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    <title>Marco Michalzik</title>
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    <description>Textreihe, die als Newsletter mit Text und Audio exklusiv an Unterstützer verschickt wird: Gedichte, Essays, Gedanken.</description>
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      <title>Marco Michalzik</title>
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      <title><![CDATA[1886 (5 Gedichte für das Fuldafestival)]]></title>
      <description><![CDATA[hier ist eine darreichung, inniger als eine umarmung in abwesenheit, hier ein eingefangener windhauch, der meine seiten gestreift hat, den du dir auftauen kannst...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 53: 1886 (5 Gedichte zum Fuldafestival)</strong></p><p>In den vergangenen Tagen durfte ich Teil des Programms beim wundervollen <a href="https://fuldafestival.de/">Fuldafestival</a> sein – einem neuen Festival für junge Kammermusik, das unter der Leitung der Pianistin <a href="https://clara-reinisch.com/">Clara Reinisch</a> klassische Musik an ungewöhnlichen Orten und in innovativen Formaten dargeboten hat und dabei vor allem auf Begegnung setzt. Begegnung der beteiligten Künstler*innen mit- und untereinander, Begegnung mit den Zuhörenden und auch Begegnung in Formaten an Schulen und in Pflegeeinrichtungen. Statt eines Programms, wo Performer*innen nacheinander über mehrere Tage ihr Bühnenprogramm präsentieren, lag hier der Fokus auf dem Miteinander und dem Kollaborativen. Dieser Ansatz hat mich sehr berührt und inspiriert und es war mir eine große Freude und Ehre mit solch virtuosen Musiker*innen die Bühne zu teilen. Besonders schön war dabei auch, dass mein guter Freund und #poetrymeetsbeats-Partner Manuel Steinhoff ebenfalls dabei war und neben gemeinsamen Performances mit mir und unserem Programm aus Beats und Spoken Word auch Teil des Musiker*innen-Kollektivs war und so klassische Musik auf live gespielte elektronische Klänge und Beats treffen konnten.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e3069195-cf4d-49d2-9687-869e8f22db8e/uploads/images/du3q6h5fa3/3.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Bild zeigt eine Foto-Collage mit Eindrücken vom Fuldafestival, wo Marco gemeinsam mit klassischen Musikern seine Texte vorgetragen hat."/><figcaption>Alle Fotos von Sofia Palurović</figcaption></figure><p>Einer der gemeinsamen Abende stand unter dem Motto <em>`86 Colours </em>und damit thematisch dem Jahr 1886. Das Jahr in dem in das erste Automobil gebaut und vorgestellt wird, das Jahr in dem die Freiheitsstatue in New York eingeweiht wird und vor allem das Jahr in dem der Komponist Franz Liszt gestorben und die Komponistin Rebecca Clarke geboren wurde und das Jahr in dem César Franck seine Sonate für Violine und Klavier in A-Dur als ein Hochzeitsgeschenk für einen Freund komponiert und das Jahr in dem der amerikanische Komponist Charles Ives als Teenager eine Hütte abfackelt.</p><p>Mit diesen Personen, ihren Werken und Biografien habe ich mich ausgiebig beschäftigt, eingehört und eingelesen und schließlich fünf Gedichte geschrieben, die an dem Abend, der ansonsten gänzlich ohne Moderation stattfand, so etwas wie die Erzählstimme waren, die die Zuhörenden durch dieses Jahr 1886 führen durfte. Dabei besteht jedes der Gedichte aus zwei Teilen. Der erste Teil hat jeweils 8 Zeilen und der zweite 6, um auch in der Form die 86 aufzugreifen und sichtbar zu machen.</p><p>Diese 5 Gedichte, die außer den Menschen, die an diesem Abend anwesend waren, noch niemand gehört oder gelesen hat, möchte ich heute mit Dir teilen. Du findest sie der Reihe nach als Text und darunter die von mir gesprochene Audio-Version. Dazu habe ich jeweils das Musikstück verlinkt, auf das sich das Gedicht bezieht. Die Gedichte spielen dabei teilweise auch mit Zitaten und Verweisen, besonders sichtbar im letzten Gedicht zu Rebecca Clarke. Der Text beginnt mit einer Zeile, die ein direktes Zitat von ihr ist. Der Satz stammt aus einem Interview, das sie gegeben hat, nachdem die (männliche) Kritiker-Öffentlichkeit angezweifelt hatte, dass eine Künstlerin dieses Namens überhaupt existiere und dass ein solches Stück sicher nicht von einer Frau geschrieben sein könne. Oder auch im zweiten Gedicht zu Liszt, wo Anspielungen auf Text-Zitate vorkommen, die er seinem Stück <em>Vallée d&#39;Obermann</em> als Mottos vorangestellt hat, die aus dem gleichnamigen Briefroman Obermann von Étienne Pivert de Senancoursowie aus Lord Byrons Childe Harold&#39;s Pilgrimage stammen.</p><p>Weitere Eindrücke aus diesem tollen Abend und eine ausführliche Foto-Strecke dazu findest du <a href="https://osthessen-news.de/n11800385/ein-abend-voller-licht-musik-und-worten-86-colours-in-der-eventlocation-u1.html">hier</a>. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e3069195-cf4d-49d2-9687-869e8f22db8e/uploads/images/ldz7nebqcl/IMG_9848.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="drüben haben sie den droschken erfolgreich 
die pferde  von vorne unter die hauben geschraubt 
und hier versuchen sie dasselbe, fordern veränderung
fortschreitend fußspuren hinterlassend, die nicht zu menschen
zu passen scheinen, rasanter als du wunderkind leise 
zu ende denken kannst, vielleicht wäre es ok zu gehen, 
wenn wer den hype nicht mehr versteht und die codes
nicht mehr sicher decheffriert bekommt sagst du zum abschied

und dass du nichts vermissen wirst, nur den hund, 
und wünschst dir zu erinnerung eine locke aus seinem fell, 
und ich hoffe, dass dir der unterschied nicht auffällt, wenn ich dir 
eine von meinen abschneide, um deine ichomanie noch nicht abebben zu lassen, der rückblick schaut selbst auf schönes bedauernd, also alles auf neuanfang, spiel mir das stück nochmal, aber bitte ein bisschen blauer"/><p>AUDIO-VERSION:</p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/e3069195-cf4d-49d2-9687-869e8f22db8e">Auf Steady anhören</a></p><p></p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=4avin_5a1Ek&amp;list=PLERZ-M5ARE4D6vOzxcRuky1pBjq9dQR-5&amp;index=2">https://www.youtube.com/watch?v=4avin_5a1Ek&amp;list=PLERZ-M5ARE4D6vOzxcRuky1pBjq9dQR-5&amp;index=2</a><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e3069195-cf4d-49d2-9687-869e8f22db8e/uploads/images/2kcn72djca/IMG_9849.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="vielleicht muss ich zuerst eine farbe für mich wählen im bewusstsein des spektrums,
aber welche? suche eine symbol für mein sein zwischen den vielen bezugspunkten,
selbst an meereshäfen stehend begreife ich das mit den ankerplätzen nicht ganz, 
und wie ankommen geht oder rückkehr mit absicht erst recht nicht, frage
ob fragen ziel sein können und nicht nur weg oder vehikel-schienen, 
aus deren geradlinigen bahnen auch in kurven mich kein wind herausreißt, von welchem ort aus soll ich mich von hier an denken?
kann es ein anderes wort für zuhause geben, das ich jetzt nur noch nicht kenne?

als es mir schließlich gelingt mich zum beten zu zwingen, 
sei es zu gott, zu natur oder schlicht diesem leben, 
habe ich vergessen zu wissen, was ich eigentlich will, 
keine einzige eigene bitte lässt sich konkret formulieren, 
und so werde ich die worte der fragen virtuous in tastentöne übersetzen, vielleicht geht es ohnehin um klang und nicht um festschreibung der sätze."/><p>AUDIO-VERSION:</p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/e3069195-cf4d-49d2-9687-869e8f22db8e">Auf Steady anhören</a></p><p></p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=GsQlLEvgm6Q&amp;list=PLERZ-M5ARE4D6vOzxcRuky1pBjq9dQR-5&amp;index=8">https://www.youtube.com/watch?v=GsQlLEvgm6Q&amp;list=PLERZ-M5ARE4D6vOzxcRuky1pBjq9dQR-5&amp;index=8</a><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e3069195-cf4d-49d2-9687-869e8f22db8e/uploads/images/imc73ewc3e/IMG_9850.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="(abfackeln)

drüben haben sie eine fackelfrau für die freiheit ans wasser gestellt, 
früher rötlich, jetzt türkis, an dem ort, unweit der mauer, die errichtet
wurde, um die eigentlichen bewohner des landes auszusperren, 
und wo innerhalb menschen menschen mieten konnten für ein wochenende oder die dauer eines bauprojekts, wenn ihnen kauf und besitz zu teuer waren, und irgendwo brennt eine hütte und irgendwo hat jemand angst und irgendwo wird wer erkennen, das eigene tun hat relevanz, und irgendwo wird jemand denken: wenn du kannst, brenn alles ab

fackel ab die furchtbare verblendung und verdrängten greueltaten der vorfahren, fackel ab, die verklärung und finstere heldenverehrung falsch erinnerter geschichten, fackel ab, was an samen dieser pflanzen in mein heute herübergewachsen kommt, 
fackel ab die grenzenlose gier der unsichtbaren hand, bevor sich der restliche körper manifestiert, fackel alles ab, aber versteue danach die asche noch nicht, vielleicht gelingt es ja diesmal aus den verkokelten resten eine andere zukunft zu bauen mit der zeit"/><p>AUDIO-VERSION:</p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/e3069195-cf4d-49d2-9687-869e8f22db8e">Auf Steady anhören</a></p><p></p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=49P6J5qL7cw&amp;list=PLERZ-M5ARE4D6vOzxcRuky1pBjq9dQR-5&amp;index=6">https://www.youtube.com/watch?v=49P6J5qL7cw&amp;list=PLERZ-M5ARE4D6vOzxcRuky1pBjq9dQR-5&amp;index=6</a><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e3069195-cf4d-49d2-9687-869e8f22db8e/uploads/images/dxgil7od24/IMG_9851.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="(hochzeitsgeschenk)

ich reiße mir ein stück vorstellungskraft aus meinen eingeweiden
aus papier, um es dir zum geschenk zu machen, passend zum anlaß
eines festtages, mindestens, der von vielen aus unterschiedlichen gründen bezeugt wird, warnung: mein geschenk soll schön sein, im besten sinne, aber hübsch eher nicht und es wird ecken geben, an denen du anstößt und kanten haben, um die du dich kümmern musst, bis sie für dich aufgehen und hoffentlich offen legen, was ich versucht habe dir ohne worte zu sagen, die vom alltag ganz abgenutzt und stumpf, farblos vom weiß meiner seite fallen.

hier ist eine darreichung, inniger als eine umarmung in abwesenheit, 
hier ein eingefangener windhauch, der meine seiten gestreift hat, 
den du dir auftauen kannst in der hitze, um es mir nachzufühlen, 
hier ist ein gedanke, für den ich noch keine worte habe, vielleicht
versuchst du eine übersetzung, hier ist etwas, das bleibt, von dauer 
kann ich nicht denken, aber an dich, solange wie möglich, für dich."/><p>AUDIO-VERSION:</p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/e3069195-cf4d-49d2-9687-869e8f22db8e">Auf Steady anhören</a></p><p></p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=YCp5XC2rsEM&amp;list=PLERZ-M5ARE4D6vOzxcRuky1pBjq9dQR-5&amp;index=3">https://www.youtube.com/watch?v=YCp5XC2rsEM&amp;list=PLERZ-M5ARE4D6vOzxcRuky1pBjq9dQR-5&amp;index=3</a><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e3069195-cf4d-49d2-9687-869e8f22db8e/uploads/images/dexuxkhyqg/IMG_9852.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="(viola sonata)

diese gelegenheit nehme ich war, um zu betonen, dass ich tatsächlich exsistiere, und kein unsichtbares dasein friste, bittend vor den flaschenhälsen der gnade, die sich beliebig anschalten und runterdimmen lässt, je nachdem wer den regler bedienen darf, ich bin da, und werde mir meine stimme nicht muten lassen, weil das ausgesprochene für manche nach zumutung klingt, furchterregend als echo in den ecken der gewohnheit und werde die realitäten (ja plural) menschlicher und zwischenmenschlicher erfahrungen bennenen und beschreiben und sichtbar machen, überfordernd und polyphon vielleicht wie alle charles ives symfonien gleichzeitig.

wenn du ein mikrofon besitzt oder zettel und stift, bring sie mit und verstärke die stimmen, die zum verklingen gebracht werden sollen, rezitiere aus verbotenen gedichten und erzähle die geschichten, die einige lieber verschwinden lassen würden aus der zensierten fassung ihrer vorstellung, aber jede form ist veränderbar, auch wenn die ursache unsichtbar scheint, manche ziele enttäuschen beim erreichen am ende, bis dahin beschreiben wir trotzdem die dauer unserer zeit, unserer zeit, dieser zeit"/><p>AUDIO-VERSION:</p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/e3069195-cf4d-49d2-9687-869e8f22db8e">Auf Steady anhören</a></p><p></p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ptk_x0qktFY&amp;list=PLERZ-M5ARE4D6vOzxcRuky1pBjq9dQR-5&amp;index=4">https://www.youtube.com/watch?v=ptk_x0qktFY&amp;list=PLERZ-M5ARE4D6vOzxcRuky1pBjq9dQR-5&amp;index=4</a><hr aria-hidden="true"/><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">MARCO unterstützen</a></p><p>Neben den Gedichten in <em>lyrisch glauben, </em>die ich im letzten Beitrag dieser Textreihe vorgestellt habe und den Gedichten für das Fuldafestival, habe ich in diesem Jahr an einigen weiteren Beiträgen für verschiedene Buch- und Audioprojekte gearbeitet, die zum Teil gerade erscheinen oder in der nächsten Zeit erscheinen werden. Dazu aber mehr im nächsten Newsletter.</p><p>Liebe Grüße aus Wien und bleib barmherzig</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3d5c0b52-f793-41f6-853d-afb6f577283f/uploads/images/i7ei6qdj2u/Unterschrift.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Marco"/><p>Diese Texte, Gedichte und Audioformate werden durch die Unterstützung von Menschen aus der Community möglich gemacht. Ich freue mich, wenn Du dabei bist.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">MARCO UNTERSTÜTZEN</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Sun, 27 Sep 2026 13:24:20 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[LYRISCH GLAUBEN (EIN GESPRÄCH MIT THOMAS SOJER)]]></title>
      <description><![CDATA[Ein Gespräch über Lyrik und Spiritualität mit einem der Mitherausgeber des Buches "lyrisch glauben". ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 52: Lyrisch glauben</strong></p><p>In den Texten dieser Reihe, die ich hier monatlich veröffentliche, geht es oft um spirituelle oder lyrische Themen. Noch öfter um die Schnittmenge der beiden. Ich habe mir überlegt, dass ich regelmäßig gerne darüber mit Menschen, die in dieser Schnittschnelle oder einem der beiden Teilbereiche zuhause sind, ins Gespräch kommen möchte.</p><p>Da trifft es sich hervorragend, dass dieser Tage eine Anthologie im Herder-Verlag mit dem Titel <a href="https://www.herder.de/religion-spiritualitaet/shop/p3/95865-lyrisch-glauben-gebundene-ausgabe/"><em>lyrisch glauben</em></a><em> </em>erschienen ist, zu der auch ich zwei neue Gedichte beitragen durfte. Die drei Herausgebenden des Bandes, Prof. Dr. Jörg Seiler, Thomas Sojer und Konstantin Stawenow durfte ich Ende 2024 in Erfurt im Rahmen des von ihnen ins Leben gerufenen Formats <a href="https://www.uni-erfurt.de/katholisch-theologische-fakultaet/professuren-lektorate/kirchengeschichte/kirchengeschichte-des-mittelalters-und-der-neuzeit/forschung/forschungsstelle-sprachkunst-und-religion"><em>Religion braucht Poesie</em></a> kennenlernen.</p><p>Darum freue ich mich besonders, dass Thomas Sojer mit mir gemeinsam den Auftakt zu dieser kleinen Gesprächsreihe startet. Wir reden über die Fragen, was es bedeutet, lyrisch zu glauben und wie das konkret aussehen könnte, was Theologie von Lyrik lernen kann und inwiefern es so etwas wie eine lyrische Lebens- und/oder Glaubenspraxis gibt und wie eine solche aussieht.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e125ed97-c06f-4ea8-94ee-1e9769f2b347/uploads/images/5xgxxivj7c/IMG_9653.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Bild zeigt einen Screenshot aus der Aufnahme-Session von Marco Michalzik und Thomas Sojer. Beide tragen Kopfhörer und sitzen vor einem Mikrofon."/><figcaption>Thomas Sojer im Gespräch mit Marco Michalzik</figcaption></figure><p>Hier kannst Du Dir unser ganzes Gespräch als Audio-Version anhören und herunterladen:</p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/e125ed97-c06f-4ea8-94ee-1e9769f2b347">Auf Steady anhören</a></p><p></p><p>Ich bin sehr gespannt, wie dir das Gespräch mit Tom gefallen hat. Schreib mir doch gerne eine Rückmeldung, wie dir die Idee einer solchen Gesprächs- und Audioreihe gefällt, ob du zukünftige Gespräche lieber in schriftlicher oder Video-Form bekommen würdest und natürlich gerne auch deine Gedanken und Anregungen zum Thema <em>lyrisch glauben</em>.</p><p>Das Gedicht <em>To Search </em>von <em>Alejandra Pizarnik, </em>das Tom am Ende unseres Gesprächs gelesen hat, findest du z.B. <a href="https://poetrysociety.org.uk/essay-be-a-comfort-for-the-dead-little-girls/">hier</a>.</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">MARCO unterstützen</a></p><hr/><p>lyrisch glauben</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/21e99d63-33a0-47bd-9c27-30a205a35a06/uploads/images/g3l2mkqyr2/978-3-451-02510-5_1500p.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Cover des Anthologie-Bandes lyrisch glauben: Dem Unsagbaren auf der Spur."/><p>Und so sieht dieses tolle Buch-Projekt aus, das Tom mit herausgegeben hat und über das wir geredet haben und zu dem ich zwei neue Gedichte beitragen durfte. Im Begleittext dazu heißt es:</p><p><em>“Glauben. Ein Wort, das auf der Zunge klebt wie altes Wachs am Kirchenboden. Zuviel Lüge, zuviel Dogma, zuviel alles. Aber was, wenn Glauben etwas anderes ist? Etwas, das nicht stillsteht, sondern bricht und sich wieder zusammensetzt. Lyrisch glauben heißt genau diese Momente und Akzente – den Zweifel, das Aufbegehren, die Stille danach sprechen lassen. 1700 Jahre nachdem das Große Glaubensbekenntnis 325 in Nizäa in die Sprache gehoben wurde, suchte das Projekt &quot;lyrisch glauben&quot; mit einem großangelegten Aufruf neue Worte für alte Fragen. Das daraus entstandene Buch versammelt über 100 Texte, in denen Menschen ihrem persönlichen Glauben in poetisch verdichteter Form Ausdruck verleihen. In großer Sprachvielfalt und Ausdruckskraft kommt die Lebens- und Glaubenswirklichkeit von Menschen aus dem deutschen Sprachraum pointiert ins Wort. Ergänzt werden die eindrücklichen Zeugnisse um vertiefende Begleittexte von Fachleuten aus Theologie, Buch- und Literaturwissenschaft.”</em></p><p><a href="https://www.herder.de/religion-spiritualitaet/shop/p3/95865-lyrisch-glauben-gebundene-ausgabe/">Hier kommst Du direkt zur Seite des Verlags, wo du das Buch bestellen oder in die Leseprobe schauen kannst.</a></p><p>Liebe Grüße aus Wien</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3d5c0b52-f793-41f6-853d-afb6f577283f/uploads/images/i7ei6qdj2u/Unterschrift.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Marco"/><p>Diese Texte, Gedichte und Audioformate werden durch die Unterstützung von Menschen aus der Community möglich gemacht. Ich freue mich, wenn Du dabei bist.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">MARCO UNTERSTÜTZEN</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Wed, 02 Sep 2026 17:58:35 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[EIN ABC-GEBET]]></title>
      <description><![CDATA[Christentum setzt eigentlich voraus, dass alle Menschen Dichter sind, nämlich beten können. Das ist dasselbe mit den Augen Gottes gesehen.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 51: EIN ABC-GEBET</strong></p><p>Ich durfte zuletzt für die Freunde vom <a href="https://www.reflab.ch/">RefLab</a> eine Reihe von Texten schreiben und einsprechen, die im kommenden Herbst erscheinen werden. Und während ich das Schreibe, merke ich, dass ich gar nicht so genau weiß, wie ich das eigentlich nennen möchte, was ich da zu formulieren versucht habe. Einerseits sind es eindeutig als Gebete verfasste Zeilen. Andererseits sind es aber auch Gedichte in der Form von Gebeten. Die Trennlinie zwischen Gebet und Gedicht ist vermutlich auch ohnehin nicht eindeutig zu ziehen. Oder wie Dorothee Sölle es einmal viel schöner formulierte: <em>Christentum setzt eigentlich voraus, dass alle Menschen Dichter sind, nämlich beten können. Das ist dasselbe mit den Augen Gottes gesehen.</em></p><p>Aus diesem Grund finde ich es sehr passend das folgende Gebet/Gedicht heute mit Dir zu teilen. Die Idee dazu kam mir, als ich versucht habe unsere #poetrymeetsbeats-Stück <a href="https://www.youtube.com/watch?v=rzTKE3ufzYE&amp;list=RDrzTKE3ufzYE&amp;start_radio=1"><em>Aufgewacht</em></a><em> </em>mit seinen Alliterationen in der zweiten Strophe zu einem Gebetstext umzuformulieren. Das hat zwar nicht hundertprozentig funktioniert, mich dafür aber auf die Idee für diese spezielle Form gebracht:</p><p> </p><p>A         </p><p>S<em>chenke uns achtsame Augen,</em></p><p>Du deutest auf Lilien und kümmerst dich um Sperlinge. </p><p></p><p>B         </p><p>L<em>ass uns Barmerzigkeit begeistert bejaen,</em></p><p>Du machst den unbeliebten Fremden zum Beispiel selbstloser Hilfe.</p><p> </p><p><em>C      </em></p><p><em>Lass uns inmitten des Chaos campen und schenke uns Ruhe</em>,</p><p>Du hast im Boot geschlafen und ließt dich vom Sturm nicht beunruhigen.</p><p></p><p>D</p><p>L<em>ass uns Demut demonstrieren,</em></p><p>Du bist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen.</p><p> </p><p>E         </p><p>L<em>ass uns Erlebtes erzählen und Empathie entdecken,</em></p><p><em>Du erzählst von einem Sohn, der Barmherzigkeit erfährt, obwohl er glaubt, die nicht verdient zu haben.</em></p><p> </p><p>F         </p><p>L<em>ass uns Frieden finden</em>,</p><p>Du bist das Lamm, das erscheint, wo andere sich einen brüllenden Löwen wünschen.</p><p> </p><p>G        </p><p>L<em>ass uns Gutes genießen und Gerechtigkeit großschreiben,</em></p><p>Du hast die unberührbaren berührt und mit Geächteten gegessen.</p><p><em> </em></p><p>H         </p><p>L<em>ass uns Hoffnung hochhalten,</em></p><p>Wegen dir ahnen wir Auferstehung im Winter bevor der Frühling durchbricht.</p><p><em> </em></p><p><em>I          </em></p><p><em>Hilf uns dabei, deine Ideen zu inhalieren</em>,</p><p>Du sagst, segnet eure Feinde und betet für die, die Schlechtes für euch wollen.</p><p><em> </em></p><p><em>J         </em></p><p><em>Hilf uns mit den Jubelnden zu jubeln und mit den Jammernden zu jammern,</em></p><p>Du hast den Wein beim Feiern vermehrt und dich für deine Tränen nicht geschämt.</p><p> </p><p><em>K         </em></p><p><em>Lass uns nicht von Kapital korrumpiert werden,</em></p><p>Du sagst, eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher ins Himmelreich.</p><p><em> </em></p><p><em>L         </em></p><p><em>Hilf uns, Liebe zu leben,</em></p><p>Du bist die Liebe, hinter der ein Punt und kein Aber steht.</p><p><em> </em></p><p><em>M        </em></p><p><em>Lass uns nicht von Macht manipuliert werden,</em></p><p>Du bist in einem Stall geboren und an einem Kreuz gestorben und als dich die Menge einmal zum König krönen wollte, hast du sie einfach ignoriert und bist fortgegangen. </p><p><em> </em></p><p><em>N         </em></p><p><em>Lass uns die Neugier nicht negieren,</em></p><p><em>Du bist allen Menschen offen begegnet ohne auf Herkunft, Geschlecht oder Status zu schauen.</em></p><p><em> </em></p><p><em>O        </em></p><p><em>Lass unsere Ohnmacht nicht die Oberhand gewinnen, </em></p><p>„Fürchtet euch nicht“ ist ein Satz, den du mutmachend oft deinen Freunden zusprichst.</p><p><em> </em></p><p><em>P         </em></p><p><em>Hilf uns, in unseren prallvollen Plänen Pausen zu praktizieren,</em></p><p>Du gingst regelmäßig allein an einsame Orte, um aufzutanken.</p><p><em> </em></p><p><em>Q        </em></p><p><em>Lass uns ein Quartier nah der Quelle haben,</em></p><p>Du gibst lebendiges Wasser und wer davon kostet wird nie wieder durstig werden.</p><p><em> </em></p><p><em>R         </em></p><p><em>Hilf uns richtig von Reichtum zu reden,</em></p><p>Hast du nicht die Armen in der Welt erwählt, die im Glauben reich sind und Erben des Reichs, das du denen verheißen hast, die dich liebhaben? </p><p><em> </em></p><p><em>S         </em></p><p><em>Lass uns sanftmütig sein,</em></p><p>Denn die hast du selig genannt und dir gewünscht, dass sie die Welt gestalten.</p><p><em> </em></p><p><em> </em></p><p><em>T         </em></p><p><em>Lass uns Trost und Trotzkraft teilen</em></p><p>Und auch die am Leid schwer Tragenden nennst du selig und sagst, sie sollen getröstet werden.</p><p> </p><p><em>U         </em></p><p><em>Lass uns Unrecht nicht unwidersprochen hinnehmen,</em></p><p>Du erzählst von einer Witwe in Armut, die einen ungerechten Richter so lange bestürmt, bis sie ihr Recht bekommt.</p><p><em> </em></p><p><em>V         </em></p><p><em>Hilf uns Versöhnung zu versuchen,</em></p><p>Du machst Frühstück für deine Freunde, die dich im Stich gelassen und verleugnet haben.</p><p><em> </em></p><p><em>W        </em></p><p><em>Lass uns wütend werden, wo Menschen der Zugang verwehrt wird</em></p><p>Du hast die Tische umgeworfen und die Händler aus dem Tempel gejagt.</p><p><em> </em></p><p><em>Z         </em></p><p><em>Und lass uns nicht am Zweifel zerbrechen,</em></p><p>In der Dunkelheit hast du Gott gefragt, warum er dich verlassen hat.</p><p><em> </em></p><p><em>Und hilf uns in all dem und in jedem Menschen,</em></p><p><em>der uns begegnet dein Gesicht zu sehen</em></p><p><em>und uns selbst in unserem Nächsten zu erkennen.</em></p><p> </p><p>Amen</p><hr/><p>AUDIO-VERSION</p><p>Hier kannst Du Dir das Gebet/Gedicht von mir vorlesen lassen: </p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/21e99d63-33a0-47bd-9c27-30a205a35a06">Auf Steady anhören</a></p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">MARCO unterstützen</a></p><hr/><p>lyrisch glauben</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/21e99d63-33a0-47bd-9c27-30a205a35a06/uploads/images/g3l2mkqyr2/978-3-451-02510-5_1500p.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Heute erscheint endlich dieses tolle Buch-Projekt, zu dem ich zwei neue Gedichte beitragen durfte. Im Begleittext dazu heißt es: </p><p><em>“Glauben. Ein Wort, das auf der Zunge klebt wie altes Wachs am Kirchenboden. Zuviel Lüge, zuviel Dogma, zuviel alles. Aber was, wenn Glauben etwas anderes ist? Etwas, das nicht stillsteht, sondern bricht und sich wieder zusammensetzt. Lyrisch glauben heißt genau diese Momente und Akzente – den Zweifel, das Aufbegehren, die Stille danach sprechen lassen. 1700 Jahre nachdem das Große Glaubensbekenntnis 325 in Nizäa in die Sprache gehoben wurde, suchte das Projekt &quot;lyrisch glauben&quot; mit einem großangelegten Aufruf neue Worte für alte Fragen. Das daraus entstandene Buch versammelt über 100 Texte, in denen Menschen ihrem persönlichen Glauben in poetisch verdichteter Form Ausdruck verleihen. In großer Sprachvielfalt und Ausdruckskraft kommt die Lebens- und Glaubenswirklichkeit von Menschen aus dem deutschen Sprachraum pointiert ins Wort. Ergänzt werden die eindrücklichen Zeugnisse um vertiefende Begleittexte von Fachleuten aus Theologie, Buch- und Literaturwissenschaft.” </em></p><p><a href="https://www.herder.de/religion-spiritualitaet/shop/p3/95865-lyrisch-glauben-gebundene-ausgabe/">Hier kommst Du direkt zur Seite des Verlags, wo du das Buch bestellen oder in die Leseprobe schauen kannst.</a></p><p>Liebe Grüße aus Wien</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3d5c0b52-f793-41f6-853d-afb6f577283f/uploads/images/i7ei6qdj2u/Unterschrift.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Marco"/><p>Diese Texte, Gedichte und Audioformate werden durch die Unterstützung von Menschen aus der Community möglich gemacht. Ich freue mich, wenn Du dabei bist.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">MARCO UNTERSTÜTZEN</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Mon, 17 Aug 2026 17:06:03 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VON FLECKEN UND BERÜHRUNGEN]]></title>
      <description><![CDATA[ich will ein du suchen, das keine zäune um die zuversicht zieht und vor die hoffnung keine hürden, und sich nicht fürchtet vor der fleckenfläche...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 50: VON FLECKEN UND BERÜHRUNGEN</strong></p><blockquote><p>“Touch has a memory.”</p><p>- John Keats</p></blockquote><p>In den Geschichten des Neuen Testaments tauchen ständig Personen ohne Namen auf. Also ich gehe davon aus, dass sie Namen hatten, aber die werden in den kurzen Szenen, in denen diese Personen auftauchen nicht genannt. Oft wirken sie wie Zufallsbegegnungen, die kurz durchs Bühnenbild des Hauptplots laufen und dann genauso schnell wieder verschwinden wie sie aufgetaucht sind und auch im weiteren Verlauf nicht mehr vorkommen. Auch biografisch wird über diese Menschen nur sehr wenig Auskunft gegeben. Oft aber genug, um zumindest die Fantasie anzuregen und weiterzudenken, wer diese Person wohl war und wie es sich möglicherweise angefühlt haben mag, die Welt durch ihre Augen zu sehen. Denn gerade in der Kürze ihrer Auftritte liegt ein Problem, das ich zumindest oft im Hinblick auf diese Figuren habe: Ich überlese sie oft einfach. So als wären sie zwar da, aber nur als Handlungshilfe und Statisten, um eine Rolle zu spielen, die der Erzähler an der Stelle braucht, um einen Punkt zu machen. Das mag vielleicht sogar zutreffen. Trotzdem erscheint mir die Jesus-Figur, die in diesen Texten vor Augen gemalt wird, absolut jemand zu sein, dem das Kleine und scheinbar Unbedeutende und Übersehene besonders wichtig war. Jesus, der auf die Sperlinge und die Lilien und verlorene Schäfchen achtet und seine Zuhöreden auf diese hinweist. Jesus, der das anbrechende Reich Gottes mit einer Frau vergleicht, die mit ihren Händen Teig knetet und Brot backt. Und oft sind es eben Begegnungen mit diesem Jesus, in denen die namenlosen Personen kurz die Handlung betreten. Zum ersten Mal aufgefallen ist mir das bei einer Geschichte aus dem 5. Kapitel im Johannes Evangelium. Ich habe dazu drei Gedichte mit dem Titel <a href="https://www.instagram.com/p/DQUkvGsDfnc/?hl=de">BETESDA </a>geschrieben. <em>Beim Klick auf den Titel kommst du direkt zur Text- und Audioversion.</em></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">ERMÖGLICHER*IN WERDEN</a></p><p>Am vergangenen Sonntag war ich eingeladen in einem Gottesdienst zum Thema „Outcasts of the Bible“ in einem Dialog-Format ein paar Gedanken zu diesem Thema zu teilen. Ich habe mir dafür die erste Hälfte aus dem 8. Kapitel des Matthäus-Evangeliums ausgesucht. Dort werden in direkter Abfolge nämlich gleich drei solche namenlosen Personen vorgestellt. Alle drei keine vollwertigen Mitglieder der religiösen und gesellschaftlichen Gemeinschaft. Aus unterschiedlichen Gründen:</p><p>Der erste ein Aussätziger. Ein Kranker. Krankheit wurde in dieser Gesellschaft nicht nur medizinisch, sondern auch spirituell bewertet. Ein Aussätziger war also nicht nur schwer krank, sondern auch kultisch unrein. Nicht nur war ihm damit der Zutritt und die Teilnahme an jeglichen religiösen Aktivitäten verwehrt, sondern er wurde auch gänzlich aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Natürlich auch aus Quarantäne-Gründen. Aber auch, weil jede Berührung auch sein Gegenüber unrein gemacht hätte. Die Grundlage dafür liegt im mosaischen Gesetzt, nachzulesen z.B. in Levitikus 13 und 14. Dort wird genau beschrieben, wie der Priester den Aussatz zu diagnostizieren hatte und was sie Konsequenz war, wenn der Befund positiv war:</p><p><em>“Wer nun aussätzig ist, soll zerrissene Kleider tragen und das Haar lose und den Bart verhüllt und soll rufen: Unrein, unrein! Und solange die Stelle an ihm ist, soll er unrein sein, allein wohnen, und seine Wohnung soll außerhalb des Lagers sein.”  </em></p><p>Ein solcher Mensch begegnet dem Lesenden im ersten Teil von Matthäus 8. Ein Mensch, der weiß, was Einsamkeit bedeutet. Der erfahren hat, wie es sich anfühlt von allen gemieden zu werden. Dessen Haut trotz der Krankheit schon fast vergessen hat, wie sich die Berührung eines anderen Menschen anfühlt. Der vielleicht mit der Angst vor dieser Krankheit aufgewachsen ist, weil er den Schrecken der Konsequenzen seit Kindheit gehört hat. Immer in der festen Hoffnung, dass so etwas immer nur der anderen passiert, bis es einen selbst trifft. Skandalöser und höchst verbotenerweise nähert er sich Jesus trotzdem und dieser tut etwas ebenso Unfassbares und berührt diesen Menschen und riskiert damit selbst unrein und ausgeschlossen zu werden. Es gibt Geschichten, wo Jesus kranke Menschen einfach durch ein Machtwort heilt. Umso bemerkenswerter und im wahrsten Sinne des Wortes berührender finde ich es an dieser Stelle, dass er diesen Menschen, der vermutlich so lange keine Berührung mehr gespürt hat, anrührt.</p><p> Die zweite Person ist ein römischer Hauptmann. Ein Heide in den Augen der jüdischen Gesellschaft. Ein Ausländer und damit ebenso unrein. Dazu noch ein Repräsentant der verhassten und brutalen Besatzungsmacht. Auch dieser Mann kommt zu Jesus mit einer Bitte. Auch diesem Menschen gewährt Jesus sie auf bemerkenswerte Weise. Diese Begegnungen finden in der Abfolge des Matthäus-Evangeliums übrigens unmittelbar nach der sogenannten Berg-Predigt statt. Nach den großen Reden über die Sanftmut und Barmherzigkeit und dem Reich Gottes. Fast also würde nach der Theorie nun die Praxis folgen. Oder die Antwort auf die Frage: Das, was du erzählt hast, klingt ja wirklich wundervoll – wem gilt denn diese Einladung und wer ist damit gemeint und inkludiert? Antwort: Vor allem die, die ihr nicht mitgedacht habt. Die Ausgegrenzten und Ausgeschlossenen, die Unreinen und Fremden, die Rechtlosen und Übersehenen. Das Reich der Himmel denkt nicht in Landesgrenzen und Nationalitäten und Herkunft und Geschlecht und Status. So etwas wie christlicher Nationalismus ist mit diesem Jesus nie und nimmer zu machen und zu begründen. Das Gegenteil wird in diesem Text nahegelegt.</p><p>Die dritte namenlose Person ist eine Frau. Und aufgrund ihres Geschlechts in der damaligen Gesellschaft ebenso kein gleichwertiges Mitglied der religiösen und gesellschaftlichen Gemeinschaft. Über sie erfahren wir immerhin, dass sie die Schwiegermutter von Petrus ist und ebenfalls krank war. Kein Aussatz, aber Fieber. Jesus besucht sie in ihrem Zuhause. Nimmt sie wahr. Begegnet ihr. Nimmt ihre Hand, berührt sie und heilt auch sie. Sie ist die einzige der drei, die ihn nicht mal explizit darum bittet. In allen drei dieser kurzen Episoden bricht Jesus mit Tabus und gesellschaftlichen und religiösen Konventionen und Vorschriften. Ich glaube, weil diese Menschen eben nicht nur Statisten und Randfiguren sind und weil dieses Reden vom Reich der Himmel, mit der Sanftmut und Barmherzigkeit ausgelebt ungefähr so aussehen kann. Radikal inklusiv. Bis über die Schmerzgrenze der eigenen religiösen Überzeugung.</p><p>Sich in diese Personen und ihre Geschichten hineinzuzoomen und zu denken, ist für mich eine Übung in Empathie und Achtsamkeit geworden. Und am besten kann ich mich ihnen schreibend nähern. Darum habe ich versucht, all diese vielen Erklär-Gedanken in einem Gedicht auszudrücken. Nachfolgend siehst du den Text und darunter auch die Audio-Version, die ich für dich eingesprochen habe:  </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/dfa0de9d-da03-4740-8781-fbf10af42b50/uploads/images/37t5wu4dh7/IMG_9250.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Bild zeigt das Gedicht von Marco Michalzik. Die Audio-Version findest du unter dem Bild."/><p></p><p>Hier kannst Du dir das Gedicht von mir vorlesen lassen: </p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/dfa0de9d-da03-4740-8781-fbf10af42b50">Auf Steady anhören</a></p><p></p><p>Liebe Grüße aus dem immer noch sehr heißen Wien</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3d5c0b52-f793-41f6-853d-afb6f577283f/uploads/images/i7ei6qdj2u/Unterschrift.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Marco"/><p>Diese Texte, Gedichte und Audioformate werden durch die Unterstützung von Menschen aus der Community möglich gemacht. Ich freue mich, wenn Du dabei bist.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">MARCO UNTERSTÜTZEN</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Mon, 13 Jul 2026 21:00:40 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM GLÜCKLICHSEIN]]></title>
      <description><![CDATA[Da ist etwas entstandenals wir die bekannten Trampelpfade der Alltagsspracheverlassen haben, um gemeinsam Antwortversuche auf eine Frage zu wagen, die sich vermutlich... ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 49: VOM GLÜCKLICHSEIN</strong></p><blockquote><p>Glücklich allein<br/>ist die Seele, die liebt.</p><p></p><p>J<em>ohann Wolfgang von Goethe</em></p></blockquote><p>Im Mai war ich für zwei Tage für einen Workshop an der Berchenschule in Konstanz, um mit Schülerinnen und Schülern aus drei verschiedenen Klassen (aus den Jahrgangsstufen 7 und 8) Texte zum Thema <em>Glück</em> und der Frage <em>Was macht mich glücklich </em>zu erarbeiten. Dabei sind etliche zauberhafte und berührende Formulierungen, Textminiaturen und Haikus entstanden. Über die Schönheit und Wichtigkeit von Freunden und Familie, über Haustiere, Sport, Gott und Glaube bis zu Sicherheit und Frieden. </p><p>Das Schreiben war aber nur der erste Step in diesem besonderen Glückskind-Projekt. Der Fotograf, Designer und Künstler <a href="https://www.design-homebase.de/bert-binnig.html">Bert Binnig </a>, der mit seiner Agentur und der Homebase einen ganz besonderen und spannenden Ort in Konstanz geschaffen hat, hat mit den entstandenen Texten und Statements für jede Schülerin und jeden Schüler ein individuelles T-Shirt gestaltet und bedrucken lassen. Alle unterschiedlich, jedes ein Unikat, so wie wir es als Menschen eben auch sind und so verschieden, wie unsere Antworten auf die Frage nach dem Glück ausfallen. </p><p>In der vergangenen Woche war ich dann gemeinsam mit Bert und seinem Team noch einmal für drei Tage an der Schule. Die Shirts wurden übergeben und übergezogen. In Glück gekleidet durften die Schülerinnen und Schüler dann für ein Foto-Porträt vor die Kamera treten. Und nicht nur das - zuvor wurde nämlich noch fleißig und äußerst kreativ gebastelt. Und zwar Motive, die die Aussage des eigenen Glücks-Textes oder Statements symbolisieren sollen. Diese wurden auf riesige Brillen geklebt und als eine Art Kopfschmuck-Glücksmaskierung während der Foto-Aufnahmen getragen.  </p><p>Parallel habe ich im Musikraum der Schule ein kleines Tonstudio aufgebaut und mit den Schülerinnen und Schülern kleine Audio-Sequenzen aufgenommen, in denen sie entweder ihre zuvor entstandenen Texte einsprechen oder einfach erzählen konnten, was sie glücklich macht und wie und warum sie zu den Statements gekommen sind, die auf ihren Shirts verewigt sind. Die Aufnahmen werden dann über einen QR-Code mit den Fotos verknüpft, sodass die Statements nicht nur sichtbar und lesbar, sondern auch in der Stimme ihrer Verfasser*innen zu hören sein werden. Hier ein paar ganz kleine Impressionen aus der Projekt-Woche: </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/6d81b062-dee6-4b57-8668-e34c775353ac/uploads/images/repwk5eioa/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><p>Einige ausgewählte Motive aus der Foto-Session werden in den nächsten Tagen in Überlebensgröße in Konstanz im öffentlichen Raum zu bestaunen sein. Außerdem werden Fotos, Texte und Audioaufnahmen am 26.06. in einer Vernissage im Foyer der Berchenschule der Öffentlichkeit präsentiert. Und es wird in Kürze auch einen kleinen Begleit-Film geben, der das Projekt, das Thema Glück und den Entstehungsprozess dokumentiert. Den werde ich an dieser Stelle natürlich verlinken, sobald er veröffentlicht ist. </p><p>Aus all den Statements und Textfragmenten der Schülerinnen und Schülern habe ich noch den folgenden Collage-Text gebastelt, den ich gerne mit Dir teilen möchte (unter dem Text findest du auch die Audio-Version, die ich eingesprochen habe): </p><p></p><p><em>Da ist etwas entstanden</em></p><p><em>als wir die bekannten</em></p><p><em>Trampelpfade der Alltagssprache</em></p><p><em>verlassen haben, um gemeinsam</em></p><p><em>Antwortversuche auf eine Frage zu wagen,</em></p><p><em>die sich vermutlich alle Menschen jeder Zeit</em></p><p><em>gestellt haben:</em></p><p></p><p><em>Weißt du, was Glück ist?</em></p><p><em>Oder was macht mich eigentlich glücklich?</em></p><p></p><p><em>Und auch wenn die Frage für alle die gleiche bleibt,</em></p><p><em>sind die Antworten darauf so unterschiedlich</em></p><p><em>wie unsere Persönlichkeiten</em></p><p></p><p><em>Für viele ist es die Familie</em></p><p><em>und setzen ein Gleichheitszeichen</em></p><p><em>zwischen das Glück und dem Gefühl daheim zu sein</em></p><p><em>Annahme und Geborgenheit,</em></p><p><em>und die Augen stolzer Eltern,</em></p><p><em>deren Kinder für sie alles auf der Welt sind</em></p><p></p><p><em>Und es sind die fantastischen Freundschaften,</em></p><p><em>die engsten Menschen, die einen noch nie enttäuscht haben,</em></p><p><em>die für dich da sind und nie allein lassen,</em></p><p><em>die sich mitfreuen und mitlachen aber bei denen du auch weinen darfst</em></p><p></p><p><em>Aber Glück ist auch abstrakt</em></p><p><em>und rinnt durch die Hand,</em></p><p><em>wie Wasser oder Wind,</em></p><p><em>den ich nicht festhalten kann,</em></p><p></p><p><em>Glück lässt sich nicht konservieren oder befehlen oder beschaffen,</em></p><p><em>es lässt sich nur erleben und liegt oft in einem Lachen,</em></p><p><em>und geteiltes Glücksmomente sind ohnehin die beste Sache,</em></p><p><em>und gemeinsames erleben und gemeinsames erzählen,</em></p><p><em>weil ich dich und deine Welt nur dann ein bisschen mehr verstehe,</em></p><p><em>wenn du mir erzählst, was dich begeistert und wofür du dich fürchtest</em></p><p><em>und was dir wichtig ist und was du kritisch siehst und wann du glücklich bist</em></p><p><em>und warum.</em></p><p></p><p><em>Vielleicht ist das Glück am Ende</em></p><p><em>auch die Summe vieler kleiner Glücksmomente</em></p><p><em>von denen ich dir so viele Wünsche,</em></p><p><em>dass du einen Taschenrechner brauchst,</em></p><p><em>um sie in Zahlen auszudrücken.</em></p><p></p><p><em>Und dann die Glücksgefühle in Sport und Bewegung,</em></p><p><em>Tanzen zum Beat auf dem Pulsschlag des Lebens</em></p><p><em>oder rund und prall wie ein Basketball,</em></p><p><em>der den Spieltrieb weckt und zumindest für einen Moment,</em></p><p><em>allen Alltag in seinem Orange-braun überdeckt</em></p><p></p><p><em>Beim Fußballspiel auf dem Platz,</em></p><p><em>wo du das erste Tor erzielt hast</em></p><p><em>und es trotzdem am schönsten findest,</em></p><p><em>dass du das mit Freunden machst</em></p><p></p><p><em>Glück geht auch durch den Magen,</em></p><p><em>das wissen vor allem die zu sagen,</em></p><p><em>die Lust auf süße Sachen haben</em></p><p></p><p><em>Und auch wenn Geld allein nicht glücklich macht,</em></p><p><em>gibt es jede Menge Gutes, das schon wer damit ermöglicht hat.</em></p><p></p><p><em>Und vielleicht ist Glück ja auch wirklich wie eine Cap,</em></p><p><em>unter der man sich versteckt,</em></p><p><em>vor den Augen einer Welt,</em></p><p><em>an den Tagen, an denen man sich ohne unwohl fühlt.</em></p><p></p><p><em>Gott teilt sich mit Glück den Anfangsbuchstaben</em></p><p><em>und einige sagen, nach eigenen Angaben,</em></p><p><em>in ihm selbiges gefunden zu haben,</em></p><p><em>im Glauben an wen, der hilft das Schwere zu tragen</em></p><p><em>und bei uns ist in allen Lebenslagen</em></p><p></p><p><em>Für Glückskinder ist Glück findbar,</em></p><p><em>in den großen Fragen und scheinbar kleinen Dingen,</em></p><p><em>für die sie dankbar sind</em></p><p><em>und die sie nicht für selbstverständlich nehmen.</em></p><p></p><p><em>Weißt du, was Glück ist?</em></p><p><em>Oder was macht mich eigentlich glücklich?</em></p><hr/><p>AUDIO-VERSION</p><p>Hier kannst Du Dir das Spoken Word-Stück auch von mir vorlesen lassen und anhören:</p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/6d81b062-dee6-4b57-8668-e34c775353ac">Auf Steady anhören</a></p><p></p><p>Solche Projekte und Ideen lassen mich immer sehr glücklich nach Hause fahren. Die Texte der Schülerinnen und Schüler zu lesen, zu sehen, was für spannende und überraschende Bilder und Formulierungen sie gefunden haben, zu merken, dass es ihnen zuerst schwer gefallen ist sich zu öffnen und zu erzählen, was sie wirklich bewegt und dann festzustellen, dass sie sich trotzdem getraut haben und was für ein Geschenk das ist, in solchen Momenten dabei sein zu dürfen. Zu sehen, wie stolz sie auf ihre Texte und Fotos und alles sind, was sie durch ihre Kreativität geschaffen haben. Einzeln und als Gruppe. Und besonders schön, wenn genau die, die am Anfang behaupten etwas nicht zu können, am Ende die sind, deren Beiträge besonders gelungen sind. Ich glaube wir brauchen solche Räume für Kreativität und die wichtigen Fragen, für das Teilen von Leben und Erlebtem. Für Freude, für Frust und für Projekte, die am Ende hauptsächlich deshalb so sehr hachhallen, weil sie nur gemeinsam umgesetzt und ins Dasein gesprochen werden konnten. Ich freue mich schon auf das näachste. </p><hr aria-hidden="true"/><p>Liebe Grüße aus dem gerade sehr heißen Wien </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3d5c0b52-f793-41f6-853d-afb6f577283f/uploads/images/i7ei6qdj2u/Unterschrift.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Marco"/><p>Diese Texte, Gedichte und Audioformate werden durch die Unterstützung von Menschen aus der Community möglich gemacht. Ich freue mich, wenn Du dabei bist.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">MARCO UNTERSTÜTZEN</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/6d81b062-dee6-4b57-8668-e34c775353ac/teaser_image/1782213507?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Tue, 23 Jun 2026 17:46:59 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[PFINGSTEN UND FREE JAZZ]]></title>
      <description><![CDATA[und als das sausen über die haarwurzelnbis in die stimmbänder tröpfelt, beginnendie ersten zaghaften stimmen die melodie zu singen,die der himmelgefahrene...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 48: PFINGSTEN UND FREE JAZZ</strong></p><blockquote><p>Als das Pfingstfest kam, waren wieder alle zusammen,</p><p>die zu Jesus gehörten. Plötzlich kam vom Himmel her ein Rauschen</p><p>wie von einem starken Wind. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus,</p><p>in dem sie sich aufhielten. Dann erschien ihnen etwas wie züngelnde Flammen. Die verteilten sich und ließen sich auf jedem Einzelnen von ihnen nieder. Alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt. Sie begannen, in fremden Sprachen zu reden – ganz so, wie der Geist es ihnen eingab. In Jerusalem lebten auch fromme Juden aus aller Welt, die sich hier niedergelassen hatten. Als das Rauschen einsetzte, strömten sie zusammen. Sie waren verstört, denn jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden… Wir alle hören diese Leute in unseren eigenen Sprachen erzählen, was Gott Großes getan hat.“ Erstaunt und ratlos sagte einer zum anderen: „Was hat das wohl zu bedeuten?“ Wieder andere spotteten: „Die haben zu viel süßen Wein getrunken!“</p><p></p><p>Die Bibel, Apostelgeschichte 2,1-13</p></blockquote><p>Wenn ich über diesen Text und die biblische Erzählung von Pfingsten nachdenke, fällt mir in letzter Zeit immer der folgende Satz ein, den ich längerer Zeit mal in mein Notizbuch geschrieben habe und den ich kürzlich beim Durchblättern desselben, auf der Suche nach etwas ganz anderem, wiederentdeckt habe: <em>Glaube ist für mich wie Free Jazz. </em>Und das drückt sich vielleicht besonders deutlich an Pfingsten aus:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/26c57eca-9f88-4d68-9d20-d2c5ef466ac7/uploads/images/uxs6ttzx2v/IMG_8995.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Hier wird das Gedicht als Bild dargestellt, um die Zeilenumbrüche und Textanordnungen so beizubehalten, wie ursprünglich beabsichtigt. Die Audio-Version findest du direkt unter dem Bild."/><p>Hier kannst du dir das Gedicht von mir vorlesen lassen: </p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/26c57eca-9f88-4d68-9d20-d2c5ef466ac7">Auf Steady anhören</a></p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">TEIL DER COMMUNITY SEIN</a></p><hr/><p>NEUES VIDEO</p><p>Vor kurzem erschien das grandiose Buch <em>Feucht und Fromm </em>von Nana Myrrhe, in dem sie von ihrem eigenen Erleben des Keuschheitswahns in evangelikalen Gemeinschaften erzählt und  auf das System dahinter schaut: Purity Culture. Sie entzaubert das heilige Märchen von Reinheit und Enthaltsamkeit und präsentiert eine intensiv recherchierte Spurensuche. &quot;FEUCHT &amp; FROMM&quot; weist auf die vielen Unschuldigen hin, die in diesem System nur verlieren können, und deckt die perfiden Methoden einer Ideologie auf, die nicht nur in konservativ-religiösen Kontexten ihre Wirkung entfaltet.</p><p>Für ihre Lese-Tour haben Nana und ich ein Video gedreht, in dem ihr Text <em>Kein Safe Space </em>mit meinem Gedicht <em>Als wir Geister waren</em> dialogisch ineinander gewoben werden und so einen gemeinsamen poetisch-künstlerischen Ausdruck zum Thema Purity Culture schafft. Das Video ist seit heute online auf meinem Youtube-Kanal. Wir freuen uns, wenn du reinschaust: </p><a href="https://youtu.be/zkEXZj8_qrg">https://youtu.be/zkEXZj8_qrg</a><p>Liebe Grüße aus Wien und bleib barmherzig</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3d5c0b52-f793-41f6-853d-afb6f577283f/uploads/images/i7ei6qdj2u/Unterschrift.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Marco"/><p>Diese Texte, Gedichte und Audioformate werden durch die Unterstützung von Menschen aus der Community möglich gemacht. Ich freue mich, wenn Du dabei bist.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">MARCO UNTERSTÜTZEN</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/26c57eca-9f88-4d68-9d20-d2c5ef466ac7/teaser_image/1779634239?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sun, 24 May 2026 14:50:40 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[HIMMELFAHRT]]></title>
      <description><![CDATA[die worte wurden knapp ohne von warum zu wissenund in einmal getrockneten betten liegend ist erinnern an ein fließen ähnlich furchterregend wie die annahme eines anrufs]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 47: HIMMELFAHRT</strong></p><p>Gestern, am Abend von Himmelfahrt, war ich in Wien Teil einer gemeinsamen Kunst-Performance, die auf den ersten Blick vielleicht wenig mit dem christlichen Narrativ, das diesem Tag zugrunde liegt zu tun hatte und dennoch für mich ganz viel von dem transportiert und beinhaltet hat, was ich mit eben diesem Feiertag verbinde.</p><p>Das Event stand unter der Überschrift <em>Too short to share</em>. Dem vorausgegangen war ein Open-Call an Kunstschaffende aus unterschiedlichen Sparten, unfertige Werke, Fragmente oder eben Ideen einzureichen, die vielleicht schon irgendwie als Entwurf oder Anfang von irgendwas im Notizbuch existieren, bei denen man aber bisher noch nicht weiter gekommen ist. Das allein ist ja bereits gar nicht selbstverständlich. Ich weiß sowohl von mir selbst, als auch von Freund*innen, die künstlerisch arbeiten, dass das Teilen von scheinbar unperfekten Entwürfen und unfertigen Arbeiten etwas ist, das viel Vertrauen und Mut erfordert und fast immer mit Angst und Unsicherheit verbunden ist. Trotzdem folgten erstaunlich viele Künstler*innen diesem Aufruf. Aus all diesen Einsendungen wurde dann eine etwa 40-minütige gemeinsame Gesamtperformance kuratiert und vor Publikum aufgeführt. Dazu gehörten Filmkunst, Gedichte, Kurz-Prosa, Sound- und Musikperformances, die direkt und ohne Zwischenmoderation aufeinander folgten. Es war besonders schön mitzuerleben, wie aus der Summe dieser unperfekten Teile auf einmal etwas unglaublich schönes und dichtes und berührendes entstand, das plötzlich rund wurde und eine Geschichte erzählte, von denen die einzelnen Fragmente anfangs nicht mal ahnen konnten, das sie Teil davon werden. Die meisten beteilligten Künstler*innen kannten sich gegenseitig vorher nicht mal persönlich und werden vermutlich in dieser Konstellation auch nie wieder gemeinsam performen. Aber für diese paar Minuten, an diesem Abend und in diesem Raum entstand etwas miteinander, das mich sehr an Himmelfahrt denken ließ.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/fe04b251-54d1-4378-b846-a36eff34c77d/uploads/images/56ezxiqwai/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Bild zeigt eine Collage aus dem Veranstaltungsflyer für das Event &quot;Too short to share&quot; und zwei Fotos, die Marco zeigen, wie er auf der Bühne am Mikrofon stehend aus seinem Notizbuch ein Gedicht vorliest."/><p>Ich dachte nämlich darüber nach, ob nicht gerade in dieser Idee der Himmelfahrt Jesu eine ganz größe Schönheit und Errungenschaft des christlichen Glaubens liegen könnte. Zu erzählen, dass dessen zentrale Figur von der Bildfläche verschwindet. Ohne zuvor ein irdisches Königreich, ein Machtsystem oder auch nur ein Manifest zu hinterlassen. Und zurück bleibt diese kleine Gemeinschaft von Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, mit ihren Erinnerungen an das, was sie diesen Jesus sagen hörten und tun sahen: <em>Folgt mir nach. Liebt einander. Seid sanftmütig. Bleibt barmherzig.</em> Ohne Guru, ohne Königsfigur, ohne Throne oder Zentren der Macht, sondern überall, wo zwei oder drei zusammenkommen und in diesem Geist eine Gemeinschaft bilden.</p><p>Vielleicht ist das die Idee: Dieser Community verängstigter, trauernder, trotzig-hoffender und so unterschiedlicher Menschen zuzutrauen, dass sie mit dem Unperfekten, das sie besitzen, in sich tragen und beitragen können, am Ende ein großes Ganzes entstehen lassen können, das schön ist und dicht und berührend und etwas wahrhaftiges erzählt, das weit über die einzelnen Teile und Stimmen hinausgeht. Vielleicht ist übrigens ein Wort, das ich sehr mag.</p><hr/><p>GEDICHTFRAGMENT</p><p>Meinen Beitrag, den ich zwischen zwei fantastischen Filmkunst-Sequenzen lesen durfte, kannst du hier lesen und zumindest einen Teil davon auch im nachfolgenden Video anschauen oder anhören:</p><p></p><p><em>die worte wurden knapp ohne von warum zu wissen</em></p><p><em>und in einmal getrockneten betten liegend ist erinnern</em></p><p><em>an ein fließen ähnlich furchterregend wie die annahme</em></p><p><em>eines anrufs mit unterdrückter gefühlsregung</em></p><p><em>halte dich im hohlraum hinter den augen hoch, herzlich</em></p><p><em>auf unsichtbare weise, die zuviel raten vorraussetzt</em></p><p><em>und deren zahlung zur stunde gemonatet bleibt bis</em></p><p><em>sie sich gänzlich verjährt haben wird.   </em></p><p><em>wandere den verlauf rückwärts ab,</em></p><p><em>um den ursprung zu betrachten,</em></p><p><em>finde den moosigen felsen am ufer,</em></p><p><em>über den gewohnheit gewachsen ist,</em></p><p><em>aber kein gras im umfeld</em></p><p><em>vermutlich sind fehlende worte vielleichter</em></p><p><em>als versehentlich (oder vorsätzlich) zum versiegen</em></p><p><em>gebrachte verbindungsversuche</em></p><p><em> //</em></p><p><em>wir müssen den anfang anders erinnern und die spuren entmuten,</em></p><p><em>die in den offenen daten der spracheaufnahme vorhanden sind.</em></p><p><em>wir müssen die mythen metaphern und die müden metaphern begraben und warten, ob sie von sich aus wieder auferstehen</em></p><p></p><a href="https://youtube.com/shorts/0zZeJoTLNLY?feature=share">https://youtube.com/shorts/0zZeJoTLNLY?feature=share</a><p>Liebe Grüße aus Wien und bleib barmherzig</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3d5c0b52-f793-41f6-853d-afb6f577283f/uploads/images/i7ei6qdj2u/Unterschrift.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Marco"/><p>Auch diese Texte, Gedichte und Audioformate werden durch die Unterstützung von Menschen aus der Community möglich gemacht. Ich freue mich, wenn Du dabei bist.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">MARCO UNTERSTÜTZEN</a></p><p>PS. Ich arbeite gerade schon fleißig an neuen Texten zu Himmelfahrt und Pfingsten. Dieser Monat wird also vermutlich etwas weniger ruhig als der April an dieser Stelle.</p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/fe04b251-54d1-4378-b846-a36eff34c77d/teaser_image/1778869238?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Fri, 15 May 2026 18:20:38 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM MITEINANDER]]></title>
      <description><![CDATA[Über Dialog, Zusammenarbeit und Begegnungen und warum ich nicht an Einzelkämpfer glaube...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 46: VOM MITEINANDER</strong></p><p>In den letzten Wochen war ich sehr viel unterwegs. Und irgendwie ist mir aufgefallen, dass ganz viele dieser unterschiedlichen Termine und Begegnungen ein gemeinsames Thema, eine gemeinsame Überschrift hatten: KOLLABORATION. Zusammenarbeit. Zusammenkunft. Dialog. Begegnung. Das Gemeinsame suchen und feiern. In einige dieser Stationen möchte ich dich gerne kurz mit hineinnehmen:</p><p>Vor kurzem war ich mit meinem Freund und Podcast-Kollege Gofi Müller in Marburg für einen Poetry Talk. Mit diesem Format sind wir immer wieder und in unterschiedlichen Konstellationen unterwegs und es sind immer ganz besondere Abende, weil es eben keine frontlastigen Bühnenlesungen sind, sondern ein Setting, das alle Anwesenden zum Dialog, zum Fragenstellen und Mitreden einlädt. Es gibt keinen festen Fahrplan zu Beginn des Abends. Texte, Themen und Gedichte ergeben sich aus der Dynamik des Miteinanders und des Austauschs.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8fe4a8a0-4e0b-418b-804c-4347a6aaa7dc/uploads/images/idpyx2qqid/C189CF24-6FF7-4844-A05E-E2B55DB26212.JPG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Auf dem Schwarz-weiß-Foto sieht man Marco von hinten durch das Schaufenster des Projektladens in Marburg während des Poetry Talks mit Gofi Müller."/><figcaption>FOTO VON HARRY L - THE ACHROMAT</figcaption></figure><p>Als ich kurz vor Beginn der Veranstaltung draußen vor der Tür stand um zu rauchen fiel mein Blick auf den Bildschirm im Schaufenster, der die kommenden Veranstaltungen in dieser Location ankündigte. Nach unserem eigenen Plakat folgten direkt die Einladung zur Buch-Release Party unserer Freundin und Kollegin Leah Weigand und danach das Tourplakat unserer Freunde Micha Kunze und Killian Mohns. Das klingt jetzt vielleicht beim Erzählen wenig spektakulär, war für mich aber ein ganz schöner und besonderer kleiner Moment der Verbundenheit. Zu wissen, dass meine Freunde in einigen Tagen hier in demselben Raum ihre großartige Kunst mit Menschen teilen werden. Wertzuschätzen, wie schön es ist mit diesen tollen und begabten Personen befreundet zu sein, sich gegenseitig anzufeuern und zu unterstützen und sich nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung wahrzunehmen und gemeinsam unterwegs zu sein, wenn auch leider viel zu selten am selben Ort.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8fe4a8a0-4e0b-418b-804c-4347a6aaa7dc/uploads/images/6nwyfer6nm/IMG_8809.JPG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Foto zeigt Tabitha Hanan, Marco Michalzik, Leah Weigand, Jasmin Brückner und Tobias Fleck, wie sie nach der Buchpremiere von Leah gemeinsam Arm in Arm auf der Bühne stehen."/><figcaption>FOTO VON BJÖRN WAGNER</figcaption></figure><p>Umso wertvoller, wenn sich solche gemeinsamen Gelegenheiten dann doch hin und wieder ergeben. Die Release Party zu Leahs Buch <a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/leah-weigand-das-gold-in-den-fugen-9783426568057?srsltid=AfmBOooO4Q6g_JS4FzgHf2G3rCZbKXHGN7CqxWvTVQ7I6v4TsTmnp20q">“Das Gold in den Fugen”</a> war eine solche. Vor ausverkauftem Haus stellte Leah aber nicht nur ihr neues Buch und die tollen Texte und Gedichte daraus vor, sondern ließ das ganze zu einem Community-Event werden, an dem neben ihr auch Tabitha Hanan, Jasmin Brückner und ich eigene Texte und Performances und Tobias Fleck einige seiner neuen Songs beitragen durften. Solche Abende liebe ich. Geteilte Bühnen sind für mich die schönsten Bühnen. Wenn es schon überhaupt soetwas albernes wie Bühnen geben muss, die immer ein bisschen so tun, als seien die Menschen darauf ein bisschen mehr besonders als die Menschen, die davor sitzen. Aber das ist vielleicht ein Thema für einen zukünftigen Text an dieser Stelle.</p><hr/><p>HOSSA CON</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8fe4a8a0-4e0b-418b-804c-4347a6aaa7dc/uploads/images/dwsazzdimr/Fotograf_Timm_Ziegenthaler-36.JPG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Foto zeigt Jay, Marco und Gofi beim Live Talk während der Hossa Con. Alle drei lachen und haben Mikrofone in der Hand."/><figcaption>FOTO VON TIMM ZIEGENTHALER</figcaption></figure><p>Das führt mich aber nahtlos zu einem weiteren für mich ganz besonderen Jahres-Moment. Ende März haben wir mit unserem Podcast HOSSA TALK zum allerersten Mal ein überregeionales Event organisiert. Wir waren im letzten Jahr an unterschiedlichen Orten im deutschsprachigen Raum unterwegs und haben uns immer mehr gefragt, wie und ob das, was wir da online mit dem Podcast machen sich nicht auch auf analoge, lokale Communities übertragen ließe. Ausgehend von einem Phänomen, das uns in den letzten Jahren immer häufiger begegnete: Menschen verlassen aus unterschiedlichen Gründen die Communities, Frömmigkeitsform und die dazugehörigen Gemeinden, in denen sie aufgewachsen sind. Und obwohl sie froh sind, bestimmten theologischen Engführungen den Rücken gekehrt zu haben, sehnen sie sich doch weiterhin nach Gemeinschaft und Verbundenheit. Aber wie könnte die aussehen? Andere haben bereits begonnen, sich in kleineren Gruppen zu treffen, und fragen sich nun, was diese Treffen eigentlich sind und wie sie gestaltet werden sollten und wozu die überhaupt gut sind. Über diese Fragen haben wir mit knapp hundert Menschen ein Wochenende lang nachgedacht, diskutiert, gelacht, geweint, ausprobiert, experimentiert:</p><p>Wie kann eine solche Community aussehen? Welche Formen braucht es dafür und was ist überhaupt denkbar? Braucht es noch feste Formen oder lieber fluide und experimentelle? Müssen das überhaupt „christliche“ Gemeinschaften sein? Und falls ja, woran macht sich das fest?</p><p>Worüber ich im Vorfeld am meisten nachgedacht habe, war die Frage, wie es gelingen kann, eine solche Veranstaltung zu hosten, ohne sie allzusehr um uns als Trio herum zu zentrieren. Wir können wir verhindern neue Systeme und Hierachien zu schaffen, bei denen es am Ende dann doch wieder nur um uns geht. Wie können wir hauptsächlich Raumschaffer oder Raumöffner sein, die am Ende selbst staunen, was passiert, wenn man Menschen einfach machen und reden und gestalten lässt. Ich hoffe, dass uns das zumindest zum Teil gelungen ist.</p><p>Wie können wir (und damit meine ich uns alle) Räume schaffen, in denen Menschen sich sicher fühlen, in denen echte Begegnung und Austausch stattfinden können? In denen man seine Geschichte und Gedanken, seine Zweifel und Brüche, seine Überzeugungen und Sehnsüchte teilen kann und darf. In denen Menschen in ihrem persönlichen und kreativen Ausdruck gefördert und wertgeschätzt werden. Natürlich bleiben auch nach diesem intensiven Wochenende viele dieser Fragen offen. Trotzdem habe ich das Gefühl, dort Teil etwas sehr besonderem gewesen zu sein. Die Richtung kommt mir persönlich zumindest sehr stimmig vor und ich bin gespannt, wie auch diese Reise weitergeht.</p><p>Hier kannst du in den Talk reinhören, den wir am ersten Abend live aufgezeichnet haben:</p><a href="https://open.spotify.com/episode/4AzRTq57zjPvJ6i2KwOWKn?si=e801v5IiS0mLTGsAUR0Emw">https://open.spotify.com/episode/4AzRTq57zjPvJ6i2KwOWKn?si=e801v5IiS0mLTGsAUR0Emw</a><p>Und wenn dich ausführlicher interessiert, wie das Wochenende so war und was wir konkret gemacht und erlebt haben, kannst Du gerne in die Hossa Talk-Folge #280 reinhören. Da gibt es direkt zu Beginn einen ausfährlichen Recap.</p><hr/><p>COLLAB-PROJEKTE</p><p>Und dann gibt es noch drei ganz konkrete Projekte, bei denen ich kürzlich mitwirken durfte, die das Miteinander und die Kollaboration besonders in den Mittelpunkt stellen. Die beiden ersten sogar mit diesem Wort im Titel.</p><p>Mein Freund Tobias Aldinger ist Mit-Initiator des Song-Projekts <a href="https://www.credo-collab.de/">CREDO COLLAB</a>. Und Tobi ist auch der Mensch, der vor Jahren bereits eine ganz ähnliche Idee mit Spoken Word-Künstler*innen umgesetzt hat, welches damals durchaus einen wichtigen Teil dazu beigetragen hat, dass sich dieser oben beschriebene Freundeskreis um Micha, Leah, Jasmin, Tabitha, Gofi und mich überhaupt bilden konnte.</p><p>Außgehend vom Text des Glaubensbekenntnisses von Nicäa wurde dazu aufgerufen Songs einzureichen, die Glaube, Zweifel und vor allem die eigenen Erfahrungen und Empfindungen damit zum Ausdruck bringen. Abseits von frommem Einheits-Mainstream wurden von einer Jury aus über 50 Beiträgen schließlich 5 ausgewählt, die demnächst auf dem Credo-Collab-Konzept-Album zu hören sein werden. Die übrigen 5 Slots des Albums werden mit neuen Stücken, die extra für dieses Projekt entstehen von eingeladenen Künstler*innen gefüllt. Dabei sind Jonnes, Diana Ezerex, Jonny vom Dahl, Heike Ostertag und Julian Maier-Hauff.</p><p>All diese Menschen fanden sich für ein Songwriting- und Vernetzungs-Wochenende in der Popakademie in Mannheim ein und ich hatte das große Vergnügen nicht nur mit dabei zu sein, sondern mit der lieben Jasmin Brückner im Duo durch die Veranstaltung zu moderieren, in der die Gewinner*innen ausgezeichnet und gebührend gefeiert wurden und die anderen Artists Einblicke in ihren noch nicht abgeschlossenen Songwriting-Prozess gaben und Songs aus ihrem Repertoire vorstellten.</p><p>Einander teilhaben zu lassen an Prozessen, an Unfertigem und noch Unperfektem, an Ideen, die noch dabei sind Gestalt anzunehmen, all das schafft ein ganz besonderes Gefühl der Verbundenheit. Den Eindruck hatte ich zumindst an diesem Wochenende wieder ganz stark. Und wie schön und besonders ist es, dass aus all diesen einzelnen Songs und Perspektiven am Ende wieder ein großes und vielstimmiges Gesamtkunstwerk wird, auf das ich schon sehr gespannt bin. Und ich freue mich, dass dieser festliche Rahmen der Auftakt und noch nicht der krönende Abschluß war. Aber allein dieses gemeinsame Wochenende mit diesen tollen, ehrlichen, suchenden und unfassbar talentierten Menschen war eigentlich bereits Ergebnis genug.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8fe4a8a0-4e0b-418b-804c-4347a6aaa7dc/uploads/images/iw5n3ulraz/IMG_8902.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Bild zeigt Marco und Jasmin auf der Bühne während ihrer Moderation des Credo-Collab- Abends. Marco trägt einen schwarzen Anzug und hält ein Mikrofon in der Hand, Jasmin trägt einen blauen Hosenanzug und interagiert mit dem Publikum."/><figcaption>FOTO VON WINFRIED HAUPT</figcaption></figure><p>Meine längste und engste Kollaboration ist auf jeden Fall die mit Manuel Steinhoff. In unserem #poetrymeetsbeats Duo-Projekt, aber auch darüber hinaus, waren wir auf die eine oder andere Weise an fast allen kreativen Outputs des jeweils anderen in den letzten Jahren beteilligt. Vor einer Weile hat Manu angefangen als Solo-Projekt Konzept-EPs mit Instrumental-Musik zu veröffentlichen. Fünf EPs innerhalb kürzester Zeit und ich muss gestehen, dass ich manchmal nicht mehr hinterherkomme angesichts dieser überbordenden Kreativität. Das besondere ist jetzt aber, dass Manu sich für EP Nr. 6 überlegt hat, sein Solo-Projekt diesmal bewusst für andere zu öffnen und sowohl Texter*innen, Sänger*innen, Rapper*innen, Musiker*innen, Spoken Word-Künstler*innen… einzuladen einen eigenen Part ihrer Kunst zu diesem Gesamtkunstwerk beizutragen. Ich finde das unglaublich wertvoll und schön mit Menschen aus unterscheidlichen Hintergründen und Ausdrucksformen in den Dialog zu treten und sie einzuladen etwas von sich dem bereits vorhandenen hinzuzufügen. Das braucht eine Menge Vertrauen und Freiheit. Aber was daraus entsteht ist etwas, das einer allein eben nicht herstellen kann. Etwas, das nur gemeinsam möglich ist und das dann auch größer und mehr wird als die bloße Summe der einzelnen Parts.</p><p>Vielleicht ist das sogar das sinnvollste und effektivste, was Kunstschaffende einem kapitalistischen System in Zeiten von KI und Algorithmen, aber eigentlich zu allen Zeiten, entgenhalten können.</p><p>Hier habe ich dir den Link zu dem Stück, auf dem ich dabei sein durfte dazugepackt. Ich freue mich, wenn du reinhörst und bin gespannt, wie du es findest. Neben meinem Part sind auf der EP auch u.a. so großartige Menschen wie Leah Weigand, Jens Böttcher, Jelena Herder, Elli, Luis Baltes und noch ganz viele mehr zu hören:</p><a href="https://manuelsteinhoff.bandcamp.com/track/hinter-der-angst">https://manuelsteinhoff.bandcamp.com/track/hinter-der-angst</a><p>Wenn Du direkt auf den Player klickst, kommst du direkt zur ganzen EP auf der Plattform Bandcamp. Dort kannst du Manus Musik nicht nur streamen, sondern auch käuflich erwerben und damit ihn und seine Kunst unterstützen. Natürlich findest du seine Veröffentlichungen aber auch auf anderen gängigen Streaming-Plattformen (außer Spotify).</p><p>Und zum Abschluß dieser bunten Collab-Reihe noch ein neuer Song, den ich mit dem Singer-Songwriter Daniel Harter für das Kinderhilfswerk COMPASSION geschrieben habe, in dem auch ein kleiner Spoken Word-Part von mir am Ende vorkommt. Das Stück heißt “Tellerrand” und auch hier freue mich natürlich sehr, wenn du reinhörst:</p><a href="https://open.spotify.com/intl-de/track/6zUYDDpCZLYgtFk3x50S9b?si=467b79b17f3e4121">https://open.spotify.com/intl-de/track/6zUYDDpCZLYgtFk3x50S9b?si=467b79b17f3e4121</a><p>Ich hoffe, dieser Text ließt sich nicht nur als ein Werbetext für all die spannenden Projekte, die da in der letzten Zeit das Licht der Welt erblickt haben, obwohl ich natürlich auf alle sehr stolz bin und mich freue sie mit Dir und der Welt zu teilen. Mein Hauptanliegen ist es aber den Fokus kurz darauf zu richten, dass all diese kreativen Unternehmungen am Ende Ausdruck eines gemeinsamen Weges sind. Einer Erzählgemeinschaft. Mal fluide, mal konkreter, mal nur für einen Abend, einen Tag oder ein Wochenende, mal für sehr viel länger.</p><p>Das erlebe ich gerade auch bei den Gelegenheiten, wo es am Ende keine stylischen Fotos, oder toll produzierten Audio- oder Videoversionen gibt. Bei Workshops mit Schulklassen, wo wir gemeinsam auf dem Boden sitzen und uns gegenseitig erzählen, was uns wichtig ist und dazu Texte schreiben. In inklusiven Schreibwerstätten, wo wir Bilder finden, um davon zu erzählen, was uns Angst macht. In der Gastfreundschaft von vorher fremden Menschen, die ich unterwegs kennenlernen darf und die für ein paar Tage ihr Zuhause und ihre Geschichten mit mir teilen. In einem Dialog-Format in einem Gottesdienst, wo danach jemand sagt, dass er lange nicht mehr so gerne über einen Bibeltext nachgedacht hat. Lasst uns bewusst Räume schaffen, wo das passieren kann. Lasst uns Kollektive kreieren. Banden bilden. Verbundenheit versuchen. Freundschaft pflegen und Mitander möglich machen.</p><p>Liebe Grüße aus Wien und bleib verbunden</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3d5c0b52-f793-41f6-853d-afb6f577283f/uploads/images/i7ei6qdj2u/Unterschrift.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Marco"/><p>Auch diese Texte, Gedichte und Audioformate werden durch die Unterstützung von Menschen aus der Community möglich gemacht. Ich freue mich, wenn Du dabei bist.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">MARCO UNTERSTÜTZEN</a></p><p>PS. Ich arbeite gerade schon fleißig an neuen Texten zu Himmelfahrt und Pfingsten. Dieser Monat wird also vermutlich etwas weniger ruhig als der April an dieser Stelle.</p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Tue, 05 May 2026 17:14:59 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM VERWECHSELN]]></title>
      <description><![CDATA[wenn der auferstandene mit dem gärtner verwechselt wird und ich mich frage, warum mir das noch nie passiert ist…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 45: VOM VERWECHSELN</strong></p><blockquote><p> “Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner…</p><p></p><p>Die Bibel, Evangelium nach Johannes 20,14-16</p></blockquote><p>wenn der auferstandene mit dem gärtner verwechselt wird und ich mich frage, warum mir das noch nie passiert ist…</p><p>vielleicht weil da frische grasflecken auf dem gewand waren, grüntöne feucht schimmernd vom tau auf den halmen am morgen und sogar ein bisschen danach riechend, wie bei jemandem,dem all das bewusst, aber egal gewesen ist, als er sich beim ersten sonnenlicht in der wiese wälzte.</p><p>vielleicht weil da erdspuren an den händen hingen und unter den nägeln, vom graben mit bloßen fingern im boden einer besonders geeigneten stelle, um eines dieser winzigen körner in die kühle dunkelheit des loches zu legen über deren sterben und aufgehen und frucht bringen so oft geredet wurde.</p><p>vielleicht weil da noch rindereste in den haarstränen hängen geblieben sind, als der kopf für ein paar sekunden an den stamm gelehnt einen ruhepunkt gefunden hatte und die arme zaghaft zärtlich die außenseite der wortlosen lebensjahre umschloßen.  </p><p><em>sehet die lilien auf dem feld, das himmelreich gleicht einem senfkron, wenn das weizenkorn nicht in die erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht, ich bin der weinstock und ihr seid die reben, an ihren früchten werdet ihr erkennen, ich habe mein schaf gefunden, das verloren war…</em></p><p>vielleicht weil ich in wahrheit wenige männer mitte 30 kenne, die achtsam sind für derlei dinge und sich trauen ihre freunde darauf aufmerksam zu machen, vielleicht mit ausnahme von samwise gamgee, gärtner aus einem volk, das nichts so sehr liebt, wie dinge, die wachsen.</p><p>vielleicht weil ich als schreibender ahne, dass die bilder selten zufällig sind, die einzug in den ausdruck finden und meistens mehr bedeuten als bloße beschreibung, nahelegen, dass der formulierende sie bereits eine weile mit sich herumgetragen hat, gesammelt wird schließlich nur, was für wichtig gehalten wird.</p><p>von anderen freunden ist der gärtner bereits vorher einmal für ein gespenst gehalten worden, beides scheint ihn nicht weiter gestört zu haben, aber als ihm eine hypebetrunkene menschenmenge die krone aufsetzen wollte, verwehrte er sich gegen königsmacht und triumphale thronambitionen. </p><p>in zeiten, in denen die mächtigen täglich mit unsagbarem drohen und ihren dummen worten leider meistens ähnlich kluge taten folgen, erinnere ich mich daran, dass der auferstandene im zweifel nicht wie ein könig, nicht wie soldat, nicht wie ein richter, nicht einmal wie ein priester oder prediger aussieht, sondern etwas an sich hat, dass zumindest auf den ersten blick verdächtig nach einem gärtner aussieht. </p><p>Herzliche Grüße aus Wien und bleib barmherzig</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3d5c0b52-f793-41f6-853d-afb6f577283f/uploads/images/i7ei6qdj2u/Unterschrift.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Marco"/><p>Diese Texte, Gedichte und Audioformate werden durch die Unterstützung von Menschen aus der Community möglich gemacht. Ich freue mich, wenn Du dabei bist.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">MARCO UNTERSTÜTZEN</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Mon, 06 Apr 2026 15:50:22 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[WELTTAG DER POESIE]]></title>
      <description><![CDATA[Für den diesjährigen Welttag der Poesie habe ich mein Gedicht “nichts”, das ich ursprünglich für die UNTO US-Serie von Central Arts geschrieben habe, umgearbeitet...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 44: WELTTAG DER POESIE</strong></p><p>Seit 1999 wird am 21. März von der UNESCO der Welttag der Poesie - <a href="https://www.unesco.org/en/days/poetry">World Poetry Day</a> - ausgerufen. Pablo Neruda nannte die Poesie einen <em>Akt des Friedens. </em>Für Lawrence Ferlinghetti ist die Poesie <em>das ewige Graffiti, das auf die Herzen aller geschrieben</em> ist. T.S. Eliot merkte an, dass <em>wahrhafte Dichtung zu Menschen reden kann, schon bevor sie völlig verstanden wird.</em> Nikki Giovanni erinnert Schreibende daran <em>von einem Ort der Emapathie aus zu schreiben. </em>Und Sonia Sanchez wusste, <em>dass alle Poet*innen und alle Schreibenden politisch sind und entweder den Status Quo beibehalten oder dagegen anschreiben und feststellen, dass Dinge falsch laufen, die zum Besseren verändert gehören. </em>Und für Audre Lorde war <em>Poesie kein Luxusgut sondern eine Lebensnotwenidkeit, die das Licht formt, in dem wir unsere Hoffnungen und Träume auf Überleben und Veränderung ergründen. Zuerst in Sprache, dann in Idee, schließlich in konkretem Handeln, weil Poesie uns hilft, dem Namenlosen einen Namen zu geben, damit wir es denken können. Die fernsten Horizonte unserer Hoffnungen und Ängste formen unsere Gedichte, gemeißelt aus den Erfahrungen unseres Alltags.</em></p><p>Für den diesjährigen Welttag der Poesie habe ich mein Gedicht “<em>nichts”, </em>das ich ursprünglich für die <a href="https://unto-us.com/">UNTO US-Serie von Central Arts</a> geschrieben habe, umgearbeitet und in eine ganz neue vierteilige Version und Form überführt. Unter jedem Teil findest du auch die Audio-Version, wo ich das Gedicht für dich vorlese: </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8df1f323-5cda-454a-a8f2-57a69913c6cb/uploads/images/ky3twqiywu/nichts_worldpoetryday.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="NICHTS - Ein Gedicht von Marco Michalzik zum Welttag der Poesie 2026."/><p><strong>EINS</strong></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8df1f323-5cda-454a-a8f2-57a69913c6cb/uploads/images/ubrw6eueo3/IMG_8684.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/8df1f323-5cda-454a-a8f2-57a69913c6cb">Auf Steady anhören</a></p><p></p><p><strong>ZWEI</strong></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8df1f323-5cda-454a-a8f2-57a69913c6cb/uploads/images/b6xoo5nonl/IMG_8685.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/8df1f323-5cda-454a-a8f2-57a69913c6cb">Auf Steady anhören</a></p><p></p><p><strong>DREI</strong></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8df1f323-5cda-454a-a8f2-57a69913c6cb/uploads/images/n6lg7u4sek/IMG_8686.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/8df1f323-5cda-454a-a8f2-57a69913c6cb">Auf Steady anhören</a></p><p></p><p><strong>VIER</strong></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8df1f323-5cda-454a-a8f2-57a69913c6cb/uploads/images/wdveodlzc6/IMG_8701.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/8df1f323-5cda-454a-a8f2-57a69913c6cb">Auf Steady anhören</a></p><p></p><hr/><p>NOCH MEHR LYRIK</p><p>Und zum Abschluß habe ich noch ein paar deutschsprachige Lyrik-Empfehlungen für dich zusammengestellt, die ich alle ganz toll finde und dir sehr ans Herz legen möchte: </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8df1f323-5cda-454a-a8f2-57a69913c6cb/uploads/images/b3xnft6tmb/nichts_worldpoetryday.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Lyrik-Empfehlungen: Siljarosa Schletterer - Entschämungen. Sirka Elspaß - hungern, beten, heulen, schwimmen. Jasmin Brückner - Kontur. Leah Weigand - Das Gold in den Fugen. Tabitha Hanan - Ich seh rot. Nora Gomringer - Gottesanbieterin."/><p>Herzliche Grüße aus Marburg und bleib barmherzig</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3d5c0b52-f793-41f6-853d-afb6f577283f/uploads/images/i7ei6qdj2u/Unterschrift.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Marco"/><p>Diese Texte, Gedichte und Audioformate werden durch die Unterstützung von Menschen aus der Community möglich gemacht. Ich freue mich, wenn Du dabei bist.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">MARCO UNTERSTÜTZEN</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Sat, 21 Mar 2026 11:00:41 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[HAIKU AS PRAYER]]></title>
      <description><![CDATA[Ein Ansatz für mich ist das Haiku-Schreiben, das kunstfertige Komponieren, das achtsame Beobachten, den poetischen Blick auf die Welt an sich bereits als Gebet begreifen.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 43: HAIKU AS PRAYER</strong></p><blockquote><p><em>„I write haiku as prayer.</em></p><p><em>Get them to you in small pieces.</em></p><p><em>Every beat of sound, every reach for the sun</em></p><p><em>another poem pulled from your smiley face“</em></p><p> </p><p>- Jessica Care Moore, I catch the rain</p></blockquote><p>Über diese Zeile der afro-amerikanischen Spoken Word-Poetin Jessica Care Moore bin ich vor einigen Tagen beim Hören ihres fantastischen Albums <em>Black Tea: The Legend of Jessi James  </em>gestolpert. </p><p>Das Haiku ist eine Kurz-Gedichtform aus Japan . Traditionell besteht es aus drei Zeilen. Die erste Zeile hat fünf Silben, die zweite sieben Silben und die dritte wieder fünf. Sie wirken oft wie sehr präzise Snapshots, Momentaufnahmen einer Beobachtung, der Natur, eines Alltagsmoments. Der Blick mehr nach außen gerichtet als nach innen. Zum Beispiel:</p><p></p><p> <em>Von Windblüten</em></p><p><em>Das Tiefblau eine Zeitlang</em></p><p><em>Ein Spiel von Schatten</em></p><p>-<em>Sôjô</em></p><p><em> </em></p><p>oder</p><p> </p><p><em>Vom Haubentaucher</em></p><p><em>Der Schnee nur tropfenweise</em></p><p><em>Zum Teich hinabrinnt</em></p><p><em> -Getto</em></p><p><em> </em></p><p>Im Nachwort des Reclam-Bandes zu japanischen Haikus wird dessen Aufgabe so beschrieben, dass ein Haiku <em>den flüchtigen Augenblick eines Naturerlebnisses in wenige, treffende Worte fassen solle, um so um so auf das unbegreifliche Geheimnis hinzuweisen, das sich in ihm offenbart. Das gelingt aber nur, wenn angesichts der nur siebzehn Silben, über die das Haiku verfügt, jedes Wort gemieden wird, das der Stimmung des erlebten Augenblicks Abbruch tut. </em>Darüber hinaus gibt es die Auffassung, dass die Haiku-Dichtung vornehmlich objektiv beschreibend zu verfahren habe und die Einmischung subjektiver Momente möglichst meiden solle.</p><p> Beat-Autoren wie Jack Kerouac haben allerdings sehr viel freier mit der Form, den Themen und der Silbenzahl experimentiert und argumentiert, dass die englische Sprache (ebenso wie die deutsche) eben völlig anders funktioniere als die japanische. Weiter sagt er über die Beschaffenheit eines Haiku:</p><p><em>„Above all, a Haiku must be very simple and free of all poetic trickery and make a little picture and yet be as airy and graceful as a Vivaldi Pastorella.”</em></p><p><em> </em>Und die Dichterin ruth weiss erzählt, wie sie in San Francisco an mehreren Abenden mit Jack Kerouac zusammensaß und wie sie sich gegenseitig Haikus auf Servietten hin und herreichten und auf diese Art miteinander kommunizierten. Leider ist keine dieser lyrischen Brief-Servietten erhalten geblieben. Es war ein Spiel im Moment. Und von daher eigentlich sehr passend für die Kunst des Haiku-Schreibens. </p><p><em> </em>Ich habe exemplarisch fünf Beispiele für Kerouacs besondere Form des „amerikanischen“ Haiku herausgesucht, um einen kleinen Eindruck von seinem Zugang zu bekommen und die Unterschiede zu den strengeren, traditionelleren Beispielen zu entdecken:</p><p> </p><p><em>A raindrop from</em></p><p><em>the roof</em></p><p><em>Fell in my beer</em></p><p><em> </em></p><p><em>//</em></p><p><em> </em></p><p><em>The sound of silence</em></p><p><em>is all the instruction</em></p><p><em>You’ll get</em></p><p><em> </em></p><p><em>//</em></p><p><em> </em></p><p><em>In the sun</em></p><p><em>the butterfly wings</em></p><p><em>Like a church window</em></p><p><em> </em></p><p><em>//</em></p><p><em> </em></p><p><em>Early morning yellow flowers,</em></p><p><em>thinking about</em></p><p><em>the drunkards of Mexico</em></p><p><em> </em></p><p><em>//</em></p><p><em> </em></p><p><em>Glow worm</em></p><p><em>sleeping on this flower –</em></p><p><em>your light’s on</em></p><p><em> </em></p><p>All das vorausgesetzt kehre ich zurück zur Zeile von Jessica Care Moore. <em>I write haiku as prayer.</em> Wie könnte das aussehen und was könnte das bedeuten?</p><p>Ein Ansatz für mich ist das Haiku-Schreiben, das kunstfertige Komponieren, das achtsame Beobachten, den poetischen Blick auf die Welt an sich bereits als Gebet begreifen. Auch wenn weder Gott explizit als Adressat genannt (oder gedacht oder impliziert) oder besondere religiöse Sprache oder Begrifflichkeiten erwähnt werden und am Ende kein Amen steht. Ich denke dabei an ein Zitat von Dorothee Sölle, das ich sehr mag und das ich an anderer Stelle in dieser Textreihe schon einmal ausführlich besprochen habe: <em>„Ich benutze manchmal die beiden Wörter ‚beten‘ und ‚dichten‘ synonym, als sagten sie das Gleiche, so ein Versuch des Selbstausdrucks, auch des ausgedrückten Schmerzes. Es geht mir oft so, wenn ich Meldungen lese in der Zeitung oder in Briefen, die Leute mir schreiben, Meldungen des Entsetzens, etwas Grauenvolles, dann ist es manchmal so, als könnte ich nicht atmen. Und dann habe ich das Bedürfnis, irgendetwas damit zu tun, aber manchmal denke ich auch, ich will es Gott erzählen und deswegen schreib ich es auf, damit er es endlich mal hört.“ </em>Oder wie es der Dichter und Mystiker Thomas Merton einmal ausdrückte „<em>A tree worships god by being a tree.“ </em>Sein Baumsein an sich ist schon Gebet. Genauso wie mein Menschsein, das sich in meinem Fall eben oft durchs Schreiben ausdrückt.</p><p> Diese besondere Form der Haiku-Dichtung erfordert einen aufmerksamen, achtsamen, empathischen Blick auf die Welt. Ein Wahrnehmen von scheinbar belanglosen Details, die sonst übersehen oder für selbstverständlich gehalten werden. Ein Blick, der in allem etwas Wertvolles entdecken kann, muss zwangsläufig zu einer Haltung führen, die die Natur wertschätzt und ihre Zerstörung und Ausbeutung betrauert und anprangert, genauso wie die Unterdrückung von Menschen oder Menschengruppen oder Minderheiten, die von anderen für zu weird, zu queer, zu fremd, zu anders, zu arm, zu faul, zu feminin, zu jung oder schlicht für weniger wichtig und weniger wertvoll gehalten und behandelt werden. Ein solcher Blick und das in Worte fassen davon ist für mich in jedem Fall ein wie auch immer geartetes <em>Kyrie eleison. </em>  </p><p>Und auch wenn ich diesen Gedanken sehr mag und vertrete, kann, so denke ich, auch das konkretere Gebet möglicherweise einiges von der Dichtung lernen oder sich zumindest davon inspirieren lassen. Eine Haiku-Haltung beim Beten sozusagen. Zum Beispiel den achtsamen und empathischen Blick nach außen, der nicht bei sich selbst Halt macht und nur um sich und sein eigenes Leben und Empfinden kreist, sondern das Kleine, Unscheinbare und Übersehene wahrnimmt und darin Schönheit, Wert und sogar sich selbst erkennen kann. Oder wie es ein antiker Briefeschreiber in seinem ersten Brief an die christliche Gemeinde in Korinth einmal formulierte: <em>Was für die Welt keine Bedeutung hat und von ihr verachtet wird, das hat Gott ausgewählt. Er hat also gerade das ausgewählt, was nichts zählt. So setzt er das außer Kraft, was etwas zählt (Die Bibel, 1. Brief an die Korinther1,28).</em></p><p> Oder den Fokus beim Beten auf das Wesentliche zu legen und alles andere wegzulassen. Nicht als Formel, sondern als Entlastung. Manchmal braucht es vielleicht nicht mehr als einige Silben. Oder vielleicht sind die auch in manchen Momenten ohnehin alles, was vorhanden oder noch übrig ist. Länge ist kein automatisches Qualitätsmerkmal. Das gilt für Gedichte wie für Gebete (und sicher auch noch für so manches anderes).</p><p>In Haiku-Haltung zu beten heißt vielleicht auch um jedes Wort, ja um jede Silbe zu ringen, um dem Kern dessen, was ich meine, und auszudrücken versuche möglichst nahe zu kommen. Nicht, weil ich glaube, die Wirksamkeit eines Gebets durch besonders präzise Formulierungen verstärken zu können, sondern weil ich merke, wie gut und wertvoll es für mich selbst ist, mich, meine Gedanken und Empfindungen auf diese Weise besser verstehen zu lernen.</p><p>Und überhaupt scheint mir ein poetischer, schöpferischer Ansatz fruchtbar für das Gebet zu sein angesichts eines kreativen Schöpferwesens, an das man sich so wendet. In einer Dokumentation über den Jazz-Musiker SUN RA, die ich kürzlich gesehen habe wird erzählt, dass er jeden Morgen ein Stück Musik komponierte und spielte, welches nur für den <em>Creator</em> bestimmt war und dass er niemals veröffentlichte oder danach noch einmal live performte. Sein Gedanke dabei war, dass ständig alle den Schöpfer um so viele Dinge bitten, aber kaum jemand daran denke dem Schöpfer seinerseits etwas zu schenken. Deshalb und aus Dankbarkeit für seine Gabe schenkte er ihm jeden Morgen ein Stück Musik.</p><a href="https://www.pbs.org/wnet/americanmasters/how-sun-ra-gave-thanks/37474/">https://www.pbs.org/wnet/americanmasters/how-sun-ra-gave-thanks/37474/</a><p>Zum Abschluss dieser kleinen Haiku-Gebetsexkursion möchte ich noch einige meiner eigenen Haikus mit dir teilen. Ich schreibe sie oft auf Zugfahrten oder als Startpunkt in einen Schreibprozess, um mich zu fokussieren und die Gedanken zu ordnen. Es gehört auf jeden Fall zu meinen Lieblingsachtsamkeitsübungen:  </p><p></p><p><em>Gebetsanfangskrach</em></p><p><em>Ein Mensch auf Silbensuche</em></p><p><em>Amen wie atmen</em></p><p><em> </em></p><p><em>//</em></p><p><em> </em></p><p><em>Der Himmel der Stadt</em></p><p><em>Viereckig gezeichnete</em></p><p><em>Betonkonturen</em></p><p><em> </em></p><p><em>//</em></p><p><em> </em></p><p><em>Überforderung</em></p><p><em>Der Tag wie eine Liste</em></p><p><em>Vor dem Aufstehen</em></p><p><em> </em></p><p>Und diese vier habe ich vor kurzem als kleine Reihe unter dem Titel <em>Lichtverschmutzung</em> veröffentlicht:</p><p> </p><p><em>Die Summe des Lichts</em></p><p><em>Ist hier so grell, ich sehe</em></p><p><em>Keinen Himmel mehr</em></p><p> </p><p>//</p><p> </p><p><em>Kleine Lichtpunkte</em></p><p><em>Blocken die Sicht auf Sterne</em></p><p><em>durch ihre Schein-Welt</em></p><p> </p><p>//</p><p> </p><p><em>Himmel nicht sichtbar</em></p><p><em>Inmitten der Schein-Summe</em></p><p><em>Künstlicher Lichter</em></p><p> </p><p><em>//</em></p><p><em> </em></p><p><em>“Ihr seid Licht der Welt…”</em></p><p><em>So sehr, dass hier niemand mehr</em></p><p><em>Die Sonne erkennt</em></p><hr/><p>HAIKU CHALLENGE</p><p><strong>Und jetzt bist du an der Reihe! Schreibe dein eigenes Haiku und poste es in die Kommentare unter diesem Beitrag.</strong></p><p>Wäre es nicht schön aus diesen Überlegungen einen Gemeinschafts-Moment zu kreieren und wie Jack Kerouac und ruth weiss über diese kleine Form-Spielerei miteinander schreibend ins Gespräch zu kommen?</p><p>Ob du dich an die traditionelle Form hältst oder damit eher frei hantierst, ob Gebet oder Beobachtung, ob Natur oder Alltag, all das entscheidest du. Ich freue mich auf deinen Blick auf die Welt, deine Worte und deinen Ausdruck.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">WERDE TEIL DER COMMUNITY</a></p><hr/><p>NEUES VIDEO</p><p>Es gibt einen neuen Visualizer zum Titelstück unserer #poetrymeetsbeats-EP <em>Die gerade Linie ist gottlos Pt.3:</em></p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=yqmXepb-8SQ&amp;list=RDyqmXepb-8SQ&amp;start_radio=1">https://www.youtube.com/watch?v=yqmXepb-8SQ&amp;list=RDyqmXepb-8SQ&amp;start_radio=1</a><p><em>“Habe ich nicht geebnet, stillgemacht meine Seele: Wie ein Entwöhntes an seiner Mutter, wie das Entwöhnte ist an mir meine Seele.”  </em></p><p>(Psalm 131, Die Schrift, Martin Buber, Franz Rosenzweig)  </p><p>Verfügbar auf allen Streaming-Portalen: <a href="https://album.link/s/1pWtZxKzN3CqTh69">https://album.link/s/1pWtZxKzN3CqTh69</a><a href="https://www.youtube.com/redirect?event=video_description&amp;redir_token=QUFFLUhqa0padUk3NHgzb1JOR2s5YXpxV3dvV2NQZWtEUXxBQ3Jtc0tsMzRJOUJzRUs1NnAwZXJWaW56dk5ENzRiNHE3Snk2dFQ4Rmg5VVloMDlHTjBSWWUxUTN2blluMnlCMGxId1hWMklTdHAzYkJaYkhTRVpNcXBrMWNFZUxSZkhLY2pWWkUwb2o2Rm5qVWhLblU4QVNKTQ&amp;q=https%3A%2F%2Falbum.link%2Fs%2F1pWtZxKzN3CqTh69BsRsAt&amp;v=yqmXepb-8SQ">...</a></p><p>Und auf Vinyl: <a href="https://elasticstage.com/manuelsteinh">https://elasticstage.com/manuelsteinh</a><a href="https://www.youtube.com/redirect?event=video_description&amp;redir_token=QUFFLUhqa1RUTU1Dd1RQdXJxV29fRE0xZEE3Y2FLdi1SUXxBQ3Jtc0ttRmJ2b2pSb08wRG04MzlZNURaV2JMLURWbFNfQUtfd2NMeGkwdlZyOHNaTXF0aUEzV01lLVNRalktbEpTd3l3Ri15X0l4VmFadzBEX1ItZHQycWNRamdSYkF5NWtWWDB6bkFaR2tyRGpYYWxJTmotWQ&amp;q=https%3A%2F%2Felasticstage.com%2Fmanuelsteinhoff%2Freleases%2Fdie-gerade-linie-ist-gottlos-album&amp;v=yqmXepb-8SQ">...</a> <br/></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Unterstützer*in werden</a></p><p>Herzliche Grüße aus Wien und bleib barmherzig</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3d5c0b52-f793-41f6-853d-afb6f577283f/uploads/images/i7ei6qdj2u/Unterschrift.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Marco"/><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Sun, 22 Feb 2026 14:08:57 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[VOM ERNEUERN UND VERWERFEN]]></title>
      <description><![CDATA[Von diesem Text gibt es mittlerweile sieben verschiedene Entwürfe. Sieben Versuche etwas zum Jahresanfang zu schreiben. Sieben gelöschte Versionen, weil...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 42: VOM ERNEUERN UND VERWERFEN</strong></p><p><em>Von diesem Text gibt es mittlerweile sieben verschiedene Entwürfe. Sieben Versuche etwas zum Jahresanfang zu schreiben. Sieben gelöschte Versionen, weil sie jeweils vom aktuellen Geschehen überholt wurden…</em></p><p>Wir hatten recht kurzfristig beschloßen über den Jahreswechsel drei Tage nach Frankreich in die Normandie zu fahren und das neue Jahr mit Blick aufs Meer und die Kreideklippen der Alabasterküste zu beginnen. Das Wetter meinte es so gut mit uns, dass wir Ende Dezember sogar noch für eine Weile draußen in der Sonne sitzen und ein Glas Wein trinken konnten. Am Morgen des 31. Dezember stand ich morgens früh auf und setzte mich zum Rauchen auf eine Bank mit direktem Blick auf die Wellen und schreib einige Ideen in mein kleines Notizbuch. Themen und Gedanken mit denen ich diese Textreihe im neuen Jahr eröffnen wollte. Ich dachte viel über die sogenannte Jahreslosung nach, die die Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen jedes Jahr als eine Art spirituele Überschrift oder Leitwort für das neue Jahr festlegt. Für das Jahr 2026 ist das ein Vers aus dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, Kapitel 21, Vers 5: Gott spricht: <em>Siehe, ich mache alles neu! </em>Beim Spaziergang am Strand dachte ich über Stellen nach, auf denen ich jetzt einigermaßen trockenen Fußes entlang gehen, Spuren hinterlassen und Angespültes aufheben konnte, die aber in ein par Stunden wieder vom Wasser bedeckt sein würden, wodurch ich die exakte Stelle meiner Spur höchstens noch erahnen könnte. Gezeiten. Zeit. Veränderung. Erneuerung. Ich schlug die Bedeutung des griechischen Wortes für „neu“ in der Offenbarungsstelle nach und las, dass es im Neuen Testament zwei Begriffe gibt, neos und kainos, die mit „neu“ übersetzt werden. <a href="https://medium.com/@sophieinspires/kainos-die-kraft-der-erneuerung-in-der-apokalypse-737f6996b5e2"><em>Neos (νέος): bezieht sich auf etwas, das zeitlich neu ist — kürzlich, jung oder neu erschaffen. Ein neos-Objekt hat zuvor nicht existiert. Kainos (καινός): bedeutet etwas, das in Qualität oder Wesen neu ist. Es ruft Erneuerung, Verwandlung, Wiederherstellung hervor. Es ist etwas, das bereits existierte, aber erneuert, aufgefrischt oder mit einem neuen Charakter neu gemacht wurde.</em></a></p><p>Im Vers der Jahreslosung wird das zweite Wort verwendet. Das fand ich sofort schön, weil es auf meine Hoffnung einzahlt, dass mit diesem <em>neu machen</em> keine Zerstörung, Vernichtung oder Eroberung verknüpft ist, die zuerst passieren muss, bevor dan das ganz neue, das ganz andere kommen kann. Kein Abriss wegen Neubau, sondern dass es wohl eher um Heilung und Transformation und Wiederherstellung geht. Trotzdem rätselhaft genug. Mit all diesen Gedanken im Kopf schrieb ich noch in Frankreich das folgende Gedicht:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/75e1d992-0c32-4785-96b6-582c4bb91bdc/uploads/images/b5ap22kgtm/CA92F7BC-4845-4910-9CB3-93FF4D790A7F.JPG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Bild zeigt die weißen Steilklippen, die direkt ins Meer übergehen und dazu das folgende Gedicht: 

