>Na, da muss man wirklich aufpassen. Eine Frau, die sagt, wo es mit der Gleichberechtigung hapert, die laut darüber spricht, dass massenhaft Männer ihre Partnerinnen betäuben und vergewaltigen, die einfordert, dass alle Menschen (Frauen zählen da auch dazu, falls jemand das nicht wusste) gleiches Geld für gleiche Arbeit erhalten - das gilt dann als radikal. Das lässt sich doch nicht vermarkten. Da will man nicht so direkt anstreifen. Vorsicht. Sei vorsichtig, sonst verscherzt du es dir noch mit allen. </p><p><strong>Nischig?</strong></p><p>Zu spezifisch sei dieser Feminismus. Überhaupt, wenn man andere von der Idee der Gleichstellung überzeugen wolle, dann müsse man “breiter” denken, “anders framen”, “verdaulich verpacken”. Entschuldigung, aber die Hälfte der Menschheit sind Frauen, die andere Hälfte profitiert von einer gleichberechtigten Gesellschaft übrigens ebenso. Das Patriarchat tut auch den meisten Männern nicht gut - selbst wenn vielen das vielleicht nicht bewusst ist. Tatsächlich sind nur einige wenige Menschen wirkliche Gewinner:innen in diesem System.</p><p>Ständig soll man als Frau in Diskussionen “Rücksicht nehmen”, bloß nicht alle Männer in einen Topf werfen, bloß immer alle fragilen Egos bedenken. Nicht zu laut sein, nicht so viel fordern, wo sich doch ohnehin vieles gebessert hat. Was wollt ihr noch, ihr habt doch schon das Wahlrecht und dürft ein eigenes Konto eröffnen! Sogar alleine leben können Frauen, nun ist es aber mal gut. Natürlich bekenne man sich zum Fortschritt. Aber feministisch, pfui, das klingt vielen doch zu “übertrieben”.</p><p><strong>Nichts geschenkt</strong></p><p>Dazu möchte ich kurz klarstellen: Ohne Feminismus, ohne die mühevolle und mutige Arbeit so vieler kämpferischer Frauen hätten wir gar nichts: Wir dürften eben nicht wählen, wir müssten Männer um Erlaubnis fragen, ob wir einen Job annehmen können und es wäre nach wie vor legal, wenn Ehepartner Frauen vergewaltigen. Jedes Recht, jeden Fortschritt für Frauen haben Feministinnen erkämpft - auch für jene übrigens, die heute meinen, sich davon “distanzieren” zu müssen. Männer geben ihre Macht nicht freiwillig ab, niemand hat Frauen irgendetwas geschenkt. </p><p>Es sind übrigens auch Feministinnen, die dafür kämpfen, dass Männer aus ungesunden Rollenklischees herauskommen. Dass sie liebevolle soziale Beziehungen lernen, dass sie unbeschämt weinen können. Dass sie sich um ihre psychische Gesundheit kümmern und um ihre Kinder sorgen können, ohne dafür schief angeschaut zu werden. </p><p>Feministinnen hassen nicht Männer. Sie hassen es, unterdrückt, missbraucht und getötet zu werden. Wenn das zu radikal ist, bin ich gerne radikal. Wenn man das nicht laut hinausschreien soll, werde ich erst recht noch lauter sein. Wenn ein Mann meint, es verletze seine Gefühle, weil man ihm kein “Not all” auf dem Silbertablett serviert, dann werde ich weiterhin lange Listen aufzählen, womit Frauen verletzt werden - und zwar nicht nur “in ihren Gefühlen”. </p><p><strong>Kein Schimpfwort</strong></p><p>Feminismus ist kein Schimpfwort, auch wenn das offenbar in manchen Köpfen noch immer so abgespeichert ist. Feminismus ist das genaue Gegenteil davon. Feminismus macht das Leben für uns alle besser - außer vielleicht für ein paar überprivilegierte Machtmänner. Außer für jene, die ihr Leben und ihren Erfolg auf Ausbeutung und Unterdrückung, oder letzten Endes auf Gewalt aufbauen. Ja, für die macht er tatsächlich nichts besser. Für die ist er eine Gefahr. </p><p>Also frage ich ganz nüchtern: Wer hat eigentlich Angst vor Feminismus?</p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir kämpfen mit erhobenem Haupt!</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><br/>*<em>Eine schöne Redewendung übrigens, mit einer durchaus feministischen Geschichte. Sie entstand daraus, dass Frauen in kleinen Kästchen neben ihrem Nähzeug auch persönliche Dinge aufbewahrten bzw. versteckten - also etwa Liebesbriefe oder Gegenstände, die Männer ihnen eventuell nicht gönnten. Zudem tauschten die Frauen beim Nähen untereinander ihre Geheimnisse aus.</em></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 30 Jul 2026 05:55:38 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[#16 Die Männer von vorgestern]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Ich starte diese Newsletter-Ausgabe mit einer Preisfrage - bei der es nichts zu gewinnen gibt: Was ist privilegiert, unreflektiert und…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Ich starte diese Newsletter-Ausgabe mit einer Preisfrage - bei der es nichts zu gewinnen gibt: Was ist privilegiert, unreflektiert und beratungsresistent, kann Fehler nicht eingestehen, verwechselt Übergriffigkeit mit Humor und leidet unter der ständigen Angst vor Machtverlust? Genau, es ist ein AWM. Ein alter weißer Mann. Und diese spezielle Kategorie der männlichen Mitmenschen - die sich nicht immer zwingend am Alter festmachen lässt - feiert dieser Tage wieder mal ganz besondere Festspiele. </p><p>Eigentlich mag man gar nicht richtig glauben, dass es im Jahr 2026 noch immer so zugeht. Aber da sind wir nun und lesen: Der Wiener Marktamt-Chef soll sich jahrelang <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000331815/wiener-marktamt-chef-kutheil-tritt-nach-vorwuerfen-zurueck">misogyn und rassistisch geäußert und Mitarbeiter:innen gemobbt haben</a> (mittlerweile ist er zurückgetreten). In der <a href="https://orf.at/stories/3436809/">Wiener Wirtschaftskammer</a> soll der Oberboss ebenso mit frauenfeindlichen Aussagen aufgefallen sein, sich generell abfällig über andere geäußert und zur Postenschacherei geneigt haben (er möchte erstmal nicht zurücktreten). Ein deutscher Comedian glaubt, dass es witzig ist, Femizide für Pointen heranzuziehen, und will dann <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000329021/dieter-nuhr-verlangt-loeschung-eines-kommentars-und-droht-dem-standard-mit-klage">jene klagen</a>, die ihn dafür kritisieren. Und in den USA rückt der Verteidigungsminister aus und will den <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000331773/im-pentagon-regiert-der-gender-wahn">Testosteronstatus der Streitkräfte</a> überprüfen. Was kommt als Nächstes - das Einüben von Urschreien? Ugga-ugga?</p><p>Das Gebaren solcher Männer ist derart antiquiert und teilweise so bizarr, dass man sich in einer satirischen Parallelwelt gefangen wähnt. Doch wie wir leider wissen, sind Realität und Satire oft nicht voneinander unterscheidbar. Ganz gleich, welche Fortschritte wir in den vergangenen Jahrzehnten gemacht haben, viele Machtpositionen, Entscheidungsebenen und öffentlich exponierte Funktionen sind nach wie vor fest in der Hand dieser AWM. </p><p><strong>Hartnäckiges Mindset</strong></p><p>Nach außen hin wird von vielen gerne so getan, als gebe es kein Problem mehr mit Sexismus, als würden Ungleichbehandlungen längst der Vergangenheit angehören. “Offene Firmenkultur” wird beschworen, man handle natürlich respektvoll und auf Augenhöhe. Fairness und Chancengleichheit seien “Teil unserer DNA”, kann man in Stellenanzeigen lesen oder Pressesprecher:innen sagen hören. Doch wer ein bisschen an der Oberfläche kratzt, wird sehen, dass sich hinter den schönen Worten häufig noch immer ein ziemlich hässliches Mindset verbirgt. Und das hält sich hartnäckig - ganz gleich, ob es sich um Unternehmen, Behörden oder politische Parteien handelt.</p><p>Gleichzeitig wird vielerorts bewusst wieder der gesellschaftliche Rückwärtsgang eingelegt. Backlash-Wellen durchziehen die Gesellschaft und bringen Frauen, aber auch unterschiedliche Minderheiten, immer stärker unter Druck. Ausgehend vom ach so fortschrittlichen Silicon Valley (<a href="https://steady.page/de/keine-frauen/posts/dc9460d7-8d45-4d9f-a2de-8f7a4583c5a5">hier habe ich darüber schon einmal ausführlich geschrieben</a>) wird Diversität zum Feindbild erklärt und an den Rechten von Frauen genagt. Zum Teil geschieht das mittlerweile ganz offen.</p><p>Diese reaktionäre patriarchale Gedankenwelt ist also keineswegs Geschichte. Sie beherrscht weiterhin weite Teile unserer Berufswelt, und auch des Privatlebens. Weiterhin halten die Herren der AWM-Riege ihre Reihen geschlossen. Sie schützen sich gegenseitig - egal, wie daneben sich jemand benommen hat. Sie mühen sich mit Kräften dazu ab, dass die “Kollegen” ihre gut bezahlten und mächtigen Positionen nicht verlieren. Sie betreiben Täter-Opfer-Umkehr und scheuen auch nicht davor zurück, jene mit allen Mitteln zu bekämpfen und zu bedrohen, die sich gegen die Missstände auflehnen. </p><p>Wer sich zuletzt bei mancher Schlagzeile wieder einmal gefragt hat “Wie kann das sein?”, findet genau darin eine Antwort: So kann es sein - indem übergriffige Männer weiterhin geschützt und gestützt werden, indem Männern automatisch mehr geglaubt wird (die Himpathy lässt grüßen), indem Sexismus, Rassismus und Mobbing noch immer als Kavaliersdelikte gelten und nicht als ernstzunehmendes Problem.</p><p><strong>Die gute Nachricht</strong></p><p>Obwohl das alles einigermaßen frustrierend klingt und man das Gefühl haben kann, wir kämen nicht vom Fleck - ganz so ist es glücklicherweise nicht. Die gute Nachricht nämlich lautet, dass wir immer öfter von dem inakzeptablen Verhalten betreffender Männer erfahren. Dass immer häufiger der Scheinwerfer und nicht mehr der Deckel darauf gehalten wird. Dass immer mehr Menschen den Mut finden, dagegen aufzustehen. </p><p>Es gibt zwar nach wie vor große Schwierigkeiten zu überwinden. Viele, die den Schritt wagen und Grenzüberschreitungen aufzeigen, brauchen dafür sehr viel Kraft und müssen mit massiven Widerständen rechnen. Aber die Hoffnung lebt, dass es sich letzten Endes auszahlt. Dass nicht mehr einfach alles durchgeht, dass jene, die den toxischen Männern die Mauer machen, weniger werden. Und dass gleichzeitig immer mehr Menschen begreifen, warum man solches Verhalten nicht einfach schweigend tolerieren darf. Denn am Ende profitiert von den vorgestrigen Männern niemand - außer die Männer von vorgestern. </p><p>Ich bin überzeugt, dass ein wertschätzender Umgang ohne übergriffige, aggressive oder sexistische Ausfälle zwischen Menschen möglich ist. Ich bin außerdem überzeugt, dass man sich das erwarten darf und nicht mit weniger zufrieden geben muss. Fehlverhalten sollte sanktioniert und nicht akzeptiert werden. Niemand braucht darauf stolz zu sein. Denn es ist nicht egal, nicht cool und nicht erstrebenswert, andere zu verletzen, herabzuwürdigen oder zu beleidigen. Wir sollten aufhören, Männer dafür mit Macht und Geld zu “belohnen”. </p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir denken an morgen!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 23 Jul 2026 05:52:06 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#15 Die aggressive Beate]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Heute begeben wir uns kurz auf die kleinkabarettistische Bühne der österreichischen Innenpolitik. Aber keine Sorge, ich werde mich damit zurückhalten,…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Heute begeben wir uns kurz auf die kleinkabarettistische Bühne der österreichischen Innenpolitik. Aber keine Sorge, ich werde mich damit zurückhalten, parteipolitische Grabenkämpfe zu durchleuchten. Das können andere besser - oder zumindest machen sie das lieber. Trotzdem muss ich den Anlassfall ein wenig umreißen: Man hat es die vergangenen Tage wohl mitbekommen, bei der liberalen Partei NEOS gab es Stunk. Mitgründer Veit Dengler wurde nach einem Vertrauensbruch - <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000331281/neos-chefin-meinl-reisinger-bedauert-vertrauensbruch-denglers">so die Begründung</a> - aus Partei und Parlamentsklub ausgeschlossen. </p><p>Wenige Stunden nach dem Bruch meldete sich der verstoßene Abgeordnete medial auf mehreren Kanälen zu Wort. Und hier beginnt mein eigentliches Thema in der Causa. Ich hörte in die rund <a href="https://open.spotify.com/episode/06IjKMdCyZgm4BqcWQ2ppV?si=e2d324520c944d7d">25 Minuten Podcast</a> bei dem geschätzten Kollegen Georg Renner hinein, in denen Dengler seine Version der Geschehnisse darlegt. Ich blieb aber weniger inhaltlich als an seinen Wordings hängen. Dabei sticht nämlich eines hervor: Wie er Parteichefin Beate Meinl-Reisinger und ihr Verhalten beschreibt. Da fallen mehrfach Worte wie “aggressiv” oder es wird sehr persönlich - “Beate mochte mich nie”. Interessanterweise wird kein einziger Mann aus der am Ausschluss beteiligten Führungsriege mit derlei Adjektiven bedacht. </p><p>“Beate tut sich schwer mit führungsstarken Persönlichkeiten”, erklärt Dengler. Doch auf sich selbst bezogen urteilt der Ex-NEOS-Mann natürlich anders: Als er auf ein Streitgespräch aus der Vergangenheit zu sprechen kommt, das wohl er initiiert hatte, bezeichnet er sein eigenes Auftreten als “robustes Gespräch geführt”. Na, das klingt ja gleich viel besser als “aggressiv”. </p><p><strong>Unterschiedliche Bewertungen</strong></p><p>Denglers Resümee: Meinl-Reisinger sei führungsschwach. Und Führungsschwäche wird der NEOS-Parteichefin auch sogleich von <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000331073/rauswurf-denglers-zeigt-fuehrungsschwaeche-von-neoschefin-meinl-reisinger">manch Zeitungskommentatoren</a> attestiert. Der Ausschluss des NEOS-Mitgründers sei der Beweis dafür. Aha. Interessanterweise soll also eine Politikerin, die Grenzen zieht und harte Entscheidungen trifft, fehlende Führungskraft aufweisen. Bei Männern wird exakt solches Vorgehen durchwegs gelobt und als Stärke, Machtbewusstsein und Durchsetzungsvermögen bewertet. Ich muss die Beispiele nicht aufzählen, möchte aber an einen gewissen Sebastian K. erinnern, dem man bis heute Blumen dafür streut, dass er sich in seiner Partei Blankoschecks zum alleinherrschaftlichen Durchgreifen ausstellen ließ. </p><p>Was sich aktuell rund um die österreichische Außenministerin abspielt, ist kein Einzelfall, nur ein weiterer Beweis: Frauen werden in der Politik (wie eigentlich überall) komplett anders bewertet als Männer. Das zieht sich durch wie ein roter Faden - von den Kollegen, über Medien bis hin zu Social-Media-Usern. (Im Sinne der Verhältnismäßigkeit lassen wir das Gendern hier weg.)</p><p><strong>Misogyne Welle</strong></p><p>Die Postings in Zeitungsforen und sozialen Medien (X hat hier wieder mal die Nase vorn) sind teilweise wirklich unterirdisch. Ich habe mir die Mühe gemacht und tagelang durchforstet, was nach dem Dengler-Rauswurf über Meinl-Reisinger gesagt wurde. Von der Empfehlung “gefälligst heim zu den Kindern” zu gehen bis hin zu sexualisierten Beschimpfungen ist alles dabei. Kein Politiker, egal, was er anstellt, wird mit solchen Formen von Hass konfrontiert. Und dabei will ich nicht behaupten, Männer würden nicht beschimpft. Klar, das werden sie genauso. Aber die Qualität und die Tonalität gegenüber Frauen ist eine völlig andere. </p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f3159b13-66cc-4f37-a044-5a74a93a17c2/uploads/images/ki6du7tlbb/Bildschirmfoto_2026-07-14_um_15.42.56.