Kleine Fische haben im offenen Ozean kaum eine Chance, sich vor Fressfeinden zu verstecken. Zumindest nicht als einzelne Individuen. Deshalb schließen sich manchmal große Schwärme zusammen und schwimmen und haben unterschiedliche Möglichkeiten, den Räubern zu entkommen. Sie verwirren sich durch das Schillern ihrer vielen Schuppen, trennen sich kurz vor dem gegenüber und schließen sich anschließend wieder zusammen und scheinen einen choreografierten Tanz Unterwasser zu vollführen. Doch wenn all das nicht funktioniert, enden sie manchmal in einer bestimmten Formation, in der sie einen sogenannten Fressball (engl. Baitball) bilden. Sie schwimmen eng beieinander und sind permanent in Bewegung, um als Masse größer zu wirken und hungrige Räuber abzuschrecken. Doch das funktioniert nicht bei allen. Während Delfine, Makrelen, Fuchshaie oder Schwertfische mit hoher Geschwindigkeit durch den Ball schießen und sich ihre Beute schnappen, tauchen manche Wale aus der Tiefe auf und versuchen, direkt den ganzen Fressball in ihrem weit aufgerissenen Maul unterzubringen. Währenddessen wird der Ball an die Oberfläche getrieben, wo bereits Seevögel auf ihren Snack warten. Egal, auf welche Weise: nach etwa 10 Minuten ist von diesem Schwarm nichts mehr übrig und das Schauspiel wird irgendwann, irgendwo im unendlichen Blau erneut stattfinden.

Wie oben erwähnt, werden auch Fuchshaie immer wieder in solch einem Spektakel gesehen. Sie fallen besonders durch die obere Hälfte ihrer Schwanzflosse auf, die fast so lang wie der Rest des Körpers sein kann. Mit dieser fast peitschenartigen Flosse schlägt er blitzschnell in den dichten Fressball. Getroffene Fische werden von diesem Aufprall entweder betäubt oder direkt getötet, sodass der Fuchshai sie einsammeln und hinunterschlingen kann. Durch diese Jagdtechnik hat er seinen Beinamen Drescherhai bekommen und wird auch auf englisch Tresher shark genannt.

Auch viele Meeresvögel sind immer auf der Suche nach einem Fischschwarm, der von Prädatoren an die Wasseroberfläche getrieben wird. Sie zeigen uns Menschen häufig an, wo solch ein Baitball grad gejagt wird, da sie die einzigen Akteure über der Wasseroberfläche sind. So sind unter anderem Basstölpel für das sogenannte Stoßtauchen bekannt. Sie erspähen ihre Beute aus großer Höhe und stürzen sich mit hoher Geschwindigkeit ins Wasser. In den wenigen Sekunden Unterwasser versucht der Basstölpel unter den Fisch zu tauchen und ihn von unten mit dem Schnabel zu packen, um ihn direkt beim Auftauchen verschlucken zu können. Die Konkurrenz ist groß und niemand möchte sich Beute klauen lassen. Denn wo ein Basstölpel ist, schließen sich viele andere bereits nach kurzer Zeit an.

Die gemeinschaftliche Jagd, sowohl über als auch unter der Oberfläche ermöglicht es Delfinen, Haien, Walen und Vögeln, in kürzester Zeit viel Fisch zu erbeuten. Einzelnen Räubern würde solch ein Fischschwarm im offenen Ozean immer wieder entkommen.
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