30. dezember / kainos

siehe, ich mache alles neu

winterspaziergang entlang des pfützenpfads am gezeitengewässer, frage, wie weit du gehst, wenn du wieder kommst und wo der höchste punkt liegt, den du zu berühren im stande bist, frage, ob du etwas mitbringst, das vorher nicht hier war, unscheinbar klein, so dass unmerklich ansgespülte veränderung nicht weiter auffällt, frage, wie das gewicht der welt laut allen ginsberg liebe ist
und in seiner sprache möglich in liebe und in meiner immerhin ins gewicht oder dem rad in die speichen oder in die hände eines anderen menschen zu fallen, obwohl letzteres selten so zärtlich gemeint wird, wie es klingt und ich doch nirgendwohin lieber fiele als in deine, frage, ob du an dich reißt oder davon trägst, 
ersehnt, weil es hier zu wenig zu sehen gibt oder ob du in dich aufnimmst bis alles einzelene nicht mehr zu unterscheiden ist von dem wort, das das ganze meint. frage, wie selbstverständlich auf immerhin fast festem boden füße voreinandersetzen, spuren 
mit zeitstempel an stellen schreiben, die später nur noch schwimmend erreichbar und höchstens ungefähr identifizierbar bleiben, frage, wie zeit anwesenheits beweise 
verwischt oder zudeckt zumindest wie eine fluide gnade mit salz auf der zunge und je nach windstärke oder jahreszeiten fast vollkommene veränderung verspricht, der nur morgengrauen-erinnerung ein verwischt-geträumtes collagendetail vom davor entgegenhält. frage, reparatur dauer, frage heilungs haltbarkeit, siehe, alles erneuert werden"/><p><em>Aber dann</em> erreichte mich die Nachricht von dem furchtbaren Brand in der Silvesternacht in einer Bar im Schweizer Ort Crans-Montana, wo junge Menschen feiernd das neue Jahr begrüßen wollten und von denen 40 starben und über 100 weitere schwer verletzt wurden in dieser Tragödie. Ich hörte das schcoiert und sah fassunglos die Bilder in den Nachrichten und die Augenzeugenberichte eines Überlebenden. Und fühlte mich so gar nicht mehr danach etwas über <em>alles neu</em> zu schreiben. Also löschte ich meinen ersten Entwurf dieses Textes und suchte nach etwas Hoffnungsvollem.</p><p><em>Aber dann </em>kam die Nachricht des völkerrechtswidrigen Überfalls der USA auf Venezuela, die Entführung von Staatschef Nicolás Maduro und den unverfroreren Statements seitens der US-Regierung, die ankündigten das Land und vor allem das Öl ab sofort kontrollieren zu wollen. Verbunden mit der Ansage als Nächstes Grönland zu brauchen und mit kaum versteckten Drohungen Richtung Kolumbien, Kuba und anderer Staaten.</p><p>Am ersten Montag-Morgen des neuen Jahres sitze ich im Auto, um nach Lingen im Emsland zur jährlich stattfindenden Schülerakademie zu fahren, wo ich eine Woche lang intensiv mit Schüler*innen der umliegenden Schulen an eigenen Texten arbeiten und über die Bedeutung von Kunst- und Redefreiheit und die Wichtigkeit von Gedichten und Geschichten reden und nachdenken werde.</p><p>Auf dem Weg dorthin höre ich den <a href="https://www.zeit.de/serie/ok-america">Ok, America-Podcast</a> der ZEIT an, wo die absurde Dramaturgie des amerikanischen Venezuela-Überfalls, die direkt aus einem schlechten amerikanischen Action Film aus den 8oern oder 90ern stammen könnte, detailliert besprochen und eingeordnet wird. Soweit man solche Absurditäten überhaupt mit vernünftigen Kategorien analysieren kann. Kurz vor den Feiertagen habe ich das Buch <a href="https://katarmas.com/books"><em>Liturgies for Resisting Empire: Seeking Community, Belonging, and Peace in a Dehumanizing World</em></a><em> </em>der kubanisch-amerikanischen Theologin Kat Armas gelesen. Sie beschreibt dort u.a. die Denk- und Verhaltensweisen imperialer Machtsysteme und wie das Evangelium von Jesus und die prophetisch-poetischen Texte der Bibel einen gänzlich anderen, einen Gegenweg vorschlagen. Ein Gott, der auf der Seite der Schwachen und Ausgrenzten und Übersehen und Ausgebeuteten steht…</p><p>Auch daran denke ich viel während dieser Tage und angesichts der Nachrichtenlage. <em>Genau das meinten wir, als wir ENTWHÖHN’ DICH VON EMPIRE-ERZÄHLUNGEN und EMPIRE-ENTHEMMUNG in unserem Track VOM ENTWÖHNEN gesprochen haben, </em>poste ich auf Instagram unter dem Video einer Live-Performance dieses Textes. Mehr fällt mir gerade nicht ein. <br/></p><p>Seit 2018 ist die Schülerakademie ein Jahreshighlight für mich. Und auch in diesem Jahr bin ich wieder sehr berührt davon, wie in so kurzer Zeit über das gemeinsame Schreiben und das gegenseitige Zuhören, Vertrauen entsteht, wo Mobbing-Erfahrungen, erlebter Rassismus und Sexismus oder das Unwohlsein mit dem eigenen Körper miteinander geteilt werden und wo sich junge Menschen, die sich zu Beginn der Woche untereinander noch gar nicht kannten, nun gegenseitig Respekt und Empathie entgegenbringen, Wertschätzung ausdrücken und sich und die anderen ermutigen.</p><p>Gemeinsam schauen wir uns ein Video der Dichterin Amanda Gorman an, wie sie bei der Amtseinführung von Joe Biden im Januar 2021 ihr Gedicht <a href="https://www.youtube.com/watch?v=LZ055ilIiN4"><em>The Hill we climb</em></a> vorträgt. Zum Zeitpunkt des Videos ist sie ungefähr so alt wie die Workshop-Teilnehmer*innen. Obwohl ich Amanda Gormans Performance schon mehrmals gesehen habe, fällt mir beim erneuten Hören auf, das in dem Gedicht ein Bibel-Zitat vorkommt, das ich nicht direkt zuordnen kann. Ich recherchiere und schlage nach und finde:</p><p><em>Er schlichtet Streit zwischen vielen Völkern.</em></p><p><em>Er sorgt für das Recht unter mächtigen Staaten,</em></p><p><em>bis hin in die fernsten Länder.</em></p><p><em>Dann werden sie Pflugscharen schmieden</em></p><p><em>aus den Klingen ihrer Schwerter.</em></p><p><em>Und sie werden Winzermesser herstellen</em></p><p><em>aus den Eisenspitzen ihrer Lanzen.</em></p><p><em>Dann wird es kein einziges Volk mehr geben,</em></p><p><em>das sein Schwert gegen ein anderes richtet.</em></p><p><em>Niemand wird mehr für den Krieg ausgebildet.</em></p><p><em>Jeder wird unter seinem Weinstock sitzen</em></p><p><em>und unter seinem Feigenbaum.</em></p><p><em>Niemand wird ihren Frieden stören.</em></p><p>Die letzten drei Sätze sind das Zitat aus Amanda Gormans Gedicht und der Kontext der Verse davor machen sie noch eindrücklicher. Ich notiere mir diesen Vers und beginne über den Traum einer Utopie zu schreiben, einen Gegenentwurf zu Empire-Erzählungen und Allmachtsfantasien. Über die Respekt und Empathie und die Macht der Worte und die Wirkung von Sprache und Geschichten.</p><p><em>Aber dann</em> wurde Renee Good von einem ICE-Beamten in Minneapolis am hellichten Tag auf offener Straße erschoßen und mir war nicht mehr nach Träumen oder Utopie-Beschreibungen.</p><p>Mittlerweile gibt es weitere Tote. Und die Art und Weise und die Sprache mit der die US-Regierung diese kaltblütigen Morde rechtfertigt und gutheißt, ja sogar regelrecht zelebriert, entsetzen mich fast nocheinmal so sehr wie die Morde selbst. <em>What a time to be alive, </em>wo man neben Katzenmemes und Coffee-Art in Echtzeit Live-Footage durch die Feeds geballert bekommt, wo du dabei zuschauen kannst, wie Menschen auf der Straße erschossen, brutal verschleppt und sogar Kinder festgenommen werden.</p><p>Renne Good war Mutter dreier Kinder, etwas jünger als ich und sie war eine Lyrikerin. Sie wurde getötet, weil sie mit ihrem Auto eine Straße blockierte, um ICE-Beamte daran zu hindern Menschen aus ihrer Nachbarschaft zu verhaften, zu verschleppen oder ihnen Gewalt anzutun.</p><p>Im Gedenken an Renne Good habe ich für die aktuelle Folge unseres Hossa Talk-Podcasts <a href="https://poets.org/2020-on-learning-to-dissect-fetal-pigs">eines ihrer Gedichte</a> frei übersetzt und vorgelesen:</p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/75e1d992-0c32-4785-96b6-582c4bb91bdc">Auf Steady anhören</a></p><p></p><p>Am heutigen Sonntag darf ich für die Community der projekt:gemeinde in Wien kurz erzählen, was für mich Gemeinde oder Kirche oder Gemeinschaft bedeutet. Ich habe dafür einen Vers aus dem Brief an die Galater ausgewählt: <em>Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus (Galater 3,28). </em>Ich lese diese Worte und denke an Dorothee Sölle, die schon vor vielen Jahren vor dem <em>Christo-Faschismus </em>Evangelikaler Christen in den USA und hierzulande gewarnt hat. Ich denke an die vielen mutigen Geistlichen, die sich in Minneapolis und an anderen Orten der USA laut und entscheiden gegen diese Politik, gegen körperliche und sprachliche Gewalt und die Anwesenheit und das Vorgehen von ICE protestieren. Einige von ihnen wurden bei Protesten bereits verhaftet. Sie tun das aus Empathie, aus Menschlichkeit und weil ihr Glaube sie darin bestärkt, dass genau das das Richtige ist. Weil es sich lohnt für Orte die Stimme zu erheben und Widerstand zu leisten, in denen alle Menschen willkommen und sicher sind, egal welchen Glauben, Nationalität, Aufenthaltsstatus, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Vergangenheit oder Gegenwart jemand hat. Alle sind eingeladen zu dem Tisch, den Gott, der oder die Liebe ist, für jeden Menschen gedeckt hat. <em>Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben </em>(Johannes 13,34).</p><p> Und so bleibt dieser Text ein Fleckenteppich mit losen Anfängen und keinem richtigen Ende. Eine Sprachsuche angesichts dieses Januars 2026, der noch nicht mal ganz zu Ende ist und doch schon für so viel Entsetzen und Wut und Trauer und Fassungslosigkeit und Erschrecken und Angst gesorgt hat. </p><p>Vor einigen Wochen hat mich ein befreundeter Lyriker gefragt, warum ich denn nach wie vor so viel über Gott und Glaube und Kirche schreiben würde, wenn ich doch ständig den dort vorhandenen Fanatismus und Sexismus, die Homophobie, die Ausgrenzung und den (Macht)missbrauch anprangere. Warum nicht einfach gehen und akzeptieren, dass das System krank und kaputt und nicht zu retten ist? Über diese Frage denke ich viel nach und mit der Antwort auch noch nicht fertig. Fürs erste vielleicht: Weil der Glaube in diesen Debatten eine große und größer werdende Rolle spielt und ich es wichtig finde nicht den den Extremisten und Faschisten und Fundamentalisten die Deutungshoheit über die biblischen Texte und Symbole und Sprache und Narrative zu überlassen. Ich meine gerade Christ*innen sind jetzt besonders aufgefordert dagegenzuhalten und aufzustehen und beständig darauf hinzuweisen, dass Nationalismus, Faschismus, Imperialismus und all diese Scheußlichkeiten, die von anderen im Namen Gottes und des Christentums oder der christlichen Werte begangn werden niemals mit dem Evangelium in Einklang zu bringen sind. Es ist nicht schweigend hinzjnehmen, wenn ein Kriegsminister den Text des Vater Unser mit Bildern von Kampfflugzeugen, Waffen und Soldaten unterlegt. Dagegen müssen wir klar und eindeutig Stellung beziehen. Weil es Menschen verletzt, in Gefahr bringt und wie wir gesehen haben auch tötet. Und weil es gegen alles steht, was meiner Überzeugung nach Jesus-mäßig wäre. </p><p>Und der Grund ist der, weil diese Texte und das Erinnern daran in Gemeinschaft mir dabei helfen nicht zu verzweifeln und die Hoffnung nicht hohl werden zu lassen und weiter an Barmherzigkeit und Sanftmut und Empathie und ja, die Liebe zu glauben. Oder zumindest glauben zu wollen. </p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Hier kannst Du Dir die ganze Hossa Talk-Folge anhören, in der ich am Ende das Gedicht von Renee Good vorlese. Jay, Gofi und ich unterhalten uns über den Begriff des Segens. Was bedeutet das eigentlich, wie wird das verstanden und welche Schönheit und auch Gefahren bergen diese Deutungen. Ich freue mich, wen Du reinhörst:</p><a href="https://open.spotify.com/episode/6pC035mfDZvr5zTrvSE4kD?si=XeCa0imNTcCD2QGUsEtd_A">https://open.spotify.com/episode/6pC035mfDZvr5zTrvSE4kD?si=XeCa0imNTcCD2QGUsEtd_A</a><p>oder Du kannst direkt über die Webseite von Hossa Talk reinhören: <a href="https://hossa-talk.de/275-uebers-segnen-fluchen-und-den-mord-an-renee-good/">ZUR FOLGE</a></p><hr aria-hidden="true"/><p>Ab sofort gibt es neben allen #poetrymeetsbeats-Releases von Manuel Steinhoff und mir auch meine beiden Gedichtbände <em>Wir werden alle verwandelt werden</em> und <em>Alles wird ein bisschen anders</em> als Hörbücher auf der Plattform BANDCAMP (gelesen und performt von mir). Auf Bandcamp kann man Alben, Songs und Hörbücher von bekannten- vor allem aber auch von Indie-Künstler*innen streamen und kaufen. Teilweise kann man sogar selbst bestimmen, ob und wieviel man bezahlen möchte. Ich nutze die sehr schön gestaltete App seit Jahren selbst und kann sie als eine tolle Möglichkeit empfehlen abseits der großen Tech-Giganten Künstler*innen, die du gut findest ganz direkt zu unterstützen oder neue Releases zu entdecken:</p><a href="https://poetrymeetsbeats.bandcamp.com/album/wir-werden-alle-verwandelt-werden">https://poetrymeetsbeats.bandcamp.com/album/wir-werden-alle-verwandelt-werden</a><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Unterstützer*in werden</a></p><p>Herzliche Grüße aus Wien und bleib barmherzig</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3d5c0b52-f793-41f6-853d-afb6f577283f/uploads/images/i7ei6qdj2u/Unterschrift.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Marco"/><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/75e1d992-0c32-4785-96b6-582c4bb91bdc/teaser_image/1769342051?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sun, 25 Jan 2026 13:20:50 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM ZUSTIMMEN UND WIDERSPRECHEN]]></title>
      <description><![CDATA[Aber eines weiß ich: Dass eine Mauerimmer nur eine Mauer ist und mehr nicht -Sie kann eingerissen werden!]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 41: VOM ZUSTIMMEN UND WIDERSPRECHEN</strong></p><blockquote><p>“Ich lobe den Herrn aus tiefstem Herzen. Alles in mir jubelt vor Freude über Gott, meinen Retter. Denn er wendet sich mir zu, obwohl ich nur seine unbedeutende Dienerin bin. Von jetzt an werden mich alle Generationen glückselig preisen. Denn Gott, der mächtig ist, hat Großes an mir getan.Sein Name ist heilig. Er ist barmherzig zu denen, die ihm Ehre erweisen –von Generation zu Generation. Er hebt seinen starken Arm und fegt die Überheblichen hinweg. Er stürzt die Machthaber vom Thron und hebt die Unbedeutenden empor. Er füllt den Hungernden die Hände mit guten Gaben und schickt die Reichen mit leeren Händen fort. Er kommt seinem Diener Israel zu Hilfe und erinnert sich an seine Barmherzigkeit. So hat er es unseren Vorfahren versprochen: Abraham und seinen Nachkommen für alle Zeit!”</p><p></p><p>Evangelium nach Lukas 1,46-55</p></blockquote><p>Zwei Texte an die ich in diesem Advent immer wieder denken musste, obwohl sie auf den ersten Blick vielleicht gar nicht besonders weihnachtlich klingen: Das eine sind die Zeilen aus dem Magnficat, die Maria vor der Geburt von Jesus spricht (oder singt?) und das andere ist das Gedicht <em>Affirmation</em> der in diesem Jahr im kubanischen Exil verstorbenen afroamerikanischen Freiheitskämpferin und Dichterin<em> </em>Assata Shakur. Den Musikinteressierten ist sie vielleicht bekannt als Paten-Tante des Rappers Tupac Shakur. </p><p>Ich sehe in ihrem Gedicht viele Spiegelungen und Anklänge an Marias Worte im Magnificat, die ich oben zitiert habe: Unterdrückung und erlebte Gewalt deren Zeugin sie geworden ist. Der Schweiß der Liebe und das Wunder der Geburt. Und vor allem die Hoffnung auf einen Heimathafen und die Ahnung, dass alle Mauern der Unterdrückung und Ungerechtigkeit und Diskriminierung eingerissen werden können (und werden):</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3d5c0b52-f793-41f6-853d-afb6f577283f/uploads/images/vna7tqqpzf/AffirmationPoem.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="I believe in living.
I believe in the spectrum 
of Beta days and Gamma people.
I believe in sunshine, Aha!
In windmills, in waterfalls, 
Tricycles, and rocking chairs. 
And I believe that seeds grow into sprouts
And sprouts grow into trees. 
I believe in the magic of the hands.
And in the wisdom of the eyes. 

I believe in rain and tears. 
And in the blood of infinity.
I believe in life.
And I have seen the death parade 
March through the torso of the Earth, 
Sculpting mud bodies in its path. 

I have seen the destruction of daylight 
And seen bloodthirsty maggots 
Prayed to and saluted. 
I have seen the kind become the blind 
and the blind become the bind 
in one easy lesson.
 
I have walked on cut glass. 
I have eaten crow and blunder bread 
And breathed the stench of indifference. 
I have been locked by the lawless. 
Handcuffed by the haters.
Gagged by the greedy. 

And, if I know anything at all,
It’s that a wall is just a wall 
And nothing more at all. 
It can be broken down.

I believe in living.
I believe in birth. 
I believe in the sweat of love 
And in the fire of truth. 

And I believe that a lost ship,
Steered by tired, seasick sailors,
Can still be guided home to port."/><p>Ich habe das Gedicht vor kurzem frei ins Deutsche übersetzt und für dich eingesprochen. Meine Übersetzung als Text findest du direkt unter dem Lesungs-Video.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=p5Ng9G3rqJg">https://www.youtube.com/watch?v=p5Ng9G3rqJg</a><h5><strong><em>Zustimmung</em></strong></h5><p></p><p><em>Ich glaube an Leben.</em></p><p><em>Ich glaube an ein vorhandenes Spektrum</em></p><p><em>zwischen den Extremen.</em></p><p><em>Ich glaube an Sonnenlicht,</em></p><p><em>an Windmühlen und Wasserfälle,</em></p><p><em>an Dreiräder und Schaukelstühle.</em></p><p></p><p><em>Und ich glaube, dass Samenkörner zu Sprossen heranwachsen</em></p><p><em>und Sprösslinge zu Bäumen werden</em></p><p><em>mit der Zeit.</em></p><p></p><p><em>Ich glaube an die Magie der Hände</em></p><p><em>und an die Weisheit der Augen.</em></p><p><em>Ich glaube an Regen und Tränen</em></p><p><em>und an das Blut der Unendlichkeit.</em></p><p></p><p><em>Ich glaube an Leben.</em></p><p><em>Und ich habe gesehen, wie die Todesschar</em></p><p><em>durch den Torso der der Erde marschierte</em></p><p><em>und auf ihrem Weg Lehmkörper formte.</em></p><p><em>Ich habe die Zerstörung des Tageslichts gesehen</em></p><p><em>und blutdürstige Insekten, die angebetet</em></p><p><em>und freudig begrüßt wurden.</em></p><p></p><p><em>Ich habe gesehen, wie die Guten geblendet wurden</em></p><p><em>und wie die Geblendeten zu Verbündeten</em></p><p><em>des Verderbens wurden ohne dass es dafür viel gebraucht hätte.</em></p><p><em>Einfach so</em></p><p></p><p><em>Ich bin über Glassplitter gegangen,</em></p><p><em>habe Krähenkadaver und Brotreste gegessen</em></p><p><em>und den Gestank der Gleichgültigkeit eingeatmet.</em></p><p></p><p><em>Ich wurde von Gesetzlosigkeit eingesperrt und</em></p><p><em>von Hasserfülltheit in Handschellen abgeführt und</em></p><p><em>von Gier geknebelt.</em></p><p></p><p><em>Aber eines weiß ich:</em></p><p><em>Dass eine Mauer</em></p><p><em>immer nur eine Mauer ist und mehr nicht -</em></p><p><em>Sie kann eingerissen werden.</em></p><p></p><p><em>Ich glaube an Leben.</em></p><p><em>Ich glaube an Geburt.</em></p><p><em>Ich glaube an den Schweiß der Liebe</em></p><p><em>und an das Feuer der Wahrhaftigkeit.</em></p><p></p><p><em>Und ich glaube, dass ein verirrtes Schiff,</em></p><p><em>gesteuert von einer müden und seekranken</em></p><p><em>Besatzung am Ende nach Hause geführt werden kann.</em></p><p><em>In den Hafen.</em></p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Unterstützer*in werden</a></p><p>Vielen Dank für Deine Unterstützung in diesem Jahr! Danke für Deinen Support, Dein Interesse, Dein Lesen, Dein Feedback! Es bedeutet mir viel, dass Du Teil meiner Community bist. Ich wünsche Dir und den Menschen, mit denen Du unterwegs bist, frohe Festtage, Zeit zum Pause machen und Innehalten, zum Feiern und Genießen, für Gemeinschaft und Gefühle.</p><p>Herzliche und hoffnungsvolle Grüße</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3d5c0b52-f793-41f6-853d-afb6f577283f/uploads/images/i7ei6qdj2u/Unterschrift.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Marco"/><p>PS.</p><p>Wenn du noch ein bisschen Licht für die Weihnachts-Tage brauchst, haben wir eins angezündet für dich:</p><a href="https://youtube.com/shorts/eiMF0ap-akA?si=9UfctBLkLIM1O8b4">https://youtube.com/shorts/eiMF0ap-akA?si=9UfctBLkLIM1O8b4</a>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/3d5c0b52-f793-41f6-853d-afb6f577283f/teaser_image/1766151382?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
      <link>https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/3d5c0b52-f793-41f6-853d-afb6f577283f</link>
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      <pubDate>Mon, 22 Dec 2025 14:26:36 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM BEWAHREN]]></title>
      <description><![CDATA[Meine persönlichen Buch- und Musikhighlights des Jahres und eine kleine Portion Licht für den Advent. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 40: VOM BEWAHREN</strong></p><p>Dieser Teil der Textreihe wird ein bisschen anders als gewohnt. Zum einen, weil in den letzten Wochen so viel Aufregendes und Neues passiert ist, das ich unbedingt mit dir teilen möchte (dazu in der unteren Hälfte mehr). Und zum anderen, weil das Jahr sich so langsam seinem Ende zuneigt und ich diese Gelegenheit gerne nutze, um Rückschau zu halten auf Dinge, die mich in diesem Jahr besonders begleitet, inspiriert und begeistert haben: In diesem Fall Bücher und Musik. Ich habe jeweils zehn Lieblings-Alben und Bücher ausgewählt und werde sie in der Folge kurz vorstellen. Ich liebe solche Empfehlungs-Listen sehr, weil ich dort immer Dinge entdecke, die ich vorher nicht auf dem Schirm hatte und die mich bereichern. Vielleicht geht es dir ja an der einen oder anderen Stelle auch so. Und auch weil es mir noch einmal die Gelegenheit gint ganz bewusst über die Dinge nachzudenken, die ich in diesem Jahr gesammelt habe und die ich auf aufbewahren möchte. </p><p>Und keine Sorge, es wird vor Weihnachten auch noch einen längeren Themen-Text geben, aber für heute wünsche ich dir viel Freude beim Stöbern und entdecken. Und ich freue mich sehr, wenn du mir deine persönlichen Musik- und Buch-Highlights (und gerne auch Film- oder Serienhighlights - darauf habe ich hier verzichtet, um den Text nicht noch länger zu machen) schreibst.</p><hr/><p>Musik</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/be78a409-9ac5-42ce-9763-aaafb751f893/uploads/images/o2ej2scdpv/1.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Bild zeigt die ersten fünf Alben, die im Text vorgestellt werden in einer Info-Grafik, in der auch die Plattencover zu sehen sind."/><p><strong>Saul Williams + Carlos Niño &amp; Friends - Live at Treepeople</strong></p><p>Ein Live-Album, das auf ganz wundervolle und berührende Weise den Wert und die Kraft und die Schönheit und Intimität von Gemeinschaft und Kollaboration festhält. Die Aufnahme der gemeinsamen Improvisation war zunächst überhaupt nicht zur Veröffentlichung gedacht. Spoken Word, Jazz, Storytelling von einigen der allerbesten ihrer jeweiligen Genres. Politisch, persönlich, eindrücklich, aufwühlend. Improvisiert und im Moment entstanden durch das Hören aufeinander und das Spielen miteinander. Ein jeglicher Hinsicht mein Album des Jahres 2025.</p><p><em>Anspieltipp: The Water is Rising feat. Aja Monet</em></p><p></p><p><strong>Alabster Deplume - A Blade because a Blade is whole</strong></p><p>Ein Künstler, über den ich immer mal wieder in den letzten Jahren gehört und gelesen habe und in dessen Musik ich immer mal kurz reingehört habe ohne mich tiefer damit zu beschäftigen. Das änderte sich schlagartig mit der Veröffentlichung dieses Albums. Bis auf wenige Ausnahmen ein reines Instrumental-Album, getragen vom unkonventionellen Saxophon-Spiel Alabaster Deplumes, der sich diesen Künstlernamen zugelegt hat, weil er eine ihm zugerufene Beleidung missverstanden hatte und sich in seinen Ohren eben so anhörte, wie er sich seit dem nennt. Das Album hat etwas mystisch-melancholisches und für meine Begriffe auch etwas zutiefst spirituelles. Aber hör am besten selbst einfach rein.</p><p><em>Anspieltipp: Prayer for my sovereign dignity</em></p><p></p><p><strong>Kae Temepest - Self Titled</strong></p><p>Der Titel ist Programm. Wo Kae Tempest auf vergangenen Werken vor allem durch großartiges Storytelling auffiel, wird es auf diesem Album sehr persönlich und intim, aber ohne kitschig zu werden oder den Punch der älteren Produktionen zu verlieren. Ein Album über Identität, Suche, Ablehnung und dem Feiern des Endlich-angekommen-seins. Kae Tempest einmal live zu erleben kann ich nur allerwärmstens empfehlen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Zugegbenermaßen nicht mein Lieblings-Kae Tempest-Album, aber dennoch ein sehr gutes, das mich in diesem Jahr sehr oft begleitet hat und beim genauen Hinhören auch die eine oder andere versteckte Überraschung bereithält, wie z.B. Gastauftritte von Annie Lennox oder Neil Tennant von den Pet Shop Boys.</p><p><em>Anspieltipp: Prayers to whisper feat. Annie Lennox</em></p><p></p><p><strong>Bon Iver - Sable, fable</strong></p><p>Vor diesem Album hatte vor dem Erscheinen etwas Angst. Kennst du das, wenn man einen Künstler, eine Künstlerin, eine Band und deren Musik über die Jahre so großartig fand und so viele Erlebnisse damit verknüpft, dass man sich fast fürchtet von dem, was danach noch kommt zwangsläufig enttäuscht zu werden? Darum habe ich das Album auch nicht gleich angehört, als es veröffentlicht wurde, sondern habe es extra für eine längere Autofahrt aufgehoben, um es in Ruhe ganz durchhören und würdigen zu können. Und zum Glück stellte sich dabei sehr schnell heraus, dass meine Sorge völlig unbegründet war. Ich habe das Album auf besagter Autofahrt mehrmals am Stück durchlaufen lassen und finde, dass es sich nahtlos in die Reihe der vorherigen Meisterwerke einreiht.</p><p><em>Anspieltipp: There’s a rhythmn</em></p><p></p><p><strong>Moor Mother &amp; Beethoven Orchester Bonn - Analog Fuids of Sonic Black Holes</strong></p><p>Das ursprüngliche Album mit diesem Titel erschien bereits 2019 und war auch damals in meiner Top-Liste des Jahres. In meinem Regal stehen sowohl die Vinyl-Version als auch der begleitende Gedichtband. Jetzt war Spoken Word Künstlerin Moor Mother mit dem Beethoven Orchester Bonn im Studio und hat das gesamte Album nochmals in einer fulminanten neuen Version aufgenommen. Dieses Album gehört meiner Ansicht nach zum Allerbesten und Beeindruckensten, das im Bereich Spoken Word im Zusammenspiel mit Musik jemals aufgenommen wurde.</p><p><em>Anspieltipp: Shadowgrams</em></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/be78a409-9ac5-42ce-9763-aaafb751f893/uploads/images/ocnzgfazhk/2.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Bild zeigt die folgenden fünf Alben in einer Info-Grafik, auf der auch die Plattencover zu sehen sind."/><p><strong>Hania Rani - Non Fiction: Piano Concerto in Four Movements</strong></p><p>Hania Rani zählt ganz oft zu meinen meistgehörten Künstler*innen des Jahres. Das liegt daran, dass ich ihre Musik oft während kreativer Arbeit oder bei Schreibprozessen auf den Ohren habe. Und auch unterwegs, wenn ich gestresst bin, holt sie mich ganz wunderbar runter. Dieses Album hebt sich aber etwas ab von den Vorgängern. Aufgenommen in den Abbey Road Studios mit einem 45-köpfigen Orchester, markiert dieses Album einen neuen Abschnitt in ihrer Karriere, wie es im Begleittext zum Release heißt, da sie von den elektronischen Klängen der vorherigen Projekte in den symphonischen Bereich übergeht und eine Brücke zwischen ihrem eleganten Experimentalismus und ihrer klassischen Ausbildung schlägt. Ein grandioses Gesamthörerlebnis. Und zwar nicht nur zum Schreiben. Ein ganz wichtiges Album für mich in diesem Jahr.</p><p><em>Anspieltipp: Non Fiction I.III Meno Mosso</em></p><p></p><p><strong>Florence + The Mashine - Everybody Scream</strong></p><p>Über dieses Album kann ich ähnliches sagen, wie über die Gefühle, die ich vor dem Erscheinen des neuen Bon Iver Albums hatte. Ich habe Florence + The Mashine durch ihr zweites Album <em>Ceremonials </em>kennen<em> </em>gelernt. Ich hatte in irgend einem Musikmagazin in einer Rezension gelesen, dass sich dasHören dieser Platte wie das Herabstürzen in Zeitlupe aus dem 13. Stock eines Gebäudes anfühle und wusste beim ersten sofort, was derjenige damit gemeint hatte. Das war groß, wuchtig, hymnisch und fast beschwörend. Die nachfolgenden Alben mochte ich immer noch sehr, entfernten sich aber stetig ein Stück weiter von henau diesem Aspekt des Sounds, den ich anfangs so faszinierend fand. Das neue Album wiederum verbindet alles, was an den vergangenen Alben jeweils großartig und einzigartig war und baut all das zu einem ganz ganz Großen und Ganzen zusammen, das die Balance zwischen Wucht und Wut, Beschwörungsformel und fabelhaft formulierten Versen, folkigen Elementen und vor allem der einzigartigen Stimme von Florence Welch. Wow! Was für ein Album! Große Augen Emoji!</p><p><em>Anspieltipp: You can have it all</em></p><p></p><p><strong>Loyle Carner - hopefully !</strong></p><p>Es gibt meiner Ansicht nach keine entspannteren und positiveren Rap-Alben als die von Loyle Carner. Und damit meine ich nicht, dass sie irgendwie Happy Clappy oder besonders geeignet wären im Hintergrund zu laufen, während man etwas anderes tut. Ganz im Gegenteil, dafür ist er ein viel zu guter Songwriter. Selbstreflektion, Männlichkeit, Ängste, Familie, Gemeinschaft und all das auf sehr reduzierten, fast minimalistischen Instrumentals  Wer über Rap hauptsächlich in Vorurteilen denkt und meint eh zu wissen, wie das alles klingt, oder welche Themen verhandelt werden, sollte sich von diesem Album gerne eines besseren belehren lassen. Es sei gesagt, dass ich bis zuletzt geschwankt habe, ob ich dieses Album oder alternativ das ebenfalls großartige <em>LOTUS</em> der Rapperin <em>Little Simz</em> in die Liste aufnehmen soll, habe ich mich dann aber letztendlich für dieses entschieden, schlicht aufgrund der Tatsache, dass ich Loyle Carner mehr gehört habe in diesem Jahr. Ich empfehle beide aber sehr. Und als absolute Zusatz-Empfehlung seine Live-Performance auf in der Royal Albert Hall auf Youtube, wo er sein Album <em>hugo</em> in Gänze mit Band zum Besten gibt.</p><p><em>Anspieltipp: about time</em></p><p></p><p><strong>Propaganda - Your arms are too short to box with God</strong></p><p>Propaganda gehört seit vielen Jahren zu meinen Lieblingskünstlern. Irgendwo zwischen Hip Hop und Spoken Word, aber mit einem sehr eigenen Sound, der ihn stark von anderen Vertreter*innen des Genres abhebt. Dieses Album hat alles, was für mich ein gutes Hip Hop-Album ausmacht: Geile Reime, cleveres Storytelling, Beats, die Bock machen, spannende Samples an den richtigen Stellen, oder wie Propaganda es auf einem Track des vorherigen Albums im Chorus selbst ausdrückt: <em>That’s the Hip Hop I fell in love with. </em>Neben diesem hat Propaganda im Jahr 2025 auch noch das Spoken Word Album <em>„The Beautiful Endling“</em> veröffentlicht, das ich ebenfalls sehr empfehle und das für mich irgendwie zu diesem Album dazu gehört.</p><p><em>Anspieltipp: All my Life</em></p><p></p><p><strong>Sumac + Moor Mother - The Film</strong></p><p>Und nochmal Moor Mother. Ihr Output in den letzten Jahren ist sowieso unglaublich. Ob als Solo-Künstlerin, oder gemeinsam mit ihrem Jazz Ensemble <em>Irreversible Entanglements</em> oder in Kollaboration mit Künstlerinnen und Künstlern über sämtliche Genre-Grenzen hinweg. In diesem speziellen Fall mit der Post-Metal Band <em>SUMAC. </em>Ein Konzept-Album, das fast auch ein Hörspiel sein könnte. Oder eben ein Film, der beim Hören im Kopf entsteht. Allerdings kein Wohlfühl-Film für die ganze Familie. Düster, dystopisch, aufrüttelnd, bisweilen brachial, noisig, dann wieder meditativ und wabernd. Irgendwo zwischen Jazz, Metal, Spoken Word, Noise und Hip Hop. Und allein diese Aufzählung zeigt ja schon wie beonders und einzigartig dieses Gesamtkunstwerk ist. Die einzelenen Stücke oder Szenen sind oft sehr lang und brechen das Konzept aneinandergereihter Songs auf und entfalten ihre Wirkung erst, wenn man sich die Zeit nimmt sie wirklich am Stück zu hören, als einfach nur mal reinzuskippen. Ich wünschte mehr Künstler*innen würden solche experimentellen, mutigen und wichtigen Alben machen.</p><p><em>Anspieltipp: Scene 2: The Run</em></p><hr/><p>Literatur</p><p>Die folgenden Bücher beschränken sich außschließlich auf eine Auswahl von Werken, die in diesem Jahr erschienen sind. Anders als bei den Alben habe ich hier keinen Beschreibungstext verfasst, sondern fand es schön die Texte in Form eines Lieblings-Zitats ganz kurz selbst zu Wort kommen zu lassen. Hier also eine kleine Auswahl meiner Lektüre-Highlights aus diesem Jahr:</p><p><strong>Hundesohn - Ozan Zakariya Keskinkiliç</strong></p><p>Roman, Suhrkamp</p><p><em>„Ich habe schnell verstanden, wie schnell die Zeit verrinnt, wenn man sie lässt und dem Drang widersteht, allem einen Namen zu geben. Es gibt Dinge, die stehen über dem Wort, die hören nicht auf Zurufe, stattdessen rufen sie dich.“</em></p><p></p><p><strong>Märtyrer - Kaveh Akbar</strong></p><p>Roman, Rowohlt</p><p><em>„Acht der Zehn Gebote sagen dir, was du nicht tun sollst. Aber man das alles sein Leben lang unterlassen und trotzdem nichts Gutes tun. Das ist das große Problem. Die faulende Wurzel von allem. Der Glaueb an eine konstruierte Abwesenheit, an ein Nicht-Tun als Grundlage der Rechtschaffenheit. Dieser Glaube untergräbt alles, lässt jeden, der ein wenig Macht besitzt, die Hände in den Schoß legen. Ein Reicher bringt den ganzen Tag keinen einzigen Wohnungslosen um und geht am Abend folglich mit reinem Gewissen zu Bett. In einer anderen Welt würde er palettenweise Socken, Clif-Riegel und Zelte kaufen und in den Innenstädten verteilen. Doch für ihn zählt nur das Unterlassen.“</em></p><p></p><p><strong>Öffnet sich der Himmel - Seán Hewitt</strong></p><p>Roman, Suhrkamp</p><p><em>„Und wie sollte ich diesen Tränen grollen? Sie waren der süßeste Beweis meiner Liebe zu ihm und seiner Liebe zu mir, selbst wenn es verschiedene Arten der Liebe waren. Die Tränen waren echt udn sie waren der Beweis dafür, dass es alles echt war, dass all das, was ich mir vorgestellt hatte, letztlich körperliche Gestalt annehmen konnte und dass auch er es auf eine Art geträumt hatte. Letztlich waren diese Tränen das Echteste, was wir beide hatten; wir waren das Echteste, was wir beide hatten.“</em></p><p></p><p><strong>Entschämungen - Siljarosa Schletterer</strong></p><p>Gedichte, Limbus Lyrik</p><p><em>„wir hören so viel</em></p><p><em>so wenig hin</em></p><p><em>beschreiben geschlechter</em></p><p><em>aber beschämen</em></p><p><em>die leiber</em></p><p></p><p><em>berühren so wenig</em></p><p><em>greifen oft an</em></p><p><em>&amp; fügen zu selten</em></p><p><em>aber die liebe</em></p><p><em>hinzu“</em></p><p></p><p><strong>Der Kaiser der Freude - Ocean Vuong</strong></p><p>Roman, Hanser</p><p><em>„Es war, sagte Haj, gar nicht so sehr, dass ich mich glücklich fühlte, sondern dass mit ihm alles okay war. Und das war besser als glücklich zu sein, weil ich dachte, es hätte noch eher Bestand. Er wandte sich um und erschrak, weil sie ihn unverwandt ansah. Okay wird gemeinhin unterschätzt. Was unterschätzt heißt, weißt du, oder? Mehr als von Gott vorgesehen, sagte sie. Ja. Und wir wurden stark unterschätzt. Aber es war trotzdem ziemlich okay.“</em></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/be78a409-9ac5-42ce-9763-aaafb751f893/uploads/images/fn2ntxc4xc/3.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Bild zeigt einen Bücherstapel auf dem alle Bücher abgebildet sind, die in dem Text erwähnt werden."/><p><strong>Die Holländerinnen - Dorothee Elmiger</strong></p><p>Roman, Hanser</p><p><em>„Es verstehe sich von selbst, sagt sie und blättert, dass sie damals fast pausenlos an die Holländerinnen gedacht habe, dass sie ihnen, den Holländerinnen, von Stunde zu Stunde näher gekome, ja selbst zur Holländerin geworden sei und im Zuge dieser furchtbaren Meditation habe sie auf eine stille, sprachlose Weise endlich zu verstehen geglaubt, was auf den scheinbar leeren und in einem gewissen Sinne völlig zufälligen Nachtbildern der Holländerinnen wirklich zu sehen sei. Wer auch immer, so habe sie es später wiederholt zu erklären versucht, wer auch immer in jener kritischen Nacht wie von Sinnen auf den Auslöser der Kamera gedrückt habe, um mit mit dem Licht des Blitzes das Gelände zu erhellen oder Signale Richtung Himmel zu senden, habe versehentlich, ja ganz ohne Absicht festgehalten und abgebildet, was absichtlich festzuhalten und abzubilden im Prinzip eine schiere Unmöglichkeit sei: Sie selbst habe es in den Wochen und Monaten, den Jahren danacg unzureichend als großen, leeren Gott, das klaftertiefe, abyssische Nichts zu beschreiben versucht, aber der Horror, der Horror liege naturgemäß außerhalb der Sprache, ja, er sei, wenn msn so wolle, ihr Gegenteil, ihr Ende und sie müsse deshslb auch jetzt, in diesem Moment, noch einmal scheitern, wenn sie ihn formulieren, zu benennen versuche, könne ihn nur umkreisen wie ein schwarzes Loch, einen reißenden Strudel…“</em></p><p></p><p><strong>Bread of Angels - Patti Smith</strong></p><p>Memoir, KiWi</p><p><em>„Gegen halb drei morgens richtete sich Allen (Ginsberg) plötzlich auf, öffnete die Augen. sah uns alle an, legte sich zurück und tat seinen letzten Atemzug. Oliver und ich nahmen an seiner Trauerfeier teil und zwei Monate später flogen wir nach Lawrence, Kansas, um an Williams’ (Burroughs) teilzunehmen. Der Sheriff ist tot, sagte ich wie zu mir selbst. Auch wenn mir sein Dahinscheiden das Herz brach, vergoss ich keine Tränen. Stattdessen wurde ich von einer wütenden Gereiztheit erfasst und schrieb wie im Fieberrasch, als wollte ich ihn zurückholen und dem unauflösbaren Band, das uns alle zusammenhielt, eine Form geben.“</em></p><p></p><p><strong>hungern, beten, heulen, schwimmen - Sirka Elspaß</strong></p><p>Gedichte, Suhrkamp</p><p><em>„natürlich habe ich wieder</em></p><p><em>angefangen zu beten</em></p><p><em>ich lüge nie habe</em></p><p><em>damit aufgehört schau mich an</em></p><p><em>ich kann lange knien ich streiche</em></p><p><em>wärme wie butter vom messer wie</em></p><p><em>teigreste in der rührschüssel hin und her</em></p><p><em>immer das gleiche</em></p><p><em>selbst wenn da einmal jemand war</em></p><p><em>dann ist er jetzt nicht mehr</em></p><p></p><p><em>dem hunger kann ich abgewinnen</em></p><p><em>dass er nicht geht dem beten</em></p><p><em>dass mich jemand sieht dem schwimmen</em></p><p><em>ein ziel</em></p><p><em>es ist doch immer das gleiche“</em></p><p></p><p><strong>Frische Appelle - Natascha Gangl</strong></p><p>Sprechtexte, Ritter Literatur</p><p><em>„Wann ist ein Wort ein Moment?</em></p><p><em>Jetzt?</em></p><p><em>Sagst du: Jetzt?</em></p><p><em>Sagst du laut: Jetz?</em></p><p><em>Jetzt du Laute jetzt lauter - sag:</em></p><p><em>Wo stehst? Jetzt genau?</em></p><p><em>Wann sagst dus laut</em></p><p><em>hinein - in wo jetzt?</em></p><p><em>Wann sagst du endlich laut:</em></p><p><em>Jetz?</em></p><p><em>Jetza!“</em></p><p></p><p><strong>Am Meerschwein übt das Kind den Tod - Nora Gomringer</strong></p><p>Ein Nachrough, Voland &amp; Quist</p><p><em>„Allein die Tatsache, dass man lange Zeit nicht weiß, wie groß etwas ist oder wie schwer - bis es einem begreifbar begegnet! Meine Verblüffung darüber gibt meiner Erfahrung mit dem Trauern einen Umriss. Weil die Gefühle sich nach dem ersten Schock träge wie Muren bewegen, einen durchpflügen, als wäre man ein altes, enges Schweizer Tal, einen zuschütten und mit Geröll auskleiden, scheint einem die Schnelligkeit, mit der die Gefühle in der Folgezeit dann changieren und fiebern, ganz unverwandt. Die Trauer verlangsamt den Geist, macht ihn aber auch schallgeschwind. Sie hat etwas Widerliches, etwas Köstliches, wie fast alle amerikanischen Süßigkeiten.“</em></p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">ZUM TEXT-ABO</a></p><hr/><p>FÜR DEN ADVENT</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/be78a409-9ac5-42ce-9763-aaafb751f893/uploads/images/sp4advjofx/cover_DIE_GERADE_LINIE_IST_GOTTLOS_PT._4_(3000x3000).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Bild zeigt das Cover zu Die gerade Linie ist gottlos Teil 4 von Marco Michalzik und Manuel Steinhoff."/><p>Manuel Steinhoff hatte die sehr schöne Idee unsere EP-Reihe “Die gerade Linie ist gottlos” mit einem Stück zum Advent abzuschließen. Oft arbeiten wir so, dass ich zuerst Texte schreibe und Manu dazu dann Musik komponiert und einspielt, auf die ich dann die Texte spreche und performe.</p><p>Diesmal war es anders herum. Manu hat mir dieses unglaublich schöne Instrumental geschickt und ich habe dazu den Text geschrieben. Zum größten Teil im Zug sitzend und an Bahnhöfen stehend während ich im November zwischen Wien, Görlitz, Osnabrück und Hamburg für verschiedene Veranstaltungen hin und her gefahren bin.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/be78a409-9ac5-42ce-9763-aaafb751f893/uploads/images/3ak353o2lg/IMG_8276.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="unauslöschliches licht

und siehe, der stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem ort, 
wo das kind war; dort blieb er stehen. als sie den stern sahen, wurden sie von sehr 
großer freude erfüllt.