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Screenshot eines Online-Postings in einem Zeitungsforum</figcaption></figure><p>Vor allem aber wird Frauen de facto alles negativ ausgelegt. Hätte Meinl-Reisinger das Ausscheren von Dengler weiterhin geduldet, hätten wir in kürzester Zeit ebenfalls von ihrer “Führungsschwäche” gelesen. Dann wäre das genaue Gegenteil als Grund angeführt worden: Wieso lässt die Parteichefin sich das bieten? Man kann sich an dieser Stelle auch gerne eine Minute nehmen und an Ex-SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner erinnern - wie männliche Parteikollegen ihr das Leben schwer machten und was sie sich dafür anhören musste. </p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f3159b13-66cc-4f37-a044-5a74a93a17c2/uploads/images/rns6lgk73s/Bildschirmfoto_2026-07-14_um_15.35.40.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Screenshot eines Social-Media-Postings mit derber misogyner Sprache</figcaption></figure><p>Die gleichen Leute, die ab Minute eins und ohne genaue Kenntnis der NEOS-internen Vorgänge auf Meinl-Reisinger losgingen, bedachten Dengler übrigens mit Begriffen wie “streitbar”, “unbequem” und “Freigeist”. Durchwegs wohlwollende Beschreibungen für diesen “echten Liberalen”, der sich “was traut”.</p><p><strong>Gekränkte Egos</strong></p><p>Wie eingangs erwähnt, bin ich hier nicht ausgerückt, um die inhaltlichen Differenzen bei NEOS zu kommentieren. Genauso wenig sollen Frauen vor Kritik verschont bleiben - keinesfalls. Was man aber aufzeigen muss, ist die Art und Weise, in der diese Kritik ihren Niederschlag findet und wie anders es sich bei Männern verhält. Wie ungleich Charakterzüge und Verhalten bewertet werden. Und wie verschoben die Maßstäbe sind, die dabei angelegt werden.</p><p>Der Treppenwitz ist: Ständig wird versucht, Frauen zu emotionalisieren, sie werden (wie im aktuellen Fall) als “aggressiv”, gerne auch als hysterisch, jedenfalls aber als unfähig beschrieben. Persönliche Befindlichkeiten werden unterstellt. Dabei ist es genau anders rum. Es sind vor allem Männer mit gekränkten Egos, die mit ihrem Verhalten in der Öffentlichkeit auffallen. Die zu persönlichen Schlammschlachten ausreiten und sich in selbstüberschätzender Manier aus dem Fenster lehnen. </p><p>Ich will mir in der NEOS-Geschichte auch keine Bewertung im Sinne von “die Gute” und “der Böse” (oder umgekehrt) anmaßen. Dafür fehlt mir der tiefere Blick hinter die Kulissen. Öffentliche Entgleisungen auf persönlicher Ebene habe ich von Meinl-Reisinger zu der Causa bislang allerdings nicht wahrgenommen. Den Rest lasse ich an dieser Stelle frei - für eigene Gedanken.</p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir studieren unseren Charakter!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><br/><br/><br/></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 16 Jul 2026 05:52:43 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#14 Unsichtbar, verhasst und nackt]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Ich boykottiere diese Fußball-WM in den USA aus diversen Gründen. Das kann man im weltpolitischen Zusammenhang gerne nutzlos finden, meinem…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Ich boykottiere diese Fußball-WM in den USA aus diversen Gründen. Das kann man im weltpolitischen Zusammenhang gerne nutzlos finden, meinem persönlichen Seelenheil tut es gut. Und das ist ja auch etwas. Nichtsdestotrotz blieb ich unlängst ein paar Minuten auf Servus TV hängen, als gerade das Spiel Österreich gegen Spanien in der Halbzeit pausierte. Ein Studio voller Männer sprang mir vom Bildschirm entgegen. Frauen waren leider wieder mal aus. Auch 2026 gilt es immer noch als normal, dass offenbar nur ein Geschlecht befähigt sein soll, etwas Sinnvolles über Fußball zu sagen. </p><p>So dürften es jedenfalls viele empfinden, sieht man sich die Reaktionen auf die deutsche Fußball-Kommentatorin Claudia Neumann an. Seit Jahren wird sie mit Hass und Häme überschüttet und ihr jegliche Kompetenz in ihrem Beruf abgesprochen. Das kann man auch dieser Tage im Zuge des “WM-Fiebers” (ja, die Symptome ähneln einer Krankheit) wieder beobachten. “Aber sie ist halt einfach nicht gut”, entschuldigen viele die Hetzerei gegen Neumann. Fakt ist jedoch, dass kein männlicher Kommentator auf diese Weise beschimpft wird - egal welchen Unsinn er von sich gibt. Qualität und Intensität der Beleidigungen gestalten sich gegenüber Frauen tatsächlich in einer ganz anderen Dimension, meist gespickt mit sexualisierten Übergriffen.</p><p>Natürlich werden auch Männer online beflegelt oder geraten miteinander in Streit. Was sich Frauen gefallen lassen müssen, können sich die meisten Männer allerdings nicht einmal ausmalen. Das führt auch die geschätzte Kollegin <a href="https://steady.page/de/brodnig/posts">Ingrid Brodnig</a> in ihrem Buch “Feindbild Frau” anschaulich aus. Wenngleich es dort hauptsächlich um Politikerinnen geht, die Dynamik ist die gleiche.</p><p>Man bekommt den Eindruck, dass es vielen nach wie vor am liebsten wäre, Frauen würden in Medien und auf Social Media erst gar nicht den Mund aufmachen. Tun sie es doch, müssen sie von vornherein einkalkulieren, dass Unter- und Angriffe die Folge sein werden. Das kann je nach Plattform im Ausmaß variieren, die Gefahr besteht aber immer.</p><p><strong>Sei hübsch und schweig</strong></p><p>Gleichzeitig bestätigt sich in einer aktuellen Studie der Agentur Media Affairs erneut eine dramatische Schieflage in der medialen Repräsentation der Geschlechter. Noch immer kommen <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000329688/frauen-in-medien-sichtbar-als-model-unsichtbar-in-machtpositionen">Frauen deutlich seltener</a> vor als Männer. Vor allem in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Sport und Technik sind die Unterschiede extrem. Hier verschlechtert sich die Situation sogar wieder und Männer dominieren mit einer Sichtbarkeit um die 80 Prozent und mehr. Die Studie, die im Auftrag des Vereins FELIN (Female Leaders Initiative) durchgeführt wurde, bezieht sich zwar auf steirische Nachrichtenmedien, die Situation ist laut Studienleiterin Maria Pernegger jedoch auch österreichweit (und vermutlich darüber hinaus) nicht besser. </p><p>Dem gegenüber stehen einzelne Bereiche, in denen Frauen die Nase vorne haben und das macht die mediale Verzerrung gleich noch schlimmer. Überrepräsentiert sind sie nämlich nur dann, wenn sie besonders stereotype Klischees erfüllen: Als Pin-up, also nackt. Als Model. Als Schönheit. Und, was besonders bitter ist: als Opfer (womit sich der Kreis zu männlicher Gewalt ein weiteres Mal schließt). Das Muster ist klar: Schweig und sieh dabei hübsch aus. Machtpositionen, die mit Geld und Einfluss verbunden sind: Fehlanzeige. Darin werden Frauen noch immer kaum gesehen bzw. hergezeigt. </p><p>Ich muss zugeben, dass selbst mich die Ergebnisse negativ überrascht haben. Obwohl ich mich seit Jahren kritisch mit der Thematik befasse, hätte ich auf eine deutlichere Verbesserung gehofft. Medien bilden Realität ab bzw. sollten sie das. Und gleichzeitig wirken sie daran mit, gesellschaftliche Vorstellungen zu prägen. Entsprechend groß muss man auch ihre Verantwortung bewerten. Redaktionen, in denen noch immer das Gespür für Ausgewogenheit fehlt, müssen sich also den Vorwurf gefallen lassen, entweder naiv gedankenlos oder mutwillig rückschrittlich zu agieren. Entschuldbar ist keines der beiden Szenarios. </p><p><strong>Männer in Machtpositionen</strong></p><p>Verwunderlich ist es allerdings leider auch nicht, wenn man sich ansieht, wie die meisten Medienhäuser geführt werden. In den Geschäftsführungen österreichischer Medien findet man Frauen nur, wenn man mit der Lupe und bei gutem Tageslicht sucht. In den Chefredaktionen ist die Situation ein wenig besser, aber weit entfernt von berauschend. Parallel gibt es weltweit Backlash-Wellen. In großen Techkonzernen, die die gängigsten Social-Media-Plattformen betreiben, werden Diversity-Budgets gekürzt oder ganz abgeschafft. </p><p>All das geschieht nicht zufällig. Reaktionäre Kräfte tragen ihre ideologischen Kulturkämpfe aus, um die öffentliche Meinung zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Gendern wird zum Todfeind erklärt und teils sogar verboten. Jegliche Rücksichtnahme auf Minderheiten oder Geschlechterparität wird ins Lächerliche gezogen oder aktiv bekämpft. In dieser Gemengelage geraten Frauen erneut ins Kreuzfeuer und müssen darum fürchten, erlangte Rechte und Freiheiten wieder zu verlieren. </p><p><strong>Kein Zurück mehr</strong></p><p>Das Gute aber ist: Frauen lassen sich nicht einfach so unterkriegen und geben sich nicht mehr mit Brotkrümeln zufrieden. Sie wehren sich und widersetzen sich. Mögen bestimmte Kreise noch so hart daran arbeiten, gut die Hälfte der Menschheit aus der Öffentlichkeit zu verdrängen, sie unsichtbar und stumm zu machen - der Plan wird nicht aufgehen. Auch wenn der ewige Kampf um Gleichberechtigung ermüdend ist und Rückschläge frustrierend sind: Die Zeit wird nicht mehr zurückgedreht. Der Finger wird jetzt in die Wunde gelegt. Die Missstände werden benannt.</p><p>Frauen schweigen nicht mehr, sie sind laut, sie gehen Risiken ein und sie beweisen sich Tag für Tag in jedem Beruf, in jeder Position und in jeder Aufgabe. Sie kommentieren Fußball, weil sie es können. Sie werden Bundeskanzlerin, weil sie es können. Sie fliegen ins All, weil sie es können. Wenn man sie kleinhalten will, dann werden sie dagegen aufstehen - weil es notwendig ist. </p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir dominieren die Schlagzeilen!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 09 Jul 2026 05:35:30 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#13 Die Verwechslung von Beziehung und Besitz]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Seit Wochen verschiebe ich hier ein anderes Thema, über das ich eigentlich schreiben will. Der Grund: Kaum verfasse ich drei Zeilen, geschieht schon…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Seit Wochen verschiebe ich hier ein anderes Thema, über das ich eigentlich schreiben will. Der Grund: Kaum verfasse ich drei Zeilen, geschieht schon wieder die nächste männliche Gewalttat. Und ich zerlege erneut Statistiken, Studien und Strukturen. Auch in den vergangenen Tagen sorgten gewalttätige Männer wieder für grauenhafte Schlagzeilen in Deutschland und Österreich. Einer <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000329271/mehrere-tote-nach-schuessen-in-stade-in-n">tötete im Zuge eines Sorgerechtsstreits gleich 6 Menschen</a> in einer Betreuungseinrichtung, ein anderer ging mit der Axt auf seine Ex-Partnerin und deren neuen Freund los - <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000329352/27-jaehriger-verletzte-ex-partnerin-in-kaernten-schwer-und-toetete-deren-neuen-freund">sie ist schwer verletzt, der neue Freund ist tot</a>. Wieder ein anderer würgte, schlug und ging mit dem Messer <a href="https://wien.orf.at/stories/3360679/">auf seine Ex-Partnerin los</a>. Es ist eine endlose Liste an Gewalt, die jeden Tag fortgesetzt wird. Die Zahlen und das Ausmaß sind bekannt, ich nenne sie hier in ermüdender Regelmäßigkeit.</p><p>Die Frage ist also, was läuft da eigentlich schief? Und dabei gibt es einen Aspekt, der bei der aktuen Aufregung, dem Entsetzen vor dem “Einzelfall” und der Bestürzung über dieses oder jenes “Monster” oft unbeachtet bleibt: Viele Männer sind grundlegend beziehungsunfähig. Sie verwechseln eine Partnerschaft mit Besitz und sehen in Frauen kein ebenbürtiges Gegenüber, sondern Eigentum, auf das sie uneingeschränkten Anspruch erheben. </p><p>Einem guten Teil solcher Männer ist dieser Umstand wahrscheinlich nicht einmal bewusst. Das patriarchale Gesellschaftssystem, in dem wir alle sozialisiert und geprägt werden, stellt das männliche Geschlecht auf ein Podest an “erster Stelle” und leitet alles andere, also auch die Wertigkeit der Frau davon ab. Simone de Beauvoir hat diese Strukturen in “Das andere Geschlecht” schon 1949 detailliert beschrieben. Und schon sie kam zum Schluss: Männer wollen sich eigentlich nicht binden. Jedenfalls nicht so wie Frauen. Männer wollen vielmehr die Möglichkeit haben, sich zu nehmen, was sie wollen, wann sie es wollen. </p><p><strong>Soziologisch untersucht</strong></p><p>Die Bindungsunwilligkeit heterosexueller Cis-Männer ist inzwischen auch soziologisch gut untersucht. Die französisch-israelische Soziologin Eva Illouz etwa analysiert in “Warum Liebe weh tut” in welcher Schieflage sich Paarbeziehungen zwischen Männern und Frauen befinden. Während Frauen Wertschätzung, Liebe und Respekt von Männern in Partnerschaften suchen und bereit sind diese auch zu geben, besteht auf männlicher Seite eine gewisse Einseitigkeit.</p><p>Männer wollen zwar Beziehungen eingehen. Kein Wunder, sie <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000252587/warum-feste-liebesbeziehungen-fuer-maenner-wichtiger-sind-als-fuer-frauen">profitieren ja auch stärker davon</a> als Frauen. Sie legen dabei aber ein de facto “parasitäres Verhalten” an den Tag, wie es die Feministin und Schriftstellerin Shulamith Firestone nannte. Sie wollen eine Frau “haben”, wollen versorgt werden - emotional sowie im Alltagsleben. Gleichzeitig wollen sie aber keinesfalls ihre eigenen Freiheiten zugunsten der Beziehung beschränken. Nicht selten sind sie unfähig, sich intellektuell oder auf Gefühlsebene auf Augenhöhe mit der Frau auszutauschen.</p><p><strong>Männer lieben Männer</strong></p><p>Männer wollen Anerkennung. Frauen wollen Anerkennung. Aber Männer wollen vor allem die Anerkennung anderer Männer und legen weit weniger wert auf jene von Frauen. So endet der Beziehungsstatus oft als Statussymbol. Wichtiger als die aufrichtige Liebe zu einer Partnerin ist den Männern dann das Zurschaustellen ihrer Beziehung vor den Geschlechtsgenossen: Seht her, ich bin ein “richtiger Mann”, ich “habe” (besitze) diese Frau! Der Wert der Partnerschaft wird nicht im weiblichen Gegenüber sondern in der Wirkung in der eigenen männlichen Bezugsgruppe bemessen. </p><p>Anders gesagt: Männer lieben vor allem Männer. <a href="https://www.goodreads.com/work/quotes/170885-the-politics-of-reality-essays-in-feminist-theory">So analysierte</a> es etwa auch die feministische Theoretikerin Marilyn Frye bereits in den frühen 80er-Jahren. Sie definierte Heterosexualität bei Männern vor allem darüber, dass diese Sex mit Frauen haben. Alle anderen Ebenen von Liebe, Bewunderung und Respekt tauschen sie Frye zufolge vor allem mit ihren Geschlechtsgenossen aus. </p><p><strong>Frauenhass</strong></p><p>Blickt man heute auf die Entwicklungen radikalisierter junger Männer in der von Andrew Tate angeführten Manosphere, die konservativ ideologisch aufgeladene Techbro-Szene oder das Umfeld von autokratischen Politikern, erfährt diese “Männerliebe” ganz neue Dimensionen. Da wird nicht einfach nur dem eigenen Geschlecht ein bisschen mehr Respekt entgegengebracht. Da wird aktiv Frauenhass geschürt. Besitzdenken und Degradierung von Frauen werden nicht nur implizit weitergetragen, sondern sogar ganz offen als Zielvorgabe ausgegeben. Das beginnt beim Predigen reaktionärer Familienmodelle und endet beim Beschneiden von hart erkämpften Frauenrechten. </p><p>Daher ist es - so bitter das klingt - eigentlich fast logisch, dass viele Männer gewalttätig werden, sobald sich Frauen dieser Form von “Beziehung” entziehen bzw. zu entziehen versuchen. Das Motto lautet dann “Was ich nicht haben kann, soll auch sonst niemand haben und bevor mir etwas genommen wird, zerstöre ich es lieber selbst”. An dem Punkt stehen im schlimmsten Fall Femizide oder andere schwerwiegende Formen von Gewalt gegen Frauen. </p><p><strong>Liebe ist kein Tatmotiv</strong></p><p>Auf die Frage “Warum hat er das getan?” liest und hört man dann bis heute oft: Der Mann sei verzweifelt und gekränkt gewesen - schließlich habe er die Frau doch “so geliebt”. Aber lasst es mich an dieser Stelle sehr laut und deutlich sagen: Liebe ist kein Tatmotiv. Man(n) tötet nicht aus Liebe. Männer töten, schlagen und missbrauchen, weil sie damit Macht ausüben. Weil sie sich über ihr Gegenüber erheben und beanspruchen, über Glück und Unglück entscheiden zu können. Weil sie nicht lernen, Konflikte anders zu bewältigen und weil sie Frauen oft nicht als das anerkennen, was sie sind: gleichwertig. </p><p>So ist es auch nicht verwunderlich, dass immer weniger Frauen überhaupt Lust auf Beziehungen mit Männern haben. In emanzipierten Generationen spricht man zunehmend von “Decentering Men” - also bewusst auf Dating zu verzichten und Männer bzw. Partnerschaften mit ihnen aus dem Fokus zu rücken. Frauen stellen sich stattdessen selbst mehr in den Mittelpunkt und entziehen sich der männlichen Bewertung. Wenn einerseits die meiste Gewalt in partnerschaftlichem Umfeld geschieht und andererseits Männer Liebesbeziehungen nach dem Prinzip “Wenig investieren, viel herausbekommen” führen - wer kann es den Frauen verdenken?