die bibel, evangelium nach matthäus 2,9-10


mir hat mal jemand von einem stern erzählt, 
nur was der soll und wo der hinführt wurde nicht erwähnt 
und ob der bereits schien seit beginn der welt, 
bis der erste ihn entdeckte und nach sich bennent,

vielleicht ist so ein stern auch erstmal nur einfach ein stern 
vielleicht muss ich nicht krampfhaft immer alle lichter erklären 
mir scheints unmöglich, mich zwischendurch nicht mal krass zu verrennen
und woran soll ich im dunklen trubel noch ein wunder erkennen? 

und ist die lichtquelle nicht so unfasbar weit entfernt,
dass es jahre braucht bis sie nachts auf meine augenringe fällt?
vielleicht halte ich ausschau nach etwas, das es nicht mehr gibt, 
vielleicht suche ich bloß utopien aus meiner phantasie. 

			     vielleicht ist unterwegs das ziel
vielleicht ist vielleicht grund genug zum weitergehen
                             wo ich war, kann ich nicht bleiben,
                         der preis fürs reisen ist das heimweh

mir hat mal jemand einen stern beschrieben, 
dessen licht weit über die grenzen der unterdrückung des besetzten landes 
							schien.

die prächtigen paläste und zentren der mächtigen konnten ihn nicht sehen, 
und als sie davon erfahren, reift der orginelle plan sich dagegen mit gewalt zu wehren

-   

ich glaube dahinten wirds schon wieder hell,
liebes licht der welt, ich wünsche mir wirklich eine lichterwelt

lass ma bitte mit allen mitteln zu leuchten versuchen, 
in dem baby in der kalten baracke auf der fluchtroute wird der heiland geboren.

heiliges keimt meistens heimlich, 
am rand, wo die sind, die den meisten leider zu klein sind
oder zu anders

lass das licht bitte an und die tür noch einen spalt weit offen,
für alle, die es wagen zumindest vage zu hoffen.  
die gerade linie ist gottlos und fragt nur, ob die kurse schwanken, aber
lass hoffnung nicht hohl werden oder sich vor unseren augen in furcht verwandeln

mir haben menschen von einem stern berichtet, 
was er ist und wie und wo genau wussten sie nicht richtig, 
sie meinten nur vielleicht hoffen sie so etwas ähnliches wie ich, 
dass in jeder art von dunkelheit, egal wie klein,
ein unauslöschliches licht                                        brennen bleibt."/><p>Ein Adventsstück für die Zweifelnden, Suchenden, Hoffungshungrigen und Lichtdurchlässigen. Für die Zwischenraumbewohnenden.</p><p>Das Stück, inklusive der Instrumental-Version ist ab sofort auf allen Streaming-Plattformen verfügbar:</p><p><a href="https://album.link/b/4077250987">https://album.link/b/4077250987</a></p><p>Unter diesem Link kommst du direkt zu allen Möglichkeiten, wo das Stück zu finden ist. Wenn du uns unterstützen möchtetst, kannst du es auch kaufen und herunterladen. Das geht z.B. auf <a href="https://poetrymeetsbeats.bandcamp.com/album/die-gerade-linie-ist-gottlos-pt-4-unausl-schliches-licht">Bandcamp</a> oder auf meiner <a href="https://www.marcomichalzik.com/digitalesundtexte">Webseite</a>. Selbstverständlich findest du auf beiden Seiten auch die übrigen Veröffentlichungen.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/be78a409-9ac5-42ce-9763-aaafb751f893/uploads/images/b7rqegyrfc/ruckseite_DIE_GERADE_LINIE_IST_GOTTLOS_PT._4_(3000x3000).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Bild zeigt die Rückseite des Covers zum neuen Stück von Marco Michalzik und Manuel Steinhoff und enthält das Bibel-Zitat aus Matthäus 2 Vers 9 bis 10: &quot;Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.&quot;"/><hr/><p>VINYL</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/be78a409-9ac5-42ce-9763-aaafb751f893/uploads/images/6ibdblmhcc/Vinyl_out_now.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Bild zeigt die Vinyl-Version von Die gerade Linie ist gottlos mit dem Schrifzug: Vinyl out now!"/><p>Und noch eine fantastische Neuigkeit: Wir freuen uns und sind unglaublich stolz, dass es die gesamte EP-Reihe, inklusive des neues Stücks zum Advent ab sofort auch als Vinyl zu kaufen gibt. Unter folgendem Link kannst du dir dein Exemplar direkt sichern:</p><p><a href="https://elasticstage.com/manuelsteinhoff/releases/die-gerade-linie-ist-gottlos-album">https://elasticstage.com/manuelsteinhoff/releases/die-gerade-linie-ist-gottlos-album</a></p><p>Daruf sind alle 10 Stücke der in diesem Jahr veröffentlichten EPs enthalten: <em>Die gerade Linie ist gottlos Pt. 1-4</em> - alle auf einer Platte!</p><hr/><p>NEUE PODCASTFOLGE</p><a href="https://cobainserben.de/kunst-sex-religion/">https://cobainserben.de/kunst-sex-religion/</a><p>Und noch eine letzte Empfehlung: In der <a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/posts/1b545399-87e5-4b87-83c3-e6b19466889f">letzten Ausgabe</a> dieser Textreihe habe einen längeren Bericht zu meiner Zeit in Lienz und der Kunst-Ausstellung “blicke nach innen” geschrieben.</p><p>Zur Ausstellung, meinen Eindrücken und Erlebnissen und vor allem auch den dort verhandelten Themen habe ich ein ausführliches Gespräch mit Gofi und Jay in unserem Podcast POP-KUNST-SEELE geführt. Die folge findest du als Audio ind Video auf allen gängigen Plattformen, auf Youtube oder direkt über den Link oben.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Unterstützer*in werden</a></p><p></p><p>Liebe Grüße und lichtvolle Adventstage</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/51fe8cdc-73b5-4eed-97df-b1dc8412efaa/uploads/images/vc4pkymhlo/Untitled_design.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>PS. Vielen Dank, wenn du bis hierhin gelesen hast. Alle Texte dieser Reihe sind kostenlos les- und abonnierbar. Du kannst mich und meine Arbeit und diese Textreihe aber unterstützen und möglich machen, indem du auf diesen Button klickst und mich mit einem Abo unterstützt. Das bedeutet mir viel und hilft sehr. DANKE &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/be78a409-9ac5-42ce-9763-aaafb751f893/teaser_image/1765055289?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sat, 06 Dec 2025 21:10:48 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM BETRACHTEN]]></title>
      <description><![CDATA[Anfang Oktober hatte ich die große Freude und Ehre Teil eines besonderen „Artist in Residence“-Programms in Lienz in Osttirol zu sein. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 39: VOM BETRACHTEN</strong></p><p>Anfang Oktober hatte ich die große Freude und Ehre Teil eines besonderen <em>Artist in Residence</em>-Programms in Lienz in Osttirol zu sein. Gemeinsam mit meinen Lyrik-Kolleg*innen <a href="https://siljarosaschletterer.com/">Siljarosa Schletterer</a> und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=gdqMMkzfEoQ">Paul Zinell</a> habe ich vier volle Tage in und mit der Sonderausstellung <a href="https://www.museum-schlossbruck.at/de/news-schloss-bruck/blicke-nach-innen-nicaea"><em>blicke nach innen</em></a><em> </em>verbracht. Einer Kunstausstllung, die sich auf sehr spannende und vielvältige Weise mit dem Konzil von Nicäa im Jahr 325 n. Chr. auseinandersetzt, das sich in diesem Jahr zum 1700. mal jährt.</p><p>Kuratiert wurde diese Ausstellung auf Schloss Bruck von Dr. Hubert Salden und <a href="https://www.dibk.at/Media/Organisationen/bischof-hermann-glettler">Bischof Hermann Glettler,</a> auf dessen Einladung und Initiative hin wir uns zu dritt schreibend mit den gezeigten Werken auseinandersetzen durften. Im Beschreibungstext der Ausstellung heißt es: <em>Spirituelle Erkenntnis durch Kunst – diesem Gedanken folgt die aktuelle Sonderausstellung auf Schloss Bruck. „Kunst und Religion weisen über das Sichtbare hinaus auf das Immaterielle. Sie schlagen offene Wege ein und heben ans Licht, was eine Gesellschaft in ihr Unterbewusstsein verdrängt“, so der Kurator, der in den mittelalterlichen Mauern Arbeiten von Andy Warhol und Rebecca Horn, Glenn Brown und Kiki Smith vereint.</em></p><hr/><p>NICÄA WTF!?</p><p>Nun ist sicher nicht allen geläufig, worum es bei diesem Konzil in Nicäa überhaupt ging und was genau da besprochen und verhandelt wurde. Und ohne allzulange mit Kirchengeschichte langweilen zu wollen (Spoiler: Ich persönlich finde sie sehr spannend) doch eine ganz kleine Zusammenfassung, weil Setting und Themen für das Verständnis der Ausstellung und unsere Auseinandersetzung damit nicht unwichtig sind:</p><p>Das Christentum befindet sich unter Kaiser Konstantin gerade im Prozess Staatsreligion im römischen Reich zu werden als das Konzil einberufen wird. Vermutlich spielt da durchaus auch der Wunsch nach einer einheitlichen dogmatischen Linie innerhalb des Christentums eine Rolle, um diesen Prozess weiter erfolgreich voran treiben zu können. Also neben theologischen Themen auch politische und machttaktische Überlegungen, zumal Kaiser Konstantin auch selbst während des Konzils anwesend ist.</p><p>Das brennende Thema, das diskutiert werden soll, ist die Frage nach dem Wesen der zentralen Figur des christlichen Glaubens. War Jesus ein Mensch? Vielleicht sogar ein Mensch, der durch sein Leben, Sterben und die Auferstehung zu einem Gott geworden ist? War Jesus Gott, der nur so aussah wie ein Mensch? Oder vielleicht irgendetwas dazwischen? So eine Art Halbgott, wie sie in der griechischen Mythologie vorkommen? All diese Überlegungen hatten ihre Vertreter und Argumente. Am Ende einigte man sich auf folgende Bekenntnis-Formulierung:</p><p><em>Ich glaube an den einen Gott,<br/>den Vater, den Allmächtigen,<br/>den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren.<br/><br/>Und an den einen Herrn Jesus Christus,<br/>den Sohn Gottes,<br/>der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist, das heißt: aus dem Wesen des Vaters,<br/>Gott aus Gott, Licht aus Licht,<br/>wahrer Gott aus wahrem Gott,<br/>gezeugt, nicht geschaffen,<br/>eines Wesens mit dem Vater,<br/>durch den alles geworden ist, was im Himmel und was auf Erden ist;<br/>der für uns Menschen und wegen unseres Heils herabgestiegen und Fleisch geworden ist,<br/>Mensch geworden ist,<br/>gelitten hat und am dritten Tage auferstanden ist,<br/>aufgestiegen ist zum Himmel,<br/>kommen wird um die Lebenden und die Toten zu richten;<br/><br/>Und an den Heiligen Geist.</em></p><p>Und dann gibt es da am Ende noch diesen bemerkenswerten Nachsatz, der etwaige andere Sichtweisen direkt im Keim zu ersticken droht : <em><br/></em><br/><em>Diejenigen aber, die da sagen „es gab eine Zeit, da er nicht war“</em><br/><em>und „er war nicht, bevor er gezeugt wurde“,</em><br/><em>und er sei aus dem Nichtseienden geworden,</em><br/><em>oder die sagen, der Sohn Gottes stamme aus einer anderen Hypostase oder Wesenheit,</em><br/><em>oder er sei geschaffen oder wandelbar oder veränderbar,</em><br/><em>die verdammt die katholische Kirche.</em></p><hr/><p>AUSSTELLUNG</p><p>All das bietet natürlich eine Fülle an interessanten Anknüpfungspunkten, die in der Ausstellung auch sehr schön aufgegriffen wurden: Die Frage nach dem Wesen beinhaltet ja fast zwangsläufig auch die Frage nach bildlichen Darstellungen und wie diese aussehen könnten oder müssten? Die Frage wie zentral das Thema Körper, Körperlichkeit, Sexualität, Nacktheit, Scham usw. sein sollte spielt eine große Rolle. Und natürlich auch die politische Dimension vor dessen Hintergrund das ursprüngliche Konzil diese Fragen verhandelt hat: Wie verhalte ich mich dazu, dass dort die Botschaft Jesu mit der imperialen Macht der damaligen Zeit verheiratet wird? Und was bedeutet das für heute, wo wir ähnliche Tendenzen (natürlich in einem ganz anderen Rahmen) z.B. im Streben nach Macht und politischem Einfluss bei vielen führenden Figuren der evangelikalen Bewegung in den USA, aber durchaus auch in Europa, beobachten können?</p><p>Und auch das Konzil als Setting wude in der Ausstellung thematisiert. Als Ort des Austauschs, der Ökumene und des Dialogs, des Miteinander-Ringens auf der Suche nach gemeinsamen Lösungs- und Kompromissansätzen. Besonders deutlich wurde das u.a. an der Arbeit <em>WE/ME</em> des Künstlers Franz Wassermann, die sozusagen als anfassbare Installation im Raum stand. Das Werk besteht aus 16 identischen Aluminiumquadern, die man betrachten oder auf die man sich setzen und auch deren Anordnung verändern konnte; stapeln, aneinanderreihen, auftürmen, neue Formationen finden. Auf allen 16 Würfeln stehen die Worte <em>WE</em> oder auf den Kopf gestellt dann eben <em>ME. </em>Das Werk basiert dabei auf dem kürzesten Gedicht aller Zeiten, das Box-Legende Muhammad Ali während eines Vortrags an der Harvard-University auf den Wunsch der Zuhörenden nach einem Gedicht improvisierte: <a href="https://www.jimcarrollsblog.com/blog/2015/4/3/mewe"><em>Me.We.</em></a></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1b545399-87e5-4b87-83c3-e6b19466889f/uploads/images/c3jb466czi/4.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Auf dem Bild sieht man eine Collage aus Eindrücken aus der Austellung &quot;blicke nach innen&quot; und zwei Fotos von Marco Michalzik wie er Texte vor Bildern der Ausstellung vorträgt."/><p>In selben Raum hing auch ein Werk von Rune Mields, auf dem ganz groß in weißen Lettern λόγος (Logos) zu lesen war. Ein Wort, das im griechischen Text des Prologs zum Evangelium nach Johannes wiederholt vorkommt. Dort wird auf äußerst poetische Weise beschrieben, wie dieser <em>Logos, das Wort, die Weisheit</em> von Anfang an vorhanden war und wie dadurch alle Dinge des Universums ins Dasein gekommen sind, um dann etwas später zu erzählen, dass dieses <em>Wort</em> Fleisch, also Kreatur, Materie geworden ist. Darüber habe ich vor allem mit Siljarosa Schletterer sehr viel geredet, wie schön und revolutionär und skandalös diese Formulierung eigentlich ist, wenn man sie ernst nimmt und zu Ende denkt: Dass dort erzählt wird, dass dieses göttliche Wesen, diese kosmische Kreativkraft an einem Punkt in der Geschichte einen menschlichen Körper bekommt, von einer Mutter geboren wird, schutzlos und auf Hilfe angewiesen. Besonders berührend wurde das in der Ausstellung im Werk <em>Madonna and Child </em>von Andy Warhol sichtbar, der das nackte Jesus-Baby zeigt, das gerade an der Brust seiner Mutter gestillt wird.</p><p>Wie konnte eine Bewegung, die einmal so radikal das Göttliche in der Körperlichkeit formuliert hat in der Folge oft so körper-, lust- und frauenfeindlich werden, wie das Christentum es im Verlauf der Geschichte dann an vielen Stellen war und teilweise ja auch immer noch ist? Über dieses Thema habe ich vor allem in meinem letzten Gedichtband sehr viel geschrieben und während der Zeit in Lienz wieder sehr viel nachgedacht. Während unserer Abschlußpräsentation hat vor allem Siljarosa dieses Thema in unglaublch schöne und berührende Texte übersetzt und nicht nur das, sondern auch in ihrem aktuellen Lyrik-Band mit dem Titel <a href="https://www.limbusverlag.at/buecher/entschaemungen/">ENTSCHÄMUNGEN</a> hat sie ganz wundervolle Gedichte zu Körpern, Körperteilen und der damit einhergehenden Scham, die bis in die Sprache und Benennungen hinein ragt, geschrieben. Ganz große Empfehlung meinerseits!</p><p>Ein anderes Thema, mit dem ich mich sehr stark beschäftigt und auseinander gesetzt habe in der Ausstellung ist die Frage nach Macht- und Kapitalismuskritik und der Beziehung von Religion und Machtsystemen. Besonders das zweiteilige Werk von Thomas Locher, <em>GIOTTO 1. W-G-W und GIOTTO 2, G-W-G</em>, hat mich sehr berührt und inspiriert. Zwei großflächige Farbtintendrucke, die einmal die Szene zeigen, als Jesus seinen Freunden die Füße wäscht und dem gegenüber gestellt eine Szene, die zeigt wie Jesus von Judas verraten und für Geld seinen Feinden ausgeliefert wird. Beide Werke arbeiten mit verschiedenen Ebenen und Überlagerungen, sodass beim Betrachten die Buchstaben G-W-G bzw. W-G-W innerhalb der Bilder sichtbar werden. Diese unmittelbare Gegenüberstellung von diesem Ideal, diesem Vorbild an Sanftmut und zugewandter Selbstlosigkeit und gelebter Nächstenliebe auf der einen Seite und dem Verrat für Geld und die nach sich ziehende Gewalt auf der anderen Seite hat mich sehr bewegt. In der Abschlußperformance war mein letzter Beitrag eine Annäherung und Auseiandersetzung mit eben diesem Werk. Und ein Bild, in dem Buchstaben vorhanden sind, lädt natürlich auch besonders dazu ein, sich schreibend damit zu beschäftigen. Ich habe in meiner Performance die drei Buchstaben immer wieder laut gesprochen, die wegen der fehlenden Vokale aber erstmal seltsam klingen bis sich soetwas wie Worte heraushören lassen:</p><p><em>G-G-W</em></p><p><em>Gegenwart</em></p><p><em>G-G-W</em></p><p><em>Gegenwert</em></p><p><em>G-G-W</em></p><p><em>Gegenwelt</em></p><p><em>W-G-G</em></p><p><em>Wogegen und weswegen eigentlich?</em></p><p><em>G-G-W</em></p><p><em>Geld, Geltung, Ware</em></p><p><em>G-G-W</em></p><p><em>Geltungsdrang, Wahr-heit</em></p><p><em>W-G-G</em></p><p><em>Vergelts Gott</em></p><p><em>G-G-W</em></p><p><em>Geld-Gott</em></p><p><em>W-G-G</em></p><p><em>Vage Gegenentwürfe</em></p><p><em>W-G-G</em></p><p><em>Wage Gegenentwürfe</em></p><p><em>G-G-W</em></p><p><em>Gegenwart</em></p><p><em>G-G-W</em></p><p><em>Gegengewalt</em></p><p><em>W-G-G</em></p><p><em>Wogegen und weswegen eigentlich?</em></p><p><em>G-G-W</em></p><p><em>Gegen Gewalt</em></p><p><em>G-G-W</em></p><p><em>Gewöhn dich nicht</em></p><p><em>G-G-W</em></p><p><em>Gewöhn dich nicht ans Gewöhnen</em></p><p>gefolgt von einer Variation bzw. überarbeiteten Version meies Textes <a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/posts/70f1b473-763e-4032-a13c-a24689aaf759">VOM EMPÖREN</a>, den du in der letzten Ausgabe dieser Textreihe lesen konntest und auch jetzt noch im Archiv nachlesen kannst. (<em>Kleiner Spoiler, eine nochmals überarbeitete Version dieses Gedichts wird das Titelstück der nächsten EP werden, die ich gerade mit Manuel Steinhoff aufgenommen habe.</em>)</p><p>Eigentlich hätte es jedes der Werke verdient ausführlich besprochen zu werden, aber ich beschränke mich für jetzt auf diese ausgewählten Eindrücke, die hoffentlich dennoch zumindest einen kleinen Einblick vermitteln, wie intensiv und facettenreich die Ausstellung unsere Auseinandersetzung damit gewesen sind.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1b545399-87e5-4b87-83c3-e6b19466889f/uploads/images/73hc3kriye/5.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Bild zeigt eine Collage aus Werken aus der Ausstellung &quot;blicke nach innen&quot; sowie Eindrücke aus der gemeinsamen Abschluß-Lesung."/><hr/><p>PROZESS/LESUNG</p><p>Wir sind Sonntag früh in Innsbruck gestartet und mit einem Bus, in dem neben uns auch Dr. Hubert Salden und Bischof Hermann Glettler, sowie eine Gruppe aus Innsbruck nach Lienz gereist sind, um eine erste ausführliche Führung mit den Initiatoren und Kuratoren der Ausstellung zu bekommen. Am darauffolgenden Montag durften Siljarosa und ich noch einen Workshop-Tag für Schülerinnen und Schüler der Berufschule gestalten, mit denen wir ebenfalls die Ausstellung besucht und gemeinsam Texte zu den Werken geschrieben und direkt am Abend der Öffentlichkeit präsentiert haben. Radio Osttirol hat dazu auch einen kleinen Audio-Beitrag produziert: <a href="https://osttirolerbote.at/aktuelles/aktuelle-audio-beitraege/lehrlingsprojekt-wird-zum-lyrischen-erlebnis">ZUM BEITRAG</a></p><p>Außerdem haben wir das Experiment einer lyrischen Intervention im Öffentlichen Raum gewagt und am Mittwoch-Vormittag im lokalen Einkaufszentrum Gedichte, Texte und Performances für die shoppenden Menschen präsentiert. Auch dazu gibt es einen schönen <a href="https://www.osttirol-heute.at/kultur/buehne-der-poesie-ueberraschendes-kurzhappening-im-city-center-lienz/">Pressebericht mit Bildern</a>.</p><p>Die verbliebene Zeit haben wir zu dritt hauptsächlich in der Ausstellung verbracht, intensive Dialoge mit den Kunstwerken und miteinander geführt und neue Texte und Gedichte ausgehend und inspiriert davon geschrieben, die wir am Mittwochabend in einer Wandel-Lesung durch die Ausstellung der Öffentlichkeit vorgestellt haben (inkl. der grandiosen musikalischen Untermalung und Begleitung des phänomenalen Bertl Mütter an der Posaune) - Texte zwischen Körperlichkeit und Transzendenz, Politik, Spiritualität, Konkretem und Abstraktem. Dabei hat mir vor allem auch die Bandbreite unseres künstlerischen Ausdrucks gefallen: Paul Zinell kommt ganz stark von der Performance, hat improvisierte Passagen mit Textfragmenten zu einem unglaublich intensiven Gesamtkunstwerk kombiniert, voller Wortspiele, politischer Haltung und Humor. Siljarosa Schletterer ist dagegen eine wahre Lyrikerin, wo jedes Wort, jede Zeile ganz fein gearbeitet und mit Bedacht gesetzt wird und Gedichte schreibt, die gelesen nochmal eine ganz besondere Dringlichkeit bekommen. Und ich irgendwo dazwischen mit Texten, die zwar geschrieben, aber oft eben doch auch mit einem Augenmerk auf Klang und Performance hin konzipiert werden.</p><p></p><hr/><p>MEIN GEDICHT</p><p>Während der Zeit dort und für die Abschluß-Präsentation ist u.a. auch das folgende Gedicht entstanden. Ich habe in der Form versucht die Jahreszahl des Konzils abzubilden und mir eine Struktur gebaut, in der zuerst drei Zeilen stehen, gefolgt von zwei weiteren und schließlich mit fünft Zeilen abgeschließt - drei,zwei,fünf - 325 n. Chr. Inhaltlich habe ich wiederum versucht dieses Ringen abzubilden, dass auch in einem Raum der Ausstellung besonders schön zum Ausdruck kam. Dort waren an einer Wand Werke von Andy Warhol und Kiki Smith zu sehen, in denen u.a. eine Szene des letzten Abendmahls oder der Besuch des Engels bei der Jungfrau Maria dargestellt werden. Während an der gegenüberliegenden Wand die abstrakten Werke von Volker Hildebrandt (passenderweise mit dem Titel <em>Du sollst dir kein Bildnis machen…</em>) und Rebecca Horn zu sehen waren. Das Konkrete und das Abstrakte direkt gegenüber.</p><p>In der Mitte zwischen diesen beiden Wänden stehend habe ich dieses Gedicht vorgetragen. Im Zwischenraum. Im Gleichzeitig. Im Und. Im Sowohl-als-auch. Im Rücken das Unfassbare, das auf das Anfassbare blickt - und umgekehrt, je nachdem wohin der Blick wandert und wohin der Körper des Be(tr)achtenden gedreht ist.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1b545399-87e5-4b87-83c3-e6b19466889f/uploads/images/uow7hh4isi/IMG_8017.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Hier kannst du dir das Gedicht auch von mir vorlesen lassen:  </p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/1b545399-87e5-4b87-83c3-e6b19466889f">Auf Steady anhören</a></p><p></p><p>Ich bin allen Beteiligten sehr dankbar für diese schönen, intensiven und inspirerenden Tage in Lienz. Es war mein erster Besuch in Osttirol und ich bin mir sicher, dass es nicht der letzte gewesen sein wird. Ich hoffe, dieser Text fängt ein bisschen von dem ein, was wir gemeinsam dort erleben durften &lt;3</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">ZUM TEXT-ABO</a></p><hr/><p>NEUE EP</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1b545399-87e5-4b87-83c3-e6b19466889f/uploads/images/upln5e7khh/cover_DIE_GERADE_LINIE_IST_GOTTLOS_PT._3_(3000x3000).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="EP-Cover von &quot;Die gerade Linie ist gottlos Pt.3&quot; von Marco Michalzik &amp; Manuel Steinhoff"/><p>Am 14.11. veröffentliche ich mit Manuel Steinhoff den 3. Teil unserer EP-Serie “Die gerade Linie ist gottlos”. Bei den ersten Teilen haben wir jeweils zwei Gedichte aus meinem Lyrik-Band “Wir werden alle verwandelt werden” vertont und neu interpretiert und dazu auf beide EPs noch ein bis dahin unveröffentlichtes neues Stück gepackt.</p><p>Dieses Mal haben wir einen ganz anderen Ansatz gewählt. Ich hatte die Idee, nicht an einzelnen Stücken zu arbeiten, sondern in einer langen Live-Session gemeinsam zu improvisieren und zu jammen und die drei neuen Tracks sozusagen als Gesamtkunstwerk aufzunehmen und später auseinanderzuschneiden. Das war für Manu natürlich extrem herausfordernd, weil er alle Instrumente und Geräte, die auf den Tracks zu hören sind live und gleichzeitig spielen und bedienen musste. Die Texte wiederum waren einigermaßen fertige Fragmente, an denen ich im Verlauf der gemeinsamen Session aber auch noch spontan Änderungen vorgenommen habe. Wir haben das Ganze auch als Video festgehalten, das wir begleitend zur neuen EP veröffentlichen werden.</p><p><strong>GANZ WICHTIGE INFO:</strong></p><p>Die letzten beiden EPs haben wir jeweils eine Weile vor dem offiziellen Release bereits den Menschen geschenkt, die mich hier auf Steady unterstützen. Das werden wir auch dieses Mal wieder tun. Wenn Du also vor allen anderen Zugang zu diesem und zukünftigen Releases haben möchtest, kannst du über den Button unter diesem Text direkt eine Mitgliedschaft abschließen und erhältst dann automatisch deinen Zugang in den nächsten Tagen. Es ist auch möglich das Ganze zunächst in einer Probephase zu testen. Auch in dem Fall erhältst du den vollen Zugang.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Unterstützer*in werden</a></p><p></p><p></p><p>Liebe Grüße und bleib barmherzig</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/51fe8cdc-73b5-4eed-97df-b1dc8412efaa/uploads/images/vc4pkymhlo/Untitled_design.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><p>PS. Vielen Dank, wenn du bis hierhin gelesen hast. Alle Texte dieser Reihe sind kostenlos les- und abonnierbar. Du kannst mich und meine Arbeit und diese Textreihe aber unterstützen und möglich machen, indem du auf diesen Button klickst und mich mit einem Abo unterstützt. Das bedeutet mir viel und hilft sehr. DANKE &lt;3</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Fri, 24 Oct 2025 14:16:07 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM ENTWÖHNEN]]></title>
      <description><![CDATA[Habe ich nicht geebnet, stillgemacht meine Seele:wie ein Entwöhntes an seiner Mutter,wie das Entwöhnte ist an mir meine Seele. (Psalm 131, Die Schrift) ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 38: VOM ENTWÖHNEN</strong></p><blockquote><p><em>Habe ich nicht geebnet, stillgemacht meine Seele:</em></p><p><em>wie ein Entwöhntes an seiner Mutter,</em></p><p><em>wie das Entwöhnte ist an mir meine Seele.</em></p><p><em> </em></p><p><em>(Psalm 131, Die Schrift, Martin Buber, Franz Rosenzweig)</em></p></blockquote><p>In unserem Hossa Talk-Podcast habe ich mit meinen Freunden Gofi und Jay zuletzt viel über die Wichtigkeit von Gemeinschaft, die Bergpredigt und das Vater Unser gesprochen. Besonders Gofi hat immer wieder herausgestellt, dass wir die Bergpredigt als eine Art Anleitung für resiliente und widerständige Gemeinschaften lesen könnten. Als Entwurf und Ideal dafür wie ein gemeinsam gestaltetes Leben aussehen könnte und welche Werte dort wichtig wären:<em> Sanftmut, Barmherzigkeit, Frieden stiften… </em>Das Vater Unser ist in Wir- und-uns-Form formuliert. Was bedeutet es diese Worte als Teil eines Kollektivs, einer Community zu sprechen und zu meinen und nicht bloß als Individuum, obwohl auch das natürlich nicht verboten ist? Wir haben über die Bitte um das <em>tägliche </em>Brot geredet und uns gefragt, ob vielleicht auch ausgehend davon diese Geschichte als das Volk Israel in der Wüste hungert und von Gott auf wundersame Weise mit Brot versorgt wird, das man aber eben nur für den <em>heutigen</em> Tag für sich und seine Angehörigen sammeln und nicht horten durfte, eine Geschichte über gerechte Gemeinschaft erzählt und dieses Verbot des Hortes dafür da war, damit am Ende niemand den Großteil für sich bunkern und die anderen dadurch ausbeuten und aus Hunger und Not Profit für sich selbst schlagen konnte und dem Potenzial einer auseinandergehenden Schere zwischen Arm und Reich direkt einen Riegel vorzuschieben, um ein anderes Miteiander möglich zu machen? </p><p>Ich verlinke unsere beiden Folgen zum Vater Unser am Ende des Textes, wenn du noch einal ausführlicher nachhören möchtest, was wir dort besprochen haben. </p><p>Zu diesen Gedanken gesellte sich bei mir dann noch ein Album, das kürzlich herauskam und das ich seitdem wieder und wieder gehört habe und wohl mein persönliches Album des Jahres 2025 werden wird. Die Rede ist von <a href="https://intlanthem.bandcamp.com/album/saul-williams-meets-carlos-ni-o-friends-at-treepeople">Saul Williams meets Carlos Niño &amp; Friends at TreePeople</a>. Es ist die Live-Aufnahme eines Abends, an dem ein fantastisch und hochkaratätig besetztes Jazz-Ensemble gemeinsam improvisiert und Saul Williams dazu Textfragmente, Gedichte und Geschichten performt und vorträgt. Außerdem gibt es einen Gastauftritt der großartigen und von mir sehr verehrten Spoken Word-Poetin und Lyrikerin Aja Monet, die mit einem ihrer Gedichte das Stück “<em>The Water is Rising / as we surpass the firing squad . . . </em>“ einleitet. </p><p>Am Ende des Live-Albums gibt es eine Art Epilog. Einen Moment, wo sich Saul Willliams direkt ans Publikum wendet und zum einen diesen besonderen geteilten und gemeinsamen Gemeinschafts-moment betont und zum anderen eindrücklich an die Zuhörenden appelliert, dass solche Momente und Gemeinschaften einem nicht einfach in den Schoß fallen: <em>“We have work to do.” </em></p><p>Saul Williams ist für viele Spoken Word-Künstler*innen und durchaus auch Rapper*innen eine Art Godfather of Spoken Word. Ein Künstler, der durch seine Texte und Performances, aber genauso durch seine Haltung und seinen Aktivismus, vielen ein großes Vorbild war und ist. Mich eingeschloßen. </p><p>Ein Fragment aus seinem Stück <a href="https://www.youtube.com/watch?v=9Xcf8TcFNSA">“Coltan as Cotton”</a> rezitiert er auch auf dem Live-Album. Hier ein kurzer Ausschneitt aus dem Text, der seine volle Wucht aber eigentlich erst im Hören entfaltet: </p><blockquote><p><em>“Hack into desperation and loneliness<br/>The history of community and the marketplace<br/>Hack into land rights and ownership<br/>Hack into business, law of proprietorship<br/>Hack into ambition and greed<br/>Hack into forms of government<br/>The history of revolutions<br/>The relation of suffering and sufferance<br/>Hack into faith and morality<br/>The treatment of one faith towards another<br/>Hack into masculinity, femininity, sexuality<br/>What is taught, what is felt, what is learned, what is shared<br/>Hack into God<br/>Stories of creation, serpents and eggs”</em></p></blockquote><p>Von Anfang an gab es in der Spoken Word-Bewgung die Überzeugung, dass das Kunstwerk nicht allein der vorgetragene Text oder die Performance desselben vor einem Publikum ist, sondern die Resonanz, die in diesem bestimmten Moment zu genau dieser Zeit in genau diesem Raum <em>miteinander</em> entsteht. Also eigentlich mehr eine Art Kollektiv-Installation und weniger eine reine Literatur-Lesung oder Kunst-Performance. Das erfordert Aufmerksamkeit und ein Anwesend-sein im Hier und Jetzt auf Seiten der Zuhörenden und Demut damit sorgsam umzugehen und gleichzeitig die Überzeugung etwas bereichernderndes in seiner eigenen Stimme und Sprache zu diesem gemeinsamen Moment beitragen zu können auf der Seite des Vortragenden. </p><p>Ich denke in letzter Zeit viel darüber nach, wie man das Konzept Bühne dahingehend dekonstruieren könnte. Weil eine Bühne mit Scheinwerfern und Mikrofon immer auch ein bisschen suggeriert, dass die Person, die auf dieser Bühne etwas in dieses Mikrofon spricht automatisch mehr Autorität oder Wissen oder Erkenntnis oder Erfahrung oder Können oder sonst was hat, als die Zuhörenden, die davor stehen oder sitzen. Natürlich braucht es das mitunter und natürlich gehe ich sehr gerne zu Konzerten, wo außergewöhnliche Musiker*innen auf mtunter großen Bühnen das gebannte Publikum an ihrem grandioses Können teilhaben lassen. Trotzdem sehe ich in dieser Zentrierung und diesem klaren Vorne und Hinten, Oben und Unten Problem-Potenzial. Ich habe dafür noch keine abschließende Lösung. In unserem Live-Format Poetry-Talk experimentieren wir seit einer Weile damit diese Bühnen-Hierachie zumindest ein wenig aufzubrechen, indem die Zuhörenden jederzeit Fragen oder Anmerkungen oder ihre eigene Geschichte einbringen und damit auch den Verlauf und den Charakter des Abends mitbestimmten und gestalten können. Vielleicht ist diese Richtung zumindest ein Anfang. Und natürlich braucht es diese wie auch immer gearteten Lagerfeuer, um die herum sich eine Gemeinschaft bilden und versammeln kann, um Geschichten und Gedanken und letztendlich Leben zu teilen und natürlich muss irgendwer diese Lagerfeuer irgendwo anzünden. Das ist alles sicher noch nicht ganz zu Ende gedacht, aber diese Fragen und Gedanken zu Gemeinschaft bewegen mich gerade sehr. </p><p>All diese Eindrücke und Überlegungen vor dem Hintergrund der akteullen Ereignisse haben sich für mich in dem folgenden Text verdichtet: </p><hr/><p>VOM ENTWÖHNEN</p><p>Entwöhn dich von Empire-Erzählungen,</p><p>und von Geburtsrecht</p><p>und Recht haben müssen</p><p> </p><p>Entwöhn dich von Wohlstand</p><p>und dass dir etwas zusteht, weil dein Geburtsbett</p><p>innerhalb eines ausgedachten Linienverlaufs stand</p><p> </p><p>Entwöhn dich vom Gefühl der Überlegenheit,</p><p>das dir dein Elfenbein-Christus eingeflößt hat</p><p> </p><p>Entwöhn dich von Erwählung</p><p>und Entrückungs-Fan-Fiction</p><p>und einer Triumph proklamierenden Theologie,</p><p> </p><p>Entwöhn dich von Bühnen und Kanzeln und Menschen mit Mikrofonen</p><p>als Instanzen für Autorität. Auf Videoleinwänden und im richtigen Licht der</p><p>Kameraeinstellung sehen selbst kleine Männer bedeutend aus</p><p><em> </em></p><p>Entwöhn dich von der dir innewohnenden Inselexistenz</p><p>Denk dir, dass das Vater Unser in wir- und uns- Form formuliert ist</p><p><em>Unsere Schuld und unser Brot - vergib uns und gib uns heute, wie auch wir…</em></p><p> </p><p>Entwöhn dich von Macht</p><p>Entwöhn dich von Ohnmacht</p><p>Entwöhn dich von Gleichgültigkeit</p><p> </p><p>Entwöhn dich von Martkthänden und all seinen übrigen Körperteilen</p><p> </p><p>Entwöhn dich vom Geld-Gott</p><p><em>Moloch! Götter haben nur so viel Macht</em></p><p><em>wie ihrer Erschaffer und Gläubigen ihnen zugestehen.</em></p><p><em> </em></p><p>Entwöhn dich von deinen dutzenden Kamelen,</p><p>die all deinem Nachmessen und Umdeuten zum Trotz</p><p>selbst mit Gewalt nicht durch das Nadelöhr hindurch zu quetschen sind</p><p> </p><p>Entwöhn dich von Kapital</p><p>und seinen Kindern Korruption und Kursschwankung</p><p>und Coltan Mine und Konjunkturprognose</p><p>und Kampfdrohne und Grenzschließung</p><p> </p><p>Entwöhn dich von geraden Linien</p><p>und Narrativen, die auf eben diesen</p><p>geschrieben werden und Fiktion als Naturgesetz vorgaukeln</p><p> </p><p>Entwöhn dich von Zahlen</p><p>als Währung für Wirksamkeit oder Wahrhaftigkeit.</p><p> </p><p>Entwöhn dich von Empire-Erklärungen</p><p>und dem Erhalt einer Ordnung in der Ausbeutung</p><p>bedauerlich aber alternativlos ist</p><p> </p><p>Entwöhn dich vom Klang und der Bedeutung</p><p>des Wortes <em>alternativlos</em></p><p>Als ob Kreativität nicht dafür da wäre, Vorhandenes in Frage zu stellen</p><p>und ein immerhin geträumtes <em>Anders</em> dagegenzusetzen.</p><p> </p><p>Entwöhn dich von allem, das mit A<em>lternativ- </em>beginnt</p><p> </p><p>Entwöhn dich von Wucher</p><p>Entwöhn dich von Workcation</p><p>Entwöhn dich von allem, in dem das Wort <em>Nation</em> vorkommt</p><p>Entwöhn dich von Geschichten, die von sogenannten Siegern</p><p>geschrieben wurden.</p><p> </p><p>Entwöhn dich von Veränderung,</p><p>die vorgibt nur in vorhandenen Formen vorkommen zu können</p><p> </p><p>Entwöhn dich von der Idee nur zwischen dem geringeren</p><p>zweier Übel wählen zu können.</p><p> </p><p>Entwöhn dich von einem männlichen Gott.</p><p>Entwöhn dich von einer Höllenlehre,</p><p>die diese voller als den Himmel denkt</p><p> </p><p>Entwöhn dich von Gott,</p><p>wenn dieser am Ende der Zeiten seine Feinde</p><p>nicht nur vernichtet, sondern ewig foltert</p><p>und so keine Feindesliebe befehlen</p><p>und keine Nächstenliebe nahelegen kann.</p><p><em>Und wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Dank habt ihr davon?</em></p><p> </p><p>Entwöhn dich von Endzeit-Erzählungen</p><p>Entwöhn dich von Löwen,</p><p>wo die Hoffnung ein Lamm beschreibt</p><p><strong> </strong></p><p>Entwöhn dich vom Vertuschen</p><p>Entwöhn dich von jeder Nachricht, die vor allem von Täter <em>gut</em> gepriesen wird</p><p>Entwöhn dich von Vergebung als Forderung</p><p> </p><p>Entwöhn dich von der uns eingeredeten Scham</p><p>als wir Geister waren und Körper bekamen</p><p> </p><p>Entwöhn dich von <em>obszön</em>,</p><p>wo es meistens einfach <em>anders</em> bedeutet und eine Mehrheits-Moral meint,</p><p>an die sich hinter verschlossenen Türen deren Wächter am wenigsten halten</p><p> </p><p>Entwöhn dich von <em>schön</em>,</p><p>wenn es eine harmlose Hintergrundästhetik zur Zerstreuung der Zehntausend meint,</p><p>die mit ihren geraden Linien gerne dekorieren darf, solange sie nicht hinterfragt.</p><p> </p><p>Entwöhn dich von Vergeltung</p><p>Entwöhn dich Präventivschlag</p><p>Entwöhn dich von Angriff</p><p>Entwöhn dich erobern</p><p> </p><p>Entwöhn dich von Dingen, die du besitzt,</p><p>bis du glaubst, dass es dein Ding ist, Dinge zu besitzen</p><p> </p><p>Entwöhn dich von Privileg (Plural)</p><p> </p><p>Entwöhn dich von Gewissheit</p><p>Entwöhn dich von Ausrufezeichen</p><p>Entwöhn dich von Heldenreisen</p><p>Entwöhn dich endlich vom Ego</p><p> </p><p>Entwöhn dich von Ablenkung</p><p>und Abkehr</p><p>und Abschottung</p><p>und allem Absoluten</p><p>(außer Liebe)</p><p> </p><p>Entwöhn dich von Ehre</p><p>Entwöhn dich vom Entkoppeltsein</p><p>Entwöhn dich von Eitelkeit</p><p>Entwöhn dich von Eigenheim und</p><p>Eigenschaften einer entgrenzten Ethik des E<em>igens und Außen</em></p><p>Entwöhn dich von dualistisch</p><p>Entwöhn dich von binär</p><p>Entwöhn dich von Vermögen</p><p>Entwöhn dich von Unvermögen</p><p>Entwöhn dich von <em>nicht genug sein</em></p><p>Entwöhn dich von <em>zu viel sein</em></p><p>Entwöhn dich von Einzelkämpfer</p><p>Entwöhn dich von normal</p><p>Entwöhn dich von dämonisieren</p><p>Entwöhn dich von Verschwendung</p><p>Entwöhn dich von verantwortungslosem Verhalten</p><p> </p><p>Entwöhn dich von einer erodierten und egoistischen Erinnerungskultur</p><p> </p><p>Entwöhn dich von Ordnung</p><p>Entwöhn dich von Konformität</p><p>Entwöhn dich von Hochmut</p><p><em>Die gerade Linie ist gottlos und unmenschlich</em></p><p> </p><p>Entwöhn dich von exklusiv</p><p>Entwöhn dich von wegsehen,</p><p>Entwöhn dich von zuschauen,</p><p> </p><p>Entwöhn dich von patriarchalen Phantasie-Figuren.</p><p>Entwöhn dich vom <em>bare minimum</em></p><p>und dafür nach Applaus Ausschau zu halten</p><p>Entwöhn dich von martialischen Maßstäben für Männlichkeit</p><p>Entwöhn dich von Mehrheit als Maßstab</p><p> </p><p>Entwöhn dich von <em>stark sein müssen</em></p><p>und <em>nicht weinen dürfen</em></p><p> </p><p>Entwöhn dich von Stärke</p><p>Setz dir stattdessen Sanftmut zum Standard</p><p>und bring dir vielleicht ein bisschen</p><p>Barmherzigkeit bei</p><p> </p><p>Entwöhn dich vom Gewöhnen</p><p>Entwöhn dich vom Gewöhnen ans Gewöhnen</p><p>Entwöhn dich vom Gewöhnen daran,</p><p>dass all einfach bleibt</p><p>wie es ist.</p><p> </p><p>Entwöhn dich aber halte Hoffnung höher</p><p>als Empörung empor kochen kann.</p><p> </p><p>PS. Entwöhn dich vor allem von Stimmen,</p><p>die dir von außen befehlen dich entwöhnen zu müssen. </p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">ZUM TEXT-ABO</a></p><hr/><p>Hossa Talk Folgen</p><p>Und hier findest du die beiden Podcast-Folgen zum Vater Unser. </p><p>Teil 1: </p><a href="https://hossa-talk.de/265-schoepferin-kraft-mutter-und-vater-eine-neuformulierung-des-vater-unser-teil-1/">https://hossa-talk.de/265-schoepferin-kraft-mutter-und-vater-eine-neuformulierung-des-vater-unser-teil-1/</a><p>Teil 2: </p><a href="https://hossa-talk.de/266-und-fuehre-uns-nicht-in-versuchung-eine-neuformulierung-des-vater-unser-teil-2/">https://hossa-talk.de/266-und-fuehre-uns-nicht-in-versuchung-eine-neuformulierung-des-vater-unser-teil-2/</a><p>Liebe Grüße und bleib barmherzig</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/51fe8cdc-73b5-4eed-97df-b1dc8412efaa/uploads/images/vc4pkymhlo/Untitled_design.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">ERMÖGLICHER*IN WERDEN</a></p><p>PS. Vielen Dank, wenn du bis hierhin gelesen hast. Alle Texte dieser Reihe sind kostenlos les- und abonnierbar. Du kannst mich und meine Arbeit und diese Textreihe aber unterstützen und möglich machen, indem du auf diesen Button klickst und mich mit einem Abo unterstützt. Das bedeutet mir viel und hilft sehr. DANKE &lt;3</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Fri, 26 Sep 2025 09:50:34 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM VERZIEREN]]></title>
      <description><![CDATA[Vor über 13 Jahren habe ich mir ein großes Tattoo auf meinen linken Unterarm stechen lassen. Buchstaben. Worte aus einem Text, den manche für heilig halten...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 37: VOM VERZIEREN</strong></p><blockquote><p><em>„Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.“</em></p><p>(Die Bibel, Brief an die Philipper 1,21)</p></blockquote><p>Vor über 13 Jahren habe ich mir ein großes Tattoo auf meinen linken Unterarm stechen lassen. Kein Bild, sondern Buchstaben. Worte aus der Übersetzung eines Texts, den manche Menschen für heilig halten. Ein Bibelvers aus dem sogenannten Neuen Testament. Ich weiß gar nicht mehr ganz genau, warum ich mich für die englische Version entschieden habe. Vielleicht weil die weniger Silben brauchte. Oder weil damals diesen Track eines amerikanischen Rap-Künstlers gab, den ich gerne mochte und der diese Zeile als Chorus beinhaltete. Seitdem steht in verschnörkelten Buchstaben <em>TO LIVE IS CHRIST AND TO DIE IS GAIN</em> inklusive Kapitel- und Versangabe auf meinem Arm.</p><p>Meistens denke ich gar nicht darüber nach, was schon irgendwie merkwürdig ist, wenn man bedenkt, dass ich dieses Körperteil ja ständig vor Augen habe. Besonders in den Sommermonaten, wenn ich selten Jacken oder Hemden oder andere Arm verdeckende Schichten trage. Manchmal werde ich von Menschen mit denen ich beim Kaffee oder beim Essen oder beim Wein draußen vor einem Lokal sitze auf die Bedeutung meines Tattoos angesprochen. Meistens drehe ich ihnen dann zunächst wortlos meinen Arm zu, um sie das Zitat vollständig sehen zu lassen, als ob die Frage damit beantwortet wäre. Das ist sie natürlich selten an der Stelle, sondern wirft nur noch neue Fragen auf. Und es ist ja überhaupt auch interessant sich mit Menschen über die Bedeutung ihrer Tattoos zu unterhalten. Immerhin hat sich dieser Mensch ja dazu entscheiden, dass dieses Bild oder dieses Wort so wichtig oder schön sind, dass man es permanent auf seinem Körper mit sich herumtragen möchte. Also ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es dazu auch eine Geschichte gibt. Das ist vermutlich die eigentliche Frage. Die Frage nach dem Dahinter. Nach dem Warum vielleicht. Meine geht so:</p><p>Ich bin in einer christlichen Gemeinschaft aufgewachsen, die die Bibel so ernst nehmen wollte, dass sie aus Angst etwas falsch zu machen eine ganze Liste von Verboten und Verhaltensregeln aufstellten und an deren Befolgung das wahre Christsein festzumachen versuchte. An äußeren Merkmalen und Verhaltensweise sollte klar ersichtlich sein, dass diese Menschen anders wären. In Abgrenzung zu allen anderen, zur Gesellschaft, zum Zeitgeist oder zur „Welt“ wie man in diesen Kreisen sagte. Was das für Körperlichkeit und Sexualität bedeutete und wie es war damit aufzuwachsen habe ich in meinem letzten Gedichtband in den Stücken <a href="https://open.spotify.com/album/00CBgBecfU8li00nIV3Yyt?si=ALprWgUCSwej9GxD5Q7XjQ"><em>Als wir Geister waren</em></a><em> </em>und<em> </em><a href="https://www.dropbox.com/scl/fi/o0tkcvoix3sysgs8q1002/04-Erinnerung-an-Sonntagmorgens.mp3?rlkey=tntlrhdisjte8k4msh559vrfl&amp;st=0a1lg39v&amp;dl=0"><em>Erinnerung an Sonntagmorgens</em></a><em> </em>beschrieben. Beide Stücke habe ich zum Anhören verlinkt, wenn du auf den jeweiligen Titel klickst.</p><p>Dazu gehörten aber auch äußerliche Dinge wie Haarlänge, Klamotten, Piercings und Schmuck und eben Tätowierungen. Wie so oft in solchen religiös-patriarchalen System und Gruppierungen waren diese Regeln für die Mädchen und Frauen noch rigoroser und einengender als für die Jungs und Männer.</p><p>Meine Entscheidung mir dennoch und gerade deswegen ein Tattoo an einer für alle gut sichtbaren Stelle stechen zu lassen war also zu einem guten Teil ein Akt des Widerstands meinerseits gegen diese engen und bevormundenden Religions-Regeln, die ich weder verstand, noch akzeptieren und mit meinem Bild eines menschenfreundlichen, gütigen und liebevollen Vater-Gottes in Einklang bringen konnte. Ich stellte mir vor, dass es doch eine herrlich-heiter-heilige Verwirrung in der Bewertung hervorrufen müsste, wenn das Tattoo eben ein großer Bibelvers wäre. Gegen die Worte der Heiligen Schrift kann in diesen Kreisen ja schließlich niemand etwas haben, oder?</p><p>Ich halte nicht viel von Provokation um der Provokation willen, aber glaube trotzdem, dass so manche heiligen Kühe ab und an mal gepikst oder angeschubst werden müssen, damit sie nicht vor Trägheit stehen bleiben bis sie zur Statue geworden sind, die man mit Gold überziehen kann, um darum herum zu tanzen.</p><p>Long Story short, imponiert hat mein halbwegs kalkulierter theologischer Tabubruch natürlich niemandem, aber immerhin für mich selbst war es ein Schritt Richtung Freiheit und einer Spiritualität, die selbst denkt und fragt und glaubt und zweifelt. </p><p>Auf der anderen Seite gibt es ja über 31.000 Verse in der Bibel. Warum also ausgerechnet dieser?</p><p>Die Zeile stammt aus einem Brief, den der Apostel Paulus (eben jener, der sprichwörtlich vom Saulus zum Paulus verändert worden war) angeblich an die christliche Gemeinde in der Stadt Philippi schrieb während er selbst inhaftiert war.</p><p><em>damals dachte ich,</em></p><p>dass dieser Satz eines inhaftierten Missionars ein besonders radikaler Ausdruck seiner Hingabe an Gott und der konsequenten Umsetzung von Gottes Auftrag sei. Nach dem Motto für Jesus (Christus) zu leben bedeutet vor allem möglichst vielen Menschen von dieser Person und seiner Botschaft zu erzählen, koste es, was es wolle und wenn dabei das eigene physische oder psychische Wohlbefinden auf der Strecke bleibt oder man dafür gehasst, ausgelacht, abgelehnt oder benachteiligt wird, ist das alles nur eine Bestätigung dafür auf dem richtigen Weg zu sein. Radikal und Kompromisslos. Evangelisation als höchster und eigentlich einzig legitimer Daseinsgrund für christliche Menschen. Oder wie derselbe Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Rom formulierte: <em>Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht </em>(Die Bibel, Brief an die Römer 1,16).</p><p>In Wirklichkeit schämte ich mich aber immens. Nicht für die Botschaft oder den Inhalt an sich, obwohl auch in meiner damaligen Vorstellung davon manches mindestens unvollständig, einseitig oder hinterfragwürdig war. Sondern vielmehr für die Art und Weise der Verkündigung, der einzelne Menschen mit ihren Prägungen, Geschichten, Fragen, Zweifeln und Verletzungen egal zu sein schien und diese nur als Resonanzkörper der eigenen Verkündigung betrachtete.</p><p>Ich glaube, diese konsequente Art der Hingabe an etwas, das größer ist als ich selbst, das über mich hinaus geht und so etwas wie Sinn oder Erfüllung verspricht hat mich daran vielleicht angezogen. Aber die Art und Weise wie rücksichtlos und unempathisch und geradezu menschen- körper- und lebensfeindlich diese Hingabe innerhalb dieser Gemeinschaften ausgelebt wurde, stieß mich immer mehr ab. Aber selbst als ich dem allen Rücken kehrte; das Tattoo ging natürlich trotzdem und gut sichtbar mit.</p><p><em>zwischendurch</em></p><p>hatte ich dann eine ganze Zeitlang überhaupt keine Lust mehr darauf angesprochen zu werden. Besonders in Kontexten außerhalb der kirchlichen Bubble, in Poetry Slam-Backstages, auf Partys oder Hochzeiten wusste ich einfach nicht mehr, was und wie ich darauf antworten soll. Im Zweifel erzählte ich dann, wenn es gar nicht anders ging diese Geschichte von meinem Aufwachsen in dieser christlichen Gemeinschaft und dass ich dieses Bibelvers-Tattoo damals für einen ästhetisch-körperlichen Akt des notwendigen theologischen Ungehorsams gehalten habe. Trotzdem war ich meistens unzufrieden, dass das nur das Tattoo als solches, nicht aber den Vers und seinen Inhalt für mich retteten und plausibel machten. Also habe ich mich immer wieder hingesetzt und habe versucht mit diesen Worten auf meinem Arm zu ringen und zu schauen, ob sich nicht auch andere Deutungs- und Lesarten finden lassen. Dafür bin ich meinem jüngeren ich sehr dankbar, weil es mich durch sein ungestümes Vorbreschen damals dazu zwingt mich mit auf eine Art und Weise und einer gewissen Dringlichkeit auseinanderzusetzen, die ich sonst nicht verspürt hätte.  </p><p><em> heute habe ich</em></p><p>zum ersten Mal versucht meine jetzigen Gedanken dazu strukturiert aufzuschreiben. Wenn dort steht <em>TO LIVE IS CHRIST AND TO DIE IS GAIN, </em>dann denke ich heute:</p><p>In Christus wird das Wesen Gottes sichtbar. Und Gott ist Liebe. Christus bedeutet Liebe. Liebe zu Gott, die sich aber nur in der Liebe zu meinem Nächsten, zu mir selbst und sogar in der Feindesliebe ausdrücken kann. Christus ist die Verkörperung der großen Ideale aus der Bergpredigt. Sanftmut. Frieden-stiften. Barmherzigkeit. Gnade. Vergebung. Glaube. Hoffnung. Teilen. Teilhabe. Heilung. Transformation. Neuanfang. Umkehr. Gerechtigkeit. Die letzten werden die Ersten. Das Kleine ist wichtig. Die Verachteten würdevoll. Die Armen reich. Die Ausgegrenzten willkommen geheißen. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in das Reich Gottes. In Christus ist alles inkludiert außer die Ausgrenzung. <em>Da ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus. </em>Diesen Idealen nachzuspüren und näher zu kommen im Empfangen und Weitergeben derselben scheint das zu sein, was manche Schreiber biblischer Texte für das Leben in Fülle oder gar das ewige Leben meinen. Letzteres meint vermutlich auch eher die Qualität und weniger die Länge dieses Lebens. <em>Die größte unter ihnen ist die Liebe.</em></p><p> Das vorausgesetzt, wäre jedes Stückchen Sterben meines eigenen Egos ein kleiner Gewinn. Jedes Bisschen, das nicht lieben und sich nicht lieben lassen will oder kann. Jedes Bisschen, das auf Kosten anderer Mitgeschöpfe seinen Vorteil oder sein Wohlbefinden oder seinen Wohlstand vermehren möchte. Jedes bisschen Rücksichtlosigkeit und Ignoranz und Gleichgültigkeit. Jedes Bisschen Scham, das sich noch nicht traut sich umarmen zu lassen.</p><p>Ich habe das schon mal an anderer Stelle formuliert und stehe nach wie vor zu der Aussage, dass ich ein solches Leben selbst dann für erfüllt und sinnvoll und lebenswert halte, wenn sich am Ende herausstellt, dass dieses ganze Gott-Ding haltloser Quatsch gewesen ist. Dann wäre ein Leben, dass versucht hat sich und andere so gut es kann zu lieben ein sehr sinnvolles finde ich.</p><p>Auch diese Deutung ist vermutlich nur eine Momentaufnahme und wir sich wieder verändern oder erweitern. Aber im Moment habe ich nichts mehr dagegen, wenn jemand danach fragt. Gerade finde ich die Geschichte ganz schön.</p><p>Und wenn mein Körper tatsächlich ein Tempel ist, dann geht es dich vielleicht auch gar nichts an, wie ich diesen Tempel von innen einrichte und von außen verziere.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">ZUM TEXT-ABO</a></p><hr/><p>ALLES WIRD GUT</p><p>Als kleine Zugabe möchte ich noch mein neues Gedicht “ALLES WIRD GUT” wird mit dir teilen, das ich für das diesjährige Reflab-Podcastfestival in Zürich geschrieben habe, das diesen Titel zum Motto hatte.</p><p>VIDEO:</p><a href="https://www.youtube.com/shorts/lxR69Lwj16M">https://www.youtube.com/shorts/lxR69Lwj16M</a><p>AUDIO:</p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/610ef13f-c7cd-440b-a01f-4781a5d778d1">Auf Steady anhören</a></p><p>TEXT:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/610ef13f-c7cd-440b-a01f-4781a5d778d1/uploads/images/zv7dyvjto5/IMG_7215.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Bild zeigt den Text als Bilddatei, den du dir darüber auch als Audio-Version vorlesen lassen kannst."/><p>Liebe Grüße aus Wien und bleib barmherzig</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/51fe8cdc-73b5-4eed-97df-b1dc8412efaa/uploads/images/vc4pkymhlo/Untitled_design.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">ERMÖGLICHER*IN WERDEN</a></p><p>PS. Vielen Dank, wenn du bis hierhin gelesen hast. Alle Texte dieser Reihe sind kostenlos les- und abonnierbar. Du kannst mich und meine Arbeit und diese Textreihe aber unterstützen und möglich machen, indem du auf diesen Button klickst und mich mit einem Abo unterstützt. Das bedeutet mir viel und hilft sehr. DANKE &lt;3</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Tue, 09 Sep 2025 16:30:28 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM GUTEN LICHT]]></title>
      <description><![CDATA[Es ist ja liegt immer eine gewisse Spannung in solchen nachrufenden Würdigungen, wo es eigentlich um das Leben und Werk einer   besonderen Person gehen soll...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 36: VOM GUTEN LICHT</strong></p><blockquote><p><em>„Come see me in the good light</em></p><p><em>Come tell me what you tell the truth</em></p><p><em>Come trouble me</em></p><p><em>Come lightning strike</em></p><p><em>Come read out loud what I can&#39;t yet pronounce of my own life“</em></p><p>- Andrea Gibson</p></blockquote><p>Es ist Dienstag, ganz früh morgens, kurz nach 6, selbst für Menschen, die früh aufstehen noch früh, zu denen ich ausdrücklich normalerweise nicht gehöre. Und trotz des Angangs durch die Uhrzeit habe ich mich auf diesen kleinen Spaziergang auch ein bisschen gefreut. Am Abend zuvor habe ich mit meinem guten Freund Manuel Steinhoff, der auch Musiker, Komponist, Grafiker und Produzent für unser gemeinsames #poetrymeetsbeats Projekt ist, unseren ersten Auftritt seit Januar in dieser Besetzung gespielt. Was eigentlich als Open Air Veranstaltung angesetzt war, wurde dann zwar wegen des starken Regens am Nachmittag nach drinnen, aber dafür in eine wunderschöne, kleine Kapelle verlegt. Laut Google-Maps brauche ich zu Fuß für den Weg von meiner Unterkunft bis zum Bahnhof etwas mehr als 20 Minuten. Ungefähr auf der Hälfte der Strecke führt der Weg über eine Brücke über den Main. Die aufgehende Sonne und der Nebel über dem Wasser und die fast menschenleeren Straßen sorgen für eine morgendlich-melancholische Sznerie, die ich in einem Foto festhalte.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e4c86dc2-0a85-4fd6-a51c-bcc36780fae4/uploads/images/i7g2viyglx/Texte_vom_Vorhandensein3.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Auf den beiden Fotos sieht man den Main früh morgens einmal auf der rechten und einmal auf der linken Seite der Brücke. Man sieht ein Boot und Nebel auf dem Wasser und einige Villenartige Gebäude an der Uferböschung."/><p>Ich mag diese bewussten kleinen Momente, die ich unterwegs zwischendurch immer mal wieder erlebe sehr udn halte sie fest, um später, wenn ich durch meine Fotos störpere wieder an diese kleinen Glücksmomente erinnert zu werden, die sich sonst so schnel wieder davonstehlen und überspeichert werden vom Alltag, Stress und Deadlines. Es sind Momente, in denen ich mir für einen ganz kurzen Augenblick bewusst mache, wie dankbar ich bin, das tun zu können, was ich tue. Dass ich gerade an diesem schönen Ort bin, weil ich Texte geschrieben habe, die Menschen gehört oder gelesen und mich deswegen eingeladen haben. Dass das überhaupt nicht selbstverständlich ist, ist spätestens während der Coroan-Pandemie sehr deutlich geworden.</p><p>Mein Zeitplan für den Weg geht ziemlich genau auf und ich habe am Bahnsteig noch eine Zigarettenlänge Zeit bevor die Bahn kommt, mit der ich zurück nach Wien fahre. Während ich rauche, scrolle ich durch Instagram, lese ein paar Nachrichten vom Vorabend und scrolle danach durch meinen Feed. Bereits nach einigen Sekunden wird mir ein Post eines amerikanischen Lyrikers angezeigt: <strong>R.I.P Andrea Gibson, 1975 - 2025.</strong></p><p>Die Nachricht trifft mich unerwartet und heftig. Ich hatte zwar mitbekommen, dass Andrea Gibson schon vor längerer Zeit eine Krebs-Diagnose und das Leben und den Umgang damit öffentlich gemacht hatte, dass es Bilder mit kahl rasiertem Schädel nach der Chemo-Therapie gab und auch, dass währeddessen eine Dokumentation gedreht wurde. All das habe ich aber eher flüchtig und oberflächlich in immer mal wieder vorbeiziehenden Social Media-Posts wahrgenommen, kurz betroffen zur Kenntnis genommen und nicht weiter darüber nachgedacht. Überhaupt stelle ich in diesem Moment Fest, dass ich mich mit Andreas Kunst und Teten in den letzten Jahren gar nicht mehr so intensiv beschäftigt habe.</p><p>Das war mal ganz anders. Ich habe Andrea Gibsons Wortkunst irgendwann in den fühen 2010er Jahren zum ersten Mal gehört und gesehen. Gehört und gesehen und nicht gelesen deshalb, weil Andreas Live-Performances mit zu den ersten Spoken Word Sachen gehörten, die mich richtig begeistert und in den Bann gezogen haben. Also gsprochene Gedichte, die nicht nur für die gedruckte Seite, sondern für den Vortrag auf der Bühne vor Publkum geschrieben werden. Ich hatte zu der Zeit gerade selbst erste Schritte in diesem für mich noch sehr neuen Format Poetry Slam gewagt und sog besonders die Auftritte englischsprachiger Künstler*innen, die ich auf Youtube fand begeistert auf.</p><p>Schnell stellte ich fest, dass Andrea Gibson neben diesen Live-Performances auch Gedichtbände und Alben mit gesprochenen Texten veröffentlicht hatte. Besonders letzteres war für mich extrem wichtig und inspirierend, weil diese Alben mir zeigten, was mit dieser Kunstform Spoken Word alles möglich ist, welche Bandbreite an Themen und Emotionen sich damit ausdrücken lassen UND vor allem, wie großartig es sein kann, wenn man diese Texte nicht bloß spricht, sondern sie von Musikern begleiten und untermalen lässt. Das wollte ich unbedingt auch machen. Ich kann daher den Einfluss Andrea Gibsons auf mein eigenes Schreiben, vor allem aber auf meine Performance und Heransgehensweise an Texte gar nicht hoch genug einschätzen. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich ohne diese damals immens wichtigen Impulse überhaupt beim Spoken Word geblieben wäre und schon gar nicht, ob ich das so ausdauernd weiterbetrieben hätte, dass ich das sogar schließlich zu meinem Beruf machen konnte. Es ist ja liegt immer eine gewisse Spannung in solchen nachrufenden Würdigungen, wo es eigentlich um das Leben und Werk einer   besonderen Person gehen soll und wenn man dann doch die meiste Zeit irgendwie über sich redet. In diesem Fall tue ich das aber bewusst und mit großer Geste, weil ich mein Leben und mein Schreiben dem Leben und Schreiben von Andrea Gibson viel verdanken und vielleicht eine ganz andere Richtung genommen hätten.</p><hr/><p>Ashes</p><p>An ein Erlebnis mit Andreas Gedicht „Ashes“ erinnere ich mich dabei besonders. Ich habe einige Jahre für christliches Jugendwerk gearbeitet, das wiederum Teil eines größeren christlichen Missionswerks war. Während ich dort angestellt war bin ich umgezogen und hatte nun einen ziemlichen langen Weg von Zuhause bis an meinen Arbeitsplatz. Das war meistens, besonders morgens sehr nervig, aber bot anderereseits die Gelegenheit Alben am Stück und Podcastfolgen bis zu Ende zu hören. Auf einem dieser morgendlichen Arbeits-Anfahrtswege hörte ich also Andrea Gibsons Album „Yellowbird“. Das bereits erwähnte Stück „Ashes“ ist der sechste Track auf der Platte und haute mich komplett um. Ich erinnere mich noch gut, dass ich bei der nächsten Gelegenheit sofort rechts ran fahren und zu Ende weinen und wieder klar kommen musste. Irgendwo an der A45.</p><p>Das Stück erzählt nämlich die Erfahrung einer queeren Person, die von einem wütenden Mob auf einer Art Scheiterhaufen verbrannt wird. Aber damit noch nicht genug, danach kommen die Kinder, um Schneeengel in der Asche zu machen und selbst bei der Beerdigung werden noch obszöne und homophobe Beleidugungen dem Grabstein der verbrannten Person entgegengeschleudert. Diese Menschen meinen das Richtige zu tun und es schwingt politische und vor allem religiöse Überzeugung mit. Das Stück endet damit, dass das lyrische ich, die queere Person, im Himmel von Gott empfangen wird, der ihr mit vor Tränen der Scham verschmiertem Gesicht die Aschereste der Gewalt vom Gesicht wischt, die seine Kinder in seinem Namen hinterlassen haben. Die restlichen Zeilen des Gedichts sind ein fast verzweifelt trotziges Plädoyer des lyrischen Ichs, dass doch nur lieben wollte und dass Liebe erlebt hat, eine heilige und schöne und gartengleiche Liebe. Wieso sollte sich jemand davon bedroht fühlen oder deswegen jemandem Gewalt antun. Einfach nur, weil er oder sie anders liebt als ich?</p><p>Zunächst habe ich die im Gedicht beschriebene Szene für eine Metapher gehalten, die all die Gewalt- und Ausgrenzungserfahrungen der queeren Community illustrieren und sichtbar machen sollte. Später erfuhr ich aber, dass diese Geschichte wirklich so ähnlich stattgefunden hat. „Ashes“ erzählt die Geschichte eines jungen Soldaten, der von seinen Kameraden mit Benzin übergossen und verbrannt wurde, nachdem seine Homosexualität bekannt geworden war.</p><p>Das weiß ich zu dem Moment im Auto auf dem kleinen Rastplatz noch nicht. Was ich weiß ist, dass es schon seit längerer Zeit Diskussionen und Debatten innerhalb der Evangelikalen Welt Blase gibt, zu der ich damals gehöre, wie und ob man sich denn hinsichtlich der sogenannten queeren Frage positioeren soll. Bibelstellen werden hiin und hergeworfen, Sünde und Hölle werden heraufbeschworen und Deutungshoheit wird sich versichert. Auch bei uns im Werk, zu dem ich gerade hinfahre, gab es diese Diskussionen. Teilweise werden sie auf eine Art geführt, als diskutierten wir da über theoretische, theologische Konstrukte und nicht über Menschen. Ich erinenre mich an ein großes christliches Jugendfestival auf dem wir damals mit einem Messestand vertrten waren. Während des Festivals kamen mehrere Standbetreiber zusammen um eine Petition oder eine Art offenen Brief an die Festivalleitung zu formulieren, der zusammengefasst ungefähr aussagte, dass alle diese Werke ihre Unterstützung und ihre Gelder in Zukunft aus dieser Veranstaltung ziehen würden, wenn es nochmal vorkäme, dass auch queere christliche Gruppen mit ihren Anliegen und Ständen präsent sein dürften. All das hat mich von Anfang an abgestoßen und befremdet. Nicht nur inhaltlich, sondern vor allem die Art und Weise, wie über meine queeren Geschwister geredet und diskutiert wurde. Wie über sie geredet udn geurteilt wurde, ohne jemals eine einzige ihrer Geschichten angehört zu haben. Ich erzähle das alles so ausführlich, weil das der Hintergrund war, auf den ich gerade zufuhr. Und eigentlich wusste ich schon seit einer Weile ganz sicher, dass ich dort nicht mehr sein sollte und wollte. Dass ich kein Teil einer religiösen Gruppe mehr sein möchte, die anderen ihren Glauben, ihre Liebe und ihre Identität abspricht und in die Hölle verdammt, die augrenzt, verletzt und beschämt. Aber irgendwie gelang mir der Absprung nicht so richtig. Das war der erste richtig sichere und gut bezahlte Job, den ich bisher jemals hatte. Was sollte ich stattdessen machen? Und vielleicht könnte ich mit meiner Stimme ja immerhin dafür sorgen, dass die Stimmung sich zumindest in dem Werk, für das ich arbeitete doch noch positiv verändert.</p><p>Aber als ich an diesem Morgen auf dem Weg ins Büro in meinem Auto dieses Gedicht von Andrea Gibson hörte, wusste ich, dass ich diesen Cut jetzt machen muss. Auch hier wieder war ein Gedicht von Andrea Gibson ein entscheidender Impuls. Denn mit der Kündigung meiner Stelle in dem christlichen Jugendwerk begann meine selbstständige Tätigkeit als Künstler, die bis heute andauert.</p><p>Hier kannst Du dieses Gedicht, das so prägend für mich war in der Version hören, wie ich damals im Auto gehört habe:</p><a href="https://open.spotify.com/intl-de/track/53F3lVTWosbJxfYiShXrFF?si=45ae81fe21124ea3">https://open.spotify.com/intl-de/track/53F3lVTWosbJxfYiShXrFF?si=45ae81fe21124ea3</a><p>Hier kannst Du das ganze Gedicht lesen (oder vielleicht mitlesen, während du es dir anhörst):</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e4c86dc2-0a85-4fd6-a51c-bcc36780fae4/uploads/images/jb7kv5maf6/I_know_what_holy_is_I_know_that_the_soul_is_shaped_like_a_bowl__I_know_the_lies_we_try_to_fill_it_with_and_we_spill_too_often_the_orchards_inside._But_my_lover&#39;s_shoes_were_tied_with_guitar_string.zip_-_1.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>THEOPOETIK</p><p>Zusätzlich zu dem bisher beschriebenen Wichtigen, das Andrea Gibsons Gedichte und Performances für mich persönlich hatte, möchte ich noch einen Aspekt hervorheben, der oft ein bisschen untergeht, den ich aber für sehr inspirirend und bemerkenswert halte. Gott, Jesus und das Heilige kommen in Andrea Gibsons lyrischem Werk auffallend oft vor. Ich habe exemplarisch einige Blitzlichter zusammengestellt, die zeigen, was für ein schönes und weites und bisweilen augenzwinkerndes Gottesbild einem aus Andreas Texten entgegen scheint.</p><ul><li><p><strong>Gott schämt und entschuldigt sich bei einer queeren Person für die Gewalttaten seiner Kinder:</strong></p></li></ul><p><em>„…and their empty mouths<br/>full of prayers<br/>to that God that greeted me at his gates<br/>with his throat full of trumpets<br/>and his tears full of shame<br/>as his trembling palms<br/>collected the cinder of his children’s crime</em></p><p><em>I know what holy is…“</em></p><p>(aus Ashes)</p><p></p><ul><li><p><strong>Gott selbst ist nonbinär:</strong></p></li></ul><p><em>„Oh my god, is it true,</em></p><p><em>you’re letting all the nonbinary people in first?</em></p><p><em>Yes!</em></p><p><em>Oh my god,</em></p><p><em>that’s why you call it the holy trinity</em></p><p><em>and not the holy binary, isn’t it?“</em></p><p>(aus Maga Hat in the Chemo Room)</p><p></p><ul><li><p><strong>Gott heißt die nonbinären Personen im Himmel willkommen mit einem Humus Buffet und lässt die himmlischen Perlentore in Regenbogen-Farben anleuchten zur Begrüßung:</strong></p></li></ul><p><em>„He doesn’t think, he’s goingt to hell,</em></p><p><em>he think’s I am,</em></p><p><em>He doesn’t know I’m going to show up to heaven</em></p><p><em>just to see Jesus standing outside the pearly gates</em></p><p><em>with a sign that says ‚Gays not welcome‘</em></p><p><em>and God in the clounds above him laughing</em></p><p><em>like an ethereal sixth grader saying:</em></p><p><em>We were just kidding, we’re just kidding.</em></p><p><em>Look, we made the pearly gates rainbow for you</em></p><p><em>Look, we made chips and hummus.</em></p><p><em>Oh my god,</em></p><p><em>how do you know the queers love chips and hummus?</em></p><p><em>Because I’m god.“</em></p><p>(aus Maga Hat in the Chemo Room)</p><p></p><ul><li><p><strong>Gottes-Erkenntnis ist eng verknüpft mit dem Erkennen des menschlichen Gegenübers:</strong></p></li></ul><p><em>“Come make it count</em></p><p><em>Our finding each other like we found God”</em></p><p>(aus Good Light)</p><p></p><ul><li><p><strong>Warum wir uns Götter machen, die wie wir aussehen:</strong></p></li></ul><p><em>“And I think we make gods that look like us for a reason</em></p><p><em>I think, in spite of it all, we trust we can believed in”</em></p><p>(aus The Year of no Grudges)</p><p></p><ul><li><p><strong>Es gibt aber auch Kritik an der Idee eines Gottes, der alles sieht und überwacht:</strong></p></li></ul><p><em>„When they told me God was always watching</em></p><p><em>I said, &quot;Who wants to worship a diary thief?&quot;</em></p><p><em>I didn&#39;t dare say, &quot;Who wants to worship anyone</em></p><p><em>Who would see everything and just sit there doing nothing</em></p><p><em>While the Devil flossed his teeth with the bow of my prettiest violin?&quot;</em></p><p><em>Oddly, they told me the same thing about Santa always watching</em></p><p><em>And I didn&#39;t mind, because that fucker was bringing presents</em></p><p><em>God was only bringing life</em></p><p><em>Which I was told was a sin to return, even if it didn&#39;t fit.“</em></p><p>(aus Good Light)</p><p></p><ul><li><p><strong>Und auch humorvolle und sehr lustige Beabeitungen, wie die monatlich neue Erleichterung nicht als die nächste Jungfrau Maria ausgewählt worden zu sein:</strong></p></li></ul><p><em>„Every month, when I get my period <br/>I breathe a sigh of relief and thank God I’m not pregnant<br/>‘cause you never know when Jesus is comin’ back <br/>And you never know who God’s gonna choose to be the next Virgin Mary.<br/>And can you imagine anything more scary<br/>than staring down between your legs<br/>And seein’ the little glowin’ head of baby Jesus?<br/>Holy shit, no, thank you.“</em></p><p>(aus Every Month)</p><p>Es gibt die <em>Angels of the Get-Trough</em> und die Person die <em>Pole Dancing</em> zu Gospel Hymnen nicht verwerflich findet. Es gibt das Gedicht <em>How it ends, </em>das erste Gedicht, das ich jemals gehört habe, in dem das Wort „Boobs“ in einem lyrischen Text nicht vulgär oder sexistisch, sondern sinnlich und zärtlich gebraucht wird. Es gibt das das Gedicht <em>Orlando</em> über das Massaker in einem Nachtclub in der gleichnamigen Stadt, das mich mich immer noch regelmäßig zum Weinen bringt und es gibt das Gedicht über eine zerbrochene Beziehung aus der Sicht des gemeinsam gekauften Tandem-Bikes, der zu den lustigsten, zärtlichsten und berühndsten Texten zählt, die ich kenne.</p><p>Aus Andrea Gibsons Gedichten kommen mir Menschlichkeit und Empathie, Barmherzigkeit und Liebe zum Leben mit all seinen Details und Brüchen und Abgründen entgegen, wie sie gepredigt selten höre.</p><p>Ich möchte diesen kurzen Text mit gesprochenen Worte von Andrea Gibson abschließen. Ich weiß nicht genau, ob es das letzte aufgenommne Video ist, aber sicher eins der letzten. Und wieder sind die Worte so unglaublich dicht und berührend und menschlich und ehrlich und alles, wofür ich Andrea Gibson so mochte und dankbar bin.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=wXSu_qm8mk8">https://www.youtube.com/watch?v=wXSu_qm8mk8</a><p>Rest in Poetry and the Good Light, Andrea! I’m forever grateful for your words!</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">ZUM TEXT-ABO</a></p><figure><a href="https://www.marcomichalzik.com/audio"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/51fe8cdc-73b5-4eed-97df-b1dc8412efaa/uploads/images/2yiwjtedve/Steady_Banner_EPs.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Banner zeigt die beiden EP-Cover von Die gerade Linie ist gottlos Pt.1 und 2 und den Textzusatz, dass die beiden EPs ab sofort auf allen Plattformen erhältlich sind."/></a><figcaption>Klicke auf das Banner, um direkt reinzuhören</figcaption></figure><p>Liebe Grüße aus der Bahn und bleib barmherzig</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/51fe8cdc-73b5-4eed-97df-b1dc8412efaa/uploads/images/vc4pkymhlo/Untitled_design.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">ERMÖGLICHER*IN WERDEN</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Tue, 29 Jul 2025 16:13:21 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VON DER VIERZIG]]></title>
      <description><![CDATA[Dear Du, denkst du manchmal an Danach? Denkst du dich durchsichtig? Stellst du dir Stille vor und vor was stellst du dich? Schützend oder verschämt, abwehrend...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 35: VON DER VIERZIG</strong></p><p>Woran denkst du oder was ist dein erstes Gefühl, wenn du die Zahl 40 hörst oder liest? Es gibt ja zum Beispiel Menschen, die faszinierenderweise Zahlen mit Farben assoziieren. Ich dagegen habe mich mit Zahlen zeitlebens immer eher schwer getan. Aus aktuellem Anlass habe ich mich aber in der letzten Zeit etwas ausgiebiger mit eben dieser 40 beschäftigt.</p><p>Ich habe den nachfolgenden Text als Bild eingefügt, weil ich ihn genau so haben wollte, wie du ihn jetzt vor dir siehst, mit den Zeileneinteilungen und Umbrüchen. Der Text besteht aus vierzig Zeilen, die in zehn Vierer-Blöcken angeordnet sind. Vielleicht findest du ja etwas für dich in meinen Vierziger-Überlegungen. Und wenn es nur das „Vielleicht“ ist…</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1e1ba60c-1297-4271-ba9c-50ae6ebbc7f4/uploads/images/ejp33wxb3v/IMG_6955_2.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">ZUM TEXT-ABO</a></p><figure><a href="https://www.marcomichalzik.com/audio"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/51fe8cdc-73b5-4eed-97df-b1dc8412efaa/uploads/images/2yiwjtedve/Steady_Banner_EPs.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Banner zeigt die beiden EP-Cover von Die gerade Linie ist gottlos Pt.1 und 2 und den Textzusatz, dass die beiden EPs ab sofort auf allen Plattformen erhältlich sind."/></a><figcaption>Klicke auf das Banner, um direkt reinzuhören</figcaption></figure><p>Liebe Grüße aus der Bahn und bleib barmherzig</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/51fe8cdc-73b5-4eed-97df-b1dc8412efaa/uploads/images/vc4pkymhlo/Untitled_design.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">ERMÖGLICHER*IN WERDEN</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Fri, 04 Jul 2025 12:12:45 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM VERSUCHEN]]></title>
      <description><![CDATA[Lass uns versuchen anzunehmen, dass unser Versuchen gut genug ist und jedes Trotzdem-Weitermachen auch Scheitern leider nicht ausschließt.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 34: VOM VERSUCHEN</strong></p><p>Seit einigen Wochen denken wir in der projekt:gemeinde in Wien gemeinsam über das sogenannte <a href="https://www.elk-wue.de/fileadmin/Downloads/Glauben/Geistliches/Gebete/Das_Vaterunser.pdf"><em>Vater unser</em></a><em> </em>Gebet nach. Jeden Sonntag eine Zeile. Am vergangenen Sonntag war dann die Zeile dran, die ich persönlich immer am schwierigsten fand. Die Zeile mit der Versuchung und der Bitte um Bewahrung davor: <em>“Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.”</em></p><p>Dazu hat die großartige Evelyne Baumberger vom Reflab eine ganz tolle Podcastfolge aufgenommen, die sich genau diesen Fragen widmet und die ich genau wie ihre ganze Serie zum <em>Vater unser </em>sehr empfehle:</p><a href="https://www.reflab.ch/und-fuehre-uns-nicht-in-versuchung-unser-vater-teil-7/">https://www.reflab.ch/und-fuehre-uns-nicht-in-versuchung-unser-vater-teil-7/</a><p>Papst Franziskus hat angeregt dies Zeile mit der Versuchung eher mit <em>„Lass uns nicht allein in der Versuchung”</em> oder <em>“Lass uns nicht in Versuchung geraten”</em> zu übersetzen und begründet diese Überlegung mit seinem Gottesbild:</p><p><em>„Wie auch immer man den Text versteht, wir können ausschließen, dass es Gott wäre, der die Versuchungen auf dem Weg des Menschen auslöst. Als ob Gott seinen Kindern einen Hinterhalt legen würde! Eine derartige Interpretation widerspricht vor allem dem Text selbst und ist auch weit entfernt von dem Bild Gottes, das Jesus uns offenbart hat. Gott ist ein Vater, wie es am Anfang des Gebets ja auch gesagt wird und ein Vater stellt seinen Kindern doch keine Fallen.“</em></p><p>Ausgehend von diesen Gedanken und den unterschiedlichen Lesarten habe ich <em>versucht</em> das folgende Gebet, Gedicht oder irgendwas dazwischen zu formulieren (wenn du magst, kannst Du dir den Text auch von mir vorlesen lassen):</p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/23179876-9d72-44a8-b3e1-d2c21a26ecfe">Auf Steady anhören</a></p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">ERMÖGLICHER*IN WERDEN</a></p><p></p><p><em>lass mich nicht allein,</em></p><p>bitte ich nicht, weil ich dir zutraue mich im Stich zu lassen</p><p>oder ich aktiv Angst hätte, du könntest plötzlich verschwinden,</p><p>wenn ich gerade nicht hinsehe, aufgelöst wie Traumklarheit</p><p>mit jeder Sekunde das Wachwerdens am Morgen.</p><p>Sondern, sage ich, weil es sich manchmal dennoch anfühlt,</p><p>als sei genau das eingetreten und ich dein lautes Schweigen</p><p>zumindest durch den Klang meiner Bitte etwas übertönen kann.</p><p></p><p><em>lass mich nicht allein</em></p><p>verzweifelt sein und lass dich auf den langweiligen Wegstrecken</p><p>von meinen vielen W-Fragen nicht abschrecken.</p><p></p><p><em>führe mich nicht in die Irre,</em></p><p>bitte ich nicht, weil ich glaube, dass deine Wegbeschreibung</p><p>willkürlich in Sackgassen endet, aber wer ist heute schon noch in der Lage</p><p>Landkarten richtig zu lesen und vielleicht meine ich auch eher:</p><p>Stell dich, wo es möglich ist, so, dass ich dich im Rückspiegel erkenne,</p><p>wenn ich wen brauche, um mich herauszuwinken,</p><p>wo ich mich zuvor ungeschickt hinein manövriert habe.</p><p></p><p><em>lass mich nicht fallen,</em></p><p>bitte ich nicht, weil ich glaube, du würdest das absichtlich tun</p><p>oder ich unerträglich geworden wäre, lastenhaft und bürdig,</p><p>sondern, weil ich mich vorm Fallen fürchte und dir sagen möchte,</p><p>dass es in Ordnung ist, wenn du müde wirst vom vielen Tragen,</p><p>und du gerne einfach Bescheid geben kannst, wenn du eine Pause brauchst.</p><p>Setze mich sanft auf dem Boden ab und dich daneben ins Gras</p><p>oder auf den Bordstein der Raststätte und dann teilen wir uns endlich das Bier,</p><p>das uns jemand unterwegs geschenkt hat, weil wir wie Erschöpfte aussahen.</p><p></p><p><em>lass mich nicht hereinfallen</em></p><p>auf meine eigenen Gedanken über mich und die anderen</p><p>und auf die Sorgen mit denen ich mir manchmal das Übermorgen</p><p>herbeigraue.</p><p></p><p><em>lass mich nicht darauf hereinfallen</em></p><p>Mit-Menschen in Seiten einzuteilen</p><p></p><p><em>lass mich nicht versuchen,</em></p><p>alle Details allein meistern zu wollen und aus dem „Wir“ und „uns“</p><p>ein „ich“ und „mir“ zu formulieren, das alles andere übersieht.    </p><p></p><p><em>lass uns versuchen</em> anzunehmen,</p><p>dass unser <em>Versuchen</em> gut genug ist</p><p>und jedes <em>Trotzdem-Weitermachen</em></p><p>auch Scheitern leider nicht ausschließt.</p><p></p><p>lass uns nicht leer laufen,</p><p>lass uns Vertrauen versuchen</p><p>lass uns Hoffnung haben</p><p>lass uns in bösen Zeiten barmherzig bleiben</p><p>weitherzig und wissend, dass das Gute von seinem Gegenteil</p><p>nicht immer trennscharf unterscheidbar ist.</p><p></p><p><em>lass uns nicht verführbar sein</em></p><p>für Geschichten, die die Liebe schmaler erzählen, als sie eigentlich ist</p><p>lass uns verfügbar sein</p><p>lass uns für-einander sein</p><p>lass uns biegsam bleiben und standfest und unterwegs</p><p>und an den Raststätten mit Heimweh.</p><p><em>Amen</em></p><hr/><p>POETRY TALK TOUR</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/23179876-9d72-44a8-b3e1-d2c21a26ecfe/uploads/images/ynq7seeidg/poetrytalktour.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Auf dem Bild siehst du eine Collage mit Tour-Impresionen von Marco und Gofi. Wie sie auf der Bühne sitzen und vorlesen, auf der Fähre auf dem Bodensee, am Bahngleis während sie auf den Zug warten, ein Plakat für den abend in der Schweiz und ein leckeres Stück Kuchen aus Wintersulgen"/><p>Noch ein kleiner Recap zur Poetry Talk-Tour mit meinem Freund und Kollegen Gofi Müller. Wir durften in Heidelberg, Stuttgart, Wintersulgen, Arbon (CH) und München unsere Gedichte und Kurzgeschichten vorlesen. Ich finde dieses Live-Konzept sehr besonders, denn es gibt keine vorbereitete, geplante Setlist für die Auftritte. Am Beginn jeder Veranstaltung knobeln wir aus, wer von uns beiden beginnen und einen ersten Text vorlesen darf. Der andere versucht dann einen Anknüpfungspunkt zu finden und mit einem nächsten Text anzuschließen und so weiter. Zwischendurch unterhalten wir uns über das Vorgelesene, die Themen, die Besonderheiten, die Form oder was auch immer uns auffällt oder beim Zuhören besonders anspricht. Und auch die Zuhörenden im Publikum dürfen jederzeit Fragen stellen, Anmerkungen einwerfen und eigene Erfahrungen teilen.</p><p>Dadurch bekommt jeder Abend eine eigene Richtung und Dynamik, die nicht vorhersehbar sind und die Lesungen dadurch so einzigartig machen. Je nachdem, welcher Text zuerst gelesen wird, wer im Publikum sitzt und was er oder sie an Themen und Fragen mit in den Raum gebracht hat - all das bestimmt, wo die Reise hingeht. Man könnte vermutlich sagen, dass an diesen Abenden nicht der einzelene Text, ja nicht mal die Performance das eigentliche Kunstwerk sind, sondern das, was da so flüchtig in diesem Moment, in diesem Raum mit und zwischen diesen Menschen und Körpern und Gefühlen an Resonanz und Austausch geschieht. Eine Art gemeinsame Installation vielleicht, die abgebaut wird, sobald wir uns vor der Tür verabschieden und in alle Richtungen verstreuen.</p><p>Zum Abenteuergefühl dieser Tour gehört immer auch, dass wir ausschließlich mit dem Deutschlandticket, das heißt mit Regionalzügen, reißen, um die Fahrtkosten minimal zu halten. Allerdings mit Ausnahmen. Dieses Mal sind wir zum Beispiel mit einer Fähre quer über den Bodensee gefahren, um zu unserem nächsten Termin in die Schweiz zu kommen. Das war definitiv ein Highlight. Theoretisch bleibt auch immer viel Zeit zum Lesen auf den vielen Fahrtwegen zwischen den Stationen. Darum habe ich mir bereits beim Start am Heidelberger Hauptbahnhof den gerade neu erschienenen Roman von Ocean Vuong “The Emperor of Gladness” gekauft, auf den ich mich schon monatelang gefreut hatte. Leider kam ich dann aber doch nicht so ausgiebig zur Lektüre, wie ich mir das vorgestellt hatte, weil ich bereits ab dem zweiten Abend mit einer richtig fiesen und hartnäckigen Erkältung zu kämpfen hatte und ich diese Zwischenzeiten darum eher für den einen oder anderen Power-Nap nutzen musste, um für die Abende zumindest einigermaßen fit zu sein. Mittlerweile habe ich den Roman aber durch und mochte ihn sehr und kann ihn wärmstens empfehlen. Genauso wie auch die Gedichte und den Debütroman von Ocean Vuong.</p><p>Ich bin sehr dankbar für alle die schönen Gespräche und Begegnungen auf dieser Tour, die Gastfreundschaft und Herzlichkeit, die wir erleben durften, neue und bekannte Gesichter und spannende Orte und die Geschichten dazu.</p><p>Poetry Talk wird übrigens nicht nur von Gofi Müller und mir bespielt. Eigentlich ist es ein Gruppenprojekt, zu dem neben uns beiden auch Leah Weigand, Micha Kunze, Jasmin Brückner und Tabitha Hanan gehören. In unterschiedlichen Duo-Konstelationen (oder manchmal auch zu dritt oder wie beim Evangelischen Kirchentag in Hannover auch mal zu sechst mit allen) bringen wir unsere Texte in Dialog und in den Austausch.</p><p>Alle Infos zum Format und vor allem auch die nächsten Live-Termine findest du hier: <a href="https://poetry-talk.de/">https://poetry-talk.de</a></p><figure><a href="https://www.marcomichalzik.com/audio"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/51fe8cdc-73b5-4eed-97df-b1dc8412efaa/uploads/images/2yiwjtedve/Steady_Banner_EPs.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Banner zeigt die beiden EP-Cover von Die gerade Linie ist gottlos Pt.1 und 2 und den Textzusatz, dass die beiden EPs ab sofort auf allen Plattformen erhältlich sind."/></a><figcaption>Klicke auf das Banner, um direkt reinzuhören</figcaption></figure><p>Liebe Grüße aus Wien und bleib barmherzig</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/51fe8cdc-73b5-4eed-97df-b1dc8412efaa/uploads/images/vc4pkymhlo/Untitled_design.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">ERMÖGLICHER*IN WERDEN</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Sun, 15 Jun 2025 08:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM HOFFEN (UND DEM GEGENTEIL]]></title>
      <description><![CDATA[Hoffnung zieht Unmöglichkeiten in Betracht. Hoffnung braucht manchmal einen Anlass.Hoffnung hilft nicht immer sofort gegen Verzweiflung. Hoffnung flackert.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 33: VOM HOFFEN (UND DEM GEGENTEIL)</strong></p><p>Heute, als ich diese Einleitungs-Zeilen schreibe, ist Himmelfahrt. Auch so ein christlicher Feiertag mit einer Wundergeschichte im Zentrum. 40 Tage nach Ostern, dem Tag mit einem noch größeren Wunder. Auferstehen. Zum Himmel auffahren. Was auch immer das bedeutet. Und wie das geht. Vor 40 Tagen habe ich viel über diese österliche Wundergeschichte nachgedacht. Sie macht mir als Mensch, der oft zum Zweifeln und Hinterfragen neigt, jedes Jahr aufs neue etwas Mühe oder fordert mich zumindest heraus.</p><blockquote><p><em>“And I said to him<br/>Are there answers to all of this?<br/>And he said<br/>The answer is in a story<br/>and the story is being told”</em></p></blockquote><p>Dieses Zitat sind die Anfangszeilen eines Gedichts des irischen Dichters und Theologen Pádraig Ó Tuama. An dieses Gedicht musste ich immer wieder denken, als ich mir Gedanken darüber gemacht habe, welche Geschichte, Perspektive oder Person in diesem Jahr besonders spannend oder passend wäre an Ostern hervorzuheben. Ich habe einige Theolog*innen und Pastor*innen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, denen es manchmal schwer fällt besonders für die Gottesdienste an diesen hohen Feiertagen Predigttexte oder Aspekte auszuwählen, über die sie nicht schon zehnmal gesprochen haben. Die Angst sich und die Zuhörenden zu langweilen und sich zu wiederholen, leuchten mir sehr ein. Ich schreibe seit einigen Jahren für eine befreundete Agentur einen Adventstext, den sie dann in ihre Weihnachtspost an die Kund*innen verschicken. Zwangsläufig birgt das die Gefahr sich irgendwann zu wiederholen, wenn man sich Jahr für Jahr an derselben Geschichte abarbeitet. Es spricht aber wohl für diese Texte, dass es dennoch immer wieder gelingt in ihnen etwas Neues zu entdecken und nach vorne zu stellen. Und abgesehen davon, liegt auch in der Wiederholung, im Einüben, im Sacken lassen und im Ritual eine ganz eigene Schönheit und Qualität.</p><p>In diesem Jahr durfte ich einige Gedanken im Ostergottesdient der projekt:gemeinde in Wien teilen. Und auch ich stellte mir die Frage, welchen Text, welche Person, welche Perspektive möchte ich besonders betonen? Immerhin gibt in es den Texten des biblischen Neuen Testaments gleich vier verschiedene Versionen der Ostergeschichte mit unterschiedlichen Aspekten, Details und Schwerpunkten. Beim Lesen der Passage im Evangelium nach Lukas auf der Suche nach einer guten Idee, fiel mir dann wieder das oben zitierte Gedicht von Pádraig Ó Tuama ein. Bei Lukas klingt der Anfang des Ostergeschehens nämlich folgendermaßen:</p><p><em>Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht. Und als sie darüber ratlos waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer in glänzenden Kleidern. Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war und sprach: Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen. Und sie gedachten an seine Worte. Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den Elf und allen andern Jüngern. Es waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern Frauen mit ihnen; die sagten das den Aposteln. Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär’s Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht. </em>(Lukas 24,1-12)</p><p>Die Spannung zwischen den beiden Gruppen, die hier beschrieben werden, finde ich äußerst interessant. Mit wenigen Sätzen meisterhaft erzählt, wie die Verzweiflung sich für die Frauen am Grab in Hoffnung und Euphorie verwandelt und wie sie zu den Jüngern kommen und ihnen davon erzählen. Aber für die Verzweiflung und die Trauer und den Verlust klingt Hoffnung manchmal wie Geschwätz. Zu groß die Angst wieder umsonst zu hoffen. Erneut enttäuscht und verletzt zu werden. Auf Hirngespinste anderer hineinzufallen und sich dann schämen müssen für die eigene Naivität so etwas für möglich gehalten zu haben. Wenn alles, worauf du die letzten Jahre hingehofft hast, plötzlich von jetzt auf gleich gestorben und begraben ist, dann ist eine solche Botschaft erstmal schwer zu ertragen. Fast wäre es leichter einfach mit dem Verarbeiten und dran gewöhnen und akzeptieren anzufangen, als noch einmal von vorne zu hoffen. Beide Gruppen kann ich gut verstehen. Stell dir vor, du hast etwas erfahren, dass dir keiner glaubt und für Geschwätz gehalten wird. Stell dir vor, du wirst mit deiner Trauer nicht in Ruhe gelassen, sondern gegen alle Vernunft zum Weiterglauben angepiekst.</p><blockquote><p><em>“And I said<br/>But there is so much pain<br/>And she answered, plainly,<br/>Pain will happen.”</em></p></blockquote><p>An Karfreitag habe ich mir mal wieder den phänomenalen Film „Die Verurteilen“ (org. The Shawshenk Redemption) angesehen. Meiner Meinung nach einer der besten Filme aller Zeiten. Er basiert auf einer Novelle von Stephen King und erzählt die Geschichte von Andy, der unschuldig für den Mord an seiner Frau und ihres Geliebten zu zweimal lebenslanger Haft im namensgebenden Shawshenk Gefängnis verurteilt wird. Die ersten Eindrücke dieser Gefängnisumgebung, in der der größte Teil des Films spielt, sind sadistische und korrupte Aufseher, unmenschliche Behandlung der Insassen, inklusive schwerster Strafen für kleine Vergehen oder auch nur dem geringsten aus der Reihe tanzen und ein bibelschwingender Gefängnischef, dem der eigene Profit und seine Vorstellung von Law and Order über alles gehen.</p><p>Und wir lernen Red kennen, der von Morgan Freeman verkörpert wird. Red ist sowas wie der Gefängnis-Schmuggler, der einem, obwohl selbst Insasse und zu einer hohen Haftstrafe verurteilt, Zigaretten, Alkohol, Magazine und so einige andere Dinge besorgen und einschleusen kann. Er wird schnell zu etwas wie dem besten Freund Andys im Gefängnis. Im Verlauf des Films reicht Red mehrmals Begnadigungsgesuche ein, um vorzeitig aus der Haft entlassen zu werden, die aber stets abgewiesen werden. Es wird zusehends klar, dass er sich nicht nur an das Gefängnis, die Brutalität und die Monotonie gewöhnt hat, sondern auch an die Routine der immer wieder eingereichten und abgelehnten Anträge. Sie gehören zum unentrinnbaren Alltag dazu wie die Hofgänge und das schlechte Essen. Er sagt sogar: <em>„Die Mauern hier sind schon komisch. Anfangs hasst du sie. Nach ner gewissen Zeit gewöhnst du dich daran. Und wenn noch mehr vergangen ist, kannst du ohne sie nicht mehr leben.“</em> Ungefähr in der Mitte des Films gibt es einen Dialog zwischen Andy und Red über ihre Situation und die Hoffnung, die ihnen bleibt. Andy hat sich noch nicht abgefunden den Rest seines Lebens hier und auf diese zu verbringen. Er hat sich noch nicht daran gewöhnt. Aber als er versucht, Red mit seiner Hoffnung anzustecken, entgegnet dieser: <em>„Hoffnung ist sehr gefährlich. Hoffnung kann einen Mann in den Wahnsinn treiben. Hier drin nützt sie dir nichts. Am besten du vergisst das nie.“</em></p><p>Wie der Film ausgeht und ob die Hoffnung berechtigt war oder bitter enttäuscht wird, verrate ich dieser Stelle natürlich nicht. Aber ich finde diese Geschichte passt wunderbar zu den Stimmungen der beiden Gruppen aus der Lukas-Erzählung.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><blockquote><p><em>“Then I said<br/>Will I ever find meaning?<br/>And they said<br/>You will find meaning<br/>Where you give meaning.”</em></p></blockquote><p>Am Tag nach Himmelfahrt habe ich mit Jasmin Brückner das Viktor Frankl Museum in seinem ehemaligen Wohnhaus im 9. Bezirk in Wien besucht. Eine These Frankls, die dort wiederholt in Texten und Videos vorkommt, ist mir besonders hängen geblieben. Angelehnt an ein Goethe-Zitat sagt er: <em>„Wir können von uns eigentlich kaum mehr verlangen, als dass wir das Beste versuchen. Wir müssen auf das Schwarze der Scheibe zielen, wenn wir auch wissen, dass wir es nicht immer treffen können.“</em> Übertragen könnte man vielleicht sagen, wir müssen auf ein größeres Ideal, vielleicht eine Art Utopie hin hoffen, von der wir möglicherweise annehmen müssen, dass sie zu groß und unerreichbar scheint. Wenn wir es aber nicht wenigstens versuchen uns in diese Richtung zu orientieren, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dem Ziel nicht mal nahekommen und wir ganz woanders herauskommen. Wir brauchen Hoffnungsnarrative, eine poetische Bildsprache, die vor Augen malt, was sein könnte und wie ich mir das vorstellen kann, um mich darauf zu bewegen zu können.</p><p><em>Hoffnung ist gefährlich.</em></p><p><em>Hoffnung geht verloren.</em></p><p><em>Hofnung wird wieder gefunden.</em></p><p><em>Hoffnung klingt wie Geschwätz.</em></p><p><em>Hoffnung schleift sich ab.</em></p><p><em>Hoffnung wird fahren gelassen.</em></p><p><em>Hoffnung tut weh.</em></p><p><em>Hoffnung überfordert.</em></p><p><em>Hoffnung ist trotzig.</em></p><p><em>Hoffnung ist euphorisch.</em></p><p><em>Hoffnung macht kreativ.</em></p><p><em>Hoffnung rennt.</em></p><p><em>Hoffnung gewöhnt sich nicht.</em></p><p><em>Hoffnung zieht Unmöglichkeiten in Betracht.</em></p><p><em>Hoffnung braucht manchmal einen Anlass.</em></p><p><em>Hoffnung hilft nicht immer sofort gegen Verzweiflung.</em></p><p><em>Hoffnung flackert.</em></p><p><em>Hoffnung flimmert.</em></p><p><em>Hoffnung wird hochgehalten.</em></p><p><em>Hoffnung hört Hidden-Tracks.</em></p><p><em>Hoffnung versucht es nochmal.</em></p><p><em>Hoffnung glaubt an diesmal.</em></p><p><em>Hoffnung sagt “Eines Tages…”</em></p><p><em>Hoffnung erwartet die Post-Credit Szene nach dem Abspann.</em></p><p><em>Hoffnung ist heftig.</em></p><p><em>Hoffnung ist hilfreich.</em></p><p><em>Hoffnung hängt am seidenen Faden.</em></p><p><em>Hoffnung ist lebendig.</em></p><p><em>Hoffnung ist widerständig.</em></p><p><em>Hoffnung ist hartnäckig.</em></p><p><em>Hoffnung ist verletzlich.</em></p><p><em>Hoffnung ist heilig.</em></p><p><em>Hoffnung ist lächerlich.</em></p><p><em>Hoffnung ist himmlisch.</em></p><p><em>Hoffnung ist heimlich.</em></p><p><em>Hoffnung ist laut.</em></p><p><em>Hoffnung ist verschwenderisch.</em></p><p><em>Hoffnung breitet sich aus.</em></p><p><em>Hoffnung stirbt zuletzt.</em></p><p><em>Hofnung ist ansteckend.</em></p><p><em>Hoffnung antwortet Auferstehung.</em></p><p><em>Hoffnung ist hohl.</em></p><p><em>Hoffnung ist heilsam.</em></p><p><em>Hoffnung sieht aus wie der Gärtner.</em></p><p><em>Hoffnung ist hier.</em></p><p><em>Hoffnung ist hinüber.</em></p><p><em>Hoffnung rettet hinüber.</em></p><p><em>Hoffnung wird hinüber gerettet.</em></p><p><em>Hoffnung ragt herüber.</em></p><p><em>Hoffnung ist gefährlich.</em></p><p>Das Gedicht von Pádraig Ó Tuama, das ich zwischen den Textteilen eingewoben habe, endet mit diesen beiden Zeilen:</p><blockquote><p><em>“The answer is in the story<br/>And the story isn’t finished.”</em></p></blockquote><p>Die Antwort liegt in einer Geschichte, die erzählt wird. Die Hoffnung vielleicht auch. Gerade dann, wenn die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt worden ist. Und selbst wenn es einem so vorkommt, als gäbe es keinen Grund mehr auf eine Fortsetzung zu hoffen, flüstert die Hoffnung manchmal trotzdem: Die Geschichte ist noch nicht zu ende.</p><figure><a href="https://www.marcomichalzik.com/audio"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/51fe8cdc-73b5-4eed-97df-b1dc8412efaa/uploads/images/2yiwjtedve/Steady_Banner_EPs.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Banner zeigt die beiden EP-Cover von Die gerade Linie ist gottlos Pt.1 und 2 und den Textzusatz, dass die beiden EPs ab sofort auf allen Plattformen erhältlich sind."/></a><figcaption>Klicke auf das Banner, um direkt reinzuhören</figcaption></figure><p>Liebe Grüße aus Wien und bleib barmherzig</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/51fe8cdc-73b5-4eed-97df-b1dc8412efaa/uploads/images/vc4pkymhlo/Untitled_design.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Sun, 01 Jun 2025 10:14:32 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM VERBESSERN]]></title>
      <description><![CDATA[Es gibt einige Neuigkeiten und Veränderungen und ich würde sehr gerne deine Feedback dazu hören. Ich glaube an Community und freue mich, dass du Teil davon bist. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 33: VOM VERBESSERN</strong></p><p>Hallo aus Wien,</p><p>ich freue mich sehr, dass diese Mail in deinem Postfach gelandet ist und ich dir ein bisschen erzählen darf, wie es hier weitergehen wird. Wenn du schon länger hier bei meiner Textreihe auf Steady mit dabei bist, wunderst du dich vielleicht über den etwas ungewohnten Einstieg. Bisher war es meistens so, dass der Haupteil am Anfang ein längerer Essay- oder Themenbeitrag war, über etwas, das mich gerade bewegt, begeistert oder sonstwie beschäftigt hat. Danach folgte dann ein Teil mit Neuigkeiten zu aktuellen Veröffentlichungen, Podcastfolgen usw., um dich auf dem Laufenden zu halten, was bei mir gerade so los ist und was es neues gibt.</p><p>Ich habe in letzter Zeit aber festgestellt, dass das in Summe doch sehr viel Input und Information ist und ich kenne das von mir selbst, dass mich eine solche Flut an Eindrücken schnell überfordert und ich gar nicht all das Gute mitbekomme, was vielleicht in so einem Newsletter drin steckt. Darum habe ich mir überlegt, ab sofort die eigentliche Textreihe ein bisschen von den News abzukoppeln und aus der längeren, monatlichen Mail zwei separate zu machen. Eine eben, wo das Inhaltliche und Künstlerische im Vodergrund steht, das ich jeden Monat neu extra für Steady schreibe und eine, die hauptsächlich auf neue Veröffentlichungen, Live-Termine usw. hinweist. Ich habe dazu ein kleines Video aufgenommen, wo ich all das nochmal erkläre:</p><a href="https://youtu.be/-4s1wrhFCFc">https://youtu.be/-4s1wrhFCFc</a><p>Wenn du die Message lieber als Audio anhören möchtest, findest du diese Option hier:</p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/cec69216-89bd-4eac-af42-b589357e057d">Auf Steady anhören</a></p><hr/><p>UMFRAGE</p><p>Mir ist es sehr wichtig, dass die Textreihe und deine Interaktion damit ein schönes, inspirierendes und zugängliches Erlebnis ist. Ich möchte diese Texte und Inhalte nicht einfach in die Welt hinaus schicken oder im luftleeren Raum entstehen lassen, sondern eingebettet als Teil einer und für eine Community von Menschen.</p><p>Darum habe ich eine ganz kleine Umfrage erstellt, um zu sehen, was dir am besten gefällt, was vielleicht fehlt und was ich in Zukunft verbessern kann.</p><p>Keine Angst, es sind nur 5 Fragen, die mit einem kurzen Klick beantwortet werden können. Das ganze dauert höchstens eine Minute. Danke, dass du dir die Zeit dafür nimmst. Das hilft mir sehr:</p><a href="https://form.typeform.com/to/MeyCDYwK">https://form.typeform.com/to/MeyCDYwK</a><hr/><p>Mitgliedschaft</p><p>Noch ein paar kurze Worte zum Thema Mitgliedschaft: Über Steady hast du die Möglichkeit mich und meine Arbeit und diese Textreihe mit einem kleinen, mittleren oder sogar größerem monatlichen Beitrag zu unterstützen. Oder es besteht die Möglichkeit meinen Newsletter und die Textreihe einfach kostenlos zu abonnieren. Das möchte ich gerne auch so beibehalten, um niemanden auszuschließen und den Zugang zu den Texten und zum Archiv für alle offen zu halten. Sprich, alle erhalten den selben Content, unabhängig davon ob und wie sehr sie mich finanziell unterstützen.</p><p>Trotzdem gibt es regelmäßig auch Bonus-Sachen für die Unterstützenden. Sie haben z.B. die beiden neuen #poetrymeetsbeats EPs bereits einen Monat vor dem offiziellen Release erhalten und sind immer direkt die ersten, die vorab schon reinhören dürfen. Das wird auch weiterhin und verstärkt der Fall sein.</p><p>Ich glaube an Community. An Gemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützt und ich möchte mich und meine Arbeit als Teil einer solchen Gemeinschaft verstehen, für die und durch deren Themen und Feedback ich hauptsächlich tue, was ich tue. Darum ist es mir wichtig, diese Menschen besonders Teil haben zu lassen, an den neuen Rücken und Formaten, an denen ich arbeite und die daraus entstehen.</p><p>All das habe ich auch noch mal in einem kleinen Video erzählt:</p><a href="https://youtu.be/T-piW80MFmo?si=4Pj8f0slFGB9UIwt">https://youtu.be/T-piW80MFmo?si=4Pj8f0slFGB9UIwt</a><p>Danke fürs Zuhören bis hierher und für deine Unterstützung. Und hier findest du den Button mit den Infos zur Mitgliedschaft, um mich und meine Arbeit zu unterstützen:</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><p>Danke besonders für deine Zeit und deine Aufmerksamkeit. Das ist meiner Ansicht nach mit das Wertvollste, das man einem Menschen schenken kann und ich hoffe, ich habe dir mit dieser Mail nicht allzuviel davon gestohlen. </p><p>Nachfolgend also noch ein paar aktuelle News und der nächste Textbeitrag kommt dann in den nächsten Tagen:</p><hr aria-hidden="true"/><h2>NEWS- NEWS- NEWS- NEWS- NEWS</h2><p><strong>NEUE #POETRYMEETSBEATS-SINGLES “ALS WIR GEISTER WAREN” &amp; “BLEIB BARMHERZIG”</strong></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/cec69216-89bd-4eac-af42-b589357e057d/uploads/images/lcbqgey2av/cover_ALS_WIR_GEISTER_WAREN_(3000x3000).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Single Cover ALS WIR GEISTER WAREN"/><p>Das Stück ist die erste Single aus der neuen EP von Manuel Steinhoff und mir, die am 23.05. erscheinen wird: DIE GERADE LINIE IST GOTTLOS Pt.2. Damit setzen wir die Reihe fort, die wir im Januar gestartet haben.</p><p><em>Als wir Geister waren </em>bedeutet mir extrem viel. Das Gedicht ist auch in meinem letzten Lyrikband enthalten und verhandelt das Aufwachsen in und mit Systemen der sogenannten Purity Culture, das Verhältnis oder eben Nicht-Verhältnis zu Körperlichkeit und Sexualität, den Weg zur Freiheit und Selbstermächtigung. Möge es eine Stimme für die vielen ungehörten und unerzählten Geschichten und Gesichtern und Gespensterkörper sein.</p><p>Manu hat ein wahnsinnig tolles Gespür bewiesen dem Geisterhaften auch auf der Soundebene Ausdruck zu verleihen, genauso wie der Wut und dem Ausbruch. Neben Musik und Produktion ist er auch wieder für das tolle Artwork verantwortlich.</p><p><a href="https://song.link/i/1808627101">HIER GEHTS DIREKT ZUM TRACK AUF ALLEN STREAMING PLATTFORMEN</a></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/cec69216-89bd-4eac-af42-b589357e057d/uploads/images/xafyb426r4/cover_BLEIB_BARMHERZIG_(3000x3000).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Single Cover BLEIB BARMHERZIG"/><p>BLEIB BARMHERZIG</p><p>Ein Credo, das ich mir selbst geschrieben habe, um etwas zu haben, das ich mir vorsagen kann und nicht vergesse, wenn alles wieder wild und überfordernd ist.</p><p>Da ist vieles, das zurecht wütend macht, das Widerstandskraft erfordert und lähmt. Im Kleinen wie im Großen. Aber vielleicht kann dieses etwas sperrig anmutende und in seinem Ausdruck doch einzigartige Wort „Barmherzigkeit“ ein wenig Anker und  Haltung sein. Das wünsche ich mir für mich zumindest.</p><p>Mit diesem Gedicht schließe ich oft meine Lesungen ab und auch im Buch bildet es bewusst den Schlusspunkt. Was aber Manu jetzt noch musikalisch für unsere #poetrymeetsbeats Version mit dem und für das Stück gezaubert hat, übertrifft alles, was ich mir dafür vorgestellt habe. Mit ganz viel Liebe zum Detail ist da etwas ganz besonderes entstanden. Aber hört selbst 🤍</p><p>Link zu allen Plattformen:</p><a href="https://song.link/i/1810209031">https://song.link/i/1810209031</a><p>P.S. Normalerweise schreibe ich an der Stelle oft „Hört gerne mal rein“. Aber in diesem Fall sage ich eher „Hört gerne mal bis zum Ende durch“. Da passiert nämlich noch eine Menge hintenraus und es nicht umsonst unser längstes Stück bisher! Wir sind jedenfalls gespannt auf eure Reaktionen und am 23.05. erscheint dann die ganze neue EP „DIE GERADE LINIE IST GOTTLOS PT.2“.</p><hr aria-hidden="true"/><p><strong>POETRY-TALK-TOUR MIT GOFI MÜLLER</strong></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/cec69216-89bd-4eac-af42-b589357e057d/uploads/images/xrtprvl7dr/insta_Story_marco_25.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das Bild zeigt das Tourplakat von Marco Michalzik und Gofi Müller mit folgenden Terminen: 20. Mai Heidelberg, 21.Mai Stuttgart, 22. Mai Wintersulgen, 23. Mai Arborn (Schweiz) und 24. Mai München."/><p>Wie bereits im letzten Jahr gehe ich im Mai wieder mit Gofi Müller auf Tour. Das lyrische Programm POETRY TALK ist eine bunte Mischung aus Lesung, Performance, Publikumsinteraktion und podcastartigem Live Talk über die Themen, die uns eben interessieren: der Sinn und Unsinn des Lebens, Gott und die Welt, der Mensch und die Kunst. Jeder Abend ist dabei eine ganz einzigartige Veranstaltung, keine Lesung gleicht der anderen. Denn auch das Publikum darf und soll sich am Gespräch mit Fragen und Anmerkungen beteiligen und so den Verlauf des Abends maßgeblich beeinflussen. Je nach Zuhörerschaft, Rahmen und Laune der Poeten werden individuelle Themen, Texte und Gedanken behandelt. Interaktion ist strengstens erlaubt!</p><p>Mehr Infos dazu findest du auf <a href="http://poetry-talk.de/">poetry-talk.de</a></p><hr aria-hidden="true"/><h5><strong>NEUE TEXTREIHE FÜR REFLAB</strong></h5><p>Für die Freunde vom <a href="https://www.reflab.ch/">Reflab</a> durfte ich eine neue Textreihe kreieren, die sich mit großen Worten beschäftigt, die im (christlichen) Sprachgebrauch oft so selbstverständlich verwendet werden, dass sie mitunter zu inhaltsleeren Phrasen zu schrumpfen scheinen. Vieren dieser Worte habe ich etwas nachzuspüren versucht: HEILIG, SANFTMUT, GNADE und FRIEDEN. Hör doch sehr gerne mal rein. Die Texte, die ich auch eingesprochen habe, findest du als Reel auf dem <a href="https://www.instagram.com/reflab.ch/">Instragram-Kanal</a> vom Reflab oder auf Youtube:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=mWT9JqV1m5o">https://www.youtube.com/watch?v=mWT9JqV1m5o</a><a href="https://www.youtube.com/watch?v=E7eJ9Tsxquo">https://www.youtube.com/watch?v=E7eJ9Tsxquo</a><a href="https://www.youtube.com/watch?v=fQxq8rn4DXo">https://www.youtube.com/watch?v=fQxq8rn4DXo</a><a href="https://www.youtube.com/watch?v=PnymCVMQXhQ">https://www.youtube.com/watch?v=PnymCVMQXhQ</a><hr aria-hidden="true"/><p>Liebe Grüße und danke für dein Feedback</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/cec69216-89bd-4eac-af42-b589357e057d/uploads/images/xl4kf2hzhe/Untitled_design.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Marco"/><p></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Thu, 15 May 2025 11:45:49 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VON RATTEN UND RUDERN (UND GOTT)]]></title>
      <description><![CDATA[Ich habe mich seit Anfang des Jahres vermehrt mit dem lyrischen Werk der amerikanischen Dichterin Anne Sexton (1928 -1974) beschäftigt. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen."/><p><strong>TEIL 31: VON RATTEN UND RUDERN (UND GOTT)</strong></p><blockquote><p><em>„To pray, Jesus knew, is to be a man carrying a man.“</em></p><p>-Anne Sexton, Jesus Walking</p></blockquote><p>Ich habe mich seit Anfang des Jahres vermehrt mit dem lyrischen Werk der amerikanischen Dichterin Anne Sexton (1928 -1974) beschäftigt. In ihren Gedichten schrieb sie u.a. über Themen wie Menstruation, Abtreibung, Sex, Masturbation, Lust, Sucht, Suizidversuche, Tod und Sterben und Psychatrieaufenthalte. Diese Themen und die Art, wie Anne Sexton diese in ihren Gedichten formulierte stießen besonders bei den männlichen Lesern und Literaturkritikern ihrer Zeit, während der amerikanischen McCarthy-Ära, auf mäßige Begeisterung, um es mal sehr vorsichtig zu formulieren. Ich fürchte sogar, ein Gedicht mit dem Titel <em>The</em> <em>Ballad of the lonely Masturbator </em>würde in gewissen Kreisen auch heute noch Ablehnung oder zumindest Geringschätzung erfahren. Vor allem, wenn es von einer Frau oder queeren Person geschrieben und veröffentlicht werden würde. Sexton war außerdem eine Weggefährtin der Dichterin Sylvia Plath. Ob man das Verhältnis der beiden eine Freundschaft nennen kann, ist schwer zu beurteilen, finde ich. Aber sie haben sich gut gekannt und auch später als Sylvia Plath nach England zog, blieben sie im Austausch, schrieben Briefe, kommentierten die Werke der jeweils anderen und beeinflussten sich offenbar gegenseitig in ihrem Schreiben. 1967 gewann Anne Sexton den Pulitzer-Preis für ihren Lyrik-Band <em>Live or Die.</em></p><p>Neben den bereits erwähnten Themen kommen in ihrem Schreiben auch immer wieder Gott, Jesus und die Suche nach und das Ringen mit dem Göttlichen vor. Eine ganze Reihe von Gedichten, auch der aus dem das obige Zitat stammt sind überschrieben mit unterschiedlichen Tätigkeiten von Jesus: <em>Jesus Asleep, Jesus Awake, Jesus Cooks, Jesus Dies, Jesus Raises Up the Harlot, Jesus Suckles, Jesus Summons Forth, Jesus Unborn </em>und <em>Jesus Walking. </em>Alle diese Titel stammen aus dem zweiten Teil <em>The Jesus Papers </em>ihres Gedichtbands <em>The Book of Folly</em>. Diese Jesus-Gedichte sind mit dem Satz überschrieben: „<em>God is not mocked except by believers“ </em>(deutsch: Gott kann nicht verspottet werden, außer von Gläubigen.“)<em>    </em></p><p>Besonders eindrücklich wird diese Suchbewegung dann in ihrem (letzten) Gedichtband <em>The Awful Rowing Toward God. </em>Die deutsche Ausgabe übersetzt den Titel mit <em>Das ehrfürchtige Rudern hin zu Gott</em>. Eine verständliche Übersetzungsentscheidung und doch schwingt in dem englischen Wort „<em>awful“</em> noch so viel mehr mit als bloße Ehrfurcht. Vielleicht so etwas wie Anstrengung, Ekel, Unbehagen, Mühe oder Schrecken.</p><p>Der Gedichtband erschien im März 1975, knapp 5 Monate nachdem sich Anne Sexton unmittelbar nach der Überarbeitung der Druckfahnen für <em>The Awful Rowing Towards God </em>das Leben nahm.</p><p>Dieses titelgebende Bild des Ruderns bildet sozusagen die Klammer in diesem Band. Das erste und das letzte Gedicht greifen dieses Bild auf. Das erste Gedicht trägt dann auch den Titel <em>The Rowing.</em></p><p>Hier ein Auszug daraus, der mich besonders berührt und beschäftigt hat:</p><blockquote><p><em>„…but I am rowing, I am rowing,</em></p><p><em>though the wind pushes me back</em></p><p><em>and I know that that island will not be perfect,</em></p><p><em>it will have the flaws of life,</em></p><p><em>the absurdities of the dinner table,</em></p><p><em>but there will be a door</em></p><p><em>and I will open it</em></p><p><em>and I will get rid of the rat insdie me,</em></p><p><em>the gnawing pestilential rat.</em></p><p><em>God will take it with his two hands</em></p><p><em>and embrace it.“</em></p><p> </p><p>(deutsche Übersetzung:</p><p><em>„…aber ich rudere, ich rudere,</em></p><p><em>obwohl der Wind mich zurückdrängt</em></p><p><em>und ich weiß, dass diese Insel nicht perfekt sein wird,</em></p><p><em>sie wird die Fehler des Lebens haben,</em></p><p><em>die Absurditäten des Esstischs,</em></p><p><em>aber es wird eine Tür geben</em></p><p><em>und ich werde sie öffnen</em></p><p><em>und ich werde die Ratte in mir loswerden,</em></p><p><em>die nagende, krankmachende Ratte.</em></p><p><em>Gott wird sie mit seinen beiden Händen nehmen</em></p><p><em>und sie umarmen.“)</em></p></blockquote><p>Bevor du meine weiteren Gedanken zu diesem Gedicht liest, empfehle ich, dir zuerst Zeit zu nehmen, um das ganze Gedicht zu <a href="https://allpoetry.com/Rowing">lesen</a> oder <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Yu1ZzHZVN8k">anzuhören</a>. Beides ist verlinkt. Ich finde, ein Gedicht spricht zunächst einmal für sich selbst und ich möchte mit meinen Reflektionen nicht Deinem persönlichen Texterlebnis zu sehr vorgreifen oder es zu sehr konkretisieren oder gar engführen. Vermutlich wirst du etwas darin finden, das mir bisher gar nicht aufgefallen ist.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/fa2f6ae0-0ba5-4e9f-9857-b7c755aecf6c/uploads/images/hdfngs7ijo/IMG_6165.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Auf dem Bild sieht man das Buch &quot;The Complete Poems of Anne Sexton&quot; aufgeschlagen auf einem Holztisch liegen. Auf dem Cover ist ein Portrait der Dichterin zu sehen."/><hr/><p>DAS RUDERN</p><p>Am Anfang des Gedichts scheint Anne Sexton, oder das lyrische Ich, in kurzen prägnanten Sätzen Szenen eines Lebens, eines Heranwachsens und Konfrontiertwerdens mit dem Leben zu zeichnen. Und in all dem war oder ist Gott vorhanden, wie eine Insel, die irgendwo am Horizont zu erahnen ist, aber zu der erst noch hingerudert werden muss. Ich kann mit diesem Bild viel anfangen. Einerseits diese gefühlte Schwere und Anstrengung der Gottsuche und das Empfindenl, dass Gott irgendwo weit weg ist. Eine Ahnung. An klaren Tagen vielleicht ein verschwommenes Ufer am Horizont. Und andererseits aber auch der Gedanke, dass alles Leben und Erleben, mein ganzes Vorhandensein als menschliches Wesen, mit allem Schmerz und aller Freude und allen Verpflichtungen und alltäglichen Banalitäten im Kern alles einzelne Ruderschläge hin zu dieser Insel sind. Auch ohne das immer zu merken oder zu beabsichtigen oder bewusst zu denken.</p><p>Ist Gott eine Insel? Oder ist Gott, wohnt Gott, wartet Gott auf einer Insel? Die Schwierigkeit ist ja, dass es zu dieser Insel offensichtlich keine Brücke gibt und keine Fähre. Ja, nicht mal ein Segelboot und schon gar keine Yacht. Nur ein Ruderboot. Immerhin besser als schwimmen, aber eben auch trotzdem sehr anstrengend. Kräfte zehrend. Gegen Wellen und Strömung und Wind. Gegen Erschöpfung und Aufgeben-wollen. Gegen die Fragen, ob es das wert ist und ob der Kurs überhaupt der richtige ist? Irgendwann werden die Arme müde, aber jede Ruhepause birgt die Gefahr in unbekannte Gewässer oder zumindest vom eingeschlagegenen Kurs abgetrieben zu werden. Im schlimmsten Fall geht dann alles wieder von vorne los. Einen Schlag vor und zwei zurück. Und woher weiß ich überhaupt, dass ich gerade zu dieser Insel rudern soll? Waren da nicht mehrere in Sichtweite? Oder ist das Seemansgarn?</p><p>Ist Gott am Ende auf allen Inseln zu finden, auf die wir mühevoll zurudern? Wie in dem Pixarfilm „Findet Dorie“, wo ein kleiner blauer Palettendoktorfisch mit chronischem Gedächtnisverlust eines Tages den Heimweg nicht mehr findet und sich auch später nur noch bruchstückhaft an Zuhause erinnern kann, nur um Jahre später festzustellen, dass ihre Eltern nach alle Richtungen Muschelspuren für sie ausgelegt haben, um ihr den Rückweg zu markieren. Egal aus welcher Richtung, am Ende führen alle Wege nach Hause.</p><p>Und da ist diese Ahnung, dass auch diese Insel nicht perfekt sein wird. Wie auch, wenn Perfektion nicht zu den Erfahrungen gehört, die zu einem gelebten Leben dazu gehören? Und da ist die Hoffnung, dass es dort eine Tür geben wird. Eine Tür, die nicht verschloßen ist. Eine Tür, die ich öffnen kann. Eine Tür durch die ich hindurchgehen kann. Ich weiß noch nicht, was mich auf der anderen Seite erwartet, aber ich hoffe, dass es ein Ort ist, an dem ich willkommen geheißen werde und die Schwere loslassen darf.</p><p>Vielleicht sind das aber auch nur die Durchhalteparolen, die sich die rudernde Person zuspricht, um nicht aufzugeben auf ihrer anstrengenden Reise hin zur Insel, die vielleicht Gott ist oder auf der Gott anzutreffen ist und auf der es eine Tür gibt. Hoffentlich!</p><hr/><p>DIE RATTE</p><p>Das Rudern und die Insel sind aber gar nicht das Bemerkenswerteste in diesem Gedicht für mich. Am Ende des zitierten Abschnitts, der auch (fast) das Ende des Gedichts bildet, finden sich diese (auf den ersten Blick merkwürdig anmutenden) Zeilen über die Ratte. Die Ratte taucht in Anne Sextons Werk des Öfteren auf. Meist als Metapher, als Verbildlichung und Benennung von Depression oder (Psychischer)-Erkrankung. Manchmal auch als Selbtbeschreibung. Sinnbild für die anhaftetende oder innenwohnende Schattenseite. Die düsteren und morbiden Anteile.</p><p>Während die rudernde Person also diese ganzen Wunschvorstellungen von der Insel und dem Ankommen und der geöffneten Türe formuliert, bricht sich am Ende all das herunter in der trotzigen Hoffnung, dass sie dann, wenn sie durch diese Tür gegangen ist, endlich auch diese Ratte aus ihrem Inneren loswerden wird. Diese an ihr nagende und sie krankmachende Ratte. In der nächsten Zeile schreibt sie, dass <em>Gott die Ratte mit seinen beiden Händen nehmen wird.</em> Diese Szene hat mich bereits beim ersten Lesen regelrecht gefesselt. Da ist also wirklich eine Tür und die Tür geht auch auf und hinter der Tür ist tatsächlich Gott und Gott nimmt diese fiese Ratte aus dem Inneren und hält sie jetzt in seinen beiden Händen.</p><p>Meine Erwartung beim ersten Lesen an dieser Stelle war, dass Gott nun diese Ratte mit seinen mächtigen Händen zerquetschen wird. Dass er sie auslöscht und so die Protagonistin endgültig von ihr befreit. Er hält sie in seinen Händen und dreht ihr den Hals herum und wirft die tote Ratte triumphierend auf die Erde.</p><p>Aber die nächste Zeile in Anne Sextons Gedicht ist ganz anders. Völlig unerwartet. Gott hält die Ratte in seinen Händen und….<em>umarmt sie. </em>WHAT?! Die Ratte wird nicht zerquetscht oder getötet oder vernichtet. Sie wird nicht mal weit weg geworfen oder angewiedert angeschaut. Sie wird umarmt. Gottes Umarmung am Ende inkludiert alles. Selbst die Ratte. Selbst das Dunkelste und Kaputteste, das ein Mensch mit sich herum tragen kann. Das zumindest ist die Hoffnung der rudernden Person in dem Gedicht. Vielleicht könnte man sagen, dass sich die Weite meines Konzepts, meiner Vorstellung von Barmherzigkeit und Gnade daran misst, wen sie bereit ist miteinzuschließen oder wen sie sich darin alles vorstellen oder eben nicht vorstellen kann. Ich bin sehr vorsichtig mit dem Gebrauch solcher großen und ideologisch vorbelasteten Begriffe, aber hier würde ich sagen, begegnet mir ein wirklich ergreifendes Bild für so etwas wie Erlösung. Eine Erlösung, die selbst das einschließt von dem ich mir Erlösung erhoffe.</p><p>Am Ende, im letzten Gedicht von <em>The Awful Rowing Toward God, </em>erreicht die so hart rudernde Person dann tatsächlich die ersehnte Insel. Nachdem sie mit ihrem Boot angelegt hat, wird sie von Gott willkommen geheißen und beide lachen und können gar nicht mehr aufhören. Ja, <em>alles</em> scheint sogar mit ihnen zu lachen. Vielleicht sogar die erlöste Ratte, die aber explizit gar nicht mehr vorkommt:</p><blockquote><p>“He starts to laugh,</p><p>the laughter rolling like a hoop out of His mouth</p><p>and into mine,</p><p>and such laughter that He doubles right over me</p><p>laughing a Rejoice-Chorus at our two triumphs. Then I laugh, the fishy dock laughs</p><p>the sea laughs. The Island laughs.</p><p>The Absurd laughs.”</p><p></p><p>(deutsche Übersetzung:</p><p>“Er beginnt zu lachen,</p><p>das Lachen rollt wie ein Reifen aus seinem Mund</p><p>und in meinen hinein,</p><p>und ein solches Lachen, dass er sich über mich beugt</p><p>und ein Lied der Freude über unsere beiden Triumphe lacht.</p><p>Dann lache ich, der fischige Steg lacht</p><p>das Meer lacht. Die Insel lacht.</p><p>Das Absurde lacht.”<br/></p><p>- Anne Sexton, The Rowing Endeth</p></blockquote><hr/><p>#welttagderpoesie</p><p>Anlässlich des Welttags der Poesie, der jährlich am 21. März begangen wird, habe ich das Gedicht, das ich im letzten Monat für diese Textreihe geschrieben habe eingesprochen und auf Instagram und Youtube veröffentlicht. Den ganzen Text und alle vorherigen findest Du selbstverständlich im Archiv.</p><p>Hier kannst Du das Gedicht direkt anhören:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=d9ipbFBUC2o">https://www.youtube.com/watch?v=d9ipbFBUC2o</a><hr aria-hidden="true"/><h2>NEWS- NEWS- NEWS- NEWS- NEWS</h2><h5><strong>NEUE TEXTREIHE FÜR REFLAB</strong></h5><p>Für die Freunde vom <a href="https://www.reflab.ch/">Reflab</a> durfte ich eine neue Textreihe kreieren, die sich mit großen Worten beschäftigt, die im (christlichen) Sprachgebrauch oft so selbstverständlich verwendet werden, dass sie mitunter zu inhaltsleeren Phrasen zu schrumpfen scheinen. Vieren dieser Worte habe ich etwas nachzuspüren versucht. Den Beginn machen die Begriffe “heilig” und “Sanftmut”. Hör doch sehr gerne mal rein. Die Texte, die ich auch eingesprochen habe, findest du als Reel auf dem <a href="https://www.instagram.com/reflab.ch/">Instragram Kanal</a> vom Reflab oder auf Youtube:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=mWT9JqV1m5o">https://www.youtube.com/watch?v=mWT9JqV1m5o</a><a href="https://www.youtube.com/watch?v=E7eJ9Tsxquo">https://www.youtube.com/watch?v=E7eJ9Tsxquo</a><hr aria-hidden="true"/><h5>HÖRBÜCHER-RELEASE</h5><p>Im letzten Jahr habe ich meine beiden Lyrik-Bände als Hörbücher eingesprochen. Möglich gemacht haben das viele fantastische Menschen, die dieses Projekt durch meine Crowdfunding-Kampagne auf <em>Startnext</em> unterstützt haben. Und endlich, endlich, endlich kann ich sie auch mit allen anderen teilen.</p><p>Ab sofort sind beide Hörbücher auf meiner Webseite zum Download verfügbar. Gesprochen und performt von mir. Über die folgenden Links kommst du direkt zum Hörbuch. Viel Freude beim Anhören &lt;3</p><p><a href="https://www.marcomichalzik.com/digitalesundtexte/wir-werden-alle-verwandelt-werden">Wir werden alle verwandelt werden</a></p><p><a href="https://www.marcomichalzik.com/digitalesundtexte/alles-wird-ein-bisschen-anders-hrbuch">Alles wird ein bisschen anders</a></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d8e140cf-d687-4ffe-a673-ce659165a784/uploads/images/3wbogfk33v/1.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Auf dem Bild siehst du die Cover der beiden Hörbücher &quot;Alles wird ein bisschen anders&quot; und &quot;Wir werden alle verwandelt werden&quot; von Marco Michalzik"/><hr aria-hidden="true"/><p>Liebe Grüße und bleib neugierig</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/41d0b442-b7d7-40f0-abc8-ddf880b03edb/uploads/images/y3d536iebe/1.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Marco"/>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/fa2f6ae0-0ba5-4e9f-9857-b7c755aecf6c/teaser_image/1743089952?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Thu, 27 Mar 2025 19:20:31 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM GEWÖHNEN ]]></title>
      <description><![CDATA[Ich möchte mich nicht daran gewöhnen, dass eine Partei ihr Wahlergebnis mal eben VERDOPPELT, die in Teilen gesichert rechtsextrem ist.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 30: VOM GEWÖHNEN (UND DER MITTE)</strong></p><blockquote><p><em>“Fix your hearts or die.”</em></p><p><em>- David Lynch as Gordon Cole</em></p><p><em>in Twin Peaks: The Return</em></p></blockquote><p>Eigentlich war mein Plan für den Text in diesem Monat bis kurz nach der deutschen Bundestagswahl zu warten, um dann möglichst direkt und ungefiltert meine Gedanken und Gefühle zu beobachten und zu formulieren. Dann kam aber der Sonntagabend und der Montag-Morgen und ich stellte fest, dass da gar nicht so viele Gefühle waren. Klar, schon irgendwie große Freude über das sehr gute Abschneiden der LINKEN und deren Einzug in den Bundestag, gleichzeitig Schadenfreude, dass Christian Lindner und seine FDP die Quittung für ihr schäbiges Verhalten bekommen haben. Aber ansonsten…</p><p>Eine Freundin aus Österreich schrieb mir am späten Sonntagabend und fragte, wie es mir gehe mit dem Wahlergebnis. „Ach, ich weiß es nicht“ antwortete ich, „Im Grunde alles wie erwartet. Im Großen und Ganzen ungefähr das Ergebnis, dass auch die Prognosen erwarten ließen. Keine besonderen Überraschungen und jetzt muss man eh erstmal abwarten. Hätte schließlich auch schlimmer kommen können.“</p><p>Vielleicht war das auch der Tatsache geschuldet, dass ich schon viel früher per Briefwahl meine Stimme abgegeben hatte und deshalb am Wahltag zunächst mit ganz anderen Dingen beschäftigt war. Aber je mehr ich darüber nachdenke und mit Menschen unterhalte, komme ich zu dem Punkt, dass gerade diese Haltung, dieses Gefühl, dieses „alles wie erwartet, es hätte schließlich auch schlimmer kommen können“ eine große Gefahr in sich birgt. Die Gefahr mich einfach an die sogenannte „Neue Normalität“ zu gewöhnen. Zumindest solange es nicht noch schlimmer kommt. Aber was bedeutet dieses „noch“ denn überhaupt und wann kippt das und ist es dann nicht längst zu spät?  </p><p>Habe ich einfach im Vorfeld schon zu viele Hochrechnungen und Prognosen und Debatten angeschaut, um dann dem tatsächlichen Ergebnis einigermaßen teilnahmslos gegenüber zu sitzen? Immerhin ist es ja ungefähr das Ergebnis geworden, an dass ich mich schon im Vorfeld gewöhnen konnte. Aber ich möchte mich nicht gewöhnen.</p><p>Ich möchte mich nicht daran gewöhnen, dass eine Partei ihr Wahlergebnis mal eben VERDOPPELT, die in Teilen gesichert rechtsextrem ist.</p><p>Ich möchte mich nicht daran gewöhnen, dass jeder fünfte Mensch in Deutschland sein Kreuz bei dieser Partei setzt.</p><p>Ich möchte mich nicht daran gewöhnen, dass eine solche Partei überhaupt im deutschen Bundestag oder einem Landesparlament sitzt.</p><p>Ich möchte mich nicht daran gewöhnen, dass eine solche Partei im Jahr 2025 in Deutschland nach 1945 existieren kann und Zuspruch und Wählende findet.</p><p>Ich möchte mich nicht daran gewöhnen, dass nicht zuletzt auch viele Menschen, die sich als Christen bezeichnen, diese Partei für wählbar und sogar christlich und unterstützenswert halten und offen für sie werben.</p><p>Ich möchte mich nicht daran gewöhnen, dass es politische Stimmen gibt, die marginalisierte Menschen und Gruppen angreifen, ausgrenzen und ihrer Rechte berauben wollen.</p><p>Ich möchte mich nicht daran gewöhnen, dass Demokratie, das Recht auf Asyl oder die Menschenwürde verhandelbar wären, als ob es da zwei Meinungen geben könnte, die beide gehört werden müssen.</p><p>Ich möchte mich nicht daran gewöhnen, dass sich der politische Diskurs an diese Partei gewöhnt und sie irgendwann als “ganz normalen” Koalitionspartner in Betracht zieht.</p><p>Ich möchte mich nicht daran gewöhnen, dass alles unaufhaltsam in eine Richtung geht und dass das nun mal so ist und man nichts dagegen tun kann.</p><p>Ich möchte mich nicht an diese Sprache gewöhnen, die so lange „aus Versehen“ unsagbare Phrasen plappert, bis es die Empörung ermüdet oder mürbe gemacht hat und das Gewöhnen, das kurz vor dem Akzeptieren kommt, sich darüberlegt.   </p><p>Ich möchte mich nicht an diese Art des Diskurses gewöhnen, wo nicht miteinander über Inhalte diskutiert wird und die Fakten und die besseren Argumente sich durchsetzen, sondern aneinander vorbei in die Kamera nur die eigene Anhängerschaft angesprochen werden soll und wo man live und in Farbe einfach haarsträubende Lügen erzählen darf, die ungecheckt und unwidersprochen erstmal so stehen bleiben. Die Richtigstellungen und Einordnungen an anderer Stelle kommen dann längst nicht mehr bei allen an.  </p><p>(Während ich das schreibe, erinnere ich mich daran, dass ich als Kind eine Hörspiel-Kassette über Robin Hood hatte. In dieser Geschichte sagt eine Figur zur anderen: „Auch wenn man eine Lüge hundertfach wiederholt kehrt man sie nicht zur Wahrheit.“)</p><p>Ich möchte mich nicht daran gewöhnen, dass Meinungsfreiheit mit Widerspruchslosigkeit gleichgesetzt wird.</p><p>Ich möchte mich daran gewöhnen, dass es Milliardäre gibt, die nahezu unbesteuert immer reicher werden, während gleichzeitig, die die am wenigsten haben für das Problem gehalten werden.  </p><p>Ich möchte mich nicht an diese <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Normalit%C3%A4t#:~:text=Im%20Zuge%20der%20COVID%2D19%2DPandemie%20wurde%20der%20Ausdruck%20im,Einordnung%20gab%20es%20vielfachen%20Widerspruch.">Neue Normalität</a> gewöhnen. </p><p>Und vermutlich könnte ich diese Reihe noch seitenweise weiterschreiben.</p><p>Im Übrigen glaube ich nicht, dass das Wort „Rechtsruck“ wirklich zutreffend beschreibt, was wir gerade in Deutschland und anderen westlichen Demokratien erleben. Ein Ruck beschreibt etwas Plötzliches, Unerwartetes, das einen wie aus heiterem Himmel trifft und die Gemächlichkeit oder den eingeschlagenen Kurs unterbricht. Ein einmaliges starkes Ziehen oder Stoßen in eine Richtung. Es kommt mir aber eher wie ein allmähliches, leichtes Ziehen vor. So sachte, dass man es kaum als Kursveränderung wahrnimmt. Immer ein Stückchen weiter. Bis einem die Kursabweichung erst auffällt, wenn man sich wundert, warum man plötzlich so weit vom eigentlichen Ziel entfernt fährt.</p><hr/><p>FIX YOUR HEART </p><p>Beim letzten Mal habe ich meine Trauer und Wertschätzung anlässlich des Todes von Regiesseur und Künstler David Lynch zum Audruck gebracht. Den Text findest du <a href="https://steadyhq.com/de/marcomichalzik/posts/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049">hier </a>oder im Archiv.</p><p>Ich habe seitdem viele seiner Filme erneut angeschaut und u.a. auch die dritte Staffel der von ihm geschaffenen Serie Twin Peaks. In dieser Serie taucht Lynch auch immer mal wieder vor der Kamera auf und verkörpert den FBI-Chef Gordon Cole. Als dieser begegnet er in der dritten Staffel Denise Bryson, einer Person, die bereits 25 Jahre vorher in der zweiten Staffel eingeführt wurde. Damals wurde erzählt, dass Denise früher Dennis hieß und als männlicher FBI-Agent für einen Undercover-Einsatz als Frau verkleidet ermittelte. Dabei wurde Dennis klar, dass er eigentlich Denise war und sich diese Verkleidung überhaupt nicht wie eine Verkleidung sondern endlich natürlich anfühlte. Diese positive und fast beiläufige Darstellung einer Trans-Person finde ich für eine Serie, die Anfang der 90er Jahre im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt wurde nach wie vor für bemerkenswert.</p><p>Bei diesem erneuten Zusammentreffen der beiden in der dritten Staffel nun viele Jahre später erzählt Cole noch einmal kurz wie er damals mit Kritik und Anfeindungen und komischen Komentaren der Kollegen umgegangen sei, die Denise neue Identität nicht akzeptieren wolten:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=fD1tQjb46N8">https://www.youtube.com/watch?v=fD1tQjb46N8</a><p>Dieses Zitat nehme ich zum Anlass immer wieder mein Herz, meine Gefühle und Überzeugungen, meine Priviligien und mein Haltung zu überprüfen und wenn nötig und möglich zu reparieren. Daraus ist folgendes Gedicht entstanden:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d8e140cf-d687-4ffe-a673-ce659165a784/uploads/images/ih4foz267h/IMG_5984_2.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="EIN GEDICHT, IN DEM DAS WORT HERZ VORKOMMT

Es ist schwer zu behaupten, keinen Schaden genommen zu haben, 
wenn so vieles im Argen liegt; ziehe in Betracht, 
dass etwas kaputt gegangen ist und zum Zentrum kriecht,
Repariere deine Empathie und pikse in die Nervenbahnen, 
die sich bereits an Taubheit zu gewöhnen beginnen,
Warte deine Wahrnehmung und warte nicht so lange
bis alle Zweifel sich gelichtet haben werden.
Hinterfrage deine Fragen und deinen Atem
und deine Antworten noch mehr, begutachte
alle Buchstaben deiner Sprechblasen
und deine Sätze des Glaubens und in Gedanken.   
Träume und Alpträume sind manchmal derselbe Plot,
nur deine Rolle in der Handlung und deine Sehgewohnheit 
haben sich verändert. 
Bring dein fleckiges Herz in Ordnung, das an manchen Stellen
Tarnfarbe trägt, um in Ruhe gelassen zu sein und bemerke,
dass das Glas in den Wänden nur noch Spiegel sind, die sich
selbst anschauen, anstatt Fenster ins Außen zu bleiben.
Wenn du es brauchst, kaufe dir Hilfsmittel für die Hornhaut
auf dem Mitgefühl oder kitschige Gedichte, in denen das 
Wort Herz vorkommt.