</p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir bleiben in Verbindung!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 02 Jul 2026 05:56:20 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#12 Rolle rückwärts im Silicon Valley]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Seit knapp 20 Jahren sind Technologie und Innovation Kernthema meines journalistischen Schaffens. 10 Jahre lang habe ich eine Redaktion geleitet, die…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Seit knapp 20 Jahren sind Technologie und Innovation Kernthema meines journalistischen Schaffens. 10 Jahre lang habe ich eine Redaktion geleitet, die auf diese Bereiche spezialisiert war und sich bewusst als fortschrittsfreundlich positioniert hat. Aber was uns die US-Techmilliardäre heute als “innovativ” verkaufen, kann ich so nicht mehr bezeichnen. Jedenfalls nicht uneingeschränkt und nur mit vielen “Ja, abers”. Der Grund dafür liegt in der zunehmenden ideologischen Radikalisierung der tonangebenden Techbros*. Sie propagieren technologischen Fortschritt und träumen gleichzeitig von zutiefst reaktionären politischen Entwicklungen. Tatsächlich träumen sie nicht mehr nur, sie agieren und beeinflussen die Welt aktiv im Rückwärtsgang. </p><p>Die täglichen Nachrichten aus den USA reichen, um davon einen Eindruck zu bekommen. Und die rückschrittlichen, antidemokratischen Visionen haben sich längst auch über Europa ausgebreitet. Der Einflussbereich der Techmilliardäre reicht inzwischen tief in die politischen und wirtschaftlichen Netzwerke in unseren Breiten hinein.</p><p>Ich frage mich: Was für ein Fortschritt soll das sein, der unsere Gesellschaft in Sachen Gleichstellung, Diversität und Aufklärung um Jahrzehnte oder Jahrhunderte zurückwerfen will? Denn genau solche Absichten verfolgen die Musks und Thiels und Co. Begleitet von einem Mix aus pseudoreligiösen Ideologien, Allmachts- und Weltherrschaftsfantasien sind wir mit Künstlicher Intelligenz, Algorithmen und Produkten konfrontiert, die uns versprechen, unser Leben zu verbessern. Die Wahrheit ist: Sie verbessern - so wie sie aktuell ausgestaltet werden - vor allem den Kontostand eben jener Techbros. Sie reproduzieren Ungleichbehandlung in Geschlechterfragen, forcieren Online-Radikalisierung und beschädigen unsere demokratischen Grundfeste. </p><p><strong>Sexistisch und rassistisch</strong></p><p>Algorithmen, wie sie uns derzeit auf den großen Social-Media-Plattformen geboten werden, sind nicht neutral. KI ist nicht intelligent. Diese Technologien sind grundsätzlich Werkzeuge und Infrastruktur. Werkzeuge, die im besten Fall von allen Menschen gleichermaßen genutzt werden können - im schlechtesten aber nur einer kleinen (weißen männlichen) Gruppe wirklich dienlich sind. Leider sieht es derzeit nach letzterem aus. </p><p>Tools, Plattformen und Chatbots spucken uns nur das aus, womit sie zuvor an Datenmaterial gefüttert bzw. worauf sie programmiert wurden. Und hier kommt die immer bedenklicher werdende Weltanschauung der Tech-Milliardäre zum Tragen. Es ist ein alter Hut, dass Deeplearning <a href="https://www.derstandard.at/story/2000118180783/deep-learning-macht-ki-systeme-besonders-sexistisch">KI-Systeme sexistischer und rassistischer </a>macht. Dem müsste bewusst entgegengewirkt werden. Aber Diversity ist im Silicon Valley nur noch ein Schimpfwort. </p><p>Kaum hatte Donald Trump seine zweite Amtszeit angetreten, ging ein reaktionärer Ruck durch die Techwelt, die ohnehin in den Jahren zuvor schon fragwürdige Entwicklungen genommen hatte. Facebook-Chef Mark Zuckerberg etwa ließ verkünden, dass es <a href="https://www.theguardian.com/technology/ng-interactive/2025/feb/11/dei-meta-facebook">mit dem Diversitätskram jetzt aber genug sei und kündigte einen Kurswechsel an</a>. Auf Gleichbehandlung wird bei Meta seither gepfiffen. </p><p>Dieses Mindset zieht sich inzwischen durch so gut wie alle Techkonzerne. Und natürlich schlägt sich das auch in ihren Produkten und Plattformen nieder. Im Buch “The New Age of Sexism” beschreibt die Autorin Laura Bates sehr gut, wie die sogenannte KI-Revolution eine neue Ära des Sexismus eingeläutet hat. Dabei geht es zum Beispiel um die massenhafte Erstellung von Deepfake-Pornos**, in denen fast ausschließlich Frauen Opfer von missbräuchlichen Darstellungen sind. Es gibt eigene Apps, mit denen sich solche Videos in Windeseile erstellen lassen. Manche davon funktionieren mit männlich gelesenen Fotos gar nicht, sondern nur mit Bildmaterial von vermeintlichen Frauen. </p><p><strong>Wer das Geld hat</strong></p><p>Die 10 reichsten Menschen der Welt sind <a href="https://www.bloomberg.com/billionaires/">allesamt Männer</a> - die meisten davon in der Techszene aktiv. Sie haben gigantische Vermögen und damit auch extrem viel Macht angehäuft. Macht, die sie dazu benutzen, die Welt und unsere Gesellschaften so zu formen, wie es ihnen beliebt. Frauen, Minderheiten, ja eigentlich alle, die nicht zu diesem Kreis gehören, bleiben dabei auf der Strecke. Die ach so innovativen Technologien sind auf eine Idee von Zukunft ausgerichtet, die nur für wenige Privilegierte gewinnbringend ist. </p><p>Dabei ist Diversität kein “lustiger” sinnloser Zeitvertreib, wie das von reaktionären Kulturkämpfern (hier muss man nicht gendern) gerne dargestellt wird. Diversität erzielt messbare Erfolge. Teams und Unternehmen, die divers aufgestellt sind, erzielen bessere Ergebnisse und bringen die besseren Produkte hervor. Eigentlich ein No-Brainer. Aber dafür steht den Techbros mittlerweile die Ideologie im Wege. Sie möchten sich lieber eine elitäre Welt basteln, in der sie auf alle anderen hinuntertreten und die breite Gesellschaft ihrer demokratischen Rechte berauben können. </p><p><strong>Was ist Innovation?</strong></p><p>KI-Konzerne <a href="https://www.moment.at/story/datenarbeiterinnen-ausbeutung-durch-ki/">beuten Menschen im Globalen Süden</a> für ihre Zwecke aus, auf Social-Media-Plattformen wie dem von Musk betriebenen X werden Hass und Hetze aktiv gefördert und Peter Thiel würde am liebsten das <a href="https://slate.com/news-and-politics/2024/08/jd-vance-women-weird-voting-peter-thiel.html">Frauenwahlrecht wieder abschaffen</a>. Und das soll also Innovation sein?</p><p>Fortschritt kann nicht alleine technologisch erfolgen, Fortschritt bedeutet auch, sich gesellschaftlich weiterzuentwickeln. Interessanterweise kommt das in der Innovations-Debatte meistens überhaupt nicht vor. Ganz im Gegenteil. Aber Innovation, die mich als Frau ausschließt, die meine Lebenswelt nicht abbildet oder die sogar aktiv gegen mich arbeitet, ist keine Innovation. Gleiches gilt für andere Bereiche wie ethnische Minderheiten, Menschen mit Behinderungen, usw. Deshalb kann mich das technologiehörige Marketinggerede nicht mehr beeindrucken. Deshalb bestehe ich auf Fortschritt und Weiterentwicklung, die auch gesellschaftliche Fragen mit einschließen. </p><p>Technologie entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie wird von Menschen gemacht. Auch die Rahmenbedingungen, in die sie gebettet ist, werden von Menschen gemacht. Wir sollten also ganz genau hinschauen, worauf wir uns einlassen und wem wir ausgeliefert sind. Es betrifft die Zukunft von uns allen und wir alle haben einen Anspruch auf Innovation. </p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir schreiten voran!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>*<em>Für </em><a href="http://golem.de/"><em>Golem.de</em></a><em> schreibe ich eine </em><a href="https://www.golem.de/specials/techbro-watchblog/"><em>regelmäßige Kolumne</em></a><em>, die sich kritisch mit den Techbros und ihrem politischen Einfluss beschäftigt. </em></p><p><em>**In Österreich läuft gerade ein Volksbegehren, das sich dafür einsetzt, dass sexualisierte Gewalt im Internet strafbar wird. Weitere Infos und einen Link zum Unterschreiben findet man hier bei </em><a href="https://digitalnichtegal.at/"><em>“Digital ist nicht egal”</em></a><em>.</em></p><p><br/></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 25 Jun 2026 05:55:03 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#11 Vertrauen ist leider aus]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Seit dem letzten Newsletter hat ein Lehrer mutmaßlich eine Kollegin getötet, ein Mann seine Ex-Partnerin eingesperrt und mit dem Messer bedroht und…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Seit dem letzten Newsletter hat ein <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000327210/bereits-der-14-femizid-heuer-maenner-tragen-konflikte-nicht-auf-augenhoehe-aus">Lehrer mutmaßlich eine Kollegin getötet</a>, ein Mann seine Ex-Partnerin <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000327161/frau-von-ex-freund-mit-messer-bedroht-und-stundenlang-festgehalten">eingesperrt und mit dem Messer bedroht</a> und der <a href="https://steiermark.orf.at/stories/3358532/">Fall eines steirischen Arztes</a> wurde bekannt, der jahrelang Patientinnen sexuell missbraucht haben soll. Das alles spielte sich innerhalb nur einer Woche und nur im kleinen “beschaulichen” Österreich ab. Von all den Fällen an Gewalt gegen Frauen, die es erst gar nicht in die Nachrichten schaffen, nicht zu reden. </p><p>Die Übergriffe, die Drohungen, die Belästigungen und ja, auch die Morde sind keine tragischen Ausnahmeerscheinungen. Sie werden nicht von ein paar wenigen “Verrückten” begangen. Sie werden von - und das ist das wirklich Schlimme daran - “ganz normalen” Männern begangen. Dem Partner, dem Opa, dem Lehrer, dem Arzt, dem Schauspieler, dem Medienmanager, dem Bauarbeiter, dem Arbeitslosen, dem Inländer, dem Ausländer, dem Jungen, dem Alten. Gewalttätige Männer sind im Querschnitt eine extrem heterogene Gruppe, sie haben aber eines gemeinsam: ihr Geschlecht. </p><p>An diesem Faktum ist nicht zu rütteln. Jede Gewaltstatistik aus jedem beliebigen Land der Welt bestätigt das. Gewalt geht zum überwiegend großen Teil von Männern aus (ich erzähle das hier auch nicht zum ersten Mal). Und sie steckt vielleicht nicht in jedem Mann, aber in einer so hohen Zahl, dass jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens einmal irgendeine Art von Gewalt erfährt. Jede dritte. Da kann man nicht von ein paar “Einzelfällen” sprechen. </p><p>Deshalb gibt es von vielen Frauen auch keinen Vertrauensvorschuss mehr für Männer. Deshalb sind viele (ich auch) es leid, immer dazu sagen zu müssen, dass es “eh nicht alle” sind, dass es “ja auch gute Männer” gibt, dass “natürlich nicht jeder die Probleme ignoriert”. Jene Männer, die tatsächlich “nicht so sind”, haben es in der Regel auch gar nicht nötig, sich an einem “Not all men” aufzuhängen. Jene, die wirkliche Verbündete von Frauen und Queers sind, haben längst erkannt, dass es in diesen Dingen nicht um ihre persönlichen Befindlichkeiten geht. Sondern es geht darum, etwas gegen männliche Gewalt zu unternehmen. Und zwar nicht bloß lieb zu nicken, wenn man gefragt wird, ob man das schlimm findet. </p><p><strong>Gewalt überall</strong></p><p>Ich spreche, schreibe und diskutiere am laufenden Band über solche Themen. Aufmerksamen Leser:innen (den unaufmerksamen auch) dieses Newsletters wird schon aufgefallen sein, dass ich mich mit manchen Zahlen und Fakten auch regelmäßig wiederhole. Weil die Situation tatsächlich so bestürzend ist, weil Gewalt gegen Frauen so alltäglich ist, so normalisiert, dass es manchen gar nicht erwähnenswert erscheint. Und dann geschieht es immer und immer wieder, dass Männer (not all), nur eine Reaktion kennen: Sich darüber zu beklagen, sie würden unter Generalverdacht gestellt. Das sei so unfair, eine Anmaßung, eine Beleidigung. </p><p>Doch wie die geschätzte Barbara Blaha (sie hat auch ein tolles feministisches Buch geschrieben) schon <a href="https://www.moment.at/story/fall-ulmen-und-co-liebe-im-patriarchat/">in einem Kommentar</a> zum Fall Ulmen fragte: Wie sollen wir euch lieben? Wir Frauen, euch Männer. Wenn wir nirgendwo sicher sein können, wenn unser Vertrauen von unseren Partnern, Ehemännern, engsten Familienangehörigen missbraucht wird. Wenn unsere Kollegen und Chefs ihre Macht ausnutzen, wenn schon eine simple <a href="https://steady.page/de/keine-frauen/posts/d5f2dea4-f2ca-40b9-ad61-e6718834d978">Taxifahrt zur Grenzüberschreitung</a> werden kann. Nein, Frauen müssen sich nicht dafür rechtfertigen, wenn sie Männern immer skeptischer begegnen. Denn je mehr wir hinschauen, desto deutlicher wird, in welchem unglaublichen Ausmaß Männer zu Übergriffen, Gewalt und Machtmissbrauch neigen. </p><p>MeToo hat gezeigt, wie viele Frauen im Großen wie im Kleinen von sexueller Gewalt betroffen sind. Wir haben die Epstein-Files gelesen, wir waren konfrontiert mit dem Fall Gisele Pelicot. Im Internet werden Vergewaltigernetzwerke betrieben, die Zehntausende, Hunderttausende Mitglieder haben. Auf Social Media erstarkt eine reaktionäre Manosphere, die jungen Männern beibringt, wie sie Frauen am besten unterdrücken und ihnen Gewalt antun können. </p><p><strong>Forderung nach Empathie</strong></p><p>Wie kann es sein, dass ein Mann wie Dominique Pelicot im Umkreis von nur wenigen Kilometern rund 80 Männer findet, die seine betäubte Frau vergewaltigen? Die vermeintlichen “Monster” sind, wie schon erwähnt, eben keine besonderen Typen. Es sind Durchschnittsmänner - aus allen Schichten, in unterschiedlichsten Lebenssituationen. Damit befasst sich auch die französische Philosophin Manon Garcia in ihrem grandiosen Buch “Mit Männern leben”, das sie zum Fall Pelicot geschrieben hat. </p><p>Frauen bzw. Feministinnen hassen Männer nicht, aber angesichts der blanken Fakten fällt es schwer, das Grundvertrauen nicht zu verlieren. Daher fordere ich jene Männer, deren größte Sorge es ist, fälschlicherweise in irgendeinen imaginären Topf geworfen zu werden, dazu auf, sich mit etwas mehr Empathie in die Lage von Frauen hineinzuversetzen. Die Zahlen und Fakten nachzulesen, zuzuhören, was Frauen berichten, anzuerkennen, was in Studien und Statistiken belegt ist. </p><p>Wer dann noch immer zuvorderst mit seiner eigenen Eitelkeit beschäftigt ist, anstatt sich an die Seite von Frauen zu stellen, anstatt seine Mit-Männer zurechtzuweisen, wenn Übergriffe, abwertende Kommentare oder sexistische Witze passieren, darf mir gerne fern bleiben. Alle anderen werden erkennen, dass es sich lohnt, Zeilen wie diese hier zu lesen. Dass es sich lohnt, den Frauen im persönlichen Umfeld Gehör zu schenken oder sich auch einmal aktiv darum zu kümmern, dass Männer eine andere Art der Konfliktbewältigung lernen. </p><p>Ich bleibe hoffungsfroh, dass immer mehr Männer dahinter kommen, wie ungesund das patriarchale Gesellschaftssystem ist - auch für sie selbst. Ich bleibe optimistisch, dass man kleine Jungen zu weniger Aggression und mehr Diskussion erziehen kann. Und ich schließe hier mit dem alten, aber unverändert guten Zitat der Autorin Margaret Atwood: “Männer haben Angst, dass Frauen sie auslachen, Frauen haben Angst, dass Männer sie umbringen.”</p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir lernen zu kommunizieren!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><br/><br/><br/><br/><br/></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 18 Jun 2026 05:48:01 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[#10 Die tägliche Grenzverletzung]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Vor ein paar Tagen nahm ich ein Taxi vom Flughafen nach Hause. Direkt nach dem Losfahren begann mir der Fahrer Fragen zu stellen: Von wo ich…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Vor ein paar Tagen nahm ich ein Taxi vom Flughafen nach Hause. Direkt nach dem Losfahren begann mir der Fahrer Fragen zu stellen: Von wo ich angekommen bin, ob ich allein gereist bin, wie alt ich bin. Die Art und Weise, wie er mich fragte, war mir von der ersten Sekunde an unangenehm. Ich versuchte freundlich und knapp zu antworten, ohne Dinge über mich preiszugeben, die einen fremden Mann nichts angehen. Ich starrte in mein Handy, um die Unterhaltung im Keim zu ersticken. Der Fahrer starrte in den Rückspiegel und beobachtete mich. Dann ging es weiter: Er kommentierte mein Aussehen, bohrte nach, was ich denn machen würde und wollte offensichtlich herausfinden, ob ich in einer Beziehung lebe. Ich blieb kurz angebunden, wich so gut es ging aus. Irgendwann, kurz vor dem Ziel, hörten die Nachfragen dann auf. </p><p>Die Situation war nicht so, dass ich Angst hatte. Die Fahrt fand am helllichten Tag statt, die Fragerei war grenzverletzend, aber nicht bedrohend. Insgesamt fühlte ich mich aber extrem unwohl und verbrachte 30 Minuten damit, mir zu überlegen, wie ich diesen Mann auf Distanz halten kann. Und damit sind wir beim Kern der Sache: Solche Grenzüberschreitungen passieren Frauen am laufenden Band. Es ist egal, ob im Taxi, im Job, beim Ausgehen oder auf dem Nachhauseweg. Männer nehmen Raum ein, der ihnen nicht zusteht, es kümmert sie nicht, dass ihr Verhalten als übergriffig wahrgenommen wird. Wahrscheinlich denken die meisten, die sich so verhalten, dass so etwas gut ankommt. Aber das tut es nicht: Es ist unangemessen und unangenehm. Es ermöglicht uns Frauen häufig keinerlei “Entkommen”, das nicht in eine Eskalation münden würde. </p><p>Hätte ich dem Taxifahrer direkt sagen sollen, ich möchte nicht mehr angesprochen werden, anstatt nur wortkarg auszuweichen? Hätte ich (wonach ich mich eigentlich fühlte) ihn anschnauzen sollen, dass ihn all diese Dinge nichts angehen? Und was wäre dann passiert, während wir auf der Autobahn unterwegs waren? Aussteigen war jedenfalls keine Option. Gleichzeitig ärgert es mich, dass ich überhaupt darüber nachdenke, ob ich mich hätte anders verhalten sollen. Die Grenzverletzung hat schließlich der Mann begangen. Aber ich bin sicher, dass er keine Sekunde mehr über diese Fahrt nachgedacht hat, während ich hier sitze und eine Kolumne darüber schreibe.</p><p><strong>Unsicherheitsgefühl</strong></p><p>Auch wenn die meiste Gewalt gegen Frauen (sexuelle Übergriffe inklusive) im persönlichen Umfeld geschieht, erzeugt das Verhalten von Männern im öffentlichen Raum ein generelles Unsicherheitsgefühl. Ganz abgesehen davon, dass es unzumutbar und lästig ist, ständig in Situationen gebracht zu werden, die die persönlichen Grenzen verletzen. </p><p>59 Prozent der Frauen fühlen sich laut <a href="https://frauenrechte.de/aktuelles/detail/wenn-die-angst-mitfaehrt-neue-studie-zeigt-wie-sicherheitsbedenken-das-naechtliche-leben-von-frauen-praegt">einer deutschen Studie</a> nachts zu Fuß unsicher, in den Öffis sind es 48 Prozent. Diese Unsicherheit schränkt das Leben ein. Das führt so weit, dass sich Frauen bewusst überlegen (müssen), was sie anziehen, ob sie überhaupt auf eine bestimmte Veranstaltung gehen oder wie sie eine Begleitung für den Heimweg finden könnten. Alles Dinge, über die sich (Cis-)Männer so gut wie keine Gedanken machen müssen. </p><p>Das hat den einfachen Grund, dass sie umgekehrt nicht in solche Situationen gebracht werden: Wie viele Männer stehen an einem heißen Sommertag vor dem Kleiderschrank und überlegen, welches Outfit sie wählen, damit sie auf der Straße keine Pfiffe und blöden Anmachsprüche verfolgen? Wie viele Männer wechseln nachts die Straßenseite, weil eine Frau hinter ihnen her geht? Wie viele Männer halten auf dem Nachhauseweg ihren Schlüssel zwischen den Fingern, um im Ernstfall gewappnet zu sein? </p><p>All das ist Alltag für Frauen. Und zwar nur, weil sich Männer nicht an Grenzen halten, weil sie gewohnt sind, sich Dinge zu nehmen, die ihnen überhaupt nicht zustehen. Männer bedrängen, sie weichen auf der Straße nicht aus, sie manspreaden auf dem Ubahn-Sitz, sie hupen aus dem Auto oder stellen sich in der Schlange diesen kleinen Tick zu nahe. Nicht alle Männer, nein, das halten wir hier gleich wieder fest. Aber es sind sehr viele, die das tun, und es sind jedenfalls genug, um Frauen das Gefühl zu vermitteln, dass sie nirgendwo wirklich sicher sind. </p><p><strong>Bewusstsein schaffen</strong></p><p>In großen Städten gibt es mittlerweile <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000314774/taxiservice-fuer-flinta-personen-niemand-sollte-angst-vor-uebergriffen-haben-muessen">Fahrtdienst-Angebote, die sich speziell an FLINTA-Personen richten</a>, weil viele nicht mehr in ein “normales” Taxi steigen wollen. Das ist einerseits erfreulich, weil es Druck rausnimmt. Gleichzeitig muss man sich fragen, in welcher Welt wir leben, wo es eine Gefahr darstellt, eine simple Dienstleistung seitens eines Mannes in Anspruch zu nehmen. Das Erlebnis, das ich eingangs beschrieben habe, ist kein Einzelfall. Vielen Frauen widerfährt sogar noch deutlich Schlimmeres. In den vergangenen Jahren kam es vereinzelt sogar zu Vergewaltigungen durch Taxilenker in Wien und Graz. </p><p>Die Art und Weise, wie männliches Verhalten das alltägliche Leben von Frauen einschränkt und mitunter auch bedroht, entsteht aber nicht nur auf der Ebene der direkten Täter. Auch jene Männer, die nicht übergriffig sind, stehen in der Verantwortung. Sie können nämlich in der Regel nicht nachvollziehen, wie sich der öffentliche Raum für Frauen anfühlt. Sie denken einfach gar nicht darüber nach. Und sie sind sich oftmals nicht bewusst, dass sie selbst mit harmlosem Verhalten - etwa dem nahen Hinterhergehen auf der Straße - ein Angst-Trigger sein können. </p><p>Ein wenig mehr Einfühlungsvermögen in die Lebensrealität von Frauen und Queers wäre also durchaus wünschenswert. Ein wenig mehr Reflexion darüber, welche Auswirkungen das eigene Verhalten haben kann - und auch darüber, wie Mann aktiv dazu beitragen kann, die Situation zu verbessern. </p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir sehen uns auf der Straße!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><br/><br/></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 11 Jun 2026 05:59:35 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#9 Wer abtreibt, wird erschossen]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Wir leben in Zeiten eines massiven Backlash. Über Jahrzehnte und Jahrhunderte erkämpfte Rechte zu Gleichstellung, Freiheit und Selbstbestimmung…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Wir leben in Zeiten eines massiven Backlash. Über Jahrzehnte und Jahrhunderte erkämpfte Rechte zu Gleichstellung, Freiheit und Selbstbestimmung geraten in Gefahr. Besonders deutlich zeigt sich das, wenn es um den weiblichen Körper geht. Reproduktive Selbstbestimmungsrechte, konkret die Möglichkeit Schwangerschaftsabbrüche vorzunehmen, stehen unter Druck. Das eindrücklichste Beispiel dazu liefern die USA. Dort gab es mit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Roe_v._Wade">Aufhebung des Urteils “Roe vs. Wade”</a> durch den Obersten Gerichtshof im Jahr 2022 einen dramatischen Rückschritt im Abtreibungsrecht. Bis dahin waren Schwangerschaftsabbrüche bis zur 24. Woche verfassungsrechtlich garantiert, nun kann jeder US-Bundesstaat nach eigenem Ermessen vorgehen. Das hatte zur Folge, dass seither 19 Bundesstaaten die Abtreibungsgesetze massiv verschärft haben, in 14 sind Abbrüche mittlerweile komplett verboten.</p><p>Der berühmte Spruch “My body, my choice” gilt in der größten westlichen (Gerade-Noch)-Demokratie de facto nicht mehr. Doch das ist manchen reaktionären Kräften offenbar noch nicht genug. </p><p><strong>Frauen sollen Freiwild werden</strong></p><p>Einige Republikaner in North Carolina wollen nun tatsächlich <a href="https://www.newsweek.com/republican-bill-deadly-force-stop-abortions-north-carolina-12005136">tödliche Gewalt gegen Frauen legalisieren</a>, die abtreiben oder auch nur “im Verdacht stehen”, eine Abtreibung vorzunehmen. Ein Gesetzesentwurf, der derzeit durch das formale Verfahren geschickt wird, sieht vor, dass es einer Person erlaubt werden könnte, eine Frau zu töten, wenn davon ausgegangen wird, dass diese einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen will. Ausnahmen bei Vergewaltigung oder medizinischen Notfällen sind nicht vorgesehen. Angeführt wird die Gesetzesinitiative von dem republikanischen Staatsabgeordneten Keith Kidwell. </p><p>Dem Entwurf nach wäre ein Schwangerschaftsabbruch - egal zu welchem Zeitpunkt - ein Mord ersten Grades. Eine Eizelle wird ab dem Zeitpunkt der Befruchtung mit einem fertigen, geborenen Menschen gleichgesetzt. Der Gesetzestext ist so formuliert, dass es anderen “nach eigenem Ermessen” freistünde, das Leben einer solchen Zelle zu verteidigen - und das inkludiert auch Waffengewalt, bis hin zur Tötung der betroffenen Frau. Was übrigens in sich einer völligen Unlogik gleichkommt, da mit der Frau auch der Embryo, die Zelle, etc. getötet würde. Aber lassen wird das.</p><p>Schwangere, die einen Abbruch planen, würden jedenfalls komplett zu Freiwild erklärt. Und auch Ärzti:innen und Pfleger:innen, die bei Abtreibungen involviert sind, würden zur Zielscheibe werden. Selbst Frauen, die Verhütungsmittel wie die Spirale nutzen, könnten aufgrund der Formulierung zum sprichwörtlichen Abschuss freigegeben werden. </p><p><strong>Kritik und Warnungen</strong></p><p>Demokrat:innen und Vertreter:innen der Pro Choice-Bewegung reagierten bestürzt und alarmiert auf die Gesetzesinitiative. Selbst einigen republikanischen Abgeordneten dürfte die Sache zu weit gehen, sie haben ihre Namen von der Unterstützungsliste zurückgezogen. Nichtsdestotrotz geht der Entwurf erst einmal weiter durch den Formalprozess und könnte im November im Zuge der Midterms zur Abstimmung stehen. In Kraft treten würde das Gesetz im schlimmsten Fall mit Januar 2027.</p><p>Auch wenn es aktuell eher unwahrscheinlich scheint, dass Kidwell mit der Initiative Erfolg haben wird, zeigt das Vorgehen, wie stark die reproduktiven Selbstbestimmungsrechte in den USA derzeit ausgehöhlt werden. Und diese Stimmung findet sich auch hier in Europa. </p><p><strong>Kriminalisierung</strong></p><p>Frauen wurden und werden für Schwangerschaftsabbrüche kriminalisiert. Dabei sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass niederschwelliger und legaler (!) Zugang zu Abtreibungen zur medizinischen Grundversorgung zählt. Doch sowohl Gesetzes- als auch Versorgungslage in Deutschland und Österreich sind weiterhin mangelhaft. </p><p>Nach wie vor stehen Schwangerschaftsabbrüche im Strafgesetzbuch. Die Fristenlösung macht es zwar möglich, dass Abtreibungen bis zur ca. 12. bis 14. Woche straffrei durchgeführt werden können, viele rechtliche Hürden und Graubereiche bleiben aber bestehen. Hinzu kommen Stigmatisierung sowohl der Abtreibenden als auch jener Ärzt::innen, die überhaupt bereit sind einen Abbruch durchzuführen. Ungewollt Schwangere werden im Umfeld von Beratungsstellen und Kliniken von Abtreibungsgegner:innen oft auf offener Straße bedroht und beschimpft. In Österreich forderten zumindest die Grünen zuletzt, dieser “Gehsteigbelästigung” einen gesetzlichen Riegel vorzuschieben. Wie <a href="https://www.parlament.gv.at/aktuelles/pk/jahr_2026/pk0253">die Sache ausgehen wird,</a> ist noch offen. </p><p><strong>Hohe Kosten, wenig Angebot</strong></p><p>Frauen, die eine Abtreibung benötigen, sind mit großen Herausforderungen auf logistischer und finanzieller Ebene konfrontiert. Seit viele Bundesstaaten in den USA die Abbrüche wieder verbieten, müssen die Betroffenen dort oft weite und kostspielige Reisen antreten, um den Eingriff vornehmen zu lassen. </p><p>Prickelnd ist die Lage aber auch in Österreich nicht. Abgesehen von Wien, wo das Angebot einigermaßen flächendeckend ist, sieht es mit Kliniken und Ärzt:innen, die Abtreibungen vornehmen, dünn aus. Auch der finanzielle Aufwand ist mitunter beträchtlich - Schwangerschaftsabbrüche sind mit ganz wenigen medizinischen Ausnahmen keine Kassenleistung. Und die Schwankungsbreite der Kosten ist groß. Diese können bei ein paar Hundert Euro liegen oder sogar die 1500 Euro überschreiten, wie beispielsweise im LKH Klagenfurt in Kärnten. </p><p>Das Allerletzte, das Frauen also brauchen, sind noch mehr Druck und noch mehr Bedrohung durch reaktionäre Politiker:innen und religiöse Fanatiker:innen. Wer seine reproduktiven Selbstbestimmungsrechte wahrnehmen will, darf nicht zur Zielscheibe werden. Weder wörtlich, noch metaphorisch. Das Patriarchat hat im Körper von Frauen nichts verloren (und sonst übrigens auch nirgendwo).*</p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir gebären nur freiwillig!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><em>*An dieser Stelle übrigens eine Buchempfehlung: Die Medizinerin Alicia Baier beschreibt in “Das Patriarchat im Uterus”, welcher rechtlicher und gesellschaftlicher Verbesserungen es in der Abtreibungsdebatte bedarf. Sie schildert die konkrete Situation in Deutschland und hält ein generelles Plädoyer für die körperliche Selbstbestimmung</em></p><p><br/><br/><br/><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 04 Jun 2026 07:44:34 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#8 Die Leseschwäche des Mannes]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Vor knapp einem Jahr durchstreifte ich mein Bücherregal, um ein wenig umzusortieren und Platz zu machen für neu angeschafftes Druckwerk. Dabei blieb…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Vor knapp einem Jahr durchstreifte ich mein Bücherregal, um ein wenig umzusortieren und Platz zu machen für neu angeschafftes Druckwerk. Dabei blieb ich speziell an einer Sammlung hängen: Der gelb leuchtenden Reclamheft-Reihe, die ich noch aus meiner Schulzeit habe. Aus Nostalgie ging ich die Hefte durch und stellte (nicht wirklich überrascht) fest: Nicht ein einziger Text stammte von einer Autorin. Wir hatten meine gesamte Gymnasialzeit hindurch nur Männer gelesen. Sicher, mir waren auch als Teenagerin Autorinnen wie Ingeborg Bachmann und Elfriede Jelinek untergekommen, ich besaß ihre Bücher. Aber aus dem Unterricht hatte ich das nicht. Und es fiel uns allen damals nicht mal auf. </p><p>Doch die Zeiten - und auch ich - haben sich geändert. So beschloss ich angesichts der jahrelangen Männerdominanz in meinem literarischen Konsum vorerst einmal ganz auf männliche Ergüsse zu verzichten. Seither lese ich - bis auf weiteres - nur noch Autorinnen. Ausnahmen gibt es für queere und explizit feministisch engagierte Männer. </p><p>Und ich kann nur sagen: Mir tut das richtig gut. Der Male Gaze fehlt mir kein bisschen. Ganz im Gegenteil hatte ich seither so viele Aha-Erlebnisse, Momente der Solidarität, das Gefühl des Verstandenwerdens. Ich las in meinem Leben nie lieber als jetzt.</p><p><strong>Männliche Verweigerung</strong></p><p>Während es sich bei meinem trennkostartigen Leseverhalten um einen bewussten Akt, eine Art ausgleichende Maßnahme handelt, belegen zahlreiche Statistiken, dass sich Männer Autorinnen systematisch verweigern. Für Frauen ist es völlig normal Männer zu lesen, das sieht man nicht nur an dem Kanon, der mir in meiner Schulzeit vorgesetzt wurde. <a href="https://literaturkritik.de/wer-liest-wen,29630.html">Zahlen aus Großbritannien</a> zeigen zum Beispiel, dass die meistverkauften männlichen Autoren zu in etwa gleichen Teilen von Männern und Frauen (55 Prozent/45 Prozent) gelesen werden. Die meistverkauften weiblichen Autorinnen werden allerdings nur zu 19 Prozent von Männern konsumiert. Schwach.</p><p>Vor nicht allzu langer Zeit nahmen Autorinnen sogar männliche Pseudonyme an, unter denen sie publizierten: Sie wussten, dass sie als offen weiblich schreibende Personen keine Chance auf Aufmerksamkeit gehabt hätten. Einer der berühmtesten Romane des 19. Jahrhunderts ist “Middlemarch” von George Eliot. Kürzlich wurde das Buch auch auf Platz eins einer im Auftrag des Guardian erstellten <a href="https://www.theguardian.com/books/ng-interactive/2026/may/12/the-100-best-novels-of-all-time">Liste der Top 100 Romane aller Zeiten</a> gewählt. Der Witz daran: George Eliot hieß eigentlich Mary Anne Evans und war eine Frau. </p><p>Männer lesen aber auch insgesamt weniger als Frauen. Laut einer <a href="https://buecher.at/64-prozent-der-oesterreicherinnen-lesen-regelmaessig/">Umfrage</a> zum österreichischen Buchmarkt Anfang 2026 greift gut ein Drittel aller Männer selten oder gar nie zu einem Buch. Bei Frauen fällt die komplette Leseverweigerung mit 17 Prozent deutlich niedriger aus. </p><p><strong>Männliche Dominanz</strong></p><p>Das Patriarchat ist leider auch im Literaturbetrieb und auf dem Buchmarkt hart am Werken. Was von Männern geschrieben und konsumiert wird, gilt als “normal”, als “Standard”. Was von Frauen geschrieben und konsumiert wird, gilt nach wie vor als “Abweichung” davon, als eine Art Sonderkategorie, für die sich im cis-männlichen Selbstverständnis auch nur Frauen zu interessieren haben. Daraus resultieren dann Begriffe wie “Frauenliteratur” - weil nichts, was Autorinnen produzieren unabhängig von ihrem Geschlecht betrachtet wird. Bei Männern ist das ganz automatisch der Fall, klar, sie sind ja auch das Maß der Dinge (Simone de Beauvoir lässt grüßen). </p><p>Der von mir sehr geschätzte Nils Pickert hat dazu kürzlich auch einen <a href="https://pinkstinks.de/uninteressante-frauen/">empfehlenswerten Beitrag</a> geschrieben. Abwertung von Literatur von Frauen sei auch heute die Regel. Er wirft zudem die berechtigte Frage in den Raum: Wo gibt es im Gegenzug denn eigentlich den Begriff “Männerliteratur”? Richtig, den gibt es nicht.</p><p>Die bittere Wahrheit ist, dass Frauen bzw. Mädchen von klein an lernen, jeden Gedanken, jede Gefühlsregung, jede verschriftlichte Idee eines Mannes als universell menschlich zu begreifen, als etwas, das angeblich (ist nicht so) alle betrifft. Und umgekehrt ist das nun einmal absoult nicht der Fall. “Frauenkram”, warum sollte sich ein echter Kerl denn dafür interessieren? Da wird schon deutlich lieber darauf geschimpft, der Buchmarkt habe sich in den vergangenen Jahren - angefeuert von Trends wie BookTok - zu sehr auf weibliche Kundschaft ausgelegt. </p><p>Ja genau, schon wieder ist es zu viel mit der Aufmerksamkeit für Frauen. Bloß nicht, bloß nicht! Ich schrieb darüber erst kürzlich in einem <a href="https://steady.page/de/keine-frauen/posts/9a09df59-2314-4c8c-9a09-757e4b4c2a16">anderen Newsletter</a>, der sich mit männlichen Abwehrreaktionen auf den Feminismus befasste.</p><p><strong>Männliche Preise</strong></p><p>Auch bei Auszeichnungen dominieren bis heute Männer. Der Literaturnobelpreis wurde erst 18 Mal an eine Frau vergeben. Das macht nur knapp 15 Prozent aller verliehenen Preise. Oft wird damit argumentiert, Frauen hätten in der Vergangenheit eben nichts oder nichts Qualitätsvolles geschrieben. Aber das ist (wie etwa das Beispiel “Middlemarch” schon zeigte) natürlich Quatsch. Frauen bzw. ihre Werke wurden einfach nur oft vergessen, von der Geschichtsschreibung ausgelöscht oder heruntergemacht. Dazu gibt es mittlerweile <a href="https://www.deutschlandfunk.de/literatur-von-frauen-nachzaehlen-macht-benachteiligung-100.html">hinreichend Forschung</a> und Belege. </p><p>Obwohl bei Wettbewerben inzwischen darauf geachtet wird, dass sich ausreichend Frauen auf den Nominiertenlisten finden, gehen vor allem renommierte Verlage noch immer lieber Verträge mit Männern ein. Auch die Literaturkritik ist ihren Sexismus bis heute nicht losgeworden. Dazu lieferte unlängst der bekannte ARD-Literaturkritiker Denis Scheck live auf Sendung ein eindrückliches Beispiel. Und ganz generell werden Bücher von Frauen anders besprochen als jene von Männern. Ähnliches findet man übrigens auch im Bereich der Musikrezensionen. </p><p><strong>Female Gaze</strong></p><p>Ändern kann sich das alles nur, wenn Strukturen angegriffen werden. Wenn in Verlagshäusern auch Frauen in Entscheidungspositionen sitzen (vor allem jenen, die das Geld verteilen), wenn Redaktionen divers besetzt sind, wenn sich überhaupt einmal jemand bewusst wird, wie stark wir von männlichen Sicht- und Denkweisen geprägt sind.</p><p>Wie wäre es also, es mir gleich zu tun und einmal bewusst Frauen zu lesen? Vielleicht müssen es ja nicht nur ausschließlich Frauen sein. Aber jede:r kann sich einmal fragen, wie das Geschlechterverhältnis beim eigenen Bücherkonsum aussieht. Wem man Aufmerksamkeit schenkt, wessen Gedanken und Ideen man ernstnimmt. Und warum. Warum nicht einmal den Male Gaze durch einen Female Gaze ersetzen - und erfahren, dass es noch mehr auf der Welt gibt, als den patriarchalen Blick. Ich verspreche es lohnt sich.</p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir lesen uns!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 28 May 2026 05:51:26 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#7 Wie viele müssen noch sterben?]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Eigentlich wollte ich heute über etwas ganz anderes schreiben. Aber dann sind an einem Abend gleichzeitig wieder zwei Frauenmorde in Österreich…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Eigentlich wollte ich heute über etwas ganz anderes schreiben. Aber dann sind an einem Abend gleichzeitig wieder zwei Frauenmorde in Österreich bekannt geworden. Einer in der Steiermark, einer in Niederösterreich. Beide Frauen wurden von Männern, zu denen sie ein Naheverhältnis hatten, mutmaßlich erschossen. </p><p>Es sind nur die aktuellsten Fälle in einer unendlich langen Reihe. Frauen werden in erschreckend hoher Zahl getötet. Dieser “Spitze des Eisbergs” geht jeweils noch viel mehr Gewalt in anderer Form voraus und sie ist derart “normal”, dass jede dritte Frau davon betroffen ist. Hinzu kommt, dass überhaupt nur ein Bruchteil der Taten (im einstelligen Prozentbereich) zur Anzeige gebracht wird - weil Frauen häufig so unter Druck stehen, abhängig sind oder sich gar keine Hilfe durch Behörden erwarten. </p><p><strong>Dokumentierte Morde </strong></p><p>Im Schnitt werden in Österreich pro Monat zwei bis drei Frauen ermordet, in Deutschland kommt es etwa jeden zweiten Tag zu einem Tötungsdelikt an Frauen und Mädchen. Die meiste Gewalt geht dabei von Partnern, Ex-Partnern oder dem familiären Umfeld aus. Das Geschlechterverhältnis auf Täter:innen-Seite spricht eine eindeutige Sprache: Die Gewalt ist männlich. Zwar kommt es vereinzelt vor, dass auch Frauen Morde begehen, statistisch ist die Zahl jedoch verschwindend gering. </p><p>An all diesen Informationen ist nichts neu. Dennoch ändert sich die Situation nicht. Im Gegenteil: Gewalt an Frauen <a href="https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/haeusliche-gewalt-frauen-bericht-100.html">nahm zuletzt sogar wieder zu</a>  - oft auch befeuert durch Frauenhass im Internet. Medienberichte über Männer, die Frauen verprügeln, vergewaltigen, stalken oder bedrohen sind alltäglich. Das ist keine Übertreibung. </p><p><strong>Lippenbekenntnisse</strong></p><p>Nach jedem Femizid ist dann die Betroffenheit bei Politiker:innen groß, ja, da müsse man schon etwas tun. Doch offensichtlich wurde bisher nicht genug oder nicht das Richtige getan. Vor allem dem Präventionsbereich müsste zum Beispiel eine viel größere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Wenn Gewalt bereits passiert ist, sind Maßnahmen oft schon zu spät. Auch das Personal bei Polizei und Justiz ist häufig nicht entsprechend sensibilisiert oder es fehlt an Ressourcen.</p><p>Und auch in der öffentlichen Debatte scheint Gewalt an Frauen einfach “dazu zu gehören”. Anders kann man sich kaum erklären, dass es meist nur eine Handvoll immer gleicher Leute sind, die sich zur Thematik überhaupt äußern, Forderungen stellen und sich mit Lösungsansätzen befassen. Für den Rest gilt wohl der Grundsatz “Nicht mein Problem”. </p><p>Da hilft es auch nichts, wenn einmal im Jahr zum Frauentag reihenweise Promimänner aufmarschieren und mit Hundeblick beteuern, dass sie “eh dagegen” (diese Gewalt) sind. Ja, danke vielmals. Und was tun diese Männer im restlichen Jahr? Sind sie auch zur Stelle, wenn im persönlichen Umfeld sexistische Witze gerissen werden, wenn Frauenverachtung normalisiert wird, wenn ein Kumpel im Verdacht steht, einen Übergriff begangen zu haben? Manche werden das guten Gewissens mit Ja beantworten können - glücklicherweise gibt es diese Verbündeten beim männlichen Geschlecht. Doch die breite Mehrheit kümmert sich einfach nicht darum, so ehrlich können wir alle sein.</p><p><strong>Schuldverlagerung</strong></p><p>Wer sich (wie ich) der mentalen Herausforderung des Foren-Lesens stellt, wird außerdem schnell feststellen, wie erklärungswillig viele sind, wenn es um Täter geht. Juristisch sind Mordmotive selbstverständlich zu eruieren. Aber wie weit manche gehen, um eine geradezu verständnisvolle Erklärung rund um die männliche Gewalttat zu basteln, ist haarsträubend. Schuld wird auf das Opfer verlagert, Fehlverhalten bei der betroffenen Frau gesucht. </p><p>Während ich diesen Newsletter schreibe, wird in einem <a href="https://www.krone.at/4149813">Zeitungsbericht</a> das “Motiv” eines der beiden Täter der eingangs erwähnten Fälle bekannt. Wenn die Informationen zutreffen, musste eine Frau sterben, weil sie sich kritisch zum Geschlechtsverkehr mit dem mutmaßlichen Täter geäußert hatte. Sein Anwalt spricht von “tiefer Kränkung”. Wie kann man da noch ruhig bleiben? </p><p>In besonders mit dem Täter mitfühlender Weise wird von vielen diskutiert, wenn ältere Männer Frauen “aufgrund von Krankheit” töten. Überhaupt werden überdurchschnittlich viele Frauen jenseits der 60 ermordet, was in der öffentlichen Debatte aber kaum Beachtung findet. In solchen Altersgruppen kommt es oft zu erweiterten Suiziden. Doch, um es klar zu sagen, weil es manche offenbar hören müssen: Krankheit - weder die eigene noch die der Partnerin - rechtfertigt keinen Mord. Nichts rechtfertigt einen Mord. Und wer es trotzdem nicht begreifen will, kann die Situation ganz einfach auf den Kopf stellen und sich fragen: Wie oft bringen Frauen Männer “aufgrund von Überforderung” um? Genau. </p><p><strong>Es muss aufhören</strong></p><p>Viele der genannten Zahlen und Fakten wurden in den hier vorangegangenen Kolumnen bereits genannt, viele davon werden in kommenden wieder genannt werden. Die aktuellen Femizide in Österreich werden, das ist gesichert, nicht die letzten in diesem Jahr gewesen sein. Auch morgen werden wir wieder in Zeitungen lesen, dass ein Mann einer Frau Gewalt angetan hat.</p><p>Daher muss ich diesmal mit einem direkten Appell schließen:</p><p>Aber lasst uns doch bitte noch lauter sein, lasst uns doch bitte mehr werden, die das nicht mehr hinnehmen, lasst uns lästig sein, bis sich die Gewaltspirale endlich nicht mehr weiterdreht. Und lasst uns ein für alle Mal klarstellen: Gewalt an Frauen ist ein Männerproblem.</p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir fühlen mit den Opfern und ihren Angehörigen!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 21 May 2026 10:47:47 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#6 Genug mit dieser Gleichberechtigung]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Nun muss einmal Schluss sein. Schluss mit Gleichstellung, Schluss mit Frauenförderung, Schluss mit Feminismus. Denn so kann es nicht weitergehen.…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Nun muss einmal Schluss sein. Schluss mit Gleichstellung, Schluss mit Frauenförderung, Schluss mit Feminismus. Denn Männer leiden einfach zu sehr unter einer gleichberechtigten Gesellschaft, das kann man diesen zarten Wesen nicht länger zumuten. Es gibt zwar in keinem einzigen Land dieser Welt hundertprozentige Geschlechterparität, der Gender Pay Gap ist nirgendwo wirklich geschlossen und Frauen leisten nach wie vor fast um die Hälfte mehr Carearbeit, aber man muss schon Verständnis haben für den benachteiligten Mann.</p><p>Moment, was? Benachteiligter Mann? Ja, so sieht es zum Beispiel der <a href="https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/gesundheit/gesundheit-unterschiede-maennern-frauen-deutschland-e930950/">SZ-Autor Werner Bartens </a>in Bezug auf Gendermedizin. Jahrhunderte lang wurden Frauen in der medizinischen Forschung links liegen gelassen, man weiß, dass zahlreiche Behandlungsmethoden und Medikamente komplett am weiblichen Körper vorbei entwickelt wurden und Frauen eher an einem Herzinfarkt sterben, wenn sie von männlichen Ärzten behandelt werden. Aber Bartens sieht die Gesundheit des Mannes bedroht, weil sich in den letzten 20, 30 Jahren endlich ein paar Menschen mit den Bedürfnissen von Frauen beschäftigt haben. Schon wird das, was eigentlich ein Ungleichgewicht beheben soll, umgedeutet zu einer Benachteiligung des männlichen Geschlechts. </p><p>Der Autor versucht zu argumentieren, es würde auf Männer vergessen. Allerdings ist kein einziges seiner Beispiele wissenschaftlich begründet. Es wird nicht weniger für Männer geforscht, die Probleme, die er benennt, sind in Wahrheit soziale. Sie sind Folgen des Systems, in dem wir leben und dieses nennt sich nach wie vor: Patriarchat. Dass beispielsweise Depressionen bei Männern unterdiagnostiziert sind, liegt nicht an mangelnder Aufmerksamkeit in der Wissenschaft. Es ist bestens erforscht, dass sich Symptome bei Männern hier deutlich von jenen bei Frauen unterscheiden können. Sondern es liegt daran, dass Männer erstens weniger oft zum Arzt gehen und zweitens noch immer nur mangelhaften Umgang mit psychischen Erkrankungen lernen. Hinzu kommen eben jene Klischeerollenbilder, die wir alle von klein an lernen, und mit denen auch Ärzt:innen geprägt sind.</p><p><strong>Alles erreicht</strong></p><p>Ein ähnliches Mindset wie der SZ-Autor an den Tag legt, dürfte aber grundsätzlich bei vielen vorliegen. Laut einer <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000318814/jeder-dritte-mann-haelt-frauenfoerderung-fuer-ueberzogen">aktuellen Umfrage</a> im Auftrag der Tageszeitung Der Standard geht das Thema “Frauenförderung” nämlich jedem dritten Mann generell zu weit - nicht nur, was die Medizin betrifft. Vor allem bei den jüngeren Generationen ist auch ein massiver Backlash zu beobachten. In der Gen Z finden 26 Prozent der Männer, dass Frauen ihren männlichen Partnern zu gehorchen hätten. Bei solchen Themen waren wir gesellschaftlich tatsächlich schon einmal ein Stückchen weiter. </p><p>Auch von Frauenquoten, die etwa in der Politik ein Jahrhunderte gewachsenes Ungleichgewicht geraderücken sollen, wollen nicht besonders viele Männer etwas wissen: Nur jeder Vierte spricht sich dafür aus. Und das, wie gesagt, obwohl fast nirgendwo Geschlechterparität herrscht. Der Frauenanteil bei den Parteien SPÖ und ÖVP (von der FPÖ gar nicht zu reden) liegt im österreichischen Parlament derzeit zum Beispiel jeweils unter 40 Prozent. </p><p><strong>Beleidigte Egos</strong></p><p>Sehr betrübt über den Feminismus zeigte sich vor kurzem auch der Welt-Autor Julian Theilen. Unter dem aufrüttelnden* Titel <a href="https://www.welt.de/kultur/plus69fb63e378a5e02b5e7a68e0/herrischer-feminismus-dann-macht-eure-liebe-doch-alleine.html">“Warum ich Frauen nicht mehr brauche”</a> erklärte er sich zum Opfer der “Selbstgefälligkeit” junger Frauen. Diese Biester (meine Worte) haben ihm offenbar den Traum von der romantischen Liebe genommen. Einfach zu eigenständig und zu unabhängig zeigt sich das moderne Weibsvolk und vor allem: zu wenig begeistert von Männern wie Theilen. Der musste, man kann es kaum glauben, seinem Date sogar einen teuren Eiskaffee blechen, das sich dann nicht mal dafür bedankte. Verständlich, dass man nach solchen Erfahrungen mit dem “herrischen” (seine Worte) Feminismus abrechnen muss. </p><p>Dass Männer mitunter mit sehr fragilen Egos ausgestattet sind, ist keine Neuigkeit. Vielleicht würde statt Wut auf Frauen, die sich nicht mehr mit Brotkrümeln zufrieden geben, aber Selbstreflexion und die Beschäftigung mit dem eigenen Ich mehr helfen. Womit wir wieder bei der Psychotherapie wären. Oder man befasst sich mit nackten Zahlen und Fakten, Statistiken zu Gewalt gegen Frauen, Mental Load, und so weiter und so fort. All das kann Männern dabei helfen, ihr Bewusstsein für reale und eingebildete Benachteiligung zu schärfen - und dieser Tipp ist tatsächlich Zynismus-frei gemeint. </p><p><strong>Missverständnis</strong></p><p>Die zugrunde liegende Problematik bei genannten Beispielen und darüber hinaus lässt sich in einer Art Missverständnis finden. Der (moderne) Mann fühlt sich nämlich häufig zurückgesetzt, wo tatsächlich nur ein Gleichgewicht hergestellt wird. Es wird schlichtweg eine Gleichstellung mit einer Schlechterstellung verwechselt. Wenn jemand einen Vorteil, ein Privileg nicht mehr oder nicht mehr in selbem Ausmaß erhält wie bisher, ist er dadurch nicht benachteiligt. Er wird nur einfach nicht mehr bevorzugt. </p><p>Hierin liegt ein Unterschied: Während sich Frauen tatsächlich bis heute in vieler Hinsicht aus einem bildlichen Minusbereich auf die Nulllinie kämpfen (müssen), empfinden Männer die Herrstellung eines Gleichgewichts als Ungerechtigkeit. Es ist schon klar, dass wir uns alle seit Jahrtausenden an das patriarchale Gesellschaftssystem gewöhnt haben und das Aufbrechen dieser Strukturen für manche ein Schock ist. Glücklicherweise haben wir aber auch erkannt, dass diese Strukturen nicht gesund sind. Für Männer eben auch nicht. </p><p>Daher verzeihen Sie mir den für diese Kolumne gewählten Titel. Der war nur ein fadenscheiniger Trick. Selbstverständlich ist es nicht genug mit der Gleichberechtigung. Und selbstverständlich werden wir das Ringen um eine faire Gesellschaft nicht aufgeben, nur weil ein paar Männer deswegen beleidigt sind.</p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir checken unsere Privilegien!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>*<em>Kann Spuren von Ironie enthalten </em></p><p><br/><br/><br/><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 14 May 2026 06:00:13 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[#5 Sex mit Kate]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Heute machen wir mal einen kleinen Ausflug in die Welt der Techbros. Dort passiert ja mittlerweile derart viel Bedenkliches, dass man leicht den…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Heute machen wir mal einen kleinen Ausflug in die Welt der Techbros. Dort passiert ja mittlerweile derart viel Bedenkliches, dass man leicht den Überblick darüber verliert, wer gerade die krudesten Ideen ausbrütet und auf unsere Gesellschaft loslässt.* Weltherrschaftsansprüche, Abschaffung der Demokratie und das Ende von Wahlen - das Angebot der Techmänner ist reichhaltig. Im Folgenden nun soll der Fokus auf einem liegen, der ausschließlich dafür lebt, nicht zu sterben. Die Rede ist von Bryan Johnson. </p><p>Der Unternehmer und Investor fokussiert sich seit ein paar Jahren nur noch auf seinen Körper und ist damit berühmt geworden. Unter dem Namen “Project Blueprint” hat er sich voll und ganz einem Anti-Aging-Selbstversuch verschrieben, der beweisen soll, dass Sterben optional ist, oder wie er sagt: “Der Tod ist bloß ein technisches Problem, das sich lösen lässt”. In einer Art modernisierten Version des Benjamin Button tut Johnson alles dafür, sich zu verjüngen. Dazu zählen Bluttransfusionen, exzessives Tracking von Körperfunktionsdaten, regelmäßige Darmspiegelungen, die Einnahme von 100+ Pillen pro Tag und so weiter und so fort.</p><p>Johnsons Obsession endet allerdings nicht bei den aufwendigen (und äußerst fragwürdigen) Maßnahmen, die er an sich selbst setzt. Auch sein mitmenschliches Umfeld wird vermessen.</p><p><strong>Partnerin im Schaufenster</strong></p><p>“Ich hatte gerade Sex mit Kate”, schrieb der Techmillionär vor ein paar Wochen auf X und postete dazu jede Menge Trackingdaten über Prolaktinspiegel, Schlafverhalten und Dauer seines Geschlechtsverkehrs. Was seine Partnerin Kate Tolo von dieser öffentlichen Zurschaustellung ihres Intimlebens hielt oder ob sie zuvor eben dieser zugestimmt hatte, ist nicht bekannt. Aber wer kümmert sich schon um solche Kleinigkeiten, wenn es um die Offenbarung der vitalen Männlichkeit eines egomanischen Techbros vor einem Millionenpublikum geht. </p><p>Vor wenigen Tagen ließ Johnson dann wieder mit einem ähnlichen Posting aufhorchen. Diesmal ging es um “Oralsex mit Kate”. Johnson veröffentlichte Daten zur Vaginalflora seiner Partnerin und sprach von einem “100/100 Score” ihrer Mikrobiome. Es handle sich um das “Top 1 Prozent aller Vaginas”, schrieb er und verwies auf ihren - seiner Ansicht nach - außergewöhnlich fantastischen “L. crispatus”-Wert (ein Laktobazillus). Diesmal stieg auch Tolo selbst in die Debatte ein und versuchte zu beruhigen. Sie sei mit dem öffentlichen Posting durchaus einverstanden, ja sogar stolz darauf. Johnson legte noch ein paar Postings nach.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/144b7415-9504-4ef2-8251-2d7f8ff40930/uploads/images/kxlww2ozma/Bildschirmfoto_2026-05-06_um_17.18.20.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Nach dem Ursprungsposting über den Oralsex und die Beschaffenheit der Vaginalflora seiner Partnerin schob Johnson noch ein paar Memes nach.</figcaption></figure><p><strong>Druck auf Frauen</strong></p><p>Was die beiden im Nachgang als Versuch der Aufklärung über Geschlechtskrankheiten zu framen versuchten, darf man jedoch als fadenscheiniges Eigenmarketing betrachten. Johnson will schließlich nicht nur niemals sterben, sondern bietet seinen Lifestyle auch als App an und verkauft Hunderte Produkte (Supplements, Haarpflege, Cremen, Olivenöl and what not) über seinen “Blueprint”-Shop. </p><p>Nun kann man das (wenn man will) mit wohlwollender Sicht auf den Kapitalismus noch als findiges Unternehmertum durchgehen lassen. Schlimmer ist allerdings wieder einmal, welcher Druck damit auf Frauen ausgeübt wird. Als kursierten nicht schon genug Klischees und Wunschvorstellungen auf Social Media, denen man als weibliche Person angeblich zu entsprechen habe, wird jetzt auch noch ein Rennen um die “beste Vaginalflora” eröffnet. Müssen sich Frauen nun fragen, ob sie auch zu dem “einen” Prozent gehören? Und im Vergleich zu wem und was überhaupt? </p><p><strong>Unwissenschaftlich und rassistisch</strong></p><p>Johnsons Behauptungen sind in diesem Fall (wie in den meisten anderen seiner Longevity-Exzesse) wissenschaftlich nicht haltbar oder zumindest unvollständig. Es ist grundsätzlich schon richtig, dass Laktobazillen zu einer gesunden Vaginalflora beitragen (können). Es gibt jedoch kein “Top 1 Prozent” und “mehr” bedeutet auch nicht gesünder oder normaler oder besser. Es gibt bei völlig gesunden Frauen zum Beispiel <a href="https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/a-1547-9613.pdf">große Unterschiede je nach Ethnie</a>. Es kann auch vorkommen, dass überhaupt keine Laktobazillen vorhanden sind, was tendenziell eher bei Schwarzen oder Hispanischen Bevölkerungsgruppen der Fall ist.</p><p>Frauen zu suggerieren, sie müssten sich optimieren oder mit ihren Geschlechtsorganen stimme etwas nicht, weil sie diesen und jenen Wert nicht vorweisen können, ist also einerseits misogyn und andererseits auch rassistisch. Hinzu kommt, dass ein hoher L. crispatus-Wert bzw. Supplementierung in dem Bereich sich negativ auf Spermien auswirken kann. Das bedeutet, Paare, die aufgrund der Spermienbeschaffenheit des Mannes ohnehin schon Probleme mit der Kinderzeugung haben, sollten darauf jedenfalls verzichten. </p><p><strong>Die Hure</strong></p><p>Psychische Belastungen durch Schönheits- und Selbstoptimierungswahn (online wie offline) betreffen Mädchen und junge Frauen ganz besonders stark. Aktuelle Daten aus Deutschland und aus Österreich zeigen, dass Frauenhass (im Netz) zuletzt weiter zugenommen hat Vor allem im rechtsradikalen Millieu findet zunehmend eine Vermischung mit Hass aus der Incelszene statt. Niemand braucht also den xten Techbro, der Bewertungen zu Frauenkörpern vornimmt und damit sein testosterongeladenes Publikum füttert.</p><p>Man konnte übrigens auch in dem konkreten Fall sehr gut beobachten, wohin sich der Hass kanalisiert. Den bekam nämlich vorwiegend Kate Tolo ab und nicht ihr Partner, der mit seinem Oralsex-Posting alles losgetreten hatte. Zwar wurde auch er mit Häme und Kritik bedacht, doch über seine Partnerin waren Beleidigungen ganz anderer Qualität zu lesen: Sie sei eine Hure, eine dreckige Schlampe. Witze über ihre Intimsphäre wurden gerissen und sie als Frau insgesamt auf sexualisierte Weise herabgesetzt. </p><p>Diese Art des Online-Hasses hat System. Es ist belegt, dass Frauen vor allem in Bezug auf ihr Geschlecht beschimpft und beleidigt - also in ihrem Frausein angegriffen werden. Eine vergleichbare Tonalität gibt es in Bezug auf Männer so nicht. Der Mann, egal welchen Unsinn er treibt, steigt nach einem Shitstorm sogar oft wieder als der “coole Typ” aus. Der Innovator. Der Guru. Der Bro. Übrig bleibt ein patriarchales Diktat, das Frauen und ihre Körper bewertet und als mangelhaft darstellt. </p><p>Lassen wir uns nicht von millionenschweren Blendern und Möchtegerns mit zu viel Tagesfreizeit einreden, wie wir zu sein haben. Und schon gar nicht, ob wir gesund sind oder nicht. Unsere Körper gehören immer noch uns. </p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir verlassen uns auf die Wissenschaft!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>*Dazu hier gerne der Verweis auf <a href="https://www.golem.de/specials/techbro-watchblog">eine regelmäßige Kolumne</a>, die ich an anderer Stelle schreibe. <br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 07 May 2026 05:49:26 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#4 Das perfekte Opfer]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Vor ein paar Tagen kam mir auf Instagram ein neun Jahre alter BBC-Sketch unter, der leider nichts an Aktualität eingebüßt hat. In dem Satire-Video von…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Vor ein paar Tagen kam mir auf Instagram ein neun Jahre alter BBC-Sketch unter, der leider nichts an Aktualität eingebüßt hat. In dem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=51-hepLP8J4">Satire-Video</a> von Komikerin Tracy Ullman wird vorgeführt, wie es aussehen würde, begegnete man anderen Verbrechensopfern so, wie man es - bis heute - bei Vergewaltigungsopfern tut. “Was hatten Sie an?”, “Haben Sie den Täter provoziert?”, “Wieso waren Sie da überhaupt unterwegs?” - man kennt solche Reaktionen seitens Behörden, seitens der breiten Öffentlichkeit, ja selbst seitens des persönlichen Umfelds. Und das gilt nicht nur bei Vergewaltigungen. </p><p>Sobald einer Frau Gewalt angetan oder sie einem Übergriff ausgesetzt wird, klickt bei vielen ein Trigger, der nur noch ausloten will, wie viel Schuld man der Betroffenen zuschieben kann. Irgendetwas macht das Opfer immer “falsch”. Anstatt die eigentliche Tat zu kritisieren, wird dann rasch umgeschwenkt auf ein Sezieren des Verhaltens der Betroffenen. Man geht auf Spurensuche, wodurch der Gewaltakt womöglich “mitverursacht” worden sein könnte, oder es wird in Abrede gestellt, dass überhaupt ein Übergriff vorliegt, denn man hätte ja an dieser oder jener Stelle mit x oder y reagieren können. Es scheint so etwas wie eine Idealvorstellung eines Opfers zu geben. Und wenn diese nicht erfüllt wird, dann kann es “so schlimm schon nicht gewesen sein”. Spoiler: Dieses “Ideal” wird nie erfüllt. </p><p><strong>Immer das gleiche Muster</strong></p><p>Im Fall eines prominenten Medienmanagers wird aktuell die Frage verhandelt, wie viel bzw. wenig Opfer eine Frau sein kann, die auf sexuell übergriffige Nachrichten und das ungebetene Zusenden von Dick Pics nicht ausschließlich mit einem “Scher dich zum Teufel” reagiert hat. Da waren auch freundliche Nachrichten und außerdem hat sie den Mann mit Spitznamen angesprochen, kann dieses Opfer überhaupt ein “echtes” Opfer sein? Dass die Betroffene mehrfach selbst betont (und belegt) hat, dass sie das nicht wollte, rückt in den Hintergrund. Machtgefälle zwischen Chef und Angestellter werden ausgeblendet, das Nein der Frau herabgesetzt - weil sich viele weder in eine solche Situation einfühlen wollen, noch akzeptieren, dass ein Übergriff auch dann einer ist, wenn man sich davor einmal gut verstanden hat. </p><p>“Da dürfen sich die Frauen nicht wundern”, meint ein bekannter Anwalt und ortet das Problem bei sexueller Belästigung nicht zuvorderst beim toxischen Verhalten von Männern, sondern gibt den “Miniröcken” die Schuld. Klingt zu arg nach Klischee? Man mag es nicht glauben, aber auch solche Aussagen gehen 2026 in Talkrunden noch <a href="https://www.youtube.com/shorts/uomF7kAhwag">live auf Sendung</a>.</p><p>Selbst im Fall Gisele Pelicot, der auch strafrechtlich nicht eindeutiger sein könnte (alle Angeklagten wurden verurteilt), sah sich die Betroffene im Laufe des Prozesses mit unglaublichen relativierenden Aussagen seitens der Starfverteidiger:innen konfrontiert. Der Bürgermeister von Mazan verharmloste (in einer ersten Reaktion) die Grausamkeiten, die Pelicot widerfahren sind, und meinte, es hätte auch schlimmer sein können. Denn es wären ja keine Kinder beteiligt und niemand getötet worden. Von 80 Männern vergewaltigt zu werden, reichte offenbar nicht, um dieser Frau uneingeschränkt zur Seite zu stehen. Gisele Pelicot weigerte sich jedenfalls, den Klischeevorstellungen eines passiven Opfers zu entsprechen. In schonungsloser Selbstreflexion beschreibt sie in ihren Memoiren, wie sie gegen den Opferstatus ankämpfte und vor Gericht auf konkrete Begrifflichkeiten bestand - etwa, dass eine Vergewaltigung auch als Vergewaltigung bezeichnet wird (was manche Anwälte verhindern wollten). </p><p><strong>Geh doch</strong></p><p>Vor wenigen Tagen machte in Österreich wieder ein Femizid Schlagzeilen. Ein 36-Jähriger tötete seine 35-jährige Partnerin im Zuge eines Streits. Das Land bewegt sich bei Frauenmorden im europäischen Spitzenfeld. In Deutschland kommt es (je nach Definition in der Statistik) etwa alle zwei Tage zu einem Femizid, weltweit etwa alle zehn Minuten. Generell wird jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens Opfer von Gewalt. Die meiste davon geschieht in Partnerschaften bzw. im familiären Umfeld. </p><p>Doch anstatt das gewaltige Ausmaß dieser Zahlen zu begreifen und den (überwiegend männlichen) Tätern mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten, fällt vielen nichts Besseres ein als zu fragen: “Na, wieso ist sie denn bei dem geblieben?” Die Verantwortung wird auf das Opfer zumindest teilausgelagert. </p><p>Die am Wochenende in der Steiermark getötete 35-Jährige hatte vor, zu gehen. Medienberichten zufolge hat sie ihrem Ehemann kurz vor der Tat mitgeteilt, sich scheiden lassen zu wollen. Und laut Statistik gibt es bei Partnerschaftsgewalt nichts Tödlicheres als das. Denn bei den meisten Frauenmorden sind <a href="https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/studie-zu-femiziden-trennung-ist-haeufigster-ausloeser,femizid-142.html">Trennungssituationen der Auslöser</a>.</p><p><strong>Aufmerksamkeit ungleich verteilt</strong></p><p>Gesellschaftliche Vorstellungen davon, wie ein “richtiges” Opfer zu sein - und auch auszusehen - hat, werden übrigens auch medial mitgeprägt. Es gibt zum Beispiel das sogenannte Missing White Woman Syndrome. Das Phänomen beschreibt, wie Massenmedien bei Vermisstenfällen jungen, weißen Frauen bzw. Mädchen aus der Mittelschicht überproportional viel Berichterstattung einräumen. Entsprechen Betroffene nicht diesem Klischee, erhalten sie auch deutlich weniger mediale Fläche und Mitgefühl. </p><p>Ähnliches konnte man auch bei der Femizidberichterstattung in österreichischen Medien im Jahr 2025 beobachten. Den weitaus größten Anteil an Aufmerksamkeit erhielt der Fall einer jungen Influencerin aus Graz, die zufällig eben diese Klischees erfüllte. Femizid-Fälle von Migrantinnen oder auch älteren Frauen werden weitaus weniger breit in Medien abgehandelt. </p><p><strong>Wehr dich halt</strong></p><p>Auch wenn es um Belästigung am Arbeitsplatz, sexistische Kommentare oder anzügliche Witze geht, wird die Verantwortung gerne vom Täter weg auf das Opfer gelenkt. Man dürfe sich eben nichts gefallen lassen, müsse sich halt wehren, oder sollte nicht so empfindlich sein, heißt es dann oft. So, als wäre man einfach selbst schuld an dem Geschehenen.</p><p>Doch an dieser Stelle sei ganz klar gesagt: Keine Frau ist für Übergriffe oder Gewalt, die ihr angetan wird, verantwortlich. Niemand muss sich in irgendeiner besonderen Weise verhalten, um sich ein “Recht” auf Unversehrtheit und Respekt “zu erarbeiten”. Kein Mensch muss besonders “stark” oder im Besitz irgendeiner anderen Eigenschaft sein, um sich ein gewaltfreies Leben erstmal “zu verdienen”. Es ist völlig gleichgültig, ob eine Person besonders sympathisch ist, ideologisch im gleichen Lager spielt oder in ihrem Leben selbst schon einmal Fehler gemacht hat. </p><p>Es gibt kein “pefektes Opfer” und es soll und darf ein solches auch nicht geben. Wie Betroffene auf Gewalterfahrungen reagieren, ist individuell unterschiedlich und in persönliche Umstände gebettet. Was allerdings nicht individuell, sondern systemisch und immer gleich ist, sind die dahinter liegenden patriarchalen Muster, nach denen unsere Gesellschaft funktioniert, und die Klischees, die sie erzeugen. Es sind jene Muster, die eine Täter-Opfer-Umkehr begünstigen, in denen Frauen weniger geglaubt wird und die daran mitkwirken, dass nur ein kleiner Bruchteil der Gewalttaten überhaupt angezeigt wird.</p><p>Hören wir also auf mit den Relativierungen und fangen wir an mit dem schonungslosen Benennen von Übergriffen, Machtmissbrauch und Gewalt.</p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir ziehen unsere Miniröcke an!</p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 30 Apr 2026 05:45:05 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#3 Zu laut, zu frech, zu fordernd]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Unlängst saß ich im Publikum einer Preisverleihung auf einem Branchenevent. In einer gegen Ende platzierten Kategorie, als alle schon recht müde…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Unlängst saß ich im Publikum einer Preisverleihung auf einem Branchenevent. In einer gegen Ende platzierten Kategorie, als alle schon recht müde waren, sorgte eine Laudatorin noch einmal für etwas Schwung. Die in der Branche tätige Frau belobigte die Nominierten und Gewinner mit einer Rede, in die sie eine kräftige Portion Kritik gemischt hatte - daran nämlich, dass nur Männer zur Auswahl standen. Der Freund, der mich zu der Veranstaltung eingeladen hatte, quittierte den Auftritt mit den Worten: “Das hat sie jetzt 30- bis 40-tausend Euro gekostet.” Als ich fragte, was das bedeuten soll, erklärte er mir, dass sich nun wohl einige Mächtige in betreffender Branche auf den Schlips getreten fühlen würden. Schlips - ein gutes Stichwort, denn jene, die dort das Geld und das Sagen haben, sind vorwiegend Schlipsträger (Männer). </p><p>Die Einschätzung lautete, dass die Laudatorin in näherer Zukunft gewisse Aufträge oder Zusagen wohl eher nicht bekommen würde. Ihre Kritik, “mit der sie ja eigentlich recht hat” so der Tenor unter vielen der Gäste, sei einfach etwas “zu direkt”, “zu undiplomatisch”, “zu aggressiv” gewesen. Das brachte mich, die bei der Laudatio selbst kurz zusammengezuckt war, zum Nachdenken: Wer darf wann wie sprechen? Wer bestimmt, was angemessen ist und was nicht? Und vor allem: Wer wird für Gesagtes sanktioniert und wem lässt man alles durchgehen?</p><p>Fangen wir ganz oben in der Pyramide an: Donald J Trump, US-Präsident, der “mächtigste Mann der Welt”. Was hat er nicht alles schon gesagt, kein Tag vergeht, an dem er nicht mit Unsagbarem aufhorchen lässt. Hat es ihm geschadet? Nein. Hat man ihm aufgrund seiner alle Grenzen sprengenden Aussagen die Macht entzogen? Nein. Für Trump war es sogar möglich, als verurteilter Sexualstraftäter ein zweites Mal ins höchste Amt der USA gewählt zu werden. Dort kommen Frauen - bislang - gar nicht erst hin. </p><p><strong>Bitte nicht lachen</strong></p><p>Die werden für ihr Gesagtes, das zeigte sich auch am Beispiel Kamala Harris im letzten US-Wahlkampf wieder, nämlich ganz anders bewertet. Da war schon ihr simples Lachen Grund genug, sie mit Beschimpfungen zu überschütten und ihr jegliche Kompetenz abzusprechen. Ähnlich verlief es einige Jahre zuvor mit Hillary Clinton. Über sie machten sich TV-Kommentatoren lustig, weil ihre Stimme angeblich “nervig” sei. Während Trump, egal welchen Unsinn er von sich gibt, immer noch bei vielen damit durchkommt, der “Führer” und der “Business-Mann” zu sein, werden Kompetenzen von Frauen gar nicht erst wahrgenommen. </p><p>Frauen werden schon in der Art, wie sie sprechen, auf eine Weise beurteilt, wie es bei Männern nicht vorkommt. Da sind wir noch gar nicht bei dem Punkt, was sie sagen, oder etwa, wie die erwähnte Laudatorin, wagen zu kritisieren. Die Beispiele sind endlos - in der Vergangenheit ebenso zu finden wie in der Gegenwart. </p><p>Die extremistischen Taliban verbieten Frauen das Lachen und neuerdings das Sprechen in der Öffentlichkeit sogar generell (wie so ziemlich alles andere auch). Aber auch in deutschen “Benimmbüchern” aus den 60er-Jahren konnte man nachlesen, dass Frauen, die laut lachen, “vulgär” seien. Gar als Anzeichen für Promiskuität wurde dieses Lachen gewertet.</p><p>In der Türkei sorgte ein Mitstreiter von Präsident Erdogan 2014 für Aufsehen, der das öffentliche Lachen von Frauen als unvereinbar mit der Tugendhaftigkeit bezeichnete und es auch nicht gerne sah, dass Frauen “so viel am Handy telefonieren”. Frauen wird sogar negativ ausgelegt, dass bzw. wenn ihre Stimmlage höher ist als jene von Männern. Die berühmt-berüchtigte britische Permierministerin Margaret Thatcher unterzog sich Trainings, um ihre Stimme tiefer zu regulieren, weil man ihr vorwarf “zu schrill” zu reden. </p><p><strong>Was ist Meinungsfreiheit?</strong></p><p>Und obwohl Frauen, die öffentlich sprechen, wegen absurdesten Dingen kritisiert werden, obwohl sie in Diskussionen häufiger unterbrochen werden (auch dazu gibt es Studien), in Medien weniger oft vorkommen und schneller “bestraft” werden, wenn sie lautstark Forderungen stellen, sorgt sich eine gewisse, mächtige Gruppe medienöffentlicher Männer weiterhin nur um sich selbst. Es folgt ein Beispiel. </p><p>Der deutsche Alleskommentierer Richard David Precht, der montags Experte für den Ukrainekrieg ist und dienstags bewertet, was (nicht) Sexismus ist, klagt in Büchern und auf Bühnen gerne über die “böse Cancel Culture”. Ihm zufolge vergleichbar mit Faschismus (auch da ist er Experte). Der Mann, für den kaum ein Tag vergeht, ohne dass er mit Schlagzeilen belohnt wird, sorgt sich um das Recht auf freie Meinungsäußerung. Dieses sieht er offenbar besonders für (ältere) dauerpräsente Männer wie ihn selbst bedroht. Komischerweise spricht er selten von jungen Frauen, die ihre Stimme erheben und infolge Aufträge verlieren. </p><p>Es liegt die Vermutung nahe, dass die freie Meinungsäußerung (darunter versteht man das Recht sich mitzuteilen ohne vom Staat dafür verfolgt zu werden) von Menschen wie Precht mit Kritik und Gegenwind verwechselt wird. Es ist wahr: Das Internet kann ein ziemlich ungemütlicher Ort sein und auch die Mächtigsten und Berühmtesten werden dort in die Mangel genommen. Doch manche von ihnen sind so an ihren überhöhten Status und ihre Privilegien gewöhnt, dass sie dabei übersehen, aus welcher Position sie eigentlich sprechen. Es ist eine, in die andere niemals kommen werden, weil sie schon viel früher auf dem Weg dorthin sanktioniert oder mundtot gemacht wurden: durch finanziellen Druck, Einschüchterung oder Bedrohung. </p><p>Wer bestimmt jetzt also, was wie gesagt werden darf? Ich habe keine endgültige Antwort, aber einen dringenden Verdacht. </p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir sprechen uns noch!</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 23 Apr 2026 05:48:21 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[#2 Der Bär kommt nicht von ungefähr]]></title>
      <description><![CDATA[Warum ich Florian Klenk widersprechen und die Debatte um die Gewaltdebatte geraderücken muss Liebe Leser:innen, Kürzlich veröffentlichte Falter-Chefredakteur Florian…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Warum ich Florian Klenk widersprechen und die Debatte um die Gewaltdebatte geraderücken muss.</strong></p><p>Liebe Leser:innen,</p><p>Kürzlich veröffentlichte Falter-Chefredakteur Florian Klenk einen <a href="https://www.falter.at/maily/20260414/baer-oder-mann">Newsletter</a>, in dem er das feministische “Bär oder Mann”-Meme kritisierte und seine Sicht auf die Gewaltdebatte schilderte. Ich las seine Ausführungen aufmerksam, musste aber innerlich mehrmals aufschreien. Nein. Und an anderer Stelle nochmals Nein. Usw. Zwischendurch dachte ich auch Ja. Ja, klar. Aber insgesamt ließ mich sein Maily (wie der Newsletter im Falter heißt) mit folgenden Fragen zurück: Warum versteht er das nicht? Wem soll hier eigentlich etwas (Feminismus) erklärt werden? Wieso wird Richtiges einerseits erkannt, aber andererseits nicht richtig verknüpft? </p><p>Ich war nicht die einzige (was eigentlich wenig zur Sache tut), die sich an dem Newsletter stieß, die Debatte manifestierte sich wie gewöhnlich schnell auf Social Media (logisch - Florian* hatte sie mit einem Posting auch selbst dorthin getragen). Ich wollte aber nicht in die akute Aufregungsfalle tappen, sondern lieber lang und breit erklären, wieso man einiges in diesem Maily nicht einfach so stehen lassen kann. Also bot ich einen Antworttext für den Falter an. Die Möglichkeit gebe es im Maily nicht, erklärte mir Florian, aber wir einigten uns schließlich darauf, dass ich etwas schreibe und er es dann infolge aufgreift. </p><p>Also gehen wir es an, Schritt für Schritt, please bear with me. (Ja, der war Absicht.)</p><p><strong>Erklärbärin</strong></p><p>Witze soll man nicht erklären, selbiges gilt eigentlich auch für Memes (man versteht sie, oder eben nicht). Aber angesichts der Situation werde ich mir hier trotzdem die Schlittschuhe anziehen, mich aufs Glatteis begeben und ein paar Interpretationspirouetten drehen. Es drängte sich mir nämlich der Eindruck auf, dass das “Bär oder Mann”-Meme (<a href="https://tu-dresden.de/bu/der-bereich/chancengleichheit/fun/news/mann-oder-baer-tiktok-trends-als-gesellschaftlicher-spiegel-1">Wer es wirklich nicht kennt, liest bitte hier nach</a>) von Florian etwas anders wiedergegeben wird, als es mir bislang untergekommen ist.</p><p>Er schreibt: <em>“(...) Weil es etwas Emotionales berührt: Angst im öffentlichen Raum.” Und weiter: “Aber es ist ein schlechtes Experiment. Denn es arbeitet mit genau dem, was man politisch überwinden will: Stereotype. Der Mann wird zur Chiffre für Gewalt. Das wilde Tier zur vermeintlich berechenbaren Alternative. Das ist analytisch dünn.”</em></p><p>Dazu möchte ich festhalten, dass es beim Bären-Meme eben nicht bloß um “Angst im öffentlichen Raum” geht (auch wenn das die vordergründig offensichtlichste Interpretation ist), sondern schlichtweg um die (theoretische) Gefahr, die für Frauen von Männern ausgeht. Und das betrifft alle Bereiche und gilt ganz allgemein. Der Bär im Wald - an diesem Bild stößt sich Florian ganz besonders und findet es reaktionär - ist weder wörtlich zu nehmen, noch geht es hier im Kern um den Wald. Das Ganze ist nur eine Metapher, wir können gerne auch vom Bär im Fitness-Studio reden oder vom Krokodil in der Oper.</p><p>Insofern finde ich dann auch die Bezeichnung “Experiment” nicht ganz passend, denn wir machen keine Experimente im Wald, wir fragen (wie die Politikerin Judith Pühringer) bloß nach einer theoretischen Gefahreneinschätzung. Man kann auch einfach darüber nachdenken, wieso so viele Frauen sich in ihrem Sicherheitsgefühl von Männern derart bedroht fühlen, dass sie lieber den Bär wählen würden. Daran sind keine bösen Märchen schuld.</p><p>Wem das gesamte Bären-Bild nicht gefällt, möchte ich an dieser Stelle eine andere Alternativfrage anbieten, die ebenfalls schon viele Runden auf Social Media gedreht hat, und den Punkt, um den es im Bären-Meme geht, auf sehr ähnliche Weise aufzeigt: “Was würdest du tun, wenn es einen Tag lang nur Frauen auf der Welt gebe?” Hier antworten Männer in der Regel mit “Das Gleiche wie immer” und Frauen zählen seitenweise Listen an Dingen auf, die sie dann “endlich” einmal machen könnten, sich nicht fürchten, bevormundet, eingeschränkt oder bedroht fühlen müssten. Es geht hier immer ums Gleiche: Dass Männer für Frauen eine (statistisch sehr relevante) Gefahr darstellen, die umgekehrt so von Frauen für Männer nicht existiert. </p><p>Das kann man drehen und wenden, wie man(n) will, das ist eine Tatsache, die jede:r in Gewaltstatistiken nachlesen kann. Insofern möchte ich zum Satz “Der Mann wird zur Chiffre für Gewalt” auch sagen: Ja, eigentlich schon. Das wird er, das ist er. Und natürlich könnten wir dann wieder die leidige Not-all-men-Debatte führen, aber ich möchte mich vorerst weigern. Und zwar weigere ich mich so lange, bis nicht mehr jede dritte Frau von Gewalt betroffen ist, bis Männer wie Dominique Pelicot nicht einfach so 80 andere Männer im Umkreis von nur wenigen Kilometern finden, die dann jahrelang gemeinsam eine betäubte Frau vergewaltigen. Ich weigere mich so lange, bis nicht alle paar Tage wieder ein Promimann oder Unternehmensmanager mit Schlagzeilen zu Übergriffen, Gewalt oder Machtmissbrauch auffällt. </p><p>Nicht alle Männer, nein natürlich nicht alle. Aber es ist wirklich das Unwichtigste an der gesamten Gewaltdebatte, dass wir das immer dazu sagen müssen, nur damit kein Mann gekränkt ist. Ich gebe hier einen bewährten Satz mit: Angegriffen ist, wer sich angegriffen fühlt. Alle anderen können sich in der Debatte auf das fokussieren, worum es wirklich geht: die Opfer. Und wie man etwas zum Besseren verändern kann.</p><p><strong>Wer sagt was wann wo wie</strong></p><p>Kommen wir zu einem Punkt, wo ich Florian uneingeschränkt zustimme - und zwar ebenfalls, weil es hinreichend belegt ist: Die meiste Gewalt gegen Frauen geschieht in Partnerschaften und im näheren Umfeld. Dazu schreibt er <em>“Das ist nicht spektakulär. Es ist nicht instagrammable. Aber es ist die Realität. Der fremde Täter im Gebüsch ist die Ausnahme, nicht die Regel.”</em></p><p>Während ich ihm hier in der Sache zustimme, muss ich aufgrund dessen, wie er seinen Punkt erläutert, doch wieder heftig widersprechen. Erstens: Es ist sehr wohl spektakulär, genau das ist es ja, worüber Feminist:innen und Gewaltexpert:innen ständig reden. Von diesem immensen (spektakulären) Ausmaß an Gewalt in den eigenen vier Wänden.</p><p>Zweitens: Stimmt, es ist die Realität, es ist nicht/kaum der fremde Täter im Gebüsch. Aber das ist bekannt, (wir) Frauen reden uns genau darüber den Mund fusselig - und zwar egal wo. Wir schreiben darüber in Artikeln, wir posten dazu auf Social Media, wir diskutieren in unserem Umfeld. Und jeder Kanal hat seine Sprache und seine Möglichkeiten. </p><p>Diese Gewaltstatistiken sind eben schon “instagrammable”, denn sie sind die Grundlage, die Ursache, auf der Memes wie der Bär basieren. Der Bär kommt nicht von ungefähr. Es geht eben nicht um das Bild von Rotkäppchen im Wald, es geht um die allgegenwärtige Gewalt, die überall lauert, an jedem Tag, in großem und in kleinem Ausmaß. </p><p><strong>Was muss Feminismus</strong></p><p><em>“Feminismus, wenn er mehr sein will als Empörung und Clickbait, braucht Präzision. Er muss Strukturen benennen, nicht Bilder verstärken.”, </em>schreibt Florian weiter. </p><p>Abgesehen davon, dass sich viele (zurecht) daran stoßen, wenn ein Mann erklärt, was Feminismus muss (aber ich schenke ihm das hier mal großzügig), geschieht das alles ja. Und zwar seit es Feminismus in seinen unterschiedlichen Wellen gibt. Frauen, Feminist:innen tun all das gleichzeitig. Sie sind präzise, sie schreiben Bücher** dazu, sie führen Studien durch, sie tragen Daten, Zahlen und Fakten zusammen. Feminismus macht das. Frauen, Feminist:innen benennen Strukturen, Stichwort “das Patriarchat”. Genau das ist die zugrundeliegende Struktur, nur ist das Wort unbeliebt bei vielen Männern und sie wollen von eben dieser Struktur dann eigentlich gar nicht wirklich etwas wissen und bleiben lieber bei sich und ihren persönlichen Gefühlen. Frauen, Feminist:innen empören sich, ja selbstverständlich tun sie das. Sie müssen. Wo bitte wären wir heute und wo sollen wir von hier noch hinkommen, wenn wir uns nicht empören? Selbstverständlich empöre ich mich, dass es in keinem einzigen Land auf der Welt im Jahr 2026 komplette Geschlechterparität gibt, selbstverständlich empöre ich mich darüber, dass jede dritte Frau Gewalt erfährt. </p><p>Und das kritisierte “Bilder verstärken”? Es ist keine Frage von entweder/oder. Entweder Bären-Meme oder Statistiken. Das Meme ist die Statistik, ist die Lebensrealität von Frauen in einer Metapher. Eigentlich recht simpel. Weil man Menschen nun einmal nicht nur mit komplexen Aufsätzen und langwierigen Gegenreden wie dieser hier erreichen kann, müssen wir auch Memes posten. Und da dürfen wir auch kurz mal polemisch sein und lachen. Das ist gar kein Widerspruch. </p><p><strong>Die Studien</strong></p><p>Bleibt noch der Punkt der Studien, die Florian anspricht. Er schreibt: <em>“Wer das (Wie Gewalt entsteht Anm.) verstehen will, muss tiefer gehen: In Dunkelfeldstudien. In Gerichtsakten. In die rechtsextreme Manosphere, in radikal-religiöse Echokammern oder in die oft erschreckend banalen Realitäten von Ermittlungsarbeit.” </em>Auch an dieser Stelle muss ich wieder sagen: Aber da sind wir doch, das tun wir doch! (Ich schreibe häufig von “wir”, weil ich mich sowohl als Frau, als Feministin als auch als Journalistin in Florians Text angesprochen fühle.)</p><p>Ich habe zum Beispiel die Dunkelfeldstudie, die in Deutschland im Februar veröffentlicht wurde - es war die erste seit sehr vielen Jahren - sehr genau gelesen (Florian, du auch?). Und ich war schockiert, welche Zahlen sie zutage brachte. Zum Beispiel jene, dass überhaupt nur fünf(!) Prozent der Gewalttaten zur Anzeige gebracht werden. Von da weg kann man also hochrechnen, wie groß das Ausmaß häuslicher Gewalt wirklich ist. Die betrifft im Übrigen durchaus auch Männer bzw. oftmals Buben. Die Täter sind aber immer zum überwiegenden Teil männlich, egal gegen wen sich die Gewalt richtet. Womit wir wieder bei der Grundlage von “Bär oder Mann” wären, bei der Erklärung, warum so viele Frauen die “Not-all-men”-Debatte leid sind. </p><p>Florian schließt seinen Newsletter mit: <em>“Was wir brauchen? Weniger Symbolik, weniger gefällig inszenierte Männerscham, sondern mehr Analyse. Sozialforschung, also Aufklärung statt Angstbilder. Weniger „Bär oder Mann“, mehr die unbequeme Frage, warum Gewalt dort passiert, wo sie passiert, wie sie „vererbt“ oder ideologisch legitimiert wird – und warum wir nicht gut genug darin sind, sie zu verhindern.”</em></p><p>Da möchte ich teilweise zustimmen: Wir brauchen Analyse. Wir brauchen Sozialforschung. Das ist richtig. Wir brauchen aber natürlich auch Symbolik, wenn wir Statistiken und Verhältnisse breitflächig kommunizieren wollen, wir brauchen Metaphern und ganz sicher brauchen wir die Scham auf der richtigen Seite. Und das ist nicht jene der Frauen. </p><p>Was mich letzten Endes wohl am meisten an Florians Maily gestört hat, war der implizite Vorwurf an Feminist:innen, sie würden ihre Sache nicht richtig machen, sie würden bloß lustige polarisiernde Bildchen verschicken und sich eigentlich nicht richtig auskennen - mit Zahlen, Daten, Fakten. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ich für meinen Teil kann sagen: ich liebe den Bär und ich lese Statistiken. Vielleicht ist das der Grund, warum ich auch über ein Meme lachen kann. </p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.<br/>Wir treffen uns im Wald!</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/keine-frauen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p></p><p><em>*Wir kennen uns, sind per Du und haben nach seinem und vor meinem Text etwa eine Stunde miteinander telefoniert, daher erspare ich mir den Nachnamen ab dieser Stelle. </em></p><p><em>**Wie viele Männer haben “Das andere Geschlecht” von Simone de Beauvoir gelesen? Wollen wir dazu eine Umfrage machen? </em></p><p><br/></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 16 Apr 2026 12:12:22 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#1 Peter müsste man sein]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leser:innen, Sie möchten gerne eine hochbezahlte Position, Einfluss und Macht in einem großen Konzern? Dann habe ich einen genialen Tipp für Sie: Sie sollten Peter…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen,</p><p>Sie möchten gerne eine hochbezahlte Position, Einfluss und Macht in einem großen Konzern? Dann habe ich einen genialen Tipp für Sie: Sie sollten Peter heißen, Mitte 50 sein und weiß. Statistisch gesehen haben Sie so nämlich die besten Chancen Vorstandsmitglied in einem im Wiener Börse Index (WBI) gelisteten Unternehmen zu werden. Sie heißen leider nicht Peter? Macht nichts. Wenn Sie Stefan oder Andreas heißen, dann haben Sie immer noch ziemlich gute Aussichten. </p><p>Zusammengerechnet gibt es in Österreich nämlich mehr Vorstände mit den Namen Peter (10), Stefan (7) und Andreas (6) als Frauen in der selben Position insgesamt. Laut dem aktuellen Merit-Report, der im Vorfeld des Internationalen Frauentages am 8. März erschienen ist, sind 164 Vorstandsposten in den untersuchten Unternehmen mit Männern besetzt und nur mickrige 29 mit Frauen. Das entspricht gerade einmal 15 Prozent. “Gemischte Führung bedeutet nicht nur Besetzung, sondern Machtverteilung” schreiben die Autor:innen in der Studie. Doch die Realität folgt sogleich: 33 von 55 im Bericht erfassten Unternehmen haben überhaupt keine Frau im Vorstand sitzen.</p><p>Weit verbreitet herrscht der Glaube, dass “das mit der Gleichstellung doch alles längst erreicht ist” und sie (die Frauen) einfach nur “wollen” müssen. Aber egal, wie man es dreht und wendet, der Weg zur Geschlechterparität ist trotz erzielter Fortschritte noch immer weit. Besonders eindringlich beweist das eine weitere Zahl aus der Merit-Erhebung: In den österreichischen börsennotierten Unternehmen gibt es keine einzige weibliche CEO. Null, gar keine. Dass keine einzige es werden wollte, darf man guten Gewissens ausschließen. </p><p>Vielleicht haben sich die Frauen bisher einfach nicht genug angestrengt oder sind nicht genug qualifiziert - auch diesen Einwänden begegnet man in Debatten regelmäßig. Doch dem ist nicht so. Das lässt sich anhand vieler Erhebungen, Studien und Statistiken belegen. Die Probleme sitzen tiefer und sind nicht immer auf den ersten Blick erkennbar.</p><p>Frauen sind mittlerweile zum Beispiel immer besser ausgebildet, weisen sogar bessere Universitätsabschlussraten auf als Männer. In den absoluten Top-Jobs landen sie dann aber trotzdem nur in Ausnahmefällen. Daran sind sie nicht selbst schuld, sondern dafür sorgen vor allem fest eingefahrene Strukturen. Männer, die bereits in den mächtigen Positionen sitzen, neigen stark dazu, die Fackel innerhalb abgeschlossener Männernetzwerke an Männer, die ihnen selbst möglichst ähnlich sind, weiterzugeben. Das ist keine Neuigkeit, wird aber auch im aktuellen Merit-Report wieder einmal explizit betont. </p><p>Oben drauf kommen alt bekannte Probleme wie der Karriereknick bei der Familiengründung. Der betrifft de facto weiterhin nur Frauen, weil Männer in Österreich kaum in Karenz gehen. Neun, nur lächerliche neun Tage bleiben Väter im Schnitt beim ersten Kind zuhause. Auf der anderen Geschlechterseite sind es durchschnittlich 418 Tage. Nun kann man hierfür alle möglichen Ursachen suchen und auch finden: Der Gender Pay Gap etwa ist in Österreich besonders ausgeprägt, was dazu führt, dass die besser verdienenden Männer eher im Job und die Frauen beim Kind bleiben. Auch kulturell ist das Land relativ konservativ geprägt. Abgesehen von ein paar Bobo-Bubbles gilt Väterkarenz in der breiten Masse nach wie vor nicht als besonders “cool”. Dass es anders gehen würde, zeigen allerdings (ja, auch hier mal wieder) die skandinavischen Länder. Dort hat die Politik ihre Hausaufgaben gemacht und dafür gesorgt, dass für beide Elternteile Karenzzeiten vorgesehen sind und wer seine nicht nutzt, verliert sie schlichtweg. </p><p>Eine wirklich faire Geschlechterverteilung in den Spitzenjobs gibt es in keinem Land, Österreich steht im internationalen Vergleich aber besonders schlecht da. Und das bedeutet in diesem Fall: tatsächlich am schlechtesten. Mit nur 13,9 Prozent Frauen in den jeweils 40 größten börsennotierten Unternehmen belegt das schöne Alpenland den letzten Platz im Ranking mit vergleichbaren europäischen Ländern und den USA. Am besten fällt die Frauenquote derzeit in Großbritannien aus, dort kommt man in dieser Statistik auf 33,8 Prozent. </p><p>Sieht man sich die Aufsichtsratstatistik an, fällt die Machtverteilung etwas ausgewogener, aber auch nicht gerade prickelnd aus: Von 536 Aufsichtsratmandaten im WBI entfallen 169 auf Frauen, das entspricht 32 Prozent. Und bei weiblichen Aufsichtsratsvorsitzenden kommen die untersuchten Unternehmen derzeit auf 20 Prozent. Eine EU-Regelung schreibt übrigens vor, dass die Frauenquote in Aufsichtsräten in Zukunft zumindest 40 Prozent betragen muss. </p><p>Trotz ernüchternder Zahlen sollten wir aber nicht ganz verzagen. Expert:innen geben jenen, die für mehr Gleichstellung kämpfen, nämlich recht: Unternehmen und Teams funktionieren am besten, wenn sie gemischt sind und ein möglichst diverses Bild abgeben - wenn Frauen, aber zum Beispiel auch Menschen mit Migrationshintergrund, ein Teil von ihnen sind. Wenn Peter also das nächste Mal nicht wieder Peter, sondern zur Abwechslung einmal Magdalena ins Vorstandsteam holen würde, dann wäre das keine gnädige Geste an das andere Geschlecht, sondern eine knallhart vernünftige Business-Entscheidung.</p><p>In diesem Sinne, alles Liebe.</p><p>Wir sehen uns an der Spitze!</p><p><br/></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 09 Apr 2026 08:54:50 +0000</pubDate>
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