Mehr als alles achte auf dein Herz;  
Gewöhn dich nichts ans Gewöhnen;
Selig die Sanftmütigen ; Fix your hearts
or die   den Tod, der Stein macht aus Gewebe 
und dir das als Leben verkauft;"/><p>Natürlich steckt in einem solchen Text wenig Brauchbares, aus dem man einen Lösungsansatz ableiten könnte. Und konkrete Lösungen werden wir brauchen. Engagement werden wir brauchen. Stabile Gemeinschaften der Hoffnung werden wir brauchen. Kunst und eine wehrhafte Sprache in all ihren Formen werden wir brauchen und vielleicht ist so ein Appell an mich selbst, mich nicht an die Zustände zu gewöhnen, immerhin ein kleines Puzzleteilchen.</p><p>Es gibt diese Geschichte von einem Mann, der während des Vietnamkriegs jeden Abend vor dem Weißen Haus in Washington mit einer Kerze in der Hand gestanden haben soll, um gegen den Krieg zu protestieren. Irgendwann wurde er gefragt, warum er das jeden Tag aufs Neue tun würde. Ob er wirklich glaube, dass sein kleiner, stiller Protest etwas am System oder den Umständen ändern würden. Darauf antwortete er: „Ich tue das nicht, um das System oder die Umstände zu ändern, sondern damit das System und die Umstände mich nicht verändern.“ Ich weiß nicht, ob die Geschichte wahr ist, oder ob es sich um eine urbane Legende handelt, aber diese Perspektive, diese Haltung finde ich äußerst hilfreich und inspirierend.   </p><hr aria-hidden="true"/><h2>NEWS- NEWS- NEWS- NEWS- NEWS</h2><h4>HÖRBÜCHER-RELEASE</h4><p>Im letzten Jahr habe ich meine beiden Lyrik-Bände als Hörbücher eingesprochen. Möglich gemacht haben das viele fantastische Menschen, die dieses Projekt durch meine Crowdfunding-Kampagne auf <em>Startnext</em> unterstützt haben. Und endlich, endlich, endlich kann ich sie auch mit allen anderen teilen.</p><p>Ab sofort sind beide Hörbücher auf meiner Webseite zum Download verfügbar. Gesprochen und performt von mir. Über die folgenden Links kommst du direkt zum Hörbuch. Viel Freude beim Anhören &lt;3</p><p><a href="https://www.marcomichalzik.com/digitalesundtexte/wir-werden-alle-verwandelt-werden">Wir werden alle verwandelt werden</a></p><p><a href="https://www.marcomichalzik.com/digitalesundtexte/alles-wird-ein-bisschen-anders-hrbuch">Alles wird ein bisschen anders</a></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d8e140cf-d687-4ffe-a673-ce659165a784/uploads/images/3wbogfk33v/1.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr aria-hidden="true"/><h4>NEUE EP: DIE GERADE LINIE IST GOTTLOS PT.1</h4><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/41d0b442-b7d7-40f0-abc8-ddf880b03edb/uploads/images/gq2ejtsav6/cover_DIE_GERADE_LINIE_IST_GOTTLOS_PT._1_(3000x3000).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Am 24.01. ist unsere neue #poetrymeetsbeats EP erschienen. Drei neue Stücke von Manuel Steinhoff und mir, die du ab sofort auf allen Plattformen streamen und natürlich auch käuflich erwerben kannst.</p><p>Hier ist der Link zu allen gängigen Plattformen:</p><p><a href="https://album.link/s/5GfFdMtKT5zlcEgyRKZrme">Die gerade Linie ist gottlos Pt.1</a></p><p>Ich freue mich sehr, wenn du reinhörst. Es hat sehr viel Freude gemacht an den neuen Stücken zu arbeiten und ich freue mich, dass wir sie jetzt auch endlich mit Menschen teilen dürfen. Und das war ja erst Teil 1. Da kommt bald noch mehr…</p><hr aria-hidden="true"/><h3></h3><p>Liebe Grüße und bleib neugierig</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/41d0b442-b7d7-40f0-abc8-ddf880b03edb/uploads/images/y3d536iebe/1.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Marco"/>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/d8e140cf-d687-4ffe-a673-ce659165a784/teaser_image/1740749705?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Fri, 28 Feb 2025 13:35:05 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM TRÄUMEN]]></title>
      <description><![CDATA[In Erinnerung und Wertschätzung an David Lynch, die von ihm geschaffenen Traumwelten, das Absurde und die Liebe zu verdammt gutem Kaffee. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/yqkfrrzhso/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 29: VOM TRÄUMEN</strong></p><blockquote><p><em>„We are like the dreamers, who dream and then live inside the dream. But who is the dreamer?”</em></p><p><em> </em></p><p><em>(aus Twin Peaks: The Return, Ep. 14)</em></p></blockquote><p>Ich habe gestern beim Vorbeiscrollen ein Meme gesehen, dessen Aussage ungefähr so war: „Zum Glück ist der Januar endlich vorbei. Das war ein ganz schön langes Jahr!“ Das damit transportierte Gefühl teile ich. Der erste Monat des neuen Jahres war direkt so voll mit Absurditäten und Nachrichten und Meldungen, die man gestern noch für undenkbar gehalten hat. Was schreibt man nach so einem ersten Monat mit Anschlägen, eingerissener Brandmauer, Amtseinführung inklusiver Hitlergruß und einer bevorstehenden Bundestagswahl? Zu alldem gibt es viel zu sagen und noch mehr zu tun, aber davon dann an anderer Stelle mehr.</p><p>Trotzdem ist im Januar auch noch etwas anderes geschehen, das mich zwar auch bestürzt hat, das aber doch Anlass bot, kurz innezuhalten, wertzuschätzen und wahrzunehmen. Und ehrlicherweise auch zu trauern, denn am 15. Januar ist der amerikanische Regisseur und Künstler David Lynch verstorben. Ich bin normalerweise immer eher vorsichtig, wenn es um Heldenverehrung geht oder darum Menschen auf ein Podest zu stellen und sie unreflektiert anzuhimmeln. Manche sagen ja <em>„Never meet your heroes“, </em>weil man am Ende ja doch nur enttäuscht werden wird. Andere schlagen eher vor, sich von vorneherein bessere Helden zu suchen, die keine Arschlöcher sind und die man deshalb gerne trifft, aber ich denke, beides greift zu kurz.</p><p> So oder so war David Lynch ein Künstler, den ich sehr bewundert und geschätzt und dessen Werke ich geliebt habe und die mich inspiriert haben, wie wenig andere Kunstschaffende. Nein, ehrlich gesagt, stimmt die Zeitform so auch gar nicht, denn was seine Werke betrifft, ist das nach wie vor und ganz gegenwärtig der Fall und wird wohl auch so bleiben. Ich kann dabei sehr gut verstehen, dass nicht alle mit seiner Kunst etwas anfangen können. Vielen meiner Freunde bin ich unangenehm oft auf den Sack gegangen, um sie dazu zu bewegen sich mal Twin Peaks, die von David Lynch geschaffene Fernsehserie oder einen seiner Filme anzuschauen. Viele haben genervt schon nach wenigen Folgen aufgegeben und konnten meine Faszination und Liebe dafür nur schwer nachvollziehen. Und gut möglich, dass du diesen Text gerade liest und überhaupt nicht weißt, wovon und von wem ich rede. Ich habe auf Youtube ein sehr schönes Video-Tribute zu David Lynch und seinem Werk gefunden, das einen schönen Eindruck in seine Bild- und Traumwelten gibt: </p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=purlzeSWYKI">https://www.youtube.com/watch?v=purlzeSWYKI</a><p>Es gäbe natürlich unglaublich viel zu seinem Werk zu sagen und zu schreiben. David Lynch war nicht nur Regiessuer und Filmemacher, sondern vor allem auch bildender Künstler, der u.a. Gemälde und Fotografien geschaffen hat, aber auch sich auch als Musiker, Buch-Autor und Designer ausgedrückt hat. Dem nachzuspüren lohnt sich sehr. Ich möchte an dieser Stelle nur ein paar Punkte highlighten, die mich besonders fasziniert haben:</p><p>Er hinterfragte die Erwartung, dass Kunstwerke immer sinnvoll oder verstehbar sein müssten, wenn wir doch auf der anderen Seite den Fakt, dass das Leben an sich nicht immer sinnvoll und erklärbar ist hinnehmen und verweigerte stets die Antwort auf Interview-Fragen, die versuchten ihm eine Erklärung zu seinen Werken abzuringen:</p><p> <em>David Lynch: „Believe it or not, Eraserhead is my most spiritual film.“</em></p><p><em>BAFTA Interviewer David Lean: „Elaborate on that, if you would.“ </em></p><p><em>David Lynch: „No, I won’t.“</em></p><p>Diese Verweigerung von Interpretationen halte ich keineswegs für die Überheblichkeit eines exzentrischen Genies, das alle anderen für nicht klug genug hält, die von ihm geschaffene Großartigkeit zu verstehen. Es drückt eher die Haltung eines Künstlers aus, der sich des Rätselfaften und Abgründigen und Mehrdeutigen und Absurden bewusst war und das er nicht durch einfache Antworten klein machen wollte. Und ich vermute, er wusste auch um die kindliche Freude am Suchen und Finden und Entdecken, um das Ringen mit einem Werk, um das er den Betrachtenden nicht bringen wollte. Es gibt so manche Songs und Kunstwerke, wo ich wünschte, ich hätte die vom Künstler nahegelegte Interpretation nie gehört oder gelesen, weil sie allzuoft meine eigenen Assoziationen dadurch weggewischt haben.    </p><p>David Lynch ist es gelungen seine eigene Stimme, seinen ganz eigenen Stil und Ausdruck zu finden. Schaut man seine Filme und Kunstwerke an, weiß man meistens sofort, dass sie von ihm stammen, weil es wenig Vergleichbares gibt. Ich bewundere seinen Mut, den es gebraucht haben muss, dem eigenen Ausdruck gegen alle Trends und Vergleichsfallen so bedingungslos zu vertrauen. Wer wird schon gerne für weird gehalten? </p><p>Ich halte Neugier für eine essenzielle Haltung für ein kreatives, aber auch überhaupt für ein menschliches Leben. Und Neugier scheint auch in David Lynchs Werken ein zentraler Antrieb zu sein. Zu sehen, was hinter den Fasseden schlummert und lauert. Sich nicht zufrieden zu geben, mit dem was vordergründig nach einer heilen Welt aussehen mag. Den Dingen auf den Grund zu gehen, selbst auf die Gefahr hin sich auf dem Weg dorthin in allerlei weirden Welten zu verirren. </p><p> Er beschrieb das Empfangen von Ideen für ein neues Projekt oder ein neues Werk als Puzzleteile, die einzeln, eins nach nach dem anderen und nicht unbedingt in der richtigen Reihenfolge zu einem kommen. Im Nebenraum liegt das fertige Bild, das jetzt aber noch nicht sichtbar ist und schwebt gewissermaßen in seinen Einzelteilen hinüber durch den roten Vorhang zu einem Empfänger, der offen dafür ist sie in Empfang zu nehmen und sie mit der Zeit nach und nach zu etwas Neuem zusammenzusetzen. </p><p>Sein Werk ist oft ein Spiel mit Masken und dem Davor und Dahinter und der Frage, welche Seite ich gerade davon sehe? Und welche die „echte“ ist? Und ob es das überhaupt gibt? Tast- und Suchbewegung. Wenig Gewissheit. Verortet im Hier und Jetzt, in das Gewesenes hineinragt. Auf der Suche nach dem Ort hinter dem Vorhang. Ohne zu wissen, ob es überhaupt gut wäre dorthin zu gelangen. Ausloten der Beschaffenheit eines solchen Raumes. Irgendwo zwischen zwei Geheimnissen. Ein Ahnen. Das Beschreiben, das Bebildern, das Bennen der Suche oder des Weges mag vielleicht, ohne es zu wissen bereits ein vorläufiges Finden sein. Vielleicht sogar eine Art Gefunden-werden.</p><p>Ich halte seine Kunst und seine Filme für spirituelle Werke. Weil sie Raum für das Rätselhafte und das Fühl- aber nicht Erklärbare eröffnen. Weil sie sich bewusst der Eindeutigkeit und der Interpretation entziehen und so zum Träumen, zum Weiterdenken, zum Hinterfragen und Dran-abarbeiten einladen. Weil sie einkalkulieren, dass da immer etwas da ist, dass über das Sichtbare, das Vordergründige hinausgeht. Bewusste und unbewusst gelassene Leerstellen, wie das Weiß zwischen Gedichtzeilen um das Geschriebene herum. Wer möchte kann in diesem Gedanken ein Bild für Gott, das Göttliche, das Universum, Spiritualität oder einfach das Unaussprechliche finden, für das es ein Gefühl, ein Ahnen gibt, aber selten passende Vokabeln. David Lynch selbst scheint ein äußerst spiritueller Mensch gewesen zu sein, der über viele Jahre immer wieder davon erzählte, dass er täglich meditiert und wie diese Praxis ihm in seinem Leben und Arbeiten und dem Umgang mit anderen Menschen hilft.  </p><p>Diese Gedanken flossen auch stark in das Stück „Damn Good Coffee“ ein, das ich gemeinsam mit Manuel Steinhoff aufgenommen habe und das damals schon als kleine Hommage an David Lynch und Twin Peaks gedacht war. Sowohl im Text selbst als auch im Artwork und im Video haben wir David Lynch zitiert, uns an sein Werk angelehnt und sein Leerstellen-lassen letztendlich als eine Metapher verwendet für Gott oder das göttliche, das Unverfügbare, das sich meinem Verstehen-wollen entzieht.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=2E0sK6A0SAw">https://www.youtube.com/watch?v=2E0sK6A0SAw</a><p>Ich glaube, was die Lyrik sehr gut kann, ist das Gefühl eines bestimmten Moments festzuhalten. Mehr als nur ein Schnappschuss. Bewegte Schnappschüsse würde David Lynch vielleicht sagen. Ich habe versucht den Moment, als ich die Nachricht von seinem Tod gelesen habe, in einem Gedicht festzuhalten, das mich an ihn, seine Kunst und nicht zuletzt an mein Gefühl bei der Auseinandersetzung mit seiner Kunst erinnert:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/w3pb4nuzcr/IMG_5915.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Am Tag als David Lynch sich auf den Weg zum Himmel machte, musste viel vorbereitet werden

Der Himmel heute ist ein Diner ohne Rauchverbot.
Wo ein Kellner-Engel ein Holzscheit in der Armbeuge 
trägt, das rückwärts redet und vorwärts beiläufig
Bestellungen aufnimmt, ohne sich Notizen zu machen. 

Eine Gestalt in einem hellen, aber nicht weißen Anzug, sitzt am Dresen 
und sieht von hinten ein bisschen aus wie David Bowie,
aber sicher kann ich selbstverständlich nicht sein an diesem Andersort
mit flackerndem Licht, so kurz, dass alles auch Einbildung gewesen sein könnte

Auf der Rückseite der Realität im Spiel der Spiegelungen,
Gott hat sich scheinbar noch nicht blicken lassen heute,
Vielleicht ist es oberste Priorität, dass der hier ausgeschenkte
Kaffee tatsächlich am Ende verdammt gut genannt werden kann. 

Dass er schwarz ist und eher heiß als warm, in einer Tasse serviert, 
die genau die richtige Größe hat und nach Neugier und Geheimnis 
schmeckt und auch ein bisschen nach Jazz und der Erinnerung an 
Unschuld und das Bestaunen rätselhafter Bäume beim Vorbeifahren.

Kirschkuchen ist aus und von den Donuts sind nur die Mitte-Löcher übrig.
Aus der Jukebox unter dem Ventilator, der sich gegen den Uhrzeigersinn 
dreht und von dem ich schwöre, dass der noch nicht die ganze Zeit dort hing,
singt eine Stimme, dass hier am Ende alles fein sein wird. 

Aber sicher kann ich selbstverständlich nicht sein.
Schlaf gut und träum etwas, das für dich schön ist.
Oder seltsam oder alles ineinander gedreht."/><p>Machs gut, lieber David Lynch! Ich werde an dich denken beim Rauchen und beim Kaffeetrinken. Also ziemlich oft! </p><hr aria-hidden="true"/><p>Wenn du Lust bekommen hast, dich mit diesem außergewöhnlichen Künstler und Menschen zu beschäftigen empfehle ich das Buch <a href="https://www.amazon.de/Traumwelten-Ein-Leben-David-Lynch-ebook/dp/B077BZMNQ4/ref=sr_1_1?crid=2GOA579MIEOE0&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.OjK1y_bbt6BxLQMlUSDXaOLVMhZy-nux710sBGCnY984J70dIZHfOJhGh50VXmIvsnuWOkipYE7jmHN7PYVx1SDAFuno7ME7FKV72gq1LPQYJwaktArP0XHs3lhOI4eC8qu0arkB_Jv977xBTk3zOMJ2iNOikYzTcjjHi09-aGXrMtR74EP5Bf7PUJq_VDi1FMtPoPecET8EYd9VDYxJ_ryaNUVQtKboYwuKl5Gtpho.sletsgaebrlRHrxKVWuDMTbEGjstmsajSLXIJ4eyjvc&amp;dib_tag=se&amp;keywords=david+lynch+traumwelten&amp;qid=1739050626&amp;sprefix=david+lynch+traum%2Caps%2C111&amp;sr=8-1">„Traumwelten: Ein Leben“</a> und den tollen Doku-Film <a href="https://www.youtube.com/watch?v=CbXEU_Kj3NI">„The Art Life“</a>. David Lynchs Gedanken zu Kreativität und Ideen, findest du in dem großartigen kleinen Buch <a href="https://www.amazon.de/Catching-Big-Fish-Meditation-Kreativit%C3%A4t/dp/389581380X/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2RRF41LX5WBHP&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.WhKifssyLQRfPgtBDqIdDU07PNm5Kx18yaxwk69fcjW0A8_8noCQLDBGlXx7gCuxHzSmNMNCRc1Iv6taEpyOOzghZ1vTZvDV7aYyUd1jK7sv8sSvi4T6_ixMvlM-DC21Y_bPT8jTN462-Lj094cQWRBUH9O8hmy-KCxN6xze7ErILHe3ByNodQON1ooLswDqLpPoPLR7kaCj27TIm2A_lEAJ_TxWMn5FRREk3fVvsW4.LWJ1ajs6pD8S93QIY0LPR8b1LI0_8iGgOExU0tPd3Rs&amp;dib_tag=se&amp;keywords=catching+the+big+fish&amp;qid=1739050542&amp;sprefix=catching+the+big+fish%2Caps%2C116&amp;sr=8-1">„Catching The Big Fish“</a>. Manchmal hilft es mir Zugang zum Werk eines Kunstschaffenden zu finden, wenn ich mir vorher ein wenig dessen Biografie angeschaut habe.</p><p>Aber ansonsten empfehle ich natürlich vor allem seine Filme und besonders die Serie Twin Peaks. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/lzmjidqtnd/tempImagekVKpwj.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Also lasst uns träumen und weird werden und versuchen der Absurdität des Vorhandenseins manchmal ein bisschen Humor, die ein oder andere gute Idee oder zumindest Zeit für einen verdammt guten Kaffee abringen.</p><p>Und wenn das mal nicht so ganz gelingt:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/uploads/images/o23ad7sbec/EaNH-lxXsAAgmb_.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Auf dem Bild ist der Regiesseur David Lynch zu sehen. Er hält ein Megaphone in der Hand und ruft: &quot;Okay, let&#39;s try that again, but this time good.&quot;"/><hr aria-hidden="true"/><h2>NEWS- NEWS- NEWS- NEWS- NEWS</h2><h3>DIE GERADE LINIE IST GOTTLOS PT. 1</h3><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/41d0b442-b7d7-40f0-abc8-ddf880b03edb/uploads/images/gq2ejtsav6/cover_DIE_GERADE_LINIE_IST_GOTTLOS_PT._1_(3000x3000).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Am 24.01. ist unsere neue #poetrymeetsbeats EP erschienen. Drei neue Stücke von Manuel Steinhoff und mir, die du ab sofort auf allen Plattformen streamen und natürlich auch käuflich erwerben kannst.</p><p>Hier ist der Link zu allen gängigen Plattformen:</p><p><a href="https://album.link/s/5GfFdMtKT5zlcEgyRKZrme">Die gerade Linie ist gottlos Pt.1</a></p><p>Ich freue mich sehr, wenn du reinhörst. Es hat sehr viel Freude gemacht an den neuen Stücken zu arbeiten und ich freue mich, dass wir sie jetzt auch endlich mit Menschen teilen dürfen. Und das war ja erst Teil 1. Da kommt bald noch mehr…</p><hr aria-hidden="true"/><h3>HOSSA TALK #252: Das göttliche Gebetsdilemma</h3><p>In der aktuellen Folge unseres Podcasts “Hossa Talk” habe ich mit Jay und Gofi über Gebet geredet und wofür das überhaupt gut sein soll und wie das eigentlich ist, wenn zwei Personen oder Gruppen für Anliegen zu Gott beten, deren Erfüllung sich gegrnseitig ausschließen. </p><a href="https://hossa-talk.de/252-das-goettliche-gebetsdilemma/">https://hossa-talk.de/252-das-goettliche-gebetsdilemma/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Liebe Grüße aus Wien und wähle keine Nazis am 23.02.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/41d0b442-b7d7-40f0-abc8-ddf880b03edb/uploads/images/y3d536iebe/1.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Marco"/>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/022506ef-2a8a-4edd-8e5f-b3b9b8045049/teaser_image/1738346092?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sat, 08 Feb 2025 22:21:12 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VON DER MÖGLICHKEIT]]></title>
      <description><![CDATA[ „I dwell in possibility“ (Ich wohne in der Möglichkeit), so beginnt ein Gedicht von Emily Dickinson. Sie beschreibt diese bewohnbare Möglichkeit und letztlich die Poesie]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/43cb2f20-3596-4374-b112-98c5f2eea33f/uploads/images/3z2ymex7n7/Texte_vom_Vorhandensein_new.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 28: VON DER MÖGLICHKEIT</strong></p><p>In diesen Adventstagen und zu Weihnachten werden vielerorts wieder die Texte und Geschichten hervorgeholt und vorgelesen, die von der Geburt eines Kindes in einem Stall irgendwo im Nirgendwo erzählen. Eine dieser Geschichten beginnt damit, dass ein Lichtwesen (möglicherweise mit Flügeln) plötzlich vor einer jungen Frau erscheint und ihr eine absolute Ungeheuerlichkeit mitteilt, zu der diese schließlich ihre Zustimmung gibt:</p><p> <em>„Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden“</em> (Evangelium nach Lukas 1,31-32). Zuvor jedoch hat sie berechtigte Einwände, ob und wie das denn überhaupt <em>möglich</em> sein soll. Daraufhin antwortet ihr das Lichtwesen schlicht: „<em>Bei Gott ist kein Ding unmöglich</em>“ (Lukas 1,37). Das scheint ihr genügt zu haben.</p><p><em> „I dwell in possibility“</em> (Ich wohne in der Möglichkeit) – so beginnt ein <a href="https://www.poetryfoundation.org/poems/52197/i-dwell-in-possibility-466">Gedicht </a>von Emily Dickinson. Sie beschreibt diese bewohnbare Möglichkeit und letztlich die Poesie als ein Haus mit zahlreichen Fenstern und Türen. Einen vertrauten Zufluchtsort, aber eben keine unauffindbare Höhle, keinen hermetisch abgeriegelten Bunker. Da sind Türen, durch die ich gehen kann und Fenster, durch die ich Neues oder Vertrautes bestaunen kann. Da gibt es unterschiedliche Räume und Besuch und ein Dach so weit wie der Himmel. Den Gedanken, den Träumen, dem Hoffen, dem Formulieren sind in diesem Haus keine Grenzen gesetzt.</p><p>Kurz nach ihrer Begegnung mit dem Lichtwesen formuliert die junge Frau, Maria, ebenfalls einen poetischen Text. <em>Magnificat </em>wird er von manchen genannt. Er beginnt ein bisschen anders als das Gedicht von Emily Dickinson, aber zählte man die Vorgeschichte einige Verse zuvor dazu, könnte <em>„I dwell in possibility“</em> durchaus auch eine passende erste Zeile für Marias Text sein. Der Anfang klingt fast wie die Komposition eines Psalms. Sie beschreibt, besingt, bedichtet (ihren) Gott als groß, machtvoll, heilig und als Retter. Sie verknüpft dabei ihre eigene Erfahrung mit den großen Erzählungen ihrer Glaubenstradition.  </p><p>Emily Dickinsons Gedicht endet mit dem Wort <em>paradise</em>. Mit geöffneten Händen, die immerhin die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass das Paradies berührbar, greifbar, anfassbar, erlebbar sein könnte. Marias Gedicht endet ebenfalls mit Paradies. Vielleicht nicht mit dem konkreten Wort, aber doch mit einer poetischen Beschreibung einer Utopie. Einer Zeit, einem Ort, wo Erbarmen groß und hochmut klein geschrieben wird. Wo die Mächtigen vom Thron gestürzt und die Niedrigen erhöht werden. Wo die Hungernden beschenkt werden und die Reichen leer ausgehen.</p><p>Ein politisches Gedicht am Anfang der Weihnachtsgeschichte. Machtkritisch, revolutionär, fast umstürzlerisch, was Maria in ihrem Gedicht nicht nur neben den Ausdruck ihres Gottesglaubens stellt, sondern als Hoffnung, die sie konkret daraus abzuleiten scheint. Mystik und Widerstand, wie es Dorothee Sölle nennen würde. In Zeiten zunehmenden Nationalismus, Turbokapitalismus, Missbrauch, Abschiebephantasien und geschlossener Grenzen umso beeindruckender, was diese junge Frau als Möglichkeit formuliert. <em>I dwell in possibility.</em></p><p> Und ich…</p><p> …ich wohne im Vielleicht, im Zwischenraum von Ja und Nein. Ans Geländer der Brücke gelehnt zwischen Hoffen und Hinnehmen. </p><p>Ich wohne in guter Nachbarschaft von Zweifeln und Staunen. Beide versuchen regelmäßig mich zu besuchen. Manchmal bin ich aber unterwegs. </p><p> Ich möchte in der Möglichkeit wohnen, dass Veränderung vorstellbar ist und meistens im Kleinen und Unscheinbaren beginnt.</p><p> Ich möchte in der Möglichkeit wohnen, dass kein Thron und kein Machtsystem für alle Zeit unstürzbar zementiert bestehen bleibt und alles so bleibt, weil es schon immer so war.</p><p> Ich möchte in der Möglichkeit wohnen, wo Fragezeichen die Räume weiten und Zeilenzwischenräume und Schweigen zum Verweilen einladen.</p><p> Ich möchte in der Möglichkeit wohnen, in der Offenheit, in der Neugier, im Hinhören, im Dialog, im Ausprobieren, im ALLES prüfen und das Gute behalten.</p><p> Ich möchte in der Möglichkeit wohnen, dass manchmal Licht wird, wenn jemand (einfach) ein Wort spricht.</p><p> Ich möchte in der Möglichkeit wohnen, dass ich so ein jemand für einen anderen jemand sein kann und umgekehrt. Manchmal ohne es jemals gewusst zu haben.</p><p> Solange du atmest, bist du noch da und solange du da bist, wohnst du (vielleicht) in diesen vier (oder wie vielen auch immer) Wänden und unter diesem geheimnisvoll weit ausgedehnten Himmelsgiebeldach <em>der Möglichkeit.</em></p><p><em> Wir wohnen in der Möglichkeit.</em></p><hr aria-hidden="true"/><h2>NEWS- NEWS- NEWS- NEWS- NEWS</h2><h4>DIE GERADE LINIE IST GOTTLOS PT. 1</h4><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/41d0b442-b7d7-40f0-abc8-ddf880b03edb/uploads/images/gq2ejtsav6/cover_DIE_GERADE_LINIE_IST_GOTTLOS_PT._1_(3000x3000).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Taaadaaa! Darf ich vorstellen? Das Cover unserer neuesten Veröffentlichung aus dem Hause #poetrymeetsbeats, die im Januar das Licht der Welt erblicken wird. Dahinter verbirgt sich eine neue EP mit 3 neuen Spoken Word-Tracks. Sie trägt den Titel: DIE GERADE LINIE IST GOTTLOS PT. 1: HEUL (LEISE) und bildet gewißermaßen den Auftakt zu einer dreiteiligen Serie von EPs, die wir über das kommende Jahr veröffentlichen möchten. Uns war es besonders wichtig diese Neuigkeiten zuerst hier mit Dir zu teilen, bevor wir das Projekt über die offiziellen Kanäle vorstellen. Das werden wir auch mit den folgenden Releases so machen. Das heißt, hier liest du es immer zuerst, wenn es etwas Neues gibt.</p><p>Der Titelsatz ist ein Zitat aus dem <a href="https://hundertwasser.com/texte/mouldiness_manifesto_against_rationalism_in_architecture">Verschimmelungsmanifest gegen den Rationalismus in der Architektur</a> des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser. Seit ich diesen Satz zum ersten Mal gehört habe, habe ich ihn mit mir herumgetragen und gewusst, dass ich irgendwann einmal etwas damit machen möchte. In meinem Gedichtband “Wir werden alle verwandelt werden” kommt er als Zitat in mehreren Texten vor. Und da wir einige dieser Texte jetzt vertonen, erschien es mir passend diesen Satz dann auch als Titel für diese Reihe zu verwenden. .Ich glaube, ich mag diesen Satz so gerne, weil er sich für mich direkt so wahrhaftig anfühlt. Weil er irgendwie ausrückt, dass es beim göttlichen nicht um Perfektion und Stringenz geht. Dass da Heiliges und Heilsames gerade in den Brüchen und ungeraden Umwegen des Lebens liegt. Vielleicht sogar, dass das Göttliche eher immer wieder in den Unterbrechungen der geraden Linien von vorhersehbaren Grenzlinien in Denk- und Glaubenssystemen zu finden ist. In umgeworfenen Tischen auf der einen Seite und Tischgemeinschaft auf der anderen Seite mit Menschen, die man dort vielleicht am wenigsten erwartet hätte. Ich bin keine gerade Linie. Ich bin ein Mensch voller Widersprüche, der das eine sagt und das andere heimlich hofft. Der das eine vorgibt zu glauben und dann handelt, als sei er vom Gegenteil überzeugt. Auch mein Glaube ist keine gerade Linie. Vieles hat sich sehr verändert. Vieles wird sich weiter verändern. Hoffentlich.   </p><p>Ich habe es sehr geliebt, endlich wieder mit Manu im Studio zu sein und an neuen Stücken zu arbeiten. Aber natürlich ist das neben all der Freude und Begeisterung auch eine Investition, die wir durch Streams auf Spotify &amp; Co niemals wieder reinholen können. Im Grunde ist es tatsächlich so, dass wir und sämtliche Musikerkolleg*innen enorm viel investieren, um ein Produkt herzustellen, dass wir dann mehr oder weniger verschenken. Deshalb möchte ich dir gerne fünf Möglichkeiten vorstellen, wie du mich und uns grundsätzlich und besonders bei diesem Projekt unterstützen kannst:</p><ol><li><p><strong>Werde Teil meiner Steady-Supporter</strong></p><p>Damit machst du nicht nur diese Texte möglich, sondern unterstützt auch mein Schreiben und Kreatives-Arbeiten allgemein. Das geht ganz einfach, indem du zum Beispiel auf folgenden Button klickst:</p></li></ol><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><ol start="2"><li><p><strong>Werde Manus Steady-Supporter</strong></p><p>Dasselbe kannst Du auch bei Manuel Steinhoff machen. Auf seiner Steady-Seite veröffentlicht er regelmäßig Updates zu seinen Produktionen und Projekten, gerade vor allem zu der großartigen Musik seiner Frau <a href="https://www.instagram.com/monyana.yole/">“Monyana Yole”</a>. Hier geht es direkt zu Manus Steady Seite:</p><p><a href="https://steadyhq.com/de/manuundrose/posts">https://steadyhq.com/de/manuundrose/posts</a></p><p></p></li><li><p><strong>EP kaufen</strong></p><p>Es wird zum Release die Möglichkeit geben, die EP auf meiner Webseite käuflich zu erwerben und herunterzuladen. Außerdem wird es auch in einigen Online-Stores möglich sein, die EP nicht nur zu streamen sondern eben auch zu kaufen. Beides hilft sehr.</p><p></p></li><li><p><strong>Gigs buchen</strong></p><p>Manu und ich wollen gerne im nächsten Jahr wieder mehr mit #poetrymeetsbeats unterwegs sein und die neuen Stücke auch live vor Publikum performen. Wenn du Interesse hast oder jemanden kennst, für den das spannend sein könnte, schreib gerne eine Mail an info[at]marcomichalzik.com</p><p></p></li><li><p><strong>Sharing is caring</strong></p><p>Und natürlich hilft es auch sehr, wenn du die EP über deine Kanäle teilst und den Menschen in deinen Netzwerken davon erzählst.</p></li></ol><p>Vielen Dank, wenn du den langen Text bis hierhin gelesen hast. Wir freuen uns sehr auf die gemeinsame weitere Reise mit dir &lt;3</p><p>PS. Die <strong>Steady-Supporter</strong> bekommen übrigens in den nächsten Tagen noch eine zusätzliche Mail mit dem <strong>Download-Link zur neuen EP.</strong> Exklusiv und vorab, einen knappen Monat bevor sie offiziell veröffentlicht wird. Als kleines Vor-Weihnachtsgeschenk und besonderes Dankeschön von uns für Euch &lt;3</p><p>Bist du dabei?</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><hr aria-hidden="true"/><h4>VIER POETISCHE EMPFEHLUNGEN</h4><p>Vielleicht erinnerst du dich noch an Teil 11 dieser Textreihe “<a href="https://steadyhq.com/de/marcomichalzik/posts/2ca1ffbc-e416-49d4-bef0-7498c6f2210e?secret_token=meVZrup8RYNSEiC-mFa9FI73CnrzwDbbNFZGFk9wcauZviJpmaQP-WJd1Ej3wAvg">Vom Verbundensein</a>” (ansonsten kannst du ihn im Archiv jederzeit nachlesen). In besagtem Text habe ich davon erzählt, wie wichtig mir Kollektive und der gemeinschaftliche Aspekt beim Schreiben und Kunstschaffen ist. Und ich habe von enigen wundervollen Menschen erzählt, die ich durch und über das Schreiben kennen lernen durfte und die über die Jahre von Kolleg*innen zu Freund*innen geworden sind, die miteinander Höhen und Tiefen, Erfolge und Enntäuschungen, Texte und Leben teilen und mit denen ich mich sehr verbunden fühle. Zu dieser besonderen Gruppe von Menschen gehören u.a. <strong>Micha Kunze, Jasmin Brückner, Tabitha Hanan</strong> und <strong>Leah Weigand</strong>.</p><p>Alle 4 haben in letzter Zeit hochspannende und wie ich finde ganz grandiose neue Texte veröffentlicht. In ganz unterschiedlichen Formen und Medien. Gedruckt, in Buchform, aufgenommen und mit Musik performt und als Bewegtbild-Kunstwerk in Poetry Clips.</p><p>Vielleicht hast du in den Tagen zwischen den Jahren (merkwürdige Formulierung) ja Lust dich ein bisschen mit lyrischen Texten zu beschäftigen. Hinzuhören, reinzulesen und in inspirirende Gedanken- und Gefühlswelten einzutauchen - dafür habe ich hier vier ganz besondere Empfehlungen für dich:</p><p><strong><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">1. LILA KATZE / MURPHY WAR EIN OPTIMIST / BRIEFFRAGMENT II </mark></strong>von Micha Kunze</p><p>Micha veröffentlicht demnächst ein neues Spoken Word-Album und hat vorab schon drei fantastische Stücke vorgelegt. Unter den Covern habe ich dir jeweils die Audio- und Videoversion verlinkt, denn Michas Poetry-Clips auf Youtube sind wirklich besonders sehenswert. Aufwengig inszeniert und grandios produziert fürgen sie den ohnehin schon tollen und bisweilen fast schmerzhaft ehrlichen Texten noch eine visuelle Ebene hinzu, die in diesem Genre ihresgleichen sucht.</p><blockquote><p><em>“Es braucht noch seine Zeit, bis du verstehen kannst, was ich meine. Die Schuhe der anderen passen dir auch - doch es sind nicht deine.”</em></p><p>- Micha Kunze - Brieffragment 2</p></blockquote><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/41d0b442-b7d7-40f0-abc8-ddf880b03edb/uploads/images/3emacbdlpn/Lila_Katze_Cover.JPG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://open.spotify.com/intl-de/track/7M8BbQmzB4LPr3xg9v8Nmd?si=37accfb28b6f48a9">AUDIO</a> // <a href="https://www.youtube.com/watch?v=hBUbKajWlj8">VIDEO</a> // <a href="https://michakunze.de/">WEBSEITE</a> // <a href="https://www.instagram.com/michakunze_/">INSTAGRAM</a></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/41d0b442-b7d7-40f0-abc8-ddf880b03edb/uploads/images/orumowyzkj/Murphy_Cover.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://open.spotify.com/intl-de/track/0CIdK2GYKe60IiSg61hqDP?si=82bae378b2074da8">AUDIO</a> // <a href="https://www.youtube.com/watch?v=eCHBrh-xLFQ">VIDEO</a></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/41d0b442-b7d7-40f0-abc8-ddf880b03edb/uploads/images/r4nqhlxc5y/Brieffragment_II_Cover.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://open.spotify.com/intl-de/track/686JzKSSuT5UlkGRjYD2ip?si=f3906be6ca1b4b12">AUDIO</a> // <a href="https://youtube.com/shorts/dAbRM33NKok?si=-wP3kz92u8oxWjuU">VIDEO</a></p><p></p><ol start="2"><li><p><strong><mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">TAHLEQUAH</mark></strong><mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit"> von Jasmin Brückner</mark></p></li></ol><p>Endlich, endlich, endlich gibt es Jasmins Poesie nicht nur live auf Bühnen zu hören, sondern auch aufgenommen und von Kilian Mohns großartig musikalisch in Szene gesetzt. Ein Stück über die Endlichkeit, die Trauer und den persönlichen und gesellschaftlichen Umgang damit. <em>Ich will Trauerkollektive und Wehklagenräume, in denen Menschen schreien und weinen und schweigen und fragen können.</em></p><blockquote><p><em>Ich will meiner Trauer ein Haus bauen können, in dem ich leben darf und all der Schmerz auch. Ich wil gesetzliche Trauertage - so viele, wie ein Herz eben braucht.</em></p><p>- Jasmin Brückner - Tahlequah</p></blockquote><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/41d0b442-b7d7-40f0-abc8-ddf880b03edb/uploads/images/sijxbbxqyp/e0b6ee6d-3ab4-459a-85af-2695631f0b71.JPG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://open.spotify.com/intl-de/track/5ZCenAgxHt8wYfMP7emtQe?si=1492daf9f7994a09">AUDIO</a> // <a href="https://jasminbrueckner.de/">WEBSEITE</a> // <a href="https://www.instagram.com/jasmin.brueckner/">INSTAGRAM</a></p><p></p><ol start="3"><li><p><strong><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">ICH SEH ROT</mark></strong> von Tabitha Hanan</p></li></ol><p>Ich hatte in diesem Jahr die große Freude und Ehre die Texte dieses wunderschönen Kunstbuches von Tabitha lektorierend zu begleiten. Texte über Wut und den Umgang mit ihr, aber auch immer wieder über Themen und Ungerechtigkeiten, an denen sich die Wut entzündet. Eine lyrische Entdeckunsreise durch das Feld einer Emotion, die wir alle zu kennen glauben und die dennoch so viel facettenreicher und überraschend besser ist, als ihr Ruf es gemeinhin vermuten lässt. Unbedingt reinlesen!</p><blockquote><p><em>“In mir lebt ein großer runder Feuerball.</em></p><p><em>Er sitzt mir mitten in der Brust.</em></p><p><em>Manchmal glüht er auf, meistens lodert er vor sich hin.Er war nicht schon immer da, gewachsen ist er mit der Zeit und den Ereignissen, mit dem Wissen,</em></p><p><em>dass es Feuer in mir geben darf.”</em></p><p>- Tabitha Hanan - Großer runder Feuerball</p></blockquote><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/41d0b442-b7d7-40f0-abc8-ddf880b03edb/uploads/images/z2yvd4ydq5/Aufgerissen.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://www.tabithahanan.de/product-page/ich-seh-rot">ZUM BUCH</a> // <a href="https://www.tabithahanan.de/">WEBSEITE</a> // <a href="https://www.instagram.com/tabitha.hanan/">INSTAGRAM</a></p><p></p><ol start="4"><li><p><strong><mark style="background-color: rgb(234, 228, 247); color: inherit">EIN WENIG MEHR WIR</mark></strong> von Leah Weigand</p></li></ol><p>Eines meiner absoluten Highlights in diesem Jahr war die Release-Lesung von Leahs Buch “Ein wenig mehr Wir” in Berlin. Das war nämlich auch so ein besonderer Verbundenheits-Moment, weil Leah an diesem Abend nicht einfach nur ihr Buch vorgestellt und daraus gelesen hat, sondern die Bühne mit Micha, Jasmin, Tabitha und mir geteilt hat und uns an diesem besonderen Moment hat teilhaben lassen.</p><p>Dass dieses Buch nicht nur eine unbedingte Empfehlung, aber bei weitem kein Geheimtipp ist, verrät allein schon die Tatsache, dass dieser feine Lyrik-Band zum SPIEGEL-Bestseller geworden ist. Aber vor allem sind es Texte einer Poetin, die unglaublich fein beobachtet, achtsam hinschaut und die kleinen Momente des Alltags feiert, die sonst allzuleicht übersehen werden. Ein zutiefst menschliches Buch. Verse vom Verbundensein. Ganz große Empfehlung meinerseits!</p><blockquote><p><em>“Man spricht viel über mich, was ich will und wer ich bin. Doch was ich bin, ist Liebe - vielleicht reicht das zu Beginn.”</em></p><p><em>-Leah Weigand - So wirklich hell ist es nicht</em></p></blockquote><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/41d0b442-b7d7-40f0-abc8-ddf880b03edb/uploads/images/26xecwcdvz/einwenigmehrwir-leahweigand-cover.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://store.ruach.jetzt/produkt/ein-wenig-mehr-wir-gedichtband-von-leah-weigand/">ZUM BUCH</a> // <a href="https://leahweigand.de/">WEBSEITE</a> // <a href="https://www.instagram.com/leahhweigand/">INSTAGRAM</a></p><p>Ich wünsche dir viel Freude und Inspiration mit den Empfehlungen und freue mich schon auf das nächste Jahr und das gemeinsame Nachdenken über Texte, Themen und die eine oder andere theologische</p><p>Liebe Grüße aus Wien und lichtdurchflutete Feiertage</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/41d0b442-b7d7-40f0-abc8-ddf880b03edb/uploads/images/y3d536iebe/1.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Marco"/>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Thu, 19 Dec 2024 15:02:04 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM PRÜFEN UND BEHALTEN]]></title>
      <description><![CDATA[Prüfen heißt Fragen stellen. Viele Fragen. Gegen Ausrufezeichen hämmern und sehen, ob und wie lange sie stehen bleiben und warum sie dort gestanden haben?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/43cb2f20-3596-4374-b112-98c5f2eea33f/uploads/images/3z2ymex7n7/Texte_vom_Vorhandensein_new.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 27: VOM PRÜFEN UND BEHALTEN</strong></p><blockquote><p>“Prüft aber alles und das Gute behaltet.”</p><p>(Die Bibel, 1.Brief an die Thessalonicher 5,21)</p></blockquote><p>Vor Kurzem waren meine Podcast-Kollegen Jay und Gofi von Hossa Talk und ich als Gäste in einem anderen Podcast eingeladen. Lea und Anja von den Predigtbuddies haben sich mit uns über die sogenannte Jahreslosung für 2025 unterhalten. Nämlich diesen Bibelvers aus dem 1. Brief an die Thessalonicher: <em>“Prüft aber alles und das Gute behaltet.”</em> Dazu muss man vielleicht zunächst wissen, dass die Jahreslosung ein Bibelvers ist, der jedes Jahr neu von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen ausgewählt wird und Christen gewissermaßen als Überschrift, als Motto oder Leitmotiv für das jeweilige Jahr dienen kann.</p><p>Für das nächste Jahr also:<em> “Prüft aber alles und das Gute behaltet.”</em></p><p>Je länger ich diesen kurzen Satz betrachte und über ihn nachdenke, desto interessanter finde ich ihn. Würde ich diesen Satz ernst nehmen, bedeutete das ja zunächst mal auch, dass ich selbst ihn, den Satz und seine Aussage, prüfen sollte.</p><p><em>“</em><strong><em>Prüft</em></strong><em> aber alles und das Gute behaltet.”</em></p><p><em>Prüfen</em> heißt Fragen stellen. Viele Fragen. Gegen Ausrufezeichen hämmern und sehen, ob und wie lange sie stehen bleiben und warum sie dort gestanden haben?</p><p><em>Prüfen</em> heißt Achtsamkeit. Betrachtung und Beschäftigung. Das geht wohl nicht einfach im Vorbeigehen. Es fordert Zeit und Aufmerksamkeit und Bereitschaft zum Dazulernen und Verstehen wollen.</p><p><em>Prüfen</em> ist ergebnisoffen. Setzt voraus, dass ich noch nicht weiß, was am Ende des Prozesses stehen wird. Vielleicht werde ich übermäßig überrascht. Vielleicht werde ich extrem enttäuscht. Vielleicht mache ich eine Erfahrung, die irgendwo dazwischen liegt. Vielleicht ist das findbare Gute auch ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe oder als meine Denkkategorien oder Glaubenssätze es zulassen können.</p><p><em>Prüfen</em> ist Suchen. Wenn ich das Gute behalten soll, am Ende (m)eines Prüfprozesses, dann gehe ich diesen mit einer Haltung an, die fest damit rechnet, hier etwas Gutes finden zu können. Auch wenn ich es noch nicht sehe oder vielleicht auch nicht damit rechne. Prüfen heißt, diese Möglichkeit immer in Betracht zu ziehen und darauf zu hoffen.</p><p><em>Prüfen</em> bedeutet Mündigkeit. Der Schreiber dieser Zeilen hat diesen Briefempfängern offensichtlich zugetraut Gutes zu erkennen und vom Gegenteil zu unterscheiden.</p><p>Prüfen heißt fragen: Was ist eigentlich gut? Was ist das Gute? Was tut mir gut? Was ist ein guter Mensch? Was ist ein gutes Leben? Was ist ein guter Gott? Was…..?</p><p><em>“Prüft aber </em><strong><em>alles</em></strong><em> und das Gute behaltet.”</em></p><p><em>Alles heißt alles!</em> Ohne Ausnahmen für scheinbar unhinterfragbar Heiliges. Ohne Ausnahme für scheinbar in Steingemeißeltes, das nun mal schon immer so war. <em>Alles meint alles!</em> Alle Systeme und Gebote und scheinbare Denkverbote, Machtstrukturen und Privilegien. Vor allem die eigenen.</p><p><em>Alles heißt alles!</em> Aber ich glaube, es heißt nicht Misstrauen <em>allem</em> und jedem Gegenüber. Es heißt wohlwollend in Betracht zu ziehen, dass grundsätzlich <em>überall </em>Gutes zu finden ist. Personen, Gruppen und Gemeinschaften, die das Zweifeln und Hinterfragen klein halten, demotivieren oder sogar für böse und falsch halten (religiöse Gemeinschaften scheinen da besonders anfällig für zu sein), scheinen bei einer solchen Prüfbewegung nicht sonderlich gut abzuschneiden.</p><p><em>Alles heißt alles</em> und inkludiert auch mich und meine Worte und Gewohnheiten und Taten und Unterlassungen und Sorgen und die Scham für die ich mich schäme und mein Vorhandensein mit ein. Vielleicht sollte ich im neuen Jahr anfangen mich selbst mehr zu prüfen, um das Gute an mir und in mir zu entdecken, das ich behalten möchte.     </p><p><em>Alles heißt alles</em> und gilt deshalb auch und besonders für diesen Text, der so tut, als wüsste er, wovon er spricht, wenn er vom prüfen redet.</p><p><em>“Prüft aber alles und </em><strong><em>das Gute behaltet</em></strong><em>.”</em></p><p>Wenn ich <em>das Gute behalten</em> soll, setzt das voraus, dass es etwas Gutes gibt und dass es irgendwo zu finden ist.</p><p>Wenn ich <em>das Gute behalten</em> soll, bedeutet das, dass all das Prüfen kein Selbstzweck ist.</p><p>Wenn ich <em>das Gute behalten</em> soll, traut mir das zu, erkennen zu können, was gut ist.</p><p>Wenn ich <em>das Gute behalten</em> soll und über das Gegenteil kein Wort verloren wird, sagt das viel über den Fokus. Wer ständig auf das Schlechte starrt, verliert <em>das Gute</em> aus dem Blick und den Sinn dafür allmählich.</p><p><em>Behalten </em>bedeutet nicht, dass der Prozess damit ein für alle Mal abgeschlossen ist. Ich glaube, dieser Vers ist keine Aufforderung Museen oder Vorratskeller zu bauen, um das gefundene Gute dort zu konservieren. Es scheint vielmehr ein sich ständig wiederholendes Ereignis zu sein, wellenartig und horizonterweiternd.</p><p>Ich bin mir sicher, dass <em>das Gute</em>, das ich für behaltenswert halte, nicht unbedingt dasselbe ist, wie das, was du gefunden hast. Darum brauchen wir einander als Ergänzung und um uns gegenseitig <em>das Gute</em> zu zeigen, wo wir allein bisher nur das Gegenteil oder Langeweile entdecken.  </p><p>Ich habe für mich einen Zweiklang als Zugangsschlüssel zu diesem ganzen Prüfen und Behalten entdeckt: NEUGIER und DEMUT. Neugierig sein und neugierig bleiben. Sich nicht abfinden mit dem, was vorhanden ist und mit unbefriedigenden Antworten. Achtsam und unterwegs sein. Im Bewusstsein, dass sich in jedem kleinen Alltagsdetails vielleicht ein Bild, eine Idee, ein Prinzip, eine Formulierung finden lässt, die vorher noch nicht da war. Oder mir bisher nie aufgefallen ist und die ich mit meiner Vorstellungskraft und Beobachtung, meinem Leben und Erleben ins Dasein schreibe. Neugierige Menschen geben sich nicht mit dem Status Quo zufrieden. Schauen hinter Wänden die Rückseiten an und sind in der Lage Utopien zu träumen. Und zu einem neugierigen und authentischen Ausdruck gehören meiner Meinung nach auch sämtliche Emotionen des menschlichen Vorhandenseins dazu. Lasst uns doch mal der Wut nachspüren, anstatt Angst vor ihr zu haben und sie zu unterdrücken. Vielleicht ist sie berechtigt und muss für uns (und vielleicht stellvertretend für viele) auch mal verbalisiert werden. Dasselbe gilt für Trauer. Für Klage. Ein Halleluja, dass nach dem Hinterfragen und aus der Schmerzerfahrung, vielleicht sogar nach den menschlich verständlichen Rachegedanken kommt, wie in der Poesie der Psalmen, berührt mich meistens mehr, als ständig eingeforderte Proklamationen (die selbstverständlich ihren Platz und ihre Berechtigung haben, nur eben in Balance).</p><p> Und Demut als Anker und Rückbindung. Als Erdung. Als Haltung. Als Bewusstsein, dass ich weder die Weisheit mit Löffeln gefressen habe noch die Welt retten kann, oder muss. Dass ich einfach hier bin mit dem, was ich tue und was ich beizutragen habe. Mit meiner Stimme, meinem Schreiben, meinen persönlichen Ausdruck. Meine Perspektive ist das, was ich beitragen kann. Die habe nämlich nur ich und die fehlt, wenn ich mich nicht in den Diskurs einbringe. Wer davor stehen bleibt und davon etwas mitnehmen kann, wer darin seinen eigenen Ausdruck findet und Worte, die er oder sie selbst nicht hatte, aber sich nun zu eigen machen kann, darf das gerne tun. Genauso darf auch jeder daran vorbei gehen und damit nichts anfangen können.</p><p>Lasst uns Erzählgemeinschaft sein und einander das Gute zeigen und davon erzählen, was wir nach dem mitunter manchmal schmerzhaften Akt des Prüfens als behaltenswert gefunden haben. Neugierig, wieso ich das, was du als gut erachtest nicht mal entdeckt habe und demütig, dass da so viel mehr zu finden ist, als ich wahrnehmen konnte.</p><p>Am Ende des Podcast-Gesprächs mit den Predigtbuddies kam auch die Frage auf, wie wir den Vers jeweils künstlerisch bearbeiten würden. Das hier wäre so etwas wie ein erster Versuch meinerseits:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/0f749a30-5b12-437f-99e7-04844313e30b/uploads/images/atq5msekae/Jahreslosung_Gedicht.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="ch suche dich…
auch wenn das Personalpronomen impliziert, ich hätte so etwas wie eine Ahnung (über dich) bereits gefunden. Ehrlicherweise ist das aber weniger zutreffend als das Geständnis, dass ich ohne nicht wüsste, wie ich die Zeile verständlich formulieren könnte. 

Alle (meine) Texte, in denen sich ein Warum, ein Wo (bist du), ein verschüchtertes Vielleicht, oder nur ein Fragezeichen findet, sind verwitterte Wegmarkierungen, hier und da eingeritzt, um die Orientierung nicht noch weiter zu verlieren, wenn ich im Kreis wandere bis ich wieder am Anfangspunkt ankomme, den ich zwischenzeitlich als Ziel geheimweht habe.

Ich habe viel fortgeworfen im Verlauf dieser Suche. Vielleicht muss ich auch nichtmal wissen, wer du bist oder wo? Warum nenne ich dich nicht einfach das Gute, das mir unterwegs begegnet und sich über die Zeit als gut oder gütig erweist?"/><p>  </p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><hr aria-hidden="true"/><h2>NEWS- NEWS- NEWS- NEWS- NEWS</h2><h4>NEUES VON #POETRYMEETSBEATS</h4><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/0f749a30-5b12-437f-99e7-04844313e30b/uploads/images/jcp7p6yko2/IMG_20241125_171839_196.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ich freue mich sehr, dass Du zu den ersten Personen gehörst, denen ich erzählen darf, dass es schon ganz bald Neues aus dem Haus #poetrymeetsbeats geben wird. Manuel Steinhoff und ich haben intensiv in Manus monkeylab-Studio in Marburg an neuen Dingen gebastelt, die es Anfang 2025 dann zu hören geben wird. Und über das Jahr hinweg kommt sogar noch mehr dazu. Die Details erfährst du hier natürlich zuerst. Und wir werden auch wieder gemeinsam auf Tour gehen. Ein paar Termine für das komende Jahr sind schon fix, aber wir haben sehr viel Bock, dass da noch einige dazu kommen. Falls du Lust hast uns einzuladen oder jemanden kennst, für den oder die das spannend sein könnte, schreib uns gerne eine Mail an info@marcomichalzik.com. Wir freuen uns sehr aufs nächste Jahr. #diegeradelinieistgottlos</p><hr aria-hidden="true"/><h4>HOSSA TALK BEI DEN PREDIGTBUDDIES</h4><p>Wie im Text bereits erwähnt, waren Jay, Gofi und ich im Podcast der Predigtbuddies Anja und Lea zu Gast und haben mit ihnen über die Jahreslosung geredet. Ich finde, es ist ein sehr schönes, kurzweiliges und inspirierendes Gespräch über das Prüfen und Behalten geworden.</p><p>Hier kanst du direkt reinhören und ansonsten findest Du die Folge auch überall, wo es Podcast gibt:</p><a href="https://open.spotify.com/episode/44qlrtjBcR20qopdaYYUXj?si=OF_eDgByTUOvDXXX8_eIcw">https://open.spotify.com/episode/44qlrtjBcR20qopdaYYUXj?si=OF_eDgByTUOvDXXX8_eIcw</a><hr aria-hidden="true"/><h4>ONLINE SCHREIB- UND KÖRPERARBEITSWORKSHOP</h4><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a74e12de-d75c-4281-b8da-33e544f736f5/uploads/images/ypiqngpvtf/schreibworkshop-001.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a74e12de-d75c-4281-b8da-33e544f736f5/uploads/images/wdliq5y4ed/schreibworkshop-002.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a74e12de-d75c-4281-b8da-33e544f736f5/uploads/images/syvlrafnlp/schreibworkshop-003.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a74e12de-d75c-4281-b8da-33e544f736f5/uploads/images/jg7mlj6wtg/schreibworkshop-004.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a74e12de-d75c-4281-b8da-33e544f736f5/uploads/images/7lsqyj4n36/schreibworkshop-005.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Hier gehts zur Anmeldung: <a href="https://www.dankbarundgegenwaertig.de/workshops-marco/">https://www.dankbarundgegenwaertig.de/workshops-marco/</a></p><hr aria-hidden="true"/><h4>Unterstützer*in werden</h4><p>Ich freue mich von Herzen über jede Person, die diese Textreihe abonniert hat und liest. Ich schreibe diese Texte mit großer Freude für mich und für uns alle und möchte das gerne weiter so handhaben, dass alle kostenlos mitlesen können. Trotzdem ist die Arbeit an dieser Reihe nur möglich, weil einige so großzügig sind und mich dabei unterstützen. Vielen Dank dafür &lt;3 Ich verstehe das total, wenn das nach einer Zeit nicht mehr geht, oder sich auch das Interesse verlagert und freue mich, wenn ihr trotzdem weiter mitlest. Ich würde unglaublich gerne diese Plattform, diese Community und diese Formate hier weiter und intensiver bespielen und ausbauen und schöne und exklusive Inhalte für produzieren. Dafür brauche ich ein bisschen Unterstützung. Wenn du auf den folgenden Button klickst, kommst du direkt auf die Unterstützer*innen-Seite und kannst dort direkt Teil der Community werden. Selbst die ganz kleinen Pakete helfen sehr, um das hier weiter mögich zu machen und auszubauen.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><p>Liebe Grüße und bleib neugierig</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn Du Fragen, Themenvorschläge oder Anregungen hast, schreib es gerne in die Kommentare. Ich habe große Lust dieses Format in der nächsten Zeit auszubauen und habe viele Idee für Formate und Formen, aber bin natürlich sehr gespannt, was du dir wünschst und was dich interessiert.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Tue, 26 Nov 2024 16:57:27 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM AHNEN]]></title>
      <description><![CDATA[Ich habe nur meine heilige Alltagssprache, die manchmal stammelt und stolpert und sich verheddert. Mein Erzählen hat Leerstellen und manche Sätze führen ins Leere.  ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/43cb2f20-3596-4374-b112-98c5f2eea33f/uploads/images/3z2ymex7n7/Texte_vom_Vorhandensein_new.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 26: VOM AHNEN</strong></p><blockquote><p><em>„Wenn du es begreifst, dann ist es nicht Gott.“</em></p><p>-Augustinus</p></blockquote><p>Ich saß vor einigen Jahren in einem Radio-Studio und sollte dort in einer Sendung etwas über mein zu der Zeit gerade erschienenes Hörbuch „Heute ist morgen schon gestern“ erzählen. Ich erinnere mich recht genau, dass ich irgendetwas von einer bestimmten Gewissheit erzählte, die durch die Texte schimmere. Auch durch die eher fragenden, klagenden und politischeren Stücke des Hörbuchs. Irgendwann muss ich im Gespräch auch von einer Ahnung gesprochen haben, anstelle von Gewissheit. Im Grunde meinte ich damit aber dasselbe. Zum Glück hakte die aufmerksame Moderatorin an dieser Stelle aber nach und fragte mich ganz direkt, was es denn nun sei – Gewissheit oder Ahnung? Über diese Frage habe ich in der Folge viel nachgedacht und bin mehr und mehr zu dem Schluss gekommen, dass ich das, was ich meinen Glauben, meine Spiritualität nenne höchstens eine Ahnung, vielleicht eine Hoffnung, aber so gut wie nie eine Gewissheit nennen würde. Als ich die Texte geschrieben habe, die später das Spoken Word-Album „Ikarus“ wurden, gab es sogar ein Gedicht, dessen Arbeitstitel lange „Ahnung/Gewissheit“ war. Es bildet sozusagen den Turning-Point in der Geschichte, die auf diesem Album erzählt wird. Von einem Protagonisten, der hoch fliegt, abstürzt und mit den zerbeulten Trümmern seiner übrig gebliebenen Überzeugungen strandet und versucht aus den Fragmenten etwas Neues zu bauen. Das Gedicht ist eine Art Bestandsaufnahme zum Ende der Erzählung hin. Ein fast schon trotzig-hoffnungsvolles Resümee als Zwischenbilanz, das weiß, dass es sich unterwegs und in einem Prozess befindet. Am Ende hat es einen anderen Namen als den zwischenzeitlichen Arbeitstitel bekommen und mein Freund Jonnes hat einige Zeilen dafür eingesungen. Hier kannst du gerne reinhören:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Gkd22LBi5LM">https://www.youtube.com/watch?v=Gkd22LBi5LM</a><p> Im Text heißt es:</p><p> <em>„…ein Gestrandeter</em></p><p><em>Ein Verbrannter</em></p><p><em>Ein Träumer</em></p><p><em>Ein Hoffer</em></p><p><em>Ein Ahner</em></p><p><em>Ein wehmütig wandernder</em></p><p><em>Heimwehhaber</em></p><p><em>Fragender</em></p><p><em>Wunderbare-Wahrheiten-trotzdem-für-möglich-Halter</em></p><p><em> </em></p><p><em>Ein diffuser Sehner</em></p><p><em>Nach begehbaren Wegen</em></p><p><em>In den riesigen Rissen</em></p><p><em>Zwischen Welten, Systemen</em></p><p><em>Und sich abgrenzenden Szenen</em></p><p><em> </em></p><p><em>Ein Ahnungsatmer</em></p><p><em>Und Verzweiflungsausweiner</em></p><p><em>Der tropfend Hoffnung</em></p><p><em>Für schlechtere Zeiten hortet</em></p><p><em>Gleich ruckartigem Erwachen</em></p><p><em>Aus glückseligen Traumreisen</em></p><p><em>Entfliegen die Buchseiten der Geschichte</em></p><p><em>Aus der sie sich herausreißen</em></p><p><em> </em></p><p><em>Gestochen scharfe Bilder</em></p><p><em>An die sich bloß niemand mehr erinnert</em></p><p><em>Weil sie sich wegradieren</em></p><p><em>Sobald sich schläfrig flimmernd</em></p><p><em>Das Tagewerk anknipst</em></p><p><em> </em></p><p><em>Dieses vage Nagen</em></p><p><em>Etwas zu kennen</em></p><p><em>Aber nicht in der Lage, es zu benennen</em></p><p></p><p><em>Es liegt so schön auf der Zunge</em></p><p><em>Und hält sich klammernd daran fest</em></p><p><em>Weil es meint, selbst gesungen</em></p><p><em>Würden Worte nicht gerecht</em></p><p><em>Diesem formfluiden Wesen</em></p><p><em>Das sich ungern in Schablonen presst…“</em></p><p></p><p>An diesen Text und seine Entstehung musste ich vor kurzem wieder denken, als ich über eine Erzählung aus dem 9. Kapitel des Johannes Evangeliums gestolpert bin. Dort wird berichtet, dass Jesus im Vorbeigehen einen Mann bemerkt, der scheinbar von Geburt an blind war. Innerhalb weniger Sätze wird weiter erzählt, wie Jesus diesen Mann dann heilt, bzw. ihm sein Augenlicht schenkt. Und das auf bemerkenswert seltsame Weise, indem er auf die Erde spuckt und aus dem staubigen Spucke-Matsch eine Art Paste zusammenrührt, mit der er die Augen des blindgeborenen Mannes bestreicht und ihn dann zu einem bestimmten Teich schickt, um sich das Zeug von den Augen zu waschen. Wie lange das gedauert haben mag und wie und was da in der Folge genau geschehen ist, lässt sich aus der knappen Erzählweise schwer herauslesen. Es wird fast nüchtern bilanziert, dass der Mann alles so exakt machte, wie Jesus es ihm aufgetragen hatte und dass er daraufhin sehend zur Szenerie zurückkehrte. Das erregte offensichtlich einiges Aufsehen, Gerüchte machten nach dem Stille-Post-Prinzip die Runde und selbst die Augenzeugen trauten denselben wohl auch nicht hundertprozentig und fragten sich, ob es bei der zurückgekehrten Person wirklich um den Mann handelte, den Jesus zuvor zum Waschen geschickt hatte, oder ob sie einem Doppelgänger oder sonst einer Art von Zaubertrick oder Betrugsmasche aufgesessen waren. Der Mann, dessen Name leider im ganzen Text nicht genannt wird, beteuert aber so lange, dass er derjenige sei und auf Nachfrage auch, wie diese Veränderung bei ihm zustande gekommen war, bis sie ihm zu glauben scheinen. Also klassisches Happy Ende könnte man meinen. Aber die Erzählung geht noch weiter.</p><p>Mir geht es an der Stelle gar nicht so sehr um solche Heilungs- und Wundergeschichten in den biblischen Texten und wie man diese möglicherweise interpretiert. Ich glaube, das Wunder an sich ist auch gar nicht der Punkt dieser Erzählung. Mir ist jedenfalls eher aufgefallen wie die Erzählung weiter geht und endet. Um den Umgang mit dem Geschehen.  </p><p>So richtig zufrieden scheinen die Nachbarn und Bekannten des Mannes mit seiner Erklärung nämlich doch noch nicht gewesen zu sein und sie versuchen Indizien zu sammeln, um das Geschehene für sich irgendwie plausibel zu rekonstruieren. Nachvollziehbare Frage ihrerseits: „Alles schön und gut, was du erzählst, aber wo ist dieser seltsame auf den Boden spuckende Jesus denn überhaupt?“ Antwort des Mannes: <em>„Ich weiß es nicht.“</em></p><p> Anscheinend war ihnen das alles so wenig geheuer, dass sie die ganze Merkwürdigkeit an diejenigen weiterleiteten, die sich mit dem ganzen Gott-, Glaube, -und Wunderkram am besten auskennen. Aber auch die sind wenig begeistert von der Geschichte des Mannes, nicht zuletzt, weil die Heilungshandlung am jüdischen Schabbat geschehen war, dem Ruhetag, an dem nicht gearbeitet werden soll. So richtig scheinen sie ihm aber ohnehin seine Geschichte nicht zu glauben. Nach einer ersten Befragungsrunde wird er weggeschickt und stattdessen seine Eltern zur Befragung herbeizitiert. Die haben aber wenig Bock zwischen die Fronten zu geraten und sagen im Grunde auch, dass sie <em>nicht genau wissen, wie und was passiert ist</em> und dass ihr Sohn ja schließlich alt genug wäre und sie ihn einfach selbst fragen sollen. Also Befragung die Zweite. Also schildert der Mann seine Erfahrung erneut. Und wieder kann er nur das erzählen, was erlebt hat. Wer dieser mysteriöse Mann war, wo er jetzt ist und wie das alles von Statten gegangen und in welcher Absicht dies geschehen ist, vermag er nicht zu beantworten:</p><p> <em>„Da riefen sie noch einmal den Menschen, der blind gewesen war, und sprachen zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. Er antwortete: Ist er ein Sünder? Das weiß ich nicht; eins aber weiß ich: dass ich blind war und bin nun sehend.“</em></p><p><em>(Johannes 9,24-25)</em></p><p><em> </em>Ich finde es interessant, wie oft in dieser Erzählung erwähnt wird, dass bestimmte Personen sagen, dass sie etwas <em>nicht wissen</em>. Die frommen Männer scheinen ihn regelrecht drauf festnageln zu wollen, eine Deutung für sein Erleben anzubieten, die sie zufrieden stellt und für alle akzeptabel war. Das kann er aber offensichtlich nicht. Er kann nur erzählen, was er erlebt hat und zu allen anderen Fragen und theologischen Spitzfindigkeiten antwortet er schlichtweg: <em>„Ich weiß es nicht</em>.“</p><p> <em>Ich kann es dir nicht erklären. Ich kann nur erzählen, was ich erlebt und gefühlt habe. Woher ich komme. Wie es früher war und wie es jetzt ist. Ich habe dafür nur diese meine Sprache und Ausdrucksversuche. Vielleicht unpassend für solche Themen. Ich habe nur meine heilige Alltagssprache, die manchmal stammelt und stolpert und sich verheddert. Mein Erzählen hat Leerstellen und Bruchkanten. Manche Sätze führen ins Leere. Wenn ich wüsste wie, wäre es kein Wunder. Und vielleicht ist eine tastende Sprache, die sich ihres Nichtwissens bewusst ist und diese sogar zum Thema macht doch gar nicht so unpassend für einen unverfügbaren, nicht in Sprache, Denken und Dogmen zu sperrenden Gott.</em></p><p> Wenig überraschend stellte das seine Befrager nicht zufrieden. Sie verlieren mehr und mehr die Geduld mit seinen Antworten oder eher Nicht-Antworten und als er sich beharrlich ihrer Deutungslinie verweigert, beginnen sie ihn klein zu machen, als unwissend zu beschimpfen und ihn schließlich raus zu werfen. Vermutlich nicht einfach nur vor die Tür, sondern um ihn aus der religiösen und gesellschaftlichen Gemeinschaft auszuschließen. Eine Geschichte, die sich in religiösen Gemeinschaften hunderttausendfach wiederholt. Ich habe das mehrmals ähnlich erlebt und kenne viele Menschen, die solche Erfahrungen in religiösen Gemeinschaften machen mussten.  </p><p> Da wird also einem Menschen, der eine ganz konkrete Erfahrung gemacht hat, nicht nur diese eigene Erfahrung, sondern direkt auch noch deren Deutung abgesprochen. Und zwar von theologisch hochgebildeten und besonders frommen Männern. Schlichtweg deswegen, weil diese Erfahrung außerhalb des eigenen Regel-, Denk- und Glaubenssystems stattgefunden hat. Die Überzeugung scheint zu sein, wenn etwas nicht nach unseren Parametern geschieht, dann muss es automatisch falsch, vielleicht sogar böse sein, selbst wenn die praktischen Auswirkungen auf einen Menschen positiv, gut und sogar lebensverändernd sein mögen.</p><p> <em>„Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte</em>“ sagte der<em> </em>Philosoph Hans-Georg Gadamer in einem SPIEGEL-Interview. Ohne eine solche Augenhöhe, Neugier und ehrliches Interesse ist es nicht möglich wirklich miteinander zu reden. Und genau das fehlt meiner Meinung nach oft in diesen theologischen Diskussionen. Wenn ich mein Gegenüber von vorne herein nur als Missionsopfer, als falsch oder schlecht betrachten und meine Sicht der Dinge als unfehlbar wahr, unhinterfragbar und vielleicht sogar göttlich halte, dann ist Dialog kaum möglich. Das Ergebnis solchen Denkens wird in der Geschichte sehr deutlich: Ausschluss, Rauswurf, Beziehungsabbruch, Ausgrenzung. Wenn du nicht glaubst wie wir, glaubst du nicht richtig und dann bist du leider nicht mehr willkommen in dieser Gemeinschaft. Wer zu oft <em>„Ich weiß nicht“</em> sagt, ist schnell verdächtig auch nicht zu glauben und alles anzuzweifeln.   </p><p> Ich habe in letzter Zeit in Gesprächen und in Vorträgen hin und wieder gesagt, dass ich glaube, dass es vielleicht hilfreicher wäre, wenn wir (glaubende Menschen) uns mehr als Erzählgemeinschaft und weniger als Bekenntnisgemeinschaft verstehen würden. Oder wie es Tilmann Haberer in seinem Buch „Von der Anmut der Welt“ formuliert:</p><p> „„<em>Vielleicht gäbe es viel weniger Religionsstreitigkeiten, Religionskriege gar, wenn es weniger Theologie gäbe. Wenn wir stattdessen mehr Theopoesie betrieben, einander einfach Geschichten erzählten und Lieder vorsängen.“</em></p><p> Zugegeben, liest man dieses Kapitel im Johannes-Evangelium noch weiter, folgt sogar noch ein bekenntnishafter Satz am Ende der Erzählung, aber eben in einem ganz anderen Kontext und wieder auf der Basis von erlebter Empathie und Zugewandtheit. Ohne Druck und die Erwartung, dass am Ende genau das dabei herauskommt, was vorher schon festgelegt war. Als Jesus nämlich mitbekommt, dass der Mann rausgeworfen wurde, such er ihn, geht ihm nach und fängt ihn auf.</p><p> Der von mir sehr geschätzte Theologe Siegfried Zimmer hat mal sinngemäß bei uns im Hossa Talk-Podcast gesagt, dass er finde, dass es Christinnen und Christen gut stehen würde, öfter mal den Satz <em>„Ich weiß nicht“</em> zu sagen. Zuzugeben, dass da Leerstellen sind. Und Zweifel. Mehr Ahnung als Gewissheit. Ich halte das für attraktiv. Und ehrlich. Und für eine gute Haltung, um Dialog und Erzählgemeinschaft entstehen lassen zu können. Neugier und Demut.  </p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><hr aria-hidden="true"/><h2>NEWS- NEWS- NEWS- NEWS- NEWS</h2><h4>NEUE HOSSA TALK-FOLGE MIT JONNES</h4><p>In der aktuellen Podcast Folge haben Jay, Gofi und ich meinen Freund <a href="http://www.jonnes.de/">Jonnes </a>zu Gast. Jonnes ist Musiker und Singer-Songwriter und hat zuletzt sein neues Projekt <a href="https://jonnes.de/produkt/psalm-2022-bundle/">“Psalm 2022”</a> als Buchalbum veröffentlicht. Im Gespräch reden wir über Musik, Kirche, die Psalmen und weibliche Gottesbilder. Ich freue mich, wenn du reinhörst:</p><a href="https://hossa-talk.de/246-worship-passt-mir-nicht-mehr-m-jonnes/">https://hossa-talk.de/246-worship-passt-mir-nicht-mehr-m-jonnes/</a><hr aria-hidden="true"/><h4>Online Schreib- und Körperarbeitsworkshop</h4><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a74e12de-d75c-4281-b8da-33e544f736f5/uploads/images/ypiqngpvtf/schreibworkshop-001.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a74e12de-d75c-4281-b8da-33e544f736f5/uploads/images/wdliq5y4ed/schreibworkshop-002.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a74e12de-d75c-4281-b8da-33e544f736f5/uploads/images/syvlrafnlp/schreibworkshop-003.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a74e12de-d75c-4281-b8da-33e544f736f5/uploads/images/jg7mlj6wtg/schreibworkshop-004.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a74e12de-d75c-4281-b8da-33e544f736f5/uploads/images/7lsqyj4n36/schreibworkshop-005.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Hier gehts zur Anmeldung: <a href="https://www.dankbarundgegenwaertig.de/workshops-marco/">https://www.dankbarundgegenwaertig.de/workshops-marco/</a></p><hr aria-hidden="true"/><h4>Unterstützer*in werden</h4><p>Ich freue mich von Herzen über jede Person, die diese Textreihe abonniert hat und liest. Ich schreibe diese Texte mit großer Freude für mich und für uns alle und möchte das gerne weiter so handhaben, dass alle kostenlos mitlesen können. Trotzdem ist die Arbeit an dieser Reihe nur möglich, weil einige so großzügig sind und mich dabei unterstützen. Vielen Dank dafür &lt;3 Ich verstehe das total, wenn das nach einer Zeit nicht mehr geht, oder sich auch das Interesse verlagert und freue mich, wenn ihr trotzdem weiter mitlest. Ich würde unglaublich gerne diese Plattform, diese Community und diese Formate hier weiter und intensiver bespielen und ausbauen und schöne und exklusive Inhalte für produzieren. Dafür brauche ich ein bisschen Unterstützung. Wenn du auf den folgenden Button klickst, kommst du direkt auf die Unterstützer*innen-Seite und kannst dort direkt Teil der Community werden. Selbst die ganz kleinen Pakete helfen sehr, um das hier weiter mögich zu machen und auszubauen.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><p>Liebe Grüße und bleib neugierig</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn Du Fragen, Themenvorschläge oder Anregungen hast, schreib es gerne in die Kommentare. Ich habe große Lust dieses Format in der nächsten Zeit auszubauen und habe viele Idee für Formate und Formen, aber bin natürlich sehr gespannt, was du dir wünschst und was dich interessiert.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Fri, 01 Nov 2024 19:20:39 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM BENENNEN]]></title>
      <description><![CDATA[Benennen! Den Dingen einen Namen geben. Etwas verfestigen, dass vorher fluide war. Ideen und Gedanken und Bilder in Sprache und Worte und Formen übersetzen. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/43cb2f20-3596-4374-b112-98c5f2eea33f/uploads/images/3z2ymex7n7/Texte_vom_Vorhandensein_new.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 25: VOM BENENNEN</strong></p><p>Eigentlich wollte ich in meinem Urlaub im September sehr viel lesen. Ich hatte einen Bücherstapel dabei, bei dem ich auf jedes einzelne Buch wirklich Lust hatte. Dann überschlugen sich aber die Ereignisse und vom erholsamen Leseurlaub blieb nicht allzu viel übrig. Ich möchte dich nicht mit meinem Urlaubstagebuch langweilen, aber ich habe versucht meinen September in einem Gedicht zu verarbeiten. Das gibt vielleicht einen kleinen Eindruck, ohne auf jedes Detail einzugehen:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a74e12de-d75c-4281-b8da-33e544f736f5/uploads/images/lcojxdpqoi/IMG_4957.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ich sehe mir selbst dabei zu, wie ich versuche, all das Erlebte schreibend zu verarbeiten und stelle fest, dass mir das nicht besonders gut gelingt. Dass ich die einzelnen Bilder und Geschehnisse nicht so präzise formulieren kann, wie ich es gerne möchte. Vielleicht gelingt es mir mit etwas Abstand irgendwann einmal besser. Ich kann auch nicht genau sagen, warum ich überhaupt den Versuch unternommen habe, mitten im Chaos ein Gedicht zu schreiben. Mir hat jemand erzählt, dass Rehe, wenn sie angefahren werden, danach heftig zittern, um so den Schock aus dem Körper zu schütteln. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber vielleicht ist das Rausschreiben-wollen ein ähnlicher Impuls. Das weiß ich nicht. Es ist mir jedenfalls nicht gelungen Dinge so zu benennen, wie ich es gerne wollte. Ja, eigentlich benennt das Gedicht nur meine Unfähigkeit die Dinge zu benennen, die ich eigentlich benennen wollte. Und während dieses Prozesses, bin ich dann doch noch ein bisschen zum Lesen gekommen. Nämlich die Gedichte und Essays von Audre Lorde. In ihrem Essay „Poetry is not a luxury“ bin ich über folgendes Zitat gestolpert:</p><blockquote><p><em>„For it is through poetry that we give name to those ideas which are, until the poem, nameless and formless-about to be birthed, but already felt. That distillation of experience from which true poetry springs births thought as dream births concept, as feeling births idea, as knowledge births (precedes) understanding.“</em></p></blockquote><p>Also sinngemäß schreibt sie, dass wir durch die Poesie den Ideen Namen geben, die bis zur Entstehung eines Gedichts namenlos und formlos sind. Dieser Moment, wenn sie im Begriff sind geboren zu werden, materialisiert zu werden, aber vorher bereits als Gefühl vorhanden waren.</p><p>Das hat mich nicht nur an meinen Schreibprozess und der Schwierigkeit des Benennens erinnert, sondern auch an eine alte Geschichte, wo jemand mit eben dieser Aufgabe betraut wird: Benennen. Namen finden. Sagbar machen. Ausdruck geben:</p><p>Kurz nachdem die Flügelschläge des Schöpfergeistes über Irrsal und Wirrsal der Urtiefe verklungen waren und das gesprochene Wort der Liebe die Dinge ins Dasein formulierte, die vorher nur als Ideen existierten, bekam das Ebendbilds-Geschöpf eine Aufgabe:</p><p> <em>„Gott, der HERR, formte aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und führte sie dem Menschen zu, um zu sehen, wie er sie benennen würde. Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte, so sollte sein Name sein. Der Mensch gab Namen allem Vieh, den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes.“</em></p><p><em> (Genesis 2,19-20, EÜ)</em></p><p>Über diese etwas merkwürdig anmutende Geschichte hat auch Bob Dylan einen Song geschrieben, den ich euch nicht vorenthalten möchte:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=OmxhajWJAnY">https://www.youtube.com/watch?v=OmxhajWJAnY</a><p>Die erste Aufgabe, die erste Challenge, die dem Menschen gestellt wird, ist eine Kreativaufgabe. Ein Appell an Imagination und Poesie. Der Mensch bekommt die Aufgabe alle Tiere und Vögel zu benennen. Ich bin kein Theologe, aber wenn ich es richtig verstehe, sind im hebräischen Denken Namen oft untrennbar mit dem Vorhandensein verbunden. Etwas existiert, wenn es einen Namen bekommen hat. Man könnte sogar sagen, dass das Wesen, die Essenz einer Sache, oder Person sich in ihrem Namen ausdrückt oder konzentriert. Folgt man diesem Gedanken, könnte man sogar so weit gehen zu denken, dass das in Genesis beschriebene Schöpfungsgeschehen erst mit dem Benennen durch den Menschen finalisiert wurde.</p><p>Es ist also keine leichte Aufgabe. Keine, die man leichtfertig und halbherzig nebenher erledigen kann. Sie braucht Achtsamkeit und Aufmerksamkeit, Empathie und Beobachtung. Und vor allem braucht sie sehr viel Zeit. Eigentlich sehr nett, dass der Text verschweigt, ob es sowas wie eine Deadline oder einen Abgabetermin für diese Aufgabe gab.  </p><p>Benennen! Den Dingen einen Namen geben. Etwas verfestigen, dass vorher fluide war. Ideen und Gedanken und Bilder in Sprache und Worte und Formen übersetzen. Die Realität sprechbar machen. Vielleicht ist das eine Aufgabe der Sprache. Und besonders deutlich wird das in der Lyrik, finde ich. Bis die Worte auf der Zunge zum Liegen kommen, haben sie oft weiter unten ganz schöne Bauchschmerzen verursacht. „Das Schreiben ist kein Genuss. Es ist das Quälende. Etwas, was man tut, wie Kotzen. Man muss es tun, obwohl man es eigentlich nicht will“ sagt Elfriede Jelinek. „Schreiben ist wie mentales Masturbieren“ sagt Allen Ginsberg.</p><p>Manchmal braucht es sehr viele missglückte Entwürfe und Neuanfänge, verworfene Zeilen und recycelte Reime, um dem nahe zu kommen, was ich sagen wollte. Meistens ist die Idee im Kopf besser als das Ergebnis, das ich später auf der Seite festhalten kann.</p><p> Interessant, fast schon lustig, finde ich aber auch, dass Gott dem Menschen diese Aufgabe zu stellen scheint, weil er selbst ganz interessiert ist, auf welche Worte und Namen der Mensch wohl kommen wird.</p><p> Und einen Gedanken noch zum Schluss. Das Benennen der Lebewesen durch den Menschen hat dem Text zufolge auch noch einen Nebeneffekt. Durch das achtsame Beobachten und der Beschäftigung mit der Beschaffenheit und Eigenarten der Tiere und Vögel, bemerkt der Mensch, dass sie sich von ihm unterscheiden. Dass er in ihnen kein Gegenüber findet. Und er fühlt sich einsam. Das scheint ihm erst durch den Prozess des Benennens klar geworden zu sein. Ich glaube, auch das bringt das Benennen manchmal mit sich. Selbst, wenn es eigentlich um etwas ganz anderes gehen sollte, öffnet der achtsame und empathische Blick nach außen auch mitunter ein kleines Fenster nach innen. Zu den eigenen Empfindungen und Regungen. Vielleicht war das sogar von vorneherein der Sinn der ganzen Aufgabe. Gott scheint ihm da sogar recht zu geben. Und er schafft ihm ein Gegenüber. Eine Erlösung aus seiner Einsamkeit. Das bemerkt der Mensch zunächst gar nicht, weil er tief eingeschlafen war. Aber als er sie zum ersten Mal sieht, scheint er direkt weiterzumachen, wo er zuvor aufgehört hat. Er benennt auch sie. Oder versucht es zumindest. Das ist vermutlich ohnehin die schwierigste Form des Benennens. Darum gibt es wohl auch so viele kitschige Liebeslieder und so wenige richtig gute. Im Genesis-Text klingt das folgendermaßen:</p><p> <em>„Der Mensch sprach:<br/>Diesmal ist sies!<br/>Bein von meinem Gebein,<br/>Fleisch von meinem Fleisch!<br/>Die sei gerufen<br/>Ischa, Weib,<br/>denn von Isch, vom Mann, ist die genommen.“</em></p><p> (Gen. 2,23, in der Übersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig)</p><p> Das scheint mir jetzt auch nicht der kreativste Name zu sein, aber das war vielleicht auch dem Schock und der Auf- oder Erregung der ersten Begegnung geschuldet. Interessant ist aber auch, dass selbst das aufmerksame, achtsame, empathische Anschauen und Benennen später noch eine Steigerung bekommt. Im ersten Vers vom 4. Kapitel in Genesis, also gar nicht weit nach der Geschichte mit dem Benennen, steht der in der deutschen Übersetzung unspektakuläre Satz, dass der Mensch seine Frau „erkannte.“ Das Wort erkennen bedeutet in den jüdischen Schriften aber mehr als nur wahrnehmen im Sinne von unterscheiden, wer jemand ist. Es bedeutet jemanden auf einer ganz tiefen Ebene wahrnehmen und annehmen und kennenlernen. So tief und so intim und ganzheitlich, dass es an vielen Stellen der biblischen Texte als Synonym für Sex gebraucht wird. Auf das Benennen folgt also später das Erkennen. Das tiefe Verstehen. Das Einswerden.</p><p> Letztendlich ist alle Theologie, alle Theo-Poesie auch nur der Versuch etwas oder jemanden zu benennen. Etwas oder jemanden in sprachlichen Bildern und Konzepten auszudrücken, von dem man weiß, dass der Versuch eigentlich zum Scheitern verurteilt ist. Ähnlich wie bei meinem Septembergedicht.  </p><hr aria-hidden="true"/><h2>NEWS- NEWS- NEWS- NEWS- NEWS</h2><h4>Online Schreib- und Körperarbeitsworkshop</h4><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a74e12de-d75c-4281-b8da-33e544f736f5/uploads/images/ypiqngpvtf/schreibworkshop-001.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a74e12de-d75c-4281-b8da-33e544f736f5/uploads/images/wdliq5y4ed/schreibworkshop-002.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a74e12de-d75c-4281-b8da-33e544f736f5/uploads/images/syvlrafnlp/schreibworkshop-003.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a74e12de-d75c-4281-b8da-33e544f736f5/uploads/images/jg7mlj6wtg/schreibworkshop-004.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a74e12de-d75c-4281-b8da-33e544f736f5/uploads/images/7lsqyj4n36/schreibworkshop-005.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Hier gehts zur Anmeldung: <a href="https://www.dankbarundgegenwaertig.de/workshops-marco/">https://www.dankbarundgegenwaertig.de/workshops-marco/</a></p><hr aria-hidden="true"/><p><strong>HOSSA TALK-LIVE ONLINE</strong></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a74e12de-d75c-4281-b8da-33e544f736f5/uploads/images/ic3mpbsuf4/460840037_18040463675110293_5177132385384744379_n.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Triff Dich mit Jay, Marco und Gofi online per Zoom zu einem Hossa Talk LIVE. Die drei werden sich u. a. über das Thema ‚Blasphemie‘ unterhalten. Aber natürlich sind Deine Fragen, Kommentare und Themenvorschläge ebenfalls willkommen - so, wie sich das für einen Hossa Talk live gehört.<br/><br/>Schnell sein lohnt sich - die Tickets sind begrenzt.</p><p>Infos und Tickets unter: <a href="http://hossa-talk.de/hossa-talk-live/"><strong>hossa-talk.de/hossa-talk-live/</strong></a></p><hr aria-hidden="true"/><h4>Unterstützer*in werden</h4><p>Ich freue mich von Herzen über jede Person, die diese Textreihe abonniert hat und liest. Ich schreibe diese Texte mit großer Freude für mich und für uns alle und möchte das gerne weiter so handhaben, dass alle kostenlos mitlesen können. Trotzdem ist die Arbeit an dieser Reihe nur möglich, weil einige so großzügig sind und mich dabei unterstützen. Vielen Dank dafür &lt;3 Ich verstehe das total, wenn das nach einer Zeit nicht mehr geht, oder sich auch das Interesse verlagert und freue mich, wenn ihr trotzdem weiter mitlest. Ich würde unglaublich gerne diese Plattform, diese Community und diese Formate hier weiter und intensiver bespielen und ausbauen und schöne und exklusive Inhalte für produzieren. Dafür brauche ich ein bisschen Unterstützung. Wenn du auf den folgenden Button klickst, kommst du direkt auf die Unterstützer*innen-Seite und kannst dort direkt Teil der Community werden. Selbst die ganz kleinen Pakete helfen sehr, um das hier weiter mögich zu machen und auszubauen.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><p>Liebe Grüße und bleib neugierig</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn Du Fragen, Themenvorschläge oder Anregungen hast, schreib es gerne in die Kommentare. Ich habe große Lust dieses Format in der nächsten Zeit auszubauen und habe viele Idee für Formate und Formen, aber bin natürlich sehr gespannt, was du dir wünschst und was dich interessiert.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Mon, 30 Sep 2024 19:01:47 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM ENTWACHSEN]]></title>
      <description><![CDATA[Gnädig auf das Geschriebene meines früheren Ichs zu blicken, heißt auch gnädig auf mich selbst und meinen gegangenen Weg zu schauen. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/43cb2f20-3596-4374-b112-98c5f2eea33f/uploads/images/3z2ymex7n7/Texte_vom_Vorhandensein_new.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 24: VOM ENTWACHSEN</strong></p><blockquote><p><em>“The world is holy! The soul is holy!</em></p><p><em>The skin is holy! The nose is holy!</em></p><p><em>The tongue and cock and hand and asshole holy!</em></p><p><em>Everything is holy! everybody’s holy! everywhere is holy! everyday is in eternity!</em></p><p><em>Everyman’s an angel!..“</em></p><p><em> </em></p><p>-       <em>Allen Ginsberg, Footnote to Howl</em></p></blockquote><p>Vor über zehn Jahren saß ich in Kroatien auf einer Klippe am Meer und habe während eines Sonnenuntergangs einige Zeilen in mein Notizbuch geschrieben. Diese Zeilen sind später ziemlich genau so, wie sie auf der Notizbuch-Seite standen, der Mittelteil eines Spoken Word Stücks mit dem Titel <em>„Was ist dir heilig?“</em> geworden. Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren wurde dieses Stück auf YouTube veröffentlicht und ich habe in letzter Zeit wieder viel darüber nachgedacht.</p><p> Falls du das Stück nicht kennst, findest Du es hier:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=EAV-cvWVC6g">https://www.youtube.com/watch?v=EAV-cvWVC6g</a><p>Eigentlich stimmt das auch gar nicht. Eigentlich werde ich sehr regelmäßig mit diesem Stück konfrontiert. Manchmal nach Lesungen oder Auftritten, wo eine Person am Ende bedauernd anmerkt, dass besagtes Stück an diesem Abend nicht Teil meiner Setlist war. Und mich erreichen nach wie vor regelmäßig Anfragen, dieses Stück im Unterricht, in Gottesdiensten oder einem ähnlichen Rahmen verwenden zu dürfen. Oder ich bekomme Screenshots geschickt, von Events, wo dieses Video gerade gezeigt wird.</p><hr/><p>Dankbar </p><p>Und ja, es stimmt, bis auf ganz wenige Ausnahmen, habe ich dieses Stück in den letzten Jahren nicht mehr live vorgetragen. Ich habe es sogar sehr bewusst aus dem Programm gestrichen. Das hatte mehrere Gründe. Zum einen natürlich, weil man vermutlich als Kunstschaffender meistens die neueren Stücke mehr mag und mehr Lust hat, die neueren Sachen auf die Bühne zu bringen als die, die man schon hundertmal performt hat.</p><p> Vielleicht hatte es auch etwas mit Angst zu tun. Angst, immer auf dieses eine Ding oder diesen einen Stil reduziert zu werden. Angst mich jetzt immer wiederholen zu müssen, um wahrgenommen und gemocht zu werden oder um erfolgreich zu sein. Angst, dass das wohlmöglich bereits der Peak gewesen sein könnte und mir nichts besseres mehr einfällt.</p><p>Das Stück entstand zunächst als Auftragsarbeit für ein Worship-Album und die Begleit-Kampagne dazu. Der Titel stand schon fest und die Grundidee war, das Wort “heilig” zugänglich und alltagsnah mit dem Wort “wichtig” zu übersetzen. Was ist dir heilig = Was ist dir besonders wichtig? Das erschien mir damals schon recht progressiv und Projekte, die versuchen kirchliche und frome Floskeln in eine alltäglichere Sprache und fühlbarere Bilder zu übersetzen oder neu zu denken, sind bis heute Teil meiner Schreib- und Workshoparbeit.</p><p>Ich bin diesem Stück und den Menschen, die es produziert und in Auftrag gegeben haben bis heute unglaublich dankbar. Es hat mir zu Beginn meiner künstlerischen Arbeit sehr viele Türen geöffnet, Wege geebnet, Kollaborationen und Auftritte und Begegnungen ermöglicht, die ich brauchte, um weiterzumachen und von denen ich teilweise bis heute zehre.  </p><p>Mir gefallen immer noch die vielen offenen Fragen, die nicht sofort den Anspruch haben beantwortet zu werden, sondern einfach zum Denken und Reflektieren einladen.</p><p>Mir gefällt auch immer noch dieser Schöpfungs-Natur-Lobpreis-Teil in der Mitte, den ich bereits vorher in mein Notizbuch geschrieben hatte, bevor ich wusste, was daraus werden würde und aus dem sich später die Band <em>Koenige &amp; Priester</em> Zeilen für ihren Song <em>poiema</em> geliehen hat.</p><p>Selbst die Grundaussage des Textes würde ich so oder so ähnlich heute noch unterschreiben. Dass jeder Mensch wertvoll und geliebt und einzigartig ist. Auch von Gott. Als Predigt finde ich das schön. Als Gedicht ist es mir heute too much Bekenntnis. Zu geschlossen. Zu endgültig. Zu absolut. Zu gewiss. Da <em>weiß</em> einer und lässt dem Ahnen und Suchen und Sehnen wenig Platz.  </p><hr/><p>Die Perspektive</p><p>Und was mir gar nicht mehr gefällt ist die Sprecherperspektive, das Konfrontative, der salbungsvoll-predigthafte Ton und die fehlende Augenhöhe. Ständig scheint es so, als würde da jemanden von oben herab versuchen etwas zu erklären, das aber eigentlich jedem völlig klar sein müsste. Der Mund ein bisschen zu selbstverständlich zu voll.</p><p>Die Sprech-Perspektive erscheint mir zudem heute so distanziert und unpersönlich. Sie scheint so wenig bei sich zu sein und sucht ständig im Außen ein Gegenüber. Nichts als Zuhörenden, sondern eher als Adressat einer Botschaft, die abgefeuert nach einem Ziel sucht. Selbst die beschriebenen Naturszenen haben, obwohl ich sie immer noch sehr mag, etwas Unpersönliches. So ein bisschen wie die Erzählstimme in einer Natur-Doku. Beschreibend und staunend auf das Schöne und Wunderbare aufmerksam machend, aber eben doch auch, ohne etwas über den Sprechenden zu erfahren. Emotion ja, aber nur als Allgemeinplatz.</p><p>Das verwundert im Rückblick auch nicht. Ich bin in einer Gemeinschaft aufgewachsen, in der ich nicht nur nicht gelernt habe, mich mit meinen Gefühlen auseinanderzusetzen und diese zu formulieren, sondern Gefühle sogar misstrauisch betrachtet wurden. Als wäre das eine lästige Angewohnheit, die menschliche Körper nun mal haben, die es aber im Zaum zu halten und zu beherrschen und durch die nüchterne Vernunft und den gehorsamen Glauben an die Bibel (ich sage bewusst nicht an Gott) letztlich zu überwinden gilt. Von ungleich größerer Wichtigkeit war dort das Erzählen und vor allem Weitererzählen von großen, pathetischen Geschichten und Prinzipien von Schuld und Vergebung, Liebe und Gericht, Strafe und Opfer, Freiheit und Hoffnung, Himmel und Hölle, Engel und Dämonen, Licht und Finsternis, Paradies und Verdammnis. Kleiner ging es eben nicht.  </p><p>Ein Echo dieser Prägung höre ich in diesem und auch in einigen anderen meiner Texte aus dieser Zeit heraus. Das Ignorieren oder eher Verschweigen der eigenen Perspektive und Gefühlswelt und das Verstecken des lyrischen Ichs hinter einer fulminanten Fassade aus großen Themen und Worten, die versuchen die Welt oder Gott oder in diesem Fall Heiligkeit zu erklären.  </p><p> Das ist mir damals nicht aufgefallen. Erst nachdem wir die Produktion von „Ikarus“ abgeschlossen hatten, fiel mir das mehr und mehr auf. Auch dort konnte ich meine persönliche Reise und inneren Prozessen nur ausdrücken, indem ich sie wieder hinter einer großen Geschichte versteckte, in diesem Fall einer Erzählung aus der griechischen Mythologie, die ich mir so zurechtgebogen habe, dass ich sozusagen als Ikarus verkleidet meine Geschichte erzählen konnte. Trotzdem scheint da schon viel von dem durch, was ich seitdem versuche schreibend mehr und mehr zu fassen zu bekommen. Das Stück <a href="https://www.youtube.com/watch?v=oh_CLYrfuc4">“Nackt”</a> zum Beispiel auf diesem Album war und ist ein ganz wichtiger, zentraler Text für mich. Auch das ist mir aber beim Schreiben und Aufnehmen damals nicht wirklich bewusst gewesen oder aufgefallen.</p><hr/><p>Umschreiben?</p><p>Ich habe schon öfter darüber nachgedacht, das Stück “Was ist dir heilig?” zu überarbeiten und eine Art Version 2.0 daraus zu basteln, die ich dann auch wieder gerne vortragen würde. Ich glaube aber, dass Stücke dadurch selten besser werden. Das Stück ist jetzt da und darf sein Eigenleben haben und auch Menschen, die es mögen, weil es so ist, wie es ist. <em>Who am I to kill it?</em></p><p>Das Stück ist jetzt draußen in der Welt und führt sein eigenes Leben. Ich freue mich, wenn es Freunde und Freundinnen findet und auf Menschen trifft, die gnädig mit ihm umgehen und sich über die Begegnung freuen. Wir dagegen sehen und hören uns nur noch selten. Es ist zwar noch bei mir gemeldet und trägt erkennbar denselben Nachnamen wie ich, ist aber eigentlich längst ausgezogen, um sein eigenes Ding zu machen. Wenn wir uns begegnen, dann ist es respektvoll und von Dankbarkeit geprägt, aber es schwingt auch Scham und Verwunderung mit. Nicht bösartig, aber in dieser Art von betretenem Schweigen, wenn nach der Begrüßungseuphorie und dem ersten Austausch von Höflichkeiten, keiner so richtig weiß, was man sagen soll. Zu fremd das Gegenüber, das einem früher so vertraut war, zu groß die Lücke dazwischen, zu unterschiedlich die Entwicklungen und die heutigen Ansichten. Und so umarmet man sich und wünscht sich Gutes und geht wieder auseinander.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><p>Gnädig auf das Geschriebene meines früheren Ichs zu blicken, heißt auch gnädig auf mich selbst und meinen gegangenen Weg zu schauen. Wer weiß, vielleicht ist die Idee, den Text überarbeiten zu wollen, in Wahrheit auch der Versuch meinem jüngeren Ich Manieren beizubringen und ihm seine inhaltlichen und formellen Fehler und peinlichen Unzulänglichkeiten vorzuhalten und abzuschleifen. Wie eine Zeitreise, in der man zurück reißt um dumme Entscheidungen und peinliche Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen. Ich glaube, weil ich mich manchmal für dieses jüngere Ich schäme. Für die Dinge, die er geglaubt hat. Für die Manipulationen, auf die er hineingefallen ist, für die Lügen, denen er geglaubt hat, für die Naivität, mit der er all das getan hat und vor allem für die Langsamkeit, mit der er sich von dort aus woanders hinbewegt hat und für die Überheblichkeit und Selbstverständlichkeit, mit der er formuliert hat. Gleichzeitig weiß ich, wo er herkam und wie mühsam und schmerzhaft dieses Herauswühlen und Abnabeln war und dass ihm dieser Text auch damals bereits zu predigthaft war, er sich aber über die Chance und die Gelegenheit gefreut hat (und beim Dreh protestlos die Mütze ausgezogen hat, obwohl er sich unwohl fühlte, aus Angst die Produzenten zu verärgern).</p><p>Manchmal hat mein jüngeres Ich Dinge formuliert, die es zu der Zeit noch nicht verstanden haben kann oder verstanden hat, aber ein unbestimtes Gespühr hatte, das da irgendetwas ist, das sich noch nicht ganz greifen lässt, aber in seiner damligen Perspektive dennoch Worte dafür gesucht hat.</p><p>Ich glaube, unbewusst habe ich in Texten wie Allen Ginsbergs <a href="https://www.poetryfoundation.org/poems/54163/footnote-to-howl">Footnote to Howl</a>, so etwas wie das fehlende Gegenstück zu meinem eigenen „Heilig-Text“ gefunden, der mich auf eine Spur gesetzt hat, dem eigenen Vorhandensein mit allem was dazugehört nachzuspüren. Im Schreiben und vor allem auch im Leben. Das schien mir damals zu klein, zu belanglos, zu profan, zu selbstbezogen und ich war mir sicher, dass das niemanden interessiert. Auch der Text <a href="https://www.instagram.com/p/CSMl4BeC9W1/?utm_source=ig_web_copy_link&amp;igsh=MzRlODBiNWFlZA==">“Holy Shit”</a> aus meinem ersten Gedichtband nimmt diese Spur ein bisschen auf. Die Reise und die Auseinandersetzung mit dem Heiligen und was das sein könnte geht also weiter.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9de23cdc-0182-494f-86b8-91c6999b13c8/uploads/images/lp6bbuhu45/tempImagehn9YI7.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Zwischen diesen beiden Gesichtern liegen zehn Jahre. Liegen eine Hochzeit und eine Scheidung. Liegt die Kündigung eines Jobs und der Schritt in die Selbstständigkeit. Liegen drei Umzüge und eine Pandemie. Liegen zwei Hörbücher, ein Album, eine EP und zwei Gedichtbände. Liegen mehrere hundert Auftritte im deutschsprachigen Raum. Liegen Austritte aus christlichen Gemeinden und der Einstieg bei Hossa Talk. Liegen Reisen und Begegnungen und Gespräche mit Menschen, die mich sehr bereichern und die ich seitdem meine Freunde nenne. Liegen Therapiestunden und mühevolles Aufarbeiten. Liegt das Auseinandernehmen meines Glaubens, mit dem ich aufgewachsen bin und die Suche nach freieren Formen. Liegen unzählige gelesene Bücher und Gedichte und Schreibwerkstätten. Mir ist dieses Leinwandgesicht gegenüber fremd. Ich erkenne mich kaum darin. Und ich hoffe, es schaut auch manchmal verstohlen rüber und ist neben aller Befremdung auch insgeheim ein bisschen Stolz auf sein Zukunfts-Ich. Das wäre schön.</p><p>Werde ich nach weiteren zehn Jahren mit ähnlichen Gefühlen auf meine heutigen Gedichte blicken? Ziemlich sicher. Hoffentlich sogar. Das würde bedeuten, dass ich nicht stehen geblieben, sondern irgendwie weiter gestolpert bin und mich auch dabei und dadurch verändern durfte. Gewollt und ungewollt.</p><p> Oder wie Rick Rubin es ausdrückt:</p><p><em>„The person who makes something today</em></p><p><em>isn’t the same person</em></p><p><em>who returns to the work tomorrow.”</em></p><hr/><p>Zum Schluß</p><p>Dieses Thema, der Umgang mit Stücken, die man vor vielen Jahren mal geschrieben hat, scheint selbst für die Großen mitunter kompliziert zu sein. Bei Bob Dylan zum Beispiel muss man Glück haben, ob er gerade Lust hat zum vermutlich hunderttausendsten Mal die großen Klassiker zu spielen, ob er sie komplett ausläst oder sie in sehr anderen Alternativversionen zum Besten gibt. Bei Bruce Springsteen erinnere ich mich an eine Ansage bei einem Konzert vor ein paar Jahren, wo er singemäß sagte, dass er ja wisse, dass alle wegen der großen Hits da seien, aber sie hätten nun mal gerade ein neues Album herausgebracht und von dem würden sie nun 5 Nummern spielen, um die restliche Zeit des Konzerts danach wirklich alles zu spielen, was man sich auf einem Springsteen-Komzert erhoffen konnte. Und von dem Autor Benedict Wells habe ich kürzlich gehört, dass ihm sein Roman “Spinner” mitlerweile so unangenehm ist, dass er bei Signierstunden Menschen anbietet ihnen das Geld dafür zuzrückzuzahlen. Patti Smith dagegen, die ich vor einigen Wochen in Wien live erleben durfte, scheint mit ihrem großen Hit “Because the night” sehr versöhnt zu sein und hat ihn an diesem Abend in der Mitte ihres Sets mit einem sehr singfreudigen Publikum gemeinsam zelbriert.</p><p>Ich kann alle diese Ansätze gut verstehen. Ich werde versuchen weiter dankbar und gnädig auf “Was ist dir heilig?” zurückzublicken. Dass ich es irgendwann gerne mal wieder auf einer Bühne vortragen werde, glaube ich nicht. Und trotzdem weiß ich, dass es Teil des Fundaments ist, auf dem alle diese nachfolgenden Gedichte und Texte und Performances gestaplet sind.</p><hr aria-hidden="true"/><h2>NEWS- NEWS- NEWS- NEWS- NEWS</h2><h4>Unterstützer*in werden</h4><p>Ich freue mich von Herzen über jede Person, die diese Textreihe abonniert hat und liest. Ich schreibe diese Texte mit großer Freude für mich und für uns alle und möchte das gerne weiter so handhaben, dass alle kostenlos mitlesen können. Trotzdem ist die Arbeit an dieser Reihe nur möglich, weil einige so großzügig sind und mich dabei unterstützen. Vielen Dank dafür &lt;3 Ich verstehe das total, wenn das nach einer Zeit nicht mehr geht, oder sich auch das Interesse verlagert und freue mich, wenn ihr trotzdem weiter mitlest. Ich würde unglaublich gerne diese Plattform, diese Community und diese Formate hier weiter und intensiver bespielen und ausbauen und schöne und exklusive Inhalte für produzieren. Dafür brauche ich ein bisschen Unterstützung. Wenn du auf den folgenden Button klickst, kommst du direkt auf die Unterstützer*innen-Seite und kannst dort direkt Teil der Community werden. Selbst die ganz kleinen Pakete helfen sehr, um das hier weiter mögich zu machen und auszubauen.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><hr aria-hidden="true"/><h4>Live Lyrik-Lesung vom Reflab-Festival</h4><p>Im Frühjahr durfte ich im Rahmen des Reflab-Festivals in Zürich drei Gedichte aus “Wir werden alle verwandelt werden”.</p><p>Die Aufnahmen davon kannst du dir jetzt in voller Länge anhören. Du findest sie entweder unter “Abgekanzelt” auf allen gängigen Podcastplattformen, oder direkt auf der Seite vom <a href="https://www.reflab.ch/marco-michalzik-wir-werden-alle-verwandelt-werden/">Reflab</a>:</p><p>Ich verlinke sie hier aber auch nochmal direkt:</p><p><strong>Als wir Geister waren / Ich bin nicht hoch genug, um hinter den Häusern den Himmel zu sehen:</strong></p><a href="https://open.spotify.com/episode/6FNp9F6wFvnVulADuvcbAN?si=acedd1fa57a64570">https://open.spotify.com/episode/6FNp9F6wFvnVulADuvcbAN?si=acedd1fa57a64570</a><p><strong>HEUL (leise):</strong></p><a href="https://open.spotify.com/episode/0pxwD3bfIZWy03SNW15Dkt?si=ff06eb8c11444bc9">https://open.spotify.com/episode/0pxwD3bfIZWy03SNW15Dkt?si=ff06eb8c11444bc9</a><hr aria-hidden="true"/><h4><strong>Mein neuer Gedichtband</strong></h4><p>Hier kannst du mein neues Buch “Wir werden alle verwandelt werden direkt bestellen. Wie auch schon der Vorgänger, erscheint es im wundervollen Lektora Verlag. Ich freue mich sehr, wenn ich diese Wegstrecke und diese Spurensuche mit dir teilen darf:</p><a href="https://store.ruach.jetzt/produkt/wir-werden-alle-verwandelt-werden-marco-michalzik-buch/">https://store.ruach.jetzt/produkt/wir-werden-alle-verwandelt-werden-marco-michalzik-buch/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Liebe Grüße und bleib neugierig</p><p>Marco</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><p>PS. Wenn Du Fragen, Themenvorschläge oder Anregungen hast, schreib es gerne in die Kommentare. Ich habe große Lust dieses Format in der nächsten Zeit auszubauen und habe viele Idee für Formate und Formen, aber bin natürlich sehr gespannt, was du dir wünschst und was dich interessiert.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Fri, 23 Aug 2024 16:20:35 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM EMPÖREN]]></title>
      <description><![CDATA[Meiner Ansicht nach, ist das genau das, was Kunstschaffende tun sollten. Uns die Ränder und Grenzen unserer Gedanken- und Vorstellung-Schachteln zu zeigen und zu sprengen]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/43cb2f20-3596-4374-b112-98c5f2eea33f/uploads/images/3z2ymex7n7/Texte_vom_Vorhandensein_new.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 23: VOM EMPÖREN</strong></p><blockquote><p>“Angry people are not often wise.”<br/>― <strong>Jane Austen</strong></p></blockquote><p> Noch bevor ich die Gelegenheit hatte, mir die über vierstündige Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris anzuschauen, waren meine sämtlichen Social-Media Feeds bereits mit Empörung geflutet. Ähnlich wie bereits nach dem Eurovision Song Contest war da auch wieder alles dabei: Von verletzten religiösen Gefühlen, über Empörung und Verletzung bis zu abstrusen Verschwörungserzählungen, die sich auch nicht zu schade waren, noch so weit hergeholte und zurechtgebogene Zeichen und Symbole vorwärts oder auf dem Kopf oder bei Mondschein gelesen oder rückwärts abgespielt, als wie auch immer gearteten satanische Botschaften zu identifizieren. Drunter geht es scheinbar nicht und knallt ja auch so schön.</p><p> Aufhänger war neben dem fahlen Pferd, in dem einige ernsthaft den Reiter aus der Johannes Apokalypse erkannt haben wollen, eine angeblich blasphemische Darstellung des letzten Abendmahls von Da Vinci. Eines Künstlers, der vermutlich selbst queer war.</p><p>Da wäre zunächst mal die Frage, seit wann sich die Christenheit darauf geeinigt hat, dass ein Gemälde plötzlich zum Kanon gehört und so etwas wie Heiligenstatus genießt? Lustig, dass hier auf einmal genau die Menschen auf die Barrikaden gehen, denen bildliche Darstellung von Jesus eigentlich von Hause aus suspekt sind. Und zum anderen, selbst wenn es eine Darstellung der Abendmahls-Szene gewesen wäre - wo genau war da die Blasphemie? Ich dachte, Christen glauben, dass an dieser Tischgemeinschaft Platz für alle ist und jeder Mensch, egal, woher er kommt und wer er ist, bedinguslos angenommen und willkommen ist. Offensichtlich gilt das dann aber nicht für Menschen aus der LGBTQ+ Bewegung. <em>„Und wie können die sich überhaupt erdreisten, sich einfach selbst an den Tisch zu setzen, ohne uns zu fragen. Hier bestimmen immer noch wir, wer willkommen ist und wer teilnehmen darf und wer nicht!“ </em>Anders kann ich es mir nicht erklären, wieso man sich darüber derart aufregt.</p><p> Wohlgemerkt <em>wäre</em>. Der Regisseur der Eröffnungsfeier Thomas Jolly hat danach nämlich <a href="https://deadline.com/2024/07/olympics-opening-ceremony-artistic-director-intention-mock-or-shock-1236024601/">klargemacht</a>, dass es weder die Absicht war religiöse Gefühle zu verletzten noch, dass es sich überhaupt um eine Darstellung oder Anspielung auf das Letzte Abendmahl Christi gehandelt habe. Wenn überhaupt, spielt es auf ein anderes Gemälde, des niederländischen Malers Jan van Bijlert aus dem 16. Jahrhundert mit dem Titel „Fest der Götter“ an. Darauf ist ein ekstatisches Gelage rund um den antiken Gott Dionysos zu sehen. Das Szenario wäre also ein heidnisches, oder griechisches, was im Kontext der Olympischen Spiele auch sehr viel logischer erscheint.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/21431f97-c550-46d7-9432-f5ea2d555ef7/uploads/images/hr43ojxw7j/GThT9NQXAAALqu7.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p> Thomas Jolly sagt zu der Wirkungsabsicht der ganzen Inszenierung, dass er den ganzen Abend über in seinen Bildern folgendes sagen wollte:</p><p> <em>„Wir glauben, dass die Dinge nicht zusammenpassen, wir wollen die Dinge in Schachteln packen, aber in Wirklichkeit entsteht, wenn diese Schachteln zusammentreffen, Schönheit, Emotionen, Freude.“</em></p><p> Meiner Ansicht nach ist das genau das, was Kunstschaffende tun sollten. Uns die Ränder und Grenzen unserer Gedanken- und Vorstellung-Schachteln zu zeigen und diese hin und wieder auch mal aufzubrechen und wenn nötig zu sprengen. Eine Spur zu legen, dass es außerhalb unserer Kategorie-Boxen viel mehr gibt. Mehr Schönheit, mehr Freiheit, mehr Entdecken- und Dankenswertes. Mehr Leben. Mehr Vitalität. Mehr Liebe vielleicht sogar. Ich weiß das ziemlich gut, weil ich in sehr engen religiösen Denkmustern aufgewachsen bin und es besonders der Kunst, der Literatur, der Musik und der Lyrik verdanke, dass ich so manche Box erweitern oder aufbrechen konnte. Aber immer, wo das versucht wird, lässt die Empörung der Gatekeeper und Bewahrer der geraden Linien meist nicht lange auf sich warten.</p><p> Jason Liesendahl vom Podcast <a href="https://schoener-glauben.blogs.julephosting.de/">schoener glauben</a> hat einen schönen und prägnanten Post zur Einordnung der ganzen Thematik geschrieben, den ich sehr empfehlen mlchte: Hier Link:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/21431f97-c550-46d7-9432-f5ea2d555ef7/uploads/images/eyntsh4w5c/Blasphemie.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p> <a href="https://www.instagram.com/p/C99_0juiexa/?utm_source=ig_web_copy_link&amp;igsh=MzRlODBiNWFlZA==">Zum Beitrag</a></p><p>Hier hätten etwas klassische Bildung und die Betrachtung des Kontextes durchaus geholfen. Und es war doch noch nie so einfach wie heute, kurz mal ein wenig zu recherchieren, bevor man seine Empörung dann Amphoren weise an seinen Follower ausschenkt. Trotzdem finde ich, selbst wenn es das Letzte Abendmahl hätte darstellen sollen (was es nicht war) und selbst wenn die Absicht gewesen wäre sich über Christen oder Religion oder religiöse Darstellungen lustig zu machen (was es nicht getan hat), selbst dann fände ich das völlig in Ordnung. Wer Religionsfreiheit sagt, muss auch Kunst- und Redefreiheit sagen, muss auch Gedanken- und Gewissensfreiheit meinen und muss es aushalten, dass es in einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft auch Menschen gibt, die der Religion kritisch, gleichgültig oder verächtlich gegenüberstehen. Ich meine, wir als religiöse Menschen haben in Vergangenheit und Gegenwart auch genug dafür getan, um Menschen den Glauben und die Religion unappetitlich zu machen.</p><p> Und guess what, genau das darf und muss formuliert und ausgedrückt werden (dürfen), wie andere ihren tiefen Glauben und ihre Religiosität. Ich habe irgendwo gelesen, Religionsfreiheit bedeute auch, Freiheit <em>vor</em> der Religion. Das sehe ich auch so und finde ich wichtig.</p><p>Setzt der Glaube an das Vorhandensein von Blasphemie nicht voraus, G*tt könne sich von einem menschlichen Kunstwerk oder einer menschlichen Handlung oder sprachlichem Ausdruck beleidigt fühlen? Und wäre das nicht ein unglaublich kleiner, armseliger, schwächlicher, jähzorniger Kindergartengott, an den ohnehin niemand glauben möchte? Also ich zumindet nicht.  </p><blockquote><p>&quot;Es gibt eine soziale Klasse in allen Industrievölkern, die vorzüglich durch diese Struktur charakterisiert ist: die untere Mittelklasse, das Kleinbürgertum oder - in einem soziologisch umfassenderen Symbol - der Spießer. Er kann geradezu charakterisiert werden - in welcher sozialen Klasse er auch vorkommt - als jemand, der sich durch die Angst, an seine eigene Grenze zu geraten und sich selbst im Spiegel des Andersartigen zu sehen, nie über das Gewohnte, Anerkannte, Festgelegte zu erheben wagte. Möglichkeiten, die jedem Menschen dann und wann gegeben sind, über sich hinauszukommen, ließ er unverwirklicht: ob es ein Mensch war, der ihn aus seiner Enge hätte herausreißen können, oder ein ungewohntes Werk der Kunst, das ihn hätte erschüttern können, oder ein Wort aus der Dimension des Ewigen, das ihm die Selbstsicherheit seines Daseins hätte umwerfen können. Um sich herum aber sieht er Menschen, die über die Grenzen gegangen sind, die er nicht überschreiten konnte. Und der heimliche Neid wird zum Haß.&quot;</p><p></p><p>Paul Tillich</p></blockquote><p></p><p>Wie das wohl ist,</p><p>die Steine in weiser Voraussicht bereits aufgesammelt</p><p>und blank poliert in die Taschen gesteckt zu haben</p><p>und jetzt verzweifelt auf eine Gelegenheit zu warten,</p><p>die auch werfen zu dürfen?</p><p> </p><p>Wie das wohl ist,</p><p>ständig mit Wahrheits-Kieseln um sich zu schleudern und zu glauben,</p><p>der Begriff sei exklusiv für die eigene Überzeugung reserviert.</p><p> </p><p>Wie das wohl ist,</p><p>selbst nach der Konfrontation mit Fakten die eigene Empörung</p><p>nicht mehr revidieren zu können und trotzig weiter auf einer Meinung zu beharren,</p><p>die sich vor aller Augen als haltlos herausgestellt hat?</p><p> </p><p>Wie das wohl ist,</p><p>hinter jeder Fassade Verschwörung zu vermuten</p><p>und in jedem Gebüsch Teufel und Dämonen,</p><p>die scheinbar besonders gerne in Performances</p><p>und in Outfits und in Kunstwerken wohnen?</p><p> </p><p>Wie das wohl ist,</p><p>die Mehrheit der Mitmenschheit als verloren anzusehen,</p><p>oder böse, oder dumm, oder verkrümmt, oder verblendet,</p><p>oder verführt? Wie soll da jemals Augenhöhe und Respekt</p><p>zustande kommen?</p><p></p><p>Wie das wohl ist,</p><p>sich dann anschließend darüber zu wundern,</p><p>dass ich all das nicht sein möchte?  </p><p></p><p>Wie das wohl ist,</p><p>antike Texte und das menschliche Vorhandensein</p><p>durch die wacklige Lesebrille eines Engländers</p><p>aus dem 19. Jahrhundert hindurch zu lesen,</p><p>der reich geerbt und von seiner Verlobten verlassen,</p><p>genug Zeit hatte, um <em>Entrückung</em> zu erfinden?</p><p> </p><p>Wie das wohl ist,</p><p>alles zum Ende hin zu hoffen,</p><p>das einen selbst strahlend bestätigt</p><p>und alle anderen ewig ignoriert</p><p>und lodernd verdammt</p><p>(<em>und natürlich sagt das niemand laut,</em></p><p><em>aber ein bisschen freut man sich schon auch darauf</em>)?</p><p> </p><p>Wie das wohl ist,</p><p>so selbstverständlich G*tt in den Mund zu nehmen</p><p>und trotzdem scheinbar ständig</p><p>Angst zu haben sich an seinem Geschmack zu verschlucken?</p><p>Angst zu haben, dass da mehr Kanten sind oder Gräten, als man weiß</p><p>und man deshalb sicherheitshalber zaghaft an den Rändern nagend bleibt</p><p>und ständig Lieder drüber singt, dass man „mehr“ möchte?</p><p> </p><p> Wie das wohl ist,</p><p>ihn mit Allmacht zu maskieren</p><p>und sich dennoch bemüßigt zu fühlen,</p><p>sich als sein Anwalt aufzuspielen?</p><p></p><p>Wie das wohl ist,</p><p>sich immer für die diskriminierte Minderheit zu halten,</p><p>und Verfolgung fast zu fetischisieren,</p><p>und die Minderheiten übersieht,  </p><p>die man selbst ausschließt und diskriminiert?</p><p> </p><p>Wie das wohl ist,</p><p>sich so zu überhöhen, alles und jeden als Angriff oder Provokation</p><p>auf die eigene Gruppe wahrzunehmen,</p><p>während man im Selbstverständnis der kleine, treue Überrest ist?  </p><p> </p><p><em>Glaubst du wirklich, die ganze Welt macht sich ständig Gedanken</em></p><p><em>über dich und wie man am effektivsten deine Gefühle verletzt?</em></p><p> </p><p>Wie das wohl ist,</p><p>vor lauter Anprangerung anderer Anbiederung,</p><p>den Zeitgeist im eigenen Auge nicht mehr bemerken zu können?</p><p> </p><p>Wie das wohl ist,</p><p>ständig ungefragt in seine Echokammer hineinzubrüllen,</p><p>wie sicher man sich seiner Sei sei,</p><p>obwohl diese Art der Überzeugung</p><p>scheinbar ständig Bestätigung braucht,</p><p>um nichts ins stille Grübeln zu kommen?</p><p> </p><p>Wenn das Fundament so fest ist,</p><p>warum habe ich das Gefühl,</p><p>dass die Wände ständig wackeln?</p><p> </p><p>Wie das wohl ist,</p><p>ständig vor allem Angst zu haben,</p><p>und das dann als  </p><p>Warnung und Sorge zu verkaufen?</p><p> </p><p>Und überhaupt,</p><p>warum wird da ständig so viel verkauft?</p><p> </p><p>Wer vor Kunst Angst hat,</p><p>fürchtet sich vor dem Leben,</p><p>fürchtet sich vor Komplexität,</p><p>fürchtet sich vor authentischem Ausdruck,</p><p>fürchtet sich vor fremden Formen,</p><p>fürchtet sich vor Freiheit, die über die eigene hinausgeht,</p><p>fürchtet sich vor Ästhetik, die nicht der eigenen entspricht,</p><p>fürchtet sich vor Räumen, in denen man keine Deutungshoheit hat,</p><p>fürchtet sich vor Gefühl,</p><p>fürchtet sich davor berührt zu werden,</p><p>fürchtet sich davor bewegt zu werden,</p><p>fürchtet sich davor hinterfragt zu werden,</p><p>fürchtet sich vor dem Vielleicht,</p><p>fürchtet sich vor der unerwartet Pointe,</p><p>fürchtet sich vor den Plotttwists</p><p>fürchtet sich vor Uneindeutigkeit,</p><p>fürchtet sich vor den Freiräumen zwischen den Zeilen,</p><p>fürchtet sich vor der Erkenntnis, dass die selbst gesetzten Grenzen nur im eigenen Kopf existieren,</p><p>fürchtet sich vor dem Ergebnis des Selbstdenkens,</p><p>fürchtet sich vor dem Verrücktspielen der eigenen moralischen Kompassnadel,</p><p>fürchtet sich davor, dass Schönheit vielleicht doch nicht absolut ist,</p><p>fürchtet sich vor der ungeraden Linie,</p><p>und hält die gerade Linie nicht für gottlos,</p><p>sondern das Gegenteil.</p><p></p><p>Furcht, wenn sie echt ist,</p><p>kann ich vielleicht versuchen zu verstehen,</p><p>alles andere outet sich als Arschloch.</p><p></p><p>Wo die Angst vor anderen Narrativen überhandnimmt,</p><p>ist es nicht so weit bis (wieder) Bücher verbrannt werden.</p><p><a href="https://www.boston.com/news/local-news/2024/06/05/ocean-vuong-offers-to-send-free-copies-of-his-book-to-texas-following-ban/">Verbannt werden sie ja jetzt schon (wieder).</a></p><p></p><p>Irgendwann hat vermutlich niemand mehr die Lust und die Kraft, Verständnis und Empathie und Toleranz aufzubringen für die, die sie ständig einfordern, aber anderswo mit Füßen treten.</p><p>Und ich sitze hier und tippe meine empörten Zeilen ins Reine. Ja, fuck, ich bin ebenfalls empört, stelle ich fest. Empört über soviel dumme Empörung, die nicht mal einen kleinen Schritt zurücktreten kann hinter ihre Selbstherrlichkeit, wenn sie entlarvt ist und zumindest diese eine Mal zugeben kann, dass sie Quatsch erzählt oder wenigstens über das Ziel hinaus geschossen und sich im Ton vergriffen hat.</p><p> Und ich denke:</p><p><em>Selig die, die sich nicht angegriffen und bedroht fühlen, nur weil wer anders etwas anders sieht oder ausdrückt oder glaubt, als sie selbst.</em></p><hr aria-hidden="true"/><h2>NEWS- NEWS- NEWS- NEWS- NEWS</h2><h4>FCK Purity-Podcastfolge</h4><p>Ich war zu Gast im FCK Purity Podcast von Mona Krähling und Nana Myrrhe. Die beiden leisten wichtige Aufklärungsarbeit zum Thema Purity Culture, Sexualität, Sprachfähigkeit und vor allem auch den Beschädigungen, die Menschen davon tragen, wenn sie in solch einem Kontext aufgewachsen sind.</p><p>In unserem Gespräch haben wir über eben dieses unser Aufwachsen in fundamentalistisch-christlichen Gruppen gesprochen, über unterdrückte Sexualität, tabuisierte Sprache, Scham und Masturbation.</p><p>Mir sind solche Gespräche sehr wichtig. In meinem letzten Buch “Wir werden alle verwandelt werden” thematisiere ich das auch. Besonders in dem Gedicht “Als wir Geister waren”, das ich im Podcast ebenfalls vortragen durfte.</p><p>Hier kannst du direkt loshören:</p><a href="https://open.spotify.com/episode/4gqOnUs4hDRSMFWiMCPpKW?si=q8CG9ZPBTrOJ12HmARv7rQ">https://open.spotify.com/episode/4gqOnUs4hDRSMFWiMCPpKW?si=q8CG9ZPBTrOJ12HmARv7rQ</a><p>Ansonsten findest du die Folge auch auf allen anderen gängigen Podcastplattformen. Ich freue mich, wenn du reinhörst und bin gespannt, was du denkst.</p><hr aria-hidden="true"/><h4>Live Lyrik-Lesung vom Reflab-Festival</h4><p>Im Frühjahr durfte ich im Rahmen des Reflab-Festivals in Zürich drei Gedichte aus “Wir werden alle verwandelt werden”.</p><p>Die Aufnahmen davon kannst du dir jetzt in voller Länge anhören. Du findest sie entweder unter “Abgekanzelt” auf allen gängigen Podcastplattformen, oder direkt auf der Seite vom <a href="https://www.reflab.ch/marco-michalzik-wir-werden-alle-verwandelt-werden/">Reflab</a>:</p><p>Ich verlinke sie hier aber auch nochmal direkt:</p><p><strong>Als wir Geister waren / Ich bin nicht hoch genug, um hinter den Häusern den Himmel zu sehen:</strong></p><a href="https://open.spotify.com/episode/6FNp9F6wFvnVulADuvcbAN?si=acedd1fa57a64570">https://open.spotify.com/episode/6FNp9F6wFvnVulADuvcbAN?si=acedd1fa57a64570</a><p><strong>HEUL (leise):</strong></p><a href="https://open.spotify.com/episode/0pxwD3bfIZWy03SNW15Dkt?si=ff06eb8c11444bc9">https://open.spotify.com/episode/0pxwD3bfIZWy03SNW15Dkt?si=ff06eb8c11444bc9</a><hr aria-hidden="true"/><h4><strong>MEIN NEUES BUCH</strong></h4><p>Hier kannst du mein neus Buch direkt bestellen. Wie auch schon der Vorgänger, erscheint es im wundervollen Lektora Verlag. Ich freue mich sehr, wenn ich diese Wegstrecke und diese Spurensuche mit dir teilen darf:</p><a href="https://store.ruach.jetzt/produkt/wir-werden-alle-verwandelt-werden-marco-michalzik-buch/">https://store.ruach.jetzt/produkt/wir-werden-alle-verwandelt-werden-marco-michalzik-buch/</a><p>Liebe Grüße und bleib neugierig</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn du diese Mail bekommst und darüber nachdenkst mich und meine Arbeit auf Steady monatlich zu untersützen, dann klicke gerne auf den Button.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Mon, 29 Jul 2024 20:59:28 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[VOM FESTHALTEN (UND LOSLASSEN) Teil 2]]></title>
      <description><![CDATA[Ich weiß, was es heißt und wie bedeutsam es sein kann,endlich ein passendes Bild gefunden zu haben (für dich). Ich verstehe, wie es sich anfühlt, Frieden zu verfolgen...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/43cb2f20-3596-4374-b112-98c5f2eea33f/uploads/images/3z2ymex7n7/Texte_vom_Vorhandensein_new.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 22: VOM FESTHALTEN (UND LOSLASSEN) Teil 2</strong></p><blockquote><p>“The books or the music in which we thought the beauty was located will betray us if we trust to them; it was not in them, it only came through them, and what came through them was longing. These things—the beauty, the memory of our own past—are good images of what we really desire; but if they are mistaken for the thing itself they turn into dumb idols, breaking the hearts of their worshipers. For they are not the thing itself; they are only the scent of a flower we have not found, the echo of a tune we have not heard, news from a country we have never yet visited.”</p><p><br/>― <strong>C.S. Lewis, The Weight of Glory</strong></p></blockquote><p>Im letzten Teil habe ich ein wenig über die verschiedenen Übersetzungsmöglichkeiten dieses einen Satzes geschrieben, den Jesus im Evangelium nach Johannes am Ostersonntag zu Maria von Magdala sagt: “Rühre mich nicht an” oder “Halte mich nicht fest”. Wenn du in diesen Text nochmal reinlesen möchtest, findest du ihn im Archiv oder unter folgendem Link: <a href="https://steadyhq.com/de/marcomichalzik/posts/fc036e00-fe8c-4741-b6f7-da05120d868d?secret_token=e__bWXDVcnUX7BucnNBxyCWfqDaN9gmGfurdzrNra_BPVdBbFl0x9rIiAK83an6R">Zum Text</a></p><p>Ausgehend von dem Gedanken, dass es vielleicht eher darum geht, sich nicht an einem festen Gottesbild, einem zementierten Glaubenssatz oder einer unverrückbaren Vorstellung festzuhalten, habe ich versucht eine Art Antwort auf diese Aufforderung zu formulieren:</p><p></p><h4><em>NOLI ME TANGERE</em></h4><p><em>Ich weiß, was es heißt</em></p><p><em>und wie bedeutsam es sein kann,</em></p><p><em>endlich ein passendes Bild gefunden zu haben (für dich).</em></p><p><em>Ich verstehe, wie es sich anfühlt</em></p><p><em>Frieden zu verfolgen</em></p><p><em>bis sich das Gefühl einstellt,</em></p><p><em>ihn final festhalten zu können.</em></p><p><em>Oder zu dürfen.</em></p><p><em>Oder in der Lage zu sein,</em></p><p><em>Finger darum legen zu lernen.</em></p><p><em>Hoffnung im Haltegriff.</em></p><p><em>Und Frieden im Schwitzkasten.</em></p><p><em>Im dunkel Augen verborgenen Ringen</em></p><p><em>bis du mich endlich (auch) segnest</em></p><p><em>oder zumindest ansiehst.</em></p><p><em>Vielleicht mit einem Lächeln,</em></p><p><em>einem gütigen Nicken.</em></p><p><em>Aber Absolution klingt andererseits auch</em></p><p><em>zu distanziert und fremdartig-technisch.</em></p><p></p><p><em>Ich in den Ritzen zwischen den Sitzflächen.</em></p><p><em>Der Platz der keinem angeboten wird,</em></p><p><em>auf den man selbst rutscht (oder geschubst wird).</em></p><p><em>Zwischen</em></p><p><em>Stühlen</em></p><p><em>lässt sich unbequemer sitzen, aber</em></p><p><em>aus dieser Sitzposition heraus</em></p><p><em>lassen sich auch schwerer Throne errichten.</em></p><p><em>(Für dich) oder mich selbst oder irgend ein neues Machtsystem,</em></p><p><em>das an die Stelle des Vorherigen tritt. Immer im Namen der Freiheit!</em></p><p><em>Natürlich!</em></p><p></p><p><em>Also gut, ich lasse dich los,</em></p><p><em>und meine Finger von dir</em></p><p><em>Berühre dich nicht. Vielleicht</em></p><p><em>dafür in Zukunft mich mehr,</em></p><p><em>ohne mich zu fragen, wie du das findest.</em></p><p></p><p><em>Ich zerreiße nach und nach die falschen Bilder von dir,</em></p><p><em>die ich jahrelang mit mir herumgetragen habe,</em></p><p><em>tanze um die Asche, der sich qualmend aufrollenden Polaroids,</em></p><p><em>auf denen du auf jedem einzelnen grimmig drein schaust</em></p><p><em>oder unnahbar entrückt in dich hinein lächelst</em></p><p><em>und überlege, was ich in die nun leer gewordene Schublade stecke,</em></p><p><em>in der ich dich bis dahin verwahrt hatte.</em></p><p></p><p><em>Und ich frage mich, ob es einen Ort gibt,</em></p><p><em>vielleicht eine Art Berg, auf den die</em></p><p><em>ausgeglaubten Götter kommen, wenn</em></p><p><em>die letzte Person zum letzten Mal Amen gesagt hat,</em></p><p><em>die an sie geglaubt hat</em></p><p><em>und die letzte Kerze zu deren Ehren ausgepustet wurde.</em></p><p><em>Einen Ort, an dem sie untot und unausstehlich herumspuken und ihr Unwesen</em></p><p><em>treiben und auf bessere Zeiten hoffen und glauben, dass früher alles besser war.</em></p><p></p><p><em>Klammern ist nicht sexy und jemandem Veränderung verwehren,</em></p><p><em>wo Wachstum gegen alle Fugen drückt bis es knirscht und schmerzt,</em></p><p><em>genauso wenig. Ich werde weiter wachsen und das manchmal als Schrumpfen</em></p><p><em>empfinden und dir dasselbe zugestehen, denke ich,</em></p><p><em>obwohl ich mir schon gerne vorstelle, dass du mich deinerseits</em></p><p><em>trotzdem manchmal festhälst.</em></p><p></p><p>Hier kannst du dir das Gedicht von mir vorlesen lassen:</p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/43cb2f20-3596-4374-b112-98c5f2eea33f">Auf Steady anhören</a></p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><p></p><h2>NEWS NEWS NEWS NEWS NEWS</h2><h4>Neue Hossa-Talk Folge über Hexen, Zauberer und Kobolde</h4><p>In einer der letzten Hossa Talk-Folgen unterhalte ich mich mit Gofi und Jay über Hexen, Zauberer, Kobolde und andere Figuten oder Wesen, die so die Kinder- Jugend- und Fantasyliteratur bevölkern und warum manche religiösen Menschen bis heute angst davor haben sich mit solchen Büchern und Geschichten zu beschäftigen. Hört sehr gerne rein:</p><a href="https://hossa-talk.de/238-verzaubert-und-behext/">https://hossa-talk.de/238-verzaubert-und-behext/</a><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><h4><strong>MEIN NEUES BUCH</strong></h4><p>Hier kannst du mein neus Buch direkt bestellen. Wie auch schon der Vorgänger, erscheint es im wundervollen Lektora Verlag. Ich freue mich sehr, wenn ich diese Wegstrecke und diese Spurensuche mit Dir teilen darf:</p><a href="https://store.ruach.jetzt/produkt/wir-werden-alle-verwandelt-werden-marco-michalzik-buch/">https://store.ruach.jetzt/produkt/wir-werden-alle-verwandelt-werden-marco-michalzik-buch/</a><p>Liebe Grüße und bleib neugierig</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn du diese Mail bekommst und darüber nachdenkst mich und meine Arbeit auf Steady monatlich zu untersützen, dann klicke gerne auf den Button.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Wed, 26 Jun 2024 14:55:22 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM FESTHALTEN (UND LOSLASSEN)]]></title>
      <description><![CDATA[Wie dem auch sei, ich fand dieses “Halte mich nicht fest” sehr interessant und habe seitdem ein bisschen darüber nachgedacht, was das wohl bedeuten könnte. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/fc036e00-fe8c-4741-b6f7-da05120d868d/uploads/images/2hn5pi6t4x/Texte_vom_Vorhandensein4.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 21: VOM FESTHALTEN (UND LOSLASSEN)</strong></p><blockquote><p><em>I&#39;ve been afraid to go forward</em></p><p><em>with you so deeply engrained<br/>In my image (as if you could be contained)</em></p><p><em>that when i&#39;d pray<br/>It was only to the idea of your name<br/>(And it sounded so much like mine)</em></p><p></p><p><strong>Levi The Poet, Sanctuary Cities</strong></p></blockquote><p>Als Kind hatte ich eine Hörspiel-Kassette mit Tiergeschichten. Teils in einer form, die fast einer Fabel glichen, die anderen schlicht Geschichten, in denen Tiere vorkamen. Eine davon war eine Episode über einen hungrigen Affen, der auf der Suche nach Futter einen Kanister fand, der scheinbar randvoll mit frischen Erdnüssen war. Seine Hand passte geradeso durch die Öffnung und seine Finger schloßen sich um die köstlich duftenden Nüsse. Als er aber dann seine Hand mitsamt der Beute aus der Kanisteröffnung herausziehen wollte, stellte er fest, dass er sie, zur Faust geballt, mitsamt den Nüssen nicht durch das enge Loch bekam. Das ganze stellte sich dann als von Jägern erdachte Falle heraus. Der Kanister war zum Großteil mit Sand und Steinen gefüllt und nur ganz oben hatte man Erdnüsse darüber geschüttet, in dem Bewusstsein, dass der arme Affe zugreifen und nicht wieder loslassen würde und sich so selbst sozusagen angekettet hatte. Natürlich hätte er sich jederzeit selbst befreien können, indem er einfach losgelassen, seine leere Hand durch die Öffnung gezogen und das Weite gesucht hätte. Da er das nicht tat, wurde er am Ende von den Jägern gefangen. Leicht verstörendes Ende für eine harmlose Kinderkassette. Aus diesem oder anderen unerfindlichen Gründen, habe ich die Geschichte jedenfalls heute noch im Kopf und ich musste direkt an diese Geschichte denken, als ich mir an Ostern Gedanken über einen Satz aus dem Johannes Evangelium gemacht habe.</p><p>In der Übersetzung Martin Luthers klingt diese Szene aus dem Johannes Evangelium dann so:</p><p><em>„Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir: Wo hast du ihn hingelegt? Dann will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister! Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: »Ich habe den Herrn gesehen«, und was er zu ihr gesagt habe.“ (Johannes 20, 15-18)</em></p><p>Ich mag den Text und die Sprache der Lutherbibel meistens sehr gerne. In diesem Fall, habe ich an Ostern allerdings den Text in der Einheitsübersetzung gelesen und bin dabei über einen Unterschied in der Übersetzung gestolpert. In der Einheitsübersetzung klingt der Text am Anfang fast identisch. Aber an der Stelle, wo Jesus zu Maria sagt, dass sie ihn nicht anfassen soll, steht dort plötzlich:</p><p><em>„… Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.“ </em></p><p><em>Rühre mich nicht an</em> oder <em>Halte mich nicht fest</em>? Das scheint mir keineswegs nur eine zu vernachlässigende Variante zu sein, die im Grunde dasselbe meint. Die meisten deutschen Übersetzungen oder Übertragungen folgen da aber der Lutherübersetzung. In den englischen Übersetzungen gibt es diesen Unterscheid übrigens ebenfalls. Die Kings James Bible übersetzt den Satz mit <em>“touch me not” , </em>wohingegen die New International Version <em>“Do not hold on to me” </em>und die English Standard Version sogar “<em>Do not cling to me</em>” daraus machen.</p><p>Jetzt ist ja diese ganze Übersetzungssache sowieso ein wenig wie das Spiel Stille Post. Das Johannes Evangelium wurde auf griechisch verfasst. Jesus hat vermutlich mit Maria aramäisch geredet. Dazu kommt, dass der Verfasser bei dieser Szene gar nicht persönlich anwesend war. Das bedeutet, jemand schreibt etwas auf, das ihm erzählt wurde und übersetzt dabei auch gleich noch in einer andere Sprache. Danach wiederum kommt jemand jahrhunderte später dazu und übersetzt diese Übersetzung wiederum in seine eigene Sprache. Fast wie wenn man einen Satz diverse Male hin und her durch eine Übersetzungsapp laufen lässt und hinterher nicht mehr ganz das heraus bekommt, was man am Anfang eingeben hat. Das alles nur, um zu sagen, dass ich es völlig verständlich finde, dass es stellenseise solche Unterschiede in den Übersetzungen gibt. Besonders im Hebräischen gibt es Worte, die mehrere Bedeutungen haben können und auch möglicherweise bewusst in ihrer Un- oder Mehrdeutugkeit von den Verfassenden so gewählt wurden. Bei der Übersetzung muss man sich dann für eine Bedeutung entscheiden und nimmt dadurch das Risiko in Kauf, die anderen mitschwingenden Bedeutungen zu ignorieren und zu verlieren.</p><p>Im Griechischen Text steht dort μή μου ἅπτου(<em>mê mou haptou) </em>und in der lateinischen Vulgata <em>noli me tangere. </em>Den griechischen Satz würde man wohl eher mit <em>“Halte mich nicht fest”</em> übersetzen, den lateinischen eher mit <em>“Berühre mich nicht.”</em></p><p>Sicher gibt es für beide Übersetzungsmöglichkeiten gute Gründe. Sicher auch theologisch überzeugende Gründe. Mir leuchtete aber dieses harsch klingende Berührungsverbot von Jesus an Maria nie wirklich ein. Das wirkt für mich wie ein harter Bruch zu der Frage davor, als er sie fragt, warum sie weint. Und auch in der Folge, im selben Kapitel des Johannes-Evangeliums, gibt es Begegnung von Thomas und Jesus, wo diesmal Thomas explizit aufgefordert wird, Jesus ausgiebig zu berühren, um seine Zweifel zu zerstreuen.</p><p>Wie dem auch sei, ich fand dieses <em>“Halte mich nicht fest”</em> sehr interessant und habe seitdem ein bisschen darüber nachgedacht, was das wohl bedeuten könnte. Vielleicht ist es so ähnlich, wie die Aufforderung oder das Gebot, sich kein Bild von Gott zu machen. Im vollen Bewusstsein, dass wir ohne Bildsprache überhaupt nicht in der Lage wären, über Gott zu reden. Aber jedes Gottesbild birgt in sich die Gefahr, dieses Bild absolut zu setzen und als einzig gültige Wahrheit zu verkaufen. Dazu hat Thomas Merton einmal sehr treffend bemerkt, dass mein Gottesbild, das ich besonders betone, am Ende erstmal mehr über mich aussagt, als über Gott. Vielleicht schwingt das mit in dem Satz <em>“Halte mich nicht fest”. </em>Mach dir kein allzufestes, vorgefertigtes Bild, das du dann nicht mehr ändern kannst. Mach dir bewusst, dass ich anders und durch kein Bild umfassend zu fassen bin. Steck mich nicht in eine Box und binde mich nicht an die Grenzen deines Denkens. Oder wie Bonhoeffer es ausdrückte: <em>“Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht.”</em></p><p>Vielleicht dachte Maria auch im ersten Moment, dass nun doch alles so kommt, wie sie es sich vielleicht vorgestellt und erhofft und erträumt hat und vielleicht versucht Jesus ihr klarzumachen, dass das hier nicht ein <em>back to normal</em>, kein <em>ok, weiter gehts </em>ist, sondern dass etwas ganz neues beginnt. Das scheint er mit der Himmelfahrt jedenfalls anzudeuten.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/fc036e00-fe8c-4741-b6f7-da05120d868d/uploads/images/dxuuvyzoxh/Correggio_Noli_Me_Tangere.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Halte dich nicht fest am Zerbuch vergangener Träume. Schäme dich nicht für deine Tränen. Nimm dir den Raum für Trauer und Wut und Enttäuschung. Aber halte dich nicht daran fest, weil manchmal das Ende auch der Anfang sein kann. Und das fühlt sich selten nach Anfang oder Neubeginn an, wenn man noch mitten im Ende steckt. Das ist möglicherweise erst eine Deutung aus der Rückschau. Halte dich nicht fest an Gottesbildern und Vorstellungen und Ideen und Träumen in deinem Kopf, wenn das Neue schon vor dir steht. Denk größer, als es dein Denken für möglich gehalten hat. Bleib neugierig und offen. Manchmal muss ich die Hand öffnen und loslassen, um festzustellen, dass ich vorher festgesteckt habe, wie in der Geschichte mit dem Affen. So oder so, dieser Text und dieser Gedanke wird mich sicher noch eine Weile beschäftigen.</p><p>Und während ich diesen Text über das Loslassen schreibe, sitze ich auf meiner Couch in meiner Wohnung in Marburg. Diese Couch ist ein merkwürdiges Beispiel dafür, wie einem selbst Gebrauchsgegenstände irgendwie ans Herz wachsen können. Nahezu alle meiner guten Freunde und näheren Bekannten haben schon mal auf dieser Couch übernachtet. Auf diesem Möbelstück sitzend sind unzählige Gedichte, Songtexte und Podcastfolgen entstanden. An manchen Stellen sieht man noch blasse Fleckenreste von sehr gutem Wein und noch besseren Abenden mit ebenso guten Menschen. Gleich wird es klingeln und dann wird irgendeine völlig fremde Person vor der Tür stehen und diese Couch abholen und ich werde weiter machen, meinen restlichen Kram in Kisten zu packen und mich dann in einigen Tagen weiter im Loslassen zu üben. Denn das ist der letzte Text, den ich in Marburg schreiben werde. Nächste Woche beginnt für mich ein neues Kapitel und ich werde nach Wien ziehen. Ich habe oft beschrieben, dass die Worte Heimat und Zuhause irgendwie schwierig für mich sind. Irgendwie traf und trifft für mich beides nicht so richtig auf Marburg zu. Knapp drei Jahre habe ich hier gelebt, in einer unglaublich schönen Wohnung und mit richtig guten Freund*innen und Kolleg*innen, die direkt um die Ecke wohnen und mit denen ich zum Teil sogar in einem gemeinsamen Co-Working-Space gearbeitet habe. Auch dieses Loslassen fällt mir nicht leicht, obwohl ich eigentlich von Anfang an gedacht habe, dass Marburg nur eine Zwischenstation für mich sein würde. Und so schließe ich diesen Text ab, mit dieser merkwüridgen Mischung aus Melancholie und Vorfreude, Traurigkeit und Neugier und der Erkenntnis, dass Umzüge für Menschen, die sehr viele Bücher besitzen besonders scheiße sind.</p><p>To be continued…</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><p></p><h2>NEWS NEWS NEWS NEWS NEWS</h2><h4><strong>Lyrik beim Reflab-Festival</strong></h4><p>Im März war ich mit vielen anderen großartigen Kolleg*innen aus der Podcast-, Theologie- und Literaturwelt in Zürich beim Reflab Festival zu Gast. Ich habe dort auch ein bisschen aus meinem Lyrikband “Wir werden alle verwandelt werden” vorgelesen, u.a. das Gedicht “Heul (leise)”. Hier kannst Du in die Lesung reinhören:</p><a href="https://www.reflab.ch/marco-michalzik-ich-sah-die-besten-menschen-meiner-generation/">https://www.reflab.ch/marco-michalzik-ich-sah-die-besten-menschen-meiner-generation/</a><p>Ansonsten findest Du den Reflab-Podcast “Abgekanzelt” auch auf allen Streaming-Plattformen.</p><hr aria-hidden="true"/><h4>Neue Hossa-Talk Folge mit Christina Brudereck</h4><p>In unserem Podcast “Hossa Talk” sind wir jetzt wieder zu dritt. Gofi Müller, der den Podcast mit gegründet und über viele Jahre maßgeblich mitgeprägt hat, ist seit einigen Wochen wieder mit dabei. Das bedeutet, dass wir jetzt die Talks im Trio aufnehmen werden. Und dazu werden wir natürlich auch weiterhin mit spannenden und inspirierenden Gäst*innen reden. So zum Beispiel mit der wundervollen Theologin, Autorin und Theopoetin Christina Brudereck. Hör doch gerne mal rein:</p><a href="https://hossa-talk.de/237-von-trotzkraft-und-hoffnungsorten-m-christina-brudereck/">https://hossa-talk.de/237-von-trotzkraft-und-hoffnungsorten-m-christina-brudereck/</a><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><h4><strong>MEIN NEUES BUCH</strong></h4><p>Hier kannst du mein neus Buch direkt bestellen. Wie auch schon der Vorgänger, erscheint es im wundervollen Lektora Verlag. Ich freue mich sehr, wenn ich diese Wegstrecke und diese Spurensuche mit Dir teilen darf:</p><a href="https://store.ruach.jetzt/produkt/wir-werden-alle-verwandelt-werden-marco-michalzik-buch/">https://store.ruach.jetzt/produkt/wir-werden-alle-verwandelt-werden-marco-michalzik-buch/</a><p>Liebe Grüße und bleib neugierig</p><p>Marco</p><p>PS. 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      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Sat, 25 May 2024 14:51:20 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM VORLESEN]]></title>
      <description><![CDATA[Anfang des Monats war ich mit meinem Freund und Kollegen Gofi Müller ein paar Tage am Stück auf Tour. Wir haben unser neues Bühenprogramm “Poetry Talk” aufgeführt. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/6e25f0c7-8aad-4ac9-b0d6-b018b7ea0cc1/uploads/images/zq2ekbqgjq/Texte_vom_Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 20: VOM VORLESEN</strong></p><blockquote><p>The job of the poet is to use language effectively, his own language, the only language which is to him authentic.</p><p><strong>William Carlos Williams</strong></p></blockquote><p>Anfang des Monats war ich mit meinem Freund und Kollegen <a href="https://gofi-mueller.de/">Gofi Müller</a> ein paar Tage am Stück auf Tour. Wir haben unser gemeinsames neues Bühenprogramm <a href="https://poetry-talk.de/">“Poetry Talk”</a> erstmalig live vor Menschen aufgeführt und man kann vermutlich auch sagen ausprobiert. Das Konzept funktioniert folgenermaßen: Gofi und ich haben beide unser Repertoire an Gedichten dabei, wissen aber im Vorfeld noch nciht, welche davon wir an dem Abend lesen werden. Es wird zu Beginn ausgeknobelt, wer mit einem ersten Text den Anfang machen darf. Der andere schließt versucht dann seinerseits mit einem passenden Text daran anzuknüpfen und so wechselt sich das munter den ganzen Abend über ab. Dazu unterhalten wir uns nach jedem Gedicht über Themen oder Formulierungen, stellen uns gegenseitig Fragen dazu und auch das Publikum ist herzlich eingeladen mitzudiskutieren, Fragen zu stellen und Anmerkungen zu machen. Dadurch bekommt jeder Abend und jede Veranstaltung einen ganz eigenen Charakter und thematischen roten Faden.</p><p>Den Prämieren-Abend haben wir im Theater Verlängertes Wohnzimmer in Berlin gefeiert, bevor es dann weiter nach Halle (Saale) ging, wo die großartige <a href="https://www.instagram.com/jasmin.brueckner/">Jasmin Brückner</a> unsere Runde mit ihren Texten und Gedanken bereichert hat. Danach ging es nach Gießen, Lemgo und zum Abschluß nach Osnabrück. Den Abend bei unseren Freunden vom Sharehaus Friedenskirche in Osnabrück haben wir aufgezeichnet und als Podcastfolge bei Gofis Podcast <a href="https://cobainserben.de/podcast/poetry-talk/">Cobains Erben</a> veröffentlicht. Den Link dazu findest du am Ende dieses Textes. Ansonsten gibts den Podcast natürlich auch auf sämtlichen anderen Plattformen.</p><p>Ich habe diese Abend sehr genossen. Ich glaube, dieses Format kommt dem sehr nahe, was ich auf der Bühne am liebsten tue: Geschriebenes in Gesprochenes verwandeln und dabei aber mit den Menschen ins Gespräch kommen. Mehr Community-Event als Performance. Ich stehe zwar grundsätzlich wirklich gerne auf der Bühne, bin aber von meiner Persönlichkeit her beileibe keine Rampsensau. Da fühle ich mich mit so einem Format, das gar keine Show, sondern Unterhaltung, im wahrsten Sinne des Wortes, sein möchte, natürlich besonders wohl. Und ich mag die Idee, selbst noch nicht zu wissen, was passieren wird. Sich immer wieder neu darauf einzulassen, was passiert, welche Themen und Fragen und Gespräche sich einfach natürlich im Verlauf ergeben. Das birgt natürlich immer auch ein Risiko. Man gibt ja bewusst einen Teil der Kontrolle ab und schenkt den anwesenden Menschen im Raum das große Vertrauen achtsam damit umzugehen. Das unterstreicht meiner Ansicht nach auch einen Kerngedanken von Spoken Word, nämlich den, dass das eigentliche Kunstwerk nicht das geschriebene Gedicht ist, auch nicht die Performance, sondern das was gemeinsam mit dem Publikum geschieht, wenn ein Text in einem bestimmten Raum, zu einer bestimmten Zeit vor eben genau diesen Menschen vorgetragen wird. Die Resonanz, die Einmaligkeit, die Flüchtigkeit…All das macht es sehr besonders und einzigartig. Natürlich kann das auch mal schief gehen, aber ich glaube trotzdem, dass dieses Vertrauen und diese Offenheit eine wirklich schöne Basis sind, die sich im Verlauf eines Abends immer mehr festigt, je mehr abzuspüren ist, dass wir das tatsächlich ernst meinen und es wirklich um Gespräche und Teilhabe geht und nicht um ein Vehikel, um daraus wieder eine Show zu machen.</p><p>Ich fand es sehr beglückend zu erleben, wie dieses Format Räume für Gespräche öffnet. Auch über den offiziellen Teil des Abends hinaus standen oder saßen Menschen noch zusammen und diskutierten weiter über Themen, die zuvor aufgekommen waren: Heimat, Zugehörigkeit, Wut, Scham, Glaube…Ich glaube, dass wir solche Räume brauchen. Sichere Räume, in denen wir unser Leben und Erleben miteinander auf eine schöne und anregende und emphatische Weise teilen können.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><p>Wir haben schon nach dem ersten Abend gemerkt, dass wir das unbedingt wiederholen wollen und dass es möglich ist, dasselbe Format in unterschiedlichen Konstellationen zu gestalten. So war Gofi nach unserer Tour noch mit Micha Kunze unterwegs und Leah Weigand, Jasmin Brückner und Tabitha Hanan gehören ebenfalls zum</p><p>Mehr Infos zum Format, zukünftige Termine und alles andere gibt es ab sofort hier: <a href="https://poetry-talk.de/">https://poetry-talk.de</a></p><p>Hier ein paar kleine Impressionen aus Lemgo und Osnabrück. Die Fotos aus Lemgo hat unser Freund <a href="https://www.rtphotography.de/">Rudi Töws</a> festgehalten:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/6e25f0c7-8aad-4ac9-b0d6-b018b7ea0cc1/uploads/images/5vwm6b3yy3/Minimal_Aesthetic_Summer_Photo_Collage_.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Collge aus vier Bildern. Marco und Gofi sitzen sich gegenüber auf Stühlen. Beide haben ein Mikrofon in der Hand. Marco liest aus seinem Buch vor."/><h4>POETRY TALK LIVE AUFNAHME:</h4><p>Den letzten Abend unserer Tour in Osnabrück haben wir aufgenommen und als Podcastfolge bei Gofis Podcast <a href="https://cobainserben.de/podcast/poetry-talk/">Cobains Erben</a> veröffentlicht. Hier kannst Du direkt reinhören. Ansonsten findest Du den Podcast natürlich auch auf sämtlichen anderen Plattformen:</p><a href="https://cobainserben.de/podcast/poetry-talk/">https://cobainserben.de/podcast/poetry-talk/</a><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><h2><strong>MEIN NEUES BUCH</strong></h2><p>Hier kannst du mein neus Buch direkt bestellen. Wie auch schon der Vorgänger, erscheint es im wundervollen Lektora Verlag. Ich freue mich sehr, wenn ich diese Wegstrecke und diese Spurensuche mit Dir teilen darf:</p><a href="https://store.ruach.jetzt/produkt/wir-werden-alle-verwandelt-werden-marco-michalzik-buch/">https://store.ruach.jetzt/produkt/wir-werden-alle-verwandelt-werden-marco-michalzik-buch/</a><p>Liebe Grüße und bleib neugierig</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn du diese Mail bekommst und darüber nachdenkst mich und meine Arbeit auf Steady monatlich zu untersützen, dann klicke gerne auf den Button.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Wed, 24 Apr 2024 16:44:46 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM DAZWISCHEN]]></title>
      <description><![CDATA[Heute ist Palmsonntag. Der Tag mit dem die Karwoche beginnt. Der Anfang vom Ende, aus dem dann wieder ein Neuanfang wird, der jetzt aber noch nicht ahnbar ist. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e76c03ad-e50f-49eb-96b1-50577509a3a3/uploads/images/opawrdkfgg/Texte_vom_Vorhandensein4.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 19: VOM DAZWISCHEN</strong></p><p>Im Nachhinein betrachtet bin ich einem ganz schön merkwürdigen Zwischenraum aufgewachsen. Einerseits wurde mir Sonntag für Sonntag ein (meiner Meinung nach) eher strenges und für mich wenig attraktives Gottesbild vor Augen gemalt. Und anderseits waren da diese Bücher und Ge- schichten, in denen wenn auch oft nur zwischen den Zeilen ein ganz anderes Bild von Gott durchschimmerte. Oder zumindest die Sehnsucht danach. Dafür bin ich besonders meinem Vater sehr dankbar. Ich erinnere mich gut daran, dass er mir immer wieder Bücher zu lesen gab, die mich bis heute ganz tief beeindrucken, inspirieren und prägen. Oder mich zumindest gedanklich auf eine Reise einluden, auf der ich mich immer noch befinde.</p><p>Exemplarisch wären da aus dieser Zeit die Bücher von Madeleine L’engle, George Mac Donald, vielleicht auch Bunyans Pilgerreise und vor allem C.S. Lewis und J.R.R. Tolkien zu nennen.</p><p><em>„Nun bin ich doch noch nach Hause gekommen! Das ist meine wahre Heimat. Hierher gehöre ich. Nach diesem Land habe ich mich mein Leben lang gesehnt. Aber das wußte ich bis jetzt nicht. Warum liebten wir das alte Narnia? Weil es manchmal ein bisschen wie dieses Land hier aussah. Kommt weiter, weiter hinein und weiter hinauf!“ (C.S. Lewis, aus Die Chroniken von Narnia - Der letzte Kampf)</em></p><p>Man könnte sich sicherlich mal den Spaß machen und alle Narnia Zitate und Anspielungen in meinen bisherigen Texten und Projekten zählen. Es sind auf jeden Fall einige.</p><p>Wenn Bibelverse in meine Texte einfließen geschieht das oft fast unbewusst. Ich musste als Kind sehr viele solcher Passagen auswendig lernen. Manches davon ist so tief drin, dass das beim Schreiben dann einfach da ist. Da war es fast schon lustig, als ich vor Kurzem gefragt wurde, welche Bibelübersetzung ich beim Schreiben verwenden würde, weil der genaue Wortlaut so nirgendwo zu finden wäre. Da wurde mir erst so richtig bewusst, dass ich das ganz schön oft mache und aus dem Gedächtnis heraus paraphrasiere und dann so etwas herauskommt wie</p><p><em>„...und dann ist selbst dieses Gebotsding auch irgendwie zu verstehen: Ihn zu lieben mit allem, was mich ausmacht, mit meinem Wesen. Und meinen Nächsten, wie mich selbst,<br/>denn...“ (aus Was ist Dir heilig?)</em></p><p>oder <em>„Hast du nicht gesagt, wer dich sucht von dem lässt du dich finden, irgendwie komisch, aber hast Du nicht sogar gesagt, du lebst in mir drin?“ (</em>aus Wo du bist)</p><p>Ich glaube an einen Gott, der sich meinem Verstehen entzieht und zu groß für meine Worte ist. Ich kann ihn nicht in meine Boxen stecken, egal wie sehr ich meine Schubladen auch mit der Zeit vergrößert habe. Und wenn das so ist, ist es vermutlich gar nicht anders möglich von ihm zu reden als in Bildern, Metaphern und Geschichten, in denen ein Hauch davon durchklingt, wie ich ihn mir vorstelle. Oder der Ahnung davon. Oder der Sehnsucht danach. Am Ende ist jede Rede von Gott ein Kompromiss und Bildrede. Vielleicht mochte ich deshalb auch die Gleichnis-Geschichten, die Jesus im Neuen Testament erzählt auch so sehr. Sie sind sehr auf den Punkt, haben immer etwas mit der jeweiligen Zuhörerschaft zu tun, sind provokant, tröstend, politisch und entlarvend. UND sie werden von Jesus einfach so erzählt und dann im Raum stehen gelassen. Ohne direkt alle Bilder zu erklären und theologisch zu deuten. Er mutet den Zuhörern zu mitzudenken, die Geschichte mit sich herum zu tragen und sich selbst darin zu finden. Ich finde, das ist die große Stärke und kraftvolle Schönheit von Poesie und Storytelling.</p><p>Aktuell inspirieren mich Menschen und Autoren sehr, die dieses Geheimnis und diese Sehnsucht spannend denken und formulieren können. Das sind wohl Menschen, die man eher zu den Mystikern zählen würde. Ist vermutlich für jemanden, der sich beruflich mit Poesie beschäftigt auch fast gleichzeitig nachvollziehbar, dass er sich dort aufgehoben fühlt. Und besonders spannend finde ich es dann, wenn es nicht bei dieser romantischen und kontemplativen Gottessicht bleibt, sondern aus dieser Haltung heraus konkretes Leben und Handeln ergibt.</p><p>Heute ist Palmsonntag. Der Tag mit dem die christliche Karwoche beginnt. Der Anfang vom Ende, aus dem dann wieder ein Neuanfang wird, der jetzt aber noch weder zu sehen, noch zu hoffen, noch zu denken ist. Die Stimmung scheint gut zu sein. Erwartung liegt in der Luft. Spannung auch. Alle stellen sich erstmal was ganz anderes vor. Ein König, auf einem geklauten Mini-Esel, der mehr als einmal gesagt hat, dass er gar kein König sein möchte. Der mehr als einmal gesagt hat, dass bei ihm das Kleine groß und das Übersehene wichtig ist. Passt irgendwie gut ins Bild. Auch dass ihm offensichtlich die meisten Menschen meistens nichts richtig zugehört zu haben scheinen und sich von der allgemeinen Euphorie mitreißen lassen. Wo zuviele Stimmen gleichzeitig <em>Hosianna </em>rufen, halte ich meistens lieber erstmal Abstand. Dabei ist selten was Gutes herausgekommen erfahrungsgemäß. Heute ist Sonntag. Und in fünf Tagen schon Freitag…</p><p><em>“Trust a crowd to look at the wrong end of a miracle every time.”</em><br/>― <strong>Kurt Vonnegut, Palm Sunday: An Autobiographical Collage</strong></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><h2><a href="https://www.goodreads.com/work/quotes/1760881">NEWS-NEWS-NEWS-NEWS-NE</a>WS</h2><h4><strong>CROWDFUNDING</strong></h4><p>Es wird Hörbücher geben. Ich plane im Frühjahr meine beiden Gedichtbände “Alles wird ein bisschen <s>anders</s>” und “Wir werden alle verwandelt werden” als Hörbücher zu produzieren. Ich werde sie selbst einsprechen und performen. Um das umsetzen zu können, habe ich ein kleines Crowdfunding bei Startnext gestartet. Ich freue mich sehr, wenn du dabei bist. Du kannst zum Beispiel beider oder eins der beiden Hörbücher vorbestellen. Es gibt aber auch noch andere Goodies, Workshops, Lesungen, handgeschriebene Texte…. Schau gerne mal rein:</p><a href="https://www.startnext.com/hoerbuecher">https://www.startnext.com/hoerbuecher</a><hr aria-hidden="true"/><h3><strong>TOUR MIT GOFI MÜLLER</strong></h3><p>Im April, also ganz bald schon, bin ich mit meinem Freund, dem Künstler, Autor, Lyriker und Podcaster, Gofi Müller auf Tour. Wir haben ein Live-Programm entwickelt, das wir <em>POETRY-TALK</em> nennen. Die Idee ist, dass wir abwechselnd Texte und Gedichte vorlesen und dann darüber ins Gespräch kommen. Wir dürfen uns gegenseitig Fragen zu den Texten stellen und auch die Zuhörenden dürfen Fragen stellen und mitdiskutieren. Das wird ganz toll. Ich freue mich sehr, wenn wir uns an einem der Abende sehen.</p><p><strong>TERMINE:</strong></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e76c03ad-e50f-49eb-96b1-50577509a3a3/uploads/images/r6i4i5gnir/insta_Story_marco-gofi.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Für den Auftritt in Berlin kannst du hier Tickets reservieren:</p><a href="https://www.eventbrite.de/e/poetry-talk-tickets-819948176067?aff=oddtdtcreator">https://www.eventbrite.de/e/poetry-talk-tickets-819948176067?aff=oddtdtcreator</a><h3><strong>MEIN NEUES BUCH</strong></h3><p>Hier kannst du mein neus Buch direkt bestellen. Wie auch schon der Vorgänger, erscheint es im wundervollen Lektora Verlag. Ich freue mich sehr, wenn ich diese Wegstrecke und diese Spurensuche mit Dir teilen darf:</p><a href="https://store.ruach.jetzt/produkt/wir-werden-alle-verwandelt-werden-marco-michalzik-buch/">https://store.ruach.jetzt/produkt/wir-werden-alle-verwandelt-werden-marco-michalzik-buch/</a><p>Liebe Grüße und bleib neugierig</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn du diese Mail bekommst und darüber nachdenkst mich und meine Arbeit auf Steady monatlich zu untersützen, dann klicke gerne auf den Button.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Sun, 24 Mar 2024 11:18:30 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM FALLEN]]></title>
      <description><![CDATA[Es gibt schöne Worte. Es git dieses Gefühl völlig verstanden worden zu sein, von einem Satz, den man in einem Buch liest und dass es jemandem auf wundersame Weise gelunge]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/18603805-17ca-42ae-9c14-f539aa79dc72/uploads/images/uwuvcbpv3m/Texte_vom_Vorhandensein3.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 18: VOM FALLEN</strong></p><p>Es gibt schöne Worte. Es git dieses Gefühl völlig verstanden worden zu sein, von einem Satz, den man in einem Buch liest und dass es jemandem auf wundersame Weise gelungen ist, das ausgedrücken, was man selbst gefühlt, aber nicht zu formulieren im Stande war. Es gibt tröstliche Worte. Worte, die einen motivieren weiter zu machen, wo man sich selbst schon am Ende gewähnt hatte. Es gibt Worte, die Liebe und Wohlwollen und Mitgefühl ausdrücken und die man für eine sehr lange Zeit mit sih herumträgt. Es gibt letzte Worte, die besonders bedeutungsvoll bleiben, weil ihnen keine weiteren mehr hinzugefügt werden können. Und es gibt hässliche Worte. Böse Worte. Manchmal, mitten in einem Gespräch, fällt ein Wort oder ein Satz, der mich unerwartet heftig trifft. Vielleicht weil ich völlig ohne Schutzmechanismen und offen vor der anderen Person stand. Ich frage mich, warum mich ein schlechtes Wort mehr trifft, wenn ich am selben Tag auch hundert gute gehört habe?</p><p>Manchmal fällt so ein Wort vielleicht auch ganz absichtslos. Wut oder angst oder Trauer oder Erregung rütteln solange an ihm herum bis es wie in Zeitlupe losbricht und der Schwerkraft nachgibt. Einmal gefallen, lässt es sich nicht wieder einfallen. Dann braucht es vielleicht viele gute und schöne und wahrhaftige Worte, um die Brüche zu bandagieren, die das gefallene Wort verursacht hat.</p><p></p><h4><strong>Da ist ein Wort gefallen</strong></h4><p></p><p>Da ist ein Wort gefallen,</p><p>hat sich aus Synapsen gelöst</p><p>und sich von Gedankenlarve zum</p><p>Verbalreptil verpuppt.</p><p></p><p>Raubtierbuchstabenkombination</p><p>Greift aus dem Hinterhalt an,</p><p>lauert und bedauert selten</p><p></p><p>Ein Echo im Gepäck</p><p>aus einem wolkenlosen</p><p>Schweigehimmel</p><p></p><p>Da ist ein Wort gefallen.</p><p>Hat sich gelöst, wie ein</p><p>loser Ziegel aus einem</p><p>windschiefen Hausdach</p><p>nach dem Sturm.</p><p></p><p>//</p><p></p><p>Da ist ein Wort gefallen,</p><p>als ich gerade darunter</p><p>hergelaufen bin.</p><p>Hat mich mit Wucht</p><p>an der Würde getroffen</p><p>und hat mich stolpern</p><p>und zucken und perplex</p><p>schwanken lassen,</p><p>ohne nach Oben-Blick</p><p>Umgeknickt</p><p>und aufgeprallt auf dem Boden</p><p>weil ich es nicht kommen gesehen</p><p>hatte,</p><p>liegen die Tatsachen jetzt klaffend offen.</p><p></p><p>Da ist ein Wort gefallen</p><p>und die Schwerkraft hat</p><p>ihr übriges getan</p><p>und meine Kraft reicht</p><p>nicht aus, um es zum</p><p>Absender zurück zu werfen</p><p></p><p>//</p><p></p><p>Obwohl ich werfen wollen würde</p><p>aber andererseits:</p><p>Was genau sollte das ändern?</p><p></p><p>Das Gedicht habe ich kürzlich in einem meiner älteren Notizbüchern wiedergefunden. Manche Sachen, die ich unterwegs schreibe, vergesse ich einfach, wenn ich das vollgeschriebene Notizbuch in die Schublade lege und mir ein neues kaufe. Ich weiß nicht mehr genau, was der Anlass war oder ob es überhaupt einen konkreten Auslößer gab. Leider habe ich weder Ort noch Datum daneben vermerkt. Möglicherweise habe ich es während eines Schul-Workshops in mein Notizbuch gekritzelt, als die Schülerinnen und Schüler sich ihrerseits an der gestellten Schreibaufgabe versuchten. Mit Schulklassen rede ich oft über die Bedeutung und die Wirkung von Worten. Nicht nur im Kontext von Lyrik oder Kreativem Schreiben, sondern auch und vor allem bezogen auf das alltägliche Sprechen und den Umgang miteinander und was so ein gutes oder verletztendes Wort für einen Einfluss auf ein Leben haben kann. Das klingt pathetischer, als es gemeint ist und natürlich möchte ich den Gedanken auch nicht unnötig aufladen und überstrapazieren. Aber ich persönlich finde es manchmal hilfreich, daran erinnert zu werden, dass Worte nicht egal sind, dass sie auf unterschiedliche Weise treffen können. Manchmal sogar, obwohl das überhaut nicht meine Absicht war.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/18603805-17ca-42ae-9c14-f539aa79dc72/uploads/images/3i4pw3lxwy/tempImageH4VSjJ.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Hier kannst du dir das Gedicht von mir vorlesen lassen:</p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/18603805-17ca-42ae-9c14-f539aa79dc72">Auf Steady anhören</a></p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><h2>NEWS-NEWS-NEWS-NEWS-NEWS</h2><h4><strong>CROWDFUNDING</strong></h4><p>Es wird Hörbücher geben. Ich plane im Frühjahr meine beiden Gedichtbände “Alles wird ein bisschen <s>anders</s>” und “Wir werden alle verwandelt werden” als Hörbücher zu produzieren. Ich werde sie selbst einsprechen und performen. Um das umsetzen zu können, habe ich ein kleines Crowdfunding bei Startnext gestartet. Ich freue mich sehr, wenn du dabei bist. Du kannst zum Beispiel beider oder eins der beiden Hörbücher vorbestellen. Es gibt aber auch noch andere Goodies, Workshops, Lesungen, handgeschriebene Texte…. Schau gerne mal rein:</p><a href="https://www.startnext.com/hoerbuecher">https://www.startnext.com/hoerbuecher</a><h4><strong>PODCASTS</strong></h4><p>Und ich durfte zuletzt in zwei wunderschönen und spannenden Podcast-Formaten zu Gast sein.</p><p>Einmal bei <strong>Schöner glauben</strong> von Jason Liesendahl. Wir haben über Scham, Purity Culture und übers Weinen gesprochen. Und ich lese auch zwei Texte aus meinem neuen Buch. Hör gerne mal rein:</p><a href="https://schoener-glauben.blogs.julephosting.de/75-new-episode">https://schoener-glauben.blogs.julephosting.de/75-new-episode</a><p>Und kurz davor hat mich Klaus-André Eickhoff zuhause in Marburg besucht und wir haben ein sehr schönes Gespräch für seinen Podcast <strong>Jetzt wirds persönlich</strong> geführt und ich finde, der Name ist durchaus Programm. Den Talk findest Du hier:</p><a href="http://jetztwirdspersoenlich.net/https-tnnaw1-podcaster-de-download-079-marco-michalzik-mp3/">http://jetztwirdspersoenlich.net/https-tnnaw1-podcaster-de-download-079-marco-michalzik-mp3/</a><p>Beide Podcasts findest du natürlich auch auf allen gängigen Plattformen.</p><p></p><h3><strong>MEIN NEUES BUCH</strong></h3><p>Hier kannst du mein neus Buch direkt bestellen. Wie auch schon der Vorgänger, erscheint es im wundervollen Lektora Verlag. Ich freue mich sehr, wenn ich diese Wegstrecke und diese Spurensuche mit Dir teilen darf:</p><a href="https://store.ruach.jetzt/produkt/wir-werden-alle-verwandelt-werden-marco-michalzik-buch/">https://store.ruach.jetzt/produkt/wir-werden-alle-verwandelt-werden-marco-michalzik-buch/</a><p>Liebe Grüße und bleib neugierig</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn du diese Mail bekommst und darüber nachdenkst mich und meine Arbeit auf Steady monatlich zu untersützen, dann klicke gerne auf den Button.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Sun, 25 Feb 2024 10:17:52 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM BETEN Teil 2]]></title>
      <description><![CDATA[“Und deswegen ist Poesie so mächtig und so wesentlich für jedes vereinte geistliche Leben: Sie bewahrt beide Aspekte der geistlichen Erfahrung, da sie das Loben...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/2863b4cf-3733-4c29-9a31-17c3910e9b14/uploads/images/mrbxclmpch/Texte%20vom%20Vorhandensein3.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 17: VOM BETEN Teil 2</strong></p><blockquote><p>“Und deswegen ist Poesie so mächtig und so wesentlich für jedes vereinte geistliche Leben: Sie bewahrt beide Aspekte der geistlichen Erfahrung, da sie das Loben wie Verlieren in ein und demselben Moment zu benennen weiß.”</p><p></p><p>Christian Wiman</p></blockquote><p>Wie so oft habe ich nach dem Schreiben des letzten Textes noch weiter über die Verknüpfung von Schreiben und Gebet nachgedacht. Und mir sind noch so viele Gedanken begegnet, dass ich es für lohnenswert halte, dem noch einen zweiten Teil zu widmen. Wohlwissend, dass auch damit höchstens ein bisschen an der Oberfläche gekratzt ist. Hier gehts zum ersten Teil: <a href="https://steadyhq.com/de/marcomichalzik/posts/67338cf8-0cbd-4867-9a6d-74c9ff12dbf8?secret_token=oL8WaLPjRw-ZAWnHCORCPnOYHJ-JpNh_PehEwP46ly3zpm4mE6IueDio_xYjw2zS">VOM BETEN</a></p><p>Auch für andere Schreibende scheint das immer wieder eine spannende Spur gewesen zu sein. Kafka schreibt zum Beispiel in seinen Tagebüchern vom <em>“Schreiben als eine Form des Gebets” </em>und der Schreiber des Jakobusbriefs im biblischen Neuen Testament fordert seine Lesenden auf “<em>Täter des Worts und nicht Hörer allein </em>zu sein. Das Wort für Täter, Tuende, Handelnde ist im griechischischen Original das Wort <em>poiētēs</em> (ποιητής). Übersetzen könnte man es auch mit Poet, Dichter, Verfertiger, Schöpfer, Urheber und sogar Schriftsteller.</p><p>Es wird also nahegelegt, einen poetischen Ausdruck für Spiritualität zu finden. Eine Art Performance-Kunst von poetischer Qualität. Und die müsste natürlicher Weise im besten Fall sehr individuell und persönlich sein. Einfach nur abschreiben und kopieren ist ja noch keine Kunst. Wenn ich Schreib-Workshops für Schulklassen gebe, versuche ich immer, ihnen möglichst viele unterschiedliche Poetinnen und Poeten vorzustellen und mich mit Beispielen meiner eigenen Texte etwas zurückzuhalten. Nicht aus falscher Bescheidenheit, sondern weil gerade am Anfang und im Schulkontext schnell der Eindruck entstehen kann, dass alle einfach das nachmachen sollen, was ich ihnen gerade präsentiert haben. Schließlich stehe ja dort als jemand, der das Schreiben zum Beruf gemacht hat und eingeladen wurde, um ihnen etwas davon mitzugeben. Und selbstverständlich kann man eine Menge dadurch lernen, wenn man seine Heldinnen und Helden kopiert und dabei ihrem Stil und ihrem Handwerk auf die Spur kommt. Das bleibt vermutlich überhaupt nicht aus. Trotzdem wird es eigentlich erst da spannend, wo jemand seine eigene Stimme findet und man möglicherweise noch Einflüsse und Bezüge von anderen erkennen kann, die aber zu etwas Neuem und Eigenem gemacht wurden. Es geht mir also in keinster Weise darum in diesen Workshops möglichst viele kleine Klone meiner eigenen Kunst zu erschaffen, sondern im besten Fall einen Freiraum zu schaffen, ein Fenster zu öffnen, der anderen dabei hilft, ihren eigenen persönlichen Zugang und Ausdruck im und beim und durch das Schreiben zu finden.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><p>Diesen Gedanken angewandt auf den Satz von Jakobus, könnte man vielleicht sagen, dass demnach auch der spirituelle Ausdruck ein sehr persönlicher, eigener und authentischer Ausdruck sein darf, vielleicht sogar muss, damit er, wie in der Poesie, die Kraft hat jemanden zu erreichen und zu berühren. Oder dass überhaupt jemand Interesse daran hat zuzuhören oder sich die Zeit zu nehmen das <em>“Gedicht”</em> zu lesen. Natürlich werden auch da Bezüge und Einflüsse erkennbar sein, aber als Inspirationsquellen und nicht als Schablonen.</p><p>In meiner Jugendzeit gab es zum Beispiel in frommen Kreisen diesen merkwürdigen Begriff der sogenannten <em>“Stillen Zeit”</em>. Das bezeichnete einfach eine bestimmte Zeit, die man im besten Fall rgelmäßig mit Bibellesen und Gebet verbringen sollte. Idealerweise morgens, je früher desto heiliger und je länger, desto frommer. Das schlechte Gewissen, wenn man als Teenager diese Disziplin nicht an den Tag legte, gab es natürlich gratis dazu. Nicht, dass an dieser spirituellen Praxis grundsätzlich etwas schlecht oder verwerflich wäre. Wenn das dein Ding ist - Go for it! Ich glaube nur, dass es nicht erstrebenswert ist, dass es für alle dieselbe Form, Uhrzeit, oder Ausdruck geben kann. Sonst bleibt es unweigerlich bei langweiligen Kopien.</p><p>Der amerikanische Comedian Kevin James Thornton hat auf Instagram eine ganze Reihe von kurzen Clips veröffentlicht, in denen er seine Kindheit und Jugend in einer fundamentalistischen Freikirche verarbeitet. Mit all den Merkwürdigkeiten, die das so mit sich brachte. Seinen Take zur <em>Quiet Time</em> möchte ich dir nicht vorenthalten:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=RqD6dI3et9k">https://www.youtube.com/watch?v=RqD6dI3et9k</a><p>Das Buch von Christian Wiman, aus dem das Anfangs-Zitat stammt, kann ich im Übrigen sehr empfehlen. Es zählt mit zu dem Besten und Tiefgreifendstem, das ich zum Thema Poesie und Theologie jemals gelesen habe. Leider lief die deutsche Übersetzung nicht besonders erfolgreich und ist mittlerweile vergriffen. Ich verlinke trotzdem hier die deutsche E-Book Variante und das englischen Original:</p><a href="https://www.adeo-verlag.de/mein-heller-abgrund.html">https://www.adeo-verlag.de/mein-heller-abgrund.html</a><a href="https://www.amazon.de/My-Bright-Abyss-Meditation-Believer/dp/0374534373/ref=tmm_pap_swatch_0?_encoding=UTF8&amp;qid=&amp;sr=">https://www.amazon.de/My-Bright-Abyss-Meditation-Believer/dp/0374534373/ref=tmm_pap_swatch_0?_encoding=UTF8&amp;qid=&amp;sr=</a><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><h2>NEWS-NEWS-NEWS-NEWS-NEWS</h2><p>Ich möchte Dir gerne ein Buch vorstellen, an dem ich mitschreiben durfte. Von den Perlen des Glaubens bis zu christlichem Yoga, von Bibelatmen bis Ikonenmalerei: Das Christentum hat einen großen Reichtum an Gebets-, Glaubens- und Achtsamkeitspraktiken, die darauf warten (neu) entdeckt zu werden. Dieses Buch ist ein Reiseführer durch die Welt der christlichen Spiritualität. Kurz und knapp stellt es 40 Dinge vor und inspiriert mit praktischen Tipps dazu, andere Zugänge auszuprobieren. Ein Buch, das zeigt: Glaube und Spiritualität ist so viel vielseitiger als der Besuch eines traditionellen Gottesdienstes mit starrer Liturgie und alten Kirchenbänken. Probier es einfach aus! Keines der Dinge, die du hier findest, braucht Vorwissen, den Glauben an Gott, Kenntnisse in der Verteidigung gegen die dunklen Künste oder andere spirituelle Skills. Sie sind einfach anzuwenden und können dir Aha- und Wow-Effekte schenken – müssen es aber nicht.</p><p>Ich durfte einiges zu dem Bereich Kreativität und Sprache beitragen. Teilweise Übungen, die ich auch gerne in meinen Workshops mit den Teilnehmenden ausprobiere.</p><a href="https://store.ruach.jetzt/produkt/40-dinge-die-du-ausprobieren-musst-bevor-du-aufhoerst-zu-glauben/">https://store.ruach.jetzt/produkt/40-dinge-die-du-ausprobieren-musst-bevor-du-aufhoerst-zu-glauben/</a><hr aria-hidden="true"/><h3><strong>MEIN NEUES BUCH</strong></h3><p>Hier kannst Du das Buch direkt bei mir bestellen. Wenn du magst auch mit Widmung. Wie auch schon der Vorgänger, erscheint es im wundervollen Lektora Verlag. Ich freue mich sehr, wenn ich diese Wegstrecke und diese Spurensuche mit Dir teilen darf:</p><a href="https://store.ruach.jetzt/produkt/wir-werden-alle-verwandelt-werden-marco-michalzik-buch/">https://store.ruach.jetzt/produkt/wir-werden-alle-verwandelt-werden-marco-michalzik-buch/</a><p>Liebe Grüße und bleib neugierig</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn du diese Mail bekommst und darüber nachdenkst mich und meine Arbeit auf Steady monatlich zu untersützen, dann klicke gerne auf den Button.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/2863b4cf-3733-4c29-9a31-17c3910e9b14/teaser_image/1740681050?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Tue, 30 Jan 2024 14:52:27 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM BETEN]]></title>
      <description><![CDATA[Teil 16: Eine Zeitlang habe ich mich unwohl gefühlt, wenn ich zu frommen Veranstaltungen eingeladen war und nach einem Auftritt im Interview zu Gebet befragt wurde. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/67338cf8-0cbd-4867-9a6d-74c9ff12dbf8/uploads/images/phn2o37bpr/Texte%20vom%20Vorhandensein.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 16: VOM BETEN</strong></p><blockquote><p>„Ich benutze manchmal die beiden Wörter ‚beten‘ und ‚dichten‘ synonym, als sagten sie das Gleiche, so ein Versuch des Selbstausdrucks, auch des ausgedrückten Schmerzes.</p><p></p><p>-Dorothee Sölle</p></blockquote><p>Eine Zeitlang habe ich mich immer unwohl gefühlt, wenn ich zu frommen Veranstaltungen eingeladen war und vor oder nach einem Auftritt im Interview zu meinem Gebetsleben befragt wurde. Ich verstehe natürlich, warum man so etwas fragt. Im besten Fall erhofft sich der Fragestellende davon Inspiration für seine eigene spirituelle Praxis. Und im schlimmsten steckt da vielleicht auch ein wenig der Wunsch dahinter abzuklopfen, wie weit es denn mit der privaten Frömmigkeit desjenigen bestellt ist, der da gerade vor vielen Menschen auf einer Bühne steht und über Gott und Glaubensthemen redet. Vielleicht auch so eine Art Selbstvergewisserung, dass wir irgendwie zum selben Team gehören. Warum war mir das oft unangenehm? Zum einen, weil ich diese skizzierten Motivationen für nicht besonders erstrebenswert halte und davon höchstens der ersten noch ein wenig abgewinnen kann. Aber selbst da, ist mir die Frage eigentlich zu persönlich und intim, als dass ich sie gerne auf einer Bühne beantworten würde. Und zum anderen, und das war der weitaus gewichtigere Grund, weil ich mir selbst gar nicht sicher war, was ich darauf antworten soll. Weil ich keine feste Gebetspraxis hatte. Keine festgelegte Tageszeit, keine besonderen Rituale, oder vorformulierte Worte, auf die ich gerne zurückgreife, kein besonderer Ort, kein Tischgebet. Hätte man mich ganz allgemein gefragt, ob ich hin und wieder bete und ob ich das grundsätzlich für eine schöne und hilfreiche Idee halte, hätte ich wiederum sofort ja gesagt. Nur eben nie so, dass ich daraus eine Form oder gar einen Tipp für andere hätte ableiten können. Und oft genug stellten sich dann direkt auch wieder Scham udn ein schlechtes Gewissen ein. Bete ich überhaupt noch? Bete ich genug? Und wieviel ist denn eigentlich genug?</p><p>Heute sehe ich das wesentlich entspannter. Ich bin irgendwann darauf gekommen, dass ich den Begriff “Gebet” einfach viel zu eng und klein betrachtet habe. In meiner Vorstellung war das einfach immer das konkrete Händefalten und Worte sprechen und am Ende “Amen” sagen. Mir wurde klar, dass mein Schreiben, mein künstlerischer Ausdruck meine primäre Gebetsform ist. In meinem Schreiben verarbeite und reflektiere ich meine Sorgen und Ängste, meine Freundschaften und Beziehungen, mein Hoffen und mein Zweifeln. Manche Texte haben dann auch soetwas wie eine Gebetsform. Es gibt sogar ein “Du”, das man wohl Gott nennen könnte. Bei dem Text <a href="https://www.youtube.com/watch?v=2E0sK6A0SAw">“Damn Good Coffee”</a> ist das zum Beispiel ganz eindeutig so. Bei der Mehrzahl meiner Gedichte ist das aber überhaupt nicht so. Trotzdem halte ich einen Text über Freundschaft genauso für (m)ein Gebet, wie ein Liebesgedicht für Kaffee und ein politisches Stück gleichermaßen wie ein Gedicht über Sexualität und Körperlichkeit.</p><p>Wenn ich darüber nachdenke, was Gebet ist und was ein Gedicht ist, wofür beide da sind und wie sie “funktionieren”, komme ich für mich zu dem Schluß, dass ich sie nicht getrennt betrachten kann, obwohl sie natürlich nicht dasselbe sind. Ein Gebet ist nicht zwangsläufig immer ein Gedicht. Umgekehrt glaube ich aber, dass alle meine Gedichte irgendwie Gebete sind, auch wenn in ihnen nicht explizit von Gott oder zu Gott gesprochen wird. Dorothee Sölle, von der das Eingangszitat stammt, hat weiter gesagt:</p><p><em>“Es geht mir oft so, wenn ich Meldungen lese in der Zeitung oder in Briefen, die Leute mir schreiben, Meldungen des Entsetzens, etwas Grauenvolles, dann ist es manchmal so, als könnte ich nicht atmen. Und dann hab ich das Bedürfnis, irgendetwas damit zu tun, aber manchmal denke ich auch, ich will es Gott erzählen und deswegen schreib ich es auf, damit er es endlich mal hört.“</em></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><p>Ich mag diesen Gedanken, dass ich durch und in meinem Schreiben, Gott ein bisschen davon erzähle, was mich gerade umtreibt und was aus meiner kleinen Perspektive aus los ist auf diesem Planet. Was schön ist und was schief läuft.</p><p>Ein Gedicht ist wie das Gebet auch eine Art Achtsamkeitsübung. Beide verwenden Worte. Und bei beiden ist es spannend zu sehen, was zwischen den Worten, in der Stille, in den Leerstellen zwischen zwei Zeilen, geschieht. Beide finden Verwendung für Verzweiflung. Beide verweben Erfahrung mit Sprache. Beiden ist es nicht fremd die Sprache dabei zu biegen, wenn alle bekannten Vokabeln nicht mehr reichen, um auszudrücken, was man meint. Beide haben das Potenzial Menschen Worte zu geben in Zeiten und für Situationen, wo ihnen die eigenen Worte fehlen. Beide wollen nicht die Welt erklären, sondern menschlisches Empfinden ausdrücken. Beiden wohnt die Hoffnung inne, auf einen Zuhörer zu treffen und nicht ungehört an der Decke zu verhallen. Beide kennen Einsamkeit. Schreiben und beten tue ich meistens allein. Aber beide entwickeln eine ganz neue Dimension, wenn sie in Gemeinschaft geteilt und erlebt werden. Ein Gebet, eine Fürbitte, die eine ganze Glaubensgemeinschaft gleichzeitig gemeinsam spricht und das Flirren in einem Raum, wenn ein Gedicht vor Menschen laut gesprochen wird und Zuhörende findet.</p><p>Da lassen sich also schon beim oberflächlichen Nachdenken sehr viele Parallelen finden. Nicht dass man die bräuchte, um den Gedanken zu rechtfertigen. Ich schreibe sie auf, weil ich es schön finde diese Parallelen zu entdecken und wahrzunehmen. Der Gedanke ist da natürlich auch nicht, diese Form des Gebets nun allen anderen nahezulegen. Die Spur scheint mir eher zu sein, den Begriff viel weiter zu fassen und allen alltäglichen Tätigkeiten das Potenzial einzuräumen Gebet zu sein. Oder zu werden. Mit und ohne Worte.</p><hr aria-hidden="true"/><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/posts">Alle Posts anzeigen</a></p><h2>NEWS-NEWS-NEWS-NEWS-NEWS</h2><p>Ich möchte Dir gerne ein Buch vorstellen, an dem ich mitschreiben durfte. Von den Perlen des Glaubens bis zu christlichem Yoga, von Bibelatmen bis Ikonenmalerei: Das Christentum hat einen großen Reichtum an Gebets-, Glaubens- und Achtsamkeitspraktiken, die darauf warten (neu) entdeckt zu werden. Dieses Buch ist ein Reiseführer durch die Welt der christlichen Spiritualität. Kurz und knapp stellt es 40 Dinge vor und inspiriert mit praktischen Tipps dazu, andere Zugänge auszuprobieren. Ein Buch, das zeigt: Glaube und Spiritualität ist so viel vielseitiger als der Besuch eines traditionellen Gottesdienstes mit starrer Liturgie und alten Kirchenbänken. Probier es einfach aus! Keines der Dinge, die du hier findest, braucht Vorwissen, den Glauben an Gott, Kenntnisse in der Verteidigung gegen die dunklen Künste oder andere spirituelle Skills. Sie sind einfach anzuwenden und können dir Aha- und Wow-Effekte schenken – müssen es aber nicht.</p><p>Ich durfte einiges zu dem Bereich Kreativität und Sprache beitragen. Teilweise Übungen, die ich auch gerne in meinen Workshops mit den Teilnehmenden ausprobiere.</p><a href="https://store.ruach.jetzt/produkt/40-dinge-die-du-ausprobieren-musst-bevor-du-aufhoerst-zu-glauben/">https://store.ruach.jetzt/produkt/40-dinge-die-du-ausprobieren-musst-bevor-du-aufhoerst-zu-glauben/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Und in der letzten Hossa Talk- Folge habe ich mich mit Jay ganz ausgiebig über Hoffnung unterhalten und über die Frage, was wir überhaupt hoffen können und wollen. Hör gerne mal rein.</p><a href="https://hossa-talk.de/229-was-wollen-wir-hoffen/">https://hossa-talk.de/229-was-wollen-wir-hoffen/</a><hr aria-hidden="true"/><h3><strong>MEIN NEUES BUCH</strong></h3><p>Hier kannst Du das Buch direkt bei mir bestellen. Wenn du magst auch mit Widmung. Wie auch schon der Vorgänger, erscheint es im wundervollen Lektora Verlag. Ich freue mich sehr, wenn ich diese Wegstrecke und diese Spurensuche mit Dir teilen darf:</p><a href="https://store.ruach.jetzt/produkt/wir-werden-alle-verwandelt-werden-marco-michalzik-buch/">https://store.ruach.jetzt/produkt/wir-werden-alle-verwandelt-werden-marco-michalzik-buch/</a><p>Liebe Grüße und bleib neugierig</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn du diese Mail bekommst und darüber nachdenkst mich und meine Arbeit auf Steady monatlich zu untersützen, dann klicke gerne auf den Button.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Mon, 22 Jan 2024 17:44:28 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM ADVENT]]></title>
      <description><![CDATA[Teil 15: Mitten im Dunkel scheint die Nacht nie enden zu wollen. In den wandernden Schatten sind die Träume ängstlich und sorgenvoll. Einfach eine Nacht...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/82548344-e916-4564-b157-25ea6f6a0f0b/uploads/images/sfr6mv7jjg/Texte%20vom%20Vorhandensein2.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 15: VOM ADVENT</strong></p><p>Ihr Lieben,</p><p>das Jahr ist fast vorbei und ich muss sagen, dass es ein sehr anstrengendes und sorgenvolles war. Aber ich bin sehr gespannt, was dieses 2024 mit sich bringen wird. Und ich möchte Dir von ganzem Herzen für Deine Unterstützung danken. Danke, dass Du mich hier auf Steady unterstützt. Danke, dass Du meine Texte liest, dass Du mein Buch gekauft hast, dass Du zu Veranstaltungen gekommen bist, dass Du Podcastfolgen gehört hast und vor allem dafür, dass Du mir Mut gemacht hast. Vielen, vielen Dank! Das hat alles sehr geholfen weiterzumachen und hoffnungsvoll zu bleiben. DANKE &lt;3</p><p>Ich arbeite gerade intensiv an einem ganz tollen und spannenden Projekt fürs nächste Jahr. Ich freue mich schon sehr darauf bald mehr dazu zu erzählen.</p><p>Für die Weihnachtspost von guten Freunden habe ich kürzlich ein kleines Weihnachtsgedicht geschrieben. Das möchte ich gerne mit Dir teilen. Vielleicht kann es ein kleiner Adventsbegleiter sein. Ich habe mir die Hirten auf dem Feld aus der Weihnachtsgeschichte vorgestellt und was sie wohl gedacht, gesehen und gehört haben:</p><p></p><h3><strong>Lichtspalt</strong></h3><p></p><p>Mitten im Dunkel</p><p>scheint die Nacht</p><p>nie enden zu wollen</p><p></p><p>In den wandernden Schatten</p><p>sind die Träume</p><p>ängstlich und sorgenvoll</p><p></p><p>Einfach eine Nacht</p><p>wie so viele zuvor</p><p>In der einsamen Kälte</p><p>fast ein wenig verfroren</p><p></p><p>Als die Augen beginnen</p><p>sich an das Schwarz zu gewöhnen</p><p>scheint plötzlich Musik</p><p>durch die Landschaft zu tönen</p><p></p><p>Ein Lied erklingt</p><p>Und eine Stimme singt</p><p>vom herbeigesehnten Frieden</p><p></p><p>Selbst die Schatten verraten</p><p>ohne Stimme und Sprache,</p><p>dass ein Licht vorhanden ist</p><p></p><p>In dieser stillen Nacht</p><p>wird es früher hell als gedacht.</p><p>Die Hoffnung singt ein Lied vom Frieden</p><p>und hat sich selbst als Geschenk</p><p>mitgebracht</p><p></p><p>Diese stille Nacht,</p><p>als uns die Hoffnung eine Tür aufmacht</p><p>und in die Dunkelheit</p><p>einen Türspalt breit</p><p>Licht hinein scheinen lässt</p><p></p><p>Diese stille Nacht,</p><p>in der die Hoffnung sacht</p><p>für Menschen mit verzagten Herzen</p><p>das Licht anmacht und sagt,</p><p>Ich brauche keine Angst zu haben</p><p></p><p>In jeder Nacht</p><p>wünsche ich dir</p><p>Lichter und Lieder</p><p>Wieder und Wieder</p><p>und jemanden, der dir</p><p>vielleicht einen Türspalt breit</p><p>zeigt, dass die Hoffnung bleibt.</p><p></p><p><em>„Fürchtet euch nicht! Denn er bringt der Welt Frieden und wendet sich den Menschen in Liebe zu.“</em> (Lukas 2,10+14)</p><hr aria-hidden="true"/><h4><strong>BLEIB BARMHERZIG (LIVE)</strong></h4><p>Als kleines Adventsgeschenk habe ich Dir exklusiv eine Live-Version von “Bleib barmherzig” aus meinem neuen Buch als Video hochgeladen. Ich hatte vor kurzem die Freude das Gedicht mit musikalischer Begleitung von <a href="https://chunkymonkeyproduction.de/">Manuel Steinhoff</a> im Gottesdienst von <a href="https://und-marburg.de/">UND Marburg</a> zu performen. Viel Freude beim Anschauen und Anhören:</p><a href="https://youtu.be/N4WIVhOpWTs">https://youtu.be/N4WIVhOpWTs</a><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><p></p><h2>NEWS-NEWS-NEWS-NEWS-NEWS</h2><p>Für den Blog der Freunde von <a href="https://centralarts.net/blog/2023/12/06/flaschenpost-und-zeitkapseln/">Central Arts</a> habe ich einen kleinen Blog-Beitrag geschrieben und eingesprochen. Schau gerne mal rein:</p><a href="https://centralarts.net/blog/2023/12/06/flaschenpost-und-zeitkapseln/">https://centralarts.net/blog/2023/12/06/flaschenpost-und-zeitkapseln/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Außerdem war ich erneut im Cobains Erben Podcast zu Gast und habe mich mit Gofi und Jay über die Gedichte von Charles Bukowski unterhalten. Ist ein sehr schöner und lustiger Talk geworden. Hier kannst Du reinhören. Ansonsten findest Du den Podcast natürlich auch überall, wo Du Podcast hörst:</p><a href="https://cobainserben.de/podcast/bukowski/">https://cobainserben.de/podcast/bukowski/</a><hr aria-hidden="true"/><h2>MEIN NEUES BUCH</h2><p>Hier kannst Du das Buch direkt bei mir bestellen. Wenn du magst auch mit Widmung. Wie auch schon der Vorgänger, erscheint es im wundervollen Lektora Verlag. Ich freue mich sehr, wenn ich diese Wegstrecke und diese Spurensuche mit Dir teilen darf:</p><a href="https://www.marcomichalzik.com/shop/wwavw">https://www.marcomichalzik.com/shop/wwavw</a><p>Ich wünsche Dir eine frohe und besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Übergang von diesem Jahr in das Neue.</p><p>Liebe Grüße und bleib barmherzig</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn du diese Mail bekommst und darüber nachdenkst mich und meine Arbeit auf Steady monatlich zu untersützen, dann klicke gerne auf den Button.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/82548344-e916-4564-b157-25ea6f6a0f0b/teaser_image/1740681091?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Thu, 14 Dec 2023 18:15:24 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM LIEBEN]]></title>
      <description><![CDATA[Teil 14: Der erste Teil ist soetwas wie die Origin-Story der Liebe. Ich mag die ersten Seiten der Bibel nämlich sehr, die ich gerne als das “Schöpfungsgedicht” bezeichne.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3b075154-e0dc-4b24-a016-cc9443e60cab/uploads/images/mr2sdz2x2w/steady.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 14: VOM LIEBEN</strong></p><p>Im Frühjahr wurde ich von den Schweizer Freunden des <a href="https://www.reflab.ch/">Reflab</a> gefragt, ob ich eine vierteilige Spoken Word-Serie als eine Art Meditation für ihre Plattform produzieren könnte. Diese Aufgabe fand ich sofort sehr spannend und interessant und ich habe lange überlegt, was man mit so einem “Vierklang” anstellen könnte. In meinem sonstigen Schreiben kommt das ja eher selten vor, dass ich Texte in mehreren Teilen schreibe. Also dachte ich darüber nach, was mir so an Quartetten und Viererkonstellationen einfällt. Irgendwann bin ich dann gedanklich bei C.S. Lewis gelandet. Oder eher bei seinem Buch <a href="https://www.amazon.de/Four-Loves-Lewis-Signature-Classic/dp/0007461224">“The Four Loves</a>” (dt. <a href="https://www.amazon.de/Die-vier-Arten-Liebe-Lewis/dp/3038482099/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2WJRDOR36UPYG&amp;keywords=cs+lewis+liebe&amp;qid=1700666821&amp;sprefix=cs+lewis+liebe%2Caps%2C125&amp;sr=8-1">“Die vier Arten der Liebe”</a>). In diesem Buch beschreibt C.S. Lewis vier verschiedene Ausdrucksformen der Liebe: <em>Agape</em> (göttliche od. selbstlose Liebe), <em>Eros</em> (romantische od. erotische Liebe), <em>Philia</em> (freundschaftliche od. brüderliche Liebe) und <em>Storge</em> (Zuneigung).</p><p>Ich habe dieses Schema ein klein wenig abgewandelt und meinen eigenen Vierklang daraus gemacht. Nachfolgend kannst Du Dir alle vier Teile von mir gesprochen anhören. Reflab hat die gesprochenen Texte auch noch musikalisch untermalt und tolle Visuals dazu produziert, sodass man die einzelnen Texte auch als Meditationszeit nutzen kann. Die Texte bauen aufeinander auf, können aber auch jeweils einzeln für sich angehört werden. Unter jedem Video findest Du einen Link, wo Du auch den Text nach- oder mitlesen kannst, wenn Du möchtest.</p><p>Der erste Teil ist soetwas wie die Origin-Story der Liebe. Ich mag die ersten Seiten der Bibel nämlich sehr, die ich gerne als das “Schöpfungsgedicht” bezeichne, weil ich glaube, dass man diesen Text hauptsächlich als Lyrik begreifen sollte. Als Versuch mit poetischen (Stil)mitteln dem Geheimnis von der Entstehung aller Dinge nachzuspüren. Und aus dieser Faszination heraus habe ich mein eigenes Schöpfungsgedicht geschrieben. Mit besonderem Fokus auf die Rolle, die die Liebe dabei möglicherweise gespielt haben könnte.</p><h4><strong>Teil 1: EIN SCHÖPFUNGSGEDICHT</strong></h4><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ctnmpb4Tzfo">https://www.youtube.com/watch?v=ctnmpb4Tzfo</a><p><a href="https://www.dropbox.com/scl/fi/s4v4hrtt4rnzr51uv30j0/THE-FOUR-LOVES_Reflab.pdf?rlkey=g1pipm5shjqdw6bcuvk9iusyu&amp;dl=0">Text lesen</a></p><hr aria-hidden="true"/><p>Der zweite Teil dreht sich um den Aspekt der Liebe, der in solchen Aufzählungen und Betrachtungen gerne übersehen und übergangen wird: Die Selbstliebe. Der fällt mir ehrlich gesagt auch oft schwer. Vielleicht weil es zu sehr nach Selbstbeweihräucherung und Egoismus klingt und weniger nach Demut und Bescheidenheit. Ich glaube, dem liegt aber oft eine falsche Definition von Demut zugrunde. Auch in dem vielzitierten Liebesgebot von Jesus, wo es heißt, dass man den nächsten Lieben soll, <em>wie sich selbst, </em>wird der Fokus in der Auslegung ja eher auf die Nächstenliebe gelegt, obwohl die Selbstliebe ja scheinbar eine Grundvorraussetzung dafür zu sein scheint. Auch im Vierklang von C.S. Lewis fehlt die Selbstliebe. Vielleucht auch gerade, weil mir das selbst oft schwer fällt, habe ich mich dazu entscheiden, dieser Art der Liebe den zweiten Teil der Reihe zu widmen. Dieser Text stellt sich gewissermaßen nackt vor den Spiegel und betrachtet sich selbst und versucht Frieden zu schließen, mit dem, was ihm da entgegenblickt.</p><h4><strong>Teil 2: SELFIE</strong></h4><a href="https://www.youtube.com/watch?v=qCo-z7oobPE">https://www.youtube.com/watch?v=qCo-z7oobPE</a><p><a href="https://www.reflab.ch/selfie-eine-reflab-meditation/">Text lesen</a></p><hr aria-hidden="true"/><p>Der dritte Teil widmet sich der Freundschaft. Ich habe mich schon oft gefragt, warum es so viele Liebeslieder gibt, aber so wenige Freundschaftslieder. Warum wird diese romantische Art der Liebe so oft besungen und betextet und die Freundschaft dagegen vergleichweise wenig, obwohl im Vergleich freundschaftliche Beziehungen mitunter sogar länger andauern, als so manche romantische Beziehung. Ein befreundeter Dichter hat aus diesem Grund vor ein paar Jahren auch mal eine “Ode an die Freunde” geschrieben, was mir nicht nur wegen des Wortspiels im Titel damals sehr gut gefallen hat. Genausogut könnte dieser Text natürlich auch im Hinblick auf Familie, Geschwister und eben doch wieder romantische Beziehungen verstanden werden. ICh hatte beim Schreiben tatsächlich eher die Freundschaft im Kopf.</p><h4><strong>Teil 3: DU</strong></h4><a href="https://www.youtube.com/watch?v=vRulMj0dZAE">https://www.youtube.com/watch?v=vRulMj0dZAE</a><p><a href="https://www.reflab.ch/du-eine-reflab-meditation/">Text lesen</a></p><hr aria-hidden="true"/><p>Wenn es einen biblischen Text über die Liebe gibt, der immer und immer hervorgekramt wird, wenn es um die Liebe geht, dann wohl die Zeilen aus dem 13. Kapitel aus Paulus’ erstem Brief an die Korinther. Kaum eine Hochzeitszeremonie, die ohne auskommt und auch sonst gehören sie sicher zu den bekanntesten Versen der Bibel. Im vierten Teil meiner Textreihe wollte ich gerne diesen berühmten Text als das große Finale dieser Reihe über die Liebe haben. Mein Gedicht ist sowohl der Versuch einer poetischen Übertragung ins Hier und Jetzt und gleichzeitig eine Eimnbettung in all die Zweifel und Hoffnungsmomente, durch die die ersten drei Teile schon gegangen sind. Es ist möglicherweise kein richtiges Happy End. Aber vielleicht soetwas wie die Hoffnung darauf.</p><h4><strong>Teil 4: DAS HOHELIED DER LIEBE</strong></h4><a href="https://www.youtube.com/watch?v=gTTppQSOKJ4">https://www.youtube.com/watch?v=gTTppQSOKJ4</a><p><a href="https://www.reflab.ch/das-hohelied-eine-reflab-meditation/">Text lesen</a></p><hr aria-hidden="true"/><p>Vielleicht noch ein kleiner Hinweis: Die Texte und Videos sind nicht unbedingt dafür gemacht, alle vier aufeinmal durchzuschauen. Du darfst Dir gerne Zeit nehmen, Dinge sacken lassen, vielleicht möchtest Du auch etwas aufschreiben, oder einfach nur mit geschlossenen Augen zuhören. Oder du möchtest den Text beim Zuhören mitlesen. Nimm Dir gerne Zeit für jeden der vier Teile. Ich habe sie als kleine Auszeit, als kleine Alltagsunterbrechung und Ruhemomente für mich und für Euch geschrieben. Das wünsche ich Dir auf jeden Fall.</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><p></p><h2>NEWS-NEWS-NEWS-NEWS-NEWS</h2><p>Vor kurzem war ich zu Gast im Podcast “Cobains Erben” und durfte mit Gofi und Jay ganz ausführlich über mein neues Buch reden. Als besonderes Highlight war auch die wundervolle Spoken Word-Künstlerin Leah Weigand zugegen und bereicherte die Runde mit einigen ihrer eigenen Texte. Und natürlich habe ich nicht nur über das Buch geredet, sondern auch einige weitere Texte daraus gelesen. Hör doch gerne mal rein. Überall, wo es Podcasts gibt, oder unter folgendem Link:</p><a href="https://cobainserben.de/podcast/dichterinnen-stammtisch/">https://cobainserben.de/podcast/dichterinnen-stammtisch/</a><hr aria-hidden="true"/><h2>MEIN NEUES BUCH</h2><p>Hier kannst Du das Buch direkt bei mir bestellen. Wenn du magst auch mit Widmung. Wie auch schon der Vorgänger, erscheint es im wundervollen Lektora Verlag. Ich freue mich sehr, wenn ich diese Wegstrecke und diese Spurensuche mit Dir teilen darf:</p><a href="https://www.marcomichalzik.com/shop/wwavw">https://www.marcomichalzik.com/shop/wwavw</a><p>Liebe Grüße und bleib neugierig &lt;3</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn du diese Mail bekommst und darüber nachdenkst mich und meine Arbeit auf Steady monatlich zu untersützen, dann klicke gerne auf den Button.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Wed, 22 Nov 2023 16:33:03 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM BARMHERZIG BLEIBEN]]></title>
      <description><![CDATA[Teil 13: Vor Kurzem war ich mit Jay für ein Wochenende in der Schweiz. Wir waren mit unserem Hossa Talk-Podcast an drei Abenden in Bern, Zürich und Basel...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1109ff5c-9633-4df3-b2b6-c17d251eb3c8/uploads/images/t5yjfdq2mn/TEXTE%20VOM%20VORHANDENSEIN.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 13: VOM BARMHERZIG BLEIBEN</strong></p><p>Vor Kurzem war ich mit Jay für ein Wochenende in der Schweiz. Wir waren mit unserem<a href="https://hossa-talk.de/"> Hossa Talk-Podcast</a> an drei Abenden in Bern, Zürich und Basel und haben uns in gewohnter Manier um Kopf und Kragen über Gott und die Welt geredet. Anders als bei unseren regulären Aufnahmen reden wir bei den Live-Talks nicht über ein bestimmtes Thema, sondern über die Fragen, die von den Zuhörenden aus dem Publikum kommen. Alle drei Abende waren sehr schön, mitunter auch ziemlich lustig und auf jeden Fall intensiv. Am Ende des Abends in Zürich stellte jemand die Frage, wie man damit umgeht, wenn Menschen aus dem ganz nahen Umfeld die eigene Persönlichkeits- und Glaubensentwicklung nicht nachvollziehen kann und dem sogar ablehnend gegenüber steht und einen das bei der jeder passenden und unpassenden Gelgenheit auch spüren lässt. Inklusive sämtlicher Verletzungen und Triggerpunkte, die das mit sich bringt.</p><p>Auf eine solch persönliche Frage kann es natürlich keine pauschale Antwort, kein Rezept geben. Aber nachvollziehen konnte und kann ich solche Fragen und Erfahrungen natürlich sehr gut. Nicht als Antwort, aber als Ansatz habe ich dann diesen Abend in Zürich mit einem Gedicht aus meinem neuen Buch vorgelesen. Das war ein sehr schöner und besonderer Moment. Ein Moment, den ich gerne mit Dir teilen möchte. Hier kannst Du reinhören, wie ich das Gedicht in Zürich vorlese:</p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/1109ff5c-9633-4df3-b2b6-c17d251eb3c8">Auf Steady weiterlesen</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Tue, 07 Nov 2023 11:15:50 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM VERWANDELT WERDEN]]></title>
      <description><![CDATA[Teil 12: VOM VERWANDELT WERDEN: Die letzten Wochen waren turbulent. Wie eigentlich das ganze Jahr schon. Ich stand zum ersten Mal seit Beginn meiner Selbstständigkeit... ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/02efb8de-237d-4ca8-a570-cc7093541d5b/uploads/images/n3ytznbqnu/Texte%20vom%20Vorhandensein%20(600%20%C3%97%20200%20px).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 12: VOM VERWANDELT WERDEN</strong></p><p>Die letzten Wochen waren turbulent. Wie eigentlich das ganze Jahr schon. Ich stand zum ersten Mal seit Beginn meiner Selbstständigkeit an einer Supermarktkasse und habe gehofft, dass das Geld noch reicht für den Einkauf. Dass das ausstehende Honorar für einen Auftritt schnell genug kommt, um die Miete pünktlich überweisen zu können. Ich musste in vielen Bereichen umplanen. Eingestehen, dass es nicht einfach so weitergeht, wie vor der Pandemie. Musste mich nach neuen Joboptionen umschauen (und tue das auch immer noch) und Menschen um Hilfe bitten, weil ich mir eingestehen musste, dass ich es alleine gerade nicht schaffe.</p><p>Das fiel und fällt mir nach wie vor ziemlich schwer. Das ist ein bisschen Typsache, aber ich glaube auch unser gesellschaftliches System sieht Scheitern nicht unbedingt vor. Genauso wie gegenseitige Unterstützung und Solidarität. Nicht, dass es das nicht gäbe. Ganz im Gegenteil! Ich habe in den letzten Monaten sehr viel Unterstützung und Hilfe erlebt. Aber es wird nicht wirklich drüber geredet. Irgendwie ist das tabuisiert und schambehaftet. Und auch ich helfe natürlich lieber anderen, als mir helfen zu lassen.</p><p>Neben all dem Schweren mit Zukunftsangst, großen Sorgen und Fragezeichen, ist aber auch sehr viel spannendes und schönes passiert. Zum einen ist das Video mit Leah Weigand veröffentlicht worden. Meine Gedanken dazu kannst Du gerne im letzten Text dieser Reihe auf Steady nachlesen. Außerdem ist ein Buch erschienen, zu dem ich einen Essay und Gedichte zum Thema „Lobpreis beisteuern durfte. Dazu später mehr an dieser Stelle, aber schaut gerne schon mal rein:</p><a href="https://neukirchener-verlage.de/catalog/product/view/id/2076518/s/10-000-grunde-fur-lobpreis-9783761569368/category/869/">https://neukirchener-verlage.de/catalog/product/view/id/2076518/s/10-000-grunde-fur-lobpreis-9783761569368/category/869/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Und dann habe ich vor ein paar Tagen endlich die größte Neuigkeit auf den Social Media-Kanälen geteilt:</p><p>Am <strong>10.10.2023</strong> erscheint mein neues Buch. Meine zweite Sammlung mit Gedichten. Entstanden zwischen 2020 und 2023.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/02efb8de-237d-4ca8-a570-cc7093541d5b/uploads/images/s4q6tcrril/Cover_wwavw.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Den ersten dieser Texte habe ich als Fragment im Februar 2021 im Schloß Röhrsdorf bei Dresden geschrieben, wo ich damals auf Einladung meiner lieben Freundin Sarah Brendel ein paar Tage Schreibzeit verbringen durfte. Eigentlich wollte ich dort recherchieren und am Expose für ein ganz anderes Buchprojekt arbeiten. Aber irgendwie kam da nicht besonders viel. Vielmehr gingen meine Gedanken ständig wieder zurück zu diesem Thema „Scham“. Dazu habe ich dann ganz viel aufgeschrieben. Ungefiltert ins Unreine der Notizbuchseiten. Vier der Gedichte in dem neuen Buch sind aus diesen Kritzeleien heraus entstanden und auch der Text, der später „Des Kaisers neue Kleider“, meine Zusammenarbeit mit Johannes Falk, geworden ist und der eben auch von Scham, Selbstzweifel und Selbstannahme handelt.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=vjv4WSfE3uE">https://www.youtube.com/watch?v=vjv4WSfE3uE</a><p>Dieses Thema hat mich auch in der Folge nicht losgelassen. Ich habe in Gedichten versucht nachzuspüren, wo diese Scham eigentlich herkommt. Was sie ist und wie sie tickt. Ich habe mich auf Spurensuche begeben. In meiner Kindheit, dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, meiner religiösen Prägung und Herkunft. Ich habe nach roten Fäden gesucht. Lange wusste ich gar nicht, was ich mit diesen Texten überhaupt tun soll, oder ob die einfach nur für mich sind. An ein Buch habe ich dabei noch gar nicht gedacht und als ich sie dann doch mal zusammengestellt habe, fehlte mir irgendwie völlig das Gefühl für die Richtung und Thema der Texte.</p><p>Dann habe ich etwas getan, das ich bis dahin selten bis nie versucht habe. Ich habe meinen Freunden Micha Kunze und Leah Weigand den aktuellen Stand der Texte geschickt und sie gebeten mir zu erzählen, was sie dabei fühlen, worum es ihrer Meinung nach geht und was sie herausziehen können. Das war einigermaßen furchterregend, weil ich normalerweise erst dann Menschen, selbst Freunden, auf neue Sachen schaue lasse, wenn ich zumindest für mich das Gefühl habe fertig zu sein und die Dinge präsentieren zu können. Aber niemals, wirklich niemals Einblicke in „<em>Work in Progress</em>“. Vermutlich hat auch das etwas mit Scham zu tun.</p><p>Ich bereue es keine Sekunde, dass ich das diesmal anders gemacht habe. Durch das Feedback der beiden konnte ich endlich greifen, was ich da die ganze Zeit versucht habe zu verhandeln: „Es geht um Zugehörigkeit in nahezu allen Texten! Du erzählst eine Geschichte, angefangen bei der Kindheit bis in die Gegenwart, von jemandem, der so gerne irgendwo dazugehören möchte und der einen Ort sucht, der er Zuhause, oder Heimat nennen kann.“</p><p>Dieser Spiegel hat mir sehr geholfen, meine eigenen Gedanken und Textfragmente zu sortieren und zu verstehen und von dort aus neu und zu Ende zu schreiben.</p><p>Beim letzten Buch <em>„Alles wird ein bisschen anders“</em> hatte ich eine ganz klare Schreibroutine: Morgens früh aufstehen, Kaffee machen, eine Stunde lesen, bis zum Mittag schreiben, kurze Pause, Spaziergang im Park, dann das Geschriebene überarbeiten. Diesmal war es ganz anders. Von Routine keine Spur. Kein einziger Text des neuen Buches ist an meinem Schreibtisch, oder in meiner Wohnung entstanden. Ich glaube, kaum zwei Texte sind am selben Ort geschrieben worden. Die meisten irgendwo in Zügen, an Bahnhöfen, Flughäfen, Raststätten, auf Campingplätzen, in Hotel- und Wartezimmern, in Cafés und Gästezimmern.</p><p>Das klingt vielleicht glamourös, ist in Wahrheit aber sehr anstrengend gewesen und bildet ab, wie viel ich unterwegs war, wie wenig Ruhe und Ankommen in dem ganzen Prozess vorhanden war. Wie gesagt, es war und ist sehr turbulent. (Was sich manchmal auch auf die Regelmäßigkeit bzw. Unregelmäßigkeit meiner Steady-Texte auswirkt, wie einige, völlig zu recht, angemerkt haben.)</p><p>Der Titel meines neuen Buchs ist übrigens: <strong>WIR WERDEN ALLE VERWANDELT WERDEN</strong>. Das wunderschöne Cover ist einmal mehr von meinem Freund und langfährigem Parner in Crime Manuel Steinhoff. Der titelgebende Satz kommt von einem Paulus Zitat aus dem 1. Brief an die Korinther, wo er sinngemäß (und zugegebenermaßen ein bisschen aus dem Kontext gerissen) schreibt: <em>Wir werden alle verwandelt werden, aber wir wissen noch nicht in was.</em> Und für mich fasst das diese ganze Spurensuche und die letzten 2-3 Jahre sehr gut zusammen. Sorgen und Hoffnung. Vergangenheit, Gegenwart und irgendeine Zukunft, von der ich noch nicht weiß, wie sie aussehen wird. Ich bin gespannt mit welchen Augen in 2-3 Jahren diese Zeilen lesen werde und ob ich dann besser weiß, in was ich verwandelt werde, oder verwandelt worden bin.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Hier kannst Du das Buch vorbestellen. Wie auch schon der Vorgänger, erscheint es im wundervollen Lektora Verlag. Ich freue mich sehr, wenn ich diese Wegstrecke und diese Spurensuche mit Dir teilen darf:</p><a href="https://www.marcomichalzik.com/shop/wwavw">https://www.marcomichalzik.com/shop/wwavw</a><p>Liebe Grüße und bleib neugierig &lt;3</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn du diese Mail bekommst und darüber nachdenkst mich und meine Arbeit auf Steady monatlich zu untersützen, dann klicke gerne auf den Button.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Wed, 13 Sep 2023 11:23:10 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM VERBUNDENSEIN]]></title>
      <description><![CDATA[Teil 11: VOM VERBUNDENSEIN: Ich liebe am Schreiben, dass es ein einsamer Prozess ist. Und ich hasse am Schreiben, dass es ein einsamer Prozess ist. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/2ca1ffbc-e416-49d4-bef0-7498c6f2210e/uploads/images/lwvacy64pi/Texte%20vom%20Vorhandensein%20(600%20%C3%97%20200%20px).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 11: VOM VERBUNDENSEIN</strong></p><p><em>für Leah, Micha, Tabitha, Jasmin und Sascha</em></p><p>Ich liebe am Schreiben, dass es ein einsamer Prozess ist. Und ich hasse am Schreiben, dass es ein einsamer Prozess ist. Die Momente, in denen Ideen entstehen sind meistens einsam und zeugenlos. Allein mit mir, meinem Notizbuch und Stift, manchmal mit Musik, oft mit Kaffee und Kippen, hin und wieder mit Wein. Einblick in das unfertige Werk, in Skizzen und Entwürfe habe ich jahrelang so gut wie niemandem gewährt. Und oft sind das auch schöne Momente. Beseelt mit einer Idee dazusitzen und sich daran zu freuen, wenn es zumindest halbwegs gelingt, sie aus dem Granitblock der Gedanken herauszuschreiben. Das liebe ich. Und gleichzeitg liebe ich es, mit anderen gemeinsam an Projekten und Ideen zu arbeiten.</p><p>Und ich habe bewusst begonnen, ausgewählte Menschen mit hinein in die unfertigen Fragmente zu nehmen. Aber schon davor, war es mir immer ein großes Anliegen, bei allem, was ich künstlerisch umgesetzt habe, irgendwie meine Freunde zu integrieren. Am deutlichsten wird das sicher hörbar auf unserer &quot;<a href="https://open.spotify.com/intl-de/album/4pwarNr0FKSmQckf29GWtN?si=dCkH3yagRl2dajyzajKoew">INSOMNIA&quot; EP</a>, wo nach jedem Stück eine Antwort von einem meiner Spoken Word-Freunde zu hören ist.</p><p>Ungefähr 2 Jahre zuvor, Anfang 2019, saß ich mit einigen dieser Spoken Word-Kolleg*innen nach einer gemeinsamen Veranstaltung in einer Freiburger Kneipe. An diesem Abend haben wir beschlossen uns fortan als Team und nicht als Konkurrenz zu begreifen. Einander zu helfen und zu unterstützen. Uns gegenseitig anzufeuern und die Erfolge der anderen zu feiern, als wären es unsere eigenen. Das mag vielleicht etwas idealistisch, naiv und unrealistisch klingen, hat aber tatsächlich funktioniert. Aus dieser Kneipenidee ist eine kleine Gruppe von Menschen geworden, die einander Wegbegleiter*innen und Freund*innen geworden sind. Auf eine Weise, die ich nicht für möglich gehalten habe und die mich sehr dankbar und glücklich und hin und wieder auch ein bisschen stolz macht.</p><p>Ich glaube an Verbindung und Verbundenheit. Ich glaube nicht an Konkurrenzdenken und Einzelkämpfertum. Vielleicht ist Verbundensein und gemeinsam kreieren das beste, was Kunstschaffende einem kapitalistischen System entgegenhalten können. Wenn Du magst, schau doch gerne mal bei diesen großartigen Menschen vorbei und schau, oder hör Dir an, was sie schreiben, sagen und tun:</p><p><a href="https://www.instagram.com/leahhweigand/">Leah Weigand</a></p><p><a href="https://www.instagram.com/michakunze_/">Micha Kunze</a></p><p><a href="https://www.instagram.com/tabitha.hanan/">Tabitha Hanan</a></p><p><a href="https://www.instagram.com/jazz.brcknr/">Jasmin Brückner</a></p><p><a href="https://www.instagram.com/stimmgeber/">Sascha Kirchhoff</a></p><p>Und hin und wieder kommt es sogar vor, dass wir uns nicht nur gegenseitig an unseren Prozessen teilhaben lassen, sondern, dass wir sogar gemeinsam an neuen Projekten arbeiten. Anfang 2020 haben Leah und ich ein gemeinsames Stück für ihr Album &quot;<a href="https://open.spotify.com/intl-de/album/5IDnJGpmBA7VmaMGC5IN8X?si=M1FIgLGBTDegeQNIqpPoWg">Nur zur Erinnerung</a>&quot; geschrieben. Und irgendwie hatte ich den Eindruck, dass dieses Stück noch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit verdient hat. Und so haben wir Micha gefragt, ob er Lust hat, ein Konzept für ein Video zu unserem gemeinsamen Stück &quot;Geheimratsecken&quot; zu entwerfen. Ein Stück über Freundschaft und Scham und die Angst, Menschen in die versteckten Nischen und unaufgeräumten Ecken unseres Lebens blicken zu lassen, obwohl genau das oft so hilfreich wäre.</p><p>Das Video haben wir im Donauhof in Wien gedreht. Ein ehemaliger Ballsaal, der mittlerweile der Projekt:Gemeinde als Raum für ihre Gottesdienste dient. Oder zwischendurch auch mal als Atelier für Künstler, wie Thomas Schrenk. Das war ein kurzer Schreckmoment, als wir kurz vorm Dreh festellen mussten, dass der Raum, in dem wir drehen wollten gar nicht frei ist. Im Nachhinein, war das aber das beste, was uns passieren konnte, weil das, was Thomas Schrenk dort aufgebaut hatte, die beste Kulisse war, die wir uns hätten wünschen können. Besonders beeindruckt hat mich auch da wieder, wie unkompliziert er damit einverstanden war, dass wir auch seine unfertigen Werke in unserem Video zeigen durften. Und damit schließt sich die Klammer eigentlich ganz perfekt zu meinen Überlegungen vom Anfang.</p><p>Das Video ist seit kurzem fertig und veröffentlicht und ich würde mich sehr freuen, wenn Du es Dir anschaust. Wir sind sehr stolz darauf, was wir als Freunde und im Kollektiv da gemeinsam entstehen lassen durften.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=6CFdVjMx7jU">https://www.youtube.com/watch?v=6CFdVjMx7jU</a><p>Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum ich Steady als Plattform so schön finde. Weil ich den Eindruck habe, dass es auch hier um Verbundenheit und gegenseitige Unterstützung geht. Idealistisch und ein bisschen naiv, dass soetwas tatsächlich funktionieren kann. Aber daran werde ich immer glauben.</p><p>Liebe Grüße und bleib neugierig &lt;3</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn du diese Mail bekommst und darüber nachdenkst mich und meine Arbeit auf Steady monatlich zu untersützen, dann klicke gerne auf den Button.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Sat, 19 Aug 2023 19:10:47 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM BEACHTEN]]></title>
      <description><![CDATA[Teil 10: VOM BEACHTEN: Das Wort Gott ist ein ausgedachtes Geräusch. Das Hintergrundrauschen ist kaum herauszufiltern. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/29ea18a1-7381-4f70-b2b2-187fc5d2dd49/uploads/images/hxorbpqere/TEXTE%20VOM%20VORHANDENSEIN.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 10: VOM BEACHTEN</strong></p><blockquote><p><em>„I listened for lions</em></p><p><em>all I heard was elephant“</em></p><p>-Allen Ginsberg, The lion for real</p></blockquote><p><em>Das Wort Gott ist ein ausgedachtes Geräusch. Das Hintergrundrauschen lässt sich kaum herausfiltern. Da schwingt so viel mit. Da hängt so viel dran und jeder, der es neu spricht fügt eine weitere Schicht hinzu.</em></p><p>Ich liege auf einer Insel und schaue auf eine andere Insel. Sie sieht leicht erschwimmbar aus, ist in Wahrheit aber 11 Kilometer entfernt. Das behauptet zumindest Google Maps. Ich blicke auf die Berge, oder eher die Hügelkette der Insel, die wie der Rücken eines schlafenden Drachen, oder eines sehr großen Krokodils aussehen. Über dem Hügel mit dem sich windenden braunen Pfad beobachte ich eine einzelne Wolke. Seltsam symmetrisch. Sie sieht ein bisschen aus wie Idefix im Seitenprofil. Links Schwanz. Rechts Schnauze. Und im nächsten Moment eine ganz andere Form.</p><p>Zehn Minuten Meeresschwimmen. Dann Rückkehr zur halbausgetrunkenen und halbkühlen Bierdose am Strand und der Frage, woher ich jetzt wissen soll, dass in der Zwischenzeit niemand darin ertrunken ist.</p><p>Eine blau-weiße Fähre fährt durchs Bild. Sie braucht etwa zwei Minuten durch mein Blickfeld. Danach wechselt die Szene und sie ist fort. Für mich zumindest.</p><p>Ameisen im Gegenverkehrgewusel auf dem Holzstamm, der falschen Palme unter der ich zum Rauchen liege. Ich lese lieber verstorbene Dichter. Die lebenden ändern ihre Meinung und Haltung zu oft, um sich am geschriebenen orientieren zu können. Und ich bin einer davon. Suche ständig nach Bestätigung für mein unsicheres Schreiben. Einen Hinweis vielleicht auf der richtigen Spur zu sein. Was bescheuert ist, weil ich glaube, wahre Dichtung entsteht einfach, ohne sich darum zu scheren, ob das so richtig ist, oder wie es irgendwer findet, wenn man das <em>so</em> formuliert.</p><p>Der Klang der Zwergohreule nach Sonnenuntergang. Wir finden heraus, dass kleine Eulen und Vögel Ästlinge heißen und freuen uns sehr über das Wort. Perfekte Halbmondsichel plus 1-2 Sterne schimmern durch die Zweige der Pinie. Darunter Weißwein-Gespräche mit Fremden, die nach zwei Gläsern und Geschichten keine mehr sind.</p><p><em>Das Wort Gott ist ein ausgedachtes Geräusch. Das Hintergrundrauschen lässt sich kaum herausfiltern. Da schwingt so viel mit. Da hängt so viel dran und jeder, der es neu spricht fügt eine weitere Schicht hinzu.</em></p><p>Wir sitzen in einer kleinen Bucht und ziehen unsere Liegen dem Schattenwurf hinterher. Ich denke, wie eigenartig es ist, dass es die Gedanken verändert, je nachdem, ob ich aufs Meer, oder in die andere Richtung, aufs Landesinnere, blicke. Beim ersten habe ich Allen Ginsbergs Briefwechsel gelesen und an die Weite gedacht. Beim zweiten mache ich mir direkt wieder Sorgen, um die Aufgaben der nächsten Wochen und alles, was gerade eher eng ist im Leben. Ich mache mir manchmal Sorgen darüber mir zu viele Sorgen zu machen. Das ist doch absurd.</p><p><em>Das Wort Gott ist ein ausgedachtes Geräusch.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p>Hier kannst Du Dir den Text von mir gesprochen anhören:</p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/29ea18a1-7381-4f70-b2b2-187fc5d2dd49">Auf Steady anhören</a></p><p>Liebe Grüße und bleib neugierig &lt;3</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn du diese Mail bekommst und darüber nachdenkst mich und meine Arbeit auf Steady monatlich zu untersützen, dann klicke gerne auf den Button.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Mon, 17 Jul 2023 15:19:22 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VON WEGEN]]></title>
      <description><![CDATA[TEIL 9: VON WEGEN: Ich wachte auf wie nach langem Schlaf. Und vielleicht war es auch tatsächlich das. Ein Ziehen im Inneren hin zu diesem Weg.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/685d318b-e9c4-4901-ac02-efd74eb2b4ef/uploads/images/j4d2hb2z2o/TEXTE%20VOM%20VORHANDENSEIN.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 9: VON WEGEN</strong></p><p><em>Für alle Wanderer. <br/>Alle Gestrandeten.  Alle verbrannten. <br/>Alle Missverstandenen.</em></p><p>1.</p><p>Ich wachte auf wie nach langem Schlaf. Und vielleicht war es auch tatsächlich das. Ein Ziehen im Inneren hin zu diesem Weg.</p><p>Eine Sehnsucht dieser Spur zu folgen, die wie für mich getreten schien.</p><p>Ein Weg. <br/>Wohl mehr ein Pfad. <br/>Parallel zum Hauptverkehr <br/>Und trotz steiler Thesenhügel fiel das Gehen nicht sehr schwer.</p><p>Beflügelt durch den Rückenwind, <br/>der kontinuierlich flüsterte, <br/>dass auf diesem Weg über allen Schlünden Brücken sind.</p><p>Beschwingte Schritte. <br/>Mal links, dann rechts, dann sogar tanzend auf der Mitte.</p><p>Und dann erschienen die Wegweiser. <br/>Ihre Existenz war mir bisher nicht mal bekannt gewesen. Ich konnte daher auch schwerlich behaupten, sie vermisst zu haben. Aber was man nicht kennt, kann einem ja schließlich auch nicht fehlen, so sagen sie.</p><p>In gewissen Abständen standen sie am Rand des Weges. Oft auch an Kreuzungen. Mit großen Gesten deuteten in die Richtung, in die ich weiter gehen sollte.</p><p>Ihr selbstloses Ausharren und ihre Hilfsbereitschaft rührten mich. Und so nahm ich anfangs gerne den Rat an. War ich doch fremd in diesem Land und dieser Mann war den Weg immerhin schon eine Weile vor mir entlang gegangen.</p><p>Und so war ich erschrocken und froh zugleich, als einer dieser Wegweiser mich freundlicherweise darauf hinwies, dass ich mich auf der rechten Seite des Weges halten solle. Am Rand der linken Seite gäbe es Abgründe, wahre Höllenschlünde und dazu extrem tückischen Treibsand, der nur darauf warte unvorsichtige, naive Wanderer zu verschlingen und in sein feuchtes Grab hinab zu ziehen.</p><p>Mir graute. <br/>Hatte ich doch bereits viele Meilen auf eben dieser Seite zurückgelegt. Völlig unbewusst in welcher Gefahr ich geschwebt hatte.</p><p>Mich penibel auf der rechten Seite haltend, wanderte ich weiter. Dieses rechtslastige Wandern, so schien es mir zumindest, verlangsamte den Aufstieg beträchtlich und raubte mir so bisweilen die anfängliche Freude und Unbeschwertheit. Sollte der Wegweiser sich gar geirrt haben?</p><p>Solchen Gedanken nachhängend wurde ich erneut angesprochen. Ob mir etwas an meinem Leben liegen würde, wurde ich von einer durchaus freundlich klingenden Stimme gefragt, die augenscheinlich zu einem weiteren Wegweiser gehörte. „Natürlich“, bejate ich seine rhetorische Frage, verwundert überhaupt so etwas Albernes gefragt zu werden.</p><p>Auf meine Antwort folgte seinerseits ein Vortrag, ganz ähnlich dem seines Vorgängers. Verwirrenderweise jedoch, wies er mich seinerseits auf die Raubtiere und die Irrlichter hin, die am Rand der rechten Seite nur darauf lauerten einen erschöpften Wanderer ins Verderben zu stürzen. So wie ich liefe, wäre es jedenfalls nur noch eine Frage der Zeit bis meine Zeit abgelaufen wäre.</p><p>Am meisten verwunderte mich an seiner leidenschaftlichen Warnung aber, dass er die Gefahren auf der linken Seite für vergleichsweise gering und kaum der Rede wert zu halten schien. Durcheinander aber dankbar lies ich ihn stehen und setzte meinen Weg fort.</p><p>Unsicher setzte ich nun einen Fuß vor den anderen. Spähte mal links, lauschte mal rechts und schob mich so mühsam Meter für Meter vorwärts. Immer auf der Hut vor potenziellen Gefahren.</p><p>Derart verunsichert begann ich von da an auf dem grasbewachsenen Mittelstreifen zu laufen. Das ging sogar besser, als ich angenommen hatte. Ich kam nun wieder deutlich zügiger voran. Das Gras unter meinen Füßen fühlte sich so angenehm federnd und weich an, dass ich bald darauf barfuß bergan lief – und dieses Laufen sich hier und da sogar in ein verstohlenes Tanzen verwandelte.</p><p>So in die Schönheit des Seins, des Lebens und des Weges versunken, vergaß ich beinahe die fürchterlichen Warnungen der Wegweiser und ihre widersprüchlichen Aussagen über die Beschaffenheit des Weges. Doch aus dieser Überschwänglichkeit wurde ich heraus gerissen, als ich um ein Haar mit einem dritten Wegweiser kollidiert wäre, der mitten auf dem Weg stand. Ich bemerkte sofort, dass sein Gesicht weit weniger freundlich</p><p>aussah, als das seiner beiden Vorgänger. Und auch der Tonfall seiner Stimme verhieß keine gute Nachricht.</p><p>Feigling schimpfte er mich! Meinungslosen Strommitschwimmer, Fähnchen, das im Wind sich dreht. Kaum etwas, wäre noch schlimmer, als der, der in der Mitte geht. Unentschlossen, wo er hin will, <br/>auf welcher Seite des Weges. <br/>Und vom Tanzen auf dem Gras, wärs am Ende nur ein Schritt, <br/>auf die breite Autobahn, <br/>die krachend ins Verderben führt.</p><p>So und schlimmer ging das noch minutenlang. Und ich hab gelähmt vor Angst <br/>in einer Pfütze voller Scham <br/>wie angewurzelt still gestanden.</p><p>Doch als er nicht zum Ende kam, bin ich einfach weg gerannt. Über den Rand! <br/>Egal!</p><p>Bloß weit weg von diesem Pfad, <br/>auf dem kein Mensch je gehen kann.</p><p>Krank gerannt. <br/>Um Richtung gerungen. <br/>Bis alles egal war. <br/>Ein Wald – ohne Lichtung – verdunkelt. <br/>Und mitten im Wald verlor ich die Spur. <br/>Und mit ihr die Hoffnung. <br/>Ich sah sie barfuß in ihrem schönsten Sommerkleid um die nächste Kurve streifen. Doch als ich ihr nachlief und rief, sie solle warten, <br/>weil ich so schnell nicht Schritt halten könne, hörte sie mich nicht, oder wollte mich nicht hören. <br/>Und als ich zu der Stelle kam war sie verschwunden.</p><p>Alles Rufen vergeblich. <br/>Verbrachte Tage damit fremde Pfade anzuklagen, weil sie mir keine Antwort gaben. <br/>Wo habt ihr sie hingetragen?</p><p>Unermüdlich wanderte ich südlich, bis der Frühling verblüht ist.  Ein Haus ohne Tür gibt <br/>Raum zur Rast,</p><p>nur um zu erfahren, dass sie hier nicht angehalten hat.</p><p>Die Sommersonne lässt ihr Bild in meiner Tasche verblassen. Bis ich im Kreis pilgernd vergaß, was ich hier eigentlich mache.</p><p>Sie sagen, der Weg sei doch mein Ziel. Aber irgendwie war ich mir sicher, dass ich irgendwo ankommen will, oder bei irgendwem.</p><p>Kompass im Rucksack, der längst nicht mehr nach Norden zeigt. Und überhaupt zum Kalibrieren hab ich doch keine Zeit. <br/>Und selbst als sie den Holzweg teerten, <br/>gemeint jetzt ging es leicht,</p><p>kam mir jeder Schritt verkehrt vor und jedes Meer war viel zu seicht.</p><p>All die Lieder und Balladen, denen sie die Sehnsucht nahmen, bis sie selber nicht mehr ahnten von welchen wundersamen Taten sie in Wahrheit Zeugnis gaben.</p><p>Begraben unter Abenteuern, lenk‘ ich mich mit Suchen ab, <br/>um nicht eingestehen zu müssen, dass ich dich längst verloren hab.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><p>2.</p><p>Als ich dich fand warst du ganz kalt. Strandgut angespühlt ohne jeden Halt. Und dein zornig zartes Ankern, <br/>hielt den Wellen wohl nicht stand.</p><p>Ich hab dich zuerst gar nicht erkannt. Eine Gestalt so sehr am Rand,  doch dämmerte es dann, <br/>dass ich dich wirklich wieder fand</p><p>als du zu den Liedern tanztest, <br/>die der melancholische Melodienmaler behutsam für mich eingerahmt hatte. Du hingst sie auf an meine Wand. <br/>Eins für jeden Raum <br/>Und während du so emsig wirktest, <br/>erwachte ich aus meinem Traum. <br/>Rausgerissen durch ihr Poltern, <br/>ihr Zerren und Ziehen an meinem Saum. <br/>Ich soll dich einfach liegen lassen, <br/>brüllen sie in meine Ohren, <br/>denn nähme ich dich auf zu mir, <br/>wäre ich verloren.</p><p>Aber ist es nicht viel eher so:<br/>Obwohl ich dir scheinbar Wärme gab, wäre ich doch ohne dich erfroren.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Hier kannst Du Dir den Text (mit Musik) von mir gesprochen anhören:</p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/685d318b-e9c4-4901-ac02-efd74eb2b4ef">Auf Steady anhören</a></p><p></p><p>Liebe Grüße und bleib neugierig &lt;3</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn du diese Mail bekommst und darüber nachdenkst mich und meine Arbeit auf Steady monatlich zu untersützen, dann klicke gerne auf den Button.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Sun, 09 Jul 2023 10:49:15 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM VERÄNDERN]]></title>
      <description><![CDATA[TEIL 8: VOM VERÄNDERN: Über ein Gedicht und dessen Inhalt zu schreiben und zu erzählen, ist immer ein bisschen schwierig. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/0126f8b8-9ba3-46d2-b9a2-a8b9ea0a803b/uploads/images/fw3gznurip/TEXTE%20VOM%20VORHANDENSEIN.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 8: VOM VERÄNDERN</strong></p><p>Im letzten Text habe ich bereits versucht ein wenig von der Schwierigkeit zu erzählen die richtige Reiselektüre bzw. den passenden Reisesoundtrack auszuwählen. Wenn Du diesen Text noch nicht gelesen hast, schau gerne mal hier: <a href="https://steadyhq.com/de/marcomichalzik/posts/19e0e930-8a18-420c-8286-e936e900d971?secret_token=3uwGzqoaZZl4njzIUfXag11iUd69VPjPHo0SjYNiflhemPLbVaCk4eDo6oiV-177">VOM ERINNERN</a> - der folgende Text ist nämlich gewissermaßen die Fortsetzung davon. Ich habe am Ende des Textes geschrieben, dass ich mich für meine letzte Reise u.a. für einen Gedichtband von Allen Ginsberg entscheiden habe und dass mir ein Gedicht besonders und aufs neue aufgefallen und beim Lesen nahe gegangen ist.</p><p>Das Gedicht heißt &quot;The Change - Kyoto-Tokyo Express&quot;</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/0126f8b8-9ba3-46d2-b9a2-a8b9ea0a803b/uploads/images/dhiumewo3c/The%20Change%20A.Ginsberg%20Fuck%20You%20Press%20D.D.Teoli%20Jr.%20A.C%20(2).jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Das Gedicht schrieb Allen Ginsberg wohl im Juli 1963 am Ende einer längeren Reise, in deren Verlauf er in zwei Jahren durch 14 verschiedene Länder gereist war. Auf der Suche nach sich selbst, nach Spiritualität, Erleuchtung und Bestimmung verbrachte er längere Zeit in Indien und reiste von dort schließlich weiter nach Japan, wo dieses Gedicht entstand. Es gibt eine interessante Dokumentation über Teile dieser Reise, falls Du Dich ein bisschen für den Kontext interessierst:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Cl0iH7xUENo">https://www.youtube.com/watch?v=Cl0iH7xUENo</a><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><p>Ich sitze also am Strand und lese dieses Gedicht, das ich eigentlich schon kenne und lese es mit neuen Augen und beinahe so, als ob ich es noch nie gelesen hätte. Manchmal ist das ja so, dass man etwas liest, das in dem Moment nichts mit einem macht, nur um sich dann Jahre später bei der erneuten Lektüre darüber zu wundern, wie einem das beim ersten Mal nicht auffallen, oder wichtig erscheinen konnte. Über ein Gedicht und dessen Inhalt zu schreiben und zu erzählen, ist immer ein bisschen schwierig. Fast wie der Versuch jemandem ein Gemälde zu erklären, das die andere Person aber nie gesehen hat. Ich glaube, Gedichte muss man selbst lesen. Erleben. Sie müssen einem geschehen. Widerfahren. Sich öffnen und einen hineinziehen. Oder man muss sie gesprochen hören. So oder so erfordern sie Zeit und Aufmerksamkeit. Gedichte sind eine Art Achtsamkeitsübung könnte man vielleicht sagen.</p><p>Aber ich versuche trotzdem mal zwei Aspekte dieses Gedichts herauszugreifen, über die ich beim Lesen und danach nachgedacht habe:</p><p>Veränderung ist manchmal schmerzhaft und ermüdend. Vieles Vertraute geht verloren und dass es automatisch durch Neues und Gutes, vielleicht sogar Besseres ersetzt wird, kann einem niemand versprechen. Ich jedenfalls kenne solche Momente, in denen klar wird, dass es &quot;so&quot; nicht weiter geht. Dass da etwas ist, dass sich Bahn brechen möchte, dem ich aber noch nicht genug vertraue, um das Alte loszulassen und vor dem ich mich vielleicht auch ein bisschen fürchte. Manchmal suggeriert ja das Gewohnte irgendwie Sicherheit, selbst wenn es nervig und sogar schmerzhaft ist, weil ich mich immerhin darauf einstellen kann und es deshalb der notwendigen Veränderung vorziehe. Oft viel zu lange. Im Rückblick erscheint mir das oft albern und unverständlich, warum dieser und jener Prozess so lange dauern musste. Aber den Fuß im Sturm auf die Wasseroberfläche zu setzen, scheint eben gefährlich und unvernünftig, solange ich noch nciht weiß, ob die Oberfläche trägt, um mal ein biblisches Bild zu bemühen.</p><p>Das Gedicht von Allen Ginsberg scheint mir auch kein Zielpunkt zu sein. Kein Ankommen. Kein &quot;endlich gefunden, was ich auf der Reise gesucht habe.&quot; Eher so etwas wie ein neuer Startpunkt zu einer neuen Reise. Vielleicht wie eine Wegmarkierung am Rand, die zeigt, dass man hier war.</p><p>In meinem Buch <a href="https://www.lektora.de/buecher/alles-wird-ein-bisschen-anders/">&quot;Alles wird ein bisschen anders&quot;</a> habe ich versucht dem auch in meinem Schreiben, in meiner Möglichkeit mich auszudrücken, in meiner Sprache, Raum zu geben. Ich habe versucht mich bewusst mit Sprachverboten, mit denen ich aufgewachesen bin, auseinanderzusetzen und Worte, &quot;die man nicht sagt&quot; ganz selbstverständlich zu verwenden. Auch und gerade hinsichtlich der eigenen Körperlichkeit, des Vorhandenseins als menschliche Kreatur aus Fleisch und Blut und auch im Hinblick auf Sexualität im Allgemeinen und der eigenen im Besonderen. Mit meinem guten Freund Sergej Falk habe ich einige dieser Texte verfilmt und vorgelesen. Das Video findest Du hier:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=gYCQEKq7SFY">https://www.youtube.com/watch?v=gYCQEKq7SFY</a><p>Auch diese Themen finde ich im Gedicht &quot;The Change&quot;. Allen Ginsberg hat in seinem Schreiben und Auftreten schon früh seine Homosexualität öffentlich gemacht und seine Sexualität und seine Körperlichkeit auch in seinen Gedichten oft thematisiert. Was in den USA der 50er und 60er Jahre vorsichtig formuliert für Irritationen sorgte. Als Beispiel könnte man da nennen, dass sein erster Gedichtband &quot;Howl and other Poems&quot; Gegenstand einer Gerichtsverhandlung war, wo darüber entschieden werden sollte, ob die Gedichte wegen Unmoral und Obszönität verboten werden sollten.</p><p>In &quot;The Change&quot; verhandelt er auch seine eigene Unsicherheit hinsichtlich seiner Sexualität und Körperlichkeit und scheint diese Scham und von außen auferlegten Betrachtungsweisen gegen eine neue Freiheit einzutauschen, oder das zumindest anzustreben. Da sind <em>die Liebenden, die zu Gespenstern wurden </em>und irgendwie auch der Glaube, dass diese Suchbewegung nach dem eigenen <em>ich </em>gar nicht zu trennen<em> </em>ist von der Suche nach dem Großen Geistwesen, Gott, oder wie auch immer man das nennen möchte. Damit kann ich sehr viel anfangen. Ich habe Anfang dieses Jahres ein Gedicht geschrieben, das ganz ähnliche Themen verhandelt und interessanterweise auch ähnliche Bilder verwendet. Es heißt &quot;Als wir Geister waren&quot; und Du kannst es hier nachlesen:</p><blockquote></blockquote><blockquote></blockquote><blockquote><p>ALS WIR GEISTER WAREN</p><p></p><p>Wir wurden zu Geistern,</p><p>sobald wir durch die Tür waren</p><p>Unsere Körper abgegeben</p><p>bis wir eines Tages vergaßen</p><p>sie von der Garderobe wieder</p><p>mit zurück nach Hause zu nehmen</p><p></p><p>Als wir Geister waren</p><p>hatten wir das diffuse Gefühl</p><p>etwas verloren zu haben.</p><p>Aber nicht zu sein.</p><p></p><p>Eingesperrt in konturlosen Körperzellen</p><p>Ohne Schweben, oder Durch-Wände-Gehen</p><p>Oder hinter Gründe zu blicken</p><p>Ab Grund sind wir menschlich.</p><p>Süchtig nach sehnen und gesehnt werden</p><p>und angesehen und aufgeblickt</p><p>und gemeint sein</p><p>und erkannt endlich</p><p></p><p>Hüllenlose Höllendosis</p><p>Selbstkastration</p><p>um sich dann für Hochzeitsnächte</p><p>neue Geschlechtsteile wachsen zu lassen.</p><p>Salamander-Schwanz-Glaube ameisenvölkisch</p><p>Kollektiv-Gehirn-gesteuert.</p><p>Und eingeredete Herzhohlräume</p><p>in der Form von Gott,</p><p>der keine feste hat</p><p>Sprechen Selbstanklage in der Sprache vergangener Tage</p><p></p><p>Wir waren Geister-ruach wabernd</p><p>über den leeren Wassertropfensummen</p><p>unseres Vorhandenseins.</p><p>Vor Spiegeln stehend</p><p>sind wir nicht durchsichtig,</p><p>aber sehen unser Gesicht</p><p>nicht richtig</p><p></p><p>Körpergedächtnis intakt,</p><p>aber tanzloser Stolperrhytmus</p><p>Wer das Herz leugnet fällt</p><p>nicht einfach aus der Zeit</p><p></p><p>Als wir Geister waren</p><p>hatten wir keinen Namen,</p><p>nur eine vierstellige Zahl</p><p>verschiedener Scham-</p><p>Schattierungen</p><p></p><p>wie weird wir werden, wenn wir weinen</p><p></p><p>//</p><p></p><p>Wir sahen uns an,</p><p>als wir Gesichter bekamen</p><p>und uns Worte wuchsen</p><p>Unsere kippendunstförmigen Handflächen</p><p>verfestigten sich zaghaft beim Aufeinderlegen</p><p>und wir zu neugierig, um weiter</p><p>Angst vor dem Auflösen</p><p>und auseinander geblasen werden</p><p>zu haben.</p><p></p><p>Wir werden alle verwandelt werden</p><p>in fassbare Formen und antastbar geworden</p><p>hätte ich heute gerne hundert Hände,</p><p>um dich überall gleichzeitig zu berühren</p><p>(mir dein Herz fassen)</p><p>und mich genauso und meins.</p><p></p><p>wie weich wir werden, wenn wir weinen</p><p></p><p>Lippenlose Flüsterstimmen,</p><p>die sie für Hirngespinste halten</p><p>waren am Anfang nur ein Wort</p><p>und inkarnieren unaufhaltsam</p></blockquote><p>Dieses Gedicht ist Teil von einem neuen Projekt, von dem ich an dieser Stelle demnächst mehr erzählen darf und worauf ich mich schon sehr freue.</p><p>Wenn Du das komplette Gedicht von Allen Ginsberg nachlesen magst, findest Du es hier: <a href="https://www.dropbox.com/s/ewmo8i1foe0se3q/The%20Change%20-%20Allen%20Ginsberg.pdf?dl=0">The Change- Allen Ginsberg</a></p><p>Und ich kann auch den zweisprachigen Band &quot;Lyrik/Poetry&quot; sehr empfehlen, in dem das Gedicht ebenfalls mit deutscher Übersetzung zu finden ist: <a href="https://www.aufbau-verlage.de/blumenbar/lyrik-poetry/978-3-351-05097-9">Lyrik/Poetry von Allen Ginsberg</a></p><hr aria-hidden="true"/><p>Liebe Grüße und bleib neugierig &lt;3</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn du diese Mail bekommst und darüber nachdenkst mich und meine Arbeit auf Steady monatlich zu untersützen, dann klicke gerne auf den Button.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Wed, 14 Jun 2023 11:04:51 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM ERINNERN]]></title>
      <description><![CDATA[TEIL 7: VOM ERINNERN: Kennst Du dieses Gefühl, wenn du einen alten Film siehst, den du schon kennst und wo du schwören würdest, das du weißt, wie er endet und du dann...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/19e0e930-8a18-420c-8286-e936e900d971/uploads/images/47aytrcvxw/TEXTE%20VOM%20VORHANDENSEIN.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 7: VOM ERINNERN</strong></p><p>Dienstag Abend. Ich klappe erschöpft meinen Laptop zu und packe hektisch die Kabel und mein Aufnahme-Equipment zusammen, das auf meinem runden Küchentisch steht und mit dem ich bis vor wenigen Sekunden noch eine neue Podcast-Folge aufgenommen habe. Schneiden muss ich das später auch noch. Ich atme kurz durch. Das war der voerst letzte Termin in dieser Woche und morgen werde ich für ein paar Tage Richtung Kroatien aufbrechen. So etwas wie &quot;richtigen&quot; Urlaub, geschweige denn ausgedehnten Sommerlurlaub, habe ich seit Jahren nicht gemacht. Irgendwas war immer und als Freischaffender Künstler findet sich ja ohnehin ständig ein neuer, wichtiger Grund lieber zu arbeiten, als weg zu fahren. Auch die ersten 5 Monate dieses Jahres waren schon so voll und anstrengend, dass ich mich umso mehr auf diese kleine Auszeit freue. Eigentlich muss ich auch längst los, habe aber natürlich noch nicht gepackt. Aus Zeitgründen einerseits, aber in Wahrheit schiebe ich das sehr oft bis zur letzten Minute vor mir her, um mich vor der Entscheidung zu drücken, welches Buch, oder welche Bücher, ich mit auf die Reise nehmen soll. Was nach einer banalen Frage klingt, hat für mich aber eine gewisse Tragweite. Denn die Frage, was ich im Urlaub, oder auf Reisen lese, ist nicht weniger wichtig, wie die Frage, welche Musik, oder welche Alben ich unterwegs hören möchte.</p><p>Diese Songs werden nämlich später in der Erinnerung immer der Soundtrack zu den Erlebnissen sein. Den schönen und den nervigen. Je nachdem, was man erlebt, wird sich auch Jahre später noch bewusst, oder unbewusst die Fotoshow dieser Reise im Kopfkino abspielen, sobald der betreffende Song gehört, oder gespielt wird. Bei mir ist das zumindest oft so. Und mit Büchern ist das eben ähnlich. Ich weiß bei vielen Büchern noch ziemlich genau, an welchem Ort ich sie zum ersten Mal gelesen habe. Das ist ja auch nicht unwichtig. Ich glaube, Stimmung und Ort tragen mitunter schon dazu bei, ob das Gelesene gerade bei mir ankommt, oder eben nicht. Und in meiner Erinnerung gibt es da eben sowas wie den &quot;Zadie Smith-Urlaub&quot;, die Murakami-Reise, oder den einen Sommer, in dem es selbst nachts so unerträglich heiß war, dass ich nicht schlafen konnte und in dieser Zeit stattdessen Kafka gelesen habe. Besonders lustig, wenn das mit dem Schlafen danach dann doch noch klappt.</p><p>Eine solche Reiselektüren-Entscheidung ist also nicht leichtfertig zu treffen. Andererseits darf man das natürlich auch nicht bewusst planen. Solche magischen Verknüpfungsmomente entstehen ja überhaupt erst durch ihre beiläufige Zufälligkeit, deren Bedeutung einem erst im Rückblick bewusst wird. Und Erinnerungen sind ja ohnehin ein spannender Prozess. So oft bilden wir uns ein, ein vollständiges Tape, eine perfekte Kopie, eines vergangenen Ereignisses im Kopf zu haben, das wir Bedarf einfach einlegen und abspülen können. In Wahrheit ist Erinnerung viel buchstückhafter. Geradezu ein kreativer Prozess, weil unser Gehirn wie der Kurator einer Kunstausstellung genau auswählt, was aufbewahrt wird und was nicht. Vielleicht sogar eher noch wie ein Regiesseur, der die erlebten Roherfahrungen dann in der Erinnerung kürzt, die langweiligen und nervigen und unnötigen Stellen heraus schneidet, sie mit Musik, Geschmack, Geruch und Geräuschkulisse unterlegt, oder den bereits vorhandenen Ton zumindest nochmal neu mastert und dieses fertige Kunstwerk dann wieder zurück in unsere Gehirn-Cloud lädt, wo wir es dann für die exakte Wiedergabe des Erlebten halten. Kennst Du dieses Gefühl, wenn du einen alten Film siehst, den du schon kennst und wo du schwören würdest, das du weißt, wie er endet und du dann feststellst du, dass das Ende in Wirklichkeit ganz anders ist?</p><p>Ich finde das wahnsinnig faszinierend und ich glaube kein Buch, kein Song und kein Gedicht können ohne diese Erinnerungsfilmfetzen entstehen. Ich habe mich dann übrigens für zwei Bücher von Allen Ginsberg für die Reise entschieden. Genauer gesagt für den Doppelband <a href="https://www.aufbau-verlage.de/blumenbar/prosa-und-lyrik-poetry/978-3-351-05099-3">&quot;Lyrik/Poetry&quot; und &quot;Prosa&quot;</a>, der letztes Jahr im Aufbau Verlag erschienen ist. Er enthält zum einen eine Auswahl der wichtigsten Gedichte von Allen Ginsberg im englischen Original, sowie neue deutsche Übersetzungen der Gedichte von namenhaften deutschsprachigen Lyrikerinnen und Lyrikern, sowie deutsche Übersetzungen ausgewählter Briefe, Essays und Interviews. Beides kann ich sehr empfehlen. Und eines dieser Gedichte hat mich in diesem Urlaub sehr begleitet und bewegt, obwohl ich es vorher schon kannte. Das Gedicht heißt <em>&quot;The Change: Kyoto-Tokyo Express&quot;</em> aus dem Jahr 1963.</p><p>Davon aber nächste Woche mehr...</p><hr aria-hidden="true"/><p>Hier kannst Du Dir den Text von mir vorlesen lassen:</p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/19e0e930-8a18-420c-8286-e936e900d971">Auf Steady anhören</a></p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p><p></p><h2><strong>NEWS-NEWS-NEWS-NEWS-NEWS</strong></h2><p>Ich möchte Dir gerne unsere aktuelle Folgevon Hossa Talk ans Herz legen. Jay und ich waren zu Gast in der Evangelischen Gemeinschaft in Fulda und haben dort eine Live-Folge mit Publikumsfragen aufgenommen. Wir reden u.a. über Kirchen und Spirituelle Gemeinschaften der Zukunft, ob und wie man heutzutage überhaupt über Gott reden könnte und über die Frage ob Gott inklusiv ist und einem Geschlecht zuzuordenen ist. Hör gerne mal rein:</p><a href="https://hossa-talk.de/215-von-geteiltem-glauben-und-der-zukunft-der-kirche/">https://hossa-talk.de/215-von-geteiltem-glauben-und-der-zukunft-der-kirche/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Liebe Grüße und bleib neugierig &lt;3</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn du diese Mail bekommst und darüber nachdenkst mich und meine Arbeit auf Steady monatlich zu untersützen, dann klicke gerne auf den Button.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Mon, 05 Jun 2023 11:59:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM ZWEIFELN]]></title>
      <description><![CDATA[TEIL 6: VOM ZWEIFELN: Zweifel sind kein Selbstzweck Auch wenn es für dich manchmal so scheinen mag. Niemand zweifelt zum Spaß, oder weil es cool ist.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/26a88ffd-a51e-41ec-8fd8-94e5caa7d29e/uploads/images/ob5jwx7bwn/TEXTE%20VOM%20VORHANDENSEIN-2.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 6: VOM ZWEIFELN</strong></p><p>Vor einer Weile las ich einen Kommentar unter einem Instagram-Post. Ich weiß nicht mehr den genauen Wortlaut, aber es ging irgendwie darum, dass die kommentierende Person genervt war, dass ich so oft vom Zweifeln rede und dass das ja auch einfach wäre und man das ja auch nur tut, weil es gerade so cool, oder hip ist, über Zweifel zu reden. So weit so unspektakulär. Social-Media-Kommentare sind ja ohnehin so eine Sache. Ich glaube, diese Sätze haben mich aber deshalb so betroffen gemacht, weil ich weiß, wie wenig cool oder hip sich diese Phasen des Zweifelns und Hinterfragens angefühlt haben. Wenn ich Zweifel sage, dann meine ich in diesem speziellen Fall auch den Zweifel an Gott. Wobei, eigentlich weniger Zweifel an Gott, sondern eher an einer bestimmten Form des christlichen Glaubens und an bestimmten Gottesbildern, mit denen ich groß geworden bin. Ganz viel von dieser sehr langwierigen, schmerzvollen, aber am Ende sehr befreienden Reise, habe ich in dem Album &quot;Ikarus&quot; in Form einer Geschichte, oder eines langen zusammenhängendem Gedichts, unterlegt mit Beats, auszudrücken versucht. Wenn Dus noch nicht kennst, hör gerne mal rein:</p><a href="https://open.spotify.com/intl-de/album/4US83bZDRU4DXH2W8HvQS7?si=wAGQMXIpTniOa9o6OTg1Zg">https://open.spotify.com/intl-de/album/4US83bZDRU4DXH2W8HvQS7?si=wAGQMXIpTniOa9o6OTg1Zg</a><p>Ich habe dann, ausgehend von diesem Kommentar, versucht, zunächst für mich und dann für unseren Hossa Talk-Podcast eine Art kleine Antwort zu formulieren. Gar nicht, um irgendeine Diskussion zu gewinnen. Sondern um einfach mal für mich zu formulieren, warum das für mich alternativlos war und ist und was ich überhaupt denke und fühle. Manchmal ist das ja eine interessante Möglichkeit der Selbstreflexion, wenn ich bemerke, dass ich auf etwas irgendwie reagiere. Wenn mich etwas ärgert, oder berührt, einfach mal kurz inne zu halten und mich zu fragen, warum das so ist. Oft genug hat das dann bei näherer Betrachtung mehr mit mir und meiner eigenen Geschichte zu tun, als mit der konkreten Person, oder dieser bestimmten Formulierung. Das sind die Sätze, die ich damals in mein Notizbuch geschrieben habe:</p><p></p><p><em>Zweifel sind kein Selbstzweck</em></p><p><em>Auch wenn es für dich manchmal so scheinen mag.</em></p><p><em>Niemand zweifelt zum Spaß, oder weil es cool ist.</em></p><p><em>(Das ist es nämlich nicht.)</em></p><p><em>Niemand zweifelt einfach aus Langeweile</em></p><p><em>an sich, oder dem Guten, oder der Liebe,</em></p><p><em>oder an Gott, was im Grunde dasselbe ist</em></p><p><em>Niemand zweifelt einfach.</em></p><p></p><p><em>Ich zweifle aus Verzweiflung</em></p><p><em>Weil ich das Gute behalten möchte</em></p><p><em>und deshalb versuche es mit der Schattenseite abzugleichen</em></p><p><em>Ich zweifle aus Protest gegen einfache Antworten.</em></p><p><em>Ich zweifle, um auf die Rückseite durchzudringen</em></p><p><em>Und um zu sehen, wie alles aus anderen Blickwinkeln aussieht</em></p><p><em>Ich zweifle, um zu sehen, was vom Glauben übrig bleibt.</em></p><p><em>Teste die Dehnbarkeit und möchte wissen wie elastisch die Konzepte sind. Und ob die Seile halten beim Fallen und Abstürzen. Und was das heißt, falls es nicht so ist.</em></p><p><em>Ich zweifle, um nicht verrückt zu werden. Nur Fanatiker verbieten Fragen.</em></p><p><em>Das muss niemand nachahmen. Freu dich, wenn du das nicht kennst und niemals brauchen wirst.</em></p><p><em>Für mich ist es alternativlos, um mich, das Leben und die Liebe und Gott, was im Grunde dasselbe ist, ernst nehmen zu können.Ist einfach so. Aber einfach ist es nicht.</em></p><p>Natürlich ist das bruchstückhaft und unvollständig und man könnte ganze Bücher dazu schreiben. Aber das waren die ersten Gedanken, die ich in diesem Moment von der Gefühlsoberfläche abschöpfen konnte. Schreib mir gerne deine dazu.</p><hr aria-hidden="true"/><h2><strong>NEWS-NEWS-NEWS-NEWS-NEWS</strong></h2><p>Ich möchte Dir gerne unsere aktuelle Folgevon Hossa Talk ans Herz legen. JAy und ich reden da ganz viel über das Thema Zugehörigkeit, gerade auch im Bezug auf unsere Kirchen- und Gemeinde-Erfahrung. Über dieses Thema denke ich gerade sehr viel nach und habe auch ein neues Gedicht geschrieben, das ich in der Podcast-Folge zum ersten Mal vortrage. Es heißt: &quot;Ich bin nicht hoch genug, um hinter den Häusern den Himmel zu sehen.&quot; Hört gerne mal rein:</p><a href="https://hossa-talk.de/214-zwischen-kirche-church-und-zugehoerigkeit/">https://hossa-talk.de/214-zwischen-kirche-church-und-zugehoerigkeit/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Liebe Grüße und bleib neugierig &lt;3</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn du diese Mail bekommst und darüber nachdenkst mich und meine Arbeit auf Steady monatlich zu untersützen, dann klicke gerne auf den Button.</p><p>PPS. Nächste Woche dann wieder von Zuhause und mit Audio und Video :)</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Sun, 28 May 2023 11:06:41 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM SCHREIBEN]]></title>
      <description><![CDATA[TEIL 5: VOM SCHREIBEN Es gibt zwei Antworten auf die Frage „Warum schreibst du?“ Also, vermutlich gibt es hunderte und tausende - in etwa so viele, wie es Schreibende…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/01d4bd60-13bd-4fdc-90dd-71643fa1b610/uploads/images/cgpabhqrpf/TEXTE%20VOM%20VORHANDENSEIN.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 5: VOM SCHREIBEN</strong></p><p>Es gibt zwei Antworten auf die Frage „Warum schreibst du?“ Also, vermutlich gibt es hunderte und tausende - in etwa so viele, wie es Schreibende gibt, aber über diese beiden denke ich gerade nach. Eine dieser Antworten geht ungefähr so: Ich schreibe für mich selbst. Fast ausschließlich sogar. Um meine Fragen zu formulieren, um meinen Ballast auf der freien Fläche der Seiten loszuwerden und letztendlich, um mich auszudrücken. Jeder Satz, jeder Text ist ein Schritt weiter auf dem Weg, genau das zu sagen und auf die Weise zu sagen, wie ich <em>wirklich</em> gedacht, oder gefühlt habe. Nicht mal unbedingt, um etwas bestimmtes mitzuteilen. Sondern als eine Art Erweiterung meiner körperlichen Existenz. Ein Buch zu schreiben z.B. schafft etwas physisch Vorhandenes von mir, das neben meiner eigenen Körperlichkeit plötzlich existiert. Parallel aber nicht unabhängig davon. Und im Schreiben versuche ich eine Form zu finden, die meinem eigenen Selbstbild möglich nahe kommt. Je näher ich dem komme, oder meine gekommen zu sein, desto befriedigender ist dieser Prozess.</p><blockquote><p>Writing is like mental masturbation. A rhythmic articulation of feeling. - Allen Ginsberg</p></blockquote><p>Die zweite Antwort ist eher so etwas wie: Ich möchte den Lesenden etwas mitgeben - ein Gefühl, einen Gedanken, ein Bild, in das sie eintauchen, das sie mit sich herumtragen können und in dem sie sich wiederfinden können. Sprache finden gewissermaßen, stellvertretend für die, die dasselbe erlebt, oder einmal empfunden haben, aber keine eigenen Worte dafür gefunden haben. Vielleicht sogar so etwas wie Trost, oder Hoffnung, auch wenn es vermessen klingt, so etwas zu wünschen. Den Versuch halte ich jedenfalls für wenig fruchtbar. Das lässt sich nicht künstlich produzieren, egal wie gut wer sein Handwerk beherrscht. Kunst mit klar erkennbarer Intention ist mir meistens mehr als suspekt. Es passiert etwas, oder eben nicht. Beides ist gleichermaßen in Ordnung.</p><p>Dieser zweite Ansatz birgt die Gefahr, schon beim Schreiben diesen Filter der Erwartung eines fiktiven (oder realen) Publikums im Kopf zu haben und diesem gefallen, oder irgendwie genügen zu wollen, oder zu müssen. Die erste Antwort hingegen, könnte dazu führen, in Beliebigkeit zu zerfasern und sich selbst zu genügen und jegliche konstruktive Kritik und äußere Einflüsse auszublenden.</p><p>Es gibt aber auch noch einen dritten Ansatz. So etwas wie <em>dem vorhandenen Kanon etwas eigenes hinzufügen zu wollen</em>. So vermessen das klingen mag. Vieles ist zu den meisten Sachverhalten schon gedacht und gesagt und geschrieben worden, aber eben nicht von mir und nicht heute und nicht hier. Vielleicht ist meine nicht die spannendste Perspektive, aber nun mal die einzige, die ich habe.</p><p>Schreiben als Akt der Selbstwahrnehmung und Selbstermächtigung, Selbstentleerung und Selbsterfahrung. Achtsamkeitsübung. In diesem Sinne hat das Schreiben eine schon beinahe mystische und religiöse Qualität. Obwohl man kreativen Prozessen mit derlei Zuschreibenden und Überfrachtungen sicher keinen allzu großen Gefallen tut.</p><blockquote><p>“Das Schreiben ist kein Genuss. Es ist das Quälende. Etwas, was man tut, wie Kotzen. Man muss es tun, obwohl man es eigentlich nicht will.”</p><p>- Elfriede Jelinek</p></blockquote><p><em>to be continued...</em></p><hr aria-hidden="true"/><p>Wenn Du den Text lieber hören möchtest:</p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/01d4bd60-13bd-4fdc-90dd-71643fa1b610">Auf Steady anhören</a></p><hr aria-hidden="true"/><h2><strong>NEWS NEWS NEWS</strong></h2><p>Ab sofort kannst Du Dir die finale Folge der <em>UNTO US</em>-Serie von <a href="https://unto-us.com/">Central Arts</a> online anschauen. In dieser Video-Serie werden 4 Kunstschaffende einzeln portraitiert und in ihrem kreativen Schaffen filmisch begleitet. Alle vier bekommen dieselbe Aufgabe gestellt und am Ende, in der finalen Folge, treffen alle zum ersten Mal aufeinander und präsentieren sich gegenseitig die entstandenen Werke. Ich hatte die große Freude und Ehre einer dieser vier Menschen sein zu dürfen. Schaut gerne mal rein. Ich finde die ganze Serie ist ganz ausßergewöhnlich toll geworden:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=md7yNBRGdtk">https://www.youtube.com/watch?v=md7yNBRGdtk</a><p>Diesen Text schicke ich Dir mit meinen Laptop auf meinen Knien und dieser Aussicht:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/01d4bd60-13bd-4fdc-90dd-71643fa1b610/uploads/images/uuxrolkglp/D8360D85-51B9-44C4-BA8D-DF1A94AA9AA2.JPG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Liebe Grüße aus Kroatien und bleib neugierig &lt;3</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn du diese Mail bekommst und darüber nachdenkst mich und meine Arbeit auf Steady monatlich zu untersützen, dann klicke gerne auf den Button.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Sun, 21 May 2023 10:21:59 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VON DER ANGST]]></title>
      <description><![CDATA[TEIL 4: VON DER ANGSTDa sitzt ein großer schwarzer Vogel auf der Kante des Balkons der Wohnung gegenüber. Starrt mich über die Straße hinweg vorwurfsvoll an...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>TEXTE VOM VORHANDENSEIN</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7ca31719-96a2-4c1b-91df-44e32cc8e638/uploads/images/3f6zxwpxtb/TEXTE%20VOM%20VORHANDENSEIN-6.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>TEIL 4: VON DER ANGST</strong></p><p><strong>VON DER ANGST</strong></p><p>Da sitzt ein großer schwarzer Vogel auf der Kante des Balkons vor der Wohnung gegenüber. Starrt mich über die Straße hinweg vorwurfsvoll an, als ich im offenen Fenster stehend rauche. Ich starre zurück und gehe nach den letzten beiden Zügen wieder an meinen Schreibtisch. Etwa eine halbe Stunde später, als mir nichts mehr einfällt, mache ich mir Kaffee und öffne erneut das Fenster zur Straße. Der große schwarze Vogel sitzt immer noch  in der exakt selben Pose, an der exakt selben Stelle auf der Balkonkante und starrt und verharrt wie vorhin. Und ich denke, entweder schlafen Vögel dieser Art einfach verdammt lang und unbequem, oder haben vielleicht geheime Jedi-Yogi-Zen-Meister-Mystik-Meditations-Traditions-Techniken. Oder, und das halte ich mittlerweile dann doch für wahrscheinlicher, ich habe einfach nicht gecheckt, dass dieser Vogel gar kein echter Vogel ist. Kunststoff-Krähe, um Tauben abzuschrecken, oder wer auch immer sonst Angst davor haben könnte und in der Lage wäre von außen in den dritten Stock zu kommen. Vorhanden, aber nicht vorhanden. Eine Form von Vorhandensein ohne wirklich zu sein.</p><p>Ich stelle mir vor, wie jemand in einem Experiment meine Urängste erkennt und die dann lebensgroß in Farbe an Hausfassaden heftet. Ich beobachte einen kleinen Vogel im Landeanflug und brülle ihm über die Straße herüber zu: „Keine Panik! Das ist bloß Kunststoff in der Form von Furcht!“ Verschreckt von meiner lauten Warnung fliegt er entgegengesetzt weiter.</p><p>Als Kind hatte ich keine Angst vor Löwen, weil in den Kinderbuchgeschichten die Wölfe böse waren und die Löwen König. König des Dschungels oder von Narnia und sie redeten mit warmen und freundlichen Stimmen, obwohl sie auch brüllten und natürlich nicht zahm waren. Oder ich erinnere mich an die Geschichte des Sklaven Androklus, der im römischen Kolloseum von den Löwen verschont wurde, weil er auf seiner Flucht einem dieser Löwen eine Verletzung versorgt hatte.</p><p>Heute bin ich kein Kind mehr und denke weniger über Löwen nach. Und habe Angst. Nicht vor Löwen, aber häufig vor der Zukunft. Nicht so sehr vor bestimmten Entwicklungen, oder Veränderungsprozessen, sondern eher davor, wie es mir damit geht, ob ich versorgt sein werde, ob es mir gut gehen wird, was ich tun werde und ob und wo ich meinen Platz finde? Und wenn es wie in den Kindergeschichten nicht die Löwen, sondern die Wölfe sind, die mir Angst machen, dann passt das irgendwie auch. Angst, dass wir Menschen mitunter Löwen, oder eben Wölfe füreinander sind. Aufeinander losgehen, um über die Runden zu kommen, nicht auf der Strecke zu bleiben, oder das eigene Revier zu verteidigen. Der römische Komödiendichter Titus Maccius Plautus (ca. 254–184 v. Chr.) formulierte es zum Beispiel so:</p><blockquote><p>Denn der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, kein Mensch. Das gilt zum mindesten solange, als man sich nicht kennt.</p></blockquote><p>Und ich denke wieder an den großen schwarzen Plastikvogel. Ich versuche mich daran zu erinnern, dass er zwar vorhanden, aber nicht lebendig ist. Furcht einflößend, aber unecht. Er sieht nach Gefahr aus und alle Instinkte schreien &quot;Flucht&quot;, aber mehr passiert eben nicht. Ich könnte sogar neben ihm landen und über sein Plastikgefieder streichen. Er wird mich nicht beißen, oder fressen.</p><p>Sich Sorgen zu machen, ist ja auf eine Weise auch ein kreativer Akt, der Phantasie voraussetzt. Ich stelle mir etwas vor, das in der Zukunft passieren <em>könnte. </em>Aber die vermutlich unproduktivste Möglichkeit mit Vorstellungskraft umzugehen darstellt, auch wenn sich das evolutionär sicher gut begründen ließe. Ich mag dieses Zitat von Dan Zadra deswegen und habe es schon mehrmals vorne in mein Notizbuch geschrieben:</p><blockquote><p>Worry is a misuse of the imagination.</p><p>― Dan Zadra</p></blockquote><hr aria-hidden="true"/><p>Hier kannst du dir den Text als Video anschauen:</p><a href="https://youtu.be/Gr-Hct1QE_M">https://youtu.be/Gr-Hct1QE_M</a><hr aria-hidden="true"/><p>Und hier kannst du dir den Text von mir vorlesen lassen:</p><p><a href="https://steady.page/34193e52-5bee-4226-88cc-cf65914b8132/posts/7ca31719-96a2-4c1b-91df-44e32cc8e638">Auf Steady anhören</a></p><hr aria-hidden="true"/><p>Liebe Grüße aus Marburg und bleib neugierig &lt;3</p><p>Marco</p><p>PS. Wenn du diese Mail bekommst und darüber nachdenkst mich und meine Arbeit auf Steady monatlich zu untersützen, dann klicke gerne auf den Button.</p><p><a href="https://steady.page/de/marcomichalzik/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Sun, 14 May 2023 14:07:10 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM NICHTS]]></title>
      <description><![CDATA[TEIL 3: VOM NICHTS: Im Großen und Ganzen schreibe ich also ein Gedicht darüber, dass es eigentlich nicht möglich ist, ein solches Gedicht zu schreiben...]]></description>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Sun, 07 May 2023 11:43:13 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[VOM DANKE SAGEN]]></title>
      <description><![CDATA[TEIL 2: VOM DANKE SAGEN: Nach einer längeren Lesung sage ich am Ende „Danke fürs Zuhören“, wie ich es fast immer tue und verbeuge mich. Nach dem Applaus kommt...]]></description>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Sat, 29 Apr 2023 10:36:01 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[VOM SPIELEN]]></title>
      <description><![CDATA[TEIL 1: VOM SPIELEN: Ich sitze im Innenhof in der Krummgasse in Wien. Es ist ein schweißschwangerer Hochsommer-Sonntag. ]]></description>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Sat, 22 Apr 2023 10:38:54 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[PROLOG / WELLEN]]></title>
      <description><![CDATA[TEIL 0: PROLOG / WELLEN]]></description>
      <category><![CDATA[Texte vom Vorhandensein ]]></category>
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      <pubDate>Mon, 17 Apr 2023 08:24:44 +0000</pubDate